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Full text of "Die Kirchengeschichte Böhmens im Allgemeinen und in ihrer besonderen ..."

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^/f' rr 



rtiü* 



Die 



Kirchengeschichte Böhmens 

im Allgemeinen 

und 

in ihrer besonderen Beziehung 

aaf die jetzige 

Leitmeritzer Diöcese. 



Nach den ziiTerllssigsteii, grossenthells luuidsehriftlleheii gellen 



bearbeitet von 



P. ANTON PMND, 

bischM. Notar, k. k. OymBuial-Director In Eger. 



Die Zeit des erblichen Königthums bis zum Tode CarPs L (IV.) 

(Die goldene Zeit der Kirche Böhmens.) 



PBAQ, 1866. 
Verlag von Friedrich Tempsky. 



Die 



Kirchengeschichte Böhmens 

im Allgemeinen 

und 

in ihrer besooderen Bezieiiing aif die jetzige Leitmeritzer DiScese 

in der 

Zeit des erblichen Kfinigthnins bis zum Tode Carls L (IV,) 

(Die goldene Zeit der Kirche Böhmens.) 



Nach den zuverlässigsten, grossentheils handschriftlichen Quellen bearbeitet 



Ton 



P. ANTON PRIND, 

biacliöfl. Notar» k. k. OymnMial-Diroctor in Eger. 



f V.' >./ v^ \/'N-/ xyN-x s>'>^"\^\_/>_^~\_^~v^'vy~v^ v^ vj'v^n j v^x>>-/'v>'" 



FRAQ, 1866. 
Verlag von Friedrich Tempsky. 



*Y A' 






Drack tob Helor. Mercy ia Pnf. 



Vorrede- 



Ich übergebe hiemit den zweiten Band meiner vaterlän- 
dischen Eirchengeschichte der öfifentlichkeit und insbesondere den 
Händen meiner geistlichen Brfider, welche den ersten Band so wohl- 
wollend au%enommen und mich so vielfach zur Fortsetzung meiner 
Arbeit aiilsefordert haben. Ich darf letztere eine sehr mühevolle 
nennra und eben darum wird man mir die längere Verzögerung 
g«m verzeihen. 

MitUerwdle hat der edle Mann, der mich zur Ab&ssung die- 
ses Werkes aufforderte und mein Streben wesentlich unterstützte, 
sein Haupt zur Ruhe gelegt. Der allverehrte und allgeliebte Bischof 
von Leitmeritz AugustinBartholomaeusHilleistam26. 
April 1865 im 79. Jahre seines frommen und thatenreichen Lebens, 
im 66. seines Priesterthums und im 33. seines bischöflichen Amtes 
aoB diesem Leben geschieden. Man wird in gegenwärtigem Buche 
das Leben einer Reihe heiligmässiger Bischöfe lesen, — eines 
Andreas, Emest von Pardubitz, Johann Oiko; — aber ich weiss 
nidit und alle Diöcesanen von Leitmeritz werden mit mir fragen, 
ob einer ein gesegneteres Andenken hinterliess, als unser verstor- 
bener Augustinus. Wann war einer so unermfidet in der Arbeit, 



VI 

so musterhaft in der Frömmigkeit, so eifrig für das Heil seiner 
Heerde, so begeistert für das Wohl der h. Kirche, so mild gegen 
die Armen und Kranken, so herzlich gegen seine Priester, so liebe- 
voll gegen Jedermann? Und wann starb einer so gottergeben, so 
gottvertrauend, so erbauend? In jedem andern Falle möchte ich 
den Verdacht der Schmeichelei fürchten ; aber ich spreche hier von 
einem Todten und sage nur aus, was die ganze Diöcese und was 
ganz Böhmen weiss. Ich ho£fe, dass es mir gegönnt sein wird, diesem 
herrlichen Bischöfe in der weiteren Fortsetzung dieses meines Wer- 
kes ein kleines Monument zu setzen ; indem ich aber diesen zweiten 
Band — den letzten unter seiner Ägide geschriebenen — in die 
Öffentlichkeit einführe, kann ich schon heute nicht umhin, dem Un- 
vergesslichen einen Blick kindlicher Verehrung und heissen Dankes 
in die Ewigkeit nachzusenden. 

' So Grott will, arbeite ich auch femer noch muthig fort. Ein 
edler Beförderer meines Mähens ist mir entrissen, Gott der Herr 
— ich hoffe es mit Zuversicht — wird einen neuen senden. Wie 
eben verlautet, so ist der neue Oberhirt von Leitmeritz bereits er- 
nannt: Augustin Wahala, bisher Erzpriester von Müglitz und 
Ehrencanonicus von Kremsier. Also wieder ein Augusti- 
nus! Ut nomen sit omenl 

E g 6 r, am 26. October 1865. 

P. Anton Frind. 



n. Zeitraum. 

Die goldene Zeit der böhmischen Kirche. 

§. 94. Einleitang. 

Der erste Band unseres Werkes wurde mit dem Ableben des 
Herzog-Bischofs Heinrich Bfetislav, beziehungsweise mit dem Ende 
des 12. Jahrhunderts abgeschlossen. Wir sahen da unser Vater- 
land nach einer glücklich bestandenen Reformation an der ßchwelle 
seines goldenen Zeitalters stehen. Dies tritt zunächst in politischer 
Beziehung ein; denn an die Stelle der stets strittigen und vom 
deutschen Reiche abhängigen Herzogswürde gewinnt Böhmen das 
erbliche Königthum mit einer wohl geordneten Erbfolge. 
Dieser Erhöhung entspricht nun aber nicht bloss nach Aussen 
ein henrorragender Einfluss unseres Landes auf die Weltgeschicke, 

— sein politischer Glanz, der schliesslich in der Kaiserkrone gipfelt: 

— sondern es zeigt sich ihre Wirkung ebenso im Inn ern und nament- 
lich auf religiösem Gebiete, wo nunmehr bei echt königlicher Frei- 
gebigkeit Seitens Hoher und Niederer die schönste Mannigfaltigkeit 
und die reichste Entwicklung kirchlichen Lebens zu Tage tritt. 
Allerdings gebt* zunächst die einst von Friedrich Barbarossa erlangte 
unmittelbare Reichsfürstenwürde der böhmischen Bischöfe zugleich 

mit der unmittelbaren kaiserlichen Investitur verloren : dafür aber I 

ist es das unablässige Bemühen der an die Stelle der K aiser getre- 
tenen einheimischen Könige, das Bisthum des Landes zum er z bi- 
schöflichen Sitze zu erheben. Das Vorhaben gelingt endlich im 
J. 1344. Ja jäogar noch Höheres wird erreicht: die neuen Metropo- 
liten zu Prag — zugleich Primaten des böhmischen Reichs 

1 



— werden im J. 1365 auch noch Legati nati des aposto- 
lischen Stuhles über die Nachbardiözesen Regensburg, 
Bamberg und Meissen. — Der erste Kaiser-König stirbt im J. 
1378, der erste Legat im J. 1380. Hiemit ist uns der Gränzpunkt 
des neuen Zeitraums gegeben. 

§. 95. Bischor Daniel II. (1197- 1214). 

1. Nach dem Ableben des Herzog -Bischofs Heinrich Bi'eti- 
slav bemächtigte sich zunächst der bisher gefangen gehaltene Prinz 
Wladislav des herzoglichen Stuhles (22. Juni 1197), um densel- 
ben alsbald (6. December 1197) aus* seltenem Edelsinn an seinen 
aus der Verbannung heimkehrenden älteren Bruder Pfemysl Otto- 
kar I. wieder abzutreten. Doch besorgte Wladislav noch zuvor 
die Einsetzung eines neuen Bischofs und zwar in völlig neuer Weise. 
Nicht das Domkapitel durfte den Bischof wählen; nicht einmal die 
zum Wahllandtage einberufene höhere Geistlichkeit erhielt diesmal 
das lang geübte Recht: sondern. um eines gefügigen Oberhirten 
gewiss zu sein, verkündete Wladislav selbst den Namen desjenigen, 
den er nach dem Rathe seiner Hofleute zum Bischöfe des Landes 
erkoren hatte. Und als wäre ihm das nächste Ziel der neuen Zeit 
bereits klar gewesen: er verwehrte es dem Neuernannten, gleich 
seinen Vorgängern die Investitur an den Stufen des deutschen 
Kaiserthrones zu suchen, der ohnehin eben durch den Tod des 
Kaisers Heinrich VI. erledigt war. Wladislav selbst vollzog den 
Akt der Belehnung, nachdem der neue Bischof ausdrücklich auf 
seine Reichsunmittelbarkeit verzichtet und ihm als böhmischen Lan- 
desfursten den Huldigungseid geschworen l\atte. *) 

2. So bestieg der bisher in kirchlichen Kreisen ziemlich unbe- 
kannte^) Kapellan Wladislavs Daniel Milik als Daniel IL den 
Bischofstuhl — am 1. November 1197. ') Seine älteren Biographen 
nennen ihn einen Sprossen der edten Familie von Talmberg (später 
von Miliöin genannt) und Professen des Prämonstratenserstifts 



') Chron. Qerlaci, Oobner annal. VI. 642; Palack^ II. 53, 77; Tomek Gesch. 

Prags I. 162, 163. 
') Chron. Gerlaci. 
*) Tomek II. 162. 



Strahow. ') Wohl war es eine nicht ganz lobenswerthe Servilität 
gegen seinen herzoglichen Herrn, die dem neuen Bischöfe vor so 
vielen Würdigeren den Vorzug verschafft hatte. *) Diess und der unge- 
setzliche Vorgang seiner Erhebung erklären in Vorhinein das arge 
Zerwürfnis zwischen ihm und einem Theile der böhmischen Geist- 
lichkeit. Arnold, der damalige Propst des Kollegiatstifts Sadska und 
zugleich Domherr des bischöflichen Kapitels, führte im Namen aller 
Unzufriedenen bittere Klage in Rom. Arge Dinge wurden da dem 
Neuemannten vorgeworfen: er sei eines ehemaligen verheiratheten 
Priesters Sohn und habe daher nach den kirchlichen Gesetzen kein 
Anrecht auf den Bischofstuhl; er selbst habe auch den Cölibat ver- 
letzt, er sei dem Trünke und andern Lastern ergeben, er sei ein 
Verräther der bischöflichen Rechte. *) Man hat dem Manne offenbar 
zu viel angethan; denn die strenge Untersuchung, welche diessfalls 
auf Befehl des Papstes Innocenz III. durch die Erzbischöfe von 
Salzburg und Magdeburg eingeleitet wurde *), erwies den persönlich 
nach Halle vorgeladenen Bischof geradezu als unschuldig. Der Klä- 
ger Arnold musste entkleidet und barfuss Abbitte leisten und ewiges 
Stillschweigen angeloben. Dennoch erhob er in Kurzem die Klage 
von Neuem wieder. Er ging sogar selbst nach Rom und erwirkte 
dort die Vorladung des Bischofs. Dieser, verhindert selbst zu erschei- 
nen, schickte sofort einige Vertreter an den apostolischen Stuhl 
(Ostern 1200). Nach neuer erfolgloser Untersuchung — durch den 
Erzbischof von Mainz und die ihm zugetheilten Bischöfe von Passau 
und Regensburg — wurde endlich die Entscheidung dem Metro- 
politen Eberhard von Salzburg übertragen. Aber auch von diesem 
wurde die Unschuld Daniels ausgesprochen, nachdem die Bischöfe 
von Regensburg und Hamburg, und die Aebte von Bf ewnow, Kladrau 
und Sazawa zu seinen Gunsten einen Reinigungseid geschworen 
hatten. So wurde endlich unser Daniel durch ein eigenes päpst- 
liches Restitutionsschreiben (vom 5. Mai 1202) in die volle und 
ungehinderte Ausübung der bischöflichen Jurisdiktion wieder einge- 
setzt. Die unter Einem erhobene Klage, dass Daniel entgegen dem 
alten Brauche vom böhmischen Herzoge die Investitur genommen 



*) Kreibich MS. Bubna n. a. m. 

^ VgL den sp&tem Scheidungsprozess. 

*) Urk. in Erben reg. p. 

^) Gerlaci Chron. a. Erben r^. p. 198. Zuschrift Innocenz III. dd. 8. Apr. 1198. 



und diesem gehuldigt habe, wurde — aus besonderer Gefälligkeit 
gegen den neuen Landesfbrsten — nicht weiter verfolgt. ') 

§. 96. Die Ottokarische Ehescheiding. 

1. Indess hatte Herzog Pfemysl Qttokar I. schon im J. 1198 
die Willfährigkeit Daniels auf eine gefährliche Probe gestellt. Längst 
seiner ersten Gemahlin Adela von Meissen überdrüssig, wollte er 
von ihr geschieden werden, — weil er sie vor erlangter Mündigkeit, 
überdiess ohne Beistimmung ^er beiderseitigen Verwandten und 
endlich auch ohne Dispens vom vierten Grade der Blutsfreund- 
schaffe geheirathet habe. Er brachte diesfalls eine formliche Klage 
vor einem im Stifte Strahow unter Daniels Vorsitze versammelten 
Prälatengerichte ein , während Adela sogar mit Waffengewalt fem- 
gehalten wurde. Hier sprach der Bischof, ohne die andere Partei 
gehört zu haben, die Ungiltigkeit der Ehe aus. Adela aber appel- 
lirte für sich und ihre Kinder ^) an Papst Innocenz HI. 

Pfemysl Ottokar, für schon bewährte und noch zu bewäh- 
rende Freundschaft bereits vom deutschen Könige Philipp zum 
erblichen Könige von Böhmen erklärt und als solcher 
am 15. August 1198 zu Mainz gekrönt, — schritt sofort zu 
einer zweiten Ehe mit Constantia von Ungarn, nachdem mehrere 
Prälaten der königlichen Braut die Zulässigkeit dieser zweiten Ehe 
verbürgt hatten. Erst nachträglich wendete sich auch Ottokar nach 
Rom, um dort gegen Adelens Klage die Lösung des frühern und 
die Bestättigung des neuen Ehebundes zu erbitten. Auch hier 
wurden die im Stifte Strahow vorgebrachten Scheidungsgründe gel- 
tend gemacht, überdiess aber noch beigeftlgt, dass die Giltigkeit 
der ersten Ehe von ihm stets bezweifelt und der apostolische Stuhl 
schon vorlängst um eine Entscheidung angegangen worden sei, dass 
jedoch der verstorbene Bischof (Herzog) Heinrich in unerklärlicher 
Weise die Sache auf sich beruhen gelassen habe. ') 

2. Innocenz, der von den Fürsten seiner Zeit anerkannte Va- 
ter der christlichen Staatenfamilie, bewährte nun auch in Beziehung 



») ürk. Erben reg. p. 209. Vgl. Tomek I. 163, 164. 

*) Prinz Wratislaw aus dieser (bereits 16j&hrigen) Ehe wurde 1212 von Kaiser 

Otto IV. als Gegenkönig Ottokars aufgestellt, — aUerdings ohne Erfolg. 
*) Epist Ottocari 1198, in Erben regest, p. 201. 



auf unser Vaterland seinen Ruhm als Wächter der kirchlichen Ge- 
setze und als Beschirmer der Unterdrückten. Sofort ward zur Un- 
tersuchung der Streitsache eine Commission unparteiischer Rich- 
ter bestellt: der Erzbischof von Magdeburg und die Aebte von 
Bürgein und Altenzeil. Doch scheinen diese nichts Erhebliches 
veranlasst zu haben, so dass weiterhin die Bischöfe von Halberstadt 
und Hamburg und der Gistercienserabt von Pforta (bei Naumburg) 
mit der Untersuchung betraut wurden. ^). In Rom selbst sollte der 
Cardinal Petrus die Berichte der Commission prüfen, die Procura- 
toren der Parteien vernehmen und dann das Urtheil sprechen. ') 
Ohne Zweifel zog schon der gleichzeitige Process gegen unsern 
Bischof Daniel die Verhandlung etwas in die Länge; zudem hemm- 
ten auch noch neue politische Wirren alles weitere Vorgehen. Am 
1. März 1201 hatte sich Innocenz UI. im Streite der beiden Ge- 
genkönige in Deutschland für Otto IV. erklärt und nebst andern 
Fürsten auch unsern König um Unterstützung desselben gebeten. **) 
In Folge dessen war Ottokar im J. 1202 zu Otto übergetreten und 
unternahm nun im Sommer 1203 einen Feldzug gegen seinen ehe- 
maligen Gönner Philipp und dessen treuesten Anhänger Dietrich 
von Meissen, den Bruder der verstossenen Adele. Dabei erlangte 
er nochmals auch von Otto IV. die erbliche Königswürde und wurde 
neuerdings als solcher am 24. August 1203 zu Merseburg gekrön). 
Auch Innocenz IE. gab nunmehr dem neuen Sönig- 
thume die päpstliche Bestättigung unterm 19. April 
1204. *) Offenbar musste indess die leidige Processsache ruhen. 
Sobald aber der ärgste Kriegslärm vorüber war, wurde die Sache 
auf päpstliches Geheiss durch die Erzbischöfe von Salzburg und 
Magdeburg und einen gewissen Propst Romanus wieder in Angriff 
genommen. *). Dem Könige Ottokar kam diess jedoch ungelegen. 
Er nahm die Vorladungsboten mehr als ungnädig auf ^), so dass 
die päpstlich^ Commission verletzt ihre Vollmacht in die Hände 
des Papstes zurücklegte. 



>) Epist. Innoc. 1. Oct. 1109. Erben regest, p. 202. 

^ Ex epist Innoc. ad Adelam in Erben reg. p. 238. 

*) Ebendaselbst. 

*) Epist Innoc. 1. Uz. 1201. bei Erben reg. p. 205. Palackf II. 63. 

*) Epist. Innoc. in Erben reg. p. 218. 

*) Ex epist Innoc. in Erben reg. 225.' 

NnntioB inhoneste fecit tractari. Ex epist Innoc., Erben reg. 225. 



3. Doch bald darauf schien wieder Ottokar selbst zur Lösung 
die Hand zu bieten, In öffentlicher Versammlung der böhmisdien 
Stände erkläite er, er sehe in mancherlei Unglücksfällen und na- 
mentlich im Abgange eines männlichen Erben von seiner zweiten 
Gemalin eine Strafe des Himmels für das an Adela begangene Un- 
recht, und er sei bereit, die Verstossene in alle ihre Rechte wieder 
einzusetzen. ') Da änderte aber wieder plötzlich die Geburt eines 
Prinzen seinen Entschluss. Adela musste von Neuem ihre Klage 
in Rom erheben und neue Untersuchungsrichter wurden eingesetzt: 
diessmal der Erzbischof von Salzburg, der Domdechant und der 
Abt von Gurk. ^). Leider kam es auch jetzt zu keinem günstigen 
Erfolge. Ottokar hatte wieder die Partei Otto's IV. verlassen und 
sich zu Philipp von Schwaben zurückgewendet, dessen Tochter Ku- 
nigunde er nun mit seinem neugebornen Söhnlein verlobte. Diess 
war auch eine Abkehr von Innocenz IH. und eine ziemlich offene 
Erklärung, dass er nicht geneigt sei, einen ungünstigen Austrag 
seiner Sache ruhig hinzunehmen. Auf die erste Commission, die 
wahrscheinlich sogleich verworfen ward, folgte eine zweite — beste- 
hend aus dem Bischöfe von Havelberg und den Aebten von S. 
Georg und Sichem. ^) Aber auch diese hörten auf, dem Könige 
genehm zu sein, sobald sie Miene machten, den Process ernstlich 
zu betreiben. Den Abgesandten, der ihn persönlich vorladen sollte, 
warf er sogar in Prag in's Gefängniss. Infolge dessen fällten die 
beleidigten Richter ein Kontumazurtheil und sprachen über den 
widerspenstigen König die kirchliche Excommunication aus. ^) 

4. Ottokar lenkte nun wieder ein. Er appellirte auf Grund 
angeblicher Verdächtigkeit der Richter nach Rom und erlangte, 
dass Innocenz seine damaligen Legaten in Deutschland, den Car- 
dinalbischof Hugolinus von Ostia ^) und den Cardinalpresbyter Leo 
beauftragte, den König gegen Abnahme des Gelöbnisses, dass er 
dem Rechtsspruche sich fügen wolle, von der Excommunication zu ab- 
solviren. Alsdann sollten sie, wenn die Verwerfung der vorigen Rich- 



*) EpiBt. Innoc. 26. Apr. 1206; Palack^ IL 70, 71. 

*) EpiBt. Innoc. 26. Apr. 1206. 

^) Ex epiBt. Innoc v. 11. Dec. 1208. Erb. reg. 234, — vergl. epist. Innoc. 

ad Adelam 1210, Erben reg. 238. 
*) Ebendaselbst. 
') Der spätere Papst Gregor IX., — ein Ne£fe des Papstes Innocenz III. 



ter einen Grund habe, persönlich oder durch neue Bevollmächtigte 
die Verhandlung wieder in Angriff nehmen. Da endete aber wie- 
der die plötzliche Ermordung des deutschen Königs Philipp (21. 
Juni 1208.) die Mission der Legaten und es musste nachher erst 
wieder von Born aus eine neue Cömmission bestellt werden, diess- 
mal in den Erzbischöfen von Mainz und Magdeburg. Unserem 
Könige fehlte jedoch seit der Geburt eines Thronfolgers ein für 
allemal der gute Wille, den Streit zu Gunsten Adelens beenden zu 
lassen. Bald wurde daher der Gerichtsort verworfen, bald die Par- 
teienvertretung bemängelt, bald wieder gegen eine Entscheidung an 
die höhere Instanz appellirt. ') Dennoch wurde endlich die Unter- 
suchung zu Ende gebracht und unterm 13. April 1210 die Vorla- 
dung an beide Parteien erlassen, entweder selbst oder durch Ver- 
treter am Feste des h. Martinus in Rom zum Schiedspruche zu 
erscheinen. Der Papst selbst wollte diesen Schiedspruch fällen. ^) 
Da mochte Wohl die Erkrankung Adelens einen neuen Aufschub be- 
wirken, bis endlich der am 1. Februar 1211 erfolgte Tod der Dul- 
derin dem Processe ein unverhofftes Ende machte. Adela fand in 
dem von ihr mitgestifteten Kreuzkloster zu Meissen ihre letzte 
Ruhestätte. *). 

§. 97. Bemllinngen sir Errichtitig eines Erzbisthins in Bthmen. 

1. Die Erhebung Böhmens zu einem erblichen Königreiche 
hatte die Wiederaufnahme des alten schon von Herzog Bfetislav II. 
verfolgten Planes der Errichtung eiuQS neuen Erzbisthums zur 
Folge. Wenn es aber zum erstenmale hauptsächlich der Befreiung 
Böhmens von deutschem Einflüsse gegolten hatte: so war es diess- 
mal mehr eine Frage der Ehre für das neue Königreich. 

2. Die ersten Schritte in dieser Angelegenheit that öttokar bei 
dem gewesenen obersten Kanzler von Böhmen , dem einstigen 
Propste zu Wyfiehrad und nunmehrigen Erzbischofe von Mainz — 



') Epist. Innoc. ad archiepp. Mogunt. et Magdeb. dd. 11. Decbr. 1208. Erben 

reg. p. 234 u. epist. ad Adelam 1210. 
') Ex epist. Innoc. ad Adelam. 

^) Epist. Innoc. ad Adelam et Ottoc, Erben reg. 238 &c. 
*) Palack^ II. 72. 



8 

Siegfried von Eppenstein, zugleich Cardinal von S. Sabina. ') Dieser 
aber, wenn gleich bis zu König Philipp's Tode noch nicht im wirk- 
lichen Besitze seines Erzbisthums '), war der Verminderung seines 
erz bischöflichen Sprengeis nicht geneigt. ^) Da wandte sich Ottokar 
durch eine Gesandtschaft direct nach Rom und liess noch über- 
diess sein Ansuchen durch die gleichzeitigen Bitten seines könig- 
lichen Schwagers Emmerich von Ungarn unterstützen. Es wurde 
geltend gemacht, wie ausgedehnt die Diöcesen von Prag und 01- 
mütz seien, wie weit von der Metropole Mainz, und wie sehr die 
Verschiedenheit der Sprache das gedeihliche Wirken des mainzer 
Metropoliten in den Ländern böhmischer Zunge beeinträchtige. *) 
3. Innocenz III. nahm sich der Sache aufrichtig und wärmsteos 
an; denn er sah in ihr mehr eine Angelegenheit des Seelenheiles 
als der Ehre. *) Ueberdiess aber wollte er gern dem damaligen 
eifrigen Vorkämpfer Otto's IV. und dem Lande Böhmen gefillig 
sein. ') Dennoch liess sich die Sache keineswegs überstürzen. Er 
schrieb demnach selbst an die Betheiligten, — zunächst an König 
Ottokar, damit er das Bedürfhiss des Nähern begründe und insbe- 
sondere na.chweise, ob sofort noch einige andere Suffragan- 
Diöcesen in Böhmen errichtet werden könnten.') Dem 
Erzbischofe Si^fried aber, seinem treuesten Anhänger, trug er auf, 
die Gründe seines Sträubens namhaft zu machen und zu bedenken, 
dass man nöthigenfalls auch mit kirchlicher Strenge gegen ihn vor- 
gehen könne. ") Selbst ^ das gegen Siegfried widerspänstige Dom- 
kapitel zu Mainz vnirde — übrigens unter Androhung gerechter 
Strafe bei fortdauernder Renitenz gegen den rechtmässigen Erzbi- 
schof — zur Begutachtung des neuen Projectes angefordert. *) 



^) DieB8 deutet die Correspondenz des Papstes mit Siegfried an. AU Propst 
von Wy&ehrad erscheint Siegfried in einer Urkunde v. 1194. (Erben reg. 
p. 188.) 

') £ine Gegenpartei hatte den Bischof Leopold von Worms, einen Anhänger 
des Königs Philipp, gewählt 

°) Ex epist. Innoc. ad Sigfridum 20. Apr. 1204. (Erben reg. p. 219. Bo6ek IL 27.) 

*) Ex epist. Innoc. ad canon. Mogunt. Erben reg. p. 220. 

^) Ebendaselbst. 

*) Ex epist. Innoc. ad Ottocar. Erben reg. p. 219. 

') Epist dd. 21. April. 1204. 

'') Epist. ad Sigir. 20. Apr. 1204. 

') Epist ad canon. Mogunt. 21. Apr. 1204. 



9 

EndlicU sollte auch noch ein besonderer päpstlicher Abgesandter 
(T. . . . i subdiaconus et capellanus noster) die genaue Untersu- 
chung an Ort und Stelle pflegen und sodann günstigenüeiHs eine 
neue Gesandtschaft im Namen des Königs, des Bischofs und 
des Landes das gestellte Ansuchen erneuen. ') 

4. Das so eifrig angestrebte Ziel blieb unerreicht. Wenn im- 
merhin die Weigerung des mainzer Metropoliten und muthmaisslich 
auch des mainzer Domkapitels der erste Grund hiezu war: so trug 
doch sicher der folgende Politikwechsel Ottokar's zum MissUngen 
jenes Planes das Allermeiste bei. Er trat, — wie schon erwähnt 
wurde — im J. 1205 zur Partei Philipp's von Schwaben zurück 
und entfremdete sich dadurch auf geraume Zeit sowohl dem päpst- 
lidien Stuhle, als auch dem treuen Anhänger desselben, dem Erz- 
bischofe Siegfried von Mainz. Selbstverständlich ruhte da die 
Frage bezüglich des Erzbisthums. Das Jahr 1208 bewirkte zwar 
wieder die volle Einigkeit und Siegfried nahm nun wirklich von 
seinem erzbischöflichen Stuhle Besitz: aber alsbald folgten wieder 
neue schwere Wirren in Deutschland, die erst im J. 1212 mit der 
Absetzung Otto's IV. ihrem Ende nahten. Der schöne Plan kam 
unter Ottokar nicht mehr zur Sprache, — namentlich dann nicht 
mehr, als des gefügigen Daniels Nachfolger auf dem Prager Bischofs- 
stuhle einen langen und harten Kampf gegen den König selbst be- 
gann. Doch der Gedanke blieb treu bewahrt, um wiederholt wie- 
der angenommen zu werden und nachmals in friedlicheren Tagen 
zur Reife kommen. 

§. 98. Daniels Ende. 

1. In die Zeit der bischöflichen Verwaltung Daniers fallen 
zunächst reichliche Schenkungen an die kirchlichen Institute des 
Liandes. Das Meiste geschah von Seiten des Königs selbst. Der 
Bischof von Ohnütz wurde reich bedachf ) Das Prager Dom- 
kapitel erhielt eine Präbendenvergrösserung zu Holubic. ') Das 
Kollegiatstift auf dem Wygehrad^), die Stifte Ossegg^), Leito- 



') £x epist iDDOcent. ad Ottoc. 21. Apr. 1204. 
*) 8. Erben reg. p. 206, 228, 285. 
*) Erben reg. p. 221. 
*) Erben regest. 248. 
«) Erben 214, 282. 



10 

mygl «X Plass«), Bfewnow»), Tepl*), Mühlhausen »), Kla- 
drau*), S. Georg'), Doxan*), und Opatowic **), erfreuten 
sich wiederholt der königlichen Freigebigkeit. Die Benedictiner- 
kqlonie Polic dotirte er sogar zur Gänze aus eigenen Mitteln. '") 
Nicht minder bedachte er auch die kirchlichen Institute in dem 
seinem Bruder Wladislav überlassenen Mähren. ' ') Namentlich aber 
war es Ottokar, der die Kapitel und Klöster mit namhaften 
Exemptionen und Privilegien auszeichnete. So ertheilte 
er vielen 4lerselben< die Befreiung von Zöllen für sich und ihre Un- 
terthanen ^'), die Loszählung von der allgemeinen Landessteuer '^) 
und von der Verpflichtung, königliche Diener und Krieger zu be- 
wirthen ''*), die Exemtion von den Cudengerichten *') und die eigene 
selbstständige Gerichtsbarkeit. '^) Uiberdiess nahm er die kirch- 
lichen Institute unter seinen besondern königlichen Schutz. '') Es 
hatte gradezu den Anschein, als hätte Ottokar auch durch solche 
Freigebigkeit wieder gut machen wollen, was er der böhmischen 
Kirche durch Aufhebung der Reichsunmittelbarkeit ihrer Bischöfe 
an äusserem Glanz entzogen hatte. Dem Beispiele des Königs 
folgte auch seine zweite Gemahlin Constantia, die in ihrer das 
Gewissen beängstigenden Stellung bei und nach dem bekannten 
Scheidungsprozesse ihres Gatten einen Trost in der seltensten Frei- 
gebigkeit gegen Kirchen und Ordenshäuser suchte. Ihre eigentliche 
Schöpfung wurde das mährische Cisterzienserinnenkloster TiSno- 



') Erben 328. 

») Erben 230, 258, 265, 287, 288, 315. 

») Erben 205, 29(), 292, 316. 

*} Erben 265, 338. 

*) Eiben 276, 285. 

•) Erben 308. 

*) Erben 319, 335. 

•) Erben 326. 

•) Erben 337. 

<>) Erben 250. 

') Erben 205—338. 

») Erben 200, 204. 

») Erben 221, 228. 

«) Erben 206. 

«) Erben 215, 232. 

•) Erben 232, 335, 

^ Erben 214, 



li 

wie. Auch die Kreueberren nannten sie ihre erste Wohlthäterin. 
Des Königs Bruder Wladislav von Mähren, der das Kloster 
We lehr ad erbaute, und andere Glieder der königlichen Familie 
wetteiferten förmbch in Opfern für die Kirche/^) Bischof Daniel 
blieb dabei auch nicht zurück; namentlich verdankte ihm das Stift 
T e p 1 ^) die Uibertragung erheblicher Zehnten und das Kloster s s egg 
das Kirchenpatronat in der meissnischen Stadt Sayda. ^) Zahlreiche 
Grosse des Landes suchten in gleicher Weise eine Ehre darin, 
Wohlthäter von Kirchen und Klöstern zu werden, was insbesondere 
dem nunmehr auch nach Böhmen verpflanzten Templer- und deut- 
schen Orden und den neuen Mendicanten (Dominikanern und Fran- 
ziskanern) zu Statten kam. ') So erlebte Bischof Daniel einen 
Glanz der Kirche Böhmens, wie ihn die frühere Zeit nie gesehen 
hatte. 

2. Neben König Ottokar gebührt dem Bischof Daniel das Ver- 
dienst, im J. 1204 die Heiligsprechung des seligen Abtes 
Prokop in Rom bewirkt zu haben. ®) Uiberdiess rühmen ihm seine 
älteren Biographen nach, dass er durch seine Beredsamkeit man- 
chen Zwist der Grossen beschwichtigt und überhaupt durch eine sel- 
tene Friedensliebe sich ausgezeichnet habe. ^) Leider scheint letz- 
tere oft über das billige Maass hinausgegangen zu sein; denn ab- 
gesehen Von seinem allzunachgiebigen Benehmen in der Investitur- 
frage und im-Ottokarischen Scheidungsprocesse schwjeg er auch zu 
mancherlei Ufbergriffen der Grossen, die nachher seinen Nachfolger 
Andreas zu einem sehr strengen Vorgehen veranlassten. Wohl 
mochten die bisher ziemlich ungewohnten Exemtionen und Privile- 
gien zu Streitigkeiten Anlass geben; anderseits aber ist auch an- 
zunehmen, dass die Grossen des Landes hier und da im Kleinen 
versuchten, was ihr König im Grossen gethan hatte^ — Unterwer- 
fung der Kirche und ihrer Diener. Da konnte es nun Daniel nicht 



*) Erben reg. 215, 231 u. a. 

') Erben reg. 221, 255, 260, 261, 268. 

') Erben reg. 228, 254, 257. 

*> Erben 204, 287. Die Zehntenschenkung an Tepl hatte nachmals einen 

Prozess seines Nachfolgers mit diesem Stifte zu Folge. 
*) Erben 205— B36. Namentlich zeichneten sich die Familien Hrabisa aus, 

(Erben 832). 
<"> Siehe Palack^ II. 67. 
'') Babna, Kreibich, Hammerschmidt, Crugerius 4^, 



12 

über das Herz bringen, seinen königlichen Gönner mit Klagen zu 
behelligen, und am Ende gar diesen selbst zum Verklagten zu 
machen. ') 

3. Bischof Daniel starb am 28. März 1214 im mährischen 
Kloster Welehrad, bei dessen Stiftung er selbst betheiligt gewesen 
sein soll, und fand daselbst auch seine letzte Ruhestätte. *) Kurz 
vor seinem Tode war nach langem Streite der entscheidende Schritt 
zur rechtlichen Regelung der künftigen Bischofswahlen — zunächst 
in Deutschland und so mittelbar auch fUr Böhmen geschehen. Kaiser 
Friedrich II. hatte bereits am 26. September 1212 zu Basel aus- 
drücklich für sich und seine Nachfolger die Investitur der Bi- 
schöfe Böhmens an den König dieses Landes abgetreten.') 
Am 12. Juli 1213 proclamirte er endlich in einer zu Eger ausge- 
stellten goldenen Bulle das alleinige Recht der Domkapitel, 
durch Stimmenmehrheit den neuen Bischof zu wählen.^) 
So wurde es fortan auch in Böhmen gehalten, dessen Landesfurst 
die goldene Bulle mitunterfertigt hatte. Die weltliche Investitur 
.geschah nun durch die Uiberreichung des Ringes und Scepters an 
den Neugewählten. 

§. 99. Bischof Andreas (1214 - 1224). 

1 . Daniels frei gewählter Nachfolger wurde der bisherige Prager 
Dompropst Andreas aus der edlen Familie der Guttensteiner. ( * 
Bis 1204 nennen ihn die öffentlichen Urkunden als Propst von Alt- 
bunzlau. •) Hierauf war er — nach einer kurzen Sedisvacanz — 
der Nachfolger des seligen Salzburger Erzbischofs Adalbert auf 
dessen Propstei zu Melnik geworden. Im J. 1207 erscheint er 
bereits als Propst bei S. Veit in Prag. ^) Von da ab bekleidete er 
zugleich die Würde eihes obersten Kanzlers des Königreichs. •) Ein- 



•) Vgl. Tomek 166, Palack^ IT. 78. 

*) Palack^ II. 78. Bubna, Contin. CoBm. 

*) Urk. Bo£ek II. 60, Erben 247. 

*) Urk. Schaonat conc. Germ. III. 496. 

^) Bobna catal. cap. Prag. MS. 

*) Erben reg. p. 206. 

') £rb«n rag. 231. Also irrt Berghauer (Protomartyr. poen. 187 &c.), da er 

ihn von 1199 bis 1212 als Propst von Melnik aufführt. 
*) ürk. Erben reg. 244. Er war offenbar in dieser Würde der Nachfolger 

des vorigen Prager Propstes Christianus. 



13 

stimiBig zum Bischöfe gew&hlt empfing er die Belehnung mit der 
ihm hinfort zustehenden weltlichen Macht durch die Investitur mit 
Ring und S.cepter von Seiten des Königs. ') Darauf zog er nach 
Rom, um dort dem eben versammelten allgemeinen Concile im 
Lateran beizuwohnen und zugleich die päpstliche Bestättigung und 
die bischöfliche Weihe zu erbitten. Am 22. November 1215 erhielt 
er die letztere angeblich vom Papste Innocenz XU. selbst. ') 

2. Es schien, als habe sich dem neuen Bischöfe der grosse 
Greist seines Consecrators mitgetheilt. Ein Mann der reinsten 
Sitten und der unverdrossensten Thätigkeit, dazu so uneigennützig, 
dass er sogar seine Erbgüter dem Bisthume einverleibte und auch 
noch die Theilung seines Sprengeis in mehrere Diöcesen mit aller 
Energie betrieb, — war er selbst über jeden Tadel erhaben. Voll 
des heiligen Eifers fär das Wohl und die Rechte der Kirche, und 
ebenso muthig als ausharrend, wenn es galt, solche zu vertheidigen : 
so stand er einem Klerus gegenüber, der unter Daniels alzu mildem 
R^mente manches unberufene Mitglied aufgenommen hatte, und 
einem Fürsten, der bis jetzt gewohnt war. Alles zu beherrschen, 
und in einem Lande, wo es seit der erzwungenen Huldigung des 
Bischöfe Daniel kaum ' eine genaue Gränzlinie gab, über welche 
hinaus die weltliche Auctorität sich nicht wagen durfte. 

3. Vor allem richtetel Andreas sein Auge auf die Geistlichkeit. 
Er sah da in den Kapiteln des Landes nicht wenige Kanoniker, an 
deren Geburt eine von der Kirche verpönte Makel haftete. Theils 
waren es uneheliche Söhne der Grossen '), theils aus ehemaligen Ehen 
der Geistlichen entsprossen. Solche konnten ordnungsgemäss nicht 
zu den heiligen Weihen gelangen und hatten demnach ungeweiht 
ihre Benefizien inne, diess sogar ohne irgend eine kirchliche Dis- 
pens. Bischof Andreas fragte desshalb unterm 29. October 1216 
beim apostolischen Stuhle an, ob derartige Benefiziaten zu amovi- 
ren seien. Unter einem wandten sich aber auch mehre Geistliche 
dieser Art um Dispens an Papst Honorius III. -- so nament- 
ttch der Pfarrer von Praskoles und der Prager Kanonicus P. . . . 
nebst seinem Bruder Hermann, alle aus Priesterehen stammend 



^) Kreibich M& 

«) Ebend. Vgl. auch Tomek 165 u. PaUck^ IL 77. 

") Sfi|^ ein Blutarerwandter Ottokan (Gan. Arnold) wird genaont. 



14 

und vorgebend, solche Ehen hätten vordem in Böhmen allgemein 
als rechtlich gegolten. Da liess Papst Honorius Gnade für Recht 
ergehen, weil — welch ein trauriger Grund — „die Menge diess 
nothwendig mache und solche Geistliche ohne Aergerniss nicht 
beseitigt werden können. Der Bischof sollte dieselben vorläufig dul- 
den .'^ ^^ Desto strenger aber sah nun Andreas auf fernere genaue 
Durchführung des Cölibatgesetzes ') und nicht wenig förderte nach- 
mals im J. 1222 der Cardinallegat Gregor durch persönliche Kir- 
chenvisitationen die moralische Hebung der böhmischen Geistlich- 
keit ») 

4. Von der grosseA Gewissenhaftigkeit des Bischofs zeigt unter 
Anderem auch seine AnlFrage in Rom, ob es solchen Personen, die 
weder durch ein Gelübde noch durch eine Ordensregel gebunden 
sind, erlaubt sei, in herkömmlicher Weise Fleischspeisen zu genies- 
sen, wenn das h. Weihnachtsfest auf einen Freitag falle. Honorius 
in. bejahte die Frage „gemäss einer Gewohnheit der allge- 
meinen Kirche und wegen der Höhe des Festtages.*^) 

V 

§. 100. Der böhmische Kirchenstreit. 

1. Unter Daniels allzu nachgiebiger Verwaltung hatten auch 
die kirchlichen Rechte im Lande mehrfach Schaden gelitten. Na- 
mentlich wurden dem Bischöfe und den religiösen Instituten die 
althergebrachten Zehnten zunächst von den königlichen Gütern vor- 
enthalten und Adel und Volk ahmten vielfach das gegebene Beispiel 
nach. Die erste Veranlassung hiezu war wohl der Umstand gewe- 
sen, dass frühere Bischöfe diese Abgabe hin und wieder an Personen 
und Klöster verschenkten, ^) so dass endlich die Belrechtigung und 
Verpflichtung wohl auch in derselben Hand zusammenkommen konn- 
ten* Noch häufiger aber wurden solche Zehentschenkungen nur 
prätendirt, und dadurch oft das Einkommen des Bischofs und der 
Seelsorger in Frage gestellt. Darum erwirkte Bischof Andreas unterm 
29. October 1216 vom Papste Honorius HI. die Fakultät, jene Dezem- 



^) Epist. Honorii in Erbcu reg. 267, 268. 

•) Tomek 165. 

■) Palack^ II. 89. 

*) Epist Honorii IV. Cal. Novx. 1216. 

') Von Bischof Daniel wurde ein Beispiel erwähnt. 



16 

Schenkungen der Bischöfe widerrufen zu dürfen, welche gegen die 
Kanonen und zum Nachtheile der Kirche attentirt würden. ') Da 
konnte es nun an CoUisionen mit den weltlichen Grossen und 
selbst mit dem Könige nicht fehlen; erwuchs doch selbst mit dem 
Kloster Tepl wegen der Zehentschenkung des Bischofs Daniel ein 
harter Streit. *) — Ueberdiess waren die neugewährten Exemtionen 
bereits ein Zankapfel der weltlichen Grossen geworden. Ohne alle 
Rücksicht zogen die Cudengerichte nicht bloss die Unterthanen, 
sondern auch die Personen der Klerisei vor ihr Tribunal, um solche 
abzurtheilen und zu bestrafen. ') Der König selbst besetzte die kirch- 
lichea Benefizien und entzog sie wieder, ohne der Kircbengewalt 
den gesetzlichen Einfluss zu gestatten. ^) Auch mag es sonst an 
einer minder würdigen Behandlung der Geistlichen nicht gefehlt 
haben. 

2. Bischof Andreas brachte seine Klagen ohne Zweifel vorerst 
an den König, ohne aber hier eine entsprechende Abhilfe zu fin- 
den. ') Daher kls^te er im J. 1216 beim apostolischen Stuhle, 
und verlangte Hilfe von Honorius UL, dem muthvollen Nachfolger 
des grossen Innocenz, der am 16. Juli desselben Jahres das Zeit- 
liehe gesegnet hatte. Dieser Schritt zog ihm aber den Zorn des 
Königs und der Mächtigen im Lande zu, ohne dass in der Klag- 
sache selbst irgend etwas gewonnen wurde. Ja es mochte wohl 
selbst die persönliche Sicherheit des Bischofs gefährdet sein; denn 
noch im October 1216 verliess er Prag und Böhmen und begab 
sich nach Born. Von da aus belegte er nun mit päpstlicher Geneh- 
migung unterm 10. April 1217 sein Heimatland mit dem Interdicte. *) 
Glockenklang und kirchliche Gesänge sollten verstummen; der 
Gottesdienst sollte theils gar nicht, theils nur bei verschlossenen 



*) Epist. Honorii III. Erben 267. 

*) Urk. Erben reg. 270. 

') Namentlich wird ein Fall erwähnt, dass ein Kleiiker — allerdings wegen 

Kircheneinbruchs — aber ohne Befragung des Bischofs mit dem Stran'ge 

bestraft wurde. Ex epist. Ottokari ad Honorium, Bo^ek II. 102, 103. 
*) Epist. Honorii 1217. Erben 270. Zugestanden durch den Friedenspact 

V. 1219. 
*) Tomek 165. 
*) Vgl. Tomek 165. Can. Prag, cont Cosmae (Pertz IX. 169 &c.) setzt diess 

Interdiet auf IV. Idus Aprilis 1216 und Iftsst die Reise nach Rom darauf 

folgen. 



16 

Thüren gehalten werden, nur Sterbende sollten die b. Commu- 
nion empfangen, nur Geistlicbe, Bettler und Säuglinge sollten ein 
kircbliches Begräbniss erlangen, — bis Abhilfe geschafft sein 
werde gegen die schweren Anklagen des Bischofs. Dies aber erzärnte 
den König noch viel mdir. Er liess nun alles Vermögen des 
Bischofs mit Beschlag belegen. Selbst die Documente des Bis- 
thums und des Domkapitels wurden weggenommen und verschleppt 
und insbesondere das von Kaiser Barbarossa verliehene Privi- 
legium der B.eich8unmittelbarkeit vernichtet. Wohl that auch 
der Adel im Lande vielfach nach dem Beispiele des Königs. Ander- 
seits aber wurde das Interdict sowohl in Prag als auf dem Lande 
von vielen Geistlichen selbst verletzt. Die einen hatten vordem 
schon den Bischof als allzu strengen Sittenrichter minder lieb 
gewonnen; andern inponirte wieder der Zorn des Königs; noch 
andere meinten den richtigen Ausweg zu finden, indem sie im Ver- 
eine mit dem Könige den Metropoliten zu Mainz um die Lösung 
der kirchlichen Censur angingen. In der That behob der Erzbischof 
Siegfried von Eppenstein das bischöfliche Strafurtheil durch Erlass 
von 29. Mai (März?) 1217-,*) nachdem der König Bürgschaft gelei- 
stet hatte, dass er die wirklichen Rechte des Bischofs in keiner 
Weise schmälern wolle. 

3. Nun nahm sich auf des Bischofs Verwendung Honorius ISl, 
selbst der Sache an. Durch ein eigenhändiges Schreiben ') verwies 
er zunächst dem Erzbischof e Siegfried, dass er das vom Papste 
bestättigte Interdict eigenmächtig gelöst habe; innerhalb 20 
Tagen nach Empfang solle er seinen Erlass zurücknehmen, widri- 
genfalls die Aebte zu Eberach und Heilsbrun (Würzburger und Eich- 
städter Diöcese) beauftragt seien, ihn durch kirchliche Censuren 
zum Gehorsam zu zwingen. Ohne Zweifel leistete der Erzbischof 
Folge. Nun aber wendete sich auch König Ottokar nach Rom: 
viele Lügen seien gegen ihn vorgebracht worden; er selbst habe 
nie die Geistlichen bedrückt und verkürzt, sondern eher die Rechte 



^) Tomek 166. 

*) Chron. Neplach« bei Dobner mon. IV. 109. Oan. Prag. cont. Gosm. bei 

Pertz IX. 169 &c. 
') Bo6ek II. 94. Erben reg. 272. Das Datum XIII. cal Janii stimmt nicht 

za dem oben citirten erzbiscb. Erlasse vom 29. Mai. Wahrscheinlich soll 

letzteres M&rz heissen. 



17 

der Kirchen erhöht; das ungerecht verhängte Interdict habe er 
stets gehalten; er sei daran, eigene Gesandte in 'dieser Angelegen- 
heit nach Rom zu schicken, bis dahin möchten weitere Schritte ver- 
schoben werden. ') Honorius antwortete sofort, dass er die Gesandt- 
schaft abwarten wolle. *) Doch dieselbe liess lange auf sich harren, 
so dass Honorius im Februar 1218 den Bischof von Regensburg 
und die Aebte von S. Emmeram (in Regensburg) und Wallerbach 
beauftragte, die Beobachtung des Interdictos in Böhmen durch 
kirchliche Censuren wieder zu erzwingen. *) Sie wurden unter Einem 
auch zu Prokuratoren der bischöflichen Güter, bestellt. Darauf wandte 
sich der Papst auch wiederholt an den Bischof Robert zu Olmütz, 
den aus Britannien gekommenen durch seine Gelehrsamkeit berühmten 
ehemaligen Cisterzienserbruder von Nepomuk ^), damit auch dieser 
über die Beobachtung des Strafurthells wache. *) Doch dieser min- 
der kirchlich gesinnte Kirchenfürst ^) stand der Partei des Königs 
näher und liess sich von letzterem sogar bewegen, dem Interdicte 
zum Hohne im Prager Dome feierlich zu pontificiren. ^ Manche 
angesehene Prälaten in Prag und andere auf dem Lande folgten 
seinem Beispiele. Die Folge war, dass viele Prager Domherren 
suspendirt, ihrer Benefizien verlustig erklärt und vor den Richter- 
stuhl des Papstes citirt wurden. Genannt werden : der Domdechant 
Arnold (ein Verwandter des Königs), die Archidiakone von Prag, 
Pilsen, Bilin, Saaz, Kaui4m, Hor§ow und Bechin, die Domherren 
Mathias, Johann von Aschaffenburg und Bartholomäus, die Pröpste 
von Melnik (Peregrin) und von Altbunzlau. ") Der Erzbischof von 
Salzburg, die Bischöfe von R^ensburg, Passau, Eichstädt, Chiem- 
see, die Aebte an der Gränze von Böhmen wurden zu Executoren 
der päpstlichen Citation bestellt. Dem niedern Landklerus gewährte 



>) Epist. Ottocari m. Septemb. 1217, Bo6ek U. 95. Erben reg. 278. 

') Epist Honorii 2. Nov. 1217. (Bo6ek IL 95. Erben reg. 274.) 

*) Epist. Honor. XY. cal. Hart, Bo6ek II. 98. 

*) Prochaska de lib. art. fatis p. 97. 

*) Ep. Honor. IV. Non. Martii. (Erb. reg.) 

^ Soviel muss wenigstens den allerdings verleumderischen Anklagen von 1219 

gegenüber angenommen werden. Vgl. Epist Honor. XV. cal. Febr. 1219. 

(Bodek U. 106.) 
^) Epist Honorii IV. Cal. Apr. 1218, Bocek II. 101. 
*) Vgl Palack^ U. 84. Epist. Honorii III. Cal. Jim. 1218. Erben reg. 281. 

Tomek 167. 

2 



18 

Bischof Andreas mit Genehmigung des Papstes „der Menge wegen*" 
gänzliche Nachsicht. ') 

4. Endlich Hess sich König Ottokar herbei, den Papst (noch 
im April 1218) zu ersuchen, er möge selbst Gesandte zugleich mit 
dem Bischöfe Andreas nach Passau abschicken, um daselbst den 
Streit zu schlichten. *) In Folge dessen delegirte Honorius den 
Bischof Ton Regensburg und die Aebte von Eberach und Wald- 
sassen, um im Namen des Prager Bischofs die Genugthuung und 
das Angelöbniss des Königs entgegen zu nehmen. Zu diesem Ende 
sollten sie sich persönlich an den Hof Ottokars begeben. *) Ottokar 
nahm die Stihngesandtschaft in seinem Lande bereitwillig und wür- 
dig auf (im Jänner 1219) und es erfolgte auf einem zu diesem Behufe 
im Kloster Kladrau versammelten Landtage die Feststellung der dem 
Bischöfe einzuräumenden Rechte. Der Bischof und seine Nachfolger 
sollten Geistliche ein- und absetzen, jedoch ohne Benachtheiligung der 
Patronatsrechte. Geistliche Gerichte sollten nach den apostolischen 
und kanonischen Constitutionen über die Personen des Klerus Recht 
sprechen, und nie wieder sollte von königlicher Seite Hand an selbe 
gelegt werden. Die bischöflichen Güter sollten den bestimmten 
Procuratoren ausgefolgt und der Bischof selbst in allen Gnaden 
wieder aufgenommen werden. Für jeden erlittenen Schaden sollte 
demselben innerhalb drei Monaten nach seiner Rückkehr volle Genug- 
thuung geleistet werden. Die bisher gewöhnlichen Zehnten sollten 
fortbezahlt und wenn sie irgendwo nicht entrichtet zu werden 
pflegten, sollten sie fortan gleichfalls entrichtet werden. *) Dagegen 
sollte der Bischof dem Könige die schuldige Treue geloben. *) Als 
Zeugen dieses königlichen Antrags nennen sich nebst den päpstlichen 



') PalackJ II. 84. 

*) Epist, Ottoc, Bocek II. 102 und 103. 

') Epist Honofii 15. Mai 1218. Erben reg. 279. 

*) Decimas secundum consuetudiuem bactenus habitam solvemus, et sicubi 
non consueyerant, solvi de caetero faciemus secimdttm consaetudinem 
eandem. Hier muss nicht nothwendig (Vgl. Palack^ II. 85) an eine aUge- 
meine Einführung des bisher nur an etlichen Orten üblichen Dezems ge- 
dacht werden. Das non consueverunt kann sich auch bloss auf die un- 
mittelbare Vergangenheit beziehen, wo an einigen Orten nicht gezahlt 
wurde. 

■») Urk. Erben reg. 282, vgl. Palacky II. 85. 



19 

Bevollmächtigten die Aebte des Landes *), alle Grafen des König- 
reichs und eine grosse Zahl von Klerikern und Kriegern. — Mit die- 
sem Friedensantrage wurde der Abt von Waldsassen nach Rom ent- 
sendet, zugleich mit der Bitte, der Papst möge nunmehr ohne Auf- 
schub den Bischof zu seiner Heerde zurückschicken und mit ihm 
einen verständigen und frommen Legaten, damit derselbe die Gründe 
der Beschwerden selbst untersuche; auch möge vom Bischöfe jenen 
Prälaten verziehen werden, die „auf königlichen Befehl" den 
kirchlichen Gehorsam verletzt hätten. *) 

§. löl. Portsetzong. 

1. Der Streit schien beendigt. Dennoch loderte er bald von 
Neuem auf. In Rom wollte man die einmal abgesetzten Prälaten 
nicht wieder einsetzen, ^) in Böhmen schützte selbe der König im 
widerrechtlichen Fortgenusse ihrer Pfründen und behielt tiberdiess 
gegen sein gegebenes Wort die bischöflichen Güter zurück. Daher 
erging Anfang August 1219 der päpstliche Auftrag an die Bischöfe 
von Regensburg und Passau, — und an den Dompropst zu Passau 
nach Verlauf von zwei Monaten das Interdict über Böhmen zu erneuen, 
wenn der König bis dahin die Genugthuung verweigere. ^) Als neue 
Beschwerden wurden hiebei angeführt : dass man Abgeordneten des 
Papstes und des Bischofs den Eintritt ins Land verwehre oder 
sie des Landes verweise, — dass man von Klerikern an den Zollstät- 
ten je 30 Denare erpresse, während jeder Laie nur einen Denar 
zu entrichten habe, — dass man die geistlichen Häuser über- 
diess auf unerhörte Weise mit Lieferungen belaste. *) Wohl wurde 



') Genannt werden: Dluhomil von Bi'ewnow, Silvester von Kladrau, Cassian 
von Poßtelberg, Reiner von Ostrow, Hermann von Wilimow, Heinrich von 
Langheim (als provincialis abbas), Hartmuth von Nepomuk, Albert von 
Plass, Adam von Strahow, Wilhelm von Selau, Wilhelm von Tepl. (Erben 
reg. 288.) 

') Urk. Erben reg. 282. 

') Urkunde Erben reg. 284. 

*) Epist. Honor. IV. non. Aug. 1219. Bocek U. 110. Erben reg. 286. 

'^) Ebendaselbst. Im Chronicon Anonymi (Dobner mon. III. 50) heisst es et- 
was abweichend: Anno 1220 cxactio intollerabilis facta est clero. Judaeus 
unnm denarium, clericus vero de Corona capitis (Tonsur) 30 denarios per- 
solvebat. Ebenso Pulkava. (Dobn. III. 210.) 

2* 



20 

das angedrohte Interdict wirklich verhängt; denn erst, zu An- 
fang des J. 1220 sendete Ottokar — angeblich vom damaligen 
Strahower Abte Adam bewogen — eine eigene Gesandtschaft nach 
Rom,') die nun zugleich mit dem Bischöfe, auf den Schied- 
spruch des Papstes compromittirte. Bei dieser Gelegen- 
heit betrieb auch der suspendirte Prager Domdechant Arnold seine 
eigene und die Absolution des Leitmeritzer Propstes Benedict. 
Honorius ordnete nun, was zu ordnen war und erklärte endlich 
einige wenige noch schwebende Punkte für völlig unbedeutend. 
Alsdann trug er dem Bischöfe Andreas auf, sich nach Wien zu 
verfügen, um dort persönlich mit den böhmischen Ständen das 
Friedenswerk abzuschliessen. In der That zog nun der Bischof 
bis an die mährische Gränze, wohin ihm der König mit vielen Gros- 
sen des Landes entgegenkam. *) 

2. So nahe dem langersehnten Ausgleiche zerschlugen sich 
dennoch die Unterhandlungen unglückseliger Weise aufs Neue. Diess- 
mal war es die Wiederherstellung der Privilegien des Prager Bis- 
thums und die Gerichtsbarkeit über die Kirchenunterthanen, was 
man auf der einen Seite forderte, und auf der andern nicht zuge- 
stehen wollte. Desshalb kehrte Bischof Andreas nach Rom zurück. ') 
Da entschloss sich endlich der Papst, einen eigenen Legaten in 
der Person des Cardinais Gregor a. S. Crescentio nach Böhmen zu 
senden, um die eben angedeuteten beiden letzten Streitpunkte an 
Ort und Stelle zu ordnen. ^) Bischof Andreas reiste dem Legaten 
bis an die mährisch-österreichische Gränze nach, wo endlich auf 
dem Berge Scacc (?) am 2. Juli 1221 der wirkliche Abschluss des 
Friedens zu Stande kam und in Folge dessen das Interdict behoben 
wurde. Der Bischof bestättigte da in Gegenwart zahlreicher Präla- 
ten und Edlen durch einen feierlichen Schwur den Inhalt der ab- 
handen gekommenen Privilegien, ') worauf der König ein neues 



') Prochaska de art. lib. fatis p. 98. 

*) Palack^ II. 87. Pulkava bei Dobner mon. III. 211. 

') Pulkava 1. c. vgl. das spätere Geschäft des römischen Legaten. 

♦) ürk. Erben reg. 297, 298, 299. 

^) Um dieses Eides willen muss die Behauptung "Palacky's II. 36 als zu ge- 
wagt und hart gelten, — dass alle böhmischen und mährischen Urkunden 
unecht seien, worin vor dem letzten Viertel des 12. Jahrhunderts Exem- 
tionen a lege provinciali vorkommen. 



21 

Privilegium desselben Inhalts ertheilte. Hienach wurden die bischöf- 
lichen Unterthanen von Staatsfrohnden und Abgaben freigesprochen. 
Die oberste Gerichtsbarkeit über sie verblieb zwar dem Könige; 
doch die daraus fliessenden Einkünfte sollten an den Bischof fallen. 
Ein noch zurückbehaltenes bischöfliches Gut (Podivin) wurde wieder 
ausgefolgt. ') Die suspendirten Prälaten erhielten Verzeihung und 
wurden wieder in ihre Benefizien eingesetzt. Nachmals stellte König 
Ottokar auf die Bitte des Cardinais auch noch die Privilegien der 
übrigen Kirchen und Klöster im Lande fest; ihre Unterthanen sollten 
ermässigte Staatsfrohnden und Abgaben leisten ; die Processe dieser 
Unterthanen sollten nicht vor den Cudengerichten, sondern — mit 
Ausnahme der Blutprocesse — vom Könige selbst oder vom Öberst- 
landesrichter und Erzkanzler entschieden werden ; *) geistliche Per- 
sonen sollten ihre Waldungen steuerfrei benützen; die geistlichen 
Häuser sollten nicht mehr zu drückenden Lieferungen für das Heer 
und den königlichen Hofstab verhalten werden; die Grossen des 
Landes und die Krieger des Königs sollten nicht mehr berechtigt 
sein, in den Klöstern Einlagerung zu halten ; die Klagen des Klerus 
sollten bei Gelegenheit der Landtage vom Könige selbst unter Bei- 
sitz des Kanzlers und einiger Edlen angenommen werden. ') Nun 
fehlte nur noch, dass der Bischof Andreas auf seinen bischöflichen 
Stuhl zurückkehrte. Diess geschah aber nicht. Angebliche Freunde 
brachten ihm bei, der König und etliche Grosse des Landes hätten 
gegen sein Leben conspirirt. *) Da hielt er sich längere Zeit in 
der Nähe der Gränze auf, was auch Papst Honorius billigte, inso- 
lange nicht vollkommen für seine Sicherheit gesorgt sei. *) Endlich 
ging er nach Rom zurück, wo er am 30. Juli 1224 im Rufe der 
Heiligkeit verschied. Sein Leichnam wurde aus Italien nach dem 
Kloster Welehrad übertragen, sein Haupt aber späterhin (1369) in 
Prag oberhalb des Kreuzaltars der S. Wenzelscapelle beigesetzt. 
Diess berichtet Benes von Wectmühl mit dem Beisatze: „Viele 



') Palack;^ II. 88. Urk. Erben reg. 300. Das Original liegt noch heute im 

Archiv des Domkapitels. 
^) Nachmals wurden die Prälaten selbst mit dieser Gerichtsbarkeit belehnt. 
^) Urk. dd. 10. März 1222. Erben reg. 302, 303. 
') PuUcava. (Dobner mon. III. 211.) 
*) Epist. Honorii ad legatum Gregorium 11. Febr. 1222; Erben reg. 301. 



22 

fromme und alte Männer nennen diesen Andreas einen heiligen 
Mann und erzählen, dass er einst durch Wunder geglänzt habe/ ') 
3. Aus seiner Regierungszeit ist noch einiges Weitere zu be- 
richten. Zunächst geschah durch ihn im J. 1216 mit Zustimmung 
des Papstes die feierliche Uebertragung der Leiber der als selig 
verehrten fünf Brüder des h. Adalbert von Libic nach Prag, wo 
sie in der S. Georgskirche auf dem Hochaltare beigesetzt wurden. ') 
Im J. 1217 kamen die Brüder des deutschen Ordens zuerst 
nach Böhmen und gründeten ihre erste Niederlassung bei S. Peter 
in Prag. Im J. 1221 benützte Bischof Andreas seine Anwesenheit 
in Rom, um den Gedanken der Errichtung eines Erzbisthums 
in Böhmen wieder aufzunehmen. Inständig lag er desshalb dem 
Papste Honorius an, so dass dieser seinem Legaten Gregor de S. 
Crescentio unterm 19. Juni 1221 den Auftrag ertheilte, die diess- 
fällige Untersuchung nochmals aufizunehmen, namentlich aber zu 
constatiren, ob in Böhmen mehrere Diöcesen errichtet werden 
könnten. ') Da die Absicht zu Tage lag, durch Errichtung der Metro- 
pole die Freiheiten der Kirche in Böhmen zu kräftigen ^), 90 hatte 
wohl der König nach dem langen Streite wenig Lust mehr in die 
Verhandlung einzugehen. Es blieb wieder nur bei dem Versuche. 
— In die letzten Lebensjahre des Bischofs Andreas fällt eine allge- 
meine Kirchenvisitation im Lande durch den erwähnten päpstlichen 
Legaten. Hiedurch wurde ohne Zweifel die Kirchenzucht, die in 
dem langen Streite nicht wenig gelitten hatte, vollkommen wieder 
hergestellt und die Ehrwürdigkeit der Klerisei nicht wenig ge- 
hoben. ') 

§. 102. Der iiichtbestJiUigte Biscboi Pere^rin, 

1. Nach dem Tode des Bischofs Andreas beauftragte Papst 
Honorius vor Allem den Erzbischof von Mainz, für diessiual die 
Confirmation und Weihe eines neuen Bischofs von Prag nicht selbst 
zu vollziehen , sondern den Gewählten nach Rom zu . entsendeq «). 

') Script, rer. boh. IL 401. Vgl Pulk»?a bei Dobn. mon. ÜI. 2U, 

*) Pulkava 210, 

') Urk. Erben reg. 229. 

*) Ebendaselbst. 

^) PalackJ U. 89. 

•) Vgl. das spatere pA^ptl. Scshreiben an den Erzbischof dd.XIll.cal. Apr. 1225. 



23 

Dann beorderte er die Aebte vod Nepomuk, und Ostrow und den 
Dompropst von Olmütz, als von ihm bevollmächtigte Räthe bei der 
neaen Bischofswahl zu intercediren. Sie sollten sich desshalb nach 
Prag begeben, dort „Gott allein vor Augen haben und Sorge 
tragen, dass ein solcher Mann zum Bischof gewählt 
werde, den der apostolische Stuhl bestättigen könne. ') 
Aber das päpstliche Schreiben kam mindestens an die designirten 
Wahlcommissäre viel zu spät. Prag hatte schon am 1. October 
1224 — also sogar noch vor dem Abgange des päpstlichen Briefes 
aus Rom — einen neuen und auch bereits consecrirten Bischof. ^) 
Man hatte sich beeilt, ohne Zuthun des Papstes mit der Wahl zu 
Stande zu kommen und auch der Mainzer Metropolit hatte sich 
nicht lange bitten lassen, die Confirmation und Weihe schnellstens 
vorzunehmen. Der neue Bischof war Peregrin (in den Urkunden 
auch Pelegrin genannt), der ehemalige Propst von Melnik, der im 
J. 1217 mit andern Prälaten das Interdict gebrochen und so die 
Suspension sich zugezogen hatte. ^) Seitdem war er der vom Papste 
bestättigten Absetzung zum Trotze durch königlichen Schutz im 
Besitze seiner Pfründe geblieben und erst die Beendigung des Eir- 
chenstreits am 2. Juli 1221 hatte ihn wieder mit der Kirche aus- 
gesöhnt. Kein Wunder, wenn man desshalb in Rom seine kirch- 
Uche Gesinnung stark in Zweifel zog. 

2. Auf die Nachricht von dieser Wahl erging zunächst ein 
scharfer Verweis an den mainzer Metropoliten, weil er die Weihe 
vorschnell vollzogen und den Gewählten nicht, wie befohlen war, 
zur Prüfung und Confirmation nach Rom geschickt hatte. Der 
Papst wolle keineswegs die Rechte des Metropoliten schmälern; 
aber der Erzbischof habe sich bereits einmal bei der Bischofswahl 
in Paderborn übel bewährt und dadurch sei die erwähnte Anord- 
nung bezüglich Prags gerechtfertigt gewesen. Da der Feliler nun 
geschehen sei, so habe er den neuen Bischof von Prag zum Feste 
des h. Michael nach Rom zu entbieten und ihn nöthigen Falls 
durch Censuren zur Reise zu zwingen. *) Es kam aber nicht zu die- 
ser Reise. Denn mittlerweile wurde der eben in Deutschland wei- 



*) Epist. Honorii dd. IV. Non. Octobr., Boöek IL 168. Erben reg. 318. 
^ ürk. dd. 1. Oct. 1224. Erben reg. 312. 

') Ex epist. Honorii XIII. Cal. Apr. 1225, Bo^ek II. 160. Erben 319. 
*) Epist Honorii XIU. Cal. Apr. 1225. 



24 

lendc Cardinallegat Conrad beauftragt, sich nach Böhmen zu ver- 
fügen und die sch>pvierige Angelegenheit zu ordnen. Dieser bewog 
den Peregrin noch Anfangs Juni 1225, die neue Würde zu resigni- 
ren und sich mit 120 Mark jährlichen Renten aus dem Einkommen 
des Bisthums zu begnügen. ') 

3. Peregrin lebte nach seiner Abdankung in dem wahrschein- 
lich von ihm selbst gestifteten Prager Dominicanerkloster S. Cle- 
mens, das er nunmehr aus eigenen Mitteln erweiterte, so dass es 
120 Mönche fassen konnte. Er erbaute auch eine Capelle zu Ehren 
der Himmelfahrt Marlenes und einen Altar des h. Bartholomeus , 
welche er beide sehr reichlich dotirte. Er starb in seinem Kloster 
am 8. Jänner 1240 und fand in seiner Capelle am Fusse des von 
ihm errichteten Altars seine letzte Ruhestätte. *) 

Er soll aus der reichen Familie der Wartenberger entspros- 
sen sein ^) und in der kurzen Zeit seiner Bisthumsverwaltung die 
nach ihm genannte bischöfliche Stadt Peihfimow (Pilgram) gegrün- 
det haben. *) 

§. 103. Die Bisciiöle BndTlow (1225-1226) und Mann II. (1226-1236). 

1. Nach Peregrins Abdankung wurde in Prag in Beisein des 
päpstlichen Legaten Conrad der bisherige Prager Kanonicus Budi- 
low zum Bischöfe gewählt und sofort vom Legaten confirmirt. *) 
Man nennt ihn einen Edlen von Schwabenic, unbescholten zur Zeit 
des Kircheustreits , einen nach der Meinung Vieler sogar heiligen 
Mann, — aber vom Alter bereits gebrochen. *) Obgleich ohne An- 
stand zum Bischöfe geweiht pilgerte er dennoch nach Rom, um sich 
daselbst den Segen des h. Vaters zu erbitten. Dort ereilte ihn am 



•) Urk. (Id. 26. Jun. 1225 (Erben 322) erwähnt bereits des Nachfolgers. Vgl. 
Palacky II. 90. Durch päpstlichen Erlass vom 10. Mz. 1232 (Erben reg. 
368) wurde die Rente auf 100 Mark gemindert, weil das Bisthum dadurch 
allzu sehr belastet sei. Die Pröpste von Bautzen und S. Afra und der 
Domdechant von Meissen hatten auf päpstlichen Befehl als Schiedsrichter 
bei der Ermässigung fungirt. 

2) Crugerius ad 8. Jan. Vgl. Palack^f- et Tomek. 

^) Crugerius, Bubna u. A. 

*) Paul Stransky respub. hohem. 

*) Urk. dd. 26. Jun. 1225. Erben, 322. 

•) Kreibich MS., Bubna Catal. cap. Prag. (Contin. Cosm. Coelestin.) 



25 

10. Juli 1226 der Tod. ') Er war bei seinen Lebzeiten ein besonde- 
rer Wohlthäter des Klosters der Grabwächter zu Zderas (in Prag) 
gewesen: dorthin ward denn auch sein Leichnam zur letzten Ruhe 
übertragen. ^) 

2. Unter Einem mit der Trauerbotschaft vom Ableben des 
greisen BudTIow erliess Papst Honorius III. an den Propst und 
das Domkapitel in Prag den Auftrag, die neue Wahl durch drei 
oder vier Abgeordnete in Bom selbst, in seiner Gegenwart und 
nach seinem Rathe zu vollziehen, damit nicht etwa unter unberech- 
tigtem Drucke daheim ein Unwürdiger gewählt werde. ^) Sollte 
aber wieder die Wahl bereits vor EmpÜEmg des päpstlichen Schrei- 
bens erfolgt sein, so sei der Erwählte bei Vermeidung der Ungül- 
tigkeit der Wahl sofort nach Rom zu entsenden, um dort nach er- 
folgter Prüfung die Confirmation zu empfangen. ^) Wir wissen 
nicht, was eben von dieser Alternative geschehen ist. Gewählt aber 
and vom Könige investirt wurde der bisherige Prager Scholasti- 
cus Johannes, welcher auch am 19. December 1226 vom Metro- 
politen zu Mainz die bischöfliche Weihe empfing. ^) Er wird als 
ein Mann von ausgezeichneter Frömmigkeit und Freigebigkeit ge- 
rühmt, überdiess auch von so grosser Bescheidenheit, dass er nur 
durch die flehentlichen Bitten Aller zu bewegen war, die auf ihn 
gefallene Bischofswahl anzunehmen. ^) Zum erstenmale wird als 
sein Vicarius ein gewisser Thcodoricus genannt.") 

2. Im J. 1228 weilte der Mainzer Erzbischof Siegfried von 
Eppenstein in Prag, theils um die kirchliche Visitation zu voll- 
ziehen, •) theils um daselbst auf den Wunsch Ottokars den Prin- 
zen Wenzel zum Jüngern Könige zu krönen, nachdem 
Kaiser Friedrich die Nachfolge des Erstgeborenen im Königthume 
durch eine eigene Urkunde vom 26. August 1226 gewährleistet 



*) £x epist. Honorii dd. 21. Juli 1226. Demuach war er Dicht bloss 3 Mo- 
nate, wie Aeltere wollen, im Besitze seiner Würde, sondern mehr als ein 
volles Jahr. 

-) Bubna (Cont. Cosm.) 

*) Epist. Honorii dd. XII. Cal. Aug. 1226. (Erben reg. 322.) 

*) Ebendaselbst. 

*) Polkava (Dobn. mon. III. 214. et Bubna cat. MS.). 

*) Bubna. 

^ Erben reg. ad 1229. 

») ürk. Bocek III. 29, 80. 



26 

hatte. ') So trat die neue ottokarische Erbfolge an die 
Stelle der frühern bf etislaischen, — der innere Friede 
an die Stelle des stets wiederkehrenden Thronstreits« 
Darauf — am 15. December 1230 — schied König Ottokar aus 
diesem Leben. Hatte er mit allezeit starker Hand den Grundbau 
zur neuen Grösse Böhmens voUfährt: so erübrigte nun seinem 
Sohne, durch alle Mittel des Friedens den Ausbau zu vollenden. 
Es geschah diess vorzüglich durch engen Anschluss an deutsche 
Gultur und Sitte und durch sorgsame Förderung des kirchlichen 
Lebens. Während unter seinem Scepter einerseits deutsche Ansied- 
ler die dichten Gränzwäld^r und deutsche Handwerker die Städte 
bevölkern, erheben sich anderseits aller Orten neue religiöse Insti- 
tute, zumeist ebenfalls mit deutschen Bewohnern. In letzterer Be- 
ziehung war wohl Bischof Johann der fromme Bathgeber des könig- 
lichen Hauses, so wie derselbe auch anderweitig durch seine über- 
zeugende Beredsamkeit und durch sein rührendes Beispiel viele aus 
den Edlen des Landes zu einem Leben der Gottseligkeit hinzog. ^) 
So erzielte er, dass — nach einem altern Biographen unter seiner 
bischöflichen Verwaltung ,,ganz Böhmen schier nichts ande- 
res als Heiligkeit athmete." Die Franziscaner, Dominicaner, 
Deutschherren, Templer, Clarissinnen und die Kreuzherren mit dem 
rothen Sterne erhielten zahlreiche neue Ordenshäuser. Die älteren 
Klöster wurden vom Könige, *) von den Gliedern seiner Familie 
und von den Edlen des Landes mit den reichsten Schenkungen 
bedacht, ^) so dass auch diese weit zahlreichere geistliche Familien 
zu beherbergen im Stande waren. Allen aber that es die Schwe- 
ster des Königs — die selige Agnes voran, deren Wirken wir 
jedoch in einem besondern Paragraphe schildern müssen. 

3. Unter Bischof Johann erblühte auch — namentlich durch 
königliche Unterstützung— diePragerDomschule zu nie dage- 
wesenem Glänze. Vor Kurzem hatte schon der gelehrte Domdechant 
Veit, dessen wir noch besonders gedenken werden, diese Schule 



») Palacky II. ürk. Glaflfeis prag. Gesch. 138. 

>) Buboa, Kreibich M.S. 

^) S. Erben reg. 341 &c. Bedacht worden: Leitomysl, Brewnow, Ossek, Tepl, 

Doxan, Plass, Kladraa, Chotdschan. 
*) Genannt werden die Klöster: Zderas, Strahow, Sedlec und alle deutschen 

Ordenshäuser, 



27 

zu hohem Rufe gebracht. Jetzt aber wird sie — vom Könige unter- 
stützt — eine der ersten Schulen in Nahe und Ferne. Unter dem eben 
so gelehrten als hochgebornen Scholasticus Bernhard Kapliif von 
Sülewic, der nachher den Bischoüsstuhl bestieg, unterzogen sich 
an diesem sogenannten Studium generale minus die tüchtigsten 
Männer des Vaterlands dem ehrenvollen Geschäfte der Jugendbil- 
dung und nicht bloss böhmische Jünglinge, auch solche aus den 
Nachbarländern versammelten sich hier zu den Füssen der bewähr- 
ten Meister. Leider versprengten späterhin die Unglückstage des 
Jahres 1248 sowohl Jünger als Lehrer auf längere Zeit ^) 

4. Die Vereinbarung zwischen dem Könige Ottokar und dem 
Bischöfe Andreas am Ende des langen Kirchenstreits machte noch 
unter Bischof Johann eine nähere Auseinandersetzung mit dem Klo- 
ster Bfewnow nothwendig. Bei dem Zugeständnisse des allgemeinen 
Zehntens an den Bischof hatte man nämlich übersehen, dass die 
Zehnten der Bezirke von Leitmeritz, Bilin und Tetschen von Alters 
her dem Kloster Bfewnow zugekommen waren. Dessbalb reclamirte 
nun das Stift sein altes Eecht beim apostolischen ätuhle und dieser 
bestellte zuerst im J. 1229 die Aebte von S. Emmeram in Regens- 
bürg und zu Altaich, und weiterhin im J. 1232 den Abt von S. 
Maria und den Dompropst von Breslau zu Schiedsrichtern. Der 
Process wurde zu Gunsten Bfewnows entschieden, und der Domde- 
chant und der Scholasticus von Meissen mit der Execution des 
Satisfactionsacts beauftragt. -) — Trat Bischof Johann in dieser 
Sache als Partei auf, so fungirte er weit häufiger als päpstlicher 
Schiedsrichter in den Diöcesen der Nachbarschaft. Im J. 1229 ord- 
nete er mit zwei Prälaten des Prager Kapitels den Streit zwischen 
dem Bischöfe von Passau und den von diesem interdicirten und 
sogar excomraunicirten Prälaten und Klerikern in Oesterreich. *) 
Die diessfaslige Verhandlung geschah im bischöflichen Hofe zu 
Bischofteinitz. In demselben Jahre entschied er zugleich mit dem 
Bischöfe und Propste von Krakau die Gränzberichtigung der Diö- 



') Vgl. Prochaska de art. üb. fatis in Boh. p. 101 ftc., — Menken, Script. 

rer. ger. 1. 2058. 
^ Epist. Greg. 28. Oct. 1229, 11. Mu 1^32, 6, Kai 1234, (Erbep reg. 853, 

369, 894.) 
^ Epist. Greg.^ £rb^ reg. 353. 



28 

cesen Olmütz und Breslau. ') Im J. 1230 fungirte er wieder 
zugleich mit dem Prager Dompropste als päpstlicher Richter des 
Bischofs und Kapitels zu Freising, die er vom Interdicte absol- 
virte. ') Schliesslich müssen wir aber auch des sonderbaren Pro- 
cesses gedenken, welchen im J. 1234 der Bischof von Meissen, 
zugleich mit dem Propste und Scholasticus des Meissner Kapitels 
in Prag zu schlichten hatten. Er betraf einen seltsamen Weihnachts- 
aufzug, der vielleicht aus einem althergebrachten Weihnachtsscherze 
— von den Bischöfen geduldet — sich zu einem für das Kloster 
Bfewnow sehr beschwerlichen Missbrauche gestaltet hatte. Am 
Feste der unschuldigen Kinder zogen nämlich alljährlich etliche 
Prager Kanonici und Kleriker in zahlreicher Begleitung nach dem 
nahen Kloster Bfewnow, und unkenntlich durch gefärbte Gesichter 
und zerrissene Kleider zerschlugen sie dort die Geschirre, beschimpf- 
ten und misshandelten die Mönche, beschädigten die. Klostergebäude 
und führten Pferde und andere Dinge als iBeute mit sich fort. ') 
Selbstverständlich hörte von nun an der Missbrauch auf. 

5. Bischof Johann starb schon am 16. August 1236 und wurde 
im Kloster der Wächter des heiligen Grabes am Zderas beigesetzt. ^) 

§. 104. Die Bischöfe Bernhard (1236-1310) und Nicolais (1211-1258). 

1. Als der würdigste Nachfolger des frommen Johannes erschien 
den Wählern sowohl als auch dem Könige der Vorstand der damals 
hochberühmten Prager Domschule, der Scholasticus Bernhard (auith 
Burchard genannt) aus der edlen Familie der Kaplif von Sulewic. ') 
Man nannte ihn ebenso gelehrt als gut, liebenswürdig vor Gott und 
Menschen, dessen Andenken im Segen bleiben werde. ^) Dieser 
wurde denn auch am 10. September 1236 in Gegenwart des Königs 
und wahrscheinlich auch des zur Wahlprüfung und Weihe herbei- 
gekommenen Metropoliten Siegbert gewählt und sofort vom Letz- 
teren consecrirt. ^) So schön aber auch die auf den neuen Bischof 



') EpiBt. Greg., Erben reg. 851. 

') Epifit. Greg., Erben reg. 355. 

*) Epist. Greg. 19. Juli 1234. (Erben reg. 396.) 

*) Pulkava (Dobn. mon. III. 216.), Ereibich, Bubiia. 

') Bem&rd nennt er sich selbst in d. Urk. bei Erben reg. 437 u. 441. 

') Cont. Cosm., Peiina, Hammerschmidt. 

Nach Pabitschka V. 180 geschah diese Consecration in Wien. 



29 

# 

gesetzten Hoffnungen sein mochten : so endeten sie doch Yorschnell 
mit seinem baldigen Tode — am 12. September 1240. ') — Dem- 
nach fallen auf seine kurze Regierungszeit grossartige Schenkungen 
zu Gunsten der kirchlichen Institute des Landes. Am erfreulichsten 
blühten die nachmals zu schildernden Stiftungen der königlichen 
Schwester Agnes heran. Ebenso zeichnete sich König Wenzel selbst 
in dieser. Zeit durch Erweiterungen des Besitzes und der Privilegien 
von Tepl, ') Waldsassen, ^) Plass *), Bf ewnow ') und Kladrau «) aus. 
Auch die Johanniter, die Templer, Dominicaner und Franziscaner 
erfreuten sich der königlichen Munificenz. ^) Edle des Landes wett- 
eiferten in der Unterstützung der Klöster Tepl, ') Plass, ^) Zderas '•) 
und Ossegg. * ') Dem greisen Bischöfe selbst wird die erste Stiftung 
des Dominicanerklosters S. Michael in Leitmeritz nachgerühmt. '*) 

2. Nach dem Tode Bernhards fiel die Wahl auf den bisherigen 
Prager Domherrn Nicolaus von Riesenburg. '^) Der Neuge- 
wählte reiste persönlich nach Rom und erlangte dort nicht bloss 
die päpstliche Confirmation seiner Wahl, sondern auch unmittelbar 
vom Papste Gregor IX. die bischöfliche Weihe — am 29. Mai 1241 in 
der Laterankirche. Diess wurde dem Wahlkapitel und dem Klerus 
in Böhmen durch eigenhändiges Schreiben des heiligen Vaters an- 
gezeigt. '*) Ueberdiess erhielt er bei diesem Anlasse das Privile- 
gium, dass der Metropolit zu Mainz in. den nächsten vier Jahren 



>) Palack^ II. 125. 

*) ürk. Erben reg. 42C. 

*) Ebend. 433. 

*) Ebend. 439. 

'') Ebend. 443. 

•) Ebend. 448, 451. 

^ Ebend. 422 u. Can. Prag. cont. Cosm. (Pertz IX. 167.) 

") Gen. Smilo (Erb. 423). 

*) Gen. Sobesiaw (438). 

»«) Gen. Wsebor (441). 

*>) Gen. Bobuslaw (449). 

**) Cruger. 

*^) nNicolaus de Risenburc*' heisst er ausdrücklich in dem Schreiben des 
Papstes Gregor IX. v. 29. Mai 1241. (Erben regest. 487.) Demnach ent- 
faUen die abweichenden Meinungen: er sei ein Witkowec von Rozmberg 
(diese waren nachmals Ottokars II. erbittertste Gegner) oder gar niederen 
Standes, gebürtig vom Aujezd in Prag gewesen. 
««) Epist. Greg. dd. XIV. Cal. Junii 1241. (Erben reg. 487.) 



30 

ihn wedör bannen, noch interdiciren oder suspendiren dürfe — ohne 
besondere päpstliche Vollmacht. ') Die Abreise des neuen Bischofs 
nach Rom war wohl noch ins Jahr 1240 gefallen, also in eine Zeit, 
wo König Wenzel sich noch nicht völlig für den im J. 1239 gebann- 
ten Kaiser Friedrich II. entschieden hatte, obschon er damals schon 
die gegen den letzteren sprechenden Rathgeber zurückwies. *) Heim- 
gekehrt fand nun der Bischof seinen König als Vorkämpfer der 
kaiserlichen Partei in Deutschland, so dass nunmehr ernste kirch- 
liche Verwicklungen in unserem Vaterlande nicht ausbleiben konnten. 

3. Zunächst erschütterte der Schrecken vor den herannahen- 
den Mongolen das weite Land. Am 9. April 1241 hatte auf der 
„Wahl statt" bei Liegnitz Herzog Heinrich der Heilige von Breslau 
mit 30.000 Kriegern den Heldentod gefunden, — unter den Gefalle- 
nen auch der letzte Dipoltic mit seinen tapfem Böhmen. Jetzt 
standen die barbarischen Sieger in Mähren und hatten bereits zwei 
Drittheile des Landes, zumal die Kirchen und Klöster, unter Asche 
und Blut begraben. Da gelang es dem von König Wenzel entsen- 
deten böhmischen Helden Jaroslaw ') vor Olmütz , dort wo heute 
die Wallfahrtskirche des heiligen Berges die Gegend krönt, die 
furchtbaren Horden in die Flucht zu schlagen. Böhmen, Deutsch- 
land, ganz Westeuropa waren gerettet ; denn die Besiegten wandten 
sich nun nach Ungarn, um endlich nach einem neuen nach Westen 
gerichteten vergeblichen Versuche in ihre asiatische Heimat zurück- 
zukehren. ^) 

4. Indess war Papst Gregor IX. am 21. August 1241 in die 
Ewigkeit hinübergegangen. Der schon am 27. October desselben 
Jahres zum Nachfolger gewählte Coelestin IV. war ebenfalls schon 



') Epist Greg. Erben reg. p. 488. 

^) Epist. Nicolai ad Albertum Beham Sept. 1240. (Erben reg. 467.) 

') Der Name von Sternberg ist spätem Ursprungs; damals hiess das Ge- 
schlecht von Podöhns. Dalimil und Fulkava erzählen nur die Tödtung des 
Mongolenhäuptlings und den dadurch bewirkten Abzug der Mongolen. 
Pulkava nennt den Helden bereits nobilis de Sternberg. Erst Hajek er- 
zählt das Detail einer förmlichen Schlacht und nennt den Führer Jaroslaw. 
Endlich hat die Königinhofer Handschrift in dem Liede ^0 velik^ch bojech 
Ki'esCan s Tatary" den Heldennamen Jaroslaw und den förmlichen Sieg 
über die Mongolen zur vollen historischen Geltung gebracht. (Vgl. Seh warn- 
mel über die angebl. Mongolenniederlage bei Olmütz. Sitzungsberichte der 
Akad. d. Wissensch. 28. Bd. 1. Heft.) 

*) Vgl. Palacky H. 116-121. 



31 

( 

nach etwa 18 Tagen aas dem Leben geschieden. Nun aber hinder- 
ten die argen Wirren des gewaltthätigen Krieges in Italien die 
neue Wahl bis zum 24. Juni 1243, wo endlich der friedlich gesinnte 
Innocenz IV. den apostolischen Stuhl bestieg. ') Leider gelang auch 
diesem eine Aussöhnung mit Friedrich 11. nicht; ja er musste endlich 
am 30. Juni 1244 gar selbst aus Italien fliehen. Unterm 30. Jänner 
1245 lud er nun die Fürsten und Bischöfe der Christenheit zu sich 
nach Lyon , um endlich dort in einer allgemeinen Kirchenversamm- 
lung den Frieden der Welt wieder herzustellen. Am Johannes- 
feste 1245 wurde diese Versammlung wirklich eröffnet ') und von 
ihr am 17. JuU der feierliche Bann über Friedrich erneut. Zugleich 
sprachen die anwesenden Fürsten und Bischöfe Deutschlands seine 
Entsetzung vom Kaiserthrone aus. Welche Verlegenheiten nun 
für die Kirche Böhmens, wenn König Wenzel, wie zu erwarten war, 
nicht von dem gebannten Friedrich Hess! 

5. Doch hier fehlte es bereits an solchen Verlegenheiten nicht 
Im J. 1240 hatte der mainzer Erzbischof Siegfried in Olmütz den 
schwachen Bischof zur Resignation gedrängt und den Dechant^und 
mehre Domherren ihrer Benefizien entsetzt, — alles auf Grund 
vielleicht nicht hinlänglicher Untersuchungen der vorgebrachten 
Klagen. Alsdann hatte er mit Umgehung des dem Kapitel zuste- 
henden Wahlrechts, aber im Einverständnisse mit König Wenzel, 
einen neuen Bischof in der Person des Hildesheimer Kanonicus 
Conrad von Friedeberg eingesetzt. In Folge dessen zogen nun die 
abgesetzten und ihres Wahlrechtes beraubten Domherren nach Rom, 
um dort Klage zu führen. ') In der That nahm sich der neue Papst 
Innocenz ihrer ohne Zögern an und am 11. September 1243 erging 
sein Auftrag an den Bischof in Prag und zugleich an den dortigen 
Dompropst und an den Abt von Bfewnow, den aufgedrängten Bi- 
schof Conrad zur persönlichen Verantwortung in Rom gestellig zu 
machen, — wenn nöthig, sogar durch kirchliche Censuren. *) 

6. König Wenzel hatte sich einmal für den neuen Bischof 
Conrad erklart und erlaubte nun ein ernstes Vorgehen gegen den- 

*) Dambßfger synchr. Gesch. X. 851, 377, 885. 
^) Raumer Gesch. d. Hohenstaufen. IV. 53. 
*) Ex epist. Innoe. 

^> Epist. lunoc. in. Idus Sept. 1248. Bo^ek III. 29", 80. Erb en i*eg. 514. 
Vgl Palack^ II. 124. 



32 

selben eben so wenig, als er kurz vorher dem Prager Bischöfe ge- 
stattet hatte, einer von dem nunmehr ganz antikaiserlichen Metro- 
politen zu Mainz einberufenen Synode beizuwohnen. ') Vergeblich 
war auch kurz vorher der in Deutschland gegen Kaiser Friedrich 
agitirende päpstliche Bevollmächtigte Albertus Beham , ') in Prag 
selbst und in Böhmen thätig gewesen, den König und die Edlen 
für die Sache des Papstes zu gewinnen. Ja als er in gewohnter 
Weise zu kirchlichen Zwangmitteln greifen wollte, nöthigte ihn 
König Wenzel sogar durch bedenkliche Drohungen, eiligst das Land 
zu verlassen. ^) Nun aber verhängte er von Deutschland her schwere 
kirchliche Censuren über mehrere Prälaten des Landes, die als 
Freunde des Königs ihm die geforderten Provisionsgelder, auf die 
er bei seinen Reisen angewiesen war, versagt hatten. *) Es waren 
diess zunächst die Aebte von Postelberg, Wilimow und Mühlhau- 
sen '), und bald darauf auch die zu Sazawa und Sedlec nebst dem 
Propste, dem Dechant Archidiakonus und Scholasticus des Prager 
Domkapitels. ^) Bischof Nicolaus entging damals durch kluges Be- 
nehmen einem ähnlichen Schicksale. Er zeigte sich nämlich willig, 
eventuell das Interdict über Böhmen auszusprechen, wenn der König 
— wie er vorhatte — gegen den päpstlich gesinnten Erzbischof von 
Mainz zu Felde ziehen sollte. *) Auch an die Person des Königs 
scheint sich Albert Beham nicht gewagt zu haben; wenigstens man- 
gelt für die Annahme einer bezüglichen Censur jeder positive Be- 
weis. Am 24. November 1244 erhielt endlich König Wenzel ein 
ausdrückliches Privilegium, dass kein päpstlicher Legat oder Sub* 



') Damberger X. 393. Die Synode am 5. Juli 1243. 

*) Albert Beham (Boemas) scheint wirklich ein Böhme gewesen zu sein; dies 
deutet nämlich eine öechische Bemerkung seines zweiten Missivbuches an. 
In Rom gebildet, war er unter Innocenz III. und Honorius II. einer der thä- 
tigsten Anwälte der Curie. Noch vor der Excommunication Friedrichs II. 
war er päpstlicher Nuntius durch ganz Germanien. (Schirrmacher, Fried- 
rich IL, 3. Bd.) Nach Höfler (Albert von Beham) lässt sich die gewöhn- 
lich angenommene Identität mit dem damaligen Passauer Archidiakon 
Albert nicht beweisen. 

^) Lit. Alberti dd. 22. Mai 1243, dd. monaat. Bunaw. Erben reg. 514. 

*) Die päpstlichen Nuntien wurden damals angewiesen, zu ihrem Unterhalte 
angemessene Beiträge aus den kirchlichen Besitzungen zu^ erheben. 

^) Epist. Alberti 7. et 10. Sept. 1243 dd. Wasserburch. (Erben reg.) 

«) Epist. Alberti 24. Oct. 1243 dd. Wasserburch. (Erben reg.) 

^) Vgl. Epist. Alberti v. 22. Mai. (Erben 614.) 



33 

delegat das Recht haben solle, ihn und sein Land ohne besondere 
Ermächtigung zu exeommuniciren oder zu interdiciren. *) 

7. Im J. 1246 sprach das Condl von Lyon die Absetzung des 
Bischofs Conrad ron Olmütz aus, nachdem der Papst unterm 11. 
März 1245 durch den Prager Bischof und die Aebte von Bf ewnow 
und Gradic neuerdings aber vergeblich seine Citation angeordnet 
hatte. *) Auch wurde jetzt, nachdem der von den abgesetzten Kano- 
nikern gewählte Gegenbischof Wilhelm in die Hände des Papstes 
resignirt hatte, von Innocenz selbst ein neuer Bischof ernannt — 
in der Person des ausgezeichneten Lübecker Propstes Bruno von 
Holstein und Schaumburg. Aber der Papst schrieb vergeblich an 
den König, an den Metropoliten zu Mainz, an seinen Legaten in 
Deutschland, an das Kapitel in Olmütz und an die Edlen von Mäh- 
ren, •) dass man den neuen vortrefflichen Bischof^ auf- und anneh- 
men möge : König Wenzel hielt an seinem Konrad fest. Da erfolgte 
endlich zu Anfang 1246 die Verhängung des Interdicts über 
das ganze Königreich durch den mit der Einsetzung Bruno's 
betrauten und mit der nöthigen Vollmacht ausgerüsteten Erzbischof 
von Bremen. Und als unser Bischof Nicolaus vom Könige bedrängt 
die Verkündigung dieses Interdictes bis zur Herabkunft* eines un- 
mittelbaren päpstlichen Auftrags verweigerte , da traf auch ihn vom 
selben päpstlichen Executor die kirchliche Suspension.^) So bela- 
stete also noch einmal die tiefste kirchliche Trauer unser Land. 
Nur die Klöster blieben in soweit davon beireit, dass es ihnen ge- 
stattet war, bei verschlossenen Thüren und ohne Glockengeläute 
den üblichen Gottesdienst fortzuhalten. ') 

§. 105. Fortsetzong. 

1. Die Drangsal des Interdictes, — mehr aber noch die Ab- 
sichten des gebannten Kaisers auf das eben erledigte Herzogthum 



') Urk. Erben reg. 524. Privilegien dieser Art auf 8 bis 10 Jahre werden 
nunmehr öfters nachgesucht und ertheilt. Sie waren ein sicheres Schutz- 
mittel gegen den keineswegs seltenen Missbrauch der Censuren. 

') Epist. Innoc. Erben reg. 527. 

*) Epistolae Innoc. v. 19. et 20. August, 20, Sept. (Erben reg. 580-633.) 

*) £x epist. Innoc. Erben reg. 548. 

*) Wir werden weiterhin eines Misshrauchs dieses Vorrechts erwähnen. (S. 
Dominicaner — Leitmeritz.) 

3 



34 

Oesterreich — machten unsern Eonig Wenzel zu Anfang 1247 
wieder zu einem Anhänger der päpstlichen Sache. In Folge dessen 
wurde Bischof Conrad vom Könige selbst zur Resignation bewogen und 
Bruno bestieg nunmehr unbehindert den olmützer BischofsstuhL *) 
So wurde denn auch das Interdict wieder von Böhmen genommen 
und auch Bischof Nicolaus wurde auf ausdrückliches Gdleiss des 
Papstes von dessen Bevollmächtigten, dem Abte Heinrich von Plass, 
vom Interdicte losgesprochen. *) Der kirchliche Friede schien in 
Böhmen für immer wieder hergesteUt. 

2. Da musste wieder ein unglückseliges Zerwürfoisa im kö* 
niglichen Hause neue Trübsal bringen. Seit 1245 war mit Köasklg 
Wenzel eine krankhafte Umwandlung vorgegangen. Er floh das 
öfifentlicbe Leben ') und vergrub sich zumeist mit wenigen Freun- 
den in seinen Jagdschlössem. Darüber vernachlässigte er die Re- 
gierung des Landes und vergeudete -die Güter der Krone an seine 
nunmehrigen Genossen. Man sprach auch sonst von Ausschwei- 
fungen aller Art. ^) Das Übel mochte bis Ende 1247 sich gestei- 
gert haben. Anfang 1248 ward es von einer unzufriedene Adel&- 
partei im Lande als Vorwand zur Empörung benutzt. Vergeblich 
sollten im Mai 1248. die Bischöfe von Regensburg und Meissen 
auf päpstlichen Befehl die Widerspäjistigen durch Kirchenstrafea 
zum Gehorsam zwingen. ^) Die Unzufriedenen riefen am 31. Juli 
1248 den Prinzen Pfemysl zn ihrem Jüngern Konig'^ aus, der 
auch wirklich die Wahl annahm. Auch der Bischof und die hö- 
here Geistlichkeit von Prag wusste man ins Einverständniss zu 
ziehen. Wenigstens Hessen sich diese herbei, mit etlichen weltU- 
chen Herren als Abgesandte zum Könige Wenzel auf das Jagd- 
schloss Klingenberg zu gehe^, um seine Abdankung zu erwirken. 
Dort aber warf der erzürnte König die g«anze Gesandtschaft in den 
Kerker, und rüstete sich zum Kampfe gegen den eigenen Sohn. ®) 
Der Bürgerkrieg entbrannte und aus seinem Kerker heraus suspen- 
dirte noch überdiess der Bischof alle Kirchen des Landes von al- 



») Vgl. Palack^ II. 127. 

*) Epist. Innoc. dd. Cal. Junii 1247. Liigduni. (P>beii reg. 548.) 

') Angeblich konnte er kein Glockengeläutc mehr Tertrageu. 

•) Vgl. Tomek Gesch. Prags I. 196 et 197. 

*) Epist. Innoc. 5. Mai 1248. Erben reg. 558. 

•) Vgl. PalackJ II. 129. 



36 

lern Geläute der Glocken und allßm Glänze des Gottesdienstes. 
Nor in dm Gewändein der Fastenzeit sollte das kirchliehe Offi- 
cium gehalten werden. ') 

König Wenzel hatte Unglück im Kampfe. Es kam dahin, 
dass er am 25. März 1249 seine Gefangenei entlassen, der Re- 
gierung entsagen und lediglich mit den Burgen Klingenberg, Elbo- 
gen und Brüx sich begnügen musste. ') 

ä. Als Alles den alten König verlassen hatte, blieb doch Inno- 
cenz IV. seiner eingedenk. In einem Schreib» yom 22. April 1249 
erklärte er von Lyon aus den Entsagungsvertrag für null und nich- 
tig und beauftragte den Bischof von Meissen mit der Execution 
des Kirchenbannes gegen die Empörer und mit der Entsetzung der 
c(MOpromittirten hohen Geifitiichkeit von allen ihren Pfründen. Bi- 
schof Nicolaus selbst war bereits vom päpstUcheB Legaten Gottfried 
excommunidrt worden und sollte nun persönlich vor dem Siditer- 
stuhle des. Papstes eracheinien. ') Da erliess Könjg Wenzel von 
Leitraieritz aus ein Schreiben an die Prälaten und Kanoniker der 
Prager Diocese mit der Kundmachung des dem mpissner Bisehofe 
gewordenen päpstUehen Auftrags und mit dem Befehle, zur Ver- 
meidung der drohenden Gensuren innerhalb acht Tagen ihm ent* 
gegen zu kommen und mit allen ihren Kräften ihm beizustehen. ^) 
In gleicher Weise dürfte er sich auch an die weltlichen Grossen 
gewendet haben. Die Folge war, dass zahlreiche Edle und viele 
hohe Geistliehe schon in Leitmeritz zum Könige stiessen und ihre 
Leute ihm zur Verf&gung steHtea ^) ; und als darauf der König ge- 
gen Prag zog, kam ihm auch Bischof Nicolaus mit dem gesammten 
Prager Klerus in feierlicher Procession entgegen. Ohne Schwert- 
sträch öfihete ihm die Altstadt die Thore (5. August 1249). Bald 
stettte sich auch Prinz Pfemysl, um die Verzeihung des Vaters zu 
erflehen. ■ Auch die Uebrigen unterwarfen sich. •) 

4. Die vollständige Aussöhnung zwischen Vater und Sohn 
sdi^t auch die Verzeihung des Papstes für den Bichof und für 



^) PttlkaTa ad amium 1249. 

') Vgl Palaek^ li. ISO, 131 u. Pulkava ad ajiii. 1^10. 

*) Kpist. loDOC. 22. Apr. 1249. Krhen reg. 570, 571. 

^ Caaon. Prag. cont. Co^ia. (Pcrtz IX. 167.) 

*) i:tea«bsett«t. 

•) Vgl. PalackJ II. 133, 134. 

3* 



36 

die hohe Geistlichkeit des Landes zur Folge gehabt zu haben. 
Wenigstens wird jetzt von einer Reise nach Lyon einerseits und 
von einem Verluste der Pfründen anderseits kerne Erwähnung mehr 
gemacht. König Wenzel blieb nach seinem Wiederantritte bis zu 
seinem Tode der Sache des Papstes treu, deren endlicher Sieg im- 
mer unzweifelhafter wurde. Der gebannte Kaiser Friedrich starb 
am 26. December 1250 in Apulien, und Papst Innocenz kehrte 
1251 unbehindert nach Italien zurfick. Friedrichs Sohn Konrad, 
der sich endlich in Deutschland von Allen verlassen sah, zog sich 
zu gleicher Zeit ebenÜEills nach Italien und starb dort iln Kampfe 
um sein Erbreich im Mai 1254. Indess hatte unser König Wenzel 
daheim noch die grosse Freude, im J. 1251 die österreichischen 
Lande an sein königliches Haus kommen zu sehen. Doch erlebte 
er auch das Gegenstück eines Frevels, durch den einst der Anfemg 
der Kreuzzüge für Prag unvergesslich geworden war. Jetzt, da es 
mit den orientalischen Kreuzzügen zu Ende ging, stürmte wieder 
eine Schaar durchziehender Kreuzfahrer in die Prager Judenstadt, 
diessmal nicht, um dort die Taufe aufzudringen, sondern um Geld 
für ihre Fahrt zu erpressen. Da wurden 200 der fremden Plünde- 
rer von der zur Selbstvertheidigung aufgestandenen Judenschaft 
getödtet. Noch hatte König Wenzel manche Gelegenheit, seinen 
Namen durch Unterstützung religiöser Institute zu verewigen ') 
und sein Beispiel von zahlreichen Edlen des Landes nachgeahmt 
zu sehen. ') So endete seine Regierung, wie sie einst begonnen 
hatte: am 22. September 1253 ereilte ihn der Tod. 



*) Tomek Gesch. Pr. 203. 

') Seine besondere Huld erfahren: Die Kapitel von Prag (Erben resf. 576), 
Wysehrad (528), Leitmeritz (498, 594), Badisin (458, 468), die Klöster 
Chotö§au (504), Plass (595, 596), Osek (578), Marienthal bei Zittau (498, 
508, 514), dann' die Orden der Rrenzherren (466, 523, 609, 618), der Jo- 
hanniter (517), der Dominikaner und Franziskaner. In M&hren beförderte 
er nach Kräften die Stiftungen seiner verstorbenen Mutter und seiner Ge- 
malin Kunigunde, — die Klöster Tiänovic und Oslowan, und er selbst grün- 
dete das Kl. Cella Mariae in Brunn. — Waldsassen erhielt das Patronat 
zu Plan. Das Dominikanerkloster in Laun verdankt ihm seinen Ursprung. 

') S. Erben reg. 456—600. Namentlich gründete BoÖko von Bemek das 
Kloster Saar und Bawor schenkte dem Johanniterorden die Stadt Strako- 
nitz, Benes von Wartenberg erbaute das Dominikanerkloster in Tuman. Um 
diese Zeit erstanden auch Franziskanerconvente in Brüx und Kaaden. Das 
Nähere folgt später an gehöriger Stelle. 



37 

§. IOC. Hresysl OtMkar IL Seine ersten Regieriegsjahre iid seil enter 

Kreiuig. 

1. Mit hoher Freude begrttsste die Kirche Böhmens den neuen 
Landesfürsten. Was liess sich auch Alles von einem Herrscher erwar- 
ten, der -- nach kurzer jugendlicher Verirrung gegen seinen könig- 
lichen Vater, die noch überdies von den Grossen des Landes ver- 
schuldet war — seinen edlen und frommen Geist bereits als Mark- 
graf in Mähren und seit Kurzem auch als Herzog von Gestenreich 
bewährt hatte und dessen Macht nun ebenso gross war, als sein 
guter WiUe. Wer hatte seit Langem solche Frömmigkeit gesehen, 
wie der neue König sie ungeheuchelt an den Tag legte, der selbst 
noch in nächtlicher Stille nur von einem Diener b^leitet die Kir- 
chen besuchte, und dort in Thränen der Andacht zerfloss?*) Doch 
auch in weltlichen Dingen musste man Grosses erwarten. Wann 
war ein Fürst je tapferer gewesen, als der „eisern eKönig,'' ^) 
und wann einer ein so entschiedener Freund der Cultur, der entschlos- 
sen war, wie zuvor in Mähren, so jetzt auch in Böhmen die gewerb- 
fleissigen Deutschen ins Land zu ziehen, während er anderseits 
durch weise Gesetze und 'feste Burgen Ruhe und Ordnung in seinem 
Reiche sicherte. ^) 

2. Ottokar stand, wie zuvor sein Vater, in den noch fortdau- 
ernden Nachkämpfen des letzten Kirchenstreits bis an sein Ende 
treu zur Partei des Papstes und ward nun in Deutschland ihr 
leitendes Haupt. Dafür erfreute ihn Papst Innocenz IV. gleich An- 
&ngs durch ein Privilegium, dass in den nächsten 5 Jahren durch- 
aus Niemand das Recht haben solle, ohne 'besondere päpstliche Ge- 
nehmigung die Excommnnication oder das Interdict über ihn und 



^) Dort rühmteu sieb Raigern (Erben reg. 545, 587), S. Stephan bei Olmütz 
(647), 8. Peter in Olmutz (576), S. Peter in Brunn (578), Welehrad (579, 
e05), die Johanniter in Brunn (585), Gradic (588), Pöltenberg (599) seine 
fromme Freigebigkeit; in Oesterreicb und Steiermark thaten Lambach (593), 
Baumgartenberg (593), Monsee (608) und die bairischen Stifter Altaich und 
Metten (593, 597) ein Gleiches. 

*) Ghron. Frascisci. 

*) So nannten ihn die Mongolen, mit denen er noch in den ungarischen 
Kftmpfen zusammentraf. 

*) Vg). Tomek Gesch. Böhmens L 117-121. Gesch. Prags 1. 207-209. Pa- 
lack^ II. 148 &c. 



38 

das Land ausausprechen. ') Zugleich aber gab sich <tieser Papst 
alle Mühe, durch Vermittlung der Prälaten Böhmens, Ungarns, 
Mährens und Oesterreichs ^) einen Krieg Ottokars mit Ungarn zu 
beenden, um den ritterlichen König für einen verdienstvolleren 
Kampf anzuwerben, — für einen Kreuzzug gegen die heidni- 
schen Preussen. 

3. Seit dem Martyrtode des heiligen Adalbert waren lange 
Zeit alle Versuche fruchtlos geblieben, die heidnischen Preussen 
durch den Christenglauben aus feindlichen Kriegern in friedliche 
Nachbaren zu umwandeln. Mancher neue Glaubensbote hatte bei 
ihnen als Märtyrer geblutet und alljährlich hatten verwüstete Ort- 
schaften, Kirchen in Trümmern, hingemordete Männer, Weiber und 
Kinder der christlichen Welt das schwere Elend einer solchen 
Nachbarschaft gekl«^. Da hatte sich endlich der grosse Papst 
Innocenz m. entschlossen, das oft bewährte Mittel der Kreuzzüge 
auch gegen diese Ghristusfeinde des Nordens zu versuchen. Ein 
erster Bischof der Preussen —der Cisterzienser-Abt Christian 
von Oliva erhielt 1215 den Auftrag, diese Art des Kampfes zu er- 
öfihen und Kreuzprediger fahrten ihm von allen Seiten — damals 
auch aus Böhmen — tapfere Streiter zu. Drei Jahre siegreichen 
Kampfes, — und die beutelustigen Barbaren zogen sich einge- 
schüchtert in ihre Wälder zurück. Doch es galt den Sieg zu ver- 
folgen und darum vereinigte Bisdiof Christian seine Bitten mit den 
des Herzogs Conrad von Massovfen, den deutschen Orden für 
die Uibwnahme des stetigen Kreuzkrieges zu gewinnen. Dies ge- 
schah denn auch im J. 1226 und von da ab brach unter beständi- 
gem Zuflüsse n6uer Kreuzfahrer immer mehr und mehr der Preus- 
sen wilde Macht. Noch trotzte aber bis 1255 die Landschaft Sam- 
land, die Hauptzuflucht der Heiden, allen Bemühungen der Ritter 
und es schien das neugepflanzte Christenthum so lange nicht ge- 
sichert, bis auch hier die letzte Schlacht geschlagen war. 

4. Zu diesem Werke war unser Pfemysl Ottokar erkoren. 
Schon Papst Innocenz IV. hatte ihn dazu aufgemuntert; endlich 
nach dem Frieden mit Ungarn erschien im August 1255 derMinorit 
Bartholomaeus als Kreuzprediger vor dem Könige, zugleich mit 



') Epist. lonoc. 16. Mart. 1254, in Palacirf's ital. Beis^. 
') Epist. Innoc. 8. Apr. 1254, ebendaselbst. 



39 

einem Pi'ivilegium, das ihn auf längerhin von allen kirchlichen Cen- 
suren eximirte. ») Die Verkündung des Kreuzablasses erscholl in 
allen seinen Ländern. Am 14/December 1255 brach Ottokar mit 
einem Heere auserlesener Streiter nach dem Norden auf. Aus 
Deutschland stiessen neue Schaaren hinzu, so dass endlich an 
60.000 Kreuzfahrer Ober die festgefrorne Weichsel schritten. *) 
Auch Graf Rudolph von Habsburg soll dazumal unter , Ottokars 
Kämpfern gewesen sein. ') Das Heer drang Anfangs 1256 in Sam- 
land ein. Nichts vermochte ihm zu widerstehen. Das innerste 
Hdligthum des Waldes von Romove wurde erstürmt, und der 
Pr^ussen heilige Eiche mit den Götterbildern niedergebrannt. Bei 
Rudau erlagen endlich die Heiden im letzten blutigen Kampfe. Es 
blieb ihnen keine Rettung übrig, als von der Gnade des Königs, 
— die sie denn auch unter der Bedingung der Taufe erhielten. 
Bischof Bruno von Olmütz spendete das Sacrament, der König und 
seine Edlen vertraten Pathenstelle. So freundlich behandelte man 
die Neugetauften,^ dass in den nächsten Tagen grosse Massen von 
Hdden herbeieilten, um gleichfalls den Glauben und die Weihe 
Christi zu empfangen. Geissein aus den Edlen des besiegten Landes 
sollten fär die Dauer den Frieden sichern. Endlich wurde noch als 
feste Burg im neu^ Lande die Stadt Königsberg angelegt und zu- 
gleich mit dem gewonnenen Gebiete dem deutschen Orden als 
Lehen der böhmischen Krone übergeben. Dann zog Ottokar mit 
Ruhm gekrönt wieder der Heimat zu, deren Gränzen er bereits am 
6. Februar 1256 erreichte *). Hier harrte seiner eine neue Ehre : 
die päpstliche Partei in Deutschland trug dem siegreichen Helden 
am 17; Juli 1256 die deutsche Königskrone an. Doch Ottokar, 
dessen Macht ohnehin schon fast von einem Meere bis zum andern 
reichte, glaubte diese neue Krone im Interesse seiner eigenen Län- 
der ausschlagen zu müssen. ^) 



') Epist. Alexandri 6. Aug. 1255, in Palack^'s ital. Reise. £pi&t. Inn. 22. 

Apr. u. 13. Sept. 1255. 
^ Petr. Dusb in Chron. Pruss. Cont. Cosm. Zumeist wird der Kreuzzug auf 

1254 gesetEt, jedoch im Widerspruche zu obigem Briefe Alexanders IV. 
•) Palack^ II. 164. 

«) S. Palack^ II. 164, 165. Tomek Gesch. Böhm. I. 123. 
^ Joann. Marign. (Dobn. mon. II. 215. Pal., Tom., PuUe. u. A.) 



40 



§. 107. Die ente Haeresie ia Bihaen. 



1. Neben den glorreichen Erscheinungen, die der wiederer- 
weckte religiöse Sinn des 13. Jahrhaunderts aller Orten zu Tage 
forderte, zeigte sich jetzt auch in Böhmen zum erstenmale das 
Zerrbild der H&resie, das menschlicher Aberwitz von jeher, bald 
auf die Lauheit und bald wieder auf die Überspanntheit Vieler 
bauend, neben dem Heiligthuii^e Gottes aufzustellen pflegt Bezeich- 
nend aber und vielleicht auch für die Zukunft maassgebend war 
es, dass es eben eine Secte des Hyperrigorismus war, die zuerst in 
unserem Vaterlande Boden fasste. Die Geissler (Flagellautes) 
kamen um 1256 aus Deuschland her nach Böhmen und verbreiteten 
sich von da weiter nach Mähren und Schlesien. Mit entblösstem 
Oberleibe, oft das Haupt verhüllt, in der Hand eine mit Knoten 
und Stacheln versehene vierriemige Geissei, an ihren Gewändern 
oder Hüten blutrothe Kreuze: so zogen sie in Prozession, Buss- 
lieder singend von Ort zu Ort und forderten Jedermann auf, zur 
Abbüssung seiner Sünden auf 33 Tage sich ihnen anzuschliessen. 
Zweimal am Tage fand die öffentliche Geisselung Statt und währte 
so lange, als der Vorsänger ein Lied vom Leiden Christi sang. 
Dann streckten sie die blutig geschlagenen Arme um Barmherzig- 
keit schreiend gegen Himmel. Ausser dieser öffentlichen fand 
auch noch täglich eine besondere nächtliche Geisselung Statt. Doch 
das Alles war am Ende als Zeichen glühenden Busseifers nicht zu 
verwerfen. Aber durch die Entblössungen litt die öffentliche Sitt- 
lichkeit. Dazu rühmte man sich eines Briefes Christi, der diese 
Geisselung anstatt der heiligen Sacramente verordne und Vollmacht 
gebe, sich selbst ohne Sacrament wechselseitig von Sünden zu ab- 
solviren. Auch tauchte bereits die Verwerfung des Ablasses, des 
Fegefeuers und der Heiligenverehrung auf, da dies Alles durch die 
Geisselung überflüssig werde. Endlich beschimpften diese wandern- 
den Schaaren die Geistlichkeit und machten sich an vielen Orten 
ein Verdienst daraus, die Juden als Feinde Christi zu tödten. ') 



>) Palkava (Dobn. III. 232) und Epist. Aiexd. 17. Apr. 1257 in Pal. ital. 

Reise. Also ist die aUgemeine Annahme, dass die GeisBler zu aUererst anno 

1260 und zwar in Perugia aufgetreten seien, irrig. 
•) Vgl. Pulkava (Dobn. III. 232), Chron. Neplach. (Dobn. IV. 113 . 



41 

2. Da blieb denn nichts Anderes übrig, als dass die Kirche 
sich gegen solches Unwesen erklärte und alle Mittel zur Beseiti-^ 
gung desselben aufbot. Bereits Innocenz KI. hatte gegenüber dem 
Umsichgreifen zahlloser Sekten die Anordnung erlassen, dass jeder 
Bischof in jedem Pfarrsprengel einige verlässige Männer unter 
Eidespflicht bestelle, um die etwaigen Ketzer zu erforschen (in- 
quirere); dann solle er selbst dieDiöcese jährlich zweimal bereisen 
und an den betreffenden Orten die Bekehrung der Willigen und 
die Auslieferung der Hartnäckigen an die weltliche Obrigkeit ver- 
anlassen. In den nördlichen Ländern war diese Anordnung wegen 
des grossen Umfangs der Diöcesen in Vorhinein illusorisch. Daher> 
bestellte* schon Innocenz III. hin und wieder eigene apostolische 
Delegaten als Inquisitores haereticae pravitatis. Solche 
Inquisitoren waren schon um 1256 in Mähren und Schlesien mit 
gutem Erfolge thätig. ') Am 17. April 1257 aber ordnete der Papst 
Alexander IV. für die Länder der böhm. Krone ein förmliches Inquisi- 
tionsverfahren an. Zwei Minoritenpriester von Brönn, der Kreuzpre- 
diger Bartholomaeus ^) und der Lector Lambert der Deutsche wurden 
zu päpstlichen Inquisitoren bestellt. Ihres Amtes war es zunächst, 
durch ein musterhaft reines Leben und durch fleissigen Unterricht 
die Lehre des Heiles zu befestigen. In der Untersuchung gegen Incul- 
pirte hatten sie sich genau an die kirchlichen Canonen zu halten und 
ein Nothfalle des weltlichen Armes sich zu bedienen. Zu allen Ver- 
hören mussten zwei fromme und verständige Zeugen zugezogen 
werden, in deren Gegenwart alle Aussagen aufgezeichnet werden 
sollten. Zur endlichen Aburtheilung war stets der Rath des Diöcesan- 
bischofs oder seines Generalvicars einzuholen. Die Inquisitoren sollten 
übrigens Ablässe von 20 bis 40 Tagen allen denen verleihen können, 
welche auf ihren Aufruf die heiligen Sacramente empfangen würden. 
Sie selbst und alle jene, die ihnen persönlichen Beistand leisteten, 
erhielten vom Papste denselben vollkommenen Ablass, der den 
Kreuzfahrern ins heilige Land zu Theile ward. ^) — Die Bemühun- 
gen der genannten Inquisitoren waren von Erfolg; denn in nächster 
Zeit geschieht der Flagellanten keine Erwähnung mehr. Erst im 

>) Im J. 1257 redet Papst Alexander IV. (Bodek 288) von solchen Bekehr- 
ten, die frühere Inquisitoren zur Wahrheit zurückgeführt hatten. 
') de Bruna — nicht von Braunau. 
') Epist. Alexandri IV. dd. XV. Cal. Maji 1257. (Bocek III. 238 u. f.) 



42 

J. 1348 tauciiten sie — aus Deutschland kommend ~ von Neuem 
in Böhmen auf und nahmen in diesem wie im künftigen Jahre die 
Wachsamkeit d^ mittlerweile ins Leben getretenen böhmischen In- 
quisition in Anspruch. ') 

§. 106. Des Bischofs Nikolais le.tite Lekeiisjihre. 

1. Bischof Nikolaus starb am 17. Jänner 1258 mit dem etwas 
zweideutigen Nachruhme, wohl recht gutherzig und auch freigebig 
in der Ausschmückung seiner Domkirche '), sonst aber wenig muth- 
voll ') und opferfahig gewesen zu sein. '*) 

2. Wir haben noch einiges Wichtige aus seiner Verwaltungs- 
zeit nachzutragen. — Bis 1244 bestand in Böhmen das Verbot, 
Bier fUr den Verkauf zu brauen. Der h. Adalbert soll es einst er- 
lassen haben. Im J. 1244 aber verwendete sich König Wenzel für 
die Aufhebung desselben und Papst Innocenz IV. nahm keinen An- 
stand, die Bitte zu gewähren. ^) — Ebenso wie früher die Kreuz- 
züge, so wurde auch der letzte Kirchenstreit und weiterhin die 
Kriege im heidnischen Norden zumeist auf Unkosten der geistlichen 
Pfründen gekämpft, welche von Zeit zu Zeit bald ein Drittel, bald 
sogar die Hälfte des reinen Einkommens auf eine Anzahl von Jah- 
ren an den apostolischen Stuhl abtreten mussten. Am nothwendig- 
sten war dies natürlich in jener Zeit, wo die Päpste aus Italien 
verdrängt waren. Zur Einhebung solcher Gelder wurden in dieser 
Zeit eigene apostolische Delegaten bestellt. Im J. 1251 erschien 
in Böhmen zu diesem Zwecke der Diakonus Jacob aus Lüttich; der 
böhmische Klerus musste damals tausend polnische Mark Goldes 
entrichten und gleiches für drei weitere Jahre versprechen. **) Bis 
1254 exequirte wieder der Cardinal Hugo durch den Dominikaner- 
bruder Gerhai*d zweimal nacheinander je 50 Mark und im Jahre 



^) Benes d. Waitm. 347. 

') Nach Marign. (Dobn. II. 215) und Pe&i&a erbaute er nebst Anderem eine 

prachtvoOe CaUiedra. 
') Vgl. Epist. Nicol. Sept. 1240. (Erben reg. 467.) 
*) DiM wirft ihm GbrMi. Franc, can. vor. 
') Epist Innoc. 3. Decbr. 1244 in arch. BI^wdow. S. Pubitachka Y. 207. 

Vgl. bist, diplom. Bi^wnow. (Dobn. VI. 19.) 
*) Coatin. Cösm. Pubitachka V. 247. dto. Pertz IX. 167 äc. 



43 

1254 der Erzbischof Bernhard von Nelstpel als päpstlicher Legat 
200 Hark. ^) Im J. 1257 etiiob der apostolische Legat Peter von 
Poütecorvo eine neue Beisteuer, zu der das Prager Kapitel allein 
3'/s Mark beitragen musste. ^) Jedoch muss erwähnt werden, 
dass nicht alle solche Gelder dem Papste selbst zu Gute kamen. 
Die päpstlichen Legaten waren damals ebenfalls und lediglich auf 
solche Beisteuern angewiesen und erhoben sie entweder unmittel- 
bar oder durch eigene Bevolhnächjtigte. — Im J. 1248 ging in Folge 
des Bürgerkriegs die blähende Gelehrtenschule am Prager Dome 
ein; vor Allem war es die Versprengung der Schüler, die dies be- 
wirkte, um nun anderwärts ähnliche Institute ins Leben zu rufen. *) 

— Im J. 1251 weihte Bischof Nikolaus in der Kirche zu Bischof- 
teinitz den neuerwählten Passauer Bischof Berthold zum Diakon 
und darauf (1. April) in Prag zum Priester und (am 3. April) 
unter Assistenz von 4 andern Bischöfen zum Bischof. Damals 
erhielt auch der neue Erzbischof Philipp von Kärnthen, dessen 
wir weiterhin besonders gedenken werden, die Diakonatsweihe. *) 

— Im J. 1251 verfielen der Abt, Prior und Subprior von Mtthl- 
hausen in die Excommunication, weil sie einen Priester unge- 
rechter Weise gefangen gesetzt hatten. •) Im J. 1256 wurde aus 
ähnlidiem Grunde das Interdict über die Stadt Prag verhängt, 
und zwar, weil daselbst ein Mönch von Postelberg unschuldiger 
Weise eingekerkert und misshandelt worden i^ar. ^ — Im 
J. 1252 ertheilte Bischof Nicolaus kraft päpstlicher Vollmacht 
dem neugestifteten Kreuzherrenorden das neue Ordenszeichen des 
rothen Kreuzes mit dem rothen Sterne. ^) Zur selben Zeit wurde 
der Grund des neuen Kreuzherrenspitals am Fusse der Prager 
Brücke gelegt. *) — Im J. 1256 wurde vom Könige der neue Orden 
der Martyrerbrfider(Fratres beatorum martyrum de poenitcntia), nach- 
mals auch von ihrem Ordenszeichen die Kreuzherren mit dem rothen 



*) Cont. Gosm. bei Pertz IX. 167 Ac. 

«) Ebend. V. 283. 

») Vgl. S. 106. 

«) Marignola (Dobn.) 213, P&bitschka V. 245. 

*) Cont. Cosin. (FabitschkaV. 247). Can. Prag. cont. Gosm. bei Pertz IX. 167 &c, 

*) Cont. Cosmae. Pdbitschka Y. 283. 

^ Epist. Innoc. ▼. 17. Joni 1252. Erben reg. 601. 

*) Tomek Gesch. Prags. 



44 

Herzen genannt, in Böhmen und Prag eingeführt. Im J. 1257 legte er 
den Grund zu den Klöstern der Dominikaner in Budweis undNim- 
burg. In diese Zeit fallen überhaupt die meisten Ansiedelungen 
der beiden Mendicantenorden und die Gründung des Cisterzienser- 
stiftes Saar. 

§. 109. BiflGhof Johann II. (1258—1278) Ottdkir's II. gllcUiGbfite Zeit. 

1. Schon am 1. Februar 1258 wurde der bisherige Schola- 
sticus Johann von Dra^ic, ein Verwandter des nachmaligen 
Prager Burggrafen Georg Dra^ic, von Kapitel zum Bischof erwählt 
Als Stellvertreter des Metropoliten fungirte bei der Wahl der ol- 
mützer Bischof Bruno. ^) Es war ein Zeichen der Würdigkeit 
des Neugewählten, dass er in einer Zeit, wo viele Prälaten sich 
noch mit dem Subdiakonate oder Diakonate begnügten ') , bereits 
Priester war und daher sofort (10. März) confirmirt werden und 
am 12. Mai desselben Jahres in Wien vom Passauer Bischof Bert- 
hold die bischöfliche Consecration empfangen konnte. Am 26. Mai 
feierte er seine Inthronisation im Prager Dome. ^) Er wird uns 
geschildert als ein Mann von hoher Statur, zwar etwas abstossend 
gegen Fremde, aber desto liebenswürdiger im vertrauten Umgange, 
durchaus ehrbar in seinen Sitten, von strenger Gerechtigkeit und 
ausgezeichneter Beredsamkeit. ') Von letzterer hinterliess er ein 
sehr werthvolles Andenken, — eine Sammlung lateinischer Reden 
an den Klerus, die er bei Gelegenheit des heiligen Messopfers zu 
halten pflegte. ^) 

2. Bereits im J. 1259 begann zunächst in Steiermark ein 
hitziger Kampf gegen Ungarn, der im J. 1260 damit endete, dass 
auch dieses schöne Land unter das Scepter des böhmischen Königs 
sich beugte. Ottokar selbst, — in feierlicher Procession vom Bi- 



') Aller dieser Stiftungeo wird später ausführlicher gedacht werden. 

') Joh. Marign. (Dobn. II. 215.) 

*) Der bereits erwähnte Philipp von Kämthen war als Propst von Wy&chrad 

nur Subdiakon und liess sich vorerst auch als Erzbischof von Salsbuig nur 

die Diakonatsweihe geben. 
*) Cont. Cosm. bei Pertz IX. 167 &c. 
^) Pesina, Bubna, Kreibich. 
*).Pe8ina phosph. 535. 



45 

schofe und Volke in Prag eingeholt und begrftsst, — schrieb den 
glücklichen Erfolg dem h. Landespatrone Wenzeslaus und seiner 
wundervollen Fahne zu und machte das Oelflbde, aus Dankbar- 
keit ein neues Cisterzienserkloster zur heiligen oder dor- 
nenen Krone zu erbauen, welches auch im J. 1263 erfüllt 
?nirde. 

3. Der ritterliche von aller Welt verehrte König sah sich im 
J. 1260, als eben seine Macht aufs Neue- sich erweitert hatte, als 
dreissigjährigen Mann neben einer vierundfünfzigjahrigen Gemalin, 
von der er nach bereits achtjähriger Ehe keine Erben mehr hoffen 
konnte, — er selbst der mächtigste und vielleicht der letzte Pfe- 
myslide. Kein Wunder, wenn dieser Gedanke ebensowohl ihn als 
seine Oattin beunruhigte, die nun selbst durch Eröffnung eines 
bisher verschwiegenen Ehehindernisses die Hand zur Hilfe bot. 
Margareth von Oesterreich, des letzten Babenbergers Schwester 
und Wittwe hach dem unglücklichen gekrönten Hohenstaufensohne 
Heinrich, hatte in früherer Zeit das Gelübde ewiger Keuschheit 
abgelegt und war Nonne in einem Kloster zu Strassburg geworden. 
Dennoch hatte sie später auf den Wunsch der österreichischen 
Stände dem neuerwählten Herzoge Pfemysl Ottokar die Hand ge- 
reicht^ um dadurch etwaige anderweitige Ansprüche an dem Her- 
zogsstuhl zu beseitigen. Jetzt trat sie ebenso willig zurück. Die 
Ungültigkeit der Ehe ward vom Bischöfe ausgesprochen, und nach- 
her vom päpstlichen Stuhle bestätigt. Margaretha suchte wieder die 
geliebte Einsamkeit auf, diesmal zu Krems in Oesterreich, wo sie 
am 28. October 1267 selig im Herrn entschlief. Pfemysl Ottokar 
aber schritt am 25. October 1261 zu einer neuen Ehe mit der 
russischen Ffirstentochter Kunigunde. ') 

4. Indess aber hatte sich Ottokar auch mit dem Plane einer 
feierlichen Krönung befasst, da selbe bei seinem ersten Regierungs- 
antritte der Kriegswirren wegen hatte unterbleiben müssen. Schon 
im October 1260 hatte er vom Papste Alexander IV. erwirkt, dass 
in dem Falle, wenn der Mainzer Erzbischof nicht confirmirt wäre, 



^) Epist. ad Alex. 8. Octob. 1260 bei Pabitschka Y. 907. Job. Marign. 
(Dob. IL 222.) 

*) Eben der umstand, dass diese Scheidung ohne alle Weitläufigkeiten ge- 
schah, spricht für die strenge Gerechtigkeit des Falles, die eben nicht zu 
bestreiten war. 



4» 

der Pruger oder Olrnfttzer Bischof das Recht haben soHte, die Sal- 
bung und Krönung des Königs vorzunehmen. J^tet nach sdner 
neuen Vermählung wollte Ottokar . nicht länger mehr säumen. 
Schon im December 1261 Hess er den Erzbischof Werner mit 
fürstlichem Geleite von Erfurt abholen, der nun am h. Weihnachts- 
tage im Veitsdome unter Assistenz von 6 Bischöfen und allen Prä* 
laten des Landes sowie in Gegenwart unzähliger Edler ihm und 
der neuen Königin die Krone aufs Haupt s^te. Volk und Edle 
wurden durch zwei Tage auf dem Felde Letn^ in eigens erbauten 
Prachthallen gespeist Der Erzbischof wurde 18 Tage lang könig- 
lich bewirthet und erhielt ausserdem noch 100 Mark fiir seine 
Mühe, 60 Mark für seinen Hofstaat und 4 Mark als Geschenk für 
sein Domkapitel. Ueberdies erhielt er das feierliche Bückgeleite 
bis in seine Stadt Erfurt. ') 

5. Im Jahre 1264 nahm Pfemysl Ottokar auf die Bitte des 
Papstes zum z waten Male das Kreuz, — diesmal g^en die noch 
heidnischen Ruthenen und Lithauer im Osten vonPreusaeQi weläie 
einerseits dem christlichen Polen^ anderseits dem deutschen Orden 
beständige Gefahr bereiteten. König Ottokar sollte in den zu er* 
obemden Ländern einen christlichen Königsthron errichten 
und nach eigenem Ermessen einen seiner Getreuen als König ein- 
setzen. ') Das Jahr vorher hatte — wie es scheint, vergeblidi — 
der resignirte Bischof von Regensburg ' im Auftrage des Papstes *) 
in Böhmen und Deutschland einen Kreuzzug für das heilige Land 
gepredigt. Doch auch im J. 1^64 kam es noch nickt zur ErfilUttog 
des Kreuzgelübdes ; denn eben war theils im Interesse des Salz- 
burger Bisthums,. hauptsächlich aber gegen das Prqiect, den letzten 
Hohenstaufen Gonradin auf den Kaiserthron zu erheben, ein hef- 
tiger Krieg mit Baiern entbrannt, der erst 1268 mit dem unglück- 
lichen Tode Conradins völlig endete. Für Ottokar trug dieser Kampf 
die Erwerbung des schönen Egerlandes ein. Zu gleicher Zeit er- 
langte er auch die Ernennung zum Erben von Kärnthen und Krain, 
wekhe Erbschaft ihm 1269 auch wirklich zufiel, so dass er nuu 
den Gipfel seiner Macht erklommen hatte. •— Im Spätherbste des 



») Epist. Alex. Non. Octoh. 12ßO. Bodek III. 281. 

») ürk. Bo6ek III. 323. Vgl. Toiiiek Gesch. Pr. I. 211. 

•) Epist. Uil>ani IV. 4. Juni 1264 in PaUckf s ital. Reise. Bo£ek HI. 367. 

*) Epist. Urbani 13. Febr. 1263, ebendaselbst. 



47 

J. 1268 löste Ottokar auch sein KreozgelAbde. Wieder versam- 
melten die Kreuzprediger im Lande die ausgezeieknetsten Schaaren 
um den ritterlieben Färsten. Rüstig brach man gegen den Norden 
aal Leider aber machte der nun angetretene überaus milde Winter 
ein Vordringe» in den Sumpfgegenden Lithauens uiunöglich. Ottokar 
musste, um nieht erfolgk>s seine Krieger aufzuopfern, den Rückzug 
ins Vaterland netunen. ') 

6. In derZeiU daOtlokar mit dem Gedanken an seinen zweiten 
Ereuzzug sich beschäftigte, nahm er auch den Plan seines Gross- 
Vaters, ein eigenes Erz bist hu m für seine Länder zu erlangen, 
wieder auf. Zum Erzbischofe hatte er den ausgezeichneten Olmutzer 
Bischof Bruno erkoren^ dar einst von seinem kwiglichen Vater 
mit so vielem Widerwillen aufgenommen^ des Sohnes treuer Freund 
bereita in den Tagen seiner mährischen Verwaltung geworden und 
seitdem stets geblieben war. Eben uai dieses Bruno willen sollte 
nicht Prag, sondern Olmütz zur Metropole erhoben werden. Um 
aber den Papst ilir den Plan desto leichter zu gewinnen, soUte das 
neue Erzbisthum (allerdings nach einem Vergleiebe mit Gnesen) 
die noch zu bekehrenden Strecken der Ruthenen und Lithauer — 
das künftige durch böhmische Waffen zu begrundrade neue König- 
reieb -* nnd überdies nebst Böhmen und Mähren auch noch 
Oesterreich und Steiermark umfassen. ^) Der unglückliche Ausgang 
des zweiten Kreuzzugs entzog dem Plane das kräftigste Fundament. 
Überdies waren auch jetzt die Erzbischöfe von Mainz und Salz- 
burg der Sache entg^en. Darum musste Clemaas IV. den König 
in dieser Angelegenheit abschlägig bescheiden. ') 

7. Ottokar stand in dieser Zeit wohl als der erste König der 
Chnsttubeü da. An Macht war er es unbediogt; am Kriegsruhm 
kam dem .»eisernen'' Könige kein zweiter gleich; an äusserem 
Ghmze suchte der „goldene'' König seines Gleichen. ^) Kein 
Wunder, dass deshalb einige deutsche Fürsten im J. 1271 noch ein- 
mal den Gedanken fassten, ihm die deutsche Krone anzubieten. 



Ghron. Zwettl. Palaclr^ II. 197., Tomek Qesch. Bdh. 127. Annal. Ottocar. 

(Pertz IX. 181 &c.) 
^ Ex epist. Clementis 1268. Bo6ek lY. 1. 2. 
*) Epist Clement. XIIL Cal. Febr. 1268 (oder vieUeichl 1269 ?). 
*) So Cosio. CoDt. 406. u. Chron. Erfurt (fiftenken IH. 291.) Palack^ II. 

180, 181. 



48 

Im Augujst 1271 kam deshalb der Erzbischof Eogelbert von Köln 
neuerdings mit dem Antrage nach Prag. Wieder vergebens. Ottokar 
lehnte noch einmal eine Ehre ab, die am Ende bei der bekannten 
Uneinigkeit der deutschen Fürsten doch noch eine ziemlich unge- 
wisse war und ihn überdies mit dem ihm befreundeten König Ri- 
chard von Comwallis zerwerfen musste. Auch mag^ es ihm damals, 
wie sein treuer Rath Andreas von &(an geltend machte, ruhm- 
voller erschienen sein, der erste der Könige, als ein Kaiser ohne 
Macht zu sein. ') 

8. In dieser ganzen Zeit wird vom Bischöfe Johann manches 
Beraerkenswerthe berichtet. Er soll der erste unter den Prager 
Bischöfen gewesen sein, dem die neuen Könige des Landes den 
Fürstentitel zuerkannten — ein bleibendes Andenken an das 
verlorene Privilegium des Kaisers Barbarossa. *) — Im J. 1261 
fungirte er im Auftrage des Papstes Urban IV« als Vertheidiger 
der Rechte des Klosters Zderas gegen das olmützer Capitel. ') Er 
autorisirte im J. 1262 und 1268 die Stiftung der Cisterzienser- 
klöster Hohenfnrt, Frauenthal und Goldenkron. ^) Nach 1263 führte 
er auch die neugestifteten Eremiten der Augustiner in das neu- 
erbaute Kloster Ostrow (nachher St. Benigna genannt) ein, *) wor- 
auf in Kurzem auch in Schopka bei Melnik ein neues Haus dieser 
Ordensbrüder errichtet wurde. «) — Im J. 1263 begegnet ims in 
den öffentlichen Acten ein bischöflicher Bruder unseres 
Landesbischofs: Heinrich, Bischof von Jatesia. ^) Es mag 
dies wohl der erste Fall gewesen sein, dass ein Episcopus in 
partibus infidelium in Böhmen weilte. Da die Kreuzzüge im 
heiligen Lande nunmehr zu Ende gingen, so musste jetzt gar man- 
cher orientalische Oberhirt seinen unter muhamedanische Herrschaft 
gerathenen Bischofssitz (in partibus infidelium) verlassen und war 
es gern zufrieden, wenn ein bischöflicher Amtsbruder des Abend* 
landes (in partibus fidelium) zur Hilfeleistung ihn aufnahm. Als 



^) Chron. Franc, can. Vgl. Pubitschka V. 385. 

') Pelina pbosph. p. 45. 

») Epist. Urbani in cod. dipl. Morav. (Dob. IV. 268.) 

*) Vgl. Pubitschka V. 338, 306. 

«) Pubitschka V. 835. 

*) Ebend. V. 837. Kreibich Catal. eremit. d. Aug. MS. 

M Balb. Reichsbeamten. (Mat. zur alt. Statistik Böhm. XI. 106.) 



49 

solche Hilf- oder Weihbischöfe immer nothwendiger wurden, nahm der 
apostolische' Stuhl auch keinen Anstand, den Bischofstitel in partibus 
infidelium von einem solchen Inhaber auf den andern zu vererben, — 
so dass dadurch eine formliche Successörenreihe der verlorenen aber 
doch nie für immer auig^ebenen Bischofssitze entstand. — Zur Zeit 
des Bischofs Johann IIL mochte es nicht selten vorkommen, dass in 
Kri^szeiten einzelne Gotteshäuser beschädigt, und im Frieden wie- 
der von Seiten der Patron^ die Nachlassenschaft der verstorbenen 
Geistlichen mit Gewalt in Besitz genommen wurde; dies verbot 
König 'Ottokar auf die Bitte des Bischofs durch ein strenges Edict 
vom 1& Jänner 1266. -~ Im Jahre 1267 erhob der Cardinal 
Guido als päpstlicher Legat vom böhmischen Klerus eine Beisteuer 
von 250 Mark Silber gegen die Saracenen. ') — Am 10. April des- 
selben Jahres wohnte Bischof Johann einer feierlichen Synode aller 
Bischöfe Deutschlands und insbesondere der ottokarischen Länder 
zu Wien bei. Hier wurden unter dem Vorsitze desselben Legaten 
Guido strenge Gesetze erlassen. Der Klerus solle sich eines hei- 
ligen Wandels befleissen. Wer an geistlichem Gute sich vergriffen 
habe, müsse Alles bis 24. Juni bei Strafe des Interdicts ersetzen. 
Die missbrättchliche Aneignung geistlicher Verlassenschaften von 
Seite der Patrone und Richter habe fernerhin bei Strafe der Ex- 
communication zu unterbleiben. Kirchliche Pfründen seien bei 
Vermeidung- der Ungültigkeit nur durch bischöfliche Verleihung, 
wenn auch auf .Vorschlag der Patrone, anzunehmen. Die Gemein- 
schaft mit Juden sei zu meiden. Letztere haben deshalb spitzige 
Hute zur Unterscheidung zu tragen. Bei Vorübertragung des hei- 
ligsten Sacraments haben sie sich in ihren Häusern zu ver- 
schliessen und am Charfreitage sollen sie sich ganz und gar ver- 
borgen halten — dies Alles wohl zu ihrer eigenen Sicherheit. ') 
— Ebenfalls im J. 1267 wurde das Cisterzienserinnenkloster 
Frauenthal bei Deutschbrod gegründet, dessen ebenfalls noch ge- 
dacht werden wird — Auch blühte um diese Zeit die Domschule 
von Neuem auf. Wir finden da einen 0(ko und Bohumil, welche 
Grammatik und Logik, einen Gregor von Zajic, welcher die Physik 



') Pabitschka V. 852 ex dipl. 
^ Cont. Cosm. Pertz IX. 167. 
') Schannat, Conc. 0enn. 



50 

nach Aristotefles lehrte. ') Demnach haJtte fidhmefii gleichzeitig mit 
seinem äusseren Glänze auch in geistlicher Beziehung eine bedeu- 
tende Höhe erstiegen. 

§. 110. OllMiftrs II. Fall vnil dessen Polgen ttr die böhmische Khche. 

1. Mit Ottokars zuDehmeader Macht hatte sich auch die Zahl 
seiner Feinde gemehrt. Der König von Ungarn und die wittelsbacher 
Fürsten (von Batem und Pfalz) waren es von jeher um der -öster- 
reichischen Herzogthümer willen; in letzter Zeit agitrrte mehr als 
irgend einer der Burggraf von Nürnberg gegen ihn. Ein allbereiter 
Aufwiegler war auch Ottokars eigener Neife, Philipp von Kärn- 
then, der noch übrige Bruder des letzten Herzogs, der aber auf 
die Erbfolge verzichtet und den geistlichen Stand gewählt hatte. ^) 
Nach einem vei^eblichen Versuche, das ertedigte Herzogtkum 
Kämthen an sich zu reissen, wurde er jetzt der eifrigste Airklä- 
ger Ottokars bei den deutschen Fürsten. Allerdings hatte Ottbkar 
auch Bewunderer in Menge. Aber Bewunderer sind keine Freunde. 
Dazu kam noch, dass in seinen Ländern selbst ein Theil des Adels 
gegea den mächtigen König conspirirte. In Böhmen waren es jene 
Grr^ssen, von de^^ er die durch seinen Vater um Spottgelder ver- 
pfändeten Krongüter rücksichtlos wieder einlöste^ — auch jene, 
die ihm die grosse Begünstigung der Deutschen nicht verzeihen 
konntea, — endlidi Alle, deren Gelüste er als strenger Wächter 
der besetze in Zaum und Zügel hielt.. 

2. Unter solchem Umständen geschah nach König Richards 
Tode am 29. September 1273 die neue deutsche Königswahl. Ge- 
wählt wurde von sechs deutschen Wählern der Graf Rudolph von 
Habsburg. Die 6 Wähler hatten sich bereits zuvor — mit Aus- 
schlieasung Ottokars — über dieser Wahl verständigt und in 
offenlMurer Feindschaft gegen Ottokar dem zu Wählenden die eid- 
liche Bedkigumg auferlegt, dass er die dem Reiche «nüfremdeten 
Gebiete wieder zurückfordere. Da war es vergeblich, dass Ottokar 
eine eigene iiesandtschaft zur Ausübung seines Stimmrechts nach 
Frankfurt entsendete. Diese konnte dort eben nichts Anderes, als 



') Palack^ II. 278. Prochaska de art. lib. in B(^. fatis p. 102. 
') Das Nähere über ihii S- 128. 



öl 

gegeo die Wahl protestiren. ^ Dies that sofort auch Ottokar selbst 
und erklärte sich — allerdings die Zeit verkennend — für den 
noch lebenden Gegenkönig Alphons von Eastilien, und lehnte es 
ab, seine Länder vom neuen Könige Rudolph zu Lehen zu nehmen. 
Ln Folge dessen kam es auf dem Nürnberger Reichstage im No- 
vember 1274 zur Vorladung vor ein Reichsgericht, und ais diese 
ohne Erfolg blieb, im Mai 1275 zur Erklärung der Seichsacht und 
nach Ablauf einer neuer Wartefrist von einem Jahre endlich zum 
entscheidenden Kriege. 

3. Bei Tepl erwartete Ottokar den Gegner. Dieser aber nahm 
indess mit überlegenen Heeresmassen Oberösterreich und Steier* 
mark. Eilig zog nun der König vor Wien, doch dort stand ihm 
ein fünfmal stärkerer Feind gegenüber; im Rücken aber erhob 
der unzufriedene böhmische Adel ebenfalls die Waffen 
gegen ihn. Da blieb ihm nur übrig, Frieden um jeden Preis zu 
schliefisen, um nicht Alles zu verlieren. Er musste Rudolph als 
Kaiser anerkennen, für Böhmen und Mähren die kaiserliche Beloh- 
nung nehmen, auf Alles Uebrige aber völlig verzichten. (21 . No- 
vember 1276.) Eine Wechselheirat beiderseitiger Kinder sollte den 
Frieden besiegeln. 

4. Die Niederlage war zu demüthigend, als dass Ottokar nicht 
an eine Sühnung hätte denken sollen. Anderseits aber war der 
Sieg zu glänzend, als dass man irgend eine Nachgiebigkeit in strit- 
tig gebliebenen Punkten hätte üben wollen. Ottokar verlangte die 
Wiederherstellung der alten Privilegien Böhmens; Rudolph glaubte 
die zu seinen Gunsten au^estandenen böhmischen Edlen vor Strafe 
sichern zu müssen. ^) Anderseits scheint auch Ottokars Gemalin 
nicht eben zum Frieden gemahnt zu haben. ') Ottokar schloss 



') Ottocar Lorenz (Sitzungsberichte d. Akad. d. Wissensch. 11. Juli 1855) hat 
nachgewiesen, dass man Ottokar's ganz unhestrittenes Stimmrecht 
auf dem Wahltage nicht ausschloss. Er war eben pincema des Reiches 
und als solcher nach der Bulle ürbans IV. v. 81. August 1263 Wahlfurst. 
Allerdings hatte man auf deutscher Seite die Meinung: Hex Boemiae non 
eligit, quia non est Teulonicus (Albr. v. Stade ad 1240), und „der Böhme 
sei nur der Mittelmann, der bei Stimmengleichheit den Aus- 
schlag gebe." (Glossator zum Sachsenspiegel.) 

') Epist. Ottoc. m. Mart., M%j., Octob. 1277 in cod. epist. Ottoc. p. 63, Ö6. 79. 

») Epist. Ottoc. Decb. 1276 in cod. epist. p. 61. Vgl. Pubitschka V. 432. 

4* 



52 

wieder Schutz- und Trutzbündnisse gegen Rudolph — mit Ungarn, 
Polen, Brandenburg, Meissen und Thüringen, 'j Endlich kam es 
im Sommer 1278 neuerdings zum Kriege. Unerwartet schnell kam 
die Entscheidung. Schon am 26. August verlor Ottokar auf dem 
Marchfelde -— hauptsächlich durch Verrath der Seinen — Schlacht 
und Leben. 

5. Gleich nach Rudolphs Erwählung hatte Ottokar den Papst 
Gregor X. eindringlich gebeten, den neuen deutschen König ja 
nicht als Kaiser zu bestättigen. *) Die eben zum Concile nach Lyon 
reisenden Bischöfe Bruno von Olmütz und Johann Ton Prag sollten 
überdies seine Vermittler sein. ') Doch Rudolph und die deutschen 
Fürsten waren ihm bereits zuvorgekommen und hatten den Papst 
schon für sich gewonnen. Alles, was Gregor noch thun konnte, 
war die einstweilige Verschiebung der Anerkennung und die drin- 
gende Vorstellung an Ottokar, dass er als Stellvertreter Christi 
einer endlichen Ordnung im deutschen Reiche nicht entgegen sein 
könne. ^) Ottokar erklärte sich auch wirklich geneigt, nach 
dem Wunsche des Papstes sechs Jahre lang Frieden zu halten, in- 
dess einen Kreuzzug zu unternehmen und nach Beendigung des- 
selben die Vermittelung des Papstes zwischen ihm und Rudolph 
anzunehmen, — wenn indess keinerlei Anschläge gegen ihn gemacht 
würden. *) Aber indess setzte Rudolph (im September 1274) seine 
Anerkennung durch und an Ottokar erging eben nur die wieder- 
holte Ermahnung des Papstes, sich mit dem neuen Kaiser zu ver- 
söhnen, ^) so wie an Heinrich von Baiern die Bitte, als Vermittler 
in dieser Sache einzutreten. ') Als nun auch bald feindselige 
Schritte auf deutscher Seite begannen, wendete sich Ottokar trotz 
neuer Ermahnungsbriefe Gregors *) auch vom päpstlichen Stuhle 
zürnend ab. Er Hess nun nicht blos selbst den Gedanken an einen 
Kreuzzug fallen, sondern verbot auch noch den vom Concile heim- 



^) Urk. in Henrici Ital. Formelbuch N. 23, 36, 39. 
') Epist. Ottoc. in cod. epfst. Ottoc. p. 16. c. Anfang 1274. 
^) Pesjna Mars. Mor. p. 372. 
*) PaJack^ IL 238. 

*) Epist. Ottoc. IV. Idus Jul. 1274. (Boöek IV. 130.) 
•) Epist. Greg. VI. Cal. Octob. u. Idib. Dec. 1274. (Bocck IV. 133, 136.) 
') Epist. Greg. (Boiek IV. 135.) 

*) Hieher die epist. Ottoc. Id. Mart. 1275 u. epist. Greg. VI. non. Maji 1275 
Bocek IV. 142, 151.) 



53 

gekehrten Bischöfen, in seinen Ländern das Kreuz predigen zu las- 
sen und Zehentgelder für diesen Zweck zu sammeln. Ja er nö- 
thigte sie sogar zu dem eidlichen Versprechen, weder päpstlichen 
noch kaiserlichen Befehlen in Bezug auf seine Person Gehör geben 
zu wollen. ') Einem zweiten Beschlüsse des Goncils, der Refor- 
mation der Sitten, legte er wohl kein Hindemiss in den Weg, zu- 
mal er die diesfalligen durch Bischof Bruno v. Olmütz gepflogenen 
Vorerhebungen willig gefördert hatte. ') — Die Unterwerfung Otto- 
kars vor Wien mag wohl auch den kurzen Groll gegen den aposto- 
lischen Stuhl geendet haben. Indess war aber auch Gregor X. am 
10. Jänner 1276 gestorben und nach einer kurzen Zwischenregie- 
rung Johanns XXI. war am 25. November 1277 Nicolaus III. ihm 
nachgefolgt Dieser glaubte noch weit entschiedener für Kaiser 
Rudolph eintreten zu müssen und erliess wohl auf die Bitte des 
letzteren eine förmliche Bannbulle gegen alle Widersacher desselben. 
Als nun Ottokar im J. 1278 den Krieg erneuerte, ward diese Bulle 
aller Orten mit ausdrücklicher Beziehung auf den böhmischen 
König verkündet. ^) So starb denn der so tief gebeugte Fürst auch 
noch beladen mit einer kirchlichen Censur und fand 30 Wochen 
lang kein geweihtes Grab.*) Erst in späteren ruhigen Tagen (1296) 
wurde der entsühnte Leichnam vonZnaim, wo er bis dahin geruht 
hatte, nach Prag -gebracht und im Dome bei S. Veit beigesetzt. 

§. 111. Fortselzaiig: Die Cngllckstage der Kirche in Böhmen. 

1. Ottokars Zerwürfhiss mit Gregor X. war nur der Vorbote 
einer noch trüberen Zeit für die Kirche Böhmens. Sie hatte eben 
all das nachfolgende Unglück des Vaterlandes mitzutragen. Schon 
während des ersten Kriegs gegen Kaiser Rudolph, als die empör- 
ten Grossen da und dort sich gegen den eigenen König erhoben, 
gab es einen wilden Zerstörungskampf nicht blos gegen die Burgen 
und Besitzungen des Königs, sondern auch gegen die hauptsächlich 
von deutschen Mönchen bewohnten Klöster des Landes. Noch ärger 
wurden die Dinge, als nach dem Unglücke auf dem •Marchfelde der 



^) £x epist. archiep. Salisb., Pubitschka Y. 402. 

') Auftrag hiezn ex epist. Greg. 11. März 1273 in Palacky*3 ital. Reise. 

*) 8. Palack# U. 268. 

«) 8iegfr. b. Pubitschka Y. 448. Palack^ n. 270. 



54 

Strom des siegreichen Heeres sich über Mähren und Böhmen er- 
goss. Wehrlose Dörfer und Städte gingen in Flammen auf, Kirchen 
und Klöster ' sanken in Trümmer, Grausamkeiten ohne Maass be- 
zeichneten den Weg der siegestrunkenen Heeresmassen. Nur der 
eilig zu Caslau im November 1278 abgeschlossene Friede u&d die 
dabei eingeleitete Wechselheirat des unmündigen Prinzen Wenzel 
mit des Kaisers Tochter Guta rettete unser Vaterland, — aber um 
es einem noch schrecklicheren Interr^num zu überliefern. 

2. Otto von Brandenburg, ein Neffe des unglücklichen 
Ottokar, übernahm die vormundschaftliche Regierung und begann 
sie damit, dass er die königliche Wittwe sammt ihrem Sohne bei 
Nacht und Kälte gefangen auf die Burg Bösig (bei Weisswasser) 
abführen liess. Die Königin fiand Mittel, nach Mähren zu entkom- 
men ') und dort dem ZawiS von Rosenberg ihre Hand zu reichen. 
Der königliche Prinz aber blieb in unwürdigster Gefangenschaft 
Indess plünderte Otto die Prager Burg und unter argen Misshand- 
lungen der Klerisei auch die Kathedralkirche von S. Veit Letz- 
tere wurde gar auf volle zwei Jahre gänzlich geschlossen. Zugleich 
erhoben sich viele Adelige des Landes, um die von Ottokar ent- 
rissenen Krongüter wieder zu gewinnen. In den Städten erhob 
sich Nationalität gegen Nationalität und Stand gegen Stand, um an- 
geblich verlorene Rechte mit Gewalt wieder zu gewinnen. Massen neuer 
Söldner strömten ins Land, um hier im Dienste des Brandenburgers 
die Freunde der Königin zu strafen und dort im Solde der Parteien 
zu kämpfen. Abenteurer in Menge bauten überdies neue Raubburgen 
im Lande, und so vereinigte sich endlich Alles, um das wilde 
Faustrecht an die Tagesordnung zu bringen und Klöster, Städte 
und Dörfer zu plündern und zu verwüsten. Wer noch einige Si- 
cherheit wünschte, floh in die Wälder und in die Gebirge. Da 
blieben die Felder unbebaut, so dass, um das Unglück voll zu 
machen, der Zerstörung auch noch die Hungersnoth auf dem Fusse 
folgte. (1281--1282. «) 



*) Sie erhielt (nach Aunal. Prag. p. III., Pertz IX. 198 &c.) vom Burggrafen 
Hermann die Erlaubniss, eine Wallfahrt zur Kirche des heil. Georg 
in Hüherwasser (Freistadt, libera civitas) und „zu den gr«uen Mönehen 
in Münchengräz" anzutreten. 

') Annal. Prag. (Pertz IX. 198 <Sx.) Gont. Gosmae. Pulkava, Ghron. auloreg., 
Vgl. Tomek Gesch. Pr. 220 &c. Palack^ IL Marignola (Dobn.) 228 u. s. f. 



55 

3. Einiger Frevel müssen wir besonders gedenken^, ohne aber 
zwischen dem Verwüstungswerke des Brandenburgers, der rudolphi- 
nischen Truppen und der einheimischen Wegelagerer streng unterschei- 
den zu können. In Ostrow (S. Johann) wurden die Mönche verjagt 
und durch 6 Wochen zehrten die rohen Kriegsknechte die Victualien 
der Brüder auf und plünderten ihre Dörfer völlig aus. Das neue 
Kloster Goldenkron wurde dem Erdboden gleich gemacht. Die 
Kapitel des Landes, die Klöster Bfewnow, Wiliniow, Osek, * Teplitx, 
St Georg, Schwatz hatten die ärgste Drangsal zu erdulden. 
Pomuk, Sedlec, Braunau, Kladrau, Sazava versanken in di« tiefste 
Ärmuth, so dass sie nachher ihr noch übriges Eigenthum verkaufen 
and verpfänden mussten, um nur die dringendsten Bedürfhisse 
decken zu können. ^) Allem setzte aber Otto von Brandenburg 
selbst die Krone auf. Anfang Jänner 1281 verlangte er vom Prager 
Kapitel die Auslieferung der Privilegien Ottokars. Man hatte sie 
in die Grüfte des Doms gerettet. Nun drangen Bewaffnete den 
Domherren nach, durchsuchten die Ruhestätten der Todten und 
selbst das Grab des h. Wenzel, und raubten die Kelche, Kronen, 
Monstranzen, Kreuze, Reliquiarien und was sonst noch WerthvoUes 
von der ersten Plünderung übrig war. ^) Es ward erst dann ruhi- 
ger im Land, als in Folge eines Landtages dem Prager Bischöfe die 
Statthalterschaft übergeben wurde. (Jänner 1281.) 

4. Bischof Johann hatte nur den Anfang dieser traurigen Zeit 
gesehen. Er starb am 21. October 1278, so dass nun zum allge- 
meinen Unglücke auch noch die geistliche Verwaisung des Landes 
hinzukam, die aber nur vier Monate währte. 

§. 112. Bischer Tobias (1278—1296). - 

1. Seit dem Tode Daniels II. war dem Prager Domkapitel 
die Erwählung des Bischöfe nicht wieder bestritten worden. Die 
Folge war, dass seitdem nur Eingeborne ^es Landes den faisofaöili- 
chen Stuhl bestiegen. Der Wahlvorgang — bei Bischof Johann 
bereits angedeutet — wird uns bezüglich des Bischofs Tobias be- 



') Chron. Auloreg. Dobn. mon. V., Tomek I. 221. 
^ ürk. in Henrici Ital. Formelbuch. S. 95, 96, 97, 98, 108. 
') Cont. Cosm., Pulkava, Pabit&chka Y. 480. Die Zeit der Begebenheit ist 
wohl vor den am 5. Jänner abgeschlossenen Friedensvertrag zu setzen. 



56 

reits ziemlich ausführlich beschrieben. Schon am 15. November 1278 
versammelten sich die Kanoniker des Prager Doms zur Wahl. Ein- 
stimmig wurde der eben abwesende bisherige Dompropst Tobia s vo n 
Bechin, aus einer der edelsten Familien des Landes entsprossen, 
und sogar mit d^n königlichen Hause verwß,ndt, zur bischöflichen 
Würde erkoren. Als dieser die Wahl erfuhr, widerstrebte er 
lange, das eben so ehrenvolle als sorgenbringende Amt anzuneh- 
men. Endlich fügte er sich. Nun reiste der Domdechant Gregor 
mit den Kanonikern Alexius (zugleich Propst von Olmütz) und 
Theodorich nach Mainz und erbaten dort unter Hinweisung auf die 
traurigen Wirren des Landes vom Metropoliten die Dispensation 
des Neugewählten von der persönlichen Präsentation und zugleich 
die Delegation des Olmützer Bischofs zur Untersuchung der Wahl 
und zur Ertheilung der Confirmation. Die Abgesandten kehrten 
am 22. December wieder nach Prag zurück. Am 5. Jänner 1279 
zog nun Tobias mit vielen Kanonikern und Edlen nach Mähren. 
Bischof Bruno von Olmütz empfing ihn in Ostrau, prüfte daselbst 
die geschehene Wahl auf Grund der Wahlacten und ertheilte am 28. 
Jänner im Nam«p des Metropoliten die Confirmation. Darauf wurde 
Tobias am 18. Februar in Brunn vom Seckauer Bischöfe Bernhard 
(damals kais. Statthalter in Mähren) zum Priester und am folgen- 
den Tage von Bischof Bruno unter Assistenz der Bischöfe von 
Seckau und Basel zum Bischöfe geweiht. Am 28. Februar traf er 
wieder in Prag ein und ward daselbst von der gesammten Kleri- 
sd unter Absingung des alten Liedes des h. Adalbert feierlich em- 
pfajigen. Eine weltliche Investitur hatte seit Daniel H. unzweifel- 
haft immer Statt 'gefunden. Doch erst unter Wenzel H, dem Erben 
des unglücklichen Ottokar, finden wir ausdrücklich die Uebergabe 
eines kostbaren Ringes nebst Scepter, Kreuz und goldenem Apfel 
durch den König bei Gelegenheit der bischöflichen Weihe erwähnt 
Wer sollte aber jetzt in den furchtbaren Tagen des Interregnums 
unseren Bischof Tobias investiren ? *) Wahrscheinlich beanspruchten 



■) König Weuzel IL nenut ihu iu einer Urkunde v. VII. Idus Sept. 1294. di- 
lectas princeps et consanguineus noster. (Bocek V. 12.) Durch die Hei- 
rath der Königin Kimigunde mit Zavisa von Falkenstein (Kosenberg) hätte 
er höchstens ein Gonsobrinus werden können. 

') Als erwählter Bischof hatte er schon auf dem Friedenstage zu Öaslau 
zugleich mit den Edlen des Landes geschworen, Rudolphs Tochter und des 



57 

dies die damaligen Burggrafen von Prag für ihren Herrn, den Mark- 
grafen von Brandenburg; denn sie verschlossen dem Bischöfe die 
Thore der Burg und hiemit auch des bischöflichen Domes, so dass 
Tobias genöthigt war, seine Inthronisation in der Stiftskirche der 
Prämonstratenser am Strahow zu halten. Der Dom, der nun auch 
eine Plünderung zu überstehen hatte, blieb, wie schon erwähnt 
wurde, 2 Jahre lang geschlossen. >) 

2. Bischof Tobias war als treuer Anhänger seines jungen -- 
nunmehr gefangen gehaltenen Königs der Gegenstand der heftigsten 
Anfeindungen von Seiten der Brandenburger. Die bischöflichen 
Güter wurden geplündert, insbesondere das bischöfliche Schloss zu 
Raudnitz sammt der Stadt, sowie auch die bischöfliche Burg auf 
der Prager Eleinseite von einem gewissen Paul Baruth in Besitz 
genommen. ^) Selbst seine persönliche Sicherheit war dermassen 
gefährdet, dass er sich lange Zeit im Ordenshause der Ereuzherren 
zu Prag verbergen musste. >) Erst der Landtag zu Anfang Jänner 
1281 brachte unter ziemlich harten Bedingungen einen Ausgleich 
zu Stande. Schon rüstete Kaiser Rudolf, wohl in Folge eingebrachter 
Klagen gegen den gewaltthätigen Brandenburger, und auch in Böh- 
men selbst wurde der Unwille des gedrückten Volkes immer gefahr- 
drohender. Da gab der harte Vormund des unmündigen Königs 
gegen eine Baarzahlung von 15.000 Mark Silbers, die man sofort 
mit unsäglicher Schwierigkeit in dem gänzlich verarmten Lande 
auftreiben musste, seine Zustimmung, dass fortan Bischof Tobias 
unter Zutheilung des obersten Landeskämmerers Diepold von 
Riesenburg die Statthalterschaft statt des bisherigen Vek*wesers, des 
verhassten Brandenburger Bischofs Eberhard, übernehme, dass alle 
Brandenburger das Land verlassen und dass noch bis Anfang Mai 
der junge König dem Bischöfe übergeben werden solle. Letzteres 
Zogeständniss erfüllte er allerdings erst im J. 1283, nachdem er 



jungen Wenzels Verlobte Guta als Königiu zu verehren, ihre Besitzungen 
zu schützen, und sie als einstige kinderlose Wittwe ihrem Vater wieder 
zuzuführen. (So Üenric. Ital. Fonnelbuch, Archiv f. österr. Gesch. XXIX. 
Bd., S. 96.) 

^) Anna]. Prag, pars II. (Pertz IX. 194 &c.) Pubitschka Y. 472, Tomek Gesch. 
Pr. 404, 405. Vgl. Annal. Prag. p. III. (Pertz IX, 198 &c.) ad ann. 1279. 

*) Annal. Prag. p. III. (Pertz IX. 198 &c.) 

Kreibich M8. 



58 

noch eine neue Zahlung von 20.000 Mark Silber ') von dem un- 
glücklichen Lande gefordert und durch Pfandschaften sich gesichert 
hatte. ») 

3. Mit der neuen Ordnung der Dinge erö&ete sich wieder 
der Prager Dom, der seit zwei Jahren versehloasen gd^lieben war, 
und Bischof Tobias hielt erst jetzt seinen Einzug m die Kathedrale 
und „nach alter Gewohnheit" ward daselbst die 220 Pfuod schwere 
Bischofs kerze aufgesteckt (5. Jänner 1281). Darauf ertheilte 
er (am 8. Jänner) vom Morgen bis zum Abend die Priesterwdhe, 
die seit etlichen Jahren unterblieben war. ^) Endlich stellte (am 
20. Mai) ein neuer Landtag durch strenge Verordnungen dasBecht 
und die Ordnung im Lande wieder her. Namentlich sollten alle 
der Kirche oder auch Privatpersonen entrissenen Güter binnen 
14 Tagen restituirt und jeder Ruhestörer mit vereinter Macht un- 
schädlich gemacht werden. Wer dem Landtage nicht selbst beige- 
wohnt hatte, musste binnen 14 Tagen den Beschlüssen beitreten 
oder wurde als Feind des Landes behandelt. ^) Der Brandenburger 
zog nun seine verhassten Söldner aus dem Lande und was sich 
ihnen von deutschen Ab^teurern angeschlossen hatte, musste in 
Folge der neuen Landtagsgesetze eben&lls das Weite suchen. Die 
Slaven im Lande erhielten wieder die Oberhand und priesen dank- 
bar ihren Retter, den Bischof Tobias, „der dem Lande die ei- 
gene Sprache, der das Böhmenland dem Böhmenlande 
wiedergegeben hatte." ') Doch bald störten die Folgen der 
vergangenen Leideustage den allgemeinen Jubel Eine entsetzliche 
Hungersnoth brachte das Land in Verzweiflung und in ihrem 
Gefolge erfüllte die furchtbarste Seuche alle Gassen und Strassen 
mit Leichen. Erst die Ernte des Jahres 1282 machte dem unsäg- 
lichen Elende eine Ende. *) 



') Er erhielt statt deren zum Pfände die Städte und Burgen: Ronow, 
Zittau, Bösig, Scharfenstein, Sandau, Tetschen, Aussig und 
Brüx. 

') Annal. Prag. p. III. (Pertz V. 198 &c.), Pulkava, Gont. Cosmae, lUustr. 
Chron. v. Böhm. I. 518, 519. Palack^ II. 303. 

') Tomek Gesch. Pr. 224. 

*) Palacky IL 304, 805. 

^) Tobias linguam patriae, Boemiam Boemiae restituit. (Balbini epitom.) 

•) Tomek I. 226, 227. 



59 

4. Am 24. Mai 1283 hielt endlich der nun zwölQährige König 
Wenzel II. seinen feierlichen Einzug in Prag. Bischof Tobias em- 
pfing ihn an der Spitze des gesammten Klerus unter Absingung 
des „Advenisti desiderabilis^ und die Massen des Volkes sangen 
jubelnd ihr „Hospodine pomiliy ny.^ *) Auch jetzt noch blieb der 
staatskluge Bischof dem onerüetbrenefi Könige als leitender Ralb- 
geber zur Seite und selbst der in Kurzem so mächtig werdende 
königliche Stiefrater Zawi^ scheint ihn nie zur Gänze rerdrftngt 
zu haben. Als endlich der stolze Günstling im Juni 1287 den Hof 
wieder verlassen musste, um nachher (24. August 1290) gar den 
Tod durch Henkershand als Feind des Königs und des Vaterlands 
zu sterben, war unser Tobias wieder die Seele des königHcben 
Hofes. Unter seiner Leitung wurde Wenzel U. ein von der Hei- 
ligkeit des Herrscherberufs so tief durchdrungener Forst, dass er 
sich offen bereit erklärte, auf den Thron verzichten zu wollen, wenn 
irgend ein Anderer mehr Aufrichtigkeit und Eifer für das allge- 
meine Beste habe. ') Volk und Land erholten sich daher in Kur- 
zem von den Drangsalen der letzten Zeit und blühender als je 
gestalteten sich alle Verhältnisse im Innern und das Ansehen des 
Reiches nach Aussen. ^) Doch nicht blos seinen Edelsinn und seine 
Staatsklugheit, sondern auch seinen tapfern Arm widmete Bischof 
Tobias seinem königlichen Zöglinge und Freunde; er war es, der 
1291 an der Spitze eines Heeres das Krakauer Land für Wenzel IL 
in Besitz nahm. ^) 

5. Dabei vergass übrigens Bischof Tobias auch seines geist- 
lichen Amtes nicht. Es hat sich von ihm ein Epistolarcodex er- 
halten, der hievon vielfach Zeugniss gibt. ') Zunächst ging er dar- 
an, den so vielen Kirchen des Landes zur Zeit des Interregnums 



>) Tomek I. 231. 

*) Palack^ IL 366. 

') Vgl. Paiack^ IL 342 ; 337—340. Damals erwarb Wenzel IL die Lehens- 
hoheit über viele Städte und Burgen des meissner und pleissner Landes 
und über mehrere achlesische Fiirstentbümer, desgleichen sogar die Kö- 
nigswürde in Polen. 

*) Palack^ U. 334. 

*) Prof. Dr. Const. Höfler hat denselben zuerst ans Licht gezogen. Verfasser 
dieses erfreate sich der Einsicht des dieasföUigeo Maonskriptes: ^Monu- 
mente des Königthams in Böhmen." 



60 

zugefügten Schaden wieder auszugleichen, indem er wiederholt Ab- 
lässe allen denen bewilligte, die nach Empfang der h. Sakramente 
zur Herstellung der Kirchen ein Almosen geben. ^i* beweg 
auch andere Bischöfe der Nachbarschaft, durch ähnliche Mittel un- 
serem Lande zu Hilfe zu kommen. ^) Zur Vorsorge für künftige 
Zeiten liess er sogar mehrere Kirchen durch Befestigungen sichern ; 
so die zu Moldautein und Bischofteinitz, zu Raudnitz, Rokitzan, 
St^panow, KiHwsudow, Wyskytna und Herarts. ') Er ordnete auch 
die mehrfach in Verwirrung gerathenen Besitzverhältnisse der Prä- 
laturen im Lande; so namentlich die Bezüge des Archidiakons von 
Bilin. ^) Die geistliche Bildung seines Klerus suchte er dadurch 
zu heben, dass er den Pfarrern erlaubte, behufs des Besuchs einer 
Universität oder eines sogenannten Generalstudiums auf zwei Jahre 
gegen Bestellung eines Vicarius ihre Pfründen zu verlassen. ^) Er 
arrondirte die bischöflichen Besitzungen durch den Ankauf von 
Wodochod bei Raudnitz (gegen einige Höfe bei Moldautein) *) und 
erwarb vom Könige für die bischöflichen Ortschaften Bleiswedel 
(Bli2wedly) und Böchary die Marktgerechtigkeit. ^ 

6. Grosse Freude musste unserem Bischöfe die BereitwilÜg- 
keit des Königs bereiten, den verarmten Klöstern des Landes durch 
neue Schenkungen und Gnaden wieder aufzuhelfen. Mühlhausen 
und Pomuk erfreuten sich insbesondere der königlichen Huld. ') Die 
Cisterzienserklöster des Landes erhielten neue Privilegien. *) In Brüx 
gründete er ein neues Kloster für die büssenden Jungfrauen vom 
Maria-Magdalenaorden, und in T a u s s ein Kloster der Augustiner- 



') Als Kirchen dieser Art werden besonders genannt: die Teinkirche, die 
königliche Burgkapelle, die Kirchen zu Wysoka, Kosic, Nacerat. 

') Genannt werden: £rzbischof Bruno, die Bischöfe von Regensburg, Würz- 
burg, Passau, Freising. 

^) Tomek Gesch. Pr. 406. 

*) Cod. epist. Tobiae in Höfler's Mon. des Königthums. ^ 

*) ürk. in Henr. Ital. Formelbuch (Archiv f. österr. Gesch. XXIX. 176). 

'') ürk. bei Boöek V. 12. 

') Beide erhielten einen Jahrmarkt und einen Wochenmarkt. (Balbini lit. 
publ. p. 22.) 

") Muhlhausen erhielt das Patronat in Alt- und Neukamenic, Pomuk wurde 
für sich und sein Prager Haus (prope claustnim et ecclesiam S. Jacobi) 
von allen Abgaben frei. Urk. Henr. Ital. Formelb. S. 29 u. 101. 

') Mon. des Königth. 



61 

Eremiten. ') In seltener Pracht erhob sich in der Nähe der Haupt- 
stadt des Königs Lieblingsschöpfung, die Cisterzienserabtei König- 
saaL (1291). Den Cisterzienserorden pflegte er überhaupt seinen 
Orden zu nennen und die Aebte desselben stets in seiner Umgebung 
zu haben. Überhaupt umgab ihn stets eine grosse Schaar von 
Welt- und Klostergeistlichen, die in dieser Zeit sogar aus Deutsch- 
land, Frankreich, Italien, Preussen, Russland, Ungarn und Griechen- 
land herbeikamen, um den frömmsten der Könige zu bewundern. ^) 
Theils um seinen geistlichen Hof zu vermehren und theils um einem 
verarmten Stifte zu Hilfe zu kommen erwirkte er auch die Yer- 
l^ung des Melniker Kollegiatkapitels an die AUerheiligencapelle 
in Prag.') Sein Bestreben war es endlich, eine förmliche Univer- 
sität gleich der zu Paris in Prag zu gründen (1294); doch schei- 
terte dieser Plan an dem Widerspruche der Grossen, welche in 
diesem Institute ein Überhandnehmen geistlicher Einflüsse furchten 
zu müssen glaubten. ^) 

7. Unter Bischof Tobias betheiligte sich der böhmische Klerus 
wiederholt an der Unterstützung des heiligen Landes, für welchen 
Zweck — muthmaasslich seit dem letzten Concile von Lyon — so- 
gar ein eigener beständiger Zehent von allen Kirchen entrichtet 
werden sollte. Im J. 1282 kam als Sanmiler dieses Zehents der 
Canonicus Albero von Venedig nach Böhmen '), scheint aber der 
damaligen Wirren und der allgemeinen Noth wegen nichts erlangt 
zu haben. Der Rest blieb bis 1286 in Vormerkung und sollte dann 
mit Hülfe kirchlicher Censuren eingetrieben werden, die der Sammler 
auch wirklich verhängte. Ohne Zweifel auf Fürsprache des Bischofs 
absolvirte Papst Honorius IV. unterm 27. Februar 1286 den ge- 
sammtcn Klerus von diesen Gensuren, verpflichtete ihn aber, den 
Zehent für die Zukunft pünktlich zu entrichten. ^) Im selben Jahre 



^) Später hievon das Nähere. 

*) Chroo. ^Auloreg. 115 &c. Aula regia = KönigBaal. 

*) IHese Verlegang dauerte für jetzt allerdings nur von 1290—1800. (Tomek 

Gesch. Fr. 482.) 
*) 8ed sni sibi iterum dissuaserunt, sagt das Chron. Franc, can. S. Chron. 

Aoloreg. 108. Vgl. Tomek Gesch. der Prager Universität. 
*) Epist Martini IV. in Palackf s ital. Reise. 
*) Epist. Honorii ebendaselbst. 



6S 

noch ersdiien der Biachof Joha&nes von Tusculum als Legat in 
Böhmen, ') wie es scheint, wieder mit einer Geldforderung, wegen 
deren Verweigerung er sogar den Bisehof voit der Suspension und 
dem Interdicte belegte, um deren Behebung sich Tobias durch 
eilte eigene Gesandtschaft in Rom bewerben muaste. ') Die Abgabe 
des ^^Papstzebents'' ist seitdem zur Regel geworden. Im J. 1297 
kanunt auch der er:$te Fall vor, dass der Papst diesen Zehent dem 
Könige bewilligt — zur Bestreitung der Unkosten seiner Krö- 
nung. ') 

8. Tobias starb am 1. März 1296 als ein Bischof, der in glei- 
chem Grade die Gunst des Königs und die Liebe des Volkes zu 
gewinnen verstand.^) Der Orden der Augustiner verehrte ihn als 
Mitstifter des Prager Klosters zu S. Thomas. In seine Zeit fallt 
auch die erste Ansiedlung der Magdalenerinnen und Dominicane- 
rinnen in Prag und Böhmen. ^) 

§. 113. Bischof Cregor (1296-1301). 

1. Nach Tobias Tode gab sich König Wenzel alle Mühe, seinen 
Stiefbruder Johann, Sohn der Königin Kunigunde und des unglück- 
lichen Zaviäa, auf den bischöflichen Stuhl zu erheben. Derselbe 
war nach dem Tode seines Vaters den Deutschh«n*en in Prag zur 
Erziehung übergeben worden und hatte — obwohl noch kaum über 
16 Jahre alt — durch die Gnade des königlichen Stiefbruders be- 
reits die Propstei des wi^ehrader KoUegiatstiftes erlangt. Zum 
Glücke für die Kirche Böhmens beschränkte sich der Einfluss des 
Königs bei der Bischofswahl nur auf eine Empfehlung bei den 
Wählern. Ueberdiess war König Wenzel einsichtsvoll genug, um 
auf Anrathen des Propstes Johann von Sadska den Plan seines gut- 
müthigen Herzens bis auf einen spätem Erledigungsfall zu ver- 



■) Kpist. Honor. 31. Mai 1286 ebendaselbst. 

^) Urk. im Epistolarcodex d. Tobias. 

"") £pist. Bonifacii VIII. 31. März 1297 in Palackf & ital. Beise. Einem ähn- 
lichen Falle von 1383 verdanken wir den ältesten Pfründenkatalog Böhmeus. 

*) Aeltere Sammler setzen seinen Todestag auf den 19. Februar 1296. So 
Pesina. Lupacius nimmt den 24. Febr., Kreibich den 14. Febr. an. To- 
mek setzt ihn auf den 1. März. 

^) Später darüber das Nähere. 



I 



«3 

schieben. ') Demnach vereinigten sich die Stimmen der Wähler 
auf den Namen des zeitherzigen Domdechants Gregor') aus dem 
eden Gesdilechte der Zajice von Waldek. Dieser war vordem an 
der Domschule ein weithin berühmter Lehrmeister der Naturwissen- 
schaften (nach Aristoteles) gewesen und lernbegierige Jünglinge 
selbst aus weiter Ferne waren als Schüler zu seinen Füssen gt- 
sessen. *) Nachmals hatte er als Scholasticus die blühende Anstalt 
geleitet. "•) Beim Tode des Bischofs Johann war er bereits Domdechant 
ttikl gab »ch als solcher alle mögliche, leider aber vergebliche Mühe, 
an der Spitze einer geistlichen Botschaft den harten brandenburg- 
schen Statthalter Eberhard zu einem milderen Vorgehen gegen den 
böhmischen Klerus zu stimmen. ') Seine Wahl Enm Bischöfe wurde 
im Namen des Mainzer Metropoliten Burghard vom Olmützer Bi- 
schöfe Theodorich bestättigt, von welchem er BXidh am 12. Juni 
1286 die bischöfliche Weihe erhielt. •) 

2. Obwohl bei seiner Erwählung bereits 60 Jahre alt, unter- 
Hess er doch nicht, bis zu seinem Tode als Yolksprediger in seiner 
Kathedrale thätig zu sein. Sechs Jahrgänge seiner Predigten sind 
als ein kostbares Andenken auf die Nachwelt gekommen. ^) Am 
Pfingstfeste 1297 hatte er die hohe Freude, bei der feierlichen Krö- 
nung des Königs und der Königin an der Seite seines Metropoliten 
mitwirken zu können. Die Pracht, die dabei in Prag entfaltet 
wurde, und der Ueberfluss, der da in jeder Richtung zu Tage trat, 
bekundeten vor aller Welt, dass unser Böhmen wieder auf die 
Höhe seiner Wohlfahrt emporgesti^cn war. «) Leider folgte zu bald 
darauf der Tod der frommen Königin Guta, den gleich schmerzlich 
der König und das Volk beweinten (18. Juli 1297). Doch in Kur* 
zem kehrte neue Ehre im Hause des Königs und neuer Jubel im 



^) ChroD. Franc, ad ann. 1296. Chron. Auloreg. p. 49. Dieser Johannes trat 
später in den deutschen Orden nnd soH daselbst Landmeister geworden 
sein. Vgl. Palack:^ II. 331. 

') Benesii chron. ad a. 1296. 

^) Der Abt ton Admont gehörte zu diesen und wurde in seinen Schriften der 
Prager Domschule. 

*) Tomek Gesch. Pr. 518. 

*) Tomek 222. 

^ Kreibich. 

') Buhna MS. 

•) Palack^ IL 375. Chron. Auloreg. 118. 



64 

weiten Lande ein. Des Ljtndes und seines edlen Fürsten Ruhm 
zogen im J. 1300 Abgesandte aus Polen und im J. 1301 Abgesandte 
aus. Ungarn herbei, um die Königskronen beider Länder mit der 
des heiligen Wenzel zu vereinen. 

3. Indess neigten sich aber die Tage des greisen Bischofs 
ihrem Eade zu. Längere Zeit schon hatte er aus Schwäche die 
Kanzel nicht mehr besteigen können. Dennoch unterliess er es 
nicht, das Predigtamt zu üben *): er sprach noch sitzend vom Al- 
tare aus. Endlich machte der Tod am 6. September 1301 seinem 
bewegten Leben ein Ende. ') 

§. 114. Bischtr J«liaiin IV. (1301-1343). 

1. Nach dem Tode Qregors berief die Wahl der Kapitularen 
den Domherrn Johann vonDra^ic auf den Bischofsstuhl und 
König und Volk begrüssten den Neugewählten mit Freuden. ') Bei 
Gelegenheit seiner feierlichen Consecration , welche der Mainzer 
Erzbischof selbst vollzog, überreichte ihm König Wenzel einen 
goldenen Bischofsring mit einem Smaragde im Werthe von 900 
Mark Silber, und ausserdem Scepter, Kreuz und goldenen Apfel 
zum Zeichen des Fürstenranges. '*) Er war ein Sohn jenes Prager 
Burggrafen Gregor, dem einst König Pfemysl Ottokar die Pflege 
der Kleriker und der Armen übergeben hatte, ') zugleich ein naher 
Verwandter des vormaligen Bischofs Johann UI, — daher gewiss 
aus einer ebenso frommen als edlen Familie entsprossen. 

2. Der neue Bischof eröffnete seine Wirksamkeit mit einer 
feierlichen Diöcesan-Synode (1301), auf welcher er zunächst den 
Seelsorgern die grösste Sorgfalt gegenüber dem Umsichgreifen 
der Häresien einprägte, die schärfsten Verordnungen gegen das 
nicht seltene Verbrechen der Brandstiftung erliess und geheime 
Ehen strengstens untersagte. ") So hatte er sich selbst das Pro- 



') Kreibich, fiubna. 

') Peäina phosph. 

^ Der natürliche Bruder des Königs, der eigentlich zur Succession bestimmt 

war, starb schon 1296. (Vgl. f. 128, num. 4.) 
*) Tomek I. 405. 
*) Chron. Franc. 
*) Höfler, Prager Concilien, S. XIX. 



65 

gramm einer ausgezeichneten bischöflichen Begierung aufgestellt. 
Leider folgten gleich in den nächsten Jahren die erschütterndsten 
Thronwechsel im Lande, so dass ein segenvoUes Gedeihen der 
schönen Pläne kaum möglich war. Zunächst sank am 2L Juni 
1305 der gute König Wenzel IL ins frühe Grab. Die Annahme 
der ungarischen Krone (für seinen Sohn Wenzel IIL) hatte ihn in 
J. 1302 in Conflict mit dem Papste Bonifadus VIII. gebracht, wel- 
cher die Bewerbung Karl Boberts von Neapel unterstützte und 
uoch überdiess von dem aus Polen verjagten Wladislav Lokietek 
gegen den König von Böhmen aufgereizt wurde. Es kam sogar 
zur Androhung des Kirchenbannes, welche Drohung überdiess auch 
Benedict IX., der Nachfolger des Bonifacius, erneuerte. Zum Aeus- 
sersten ist es wohl nicht gekommen. Endlich machte auch des 
Königs Tod den weitern Verwicklungen ein Ende. Wenzel III. 
folgte auf dem böhmischen Throne nach, ein erst siebenzehi^ähriger 
Jüngling, aber bereits siech geworden durch die Verführung unga- 
rischer Magnaten, unter denen er die letzten Jahre verlebt hatte. 
Jetzt gab er ohne Weiteres die Ansprüche auf Ungarn auf, um 
wenigstens Polen fürs böhmische Beich zu erhalten ; denn dort war 
Wratislaw Lokietek neuerdings als Thronwerber erschienen. Da er- 
eilte unsern König auf dem Zuge gegen Polen in Olmütz der Tod 
(4. August 1306). Mit ihm endete das glorreiche Geschlecht der 
Pfemysliden — und zugleich Böhmens neue Herrlichkeit. Als Ende 
September 1306 der Wahllandtag in Prag zusammentrat, erschienen 
Kaiser Albrecht und sein SohnBudolph mit gewaltiger Heeres- 
macht vor den Thoren der Königsstadt, — um alte Erbverträge 
geltend zu machen. Unter diesen Umständen wählte man den jungen 
Rudolph zum Könige — am 8. October 1306. Um seinen Thron 
mehr zu befestigen ehelichte derselbe schon am 16. October die 
junge Wittwe Wenzels IL Als er aber daran ging, einige wider- 
strebende Grosse durch Waffengewalt zu unterwerfen, starb auch 
er plötzlich im- Lager von Horaidowic — am 4. Juli 1307. Nun 
sollte vertragsmässig Friedrich der Schöne von Oesterreich den 
Thron besteigen; aber ein neuer Wahllandtag berief Wenzels II. 
Tochtermann Heinrich von Kärnthen — am 15. August 1307. 
Wer weiss, in welche Nöthen sofort unser L^nd gerathen wäre. 
Kaiser Albrecbt verhängte den Bann des Beiches und Papst Cle- 
m^8 y. die Excommunication über den Neugewählten (October 

5 



66 

1307). Schon zog man ein Kriegsheer zusammen, um des Reiches 
Acht zu vollziehen. Da endete der schreckliche Kaisermord am 
l. Mai 1308 die erste Verwicklung. Ein Gegner des Hauses Habs- 
burg bestieg den deutschen' Kaiserthroii. *) Aber nun zeigte sich 
erst, wie unglücklich die Böhmen gewählt hatten. Schwaich und 
bequem, verstand es Heinrich nicht, sich ein Ansehen zu verschaf- 
fen. Obendrein griff er nach allen Mitteln, um sich und seine An- 
hänger zu bereichem. Da lebten denn die traurigen Zeiten des 
Brandenburgers . von Neuem auf. Eine Partei erhob sich gegen die 
andere. Das Faustrecht kam wieder aller Orten zur Geltung. 
Kirchen und Klöster wurden geplündert uud verwüstet. Der König 
selbst nahm, wo nur zu nehmen war, und schaffte die geraubten 
Schätze nach Kämthen. ^) 

Endlich waren die Parteien selbst des Kampfes überdrüssig 
geworden. Unter Vorgang des Bischofs und der Prälaten des Lan- 
des, insbesondere der vom Cisterzienserorden, einigten sich 
die Stände dahin, sich vom deutschen Kaiser Heinrich VII. dessen 
Sohn Johann als König zu erbitten und diesen mit der letzten 
Pfemyslidin Elisabeth, der jüngsten Schwester Wenzels III, zu ver- 
mählen. Am 15. Juli 1310 erschien die Gesandtschaft der Stände, 
an ilurer Spitze Abt Conrad von Königsaal, in dieser Angelegenheit 
vor dem versammelten Reichstage in Frankfurt. Nach den noth- 
wendigen Erhebungen ward die Bitte gewährt. Heinrich von Käm- 
then wurde als vom Reiche nicht belehnt seiner Würde entsetzt. 
Ende August 1310 belehnte Heinrich VH. seinen vierzehiyährigen 
Sohn mit dem Landespanier von Böhmen und gleich darauf segnete 
der Erzbi&chof von Köln des neuen Königs Ehe mit der achtzehn- 
jährigen Prinzessin ein. Am I.November befand sich der neueLan- 
desfürst bereits auf dem Zuge über Eger nach Böhmen. Von Ort 
zu Ort mehrte sich sein kriegerisches Gefolge. Bei Budin stiess 
auch der Prager Bischof Johann zu ihm. Am 5. December öffnete 
die Stadt Prag dem jugendlichen Landesherrn die Thore. Heinrich 
der Kärnthner hatte nichts Besseres und Eiligeres zu thun, als mit 
seinem Hofstaate und einigen Geiseln mitten in der Nacht aus dem 



>) Vgl. Palack>', Tomek u. A. 
') ChroD. Franc, Chron. Aulnreg. 



67 

Lande zu entfliehen. Am 7. Februar 1311 setzte der Mainzer Erz- 
bischof dem jungen Herrscherpaare die Krone auf. •) 

3. Was die Kirche Böhmens im bisherigen Interregnum gelit- 
ten habe, wurde im Allgemeinen angedeutet. Einzelheiten werden 
von den Chronisten wenige berichtet. *) Auf einen argen Missbrauch 
aber, der nur in solcher herrenloser Zeit entstehen konnte, deutet 
ein um dieser Zeit erflossenes Gebot des Bischofs Johann an den 
gesammten Klerus seiner Diöeese hin: dass fortan Niemand mehr 
ohne besondere bischöfliche Zustimmung die Besitzungen der Kir- 
chen verschenken, vertauschen, verkaufen oder als Lehen vergeben 
dürfe. ') Auch mochte wohl die Sittlichkeit des Klerus unter den 
Wirren im Lande einigermassen gelitten haben; denn unterm 3. 
Juli 1311 erliess der eben anwesende Metropolit desshalb eine 
strenge Weisung an die einzelnen Dekanate und hielt darauf theils 
persönlich, theils durch Stellvertreter eine Visitation der ganzen 
Diöeese ab. *) Wurde so einerseits das geistliche Leben wieder ge- 
hoben, 80 gab nun auch anderseits der neue König in einer eigenen 
Handfeste das Versprechen, den Bischof und die Geistlichkeit, sowie 
die weltlichen Herren, in allen ihren Besitzungen und Freiheiten zu 
beschirmen. *) 

§. 115. KUmpre des Bischofs Mann IV. 

1. Auf den Rath des Kaisers übernahm sogleich nach dem Gin- 
zuge des Königs der ausgezeichnete Erzbischof Peter Aichspalter 
von Mainz die Begierung des Landes, und diess zu um so grösserer 
Zu&iedenheit Aller, da er als vormaliger Kanzler Wenzels IL und 
Propst von Wyfiehrad **) die Bedürfnisse des Reichs und die Mittel 
zu ihrer Befriedigung vorzüglich kannte. Weilte auf diese Weise 
damals (bis 1314) der Metropolit selbst in unserem Lande, so tritt 



Vgl. Palack^, Tomek, Ghron. Aaloreg. 

') Qenannt werden das Kl. Königsaal und das Kl. Sedlec v. Chron. Aaloreg. 
252,245. 

') Urk. Balbini Ut. publ. ad ann. 1312. Dasselbe bei Palackj' über Formel- 
bücher p. 251, cit. Formelbach des Stiftes Wilhering, N. 6, p. 79. 

*) Tomek Gesch. Pr. 563. 

») ürk. PalackJ IL* 88-90. 

•) Vgl; |. 128. 

5* 



68 

im J. 1312 noch überdiess ein bleibender Suffragan- und Weih- 
bischof daselbst auf. Es war auch diesmal wieder ein leiblicher 
Bruder des regierenden Bischofs ') der Minorit Pfibislav von 
Draiic, der sich Bischof von Sothara und Murau nannte. Die 
öffentlichen Urkunden erwähnen ihn von 1312 bis 1337. ^) Zum Theile 
gleichzeitig mit ihm wirkte auch der Augustinerbruder Hermann 
von Hasenburg, Bischof von Porphyria. 

2. Unter den geschilderten Umständen war es unserem Bi- 
schöfe Johann leicht möglich, dem Rufe des Papstes Clemens V. 
zum allgemeinen Concile nach Vienne Folge zu leisten, ^) und er 
that diess um so mehr, als der Metropolit von Mainz der unabweis- 
liehen Regierungsgeschäfte wegen auf die Theilnahme verzichten 
musste. Da half demi unser Bischof vom 16. October 1311 bis 6. 
Mai 1312 eine Reihe auch für Böhmen überaus folgenreicher Be- 
schlüsse fassen. Der Templerorden wurde aufgehoben.^) Das 
Verhältniss der exemten Orden zu den Bischöfen und^ Seelsorgern 
wurde geregelt. Strenge Verordnungen zur Hebung der Sittlichkeit 
des Klerus wurden erlassen. Die Strafbestimmungen gegen die Häre- 
tiker wurden erneut und neuerdings die Fratizellen, die Dulcinia- 
ner und die mit allerhand Irrthümern behafteten Beghuinen und 
Begharden Deutschlands mit dem Eirchenbanne belegt. ^) 

3. Die Bestimmungen des Concils von Vienne brachten unsern 
Bischof gleich nach seiner Heimkehr in einen ernsten Conilikt zu- 
nächst mit den Franziskanerbrüdern. Ohne Zweifel hatte er 
die bezüglichen neuen Verordnungen seinem Klerus mitgetheilt. Die 
Mendicantenbrüder sollten in ihren eigenen Kirchen und im Freien 
wohl ungehindert predigen dürfen, — nur nicht zu der Stunde, wo 
die Seelsorger selbst predigen wollen; in Pfarrkirchen aber sollten 
sie nur mit Bewilligung des Pfarrers die Kanzel besteigen. Ueber- 
dies sollten sie die Gläubigen nicht von ihren Pfarrkirchen abwen- 



I 



') Chron. Auloreg. 499. Chron. Franc. 107. 

') Das Siegel desselben nennt ihn episc. Murovensis. Die Libri Erect. ad 
1321 (IX. H. 11) das chron. Francisci und die Inschrift einer Ton ihm ge- 
weihten Kirche zu Cemosek (rak. Er.) nennen ihn episc. Sothorenais. 
Diese Weihung geschah 1336. Vgl. Pubitschka VI. 281 und libr. Erect. 
MS. Chron. Auloreg. 1337. 

*) Tomek Gesch. Prags 563. 

*) Hie von das Nähere an gehörigem Orte. 

*) Mansi XXV. 367-426 und Corp. jur. can. (Clement lib. III & Y). 



69 

dig machen und jedes Ausfalls auf den Säkularklerus sich enthalten. 
Auch sollten sie öfters im Jahre ihre Zuhörer ermahnen, den Vor- 
ladungen des Seelsorgers nachzukommen. — Die heiligen Sakra- 
mente der Oelung, der Eucharistie und d6r Ehe sollte sie ohne 
Bewilligung des Seelsorgers gar nicht ausspenden. Nur nach Zu- 
lassung des Bischofs sollten sie Beichte hören und mit keinen wei- 
teren Befugnissen, als der Bischof ihnen zugestehe. Sie sollten 
Niemanden drängen, bei ihnen eine Begrftbnissstätte zu nehmen, 
— in ausdrücklich verbotenen Fällen (Suspension, Interdict u. s. w.) 
überhaupt gar nicht begraben, von ihren Begräbnissen und sonsti- 
gen Funeraleinkünften ein Yiertheil als Portio canonica an die 
Seelsorger abliefern, endlich über die Exekution der ihnen anver- 
trauten Testamente dem Bischöfe Rechenschaft geben. ■) Da gab es 
nun allerhand Punkte, über welche durch strengere oder mildere 
Auslegung und Befolgung Streit entstehen konnte. Zunächst war 
es die Frage, ob ein Christ seiner Pflicht genüge, wenn er bei den 
mindern Brüdern die vorgeschriebenen Beichten verrichte, die von 
Alters her immer bei den eigenen Seelsorgern abzulegen waren. 
Hie und da erklärten sich die Pfarrer dagegen und predigten in 
diesem Sinne in ihren Kirchen. Der Bischof muss ihre Meinung 
gebilligt haben. Darin sahen nun die Franziscanerbrüder eine 
Leugnung der Gültigkeit aller bei ihnen abgelegten Beichten und 
verklagten den Bischof Johann beim apostolischen Stuhle. In Folge 
dessen, erhielt er tadelnde Zuschriften einiger Cardinäle, womit 
dieser erste Streit geschlossen wurde. Er sollte aber weiterhin 
noch einen ernsteren Conflict erleben. ') 

4. Die nächste Verlegenheit erwuchs unserem Bischöfe in Be- 
treff der Häretiker, die sich neuerdings auch in Böhmen zeigten. 
Wir werden weiter unten der böhmischen Häresien im Zusammen- 
hange gedenken. Bischof Johann hatte nach den Anordnungen des 
Concils schon im J. 1315 ein beständiges Inquisitionsgericht ein- 
gesetzt. Als aber dieses im J. 1318 nicht weniger als 14 Ketzer 
dem weltlichen Arme überlieferte und diese den Scheiterhaufen be- 
steigen mussten, entliess der Bischof wegen allzu grosser Strenge 
sowohl den Inquisitor als die noch übrigen Untersuchungsgefangenen. 



M Clement, lib. III. tit. 7, IIb. V. tit. 6 & 8. 
') Tomek Gesch. Pr. p. 580. 



70 

Zu seinem Unglficke aber hatte er grade damals einen ränkesüch- 
tigen Kleriker gegen sich aulgereizt und dieser wurde nun sein 
Ankläger in Avignon. Es war Heinrich, der uneheliche Sohn eines 
Grafen von Schönburg^ dem er eben nicht ohne Grund die Propstei 
in Leitmeritz entzogen hatte. *) Dieser Heinrich verklagte den 
Bischof wegen nichts Geringerem, als der Beschtttzung der 
Ketzer. Überdies zieh er ihn der Simonie, des Ungehorsams 
gegen den apostolische Stuhl und noch anderer Verbrechen, die 
er mttndlich und schriftlich beweisen wolle. Der Kläger begab 
sich persönlich zum Papste nach Avignon und bewirkte daselbst 
im April 1318 die Vorladung unseres Bischofs. Damit der Vorla- 
dung Folge gegeben würde, so wurden die Aebte von Ossek und 
Chemnitz ') und der Pfarrer von Jaromöj^ angewiesen, den Bischof sofort 
von der weltlichen und geistlichen Verwaltung zu suspendiren. ^) 
Der Bischof trat am 9. Mai 1318 die traurige Reise an. Eilf Jahre 
dauerte der Process, der ihm bedeutende Kosten verursachte und 
tausend Unannehmlichkeiten bereitete. So lange währte es, um 
gegen- die unerhörtesten Verleumdungen endlich vollständig zu 
siegen. Von aller Schuld losgesprochen kehrte der würdige Bischof 
am 3. Juli 1329 nach Prag zurück. Geistlichkeit, Adel und Volk 
eipfingen ihn in feierlichem Zuge und führten ihn unter Lobge- 
sängen in die Kathedrale ein. ^) Während seiner Abwesenheit 
hatten Administratoren aus der Mitte des Domkapitels die Diöcese 
verwaltet. Genannt werden: im J. 1321 der Scholasticus Ullrich 
von Pabänic mit dem Propste Hynek Berka von Duba, — 1325 
Ullrich von Pabönic allein, — 1326 der Archidiakon Tobias, — 
1328 der Propst Dfislaw nebst dem Scholasticus Pfedbor und dem 
Melniker Propste Heinrich. ^ Die bischöflichen Güter hatten in 
dieser Zeit ungemein gelitten; viele derselben hatte König Johann 
theils verpfändet, theils selbst in Besitz genommen. ^) 



*) Vgl. $. 126, uum. 2 & 3. 

^ Benediktinerkloster Chemnitz in der jetzigen sächs. Stadt gl. K. von Kaiser 

Lothar IL gegründet. Calles ser. episc. Misn. 245. 
') BnHa Johann. XXII. 1. April 1318. Tomek Gesch. Pr. 681. 
*) Chron. Auloreg. p. 437, Franc, chron., Chron. Benesii, Tomek 601. Pu- 

bitschka VI. 162. 
^) Tomek 600. 
') Ebend. 



71 

5. Die Kämpfe des Bischofs waren noch immer nicht zu Ende. 
Die Verordnung des Goncils von Vienne bezüglich der von den 
mindern Brüdern besorgten Begräbnisse führte neue Verwicklungen 
herbei. In Folge der immer mehr sich erweiternden Klosterver- 
brüderungen, von denen noch besonders die Rede sein wird, muss- 
ten die Bitten um Gewährung eines Begräbnissplatzes in den Räu- 
men der Klöster immer häufiger werden. Desto mehr wurde aber 
auch das ordentliche Funeraleinkommen der Seelsorger geschmälert. 
In Folge dessen erliess der Bischof im J. 1331 neue Verbote, und 
als sich die Minoriten bei S. Jacob daran nicht kehrten, liess er 
sogar zwei Ordensgeistliche von dort (Fr. Marian und Heinrich) als 
Rebellen ins Gef&ngniss werfen. ') Ende Juli 1334 sah endlich die 
Hauptstadt Prag eine Scene der ärgerlichsten Art. Am Sonntage 
nach Jacebi beriefen die Prager Pfarrer ihre Seelsorgskinder in 
die beiden Kirchen S. Maria in lacu (auf dem jetzigen Marienplatz) 
und S. Nicolaus auf dem Hühnermarkte zusammen, lasen dort die 
Verordnungen des Goncils von Vienne bezüglich der Begräbnisse 
vor, und verkündeten gegen die mindern Brüder als Übertreter 
dieser Anordnungen den vom Concile verhängten Bannfluch. In- 
zwischen hatten aber auch die Mendicanten zahlreiche Anhänger 
um sich versammelt; mit diesen zogen sie nun ebenfalls zu den 
genannten Kirchen, protestirten gegen die Kundmachungen der 
PÜEurrer und warfen diesen alle möglichen Laster vor. Darüber kam 
es zum Handgemenge zwischen den au^eregten Massen. Mit Fäu- 
sten und Steinen, mit Stechmessern und Schwertern ward gekämpft, 
bis endlich die Vernünftigem freiwillig das Feld räumten und so- 
dann auch die Übrigen theils verwundet, theils ermattet von dan- 
nen zogen. Aber nun erhob sich erst der Kampf auf allen Kanzeln 
der Stadt. Die Säkulargeistlichen predigten gegen die Mönche und 
diese wieder gegen jene. Bannflüche wurden von beiden Seiten 
gewechselt. Spät genug unterzog man endlich den Streit einem 
Schiedsgerichte, von welchem er zuletzt noch an den apostolischen 
Stuhl gebracht wurde. Indess aber verbot Bischof Johann allen 
Mendicanten, ferner noch, wie es bisher üblich gewesen war, an 
Sonntagen in seiner Kathedrale zu predigen, und stellte dafür in 
der Person des Poenitentiarius Franz den ersten Domprediger 



') Keplacho 120 (ed. Dobn.). 



72 

an. ') Eine, nachmalige Entscheidung des apostolischen Stahles in 
dieser Sache wird nirgend erwähnt. ') 

§. 116. Die ZistSnde des Laudes inter Konig Johann. Seine drei Kreuizftge. 

1. Der Anfang der neuen Regierung war, wie schon erwähnt, 
ein vortrefflicher gewesen. Seit aber Kaiser Heinrich VII. plötzlich 
gestorben war (24. August 1213), vereinigten sich allerhand Um- 
stände, um König und Land immer mehr zu entzweien. Da der 
mächtige Schirm von Aussen her fehlte, ward man im Innern der 
deutschen Rathgeber des jungen Königs müde und ruhte nicht, bis 
sie insgesammt das Land verliessen. Nun glaubten aber die 
Mächtigen des Adels die Vormünder und Herren desjenigen sein 
zu müssen, den eben sie auf den Tbron erhoben hatten; dagegen 
war wieder das königliche Paar viel zu stolz, um solchen Über- 
muth auf die Dauer zu ertragen. So entstand der erste blutige 
Kampf im Lande (1315 und 1316) und der erste bleibende Riss. 
König Johann, hätte er auch weniger ein abenteuerliches Leben 
gesucht, lernte sein Land und Volk nicht lieben. Kaum war das 
erste Blut verraucht, so haderten wieder in tödtlichem Hasse mit 
einander die junge „Wittwe zweier Könige^' (die sogenannte 
Königin von Grätz — Königingrätz) ') und die neue Königin, — 
und in ebenso viele Parteien getheilt schaarten sich um sie die 
Edlen des Landes. Als da der aus einem Kriege in Deutschland 
heimkehrende König gegen die Einen loszog und dabei die Andern 
nicht schonte: entstand gar ein Bündniss Aller gegen ihn. (1318). 
Ein Versöhnungstag zu Taus stellte wohl den Frieden wieder her; 
aber nun verlegte sich wieder ein jüngerer Theil des Adels darauf, 
den zum Leichtsinn geneigten Fürsten durch Trunk und Spiel zu 
verderben und tüchtig auszunützen. Als sie zu diesem Zwecke 
auch Feindschaft zwischen ihm und seiner Gattin stifteten, fasste 



') Dies war der schon öfter citirte Chronist Frauciscus. 

-) Chron. Auloreg. 469 u. s. f. Chron. Francisci. Tomek 617—619. Nach 
Gbron. Anloreg. sagten die Mendicanten, die Verordnung des ConciU (be- 
ziehungsweise fionifacius VIII.) gehe Böhmen nichts an, da hier ganz andere 
Verhältnisse bestünden. Auch waren an dem Kampfe nebst den Franzis- 
kanern und Dominikanern noch die Augustiner betheiligt. 

») Wittwe Wenzels IL und Rudolph's I. Vgl. |. 112 num. 2 



73 

er den Plan, das ihm verleidete Königreich gegen die Rheinpfalz 
zu vertauschen. Darum kam es neuerdings zu einem Aufstande, 
der endlich den missgestimmten Fürsten bewog, seine Freude aus- 
ser Landes zu suchen (1319). Fortan finden wir ihn in aller Welt 
als ritterlichen Helden gefeiert : daheim aber saugen adelige Landes- 
pächter unter dem Titel von Landeshauptleuten das Volk und den 
Klerus aus. Selten nur kehrt der König heim, doch nie ^um Tröste 
seines Volkes; denn stets gilt es, durch neue Erpressungen seine 
enormen Schulden zu decken. Er erwirbt die Mark Budissin (1319), 
verbindet neuerdings das Egerland mit Böhmen (1322), unterwirft 
mehrere schlesische und polnische Herzoge seinem Scepter (1327, 
1329), erobert einen grossen Theil der Lombardie (1330, 1331), 
erlangt das Becht der Erbfolge in Brabant, Limburg und Lothringen 
(1335), erwirbt die Anwartschaft auf Kärnthen und Tyrol (1321, 
1335, 1337), heisst sich wohl auch wieder König von Polen und ist 
hoch angesehen an den Höfen zu Paris und Avignon: daheim aber 
jammert sein armes Volk und will unter der Willkür des herren- 
losen Adels fast zu Grunde gehen. Was da noch einen Trost ge- 
währt, ist der hoffnungsvoll heranwachsende Prinz Karl, der endlich 
17 Jahre alt von 1333 — 1336 selbst die Statthalterschaft und 
endlich im J. 1338 die bleibende Mitregentschaft übernimmt. ') 

2. Von den Heldenkämpfen des Königs müssen wir seiner 
Ereuzzüge nach Preussen näher gedenken. Die Kriege des 
deutschen Ordens gegen die heidnischen Lithauer schienen enden 
zu wollen, als 1325 der Grossfürst Gedemin vom Papste christliche 
Missionäre fttr sein Volk begehrte. Leider that er diess nur, um 
Zeit zu gewinnen : denn die herbeigerufenen Glaubensboten wurden 
ohne Weiteres wieder genöthigt, das Land zu verlassen und die 
Mord- und Baubzüge der Barbaren begannen von Neuem. Im J. 
1326 fielen sie — vom polnischen Könige Wladislaus Lokfitek ein- 
geladen — in Brandenburg ein. Nichts blieb verschont. Kirchen 
und Heiligthümer wurden entweiht, Priester misshandelt, Klöster 
geplündert, 600 Weiber und Mädchen der Ehre und Freiheit be- 
raubt, Säuglinge und Greise ohne Barmherzigkeit ermordet. Be- 
kannt ist die List einer Nonne, welche in die Gewalt eines Wollüst- 
lings gerathen zur Rettung ihrer Unschuld die Mittheilung eines 



*) Vgl. Palack^ U.' 96 &c. Tomek 'Gesch. Böh. I. 153—168. 



74 

Geheimmittels der Unverwundbarkeit versprach. Auf die Bitte, das 
Mittel sofort an ihr selbst zu erproben, führte der betrogene Li- 
thauer einen gewaltigen Hieb mit seinem Schwerte und das Haupt 
der Heldin fiel zu seinen Füssen. ** Als Bundesgenosse des 
neuen Markgrafen von Brandenburg griff nun der deutsche Orden 
neuerdings zu den Waffen gegen die gefahrlichen Nachbarn. An 
Kämpfern fehlte es ihm wohl nie, denn seit dem Aufhören der 
orientalischen Kreuzzflge zogen von Jahr zu Jahr fromme Streiter 
nach dem Norden, und auch an milden Händen mangelte es nicht, 
die aller Orten den geistlichen Rittern unter die Arme griffen. Aus 
Böhmen waren 1322 die Herren von Lichtemburg und 2erotin, 
1323 die Herren von Cimburg und Egerberg, 1323 der edle Peter 
von Bosenberg zur Lösung frommer Gelübde und zur Erlan- 
gung des Kreuzablasses nach Preussen gezogen. Im J. 1325 
hatte auch König Johann das Gelübde eines Kreuzzugs — nach 
Palästina — gethan; jetzt (1328) erlangte er leicht die Um- 
wandlung dieses Gelübdes zu einem Kreuzzuge nach dem Norden. 
Am 6. December 1328 brach er endlich mit einem auserwäblten 
Heere aus Böhmen auf. Ausser mehreren schlesischen Hersogen 
und deutschen Grafen zogen die Edelsten des Landes mit ihm: 
Peter von Rosenberg, der jüngere Heinrich von Lipa, Wilhelm von 
Landstein, Thimo von Koldic, Otto von Bergow, Bernhard von 
Cimburg und viele andere mehr. Auch die Königin Elisabeth und 
der Prinz Karl begleiteten den Zug. Anfang 1329 stand man an 
Preussens Gränze, wo zunächst ein Waffenstillstand zwischen Polen 
und dem Orden vermittelt wurde. Dann ging es unter Begünsti- 
gung des kalten Winters über den Memelfluss, der Hochmeister 
Werner vonOrseln mit einem Zuge seiner Ritter treu zur Seite. Am 
1. Februar 1329 belagerte das Heer die Burg Medewageln. Ohne 
Unterlass bei Tag und Nacht bestürmt flehte endlich die Besatzung 
um Gnade. Wegen Abfalls vom Christenthume wollte der Hoch- 
meister über sie den Tod verhängen: doch König Johann rettete 
ihr Leben unter der Bedingung der Rückkehr zum christlichen 
Glauben. Der plötzliche Friedensbruch von Seite Polens hinderte 
den weiteren Fortschritt: es galt das angegriffene Kulmer Land zu 
beschützen. Mitte März stand darum König Johann vor Thorn, wo 



*) Kotzebue Preussens ältere Oesch. U. 137* 



75 

er dem deutschen Orden arkundlicb alle Rechte der böhmischen 
Krone auf die einst vom Könige Ottokar IL eroberten Gebiete ab* 
trat. ') Dann drang man in Polen selbst ein. Das Dobfiner Land 
und Kujavien wurden erobert. Herzog Wenzel vonMasovien musste 
am 29. März alle seine Länder und Burgen an König Johann ab- 
treten, um selbe als böhmische Lehen wieder zu empfangen. Der 
deutsche Orden empfing einen Theil des eroberten Gebiets. Von da 
zog der König nach Schlesien, um auch dort die Herzoge von Stei- 
nau, von Liegnitz und Brieg, von Sagan, von Oels und Glogau 
unter die Hoheit Böhmens zu bringen. Görlitz sammt Gebiet ge- 
langte an Böhmen. So endete der erste Zug. ') 

3. Im J. 1336 vereinigte ein Aufruf des Königs die Kreuz- 
helden seines Landes und der Nachbarschaft zum zweiten Male. 
Die Botschaft war gekommen, dass die Lithauer, bereits wieder 
vom Christenthume abgefallen, bei einem neuen feindlichen Zuge in 
Preussen der Gefangenen so viele gemacht, dass allein 1040 Jung- 
frauen unter ihnen vertheilt worden seien. Wieder schaarten sich 
zahhreiche Edle um ihren König und eine Menge deutscher Fürsten, 
insbesondere Herzog Heinrich von Baiem, schloss sich dem Zuge 
an. Allm die Hoffnung auf den Eintritt strengerer Kälte trog. 
Der Jänner 1337 ging fast zu Ende und noch ünmer wollte keine 
feste Eisdecke die Flflsse und Sümpfe überbrücken. Man musste 
sich begnügen, an der Gränze Samaitens in der Nähe des linken 
Memelufers eine neue Burg und Stadt als künftigen Hauptort des 
noch zu erobernden Landes anzulegen. Man nannte sie dem bai- 
rischen Herzoge zu Ehren die Baierburg. Eine hinreichende Be- 
satzung sollte sie fortan vertheidigen. Darauf streiften die übrigen 
Heerhaufen noch eine Zeit lang unter Feuer und Raub im feindli- 
chen Lande umher. Nach 2 Monaten zwang endlich die eintretende 
mildere Jahreszeit zum Rückzuge. König Johann hatte nichts an- 
deres gewonnen, als — ein erblindendes Auge. ') 

4. Im J. 1344 erscholl abermals ein Hülferuf der deutschen 
(h*densbräder; mit aller ihrer Macht hatten sich die Lithauer auf 



*) Urk. dd. 12. März 1329. 

') Palack^ n.' 170-174. Damberger synch. Gesch. XIV. 55 &c. Voigt Gesch. 

PreasB. lY. 426 &c. 
*) Damberger XIV. 897, 398. Palack^ IL' 232. 



76 

Kur- und Liefland geworfen. König Johann, bereits völlig erblindet, 
griflf neuerdings zu den Waffen, — mit ihm sein Sohn Karl, König 
Ludwig von Ungarn, ein Herzog von Bourbon und viele Edle aus 
Böhmen, Ungarn und Deutschland. Anfang 1345 zog das Kreuz- 
heer durch Preussen in Lithauen ein. Die Burgen Wilau und Piest 
waren daran sich ergeben zu müssen. Da erschreckte die Nach- 
richt, der Feind sei im Rücken ins Ordensland gedrungen und 
bedrohe sogar Königsberg. Man eilte zum Ersätze hin — und 
war getäuscht. Hiemit war aber auch die günstige Zeit verloren. 
Das Thauwetter nöthigte zur ruhmlosen Rückkehr in die Heimat. ') 
Von da an unternahm Johann keinen Kreuzzug mehr. Er fiel am 
26. August 1246 im dichtesten Schlachtgetümmel bei Crecy. 

§. 117. Gedeihen der kirchlichen Institule unter Bischof Johann IV. 

j 

1. Wenn auch ausdrückliche Notizen fehlen möchten, so liesse 
sichs eben denken, dass unter den schweren Erpressungen der Re- 
gierung des Königs Johann auch das Bisthum und die geistlichen 
Institute des Landes nicht wenig leiden mussten. Namentlich war 
die lange Entfernung des Bischofs eine willkommene Veranlassung, 
einige Güter desselben in Besitz zu nehmen und an- 
dere zu verpfänden; glaubte man doch seit 1319 zu allen 
Mitteln greifen zu dürfen, um die masslose Verschwendung des 
unstäten Königs unterstützen zu können. Selbst das Gelübde des 
Kreuzzuges, welches der König im J. 1326 ablegte, wurde ein 
Mittel, um Hand an geistliches Gut legen zu können; denn Papst 
Johann XXU. bewilligte dem Könige aus diesem Anlasse durch 
eine eigene Bulle (\, 11. April 1325) die Einhebung eines drei- 
jährigen Zehntens von der gesammten Geistlichkeit des Landes. *) 
Im Mai 1336 bedurfte der König neuerdings grosser Summen, um 
seine Söldner bezahlen zu können; — da mussten zunächst alle 
Juden im Lande herhalten, doch auch die Kirchen wurden mit ins 
Beileid gezogen. Die Domkirche verlor bei dieser Gelegenheit die 
kostbaren zwölf .silbernen Apostel, die vor Kurzem der Prinz Karl 
zum Grabe des heiligen Wenzels geschenkt hatte. Auch die Klöster 



») PalackJ II.» 261, 252. Damberger XIV. 767. 
^) Ghron. Auloreg. irrig ad 1324. Balb. Ut pabl. 



77 

mussten harte Beisteuer leisten und Königsaal musste sogar seine 
schöne Herrschaft Landsberg mit 4 Märkten und mehr als 50 Dorf- 
schaften hingeben, — allerdings gegen das Versprechen eines künf- 
tigen . Ersatzes. ') 

2. Wenn wir aber so der Wunden gedacht haben, welche die 
R^ierung des Königs Johann der Kirche Böhmens geschlagen hat, 
so dürfen wir auch nicht unerwähnt lassen, dass der vQrschwende- 
rische Fürst diese Wunden hin und wieder auch selbst zu heilen 
suchte. In den Jahren 1311, 1322 und 1341 bedachte er das Kol- 
l^iatstift Wyäehrad mit Schenkungen. ^) Ebenso erfuhren 1325 
das Kloster St. Georg, 1331 das Kloster Doxan, 1333 das Kloster 
St. Anna in Prag, und 1331 und 1346 das Magdalenenkloster in 
Laun des Königs Freigebigkeit. ') Er betheiligte sich auch bei 
Schenkungen fär die Klöster der Augustiner in Prag und Sudic, 
sowie für das egerländische Stift Waldsassen. Die Gründung der 
Karthause bei Prag wird geradezu sein Werk genannt. *) Der Dom- 
kirche aber leistete er den schönsten Ersatz durch die später aus- 
Mrlicher zu erwähnende Gründung eines neuen Doms und durch 
die Erhebung des bLschöflichen Stuhles zu einem Metropolitansitze. 
Allerdings muss bemerkt werden,, das solcher kirchlicher Eifer des 
Königs zumeist in die Zeit der Mitregentschaft seines Sohnes Karl 
Mt und grossentheils diesem als Verdienst anzurechnen ist. 

3. Von den unsäglichen Opfern, welche dieser Karl allmählig 
der Ehre Gottes und dem Emporblühen der Kirche Böhmens weihte, 
fallen in die Zeit der bischöflichen Verwaltung Johann IV. nur 
wenige, da seine Mittel zumeist von der grossen Aufgabe der Stif- 
tung eines neues Bisthums (zu Leitomyät), dem Baue des neuen 
Prager Doms, der Errichtung des erzbischöflichen Stuhles und der 
Gründung einer Universität in Anspruch genommen wurden. Den- 
noch vollbrachte er in dieser Zeit die Wiederherstellung des Kol- 
legiatsstifts zu Allerheiligen, dessen noch besonders gedacht werden 
wird. — Eine ausgezeichnete Wohlthäterin kirchlicher Institute 



*) CbroD. Auloreg. 493., Chron. Beneäii 27. Palacky 11.^ 219. 

*) Hammerschonidt gloria Wisehr. 246—252. 

') Hammerschmidt hist moo. S. Georgii 93, Zimmermann aufgehob. Klöster 

145, Mika rahmw. Doxan 40 &c. 
*) Hammerschmidt glor. Wiseh. p. 245. Balbini epist. S. II. 168. Chron. Prag. 

d. Hofler 9: Pulkaya 131. 



78 

« 

war auch seine Mutter Elisabeth. Sie vermehrte die Einkünfte des 
wygehrader Kapitels und des Klosters Königsaal. ') Sie erbaute 
das prachtvolle Refectorium des Klosters St. Jakob ') und wurde 
überdies die Gründerin der neuen Colonie der Dominicanerinnen 
am Aujezd ^) und der Cisterzienserinnen in Altbrünn. ^) Grossen 
Dank erwarb sie sich endlich durch kostbare Fassung heiliger Re- 
liquien, die ihr zumeist der fromme Sohn verschaffte und die sie 
dann selbst wieder an die Kirchen des Landes vertheilte. ^) — 
Das Beispiel der königlichen Familie wirkte auch aneifemd auf 
manche Reiche und Grosse im Lande. Von Vermehrungen alter 
Stiftungen zu schweigen, entstanden so eine Reihe neuer Ordens- 
häuser — der Klarissinnen in Teinic (1319), der Benediktiner in 
Braunau (1321), der Augustiner in Weisswasser (1330), Neumarkt 
und Suäic (1342) der Bussschwestera bei Laun (1331) und der 
Cyriaken zu Pardubitz (1332.) Aller dieser wird noch besonders 
gedacht werden. 

4. Wenn in solcher Weise die im Allgemeinen ziemlich trau- 
rige Regierung des Königs Johann — zumal gegen das Ende hin 
— für die böhmische Kirche dennoch eine segensvolle wurde, so 
schien doch der Bischof selbst den heiligen Opfereifer Aller noch 
zu überbieten. Was das Bisthum in bedrängter Zeit verloren hatte, 
suchte er wieder zu ersetzen. Zunächst arrondirte er die bischöf- 
lichen Güter durch einige günstige Tauschverträge. (So Ki^iwsudow 
und Herats gegen entlegenere Ortschaften, — und die Burg Her- 
stein für Wrtowic. ') Dann erwarb er aus eigenen Mitteln die Burg 
Geiersberg (bei Teplitz, Supihora, seitdem auch Bischofsberg ge- 
nannt) nebst den zugehörigen Ortschaften Sobichleby (Sobochleben), 
Un(in (Hohenstein) und Mar§ow, — und um hier einen grösseren 
Güterkomplex zu bilden, vereinigte er damit durch einen Tausch- 
vertrag das Schloss Schönfeld (Tuchomyäl) sammt den Ortschafteu 



^) Durch Grundstücke und Inkorporation der Pfarrei Lissa (Hamm.) gl. Wis 

24G & 261. 
*) Ebend. 257. 

^) Hammerschmidt gl. Wisehr. p. 257 ad ann. 1319. 
*) Ebendas. 259. 

») Cod. dipl. Morav. (Dobn.) 292. 
*) Hammerschmidt gl. Wi4. p. 258. 
^) Tomek I. 409. Baibin epitom. 



79 

Lochowic, HabN, Hotowic, Modlan und Sobödruh. Am Prager Dom- 
kapitel verbesserte er zunächst die Biliner Archidiakonatspräbende 
durch Einverleibung der bischöflichen Pfarrei Kyje und stiftete 
noch überdies mit einem Aufwände von 1500 Mark Silbers drei 
neue Kanonikatspräbenden, für welche er nebstbei auch das Dorf 
Oiihow *) im saazer Kreise (Grosso tschehau) erkaufte. — Im 
Dome stiftete er zwei neue Altaristen und schenkte auch kostbare 
Ornate. ') Die Tumba des h. Adalbert schmückte er mit einer 
silbernen Yertäfelung und bewog einige Edle des Landes, ein Glei- 
ches an der Tumba des h. Wenzel zu thun. ') Für den neuen 
Dombau hinterlegte er die Baukosten zweier Kapellen im Rund- 
chore. ^) — In seiner bischöflichen Stadt Raudnitz erbaute und 
stiftete er ein Kloster der Augustinerchorherren mit einer pracht- 
vollen gothischen Kirche ; auch baute er dort eine steinerne Brücke 
über den Elbefluss, deren Überreste noch heute vorhanden sind 
und gründete ein Armenspital. ^) In Prag baute er das abgebrannte 
Kollegiatstift St. Aegid von Neuem auf ^) und gründete überdies 
in Neubenatek ein Priorat der Cyriaken. ^) Zahlreiche Ortschaften 
der bischöflichen Güter verdanken diesem hochherzigen Bischöfe 
die Verleihung der Stadtrechte. *) 

Ein solcher Bischof hätte es verdient, den höchsten Glanz der 
Prager Kirche zu erleben. So aber sah er nur noch die Bemü- 
hungen des Königs zur Erlangung eines Erzbisthums, erhielt bereits 
wegen zeitweiliger Suspension des Mainzer Metropoliten die Exem- 
tion von dessen Gerichtsbarkeit, ^) nahm am 23. Oktober 1341 den 
feierlichen Entschluss des Königs zum neuen Dombaue entgegen '^) 
und starb gesegnet von Klerus und Volk am 5. Jänner 1343 als 



') Oiihow, im J. 1381 eine Pfarrei mit 18 gr. halbjährigen Papstzehent, 

eine der ältesten des saazer Dekanats. 
") Tomek Gesch. Pr. 409-435. Vgl. Pesina phosph. 538. 
') Kreibich MS. 
*) Pesina phosph. 538. 
') Tomek 409. 

•) Weleslavin ad 5. Jan. 1343. 
^ Zimmermann aufgehob. KI. 
^) Tomek 409. 

*) Lit pabL Balb. irrig ad Arnestum 1341. 
"^ Pelina phosph. 67 59. Tomek 638. 084. 



80 

der letzte Bischof von Prag. Er fand nachmals seine Ruhestätte 
vor der von ihm selbst gestifteten Domkapelle des h. Silvester. 

§. 118. Nene Haeresien in Böhmen. 

Seitdem Petrus Waldus in Lyon im J. 1170 den Zustand der 
apostolischen Zeit als das Ideal erklärt hatte, zu welchem nicht 
bloss der einzelne Christ in seinem persönlichen Leben, sondern 
auch die Kirche selbst sowohl in ihrer äussern Erscheinung als 
auch in ihrer Lehre zurückkehren müsse: erhoben sich bald in 
allen Ländern überspannte Eiferer in Menge, welche ihre unberu- 
fene Hand an das vorgebliche Reformationswerk legen zu müssen 
glaubten. Natürlich begnügten sie sich nicht, bloss die Armuth und 
Einfachheit der Sitten zu predigen; sondern sie verwarfen auch 
die bestehende Hierarchie als eine Entartung der Kirche und igno- 
rirten oder verachteten jene Dogmen, die erst im Laufe der Zeit 
zu weiterer Ausbildung gediehen waren. Der Riesenbaum, unter 
Schutz und Beistand des h. Geistes emporgewachsen, sollte eben 
wieder znm unscheinbaren Senfkernlein werden. Die Versuche 
waren wirklich bedenklich genug; denn die „apostolischen Brü- 
der und Schwestern" imponirten dem Volke nicht wenig durch 
ihre Brüderlichkeit, Einfachheit, scheinbare Sittenstrenge und durch 
ihren brennenden Eifer in der Verkündigung des angeblichen 
„wahren Evangeliums." Alsbald sollte es auch an Bundesgenossen 
nicht fehlen. Dies waren zunächst die Fraticellen, erwachsen 
aus jenen ungerathenen Söhnen des h. Franziscus, die von dem 
grossen Ordensstifter eben nur das Kleid, nicht aber auch die de- 
müthige und rechtgläubige Gesinnung geerbt hatten. Statt den An- 
ordnungen ihrer Obern und den Geboten des apostolischen Stuhles 
Folge zu leisten, stimmten auch sie in das Zetergeschrei der Wal- 
denser von angeblicher gänzlicher Verderbniss der Kirche ein. Zuerst 



^) Bubna MS. Es sei hier noch des merkwürdigen offenen Briefes gedacht, 
den dieser Bischof etlichen getauften Juden ausgestellt hat. Es werden 
darin Abl&sse allen denen yerheissen, welche solche Neugetaufte unter- 
stützen würden, ne propter defectum vkae necessariorum in opprobrium 
religionis christianae ad pristinae coecitatis errorem tamquam canes ad 
vomitum compeUantur. (Formelb. v. Vilhering, Palack^'s über Formelb. 
1. 257.) 



81 

aas ihrem Munde hörte man, dass die rechtmässig Ordinirten durch 
Sünden ihre Gewalt verlieren, dass Rom der Wohnsitz der „mere- 
trix babylonica^ sei, dass die Auktorität des Papstes aller Berech- 
tigung entbehre. Sie selbst mit ihren Tertiariem und Pönitenten 
seien die wahre Kirche, unter ihnen sei auch der wahre Papst, die 
wahren Bischöfe und Priester. Natürlich wurden sie von den Päp- 
sten excommunicirt ; aber Excommunication und Suspension nicht 
achtend schlössen sie sich nun desto enger an die Bekämpfer des 
Papstes an, — an Friedrich IL und dessen Partei, nachmals an 
Ludwig den Baier. 

Nach Deutschland verpflanzt vermehrte sich ihr Anhang als- 
bald durch verführte Beghuinen und Begharden. Der fromme 
Frauen verein, den 1180 der fromme Priester Lambert Beghe in 
Lüttich gegründet, hatte allerwärts Nachahmung gefunden. In ei- 
genen Beghuinenhöfen lebte man unter besonderer geistlicher Lei- 
tung eine Art klösterlichen Lebens, ohne eben der Welt ganz zu 
entfliehen oder durch ein bleibendes Gelübde sich zu binden. Fromme 
Männer bildeten in solcher Art wieder die Beghardenhöfe. Zur 
Schwärmerei geneigt fielen diese Vereine grossentheils in die Hände 
der Fratizellen. 

2. Nach Böhmen kam das schwärmerische Treiben dieser 
innig verwandten Zeloten im Anfange des 14. Jahrhunderts und wurde 
die Grundursache aller Leiden der nahen Zukunft. Zuerst werden hier 
Waldenser genannt, .die vor 1315 von Deutschland her in das 
südliche Böhmen gekommen waren. *) Sie verwarfen einige Sacra- 
mente, namentlich das des Altars und der Ehe, leugneten die Ge- 
walt des Papstes, tauften sich selbst zum zweiten Male, hörten sich 
gegenseitig Beichte, hielten ihre Zusammenkünfte in allerhand 
Schlupfwinkeln unter der Erde und trieben dabei auch schändliche 
Unkeuschheit. ') Sie sollen in Böhmen eine eigene Hierarchie mit einem 
Erzbischofe und 7 Bischöfen mit je 300 Gläubigen gehabt haben. ') 



') Sie heissen deshalb auch teatonici & adveuae. (Dobrowsky, die bdhm. 
Pikarditen und Adamiten.) 

*) Trithem. Cbron. Hirsaug. iu Dobrowsky^s „die böhm. Pikarditcu und Ada- 
miten." Die übertriebene Verachtung des Sinnlichen hatte, wie einst im 
ManichaeisimuB und Gnosticismus, zur Nichtachtung desselben geführt. 
Alfldann erschien die Unzucht als eine gleichgültige Sache ~ oder wohl 
gar als Bekämpfung der „allzu materiellen*' Ehe als verdienstlich. 

') Tomek 581. 

6 



82 

gradeso, wie damals die „Fratizellengemeinden'' in Italien. Di^ 
Secte nannte sich selbst „Bi'üder und Schwestern des freien 
Geistes und der freiwilligen Armuth/^ Das Volk nannte 
sie von ihren unterirdischen Verstecken Jamniky oder Gruben- 
heim er. Als ihr Haupt galt ein gewisser Walter, der im J. 1322 
zu Köln verbrannt wurde. ') Sie waren offenbar die Stammväter 
der nachmaligen Adamiten. 

.3. Im J. 1318 erhielt das Unwesen einen neuen Zuwachs: so- 
genannte Dulcinianer zeigten sich imLande. ^ Im Grunde waren 
es wieder nur „apostolische Brüder und Schwestern," aber 
von jener Sorte, wie sie zuerst im J. 1261 der wegen närrischer 
Überspanntheit von den Franziskanern zurückgewiesene Parme- 
saner Segarelli um sich versammelt hatte. Einen besonderen Namen 
machte sich diese fanatische Rotte erst im Jahre 1304, als sie — 
„Männer und Weiber brüderlich und schwesterlich unter einander"" 
— von dem Mailander Fra Dulcino zur Zerstörung der angeblich 
ganz verdorbenen römischen Kirche ausgeführt wurden. Aber schon 
im J. 1307 wurden sie durch ein Kreuzheer des Bischofs von Ver- 
celli zerstreut und ihr Häuptling selbst hingerichtet. *) Die beste 
Zuflucht fanden die nun auch vom kirchlichen Banne Verfolgten in 
den Ländern des papstfeindlichen Kaisers Ludwig des Baiem und 
vermehrten von hier aus die Schaaren der böhmischen Grubenhei- 
mer; auch sie machten sich hier durch die ärgerlichsten nächtlichen 
Orgien bekannt. ') 

4. An die Spitze des deutschen Fratizellenthums war um 1330 
dessen früherer Gegner Michael von Cesena getreten, indem er 
den Papst Johann XXII. wegen seiner fratizellischen Erklärung 
über die Armuth Christi und der Apostel öffentlich und in seinen 
Schriften für einen Ketzer erklärte. ®) Das Fratizellenthum mochte 
sich wohl in Folge 'dessen muthiger als je erheben; hatte es doch 
ebendazuraal durch Vermittlung Ludwigs des Baiern aus seiner 
Mitte einen Gegenpapst (Nicolaus V.) erstehen gesehen. Johann XXII. 



Annal. Wadd. t. IV. 

») Dobrow8ky lib. cit., Balbin. epit. 343, 349. 

») Annal. Dubrav., Raynaldi epi8t. pontif., Balb. epit III. 18, 343. 

^) Alzog Kircheng. 598. Schlosser^ Abälard u. Dulzin. 

*) Raynaldi epist. pontif. (Balb. epit. rer. Boh. III. 18, 348.) 

") MoBheim Kircheng. II. 706 ff. 



83 

hielt die Situation f(ir bedenklich genug, um in Böhmen den da- 
maligen Wyäehrader Propst Johann zum Wächter gegen das Ein- 
schleichen Cesenatischer Irrthümer zu bestellen und ihm die Gefan- 
gennehmung und Auslieferung etwaiger Anhänger derselben aufzu- 
tragen. 

5. In der Zeit von 1335 bis 1340 war das Unwesen der böh- 
mischen Grubenheimer aufs Höchste gestiegen. Nicht zufrieden mit 
ihrem geheimen Gebahren schritten sie bereits zum offenen Kampfe 
g^en die Katholischen. Um die apostolische Armuth zu verbrei- 
ten, plünderten sie die Reichen aus und zerstörten ihre Wohnungen. 
Sogar gegen ihre Grundherren erhoben sie sich und thaten ihnen 
des Schadens so viel als möglich an. Überdies trat ihr ärger- 
liches Leben immer offener zu Tage. Am meisten müssen hievon 
die Güter Ulrichs von Neuhaus heimgesucht gewesen sein, denn 
dieser böhmische Edle hielt es sogar für nothweudig, persönlich 
uach Avignon zu reisen, um sich vom Papste eine förmliche Kreuz- 
bulle gegen die Frevler zu verschaffen. Er erlangte dieselbe auch 
in derlhat: derselbe Ablass, wie den Kämpfern im heiligen Lande, 
wurde allen denen gewährt, welche dem genannten Ulrich in der 
Bekämpfung der Ketzer Hülfe gewähren würden. ^) 

6. Wir können nicht umhin, an dieser Stelle auch noch einer 
angeblichen böhmischen Königstochter zu gedenken, die unbewusst 
nach ihrem Tode der Gegenstand einer sonderbaren häretischen 
Erscheinung wurde. Es war Wilhelmine von Böhmen, eine 
Tochter Ottokars IL, die im J. 1280 zu Mailand im Rufe der Hei- 
ligkeit gestorben war. Ein Mailänder Kaufmann Andreas Saramita 
zog damals nach Böhmen, um am königlichen Hofe die Inangriff- 
nahme ihrer Heiligsprechung zu erwirken. Er fand den König be- 
reits begraben und die Verhältnisse des Landes von der Art, dass 
er für seinen Zweck nichts hoffen konnte. Heimgekehrt wurde er 
nun ein formlicher Vergötterer Wilhelminens. Nicht zufrieden, zwei 
feierliche Jahresfeste (obitus und translationis) zu Ehren seiner 
»Heiligen" veranstaltet zu haben, erklärte er sie endlich gar für 
eine Incamation des heiligen Geistes. Von da an artete ihre Ver- 
ehrung zur Abgötterei — und zu allerhand nächtlichen Orgien und 



^) Balbini lit. publ. 29. 

^ Epifit. Benedict! XII. iu Balb. lit. pubL III. 18, 350. 

6* 



84 

Verbrechen aus. In Folge dieser starb Saramita im J. 1300 als 
Ketzer auf dem Scheiterhaufen — und auch die Überreste Wil- 
helminens wurden zur Einstellung weiteren Missbrauchs vertilgt. ') 

§. 119. Die böhmische Inqoisition. 

1. Das Concil von Vienne wurde, wie in vielen andern Stük- 
ken, so auch in der Behandlung der neuen Häresien maassgebend 
für unser Vaterland. Die Bischöfe wurden angewiesen, anstatt der 
bisher von Fall zu Fall bestellten päpstlichen Inquisitoren ') fortan 
eigene und beständige Inquisitionstribunale in ihren 
Ländern zu errichten. Dem Tribunale sollte ein vom päpstlichen 
Stuhle bestellter Inquisitor haereticae pravitatis vorstehen, welcher 
nie unter 40 Jahre alt sein durfte. Diesem wurden wieder nach 
Bedarf eine Anzahl Notarii und Officiales oflRcii zur Amtirung bei- 
geordnet. Die Pflicht, Ketzer zu erforschen und zu bekehren war 
eine gemeinschaftliche des Inquisitors sowohl als des Diöcesanbi- 
schofs. Jedem für sich stand es zu, Ketzer vorzuladen^ gefangen 
zu nehmen, Hand- und Fusseisen ihnen anzulegen und im Kerker 
sie zu bewahren. Jedoch war — zum grossen Unterschiede von 
den Straf- und Untersuchungsgefängnisse weltlicher Gerichte jener 
Zeit — ein härterer und engerer Kerker, als eben die Sicherheit 
der Person ihn erheischte, ausdrücklich verboten. Weiterhin musste 
nun vom Bischöfe und Inciuisitor gemeinsam vorgegangen werden. 
Der Kerker war mit zwei Schlüsseln zu sperren, deren einen der 
Bischof, beziehungsweise der von ihm bestellte Aufseher, den an- 
dern aber der Inquisitor und dessen Gefangenhüter in den Händen 
hatten. Bei jedem Besuche des Kerkers mussten also zur gegen- 
seitigen Controle beide Parteien vertreten sein. Den Verwandten 
war es unverwehrt, dem Gefangenen Bequemlichkeiten und Lebens- 
mittel zukommen zu lassen. Die Folter durfte nur unter beider- 
seitiger Zustimmung (des Bischofs und des Inquisitors) zur Anwen- 
dung kommen. Das Urtheil musste ebenso gemeinschaftlich gefasst 



^) Palacky's ital. Reise p. 91 &c. auf Gruiul der mailänder Acten. Abwei- 
chendes FuesBlin Kirchen- u. Ketzerhistorie I. 475. 
«) Vgl. §. 106. 



85 

werden. Die Execution dieses Urtheils wurde dem weltlichen Arme 
anheimgegeben. ') 

2. Ein Inquisitionstribunal dieser Art wurde in Prag schon 
im J. 1315 durch König Johann errichtet und vorläufig im Kloster 
bei St. Clemens untergebracht. Dort befanden sich auch die Ge- 
fängnisse der neuen Inquisition. Der Name des ersten Inquisitors 
ist uns nicht bekannt. Doch war es jedenfalls ein Klosterbruder 
bei St. Clemens. Derselbe wat- so eifrig in seinem Amte, dass er 
in Kurzem nicht weniger als 14 waldensische Ketzer beiderlei Ge- 
schlechts als hartnäckig und unverbesserlich dem weltlichen Arme 
übergab. Sie bestiegen insgesammt den Scheiterhaufen (1318). Noch 
waren auch andere Gefangene zu gleicher Strafe ausersehen, — un- 
ter ihnen auch ein Arzt Namens Richard, welcher ketzerische Bü- 
cher verbreitet hatte. Aber der Inquisitor hatte wohl das Ansehen 
des Bischofs zu wenig berücksichtigt und insbesondere die Noth- 
wendigkeit des gemeinsamen Urtheils nicht beachtet; in Folge des- 
sen Hess Johann von DraiSic die Kerker öffnen und die Verurtheil- 
ten — darunter den Arzt Richard — befreien. Zugleich entliess 
er den Inquisitor förmlich seines Amtes. *^) Wir haben die Ver- 
legenheiten bereits erzählt, die dem Bischöfe aus diesem Vorgehen 
erwuchsen. 

3. Während der Abwesenheit des Bischofs in Avignon (1318— 
1329) und auch einige Zeit nachher scheint der Bestand des ständigen 
Inquisitionstribunals auf kurze Zeit unterbrochen gewesen zu sein ; 
denn noch im J. 1318 ernannte wieder der Papst Johann XXII. un- 
mittelbar apostolische Inquisitoren für gewisse Theile Böhmensund 
Polens : es waren die Dominikaner Peregrin von Oppeln und Ni- 
colaus Hyspodinet von Krakau. ^) Eben damals zeigten sich näm- 
lich Spuren der Dulcinianer im Lande. Im J. 1332 wendete sich 
wieder derselbe Papst Johann XXII. an den wygehrader Propst 
Johann, auf dass er — wie schon erwähnt — das Verbreiten der 
Irrlehren Cesena's hintanhalte. Als aber im J. 1335 das Eindringen 
der Sektirer von Deutschland her immer häufiger wurde, mahnte 
Papst Benedict XII. den König Johann und den Markgrafen Carl 



') Clementin. Hb. V. tit. 3. 
') Tomek 581, 
*) ürk. Bocek VI. 



86 

ernstlich an die drohende Gefahr und zeigte ihnen die Bestellung 
neuer durch Eifer und Beredsamkeit berühmter Inquisitoren an. 
Für Mähren war es der Dominicaner Peter vonNafcerad,ffir 
Böhmen der Minorit Gallus von Neuhaus. ') Gallus verlegte 
sich fortan mit allem Eifer auf die Bekehrung der Grubenheimer 
— zumal in der Umgebung seiner H^imathstadt Neuhaus. Es wird 
auch erwähnt, dass viele das Glaubensbekenutniss in seine Hand 
ablegten, aber zugleich wird berichtet, dass sie zumeist wieder ab- 
fielen. In Folge dessen begab er sich zugleich mit Ulrich von 
Neuhaus um 1340 nach Avignou, um dort Bericht über sein Wirken 
zu erstatten und die Bitte seines hohen Begleiters zu unterstützen. 
Der angesuchte Kreuzzug wurde bewilligt und wirklich zur Aus- 
führung gebracht. ^) Wohl hörte in Folge dessen die Wegelagerei 
und der oifeue Kampf der Sektirer auf; aber das Gift wucherte im 
Geheimen fort, um vorerst noch einige Mal aufzutauchen und später 
zugleich mit der husitischen Bewegung aui's Neue verderblich zu 
werden. 

4. Um das J. 1342 wurde endlich vom Könige Johann und 
seinem Sohn Karl das ständige Inquisitionsgericht wieder 
hergestellt. Ursache dessen war wohl das bereits geschilderte Un- 
wesen der böhmischen Grubenheimer, — die nächste Veranlassung? 
vielleicht die im J. 1341 geschehene Ermordung des schlesischen 
Inquisitors . Johann Schwenkfeld im St. Clemenskloster durch bres- 
lauer Meuchelmörder. ^) Karl IV. (damals noch Markgraf) erwarb 
demnach etliche Häuser mit der Kirche St. Johann am Gelän- 
der für ein bleibendes Inquisitionstribunal. Die Bezahlung wurde 
auf das einzuziehende Vermögen der Ketzer angewiesen. ^) Als 
neuer Inquisitor wird nun der Dominicanerpriester Fr. Conrad ge- 
nannt. Unter ihm scheint aber die Thätigkeit der Inquisition kaum 
weiter als zu einigen Vermögenseinziehungen geführt zu haben. 
Hinrichtungen werden nicht erwähnt. 



') Epist. Benedicti XII. in Rayualdi ep. (Balbiu. epit.) 

^ Epist Benedicti in Balb. lit. publ. 29, 30. Desgleichen Raynaldi. 

') Davon sp&ter Näheres. 

*) Summa Gerhardi p. 28. Tomek 635. Die Inquisitionskirche ist noch heute 

zu sehen — in der untern Verbindungsgasse des Annaplatzes mit der 

PoBtgasse in der Altstadt. 



87 

§. 120. Die ErricIilnRg des Eribigthniiis und die Grlndiog der neien 

Kathedrale. 

1. Längere Zeit hatte der Plan, für Böhmen ein eigenes £rz- 
bisthum zu gewinnen, in der Stille geruht. Da soll ihn im J. 1339 
die hämische Bemerkung des Breslauer Bischofs Nauker, dass Jo- 
hann von Böhmen nur ein Königlein sei, da er in seinen Ländern 
nicht einmal einen Metropoliten habe, wieder geweckt haben. ') 

Gewiss that auch der für die Hebung aller Verhältnisse Böh* 
mens so begeisterte Prinz (seit 1333 Markgraf) Karl das Seinige, 
um den königlichen Vater zu ernsten Bemühungen in dieser Ange- 
legenheit anzuspornen. Es war auch eben die günstigste Zeit, um 
den besten Erfolg hoffen zu können. Vor Allem war ja das böhmi- 
sche Herrscherhaus dem französischen aufs Innigste verwandt und 
befreundet; letzteres aber besass in jeuer Zeit den mächtigsten 
Einfluss am päpstlichen Hofe zu Avignon, dies sogar in einem 
Grade, dass die Päpste nicht selten zu blossen Werkzeugen der 
königlichen Politik herabgewürdigt wurden. Anderseits war dagegen 
der damalige Mainzer Erzbischof Heinrich von Virneburg als 
eifrigster Anhänger des gebannten Kaisers Ludwig schon im J. 1339 
am päpstlichen Hofe missliebig und im J. 1341 sogar förmlich von 
seinem Amte suspendirt worden ; ') in Folge dessen war dieser nicht 
in der Lage, dem Plane der böhmischen Fürsten erhebliche Hinder- 
nisse entgegen zu stellen, während wieder von päpstlicher Seite 
eine allzueifrige Beschützung seiner Metropolitanrechte gewiss auch 
nicht zu erwarten war. Überdiess hatte Markgraf Karl einen 
mächtigen Helfer in Avignon, seinen ehemaligen Lehrer und Herzens- 
freund Peter de ßosieres, der nunmehr die Cardinalswürde erlangt 
hatte und einen maassgebenden Einiiuss auf Papst Benedict XII. 
übte. Endlich aber bestieg dieser Freund am 7. Mai 1342 sogar 
selbst den päpstlichen Stuhl als Clemens VI. Da war in der That 
das Gelingen des königlichen Planes gesichert. 

2. Anfangs 1340 finden wir den König Johann und seinen 
Sohn persönlich in Avignon. Allerdings galt es da zunächst einen 
Ausgleich für Schlesien in Betreff des einst vom polnischen Könige 



») Vgl. Pubitschka VI. 237. 

') Damberger XIV. 627. Vgl. Balbini lit. puhL 1341, irrig ad Amestun. 



88 

Kasimir bewilligten Petergroschens; allein ohne Zweifel besprach 
man schon damals auch die Bedingungen zur Errichtung der neuen 
Metropole. Im Juli 1341 befreite Benedict den prager Bischof von 
der Obedienz gegen den dermaligen suspendirten Metropoliten, und 
stellte ihn zeitweilig unter die unmittelbare Jurisdiction des apo- 
stolischen Stuhles. ') Im J. 1342 störten die unser Herrscherpaar 
so nahe angehenden Wirren in Tirol und der Tod des Papstes Be- 
nedict XII. (25. April 1342) ein weiteres Vorgehen. Im November 
1343 lud endlich der neue Papst Clemens VI. die beiden Fürsten 
persönlich nach Avignon, um das Nöthige in Betreff des Erzbisthums 
zu Ende zu bringen. ') Zu Fasching 1344 wurde der Einladung 
Folge geleistet. Die Fürsten verhandelten mit einer vom Papste 
ernannten Commission, bestehend aus den Kardinälen Bernard von 
Ostia, Bernard von St. Gyriak und Raymund von St. Maria. Die 
alten Gründe der Lostrennung von Mainz wurden wieder geltend 
gemacht und überdiess auch neue vorgebracht: Prag sei zehn und 
Olmütz gar zwölf Tagreisen von der bisherigen Metropole entfernt; 
dies und die hohen Gebirge und die dichten Waldungen an Böh- 
mens Gränzen, und die vielen Wegelagerer auf dem weiten Wege 
nach Mainz machen die Appellationen und die anderweitigen Ge* 
Schäfte beim Metropolitangerichte ebenso beschwerlich als gefahr- 
voll, während sie anderseits auch die öfteren Visitationen des Me- 
tropoliten verhindern; die Reise nach Mainz gehe nach überdiess 
durch mehrerer Herren Länder, zudem sei die böhmische Sprache 
so völlig von der deutschen verschieden, dass ein inniger Verkehr 
mit Mainz gar nicht denkbar sei; endlich seien die Länder der 
böhmischen Krone derart ausgedehnt, dass daselbst recht wohl 
ein eigenes Erzbisthuni bestehen könne. Alles dieses musste wirklich 
anerkannt und insbesondere die Verschiedenheit der böhmischen und 
deutschen Sprache auf die eidliche Aussage des Markgrafen Karl 
zugestanden werden. Dann einigte man sich noch, das Bisthum 
Olmütz der neuen Metropole zu unterordnen und überdiess das bis- 
herige Präuioustratenserstift LeitomySl in ein zweites Suffragan- 
bisthum — mit Zuweisung einiger Theile von Böhmen und Mähren 
— zu verwandeln. *) Weiterhin sollte durch die Bemühung des 



>) Urk. X. Cal. Aug. 1341. ßalb. ]it. publ. 

') Raynaldi epist. Clement VIII. Cal. Decbr. 1343. 

') l*:x buUa Clem. VI. in ßalb. lit. publ. I. 35^38. 



89 

apostolischen Stuhles auch das Bisthum Breslau vom Erzbisthume 
Goesen losgetrennt und der Prager Metropolie zugewiesen werden. ') 
Nach Abschluss dieser Verhandlungen erklärte endlich Clemens VI. 
in einer feierlichen Bulle vom 30. April 1344 die Erhebung des 
Präger Blsthums zum Erzbisthume.-) Indem er dem je- 
weiligen Erzbischofe gleichzeitig die Bisthümer zu Olmütz und Lei- 
tomySl unterstellte und ihm fernerhin durch die Bulle vom 5. Mai 
das Recht verlieh, die böhmischen Könige zu salben und zu krö* 
nen, ') so wurde der neue Erzbischof und Metropolit von Prag zu- 
gleich Primas des böhmischen Reiches. 

3. In Prag selbst war mittlerweile das ersehnte Ereigniss in 
würdiger Weise vorbereitet worden. Die alte bischöfliche Kathe- 
drale sollte einer neuen erzbischöfiichen Platz machen, welche 
würdig sein sollte, neben den bewundertsten Metropolitan- und Pri* 
matialkirchen Deutschlands genannt zu werden. Am .23. October 
1341 begab sich zu diesem Ende König Johann mit ansehnlichem 
Gefolge in das Refectorium des Kapitelhauses in der Prager Burg 
und widmete im Beisein des gesammten Domkapitels den Zehent 
alles Einkommens, der Krone von sämmtlichen Silbergruben Böh- 
mens, die bereits im Baue waren und noch künftig in Betrieb kom- 
men würden, — zunächst zur Herstellung neuer prachtvoller Grab- 
stätten des h. Wenzel und des h. Adalbert^ dann zur Erbauung 
eines neuen Domchors und weiterhin zur Vollendung des neuen 
Doms in kunstvoller und prächtiger Arbeit. Erst nach Beendigung 
des erhabenen Werkes sollte das Zehenterträgniss zu Anniversarien 
für das königliche Haus verwendet werden. *) Die feierliche Grund- 
steinlegung erfolgte am 23. November 1344. ') 

4. Auch Markgraf Karl that ein Übriges, um den Glanz der 
künftigen Metropolitankirche zu erhöhen. Er stiftete nämlich noch 
im J. 1343 eine Art zweiten Domkapitels an der Kathedrale, das 
Collegium der sogenannten Mansionare. Aus 12 
Priestern, 6 Diakonen und 6 Subdiakonen bestehend sollte dieses 
Collegium unter der Aufsicht des jeweiligen Domdechants und un- 



') Palack^ II.' 248. Da^su ist es freilieb uieinals gekommen. 

-) Urk. lA Balb. lit. publ. I. 36—88. 

*) Urk. in Balb. lit. publ. I. 38. 

') Tomek Gescb. Pr. 633, 6.^. Urk. im Kapitelarcbive. 

"*) Pesina phosph. 187. 



90 

ter der unmittelbaren Leitung eines Praecentors stehen. Es soBte 
verpflichtet sein, täglich im Marienchore des Doms die Tagzeiten 
von unserer lieben Frau (die Karl selbst täglich zu beten pflegte) 
abzusingen, alle Morgen eine h. Messe in derselben Intention zu 
lesen und überdiess noch auf 3 anderen Altären das h. Opfer dar- 
zubringen. Damit diese Mansionare ein gemeinschaftliches Leben 
führen möchten, kaufte Karl für sie ein eigenes Gebäude neben 
der Allerheiligenkirche und ordnete selbst ihr Hauswesen. Der 
Praecentor und die Mansionarii majores (deren 12, ursprünglich die 
12 Priester) sollten vom Könige ernannt, die minores aber von den 
ersteren frei gewählt werden. Karl widmete diesem CoUegium zu- 
nächst die mährischen Ortschaften Cernilow und Jeseny, dann an- 
sehnliche Bezüge aus den böhmischen Orten Zlouic und Lhota. ^) 
Späterhin incorporirte er zu dieser Stiftung noch die Kirche St. Lau- 
renz in P r e r a u und die Frauenkirche in N ü r n b e r g , bei 
welchen beiden je ein Vicarius und 2 Mansionare unter dem Pa- 
tronate und der Aufsicht des Prager Praecentors leben sollten. *) 
Die Königin Anna schenkte nachmals einige Einkünfte in Minie, 
Karl selbst das Gut Ghleby, einen Hof in Unho§t und einige Ze- 
henten in Hradiäko und vertauschte Cernilow und Jeseny gegen 
die besser gelegenen böhmischen Orte Bratronic, Slivna, Krupa und 
Oleäna. ^) Mehrere Edle des Landes vermehrten nach der Zeit 
ebenfalls die Einkünfte der neuen Stiftung. *) 

§. 121. Der erste Erzbischof Ernest von Pardnbitz. (1313— l;]bl). 

L Am 14. Jänner 1343 versammelte sich das Domkapitel, um 
einen Nachfolger des verstorbenen Bischofs einzusetzen. Man er- 
wählte einstimmig den Domdechant Ernest von Pardnbitz, einen 
Mann ebenso untadelhaft in seinem Lebenswandel, als gelehrt in 
geistlichem und weltlichem Rechte. Überdiess sagte man von ihm. 



1) BuHa continn. Clem. VI. II. Cal. Maji 1343. Urk. Dobn. mon. III. 333. 

') Urk. in dipl. mansionar. (Dobn. mon. III. 334, 337, 346, 362, 364.) 

») Ebend. Urk. pag. 342, 351, 365, 369, 370. 

*) Urk. ebend. p. 377. (Zehent in Kokowic), 380 (ein Haus auf dem Hrad- 
schin), 381 (Zehent in Trebi£), 385 (Zehent in Lyssolai), 389 (Zehent in 
Bürglitz), 392 (Gensus in Leitmeritz), 414 (Gensus in Okruhly). 



91 

er sei so fein in seinem Benehmen, als wäre er in Athen geboren, ^ 
und so muthvoll und tapfer, als wäre er zum Kriegshelden be- 
stimmt. *) Unzweifelhaft hatte ihn auch das Vertrauen und die 
Freundschaft empfohlen, womit ihn Markgraf Karl beehrte. Darum 
erfüllte denn auch seine Erwählung Hof, Volk und Klerus mit glei- 
cher Freude. ^) 

2. Zum ersten Male ist es uns vergönnt, einen Blick in die 
früheste Jugendgeschichte eines unserer geistlichen Hirten zu thun. 
Wir verdanken dies zumeist der Biographie unseres Ernest, aufge- 
zeichnet von seinem Schüler und Freunde Wilhelm von Hasenburg, 
Propste auf dem Wyäehrad. **) Ernest war der Sohn des Ritters 
Ernest von Malowec, der vom Könige Johann in den Herrenstand 
erhoben, zuerst den Namen von Pardubitz annahm. Unser Ernest 
erblickte in der väterlichen Burg Hostin bei Auval am 25. März 
1297 das Licht der Welt. ') Seine Kindesjahre verlebte er jedoch 
in Glaz, wohin sein Vater als königlicher Hauptmann gesendet 
worden war. Im Gotteshause daselbst glaubte er einst als zarter 
Knabe die heilige Jungfrau zu schauen, wie sie seines bisherigen 
Leichtsinns wegen ihr Antlitz von ihm abwandte. Dies wurde der 
Wendeimnct seines Lebens. Fortan war er beliissen, alle Tugen- 
den sich anzueignen und zu einem echten Gottesmanne sich heranzu- 
bilden. ^) Nachdem er die niedern Schulen in Glaz im Ordenshause 
der Johanniter zurückgelegt hatte, finden wir ihn an der neuer- 
richteten Klosterschule der Benediktiner in Braunau und hierauf zur 
Erlernung der höheren und geistlichen Wissenschaften an der Dom- 
schule zu Prag. ') Darauf bezog er noch die berühmten Univer- 
sitäten zu Bologna und Padua und erlangte daselbst die akademi- 
sche Würde eines Licentiatus des kanonischen Rechts. ^) Vier- 
zehn Jahre brachte er im Dienste der Wissenschaften an diesen 
Hochschulen zu, stets umgeben von einer Anzahl armer Kleriker, 



') So Petrarcha Franc. (Vgl. Pelzi, Karl IV. 111.) Ungar, Boem. doct. 133. 

*) Vmani. (Vgl. Pelzl, Carl IV. 111.) 

') Pelzl, Carl IV. I. 111. Vgl. Benesii chron. (Dobn. IV. 29.) 

*) £d. Balbln. Miscell. bist, liber bagiogr. 

') Benes de Watiu. 273. Kreibicb MS., iUust. Cbron. I. 665. Bobemia 1865. 

N. 31. 
') Biograpbus. 

*) Balbini vita Veu. Amesti p. 54. 
*) Benesii de W. cbron. 374 & Biogr. 



92 

die er mit dem nothwendigen Lebensunterhalte versorgte. ') Wann 
er ins Prager Kapitel eintrat, ist nicht erwähnt. *) Sicher aber ist, 
dass er daselbst durch die Freundlichkeit seines ganzen Wesens, 
durch seine umfassende Gelehrsamkeit und am meisten durch seine 
seltene Frömmigkeit das Vertrauen aller Kapitularen gewann und 
darum im J. 1338 zum Dechaut des Kapitels erwählt wurde. ') 
Seine Lebensgrundsätze aus dieser Zeit hat er selbst aufgezeichnet. ^) 
Mit seinen Untergebenen will er stets so leben, wie er es selbst 
als Untergebener wünschen möchte. Ehrenstellen und namentlich 
die Bischofswürde will er niemals suchen. Als wahrer Seelenhirt 
will er allezeit leben, eifrig in seinem Amte und unermüdet im 
Gebete. Die Gotteshäuser will er gern besuchen und an einem 
Gottesacker nie vorübergehen, ohne für die Verstorbenen zu beten. 
Von seinen Mahhseiten will er stets den grössern Theil den Armen 
widmen und Kranke und Verlassene nie vergessen. In Nachtwachen 
will er sich üben und allen Müssiggang auf das Sorgfaltigste 
meiden. 

3. Es konnte nicht fehlen, dass gerade auf diesen Mann die 
Augen Aller sich richteten, die es mit der Kirche und dem Lande 
wohl meinten. So bestieg er denn nach dem Ableben Johannas von 
Draiic den Bischofsstuhl. Da der Mainzer Metropolit sich noch 
immer in der Suspension befand, so blieb dem Neugewählten nichts 
übrig, als die Confirmation und Weihe sich persönlich in Avignon 
zu holen. Mit einem Empfehlungsschreiben des dem Papste be- 
freundeten Markgrafen Karl und von zahlreichem Gefolge von Geist- 
lichen und Edlen des Landes begleitet unternahm Ernest wohl 
noch im Jänner 1343 die weite Reise. Confirmation und Weihe 
unterlagen keinem Anstände ; beide empfing er von einem hierzu 
delegirten Cardinale. ') Ein Jahr nur sollte er bloss Bischof heis- 
sen, denn am 30. April 1344 verkündete bereits Clemens VL der 
christlichen Welt die Errichtung des neuen Erzbisthums. Ernest 



') Biogr. 

^) Wahrscheinlich gehörte er demselben cum exspectatione praebendae schon 

wahrend seines Aufenthalts in Italien an. 
') Sein Vorgänger Predbor, 1888 gewählt, wurde noch im selben Jahre 

Propst; daher geschah Ernests Wahl ebenfalls noch im selben Jahre. 
*) Als Glossen zu dem Liber de apibns (bei Baibin Mise. lib. hagiograph.). 
'^) Balb. vita Amesti. 



93 

musste demzufolge innerhalb der gesetzlichen Frist dreier Monate 
entweder persönlich oder durch einen Bevollmächtigten das erzbi- 
schöfliche Pallium erbitten *); er that es durch den Bischof Bfe- 
tislaw von Breslau und den Prager Canonicus Nicolaus von Luxem- 
burg, ') und erhielt das erbetene Ehrenzeichen durch eine neue 
päpstliche Bulle vom 25. August desselben Jahres. ^) Am 21. No- 
vember fand im Dome zu Prag die feierliche Vorlesung der Bulle, 
dann die Vereidigung des neuen Metropoliten und die Übergabe 
des Palliums Statt. Hierauf wurde der bisherige Prämonstratenser- 
abt Jo h a n n von Kiosterbruck *) zum ersten Bischöfe von Leito- 
inyä proklamirt und zugleich mit dem Bischöfe von Olmütz als 
Suffragan vorgestellt. Alsdann begab sich der Festzug aus dem 
alten Dome auf den etwa 30 Schritte nordwestlich gelegenen neuen 
Bauplatz. Der König, der Markgraf, Prinz Johann und der Erzbi- 
schof Ernest stiegen daselbst in die Tiefe und legten gemeinschaft- 
lich den Grundstein zu der neuen erzbischöflichen Ka- 
thedrale.*) 

§. 122. Die hfrchste KlAliie der böhmiscben Kirche onler 

Ernest I. 

1. Alles liess sich von der geistlichen Kegierung eines Man- 
nes erwarten, der alle Eigenschaften der ausgezeichnetsten Bischöfe 
in sich vereinigte und noch überdiess das unschätzbare Gluck hatte, 
den besten und glorreichsten der Könige Böhmens seinen Landes- 
herrn und zugleich seinen persönlichen Freund nennen zu können. 
In der That rühmt die Geschichte unserem Ernest eine grosse 
Keihe von Verdiensten nach, deren jedes einzelne hingereicht haben 



^) £in weisswoUeues mit Kreuzen durchwehtes Schulterband, — war dies ein 
Bestaiidtheil der päpstlichen Pontifikalkleidung, und wurde den Erzbi- 
schöfen als Zeichen des Antheils an den Primatialrechteu verliehen. 

^) Bubna canon. cap. Prag. 

^) ürkde. Balb. lit. publ. I. 89. 

*) Gelinek, bist, mesta Litomysle p. 95 und 99 zeigt, dass dieser Johann eben 
erst von der Abtei Leilomysl zur mährischen Abtei Kiosterbruck befördert 
worden war. £r war also allerdings Abt von Kiosterbruck, aber auch zu- 
gleich der letzte Abt von Leitomyil und nun der erste Bischof daselbst. 

*) Beneä de Weitm. 



94 

« 

Würde, seinen Namen unvergesslich zu machen, die aber vereint 
unser Vaterland zum höchsten kirchlichen Glänze erhoben. 

2. Vor Allem ging Ernest an die innere Erhebung sei- 
ner Metropolie. Die Anregung zum Bessern ist in der Kir- 
che ihren menschlichen Organen gegenüber zu keiner Zeit entbehr- 
lich ; aber nach den letzten 40 Jahren äusseren Ruhmes und inne- 
rer Drangsal erschien sie in Böhmen doppelt nothwendig. Zudem 
schien durch die Lostrennung von der Mainzer Metropolie die Ver- 
bindlichkeit der bisherigen Provinzialstatuten aufgehört zu haben, 
und darum that eine neuerliche Einprägung dessen, was auch 
fernerhin als Gesetz gelten sollte, dringend Noth. Diesen Um- 
ständen verdanken wir nun die noch heute bewunderten Statuta 
Ernesti, welche hinfort als Gesetzbuch für die ganze Prager Me- 
tropolie gelten sollten. Abstellung aller Missbräuche in der Erlan- 
gung von Weihen und Kirchenämtern, Beförderung des sittlichen 
und kirchlichen Wandels der Geistlichkeit, moralische Hebung des 
Volkes, strenge Ordnung im Gottesdienste und in der Verwaltung 
der hh. Sakramente, und eine sichere Procedur in kirchlichen Streit- 
sachen — war der Gegenstand derselben. Diese Statuta wurden 
zuerst auf der grossen Prager Provinzialsynode des Jahres 1349 
feierlich verkündet. Ein Gleiches sollten weiterhin die Suffragan- 
bischöfe auf den jährlich abzuhaltenden Diöcesansynoden thun. Alle 
Kathedral- und KoUegiatkirchen sollten je 2, alle Archidiakone, 
Dekane und Pfarrer je eine Abschrift davon sich erwerben. In er- 
' steren Kirchen musste das eine Exemplar im Innern des Heilig- 
thums und das andere in der Sakristei an einer Kette befestigt zu 
Jedermanns Einsicht aufgestellt werden. Drei Monate nach der 
ersten Kundmachung war jeder Einzelne zur Beobachtung der Con- 
stitutionen verpflichtet. Jeder neue Erzbischof sollte sich fortan 
noch überdiess durch einen besondern Eid zur gewissenhaften Exe- 
cution der einzelnen Gesetze verpflichten. *) Doch der Erzbischof 
Ernest begnügte sich keineswegs mit diesen Erlässen der Provin- 
zialsynode von 1349. Vjor und nach blieb er ein Vorbild aller 
seiner Nachfolger in der gewissenhaften Abhaltung von Provinzial- 



') Die Statuta Ernesti sind den Ausgaben der Synodus archidioec. Prag, vou 
1605 beigedruckt. Näheres davon bei der Schilderung des kirchlicheu 
Lebens dieser Zeit. 



95 

und Diöcesansynoden, auf denen er den Zustand seiner Metropolie 
genau untersuchte und Alles zu deren allseitiger Hebung that. Be- 
weis sind seine noch erhaltenen Synodalverordnungen aus den Jah- 
ren 1353, 1356 und 1361. ») 

3. Zur strengeren Ausfährung seiper Anordnungen bezüglich 
des sittlichen und kanonischen Lebens der Kleriker schuf Ernest 
das Institut derCorrectores cleri. Irgend ein musterhafter Prie- 
ster — zumeist ein Landpfarrer — hatte das Amt, im Namen des 
Überhirten durch Ermahnung, Belehrung, Drohungen und Strafen 
die Ausschreitungen der Kleriker abzustellen. Namentlich hatte er 
sein Augenmerk auf einige Hauptgebrechen der Zeit zu richten, 
— auf den Besuch der Schenken, das Würfelspiel, die Vernach- 
lässigung der Tonsur und geistlichen Kleidung und auf die Hintan- 
setzung der priesterlichen Keuschheit. Zur leichteren Amtsführung 
war ihm ein öffentlicher Notar und ein Amtsdiener beigegeben. In 
wichtigen Fällen stand ihm die Übergabe eines Aktes an den Bi- 
schof selbst offen, worauf nöthigenfalls der vom Provinzialkoncile 
angeordnete strenge oder leichtere Kerker des Bischofs in Anwen- 
dung kam. ^) So gesegnet war zu Ernests Zeit die Wirksamkeit 
der Correctoren, unter denen wir ohne Zweifel die berühmten 
Sittenprediger Conrad Waldhauser und Milic von Kremsir zu su- 
chen haben, ^) — dass Böhmen geradezu ein Mutterland der kleri- 
kalen Zucht für die Nähe und Ferne wurde. ^) Neben diesen Cor- 
rectoren bestellte Ernest auch wieder ordentliche Diöcesaninquisi- 
toren, welche über die Beinerhaltung des Glaubens im Lande zu 
wachen hatten. ') Dies erschien auch um so nothwendiger, als im 
J. 1349 neuerdings die Flagellanten im Lande auftauchten 
und überdies die ,,apostolischen Brüder und Schwestern^ im Ver- 
borgenen ihr Unwesen forttrieben. ^) Zur Unterstützung in der 
Diöcesan Verwaltung bestellte er zumeist zweiGeneralvicare und 
nebstdem noch mehrere Officiale, die er je nach ihrer Würdigkeit 



^) Höflers Prager Concilien S. 1-13. 

*) Script, rer. boh. IL 440. 

') Von diesen später Näheres. 

*) WiUi. de Hasenborg biogr. Ernesti. 

') Weiterhin werden keine päpstlichen Inquisitoren mehr genannt. 

*) Chron. Boh. (script. rer. Boh. II. 451.) Höfler, fontes rer. husit. 



96 

aus den Kapiteln, Seelsorgern und Regularen des In- und Auslan- 
des auswählte. Namentlich fungirten unter ihm der raudnitzer 
Regularpropst Nicolaus und der pommersche Domherr Ditleb Stor- 
mer. ') Endlich bestellte Ernest auch noch kraft eines eigenen für 
sich und alle seine Nachfolger erlangten kaiserlichen Privilegiums *) 
öffentliche Notare, welche allerort in Böhmen und Deutschland 
Verträge, Testamente und andere öffentliche Urkunden auf Perga- 
ment zu verfassen hatten, — mit dem Bedinge, dass sie von Kir- 
chen, Spitälern, Wittwen und Waisen keine Entlohnung nehmen 
sollten. 

4. Kostbare Monumente unseres ersten Metropoliten, die in 
Folge seiner Synodalanordnungen entstanden, sind die von uns 
schon oft citirten Libri erectionum und Libri confirmatio- 
11 um. Erstere 'bildeten in Folge eines kaiserlichen Privilegiums die 
geistliche Landtafel Böhmens und es musste ihnen in Streitsachen 
unbedingter Glaube gezollt werden. ') Sie enthalten vom J. 1358 an 
alle Schenkungen an Kirchen und Kapellen, alle Stiftungen von 
Messen und Messpriestern, alle Errichtungen von Pfarrkirchen und 
Klöstern. ^) Die Libri confirmationum ^) dagegen enthalten alle Prä- 
sentationen und Ernennungen zu den kirchlichen Benefizien der 
Diöcese. Diese wie jene wurden von den Generälvicaren und den 
ihnen zugetheilten Notaren geführt. •) An der Spitze der Notare 
der erzbischöiiichen Kanzlei stand ein Protonotarius, zu Ernest's 
Zeit der nachmalige Canonicus PKbik. 'j 

5. Hatte Erzbischof Ernest vorerst unter Anderem das geistliche 
Gerichtswesen neu geordnet, so bot er weiterhin auch allen seinen 
Einfluss auf, um auch das weltliche zu verbessern. Ihm waren 
namentlich die von Aussen eingedrungenen Gottesgerichte ein 
Gräuel. •) In begeisterten Reden stellte er deshalb dem Volke vor, 



*) Lib. erect. I. A. 4. 
') Privil. Caroli IV. m Balb. lit. publ. 
^) Balb. prolog. ad lib. erect. 
^ ') Die 12 libri erect. in der Domstiftskanzlei. 
*) Die 7 libri confirm. in der erzbisch. Bibliothek. 
*) Ein ähnliches Werk sind die Acta jadiciaria archiepiscopatus Pragensis; 

diese beginnen aber erst vom J* 1384. Die Acta des J. 1S92 herausgegeben 

V. F. Tingl 1865. 
^ Lib. confirm. ad ann. 1868. 20. Decbr. 
*> Der biogr. nennt sie judicia peregrina. 



97 

dass die Feuer- und Wasserprobe, sowie auch das Losen vor Oe- 
richt abscheuliche aus dem blinden Heidenthume stanunende Ge- 
bräuche seien, die der Christ als sündhafte Versuchungen Gottes 
unter keiner Bedingung beibehalten dürfe. ■) Obgleich der fromme 
Erzbischof in diesem Stücke auf denselben Widerstand der Barone 
ätiess, an dem kurz vorher das neue Gesetzbuch Karls lY . geschei- 
tert war, so ruhte doch sein Eifer nicht eher, als bis der arge 
heidnische Missbrauch beseitigt war. ^) 

§. 123. Fortsetzong. 

L Grossartig sind auch die geistlichen Stiftungen, durch 
welche Erzbischof Emest sein Andenken verewigte. In Glaz, wo 
er einst seine kindlichen Tage verlebt und den Beruf zum Priester- 
thume erkannt hatte, gründete und dotirte er ein Stift der Regulär- 
Chorherren des h. Augustin. Dort wollte der edle Stifter sogar 
selbst die erzbischöfliche Würde mit dem Ghorherrenkleide vertau- 
schen, was ihm aber vom apostolischen Stuhle verwehrt wurde. ^) 
In Böhmen gründete er für denselben Orden die Stifter zu Sads- 
ka^), Rokitzan ') und Jaromif. *) Er erbaute die Hospitäler 
in Böhmischbrod, Pfibram und Libaä, und stattete sie aus 
seinen eigenen Mitteln mit dem nothwendigen Bedarfe aus. ") An 
der neuerrichteten Prager Universität stiftete er einen Magister 
der Theologie für arme Kleriker und widmete hiezu einen Theil der 
Einkünfte von seinen Patrimonialgütern HKminin und WaSic, wozu 
das Domkapitel noch 10 Schock Groschen aus dem Kapitelvermögen 
beisteuerte. ^) Er erbaute aus eigenen Mitteln eine Kapelle im neuen 
Dome und widmete überdies noch 1000 Mark zum Dombaue. Er schenkte 
100 Mark zur Erwerbung fester Bezüge für die Altaristen undVikari- 



^) Benesü chrou. p. 378. Palack^ IL' 336. 

') Palack^ 1. c, Benes. 

^) Dem Glazer Stifte scheakte er nebst Anderem das böhmische Gut Kosto- 

mUt. Hl. Chron. I. 666. 
*) Lib. erect. I. Bi 5. 
^) Lib. erect. I. S. 3. 
^) Vita Arnest. 
^) Ebendaselbst. 
") Tomek Gesch. d. Prager Univ. S. 5. 

7 



98 

sten der Kathedrale, and stiftete ein jährliches Ahnosen von 12 
Schock Groschen zu Kleidern und Büchern für arme Kleriker. Für 
die Domkirche schaffte er neue kostbare Kirchenbücher und meh- 
rere theuere Ornate. Für das Erzbisthum erwarb er die halbe 
Baronie Rosenthal, renovirte die verfallenen Bargen auf den erzbi- 
schöflichen Gütern und erbaute die Stadtmauern zu Böhmischbrod, 
Raudnitz und Bischofteinic ') 

2. Wenn irgend Jemand unseren Erzbischof an Opfern für 
die Kirche Böhmens übertreffen konnte, so war es nur der grosse 
Karl IV., der im J. 1346 den böhmischen Königsthron und in Deutsch- 
land den Kaiserstuhl bestieg. Am Feste Mariageburt 1347 empfing 
er die neue böhmische Königskrone, die fortan zugleich die 
Krone des h. Landespatrons Wenzel sein sollte, — ein Anzeichen, 
dass nun für das Königreich eine neue Zeit beginnen solle, der 
neue Fürst aber in die Fussstapfen des grossen Heiligen zu treten 
gedenke. So wurde es auch in der That. Nicht nur konnte das 
weite Land unter Karl IV. des glücklichsten Gedeihens sich rüh- 
men, sondern es war auch unser Königthum am höchsten 
geehrt, da es die Kaiserwürde mit sich vereinte, und 
solchem Glänze des Königthums sollte auch die höchste Blüthe der 
böhmischen Kirche entsprechen. — Für eine kirchenfreundliche Re- 
gierung Karls bürgte schon im Vorhinein seine überaus fromme 
Erziehung. ') Ein Gleiches liess auch seine uns schon bekannte 
Freundschaft mit seinem ehemaligen Lehrer, dem nunmehrigen 
Papste Clemens VI. erwarten. Auch musste ihn — Dank den Be- 
mühungen Emest's — die Correktheit des böhmischen Klerus ge- 
genüber der vielfachen Verkommenheit in Deutschland ') zur Frei- 
gebigkeit stimmen. Aber wer wollte auch in Abrede stellen, dass 
ein guter Theil der kirchlichen Werke Karls eine Frucht der Katli- 



*) Biog. Arnesti. 

') Karl las nicht blos die h. Schrift sehr gern, sondern schrieb aoeh Aus- 
legungen des Textes nieder. Zu seinen liebsten Arbeiten gehörte es, Pre- 
digten zu concipiren. Nachmals brachte er alljfthrlich eine Zeit auf dem 
Karlstein mit Andachtsubungen zu. (Vgl. Pelzel 6. Karls. 9&2.) 

^) Während er die Prälaten Deutschlands bei längerem Verharren im uu- 
kirchlichen Leben mit ICinstelluug der Laienbezüge bedroht, findet sich 
von Aehnlichem in Böhmen keine Spur. (Vgl. Höfler, Einleit. zur Chronik 
de« Heinrich Truchscss von Diessonhoven 8. 2.) 



99 

schlage sänes erzbischöflichen Freundes war, der anderseits auch 
nicht müde ward, für seinen geliebten König und Kaiser thatig zu 
sein. Unter Karls Werken in der Zeit des Erzbischofs Ernest steht 
jedenfalls der neue Dombau obenan. Für diesen brachte er 
selbst den berühmten Baumeister Mathias von Arras aus Avignon 
nach Prag und seine königliche Freigebigkeit zog auch eine Menge 
anderer Künstler dahin, die alle insgesammt zur würdigen Herstel- 
lung der neuen erzbischöflichen Kathedrale beitrugen. *) Wirklich 
sah Karl bereits den grössten Theil des noch heute bewunderten 
Baues der Vollendung nahen. ^) — Für diesen neuen Dom stiftete 
er auch zu den schon früher eingeführten Mansionarien ein eigenes 
Collegium von Psalteristen, die ausser den kanonischen Tag- 
zeiten bei Tag und Nacht das Psalterium beten mussten. *) — Auch 
schenkte er der Kathedrale eine Menge der kostbarsten Kirchengewän- 
der, viele Kelche, Monstranzen und andere Geräthschaften und als 
besonders kostbaren Schatz einen Theil des angeblichen Original- 
evangeliums des h. Marcus. Ausserdem liess er dem h. Adalbert 
ein neues Grabmal aus Gold, Silber und anderm kostbaren Schmuck 
errichten. *) In der von ihm neugegründeten Neustadt Prag er- 
baute er das Chorherrenstift Karlshof, das Kloster Em maus 
für slavische und das Kloster St. Ambros für mailändische Bene- 
dictiner, das Carmeliterkloster Mariaschnee und das Augustine- 
rinnenstift St. Catharina. Das Kollegiatstitt Sadska verlegte er 
in die nächste Nähe der neuen Stadt — auf den sogenannten Wind- 
berg. In Wyäehrad führte er eine Colonie regulirter Chorherren 
ein und am Fusse dieser Körtigsburg siedelte er Serviten an. Zu 
Tachau erbaute er ein Kloster der Carmeliten und zu Schüt- 
tenhofen (Suäice) ein gleiches für die Augustiner. •) Auf seiner 
neuerbauten Burg Kar Ist ein stiftete er ein Collegiatkapitel und 



') £s sei hier nur die Sendung Ernests an den päpstlichen Ilof zu Aviguon 
erwähnt und seine dortige Lobrede auf Karl. Vgl. öst. Blätter für Lite- 
ratur und Kunst 1845. S. 1165. 

^ Im J. 1348 entstand in Prs^ eine eigene Malerschule. Ihre deutschen und 
böhmischen Statuten s. in Materialien zur Statist, v. Böhmen VI. 117 u. s. f. 

') Der sog. Carolinische Bau wurde durch Wenzel IV. 1385 vollendet. 

*) Pesina phosph. 

^) GhroD. Franc. Urk. dd. 31. Okt. 1354 in Balb. lit. pub]. 

') Urk. ebend. dd. 81. Okt. 1854. 

7* 



100 

vermehrte die bereits bestehendea in Leitmeritz, Altbuozlau und 
bei Allerheiligen mit neuen Dotationen. ') Selbst Deutschland 
konnte sich seiner kaiserlichen Freigebigkeit rühmen: Mainz ver- 
dankte ihm das CoUegiatstift St. Victor, sein Geburtsort Ingel- 
heim die Chorherrenpropstel St. Karl (als Filiale von Karlshof), 
Nürnberg die Mansionare der Frauenkirche, Luxemburg 
das Klarissinnenkloster Epternach, Niedersachsen die Cisterzienser* 
klöster Marienrode und Riddagshausen. In Breslau 
stiftete er ein Kloster der Augustinereremiten. Sogar bis nach 
Italien erstreckte sich sein Stiftungseifer : P a v i a erhielt von ihm 
ein neues Chorherrenstift und T a r e n t ein CoUegiatkapitel. *) — 
Karls Lieblingsschöpfung blieb aber die Prager Universität, 
die er nach Erlangung der päpstlichen Privilegien und der Zustim- 
mung der böhmischen Stände durch eine eigene goldene Bulle am 
7. April 1348 eröffnete. Wir kommen auch auf dieses Institut noch 
besonders zu sprechen: vorläufig sei nur gesagt, dass der kaiser- 
liche Stifter unseren Erzbischof Ernest und alle Nachfolger dessel- 
ben zur Würde des Kanzlers an dieser ersten Hochschule Deutsch- 
lands erhob (1370). Auch diess müssen wir erwähnen, dass er 114 
werthvoUe Werke aus dem Nachlasse des Wyäehrader Propstes 
Wilhelm von Landstein für den Preis von 100 Mark Silbers er- 
kaufte und indem er diese der neuen Universität schenkte, den 
Grund zur Prager Universitätsbibliothek legte. •^) 

3. Dem grossen Beispiele des frommen Erzbischofs und seines 
kaiserlichen Freundes folgten auch die Edlen des Landes nach. 
Die Libri erectionum sind die Ehrenbücher, in welche ihre 
Namen bleibend eingezeichnet sind. Aus Ernests Zeit umfassen 
dieselben nur die Jahre 1358 bis 1364; aber dennoch welche Menge 
von Messstiftungen, Kaplandotirungen, Errichtungen von Spitälern ^), 
neuen Kirchen *) und Pfarreien ! •) Selbst neue Klöster wurden in 
dieser Zeit von Seiten des Adels erbaut. Genannt wird insbeson- 



') AUer dieser Stiftungen wird später besonders gedacht werden. 

*) Balbini de reg. Boh. 

') Benesii chron. 405. 

*) In dieser Zeit sind genannt: Kolin, Kamenic, Launkow. 

') Genannt v. 1358—1364: Teinic, PHpäch, Prawonow, Bene§ow, Baworow. 

'') benannt: Kopidlno (13G1), KArbic (13G1), Suchdol (1364), Karlshaas (1364) 



101 

I 

dere das Cisterzienserkloster S k a 1 i t z, im J. 1357 gestiftet vom 
Bischof von Minden, Dietrich Kugelweit aus Böhmen. Es wird 
auch von diesem noch näher die Rede sein. 

4. Mehrerer ausgezeichneter Schätze, welche die böhmische 
Kirche unter Erzbischof Emest erwarb, müssen wir hier besonders 
gedenken. Am 14. März 1350 wurden nämlich die sogenannten 
deutschen Reichsreliquien in den Prager Dom übertragen ; 
ein goldenes Kreuz, enthaltend einen Theil der heiligen Lanze und 
des heiligen Kreuzes nebst einem Nagel von der Kreuzigung Christi, 
— femer ein Zahn des h. Johannes, ein Theil des Armes der 
h. Anna, die Schwerter des h. Mauritz und Karls des Grossen, des 
Letzteren goldene Krone, sein Leibkleid und Kaisermantel, sein 
Scepter und Reichsapfel und die Krönungshandschuhe. Noch an- 
dere Reichsalterthümer waren beigefügt. Diese 'Reichskleinodien 
haben allerdings späterhin unsern Dom wieder verlassen müssen; 
ein stetiges Andenken daran blieb jedoch zurück, — dasjähr- 
liehe Fest der h. Lanze und des heiligen Nagels, welches 
Papst Innocenz VI. auf die Bitte Karls fiir Deutschland und Böh- 
men bewilligte und auf den ersten Freitag nach der Auferstehungs- 
oktav ansetzte. *) Am 7. Februar 1354 erwarb Kaiser Karl durch 
seinen Oheim, den Erzbischof von Trier, eine Reihe neuer kost- 
barer Reliquien und schenkte selbe für immer dem Prager Dome; 
eine Kreuzpartikel, ein Dritttheil vom Schleier Mariae, einen Theil 
vom Manna der Israeliten in der Wüste, Theile des Hirtenstabes 
Petri, der Fussbekleidung des h. Andreas, der Kette Petri, des 
Fingers des h. Mathias, der Gebeine der hh. Apostel Philippus und 
Jakobus und einen Arm von einem bethlehemitischen Kinde. Die 
Partikel vomHirtenstabePetri sollte ins erzbischöfliche Pedum 
eingeschlossen werden. •) Im selben Jahre erfreute er die Prager 
Kirche noch mit anderen kostbaren Reliquien. Genannt werden 
neben mehreren andern ein Theil vom Gürtel Mariae, von den Ge^ 
beinen des h. Narciss, von der Fahne und dem Arme des h. Ull- 
rich, vom Haupte der Heiligen Hilarius und Dionysius, von den 
Gebeinen der Heiligen Gordianus, Epimachus, Pelagius, Conrad, 



') Urk. in Balb. lit. publ. I. 46, 47. 

') Urk. Idas Febr. 1364. Balb. lit. publ. I. 67. 

') Urkden. Halb. lit. pnbl. p. 55 &c. 



102 

Patriciiuä, Metellus, und insbesondere ein Stück vom Kleide, von 
der h. Krippe, vom Purpurmantel und von den Leichentüchern 
xJesu Christi, — dies Alles mit dem Wunsche, dass fortan im 
Prager Dome ein eigener Festtag „der Erwerbung der hei- 
ligen Reliquien" gefeiert werde. ') Zwei neue Schenkungen 
erfolgten ebenfalls noch in demselben Jahre: eine werthvoUe Kreuz- 
partikel und der von seinem Bruder dem Patriarchen zu Aquileja 
erworbene Theil des Evangeliums des h. Marcus. *) Im J. 1355 
fügte Karl zu den früheren Reliquien noch das in Italien erwor- 
bene Haupt des h. Veit ''), im J. 1366 zwei vom französischen 
Könige empfangene Dornen aus der Dornenkrone Christi hinzu. *) 
Endlich krönte Erzbischof Ernest alle diese heilige Schenkungen 
durch die Einsetzung des Festes „aller Heiligen Reliquien 
des P rag er Doms. *) 

5. An den Erzbischof Ernest erinnerte fortan auch ein vierzig- 
tägiger Ablass, den man täglich durch ein di*eimaliges A v e g e b e t 
beim Morgenläuten gewinnen konnte. Veranlassung dazu war die 
Pest, welche sich im J. 1359 an den Gränzen unseres Vaterlandes 
zeigte. Eben zur Abwendung dieser Gefahr ordnete Ernest jene 
Andachtsübung und ausserdem noch öffentliche Bittprozessionen 
und Fasttage an. ^) 

6. Nicht nur bei dem Klerus und Volke in Böhmen und selbst 
im Hause des Kaisers war das Ansehen des frommen Erzbischofs 
ein aussergewöhnliches ; auch am päpstliphen Hofe ging von ihm 
der Ruf, es sei ihm in ganz Deutschland kein Anderer an Tugen- 
den ähnlich.^) Darum kann es nicht befremden, dass schon Papst 
Clemens VI. im J. 1347 eben unserem Ernest im Vei-eine mit dem 
Bischöfe von Bamberg nüt dem Rechte betraute, alle zur Zeit 
Ludwigs des Baiern in den Bann der Kirche Verfallenen, darunter 
zahlreiche Fürsten und Bischöfe des deutschen Reichs, förmlich und 
feierlich zu absolvireu. ^) Auch dürfen wir seinem ältesten Bio- 



») Urk. Balb. lit. publ. I. 59 &c. 

*) Urk. Balb. lit. publ. 62—66. 

') Urk. Balb. lit. publ. I. 69. 

') Urk. Balb. lit. publ. I. 71. 

^) Wahrscheinlicb irrig ist Angabe der Einsetzung am 21. März 1350. 

') Balb. lit. publ. dd. 5. Okt. 1359. 

^ Biogr. Ern. 

») Urk. Pelzl, Gesch. Karls IV. 1. 205 dd. Vll. Idus Decbr. 1347. 



103 

graphen glauben, dasü der Papst ihn wiederholt zur Caidinalswttrde 
erheben wollte, aber allezeit an seiner Demuth einen unbesiegbaien 
Widerstand fand. Es kann endlich auch nicht Wunder nehmen, 
dass nach dem Ableben Innoceuz VI. (1362) mehrere Cardinäle 
unseren Erzbischof sogar für die päpstliche Würde in Vorschlag 
brachten uiid nur in Berücksichtigung der fremden Nationalität 
diesem Vorschlage wieder entsagten. *) — Mittlerweile nahte das 
Ende des allgeliebten Oberhirten heran. Im Gefolge des Kaisers 
feierte er 1364 das h. Pfingstfest in Budisin. Mit jugendlichem 
Eifer hielt er daselbst die Predigt und das feierliche Hochamt. 
Dadurch zog er sich ein Fieber zu, das ihn nöthigte, sich in die 
erzbischöfliche Burg zu Kaudnitz zurückzuziehen. Dort starb er 
am 30. Juni 1364, beweint vom gesammten Vaterlande. ^) 

§. 124. Erzbischof Johann 0<!ko von WlaSim (I:t6i-l:n8). 

1. Der vollständige Abschluss der Glanzperiode unserer böh- 
mischen Kirche bedurfte noch auf wenige Jahre eines würdigen 
Nachfolgers des seligen Emest. Als solchen erwählte das Domka- 
pitel schon am 12. Juli 1364 den bisherigen Olmützer Bischof 
Johann Oöko von Wlaäim, den vormaligen ersten Propst des 
Allerheiligenkapitels. ^) Wer hätte sich auch mehr dazu geeignet, 
dem für die Kirche begeisterten Könige und Kaiser Karl in den 
letzten Jahren seiner kirehenfreundlichen Thätigkeit als Rathgeber 
znr Seite zu stehen, als sein ehemaliger Jugendgefahrte und innig- 
ster Vertraute, — eben unser neuer Metropolit ? ^) Am Feste des 
h. tiallus ward derselbe feierlich inthronisirt. 

2. Johann Oiko erfreute sich gleich im Beginne seiner Kegie- 
rimg einer neuen und höchsten Verherrlichung der Kirche Böhmens. 
Als nämlich Kaiser Karl im J. 1365 dem Papste Urban V. einen 
zehntägigen Besuch abstattete, erlangte er für seinen geliebten Erz- 
bischof und für alle seine Nachfolger die hohe Würde eines Le- 



^ Biogr. ArneBü. 

') Ebendaselbst. 

*) Er war ein Bruder zweier hervorragender adeliger Männer, des Paul von 

Genstein und des Wilhelm von Wlasim. (Bubna.) 
') Benes d. W. 883. 



104 

gatus natus des heiligen Stuhles für die Prager Metropolie und 
für die Nachbardiöcesen Bamberg, Meissen undBegensburg 
Diese durch eine eigene päpstliche Bulle vom 28. Mai 1365 ') ver- 
kündete Erhebung war für unser Vaterland um so ehrenvoller, da 
sie ausdrücklich die Wiederherstellung einer strengen 
klerikalen Disciplin in den genannten Diöcesen Deutsch- 
lands zum Zwecke hatte.') Böhmen war also bereits zum Mu- 
sterlande für die Nachbarschaft geworden. Allerdings wurde bei 
dieser Erhöhung der Prager Metropoliten auch der weitere Grund 
.geltend gemacht, dass namhafte Theile der bezeichneten 
deutschen Diöcesen unter die weltliche Herrschaft des 
böhmischen Königs gehören.^) Kraft des neuen Amtes sollten 
nun die Prager Erzbischöfe für allezeit die Stellvertreter des Pap- 
stes sein — zunächst in dem bereits von früher her exemten 
(keinem Erzbischofe unterstehenden) Bisthume Bamberg und in 
dem eben erst exemt werdenden Bisthume Regensburg. Über- 
diess sollten hier und im eigenen Provinzialsprengel, sowie in der 
vorläufig noch unter der Magdeburger Metropolie verbleibenden 
Diöcese Meissen die dem Papste als höchstem Kirchenoberhaupte 
zustehenden Jurisdictionsrechte an den Prager Erzbischof überge- 
hen. Den nächsten Ausdruck der neuen Würde finden wir in der 
nunmehrigen Vorladung der genannten Bischöfe zu den Prager Pro- 
vinzialconcilien. ^) Nebstbei übersandte der Papst selbst dem neuen 
Legaten das grosse vergoldete Legatenkreuz, den Legatenhut und 
die übliche Cappa, um sich derselben innerhalb der Gränzen der 
Legatur als Amtsinsignien zu bedienen. ') 

3. Ohne eben behaupten zu wollen, dass nicht auch die Vor- 
Sahmn Johanns regehnässige Synoden abhielten, so sind doch gerade 
von diesem zweiten Metropoliten die meisten Synodalstatute auf 
uns gekommen. ^) Wir besitzen solche aus den Jahren 1365, 1366. 



>) Urk. Pelzel's G. Karls. Urkdb. 30i u. s. f. 

') Ebendaselbst. 

^> Za dieser gehörten die zahlreichen böhmischen Lehen, die Karl in der Pfialz, 
Franken and Meissen errichtet hatte. Nebstdem gehörte bekanntlich das 
Egerland zur regensburger, und das sogenannte Niederland zur meissner 
Diöcese. 

*) Hofier, Frager Concilien p. 26. 

*) Benei, d. W. 887. 

') Höfler, Prager Ck)ncile. 



105 

1371, 1374 und 1377 und aus diesen erfahren wir zugleich, dass 
alljährlich sogar zwei Synoden — eine am Feste St. Veit und die 
andere am S. Lucastage (15. Juni und 18. October) abgehalten wurden. 
Überdiess folgte auf jede Synode auch ein sogenanntes Generalcon- 
sistorium für die Anbringung von Klagen über die Bedrückung 
der Kirchen und der Geistlichen. ') Jemehr nämlich unter 
dem glorreichen Regimente Karls IV. das Besitzthum und das An- 
sehen der Geistlichkeit sich erhob, desto deutlicher trat bei einem 
minder frommen Theile des Adels der grollende Neid hervor, der 
am so bitterer gegen die vielbegünstigteu ausländischen Geistlichen 
in den neuen religiösen Orden sich zeigte. ^) Da gab es denn 
mannigfache Reibungen, ja hin und wieder selbst arge Gewaltthä- 
tigkeiten, die sämmtlich nach der Rechtspraxis jener Zeit vor das 
geistliche Gericht des Oberhirten gehörten. Solchen ungerechten 
Angriffen gegenüber verordnete endlich die Synode vom J. 1377, 
dass in Folge einer einem Kleriker oder seiner Habe angethanen 
Gewaltthätigkeit sofort alle kirchlichen Funktionen am Orte der 
Gewaltthat aufizuhören haben. Später (1384) wurde noch hinzuge- 
fügt, dass bei einem höher gestellten Geistlichen (Prälat oder Ka- 
thedraldomherr) das Interdict alle Besitzungen des Schuldigen, bei 
einem Attentate auf den Bischof aber die ganze Diöcese und auch 
noch jene Diöcese treffen solle, wo der Gewaltthäter sich aufhält. 
In letzterem Falle sollten auch die Güter desselben der Kirche an- 
heimfallen. ') Übrigens unterliess Erzbischof Johann auf seinen 
Synoden auch nicht, die heilsamen sittlichen Anordnungen 'seines 
ruhmreichen Vorgängers zu erneuen und hin ui^d wieder zu ergän- 
zen. Bemerkens werth ist namentlich ein Statut vom J. 1366, in 
welchem er die abergläubische Sitte, in Mitte der Fastenzeit ein 
Bild des Todes unter Sprüchen und Liedern umherzutragen und 
endlich in den Fluss zu versenken % unter Strafe des lokalen In- 



') £x Synodo 1371 in Höflers Synoden S. 15. 

^ Die überwiegende Aufnahme von Ausländem fand auch bei den Cister- 
ziensem Statt. Im J. 1348 wandte sich Karl IV. sogar an den Generalabt 
▼on CiBterz, damit dieser die böhmischen Aebte anweise, nicht mehr, wie 
bisher, die Eingebomen fast g&nzlich auszuschliessen. Urkunde aus dem 
Formelbache des Stiftes Ossek N. 23. (Palack^ über Fonnelbücher S. 361.) 

•) Lib. erect. III. A. 1. 

•) Vgl. I. Bd. g: 17. 



106 

terdictes verbot. ') Auch untersagte ein Statut vom J. 1371 zur 
Hintanhaltung von Ketzereien die Zulassung nicht bevollmächtigter 
Prediger zu den Kanzeln der Pfarrkirchen. *) — In der Regierung 
seiner Diöcese bescbäftigste Erzbischof Johann stets mehrere Ge- 
neralvicare. Im J. 1372 erscheinen als solche Johann, Archidia- 
kon von Breslau, Borso, Archidiakon von Bechin und Johann, Kapi- 
teldechant von St. Apollinar. Im J. 1378 finden wir wieder ausser 
Johann, dem nunmehrigen Propste von Breslau, die Prager Dom- 
herren Kunäo von Tfebowel und Johann Prusinec. •) Unter den 
Notaren der erzbischöflicheu Kanzlei fungirte bereits im J. 1374 
der heilige Johannes von Nepomuk. *•) Unter seinem Schutze wirk- 
ten die Bussprediger Conrad Waldhauser, Milic von Kremsier, Johann 
Stikna, der deutsche Prediger Johann bei St. Gallus und der ge- 
lehrte Pariser Doctor Mathias von Janow. ') Als Diöcesaninquisitor 
fungirte ein gewisser Jogelinus, auch Johann von Prag genannt, den 
wir nachmals unter Kanonikern des Prager Domes wiederfinden. ^) 
4. Die Erzdiöcese verdankte ihrem Metropoliten auch ein 
lange entbehrtes eigenes Hospital für kranke Kleriker. Er 
stiftete es unter dem Titel St. Anton und Elisabeth am, 7. Juli 
1375, indem er ein eigenes Haus dafür auf dem Hradäin ankaufte, 
und zwei Hufen Landes in Hostewic nebst bedeutenden Zinsungen 
von Walow (208 Groschen und 4 Füllen), Kroälow (14 Schock) 
und W§eliS (26 Schock) dazu schenkte. ") — Im Dome errichtete 
er im J. 1379 die St. Erhardskapelle, die er zu seiner Begräbnists- 
stätte bestimmte und bestiftete sie mit heiligen Messen. Für das 
Erzbisthum erkaufte er die Stadt Gast orf(Hostka) und das Schlosä 
Helfen bürg bei Raudnitz, in welch' letzterem nun längere Zeit 
die Reliquien des Prager Doms aufbewahrt wurden, bis später 
König Wenzel IV. deren Übertragung nach Prag anordnete. *) Die 
erzbischöfliche Stadt Raudnitz verdankte ihm einen ganz neuen 



') Höflers öynod. 11. 

2) Ebend. 15. 

') Lib. erect. 

') Die Handsch. Chronik des Kl. S. Georg enthält eine betreffende Urkunde. 

*) Über aUe diese Persönlichkeit berichten wir später Näheres. 

•) Lib. erect. IL ß. 1. 

') ürk. in Lib. erect. 1. ü. 7., Balb. lit. publ. 100. 

") Lib. erect. L M. 7. 



107 

Stadttheil, desägleichen die erzbischötlichen Güter so manches schöne 
Bauwerk und Prag selbst erhielt zahlreiche Zierden von dem opfer- 
willigen Oberhirten. ') 

5. In seine Zeit fallen auch die letzten grossen Stiftungen 
des frommen Kaisers Karl. Die erste und schönste hängt mit 
dessen glorreichen Römerzuge im J. 1368 zusammen, als er den 
60 lange unter dem Drucke Frankreichs befangenen 
Papst in die Hauptstadt der Christenheit zurückführte 
und ihn so gewissermassen der allgemeinen Kirche 
wiedergab. Damals legte er in Rom selbst den ersten tirund 
für ein Hospital der böhmischen Nation, welches dazu be- 
:stimmt sein sollte, die zalilreichen Pilger aus den Ländern der 
böhmischen Krone gastlich aufzunehmen. Karl kaufte für diesen 
Zweck die uöthigou Gebäude in der Nähe der Kirchen St. Stephan 
und St. Blasius an. Die weitere Ausführung des frommen Werkes 
überliess er — oifenbar auf deren Ansuchen — dem Prager Bi- 
schöfe Johann und den Koryphäen des böhmischen Adels, — den 
Brüdern Peter, *) Ullrich und Johann von Rosenberg. Letztere 
iiorgten zunächst für ein sicheres Einkommen des Hospitals. Peter 
schenkte hiezu eine Zinsung von 14 Schock von seinem Dorfe 01- 
tin, Johann 9 Schock von seinem Dorfe Pfib6nic und Ullrich 5 
Schock von seinem Dorfe Bezetic. Dann wuide im Spitale selbst 
eine Kapelle des h. Wenzel und bei dieser ein Presbyter-Custo.s 
mit 10 Schock Einkommen gestiftet, der wöchentlich 3 heilige 
Messen für die Stifter persolviren sollte. Diesen Presbyter-Custos 
sollte der jeweilige Propst von Wittingau (Tfebon) zu ernennen 
haben. ^) — Eine zweite bedeutende Stiftung Karls aus dieser Zeit 



*) Script, rer. boh. II. 439, 440. 

^) Dieser war Propst bei Allerheiligeu. Dieselben Brüder werden wir auch 
als Gründer des Chorherrenstifts Wittingau und der Eremitenvereine zu 
Heurafl und Stara pila kennen lernen. 

') ürk. dd. 8. März 1378 in Balb. lit. publ. 106 u. s. f. -- Noch heute ist 
das Gebäude dieses S. Wenzel-Hospitals in Rom vorhanden und 
trägt die Inschrift: Carolus imperator IV. rex Bohemiae me fecit et H. 
Roraw procurator hospitalis praesentiB et nationis Boemorum ruinosum 
refecit anno 1457. Es soll eine eigene päpstliche Bolle existiren, kraft 
vrelcher das alte Stiftungsvermogen dem Spitale S. Spirito in Rom auf so 
lange zugewendet bleiben soll, bis die Wiederherstellung des böhmischen 
Hospitals erfolgen wird. (HL Chron. II. 545.) Wann wird diess der 
Fall sein? 



108 

(1369) war das Coelestinerkloster Oibin bei Zittau, das wir 
weiterhin noch näher kennen lernen werden. Ebenso gehört hieher 
die. Errichtung des Magdalenenklosters für Büsserinnen in 
Prag. Auch das Ausland wurde noch mit einem Chorherrenstifte 
zu Tangermünde (1377) und einer böhmischen Caplanei in 
Aachen bedacht. ') Ebensowenig war des Kaisers Eifer im Sammeln 
heiliger Reliquien erkaltet. Im J. 1365 brachte er den Leib des 
h. Sigismund aus Frankreich nach Prag und veranlasste seine 
Verehrung unter dem Titel eines böhmischen Landespatrons. ') Im 
J. 1367 wurden die Leiber der seligen Pfibislava und des se- 
ligen Po divin neben der St. Wenzelscapelle ausserhalb des Prager 
Domes beigesetzt. *) Im J. 1368 erwarb Karl von Trier her einen 
neuen Theil vom Schleier der Mutter: Gottes, und erwirkte aus die- 
sem Anlasse das päpstliche Privilegium, alle 7 Jahre eine Ausstel- 
lung dieses heiligen Schatzes veranlassen zu dürfen, mit welcher 
jedesmal ein Ablass von 3 Jahren und ebensoviel Quadragenen ver- 
knüpft sein sollte. Das Jahr der Übertragung wurde durch einen 
allgemeinen Jubiläumsablass gefeiert. ^) 

6. Dem Beispiele des hochherzigen Kaisers folgten auch in 
dieser Zeit viele Edle des Landes. Im J. 1367 stifteten die uns 
bereits bekannten Brüder von Rosenberg ein Augustiner-Chorher- 
renstift zuWittingau (Tfebon) *) und bald darauf die Einsiedler- 
kolonien in Starä pila und HeurafFl. Im J. 1373 errichtete Albrecht 
von Kolowrat das Augustinerkloster Roöow. *) Im J. 1377 grün- 
deten die Brüder Marquard und Peter von Wartenberg auf Kost 
die Cisterzienserpropstei und das damit vereinigte Hospital in ZI eb. ') 
Zahlreiche Schenkungen vermehrten überdiess den Besitz der Klö- 
ster und der Pfarrkirchen des Landes. ■) 

7. Am 18. September 1376 erliess der glaubenseifrige Kaiser 
ein denkwürdiges Edictgegen die Ketzer. Solche sollten 



') Pelzel, G. Karls 721, 918. 

-) genes d. W. 387. 

^) Bened d. W. 393. Vgl. Martyrium des h. Wenzel. 

') Benefi d. W. 399. 

') Urk. Balb. lit. publ. 93. Lib. erect. I. A. 5. 

•) Pekel 859. 

') Urk. Balb. lit. publ. 104. Lib. erect. II. K. 1. 

■) Vgl. Lib. Erect. 



109 

auf immer aus Böhmen verbannt sein und falls irgend einer im 
Lande betroffen werde, so sollte er seinen Abfall vom wahren Glau- 
ben auf dem Scheiterhaufen büssen. ') 

8. Der grosse Kaiser starb am 29. November 1378. 
Eilf Tage lang trauerten die Böhmen an seinem offenen Sarge. 
Dann übertrug man die entseelte Hiille des ^Landesvaters" zu- 
erst ins Kloster Emmaus, dann nach St. Jacob und setzte sie end- 
lich am 16. December in der Gruft des neuen Domes bei. Karls 
Tod beschliesst die goldene Zeit der böhmischen Kir- 
che; denn in Kurzem schon melden sich die düstern Vorboten des 
Husitismus, der alle frühere Herrlichkeit unter Trümmern begraben 
wird. Aber auch im Allgemeinen dämmern die Tage traurigen 
Verfalles auf. Kurz vor Karls Tode war in Rom Urban VI. zum 
Papste erwählt worden (8. April 1378). Als aber dieser ein stren- 
ger Herr zu werden begann, wählte eine unzufriedene Partei am 
20. September den Gegenpapst Clemens VH., der seinen Sitz wieder 
in Avignon nahm. Das unglückselige Schisma hatte be- 
gonnen. 

9. Am 14. Jänner 1380 folgte auch der Erzbischof seinem 
kaiserlichen Freunde ins Grab. Doch war ihm zuvor noch eine 
letzte hohe Auszeichnung zu Theil geworden: am 17. September 
1378 war er zum Gardinalpriester der Basilica der 12 Apostel er- 
nannt worden. Aber er erlebte den Empfang der Insignien dieser 
neuen Würde nicht mehr. ') 'Er war ein besonderer Verehrer des 
heiligen Wenzel und beförderte dessen Verehrung durch Ertheilung 
eines für ewige Zeiten giltigen Ablasses von 40 Tagen für alle jene, 
die ein von ihm vorgeschriebenes Gebet zu Ehren des heiligen 
Landespatrons beten oder singen würden. ^) Ausserdem datieren 



') Balb. cpit. p. 380. cit. arch. reg. 

*) ChroD. Boh. io Script, rar. Bob. II. 453. 

*) Benes d. W. 379. Der lateinische Text dieses Gebetes lautete : 

Saocte Wenceslae, dux Boemiae, princeps noster, ora pro nobis Deum 

sanctum Spiritam, Kyrie eleysoo. 
Coelestis aula est pulchra, beatus iUe qui eo pervcnit, vita aeterna, ignis 

serenus Spiritas saucti. Kyrie eleyson. 
Aaxilium taam petimus, miserere nostri, consolare tristes, depeUe omne 
malam, sancte Wenceslae. Kyrie eleyson. 
Der altböhmische Text: 



110 

von ihm noch einige andere interessante Ablässe, die er in seinen 
Synodalstatuten veröflfentlichte. So verlieh er in der Synode vom 
J. 1374 einen Ablass von 40 Tagen allen Predigern und Predigt- 
hörern der Diöcese, welcher jedesmal am Schlüsse der Predigt in 
der kirchlichen Form zn ertheilen war. ^) Ebenso verlieh er da- 
mals einen Ablass von 40 Tagen allen denen, welche auf das vom 
apostolischen Stuhle verordnete Glockenzeichen dreimal das Ave 
Maria beten. -) Auf der Synode des Jahres 1377 gab er endlich 
den Befehl, alle Freitage in der Sterbestunde Christi in allen Kir- 
chen ein Gebetzeichen mit einer grösseren Glocke zu geben: wer 
hiebei zu Ehren der hh. fünf Wunden und für die Abwehr der 
Pest, des Unglaubens und des Krieges knieend fünf Vaterunser 
beten würde, der sollte ebenfalls eines Ablasses von 40 Tagen 
theilhaftig werden. ') Die letzte Ruhestätte erhielt Johann Oöko 
von Wlaäim auf seinen Wunsch in der von ihm erbauten S. Er- 
hardscapelle im Prager Dome. 

§. 125. Das RistliBüi Leitomyül. Bischof Johann I. 

1. Gleichzeitig mit der Errichtung des Prager Erzbisthums 
war auch die im J. 1098 von Herzog BfetislawII. errichtete Abtei 
LeitomySl — seit 1145 im Besitz der Prämonstratenser — zu 
einem Bisthume erhoben worden, das hinfort unter dem Metropo- 
litansprengel von Prag stehen sollte. Die Ausmittelung der Diöce- 
sangränzen nahm noch einige Jahre in Anspruch. Erst durch den 
definitiven Vergleich vom 4. November 1350 wurden von der bis- 
herigen Prager Diöcese die alten Dekanate Chrudim, Hohen- 
maut, Policka und Landskron förmlich abgetreten. Dahin 



Swaty Waczlawe, wewoda czeske zemye, kneze nasschie, proBs zsxiy 

Boha swateho Ducha, Kyrie eleyson. 
Nebeske gest dworstwo krasne^ blaze tomu ktoz tarn poygde, zywot 

wieczny, oben iassny Swateho Ducba. Kyrie eleyson. 
Pomoczy twe zadamy, Smyluy sie nadnamy, vtyess sxnutjie, odwed wse 
zle, swaty Waclawe. Kyrio eleyson. 
') Daher rührt wohl das noch übliche SündenbckenntDiss und die Absointion 

am Schlüsse der heutigen Predigten. 
^) Höfler, Prager Concilien 17, 18. 
') Ebend. 22. 



111 

geharten auch dasBeaediktinerstiftPodlazic mit 20 Gonventualen, 
das Frauenkloster Sezemic mit 10 Schwestern des Cisterzienser- 
ordens, das Cyriakenkloster in Pardubitz, das Dominikanerklo- 
ster in Chrudim und der Minoritenkonvent in Hohenmaut. ') 
Durch einen ähnlichen Vergleich vom 5. Februar 1350 trat auch 
der Bischof von Olmütz 30 Pfarreien des damaligen Schönberger 
Dekanats nebst dem Benediktinerkloster Klösterle (Klaäterec 
bei Schönberg) an die neue Diöcese ab. *) 

2. Vorerst führten der neue Bischof und der Stiftskonvent das 
gemeinsame Leben in gewohnter Weise fort. Bald aber stellten sich 
allerhand Reibungen ein, in Folge welcher Papst Clemens VI. schon 
unterm 6. Mai 1346 den Breslauer Bischof Bi'etislaw beauftragte, 
persönlich im Leitomy§l die Ausscheidung einer Anzahl eigentlicher 
Domherren aus den Stiftskapitularen (c. 90) vorzunehmen, und alle 
Einkünfte in zwei Theile, einen für den Bischof und den andern 
für Kapitel und Convent zu theiien. Noch zog sich aber ein volles 
Jahr mit Unterhandlungen hin. Erst als Bischof Bifetislaw zugleich 
mit dem Bischöfe Johann im Jahre 1347 von der Prager Königs- 
krönung zurückkehrte, kam es zum Austrage der Sache. Zunächst 
wurden aus den alten und verdienten Stiftsherren 28 Canonici 
bestimmt, unter diesen aber ein Prior (Dytmar), ein Custos, ein 
Cantor und Scholasticus zu Kapitelprälaten ernannt. Der Schola- 
sticus sollte sugleich die Stadtpfarre bei S. Clemens verwalten. 
Den Custos und Scholasticus sollte stets der Bischof ernennen, 
die andern zwei Prälaturen hingegen und jedes zur Erledigung 
kommende Canonicat sollte durch Kapitelwahl an würdige Conven- 
tualen vergeben werden. ^) Von den bisherigen Stiftsgütern wurden 



^) Urkuade b. Baibin append. ad regest, decim. 1384. Die einzelnen Kirchen 
dieser Dekanate s. I. Bd. S. 389. Nur wird bemerkt, dass bei der Über- 
gabe Chrastic zu Podlazic, S. Mikulas zu Eamenice, Zamr&k zu Hoste tin, 
Trstenic zu Lauterbacb, Trpin zu Bisti^e, KwMna (Blumenau) zu Karle 
(Karlsbmnn) als Filialen gehörten. 

') Urkunde ebcnil. Genannt werden : Lussdorf, Tatenice, Schönwald, Zot- 
kittl, Hohenstein, Adplfsdorf, Schömberg, Schreibersdorf;» Odendorf, Zabreh. 
Ruda, Fokelsdorf^ Niklas, Merzdorf, Johnsdorf, Harbartic, Goldstciu, Alt- 
stadt, Richardsdorf, Ullersdorf, Losyn, Markersdorf, Zöptau (Sobdtin). 
Bludow, Reimarstadt (llömerstadt), Rezkow, Morawic, Tcchanow, Alben- 
dorf, Tylendorf, Lomnitz. — 

') Jelinek bist, mesta Litomydlc, cit. Bulla Clementis dd. 6. Mai 134G, 9. 
Mai 1347. 



112 

dem Bischöfe zugewiesen: die Stadt LeitomySl, die Dörfer Eoc- 
bifow (Ketzelsdorf), Karlsbrunn, Leznik, Sedlikow (Pohora), Kalistä, 
Tfemoäna, Sebranic, Lauterbach, Lubna, Kozlow, Tfitez, Siroky dul 
(Breitenthal), Semauy, La^any, Moraäice, Aigezd, Pazucha, Zmetin, 
Rez, Mikulft, Bohöowic, Osek; Wälder bei Jansdorf, Wysoka, 
Ketzelsdorf, Obersaar; die Wiesen Dlauhy und jene bei De§na und 
Cerekwice; die Flussfischerei zwischen Leitomyäl und Hohenmaut ; 
die zur Zeit noch verpfändeten Dörfer Sefc, ChotSnow, Nedoäin, 
Bohiiowic, Osyk und Hruäowa, btrakow, Jansdorf und Kwßtna; 
endlich auch bedeutende Jahreszinsungen in einigen der genannten 
und benachbarten Ortschaften. — Dem Capitel und Convente hin- 
gegen wurden zugewiesen: Die Dörfer Dittersdorf, Abtsdorf, Stfenic, 
die Höfe Wlkow und Zahaje mit Zubehör, Mühlen in HruSowa und 
Lauterbach, Waldungen bei Policka und Lubna, Wiesen bei Ne- 
duSin, Mikul6 und Abtsdorf, die Fischerei fm Bache Deäna bis 
Cerekwic und überdiess unterschiedliche Unterthanen und Zinsun- 
gen in der Gegend. *) — 

3. Bischof Johann I. hatte mit der ersten Einrichtung seines 
Bisthums vollauf zu thun, als dass es ihm auch noch möglich ge- 
wesen wäre, sich nach Aussen hin einen Namen zu machen. Dennoch 
verdankte ihm die neue Stiftung bereits zwei kostbare Privilegien, 
die er von Karl IV. zu erwerben wusste: Die Exemtion der bischöf- 
lichen Güter von den Landesgerichten ^) und die Befreiung der 
Stadt LeitomySl von der Landessteuer zu dem Zwecke, dass selbe 
mit gehörigen Mauern befestigt werde. ^) Johann starb bereits im 
J. 1353 und wurde in seiner Kathedrale „S. Maria am Ölberge'' 
begraben. ^) 

4. Sein Nachfolger wurde Johann vonNeumarkt. Geboren 
zu Neumarkt (novum Forum) bei Breslau aus niedrigstem Stande, 
hatte er sich durch seine Gewandtheit und Gelehrsamkeit zum 
königlichen Kaplan und Protonotar am Hofe Karls IV. emporge- 
schwungen und zugleich die Canonikatswürde in Olmütz und Breslau 



') Ebendaselbst S. 109-112. Ürk. dd. 16. Okt. 1347. 
*) ürk. 18. J&ner 1347. 
') ürk. 4. Mai 1351. 

*) Jelinek bist, mösta Litomysle 119. An der Stelle der ehemaligen Kathe- 
drale steht jetzt die Kirche der Piaristen. 



113 

erlangt. Zum Bischöfe ernannt und geweiht blieb er dennoch am 
Hofe des Kaisers und wurde als Reichskanzler der Vertraute und 
Lenker seiner gesammten Diplomatie. Wir finden ihn auch 1355 
als Begleiter des Kaisers auf dem Römerzuge. -) Diese andauernde 
Abwesenheit von seinem Bischofsitze machte die Bestellung eines 
Generalvikars in der Person des Wyäehrader Domherrn Nikolaus 
von Pilgram noth wendig, während sein Bruder Mathias von 
Neu markt als geweihter Bischof von Tibur die bischöflichen 
Weiheakte besorgte. ^) Übrigens erwies sich Bischof Johann auch 
als liebender Vater seiner Diöcese. Er stiftete zu Leitomy§l ein 
Augustinerkloster, dessen Kirche schon am 29. September 1357 
eingeweiht werden konnte. *) Er baute 1360 die Kirche zur Erhö- 
hung des h. Kreuzes, in Leitomy§l grossartig aus und dotirte selbe 
auf das Freigebigste. Er erkaufte auch (H. Jänner 1358) vom 
Kloster Königsaal die Herrschaft Landskron (mit Wildenschwert. 
Bohmisch-Trübau, Gabel, Woitsdorf, Weipersdorf, Johnsdorf, Roth- 
wasser u. a.) und vereinigte dieselbe mit dem Bisthume. ') Es 
gelang ihm auch, die mit dem Bischöfe und dem Domstifte in 
Ohnütz wegen einiger Besitzungen entstandenen Streitigkeiten für 
immer auszugleichen. ^) Am 12. Juli 1364 wurde er selbst auf den 
BischoCstuhl zu OlmQtz berufen, wo er am 23. December 1380 
das Zeitliche segnete. Seine Grabstätte aber fand er wieder in 
Leitomyäl — in der von ihm gestifteten Augustinerkirche. Ausser 
seinen diplomatischen Briefen, die er als Reichskanzler in fünf 
Sprachen schrieb, verfasste er auch einige juridische Werke; 
seinen schönsten Nachlass aber — ein voluminöses Reisebrevier 
von 319 Pergamentblättern unter dem Titel „Liber viaticus dni 
Joannis Lutomyslensis epi imperialis cancelarii'' besitzt das böhmische 
Nationalmuseum. Jedes Blatt trägt das LeitomySler Bischotswappen ; 
uebstbei finden sich zahllose wunderliebliche Miniaturbilder; das 



') Pekel Gesch. Karls IV. 333, Jelinek 119. 

') Pelzel 1. c. Jelinek 123 &c. 

') Lib. erect. 1. R. 2 neunt ihn episc. Tribuuieusis, frater germaiius Joannis 

ep. Litom. Vgl. Jelinek 119, 120. illust. Cbron. I. 150. 
') Jelinek 125-127. 
*) Jelinek 141 &c. 
*) Jelinek 155 <fcc. 111. Cbron. 1. 150, 151. 

8 



114 

Blatt 69 aber zeigt uns den Bischof selbst knieend vor der Krö- 
nung Manens. 

§. 126. ForlsetzHiig. Die BischSfe NioolaDs^ Albert nnd Peter. 

1. Zum Nachfolger des Bischofs Johann wurde der Prager 
Dompropst und kaiserliche Reichskanzler Nico laus ernannt; doch 
dieser starb bereits am 6. August 1364, ohne von der neuen Würde 
Besitz genommen zu haben.*) Daher bestieg nun Albert von 
Sternberg den bischöflichen Stuhl zu LeitomyöL Ein Sohn des 
edlen Stephan von Sternbei'g — hatte er sich frühzeitig dem 
geistlichen Stande gewidmet und hatte bis zum Jalire 1353 bereits 
die Dekanatspfründe des Olmützer Domkapitels erlangt. ^) Hiemit 
vereinigte er alsbald das Dekanat des WySehrader CoUegiatstifts *) 
und wurde Karls IV. vertrauter ßath. Durch Empfehlung seines 
kaiserlichen Gönners wurde er im Jahre 1356 Bischof von Schwerin 
in Mecklenburg, ohne aber desshalb den kaiserlichen Hof zu ver- 
lassen; dennoch rühmte man ihm dort das Verdienst nach, mehrere 
losgerissene Besitzungen wieder an das Bisthum zurückgebracht 
zu haben. Da er wegen Unkenntniss der niederdeutschen Mundart 
nicht leicht hoffen konnte, in seiner Diöcese Erhebliches zu wirken, 
so resignirte er im Jahre 1364 auf sein Bisthum und erwirkte 
seine Transferirung auf den eben erledigten Stuhl zu Leitorayäl. *) 
Hier bestellte er einen gewissen Heinrich Bischof von Croa- 
tien zu seinem Generalvikar und den geschäftsgewandten Ji- 
öiner Pfarrer Nikolaus zu seinem Otficial. Wenn er, nun 
diesen Beiden zunächst die Besorgung der Diöcesangeschäfte über- 
liess, so werden doch auch einige unmittelbare Verdienst^e Alberts 
aus dieser Zeit erwähnt. Bis zum Jahre 1366 hatten nämlich 
Bischof und Domkapitel in Leitomysl gemeinschaftliche Wohn- und 
Wirthschaftsgebäude. Bischof Albert nahm nun eine Scheidung in 
der Art vor, dass dem Kapitel die sogenannte alte Residenz nebst 
Zugehör überlassen wurde, wogegen die nordwärts gelegene neue 



^) Ebend. 151. 

*j Pesina phosph. 606, 607. 



^) Bocek cod. dipl. ucnnt als solchen urkundlich zwischen 1253 und 1356. 

*) Hammergchmidt glor. eccl. Wyseh. 573. 

") Torquati scr. archiep. Magdeb. (Menken III. 899). Wetzer IX. 865, 866. 



115 

Residenz sammt Nebengebäuden dem Bischof zu verbleiben hatte. *) 
Er ordnete auch die strittigen Gränzen zwischen den Waldungen 
des Kapitels und des Klosters Opatowic. *) Dem berühmten Abte 
des letztern, Neplacho, war er derart gewogen, dass er diesem zu 
Liebe das Kloster mit grossen Wohlthaten bedachte, — wogegen 
dasselbe wieder zu steten Jahrgedächtnissen für den Bischof und 
seine Kapitularen sich verpflichtete. *) Nach dem Ableben des be- 
rühmten Dietrich von Kugelweit, wurde unser Bisehof Albert von 
Sternberg auf die Empfehlung des Kaisers und durch Provision 
des Papstes auf den erzbischöflichen Stuhl von Magdeburg er- 
hoben. Doch war ihm mit der neuen Würde kein besonderes 
Glück beschieden. Einige Besitzveräusseruitjj^en zu Gunsten seines 
kaiserlichen Gönners machten ihn bald missliebig, mindere Kenntnis^ 
der Volkssprache* Hessen ihn nicht recht heimisch werden, Zer- 
würfnisse mit der Magdeburger Bürgerschaft verbitterten ihm das 
Leben. In Folge dessen erbat er sich schon im Jahre 1372 die 
Erlaubniss, sein Erzbisthum wieder mit dem Bisthume in LeitomySl 
vertauschen zu dürfen. *) 

2. In LeitomySl hatte indess Peter Gelyto den bischöflichen 
Stulil bestiegen. Von armen Eltern im Dorfc Nieder - Jansdorf 
(TfesAowec) bei Landskron geboren, ') hatte er erst mit grossen 
Entbehrungen die niederen Studien im Vaterlande durchgemacht, 
war dann nach Bologna und Rom gezogen und hatte sich dort den 
Rang eines Magisters im kanonischen und weltlichen Rechte er- 
worben. Durch seine ausgezeichneten Kenntnisse wurde er ein 
Günstling des Papstes Innocenz VI., Rath der Curie und im Jahre 
1355 durch päpstliche Provision Bischof von Chur in Graubünd- 
ten. Doch fiel sein dortiges Wirken in eine sehr unglückliche Zeit. 
Die Herzoge von Österreich kämpften damals um die Landeshoheit 
über die Besitzungen des Churer Bisthums, und zwar mit solchem 
Erfolge, dass der neue Bischof im Jahre 1360 alle seine Burgen 
überliefern und sich selbst ausser Landes mit einer massigen Pen- 



^) Jelhika bist. Litomysl. cit. dipl. ex mcmor. Litomysl. 
*) Ebend. p. 172. 
») Ebendaselbst 171. 

') Torqnati ser. arcblep. Magd. (Menken 111. 400.) 

*) Jelinka bist. Litomysl. Torquatns in ser. arcbiep. Magd, nennt ibn da- 
gegen Petnis de Bruna. 

8* 



116 

sion begnügen musste. *) Seitdem finden wir unsern Peter am Hofe 
Karls lY., dessen Vertrauen er alsbald durch treue Dienste zu 
erwerben wusste. ^) Als daher im Jahre 1368 durch die Beför- 
derung des Albert von Sternberg der bischöfliche Stuhl zu Leitomyäl 
erledigt wurde, gelangte Peter auf kaiserliche Empfehlung durch 
päpstliche Translation zur Regierung dieser Diöcese. Hier verewigte 
er schon im Jahre 1371 sein Andenken durch die Stiftung und 
reiche Dotirung eines Augustinerchorherren - Stiftes zu Lands- 
kron. ') Doch schon im Jahre 1372 verliess er den neuen Bischof- 
sitz wieder, in dem er auf die dringende Bitte Alberts von Stera- 
berg und mit Gutheissung des Papstes sein bescheidenes Bisthum 
mit dem Erzbisthume Magdeburg vertauschte. Aber auch ihm 
wollte es in dem neuen Wohnsitze keineswegs gefallen. '*) Als im 
Jahre 1380 der berühmte Olmützer Bischof Johann von Neumarkt 
das Zeitliche gesegnet hatte, erbat und erlangte er die Versetzung 
nach Olmütz. Hier erwarb er sich noch das doppelte Verdienst, 
dass er die Feste Dj^ew£i£ für das Bisthum und noch einige Besitzun- 
gen für sein Chorherrenstift in Landskron ankaufte. In letzterem 
starb er endlich am 12. Februar 1387 und fand daselbst auch seine 
letzte Buhestätte. ') 

3. Im Jahre 1372 war, wie bereits erwähnt wurde, Albert 
von Sternberg auf den bischöflichen Stuhl von LeitomySl zurück- 
gekehrt. Von da an scheint er alle ehrgeizigen Bestrebungen auf- 
gegeben zu haben ; nur fromme Stiftungen werden noch von ihm 
erwähnt. Schon im Jahre 1371 (noch als Erzbischof von Magdeburg) 
hatte er den Bau eines neuen Klosters der Augustiner-Chorheiren 
in seinem Heimatsorte Sternberg in Mähreu begonnen. Jetzt 
legte er noch die letzte Hand an dieses heilige Werk. Kaum war 
er damit fertig geworden, so gründete er wieder im Jahre 1376 
ein Karthäuserkloster zu Trzek bei LeitomySl und führte eine 
Kolonie der Prager Karthäuser in dasselbe ein. *) Im Jahre 1379 



») Daniberger XV. 4(W. 
*) Vgl. ebcudaaelbBt 40b -800. 
') Näheres davon au gehörigem Orte. 

*) Er, erbaute in Magdeburg die Kapelle S. Gaugolf am Fusse der Bischofs- 
burg. (TorquatuB 1. cit.) 
') Jelinka bist. Litomysl. 1. p. 183. Hier auch seine lat. Grabschrift. 
•) Näheres später am betreffenden Orte. 



117 

übergab er noch die Stadtpfarre in Chrudim dem Benediktiner- 
stifte Bfewnow. ') Am 14. Jänner 1380 rief ihn der Tod ins ewige 
Leben. Die irdische Hülle wurde in der von ihm erbauten Kloster- 
Kirche in Sternberg beigesetzt. *) 

§. 127. Bdlimons Melropolileii vom Jahre 1200 bis zur ErricIilDiig Aes 

Prager Erzbislhnms. 

1. Der Tod des Kaisers Heinrich VI. hatte in Deutschland 
zunächst eine zwiespaltige Königswahl und diese wieder die gleich- 
zeitige Erwählung zweier Erzbischöfe auf den erledigten Stuhl in 
Mainz zur Folge. Einerseits wurde im Beisein des neuen Königs 
Philipp von einer theils hohenstaufisch gesinnten imd theils ein- 
geschüchterten Majorität des Domkapitels der bisherige Bischof 
Lupoid von Worms gewählt; anderseits aber gaben drei mit 
der unfreien Wahl nicht einverstandene Kanoniker, die nach Bin- 
gen geflüchtet waren, ihre Stimmen dem bisherigen Propste von 
WySehrad und zu St. Peter in Mainz — Siegfried von Eppen- 
stein. Letztere zählten hiebei ebenso sehr auf den Beistand des 
böhmischen Königs, dem ihr Erwählter als böhmischer Landeskanzler 
befreundet war, als auf die Hülfe des -zweiten deutschen Königs 
Otto IV. Papst Innocenz HI. entschied sich ebenfalls für Siegfried, 
dieses Namens des zweiten, da Lupolds Wahl als eine ungehörige 
erkannt wurde. Dennoch gelangte Siegfried vorläufig nicht zur 
Regierung. Die siegreichen Waffen des Königs Philipp schützten 
den Lupoid von Worms, und der rechtmässig konfirmirte Metro- 
polit sah sich genöthigt, nach Rom zu flüchten. Hier war es, wo 
er im Jahre 1204 den Bestrebungen Pfemysl Ottokar's I. zur Er- 
richtung eines böhmischen Erzbisthums im Interesse seiner eigenen 
Metropolie so standhaft entgegentrat, dass der Plan endlich aufge- 
geben werden musste. ') Erst das Unterliegen der hohenstaurschen 
Partei in Deutschland durch die Ermordung Philipp's von Hohen- 
staufen führte unseren Siegfried — der mittlerweile in Rom Car- 
dinalbischof von Sabina geworden war — nach Mainz zurück, wo 



*) Jelinka bist. Litom. 187, 192, 194. 
-) Ebendaselbst 195. 
») Vgl. $. 97. 



118 

er im Jahre 1208 von Volk und Klerus jubelnd aufgenommen 
wurde. Seinem Gegner Lupoid erwirkte er, dass er wieder auf den 
bischöflichen Stuhl nach Worms zurückkehren durfte. Aber die 
Tage der Bewegung hatten für Siegfried eben noch nicht aufgehört. 
Als treuer Anhänger des apostolischen Stuhles musste er im Jahre 
1211 den Bann gegen Kaiser Otto IV. verkünden und in Folge dessen 
wieder eine Zeit lang als Flüchtling ausserhalb seiner Diöcese 
weilen. Mit Freuden begrüsste er daher die Ankunft Friedrich's II. 
von Hohenstaufen in Deutschland. Unter dessen Schutze kehrte er 
im November 1212 wieder nach Mainz zurück und leistete dort in 
zahlreicher Versammlung von Fürsten -und Bischöfen dem neuen 
Könige den Eid der Treue. Er blieb nun die festeste Stütze 
Friedrich's, so lange dieser den Frieden mit Rom bewahrte. Dies 
dauerte bis 1227, wo Friedrich trotz des unter Herausforderung 
des Kirchenbannes eingegangenen Vertrages von S. Germano den 
oftmals eidlich versprochenen Kreuzzug unterliess. Da musste Sieg- 
fried im Auftrage des Papstes Gregor IX. neuerdings den Bann 
über ein deutsches Ileichsoberhaupt verkünden, der erst am 28. 
August 1230 in feierlicher Weise wieder gelöst wurde. Si^ried 
starb in diesem letzteren Jahre. ') — Es ist nicht unwahrscheinlich, 
dass Erzbischof Siegfried schon zur Zeit des Bischofs Daniel unser 
Böhmenland besuchte (1:^08-1211, 1212-1214). Musste ihm doch 
daran gelegen sein, dass man nicht neuerdings in Ermanglung 
seiner Visitation die Nothwendigkeit eines eigenen böhmischen Erz- 
bisthums betone. Sicher intervenirte er im J. 1208 in dem Schei- 
dungsprozesse Pfemysl Ottokars als päpstlicher Richter zugleich 
mit dem Erzbischofe von Magdeburg. *) Unter dem Bischöfe Andreas 
aber sehen wir ihn schon wieder in die kirchlichen Angelegenheiten 
Böhmens eingreifen. Damals behob er nämlich im Jahre 1217 auf 
Ansuchen des Königs und gegen sichere Garantien das vom Bischöfe 
über das ganze Land verhängte Interdict. Er musste aber seine 
Verfügung auf päpstlichen Befehl sofort wieder zurücknehmen. ^) 
Im Jahre 1225 finden wir ihn wieder in einiger Verlegenheit 



') Hirsche], Gesch. des Bisth. Mainz, Joannis Latomi. cat. archiep. Mag.. 

Räumer G. d. Hohenstaufen. 
-) Epist. Innoc. ad archiep. Mag. Erben reg. 234. 
») Vgl. 8. 100. ürk. firben reg. 272. 



119 

oiisereä Vaterlandes wegen. Diessmal hatte er vorschnell den illegal 
gewählten Propst Peregrin als Bischof koniirmirt und konsekrirt 
und dafür eine ernste Zurechtweisung vom Papste Honorius IIL 
erhalten. Da hatte er nun nichts dringenderes zu thun, als den 
Bischof zur persönlichen Vorstellung in Rom zu zwingen, die aber 
dennoch unterblieb, weil Peregrin indess auf unmittelbares Ein- 
schreiten des Cardinallegaten Konrad auf das Bisthum resignirte. ') 
Im Jahre. 1228 weilte Siegfried wieder persönlich in Böhmen, zu- 
nächst um auf Ansuchen des Königs den jungen Prinzen Wenzel 
zu krönen. Bei dieser Gelegenheit erwarb er vom „altern und 
jüngern^^ Könige zugleich ein förmliches Privilegium, dass das 
Recht der Königskrönung stets nur dem Mainzer Erzbischofe als 
Metropoliten zustehe und nur in dessen Verhinderung ein anderer 
Bischof zu diesem Geschäft postulirt werden dürfe. ^) Siegfried 
benutzte übrigens seinen diesmaligen Aufenthalt in Böhmen auch 
zu dner K i r c h e n v i s i t a t i o n , *) bei welcher unzweifelhaft 
die Statuten des grossen germanischen Nationalconcils vom Jahre 
1225 in Durchführung gebracht wurden. Sie betrafen vorzüglich die 
Simonie und die geschlechtliche Unenthaltsamkeit. Iliebei muss aber 
zur Ehre des deutschen und beziehungsweise auch des böhmischen 
Klerus hervoi^ehoben werden, dass auf diesem Concile die Unent- 
haltsamkeit bereits nicht mehr, wie ehedem, ein Verbrechen der 
Mehrheit, sondern nur noch Einzelner genannt wurde. *) Diese Sta- 
tuten gingen nachmals in die Statuta Ernesti über. ') Im Jahre 
1230 fand bereits eine neue erzbischöfliche Visitation im Lande 
Statt, wobei sich aber Siegfried der Hülfe des strengen Domini- 
kaners Daniel bediente. Über diesem Geschäfte erkrankte der greise 
Oberhirt in Erfurt und starb daselbst am 5. September 1230. ^) 

2. Auf dem Mainzer Stuhle folgte der gleichnamige Neffe des 
hingeschiedenen Metropoliten — Siegfried III. von Eppen- 
stein (1231—1249). Auch er war gleich seinem Vorgänger der 
treueste Anhänger des apostolischen Stuhles. So stand er auch treu 



') Vgl. §. 102. Urk. Erben reg. 819. 

^) ürk. Erben reg. 337. 

») Urk. Bofcek IL 29, 30. • 

') Schannat conc. Germ. III. 520 u. s. f. 

^) Vgl. §. 122. 

•*) Damberger X. 97. 



120 

und selbst gewaffnet dem Kaiser zur Seite, so lange dieser nicht 
die Fahne offener Feindschaft gegen die Kirche erhob. Ja als 
Papst Gregor IX. neuerdings am 20. März 1239 den Bann wider 
Friedrich wegen fortwährender Verfolgungen aussprach, stand Sieg- 
fried wenigstens noch an des jungen Konrad Seite, der nunmehr 
als König im Namen seines Vaters das deutsche Reich verwaltete. 
Erst als das Concil von Lyon um 1245 wegen unerhörter Gewalt- 
thaten gegen die Kirche, vieler Einbrüche und anderer Verbrechen 
die förmliche Absetzung Friedrich's ausgesprochen hatte, liess er 
sich durch den päpstlichen Legaten Philipp von Ferrara bewegen, 
die Wahl des Heinrich Raspe zum Könige Deutschlands durch- 
zusetzen. Ein Gleiches that er nun auch nach Heinrich's Tode zu 
Gunsten Wilhelms von Holland. Noch hatten die in Folge dieser 
Schritte entstandenen Kämpfe in Deutschland nicht geendet, als 
Siegfried UI. am 9. März 1249 zu Bingen verschied. Sinnig steUt 
ihn sein Grabmal dar, wie er mitten zwischen Heinrich Raspe und 
Wilhelm von Holland steht und beider Kronen hält. ') — In kirch- 
licher Beziehung war Siegfried einer der eifrigsten Oberhirten. Er 
hielt nicht weniger als sieben Provinzialconcile, in denen er Zucht 
und Ordnung der Klerisei aufs Beste zu heben suchte. Von Wich- 
tigkeit war zunächst die Mainzer Synode vom Jahre 1233, in wel- 
cher Strafbeschlüsse über die eben nach Deutschland herüberge- 
kommene Sekte der Albigenser gefasst wurden. Im Jahre 1239 
wurde der nun vollendete Mainzer Dom konsekrirt und bei diesem 
Anlasse abermals eine Synode mit den geladenen Suifraganbischöfen 
abgehalten. Ein Ähnliches geschah im Jahre 1243 bei Gelegenheit 
der Consekration der grossen Münsterkirche. Von besonderem 
Interesse ist aber das im Jahre 1246 zu Fritzlar abgehaltene Pro- 
vinzialconcil, dessen Anordnungen ebenfalls in die Rechtspraxis 
Böhmens übergingen und nachmals in wenig veränderter Form 
durch die Statuta Ernesti republicirt wurden. ') — Was unmittel- 
bar unser Vaterland betrifft, so lassen sich bei der Dürftigkeit der 
auf uns gekommenen Nachrichten damaliger Zeit ') regelmässig 
vorgenommene Kirchenvisitationen Siegfried's allerdings nicht nach- 



') Räumer, Hohenstaufeu. Damberger 10 v. O. 
') Schannat conc. Germ. III. 543, 568, 571 n. s. f. 
») Vgl. Palack>^ IL' 107. 



121 

weisen, können aber bei dem bekannten kirchlichen Eifer Siegfried's 
vorausgesetzt werden. Dies ist zunächst im Jahre 1236 der Fall, 
wo er zur Wahlprüfung und Weihe des Bischofs Bernard persönlich 
nach Prag gekommen war. >) Eben so lässt sich diess im Jahre 1240 
annehmen, wo Siegfried erwiesener Massen das Olmützer Bisthum 
visitirte und sich veranlasst fand, den alterschwachen Bischof zur 
Resignation zu bewegen, mehrere Kanoniker abzusetzen und der 
Diöcese in der Person des Konrad von Friedeberg einen neuen 
Oberhirten zu geben. ') Eine Visitation Böhmens musste da zuvor 
geschehen sein; denn wir kennen bereits die Verlegenheiten, die 
dem Metropoliten aus seinen Obnützer Verfügungen erwuchsen, 
so dass eine darauf folgende Visitation in Böhmen nicht leicht ge- 
schehen konnte. Es folgte nämlich die Wahl eines Gegenbischofs, 
den König Wenzel schützte, ein förmlicher Prozess in Rom und 
endlich auf dem Concile zu Lyon im Jahre 1245 die Absetzung der 
beiden Bisthumsrivalen und die Ernennung des nachmals so be- 
rühmten Bruno von Holstein und Schaumbnrg. ^) 

§. 128. Fortsetzung. 

L Nach Siegfried's Ableben wurde zunächst der Kölner Erz- 
bischof Konrad Graf von Hochstetten auf den Mainzer 
Stahl postulirt; da aber dessen Übersetzung vom päpstlichen 
Stuhle nicht zugelassen wurde, so bestieg noch im selben Jahre 
der bisherige Mainzer Dompropst Christian IL — obwohl wi- 
derstrebend — den erzbischöflichen Sitz. Von Jugend auf dem 
geistlichen Stande angehörig und stets von musterhafter Frömmig- 
keit erfüllt, war er in solchem Grade ein Mann des Friedens, dass 
er nicht zu bewegen war, gegen die eben damals überhandnehmen- 
den Plünderungen und. Verwüstungen im Mainzer Lande einige 
Strenge zu gebrauchen. Da kamen denn von allen Seiten und 
selbst vom deutschen Könige Wilhelm ernste Klagen nach Rom, 
die schliesslich die Resignation des Erzbischofs zur Folge hatten 
(1251). ^) 



») Vgl. §. 104. 

-) Vgl. ebend. u. Palack^ IL' 124. 

') Vgl, §. 104. 

*) Latomi cat. archiep. Mag. Damberger, Hirschel u. A. 



122 

2. Sein Nachfolger wurde Gerhard I., Wild- und Rhein- 
graf zum Steine (1251—1259), angeblich Minoritenbruder zu 
Erfurt, seiner Weihe nach erst Subdiakon und im blühendsten 
Jünglingsalter. Dieser hatte die Führung der Waffen noch nicht 
verlernt und that nun dessen wieder zu viel, was sein Vorfahrer 
zu wenig gethan hatte. Nicht zufrieden, dass er sein Erzstift gegen 
alle Gewaltthätigkeiten weltlicher Herren kräftig schützte, liess er 
sich auch in eine, Fehde seiner Verwandten mit dem Herzoge 
Albrecht von Braunschweig ein (1256). Hiebei kam er in die Ge- 
fangenschaft und wurde erst nach Jahresfrist vom neuen deutschen 
Könige Richard wieder ausgelöst, um bald darauf — im Jahre 
1259 — das Zeitliche ftkr immer zu verlassen. — Übrigens war 
Gerhard auch eifrig in seinen geistlichen Sachen. Er hielt zunächst 
eine Provinzialsynode im Jahre 1256, in welcher scharfe Strafbe- 
stimmungen gegen die Verletzer kirchlicher Personen und Güter 
erlassen wurden, *) und eine andere kurz vor seinem Tode im 
Jahre 1259, wo treffliche Vorschriften über die Sitten der Welt- 
und Klostergeistlichen beschlossen wurden. ') Letztere exequirte er 
auch mit Ernst und Strenge. Überdiess wird ihm auch die grösste 
Freigebigkeit gegen die kirchlichen Institute seiner Diöcese nach- 
gerühmt. •*) Von einem persönlichen Besuche desselben in Böhmen 
finden wir nichts erwähnt. Selbst die Wahlprüfung und Weihe des 
im Jahre 1258 neugewätulten Bischofs Johann UI. liess er durch 
Bruno von Olmütz als seinen Stellvertreter vollziehen. *) Wir wer- 
den nicht irren, dass die damals allgemeine Unsicherheit aller 
Wege (es war eben der Höhepunkt des berüchtigten Inter- 
regnums und die Blüthezeit des Faustrechts) ihn zu Mainz 
zurückhielt. **) 

3. Noch im Jahre 1259 erwählte das Mainzer Domkapitel 
seinen bisherigen Propst Werner Grafen von Falke n- 



>) Ebeud., Hii'schel G. v. Mainz, — Lebensbeach. der Bischöfe u. Enbiscböfe 

zu Mainz v. C» S. T. v. H. 
*) Schannat conc. Germ. III. 586. 
°) Hirschel 1. c. 
') £bend. 
») Vgl. §. 109. 
•) Vgl. die von Karl geltend gemachten Gründe zur Errichtung der Prager 

Metropole. §. 120. 



123 

stein zum Metropoliten (1259—1284). Dieser zog gleich nach 
seiner Wahl persönlich nach Rom, um dort aus den Händen des 
Papstes die Confirmation und das erzbischöüiche Pallium zu empfan- 
gen. Auf dieser Heise, die gerade in die Zeit der ärgsten Partei- 
kämpfe und Fehden fiel, nahm er das sichere Geleite des Grafen 
Iludolph von Habsburg und wurde dabei von dessen ausge- 
zeichneten Eigenschaften derart eingenommen, dass er nachmals 
bei der Kaiserwahl des Jahres 1273 alle Wahlstimmen auf den 
ritterlichen Herrn in den schweizer Bergen lenkte. Auch Erzbischof 
Werner wusste sein Hochstift kräftig gegen alle Vergewaltigungen 
anruhiger Grossen zu schützen* und wirkte nachmals redlich mit, 
um den Landfrieden des neuen Kaisers Kudolf zur allgemeinen 
Achtung zu bringen. ') — Eben so thätig erwies er sich in der 
Regierung seiner Kirche. Sein erstes Provinzialconcil vom Jahre 
1261 erneute und ei^änzte die frühern Statuten von Fritzlar und 
hob in erfreulicher Weise die Würde der Gottesdienstes und die 
Sitten der Geistlichkeit. ^) Im Jahre 1267 betheiligte er sich an 
dem grossen Nationalconcile zu Wien unter dem Vorsitze des Car- 
diaallegaten Guido, wo nochmals die heilsamsten Bestimmungen 
zur sittlichen Hebung des Klerus eingeprägt, aber auch sehr scharfe 
Gesetze gegen die Juden erlassen wurden. ^) Dass Werner es auch 
an der nöthigen Ausführung der Synodalbeschlüsse nicht fehlen liess, 
verbüi^ seine musterhafte Gewissenhaftigkeit. Diese leuchtet in 
schönster Weise aus der Thatsache hervor, dass er in seinem Erz- 
stifte mehrere herkömmliche Zölle, die er nicht für gerecht hielt, 
aufhob und sogar beim Papste die Absolution von alienfälligen 
Strafen nachsuchte, die er durch den bisherigen Bezug solcher 
Einkünfte sich zugezogen haben könnte. *) — In Beziehung auf 
Böhmen war Werner zufrieden, dass für den Fall, wenn der je- 
weilige Mainzer Erzbischof nicht konfirmirt wäre, der Prager oder 
Olmützer Bischof die Königskrönung vollziehen sollten. *) Im De- 
cember 1261 zog er persönlich in feierlichster Weise -nach Prag 



') Latomi cat., Hirschel u. A. 

^) Schannat III. 696 u. s. f. 

^) Ebend. 632 u. 8. f. Auf diese Judengesetze kommen i^ir später ausfuhr- 

licher zu sprechen. 
«) Hirschel 6. d. St. Mainz. S. 72. 
^; Epist. Alex. non. Octob. 1260. Bocek 111. 281. 



124 

und setzte dem Könige Pfemysl Ottokar im Prager Dome die 
Königskrone auf. Mit glänzendem Geleite zog er dann wieder nach 
Erfurt zurück, nachdem er 18 Tage lang des Königs Gast gewesen 
war. Ohne Zweifel vollzog er in diesen 18 Tagen die erzbi- 
schöiiiche Visitation in Prag. Im Jahre 1268 wehrte er sich im 
Interesse seiner Erzdiöcese gegen die Bestrebungen unseres Königs, 
zu Olmütz ein Erzbisthum für die Slawenländer zu errichten. *) 
Im Jahre -1276 vermittelte er die Aussöhnung Ottokars mit dem 
Kaiser Budqlf im Lager vor Wien. *) Im Jahre 1278 delegirte er 
den Olmützer Bischof Bruno zur Wahlprüfung und Consecration 
des Bischofs Tobias. Eine eigene geistliche Gesandtschaft aus Prag 
hatte diese Begünstigung — beziehungsweise die Dispens des Neu- 
gewählten vom persönlichen Erscheinen in Mainz — mit Rücksicht 
auf die damalige unglückliche Lage Böhmens erbeten. ^) 

4. Nach dem Tode Werners folgte in Mainz wieder eine zwie- 
spaltige Erzbischofswahl. Ein Theil der Wähler entschied sich 
für den damaligen Dompropst von Mainz und Basel, Peter Reich 
von Reichenstein, — ein anderer hingegen für den Neffen des 
Antecessors— Gerhard von Eppenstein, Domherrn zu Mainz 
und Archidiakon zu Trier. Allerdings sollten beide in Kurzem 
die bischöfliche Mitra tragen ; ') diesmal aber drang der Papst Ho- 
norius IV., an welchen die endliche Entscheidung der strittigen 
Wahl gelangte, auf die Resignation beider und berief dafür den Ba- 
seler Bischof Heinrich Göckelmann auf den Metropolitansitz zu 
Mainz. (1286—1288). Dieser, eines Bäckers Sohn aus Isny in 
Schwaben, war als Franziskanerpriester zu Luzern Beichtvater des 
damaligen Grafen Rudolph von Habsburg gewesen und hatte auch 
als Doctor der Gottesgelehrtheit nicht geringen Ruf erlangt. Nach 
Rudolphs Kaiserwahl finden wir ihn als seinen Geheimschreiber 
und schon im J. 1274 durch des Kaisers Empfehlung als Bischof 
von Basel wieder. Im J. 1275 war er zum ersten Male in Böhmen 
— als Gesandter Rudolphs, um den König Ottokar zur Nachgicbig- 



») Vgl. §. 109. 
') Vgl. §. 109 num. 6. 
^) Latomi cat. 
*) Vgl. 8. 112. 

'^) Gerhard wurde später Erzbischof von Mainz, Peter kam sofort als Bischof 
nach Basel. 



125 

keit zu bewegen. Im J. 1276 stand er an der Seite des Kaisers 
im Feldlager vor Wien, Im J. 1278 war er zugleich mit dem Bi- 
schöfe von Seckau des siegreichen Kaisers Bevollmächtigter in 
M&hren und assistirte bei dieser Gelegenheit bei der Consecration 
uiiseres Bischofs Tobias in Brunn. Im J. 1285 zog er wieder als 
kaiserlicher Bevollmächtigter nach Italien, um mit den dortigen 
Städten die Bedingungen der Beichsfreiheit zu unterhandeln. ') Die- 
ser Heinrich nun — von dem niemals abgelegten knotigen Franzis- 
kanergürtel der Bischof Knoterer und Gürtelknopf genannt — be- 
stieg im J. 1286 den erzbischöflichen Sitz zu Mainz. Hier starb 
er allerdings schon am 19. März 1288;, dennoch benützte er diese 
kurze Zeit zu einer neuen Nationalsynode — diesmal zu Würzburg 
(1287) — der auch der böhmische Bischof Tobias beiwohnte. *) 
Hier wurden die strengen Statuten früherer Synoden erneut und 
vermehrt. ^) Dass er auch auf die Befolgung derselben drang, be- 
wies der Umstand, dass er seiner grossen Strenge wegen in Mainz 
keine Liebe gewann. Das hochadelige Domstift zumal konnte es 
seinem »barfüssigen Oberhirten'' (nudipes antistes) nicht verzeihen, 
dass er aus der Bäckerhütte in den Palast des ersten Kurfürsten 
emporgestiegen war. Das Volk hielt ihn gar für einen Zauberer. '*) 

§. 129. Forisetzniig. 

1. Das Mainzer Domkapitel traf auch nach dem Ableben des 
gbarfüssigen Metropoliten^ wieder eine getheilte Wahl. Neuerdings 
wurde der schon einmal gewählte Gerhard von Eppenstein 
von einem Theile der Kanoniker zum Erzbischofe erkoren ; aber 
die Gegenpartei, welche einst den nunmehrigen Baseler Bischof 
Peter Reich von Beichenstein zu ihrem Candidaten gemacht hatte, 
erklärte sich jetzt für Emmerich von Schön eck, Scholasticus 
in Mainz und Propst von Frankfurt. Wieder ging die Sache zur 
Entscheidung nach Rom. Dort war aber indess Papst Honorius 
aus dem Leben geschieden und erst nach einer Sedisvakanz von 10 
Monaten folgte ihm Nicolaus IV. nach. In' dieser Zeit war nun, um 



*) Lebensb. d. Bisch, u. Erzb. p. 829, 330. 
») Damberger XI. 506, 507, 558. 
') Schamiat UI. 746 u. s. f. 
') Latomi cat. 



12H 

den Streit noch mehr' zu verwickeln, Gerhard von Eppenstein von 
einem Theile des Kapitels in Trier zum Erzbischof daselbst gewählt 
worden, während eine Gegenpartei für einen gewissen Bohemund 
sich entschied. Aus diesen Wirren ging endlich durch päpstliche 
Entscheidung Gerhard als Erzbischof von Mainz hervor, dieses 
Namens der zweite. Emmerich wurde bald darauf Bischof in Worms. 
Gerhard IL (1189—1305) zeigte sich so gewandt in weltlichen 
Geschäften, dass es ihm am 10. Mai 1292 gelang, seinen eigenen 
Vetter Adolph von Nassau vom unbedeutenden Grafen ohne 
Widerspruch zum Oberhaupte des deutschen Reiches zu erhebe. 
Dafür überliess sich der neue König anfangs auch der Leitung des 
hohen geistlichen Verwandten. Bald aber suchte er seine hohe 
Stellung lediglich für den eigenen Vortheil auszubeuten, indem er 
den Rechten der Fürsten zu nahe trat, allerhand Unterdrückungen 
sich erlaubte, ganze Länder an sich zu reissen suchte und auch 
sonst argen Ausschweifungen sich hingab. Da war es wieder unser 
Erzbischof Gerhard, welcher im J. 1298 einen Fürstentag zu 
Mainz versammelte und durch diesen den Herzog Albrecht von 
esterreich auf den deutschen Thron erhob. Dieser aber zeigte 
sich bald noch eigenmächtiger als sein Vorgänger und in dem Be-, 
streben, neue Länder an sich zu bringen, stand er ihm nicht nach. 
Da Hess sich Gerhard wieder im J. 1302 in ein Bündniss mit meh- 
reren Reichsfürsten gegen den neuen König ein, der nun verheerend 
an den Rhein vordrang, Bingen zerstörte, das Mainzer Land ver- 
wüstete und endlich den Erzbischof nöthigte, um Gnade zu bitten. 
Gerhard II. starb am 24. Februar 1305. — In kirchlicher Beziehung 
Hess dieser Metropolit kaum etwas zu wünschen übrig. Er war 
es, der zuerst fbrmlicheKirchenrechnungen bei allen einzelnen 
Kirchen einführte. Auch hielt er drei Synoden (1292, 1293, 1301) 
in denen er mancherlei eingeschlichene Missbräuche abstellte, und 
geeignete Gesetze über Lebensweise und Kleidung der Geistlichen, 
über den Besuch des Chores und die Abhaltung des Gottesdienstes 
verkündete. Auch Hess er es an der nöthigen Ausführung der Er- 
lässe keineswegs fehlen. Überdiess verdankte ihm das Erzstift 
eine ansehnliche Erweiterung an Landbesitz und manches kirchliche 
Institut rühmte seine Freigebigkeit. *) — In Böhmen treffen wir 



*) Ilirschel 1. c, Latomi catal. 



127 

diesen Metropoliten zu Pfingsten 1297, wo er am Pfingstsonntage 
(2. Juni) in dem Dome zu St. Veit die Königskrönung Wenzels IL 
vornahm und darauf am 3. Juni der Grundsteinlegung des Klosters 
Königsaal beiwohnte. ') Ein zweiter Besuch wird wenigstens aus- 
drücklidi nicht erwähnt. 

2. Ihm folgte Teter Aichspalter (1306—1320) zu Aichspalt 
oder Asspelt bei Trier von armen Eltern geboren. ') Als junger 
Kleriker hatte er nebst anderen Kenntnissen auch die Heilkunde 
mit besonderem Eifer erlernt und war so frülizeitig der Leibarzt 
des Grafen Heinrich von Luxemburg und später (bis 1291) auch 
des Kaisers Rudolph geworden. Von letzterem wurde er auch schon 
zu diplomatischen Sendungen benützt und erhielt bei einer solchen 
in Rom schon im J. 1289 durch päpstliche Provision die Domprop- 
std zu Trier. Da ihn aber das adelige Kapitel zu ^rier als einen 
Bürgerlichen nicht aufnehmen wollte, so wurde er vorläufig durch 
Canonicate in Prag, Wysehrad und Breslau entschädigt. In dieser 
Zeit heisst er auch Pastor Winensis. ^) Nach Kaiser Rudolphs 
Tode finden wir ihn in Prag als Leibarzt Wenzels IL, von welchem 
er im J. 1296 die Propsteien zu Brunn und Wyäehrad erhielt. Ob- 
gleich schon im nächsten Jahre wieder durch päpstliche Provision 
zum Bischof von Basel befördert, blieb er doch Propst von Wy§e- 
hrad und zugleich oberster Kanzler von Böhmen. — In Mainz 
schien es zu dieser Zeit dem Kapitel völlig angethan, in seinen 
Wahlen niemals einig werden zu können. Nach Gerhards H. Tode 
im J. 1305 hatte man wieder einmal die Stimmen auf 2 Wahlkandi- 
daten — Domherren in Mainz — zersplittert. Dies benützte nun 
der damalige Graf Heinrich von Luxemburg — der nachmalige 
Kaiser — , um durch den ihm befreundeten Basler Bischof Peter, 
der einst sein Leibarzt gewesen war, den erzbischöiiichen Stuhl 
für seinen kaum 20 Jahre alten Bruder Balduin zu erbitten. Peter 
Aichspalter zog desshalb wirklich nach Poitiers, wo der ncuerwählte 
Papst Clemens V. eben residirte, und hatte dort das Glück, durch 
seine ärztlichen Kenntnisse dem Oberhaupte der Kirche das Leben 
zu retten. In Folge dessen lehnte Papst Clemens jeden andern 



') Vgl. Palacky IL* 344 u. f. 

^) Daher heisst er auch Peter von As|wlr. 

') Chron. Aulorejr. 878. 



128 

Candidaten ab und verlieh unserem Peter selbst das erledigte Erz- 
stift. Als Erzbisehof von Mainz erbat er schon nach 2 Jahren für 
den jungen Balduin vom Papste das Erzstift Trier, dem Grafen 
Heinrich aber verhalf er bald darauf im Vereine mit Balduin 
zum deutschen König- und Kaiserthrone (1308). Drum blieb er 
auch des neuen Königs einflussreichster Rathgeber, und dieser 
ihm ein stets ergebener Freund. Nach Heinrichs frühem Tode (1313) 
verhalf er wieder Ludwig dem Baier zum deutschen Throne 
(1314), erlebte aber nicht das Ende des siebenjährigen Kampfes, 
den der neue König mit seinem Rivalen Friedrich von Oester- 
reich zu bestehen hatte. Peter starb am 5. Juni 1320. *) -*- In 
seinem kirchlichen Amte war Peter /las Muster eines gewissenhaften 
Oberhirten. Er sammelte alle Provinzialstatuten aus früherer Zeit 
zu einem kirchlichen Gesetzbuche seiner Metropolie und liess dieses 
in einer feierlichen Versammlung von Bischöfen und Prälaten förm- 
lich annehmen. Ausserdem ordnete er noch in zwei andern Pro- 
vinzialconcilen (1313 und 1318) die Verwaltung der h. Sakramente, 
die Sittenzucht des Klerus und die geistliche Gerichtsbarkeit. Er 
visitirte persönlich seine Erzdiöcese und that ein Aehnliches auch 
als Metropolit in den Diöcesen seiner Suffraganen. Er stiftete aus 
eigenen Mitteln die Karthause in Mainz und die KoUegiatkirchen 
zu Oppenheim und Liech. Der Mainzer Kirche schenkte er einen 
kostbaren Thronsessel, den er selbst vom böhmischen Könige Jo- 
hann erhalten hatte. Endlich testirte er noch sein ganzes Vermögen den 
Kirchen, Klöstern, Spitälern und Armen seines Bisthums. In seine 
bischöfliche Verwaltung fiel die Aufhebung der Templer; da war es 
Erzbischof Peter, der auf dem Mainzer Concile des Jahres 1313 
ihre Vertheidigung anhörte und sie schuldlos sprach, und eben 
deshalb hatten sie in den deutschen und böhmischen Ländern 
keine Verfolgungen zu erleiden. ') — Für Böhmen wurde Peter 
Aichspalter einer der grösster Wohlthäter. Wie Vieles hatte er bereits 



^) ClitMii. Aiilureg. 377 u. f. Damberger XI. 558, Latomi catal., Paiacky» 
Tomek u. A. Der Chrouist vou Köuigsaal ueunt ihu persona pusillus, — 
sapieuüa, »cieutia et poteutia magnificus. 

^) Latomi cat., Uirschel ]. c, Damberger u. A. Nebenbei sei auch erwähnt, 
dass unter Peters Regierung der berühmte Heinrich Frauenlob (f 1S18) in 
Mainz vornehmlich zum Lobe der h. Mutter Gottes seine and&chtigen 
Lieder sang. 



129 

als Leibarzt des Königs, dann als Propst von Wygehrad und Kanzler 
des Königreichs daselbst geleistet. Als Erzbischof vollzog er am 
7. Februar 1311 die feierliche Krönung des Königs Johann und 
leitete von da ab auf den Wunsch seines kaiserlichen Freundes für 
den noch unmündigen König die Landesregierung bis zum J. 1314, 
und diess zur allgemeinen Zufriedenheit. In dieser Zeit erliess er 
(3. Juli 1311) auch an den Klerus Böhmens eine strenge Aufforde- 
rung zur Bewahrung der priesterlichen Keuschheit und visitirte 
darauf theils persönlich, theils durch Bevollmächtigte alle Dekanate 
des Landes. Sein Scheiden aus Böhmen im Sommer des J. 1314 
war auch das Ende der glücklichen Jahre, deren sich das Land 
unter König Johann rühmen konnte. ') Drum blieb des Aichspalters 
Name bei unseren Vorfahren stets in hohen Ehren. 

§. 130. Forlsetiviig. 

1. Im J. 1320 postulirte das Mainzer Kapitel endlich einmal 
einstimmig den uns bereits bekannten Erzbischof Bald uin von 
Trier. Doch dieser war dem Papste als allzu eifriger Anhänger 
Ludwigs von Baiern minder genehm. Daher wurde durch päpstliche 
Provision der mehr habsburgisch gesinnte, fromme und gelehrte 
Propst von Luzern Mathias von Buch eck, ein Benediktiner des 
Klosters Murbach in Elsass, zum Metropoliten ernannt. Diess führte 
zunächst zu einem längeren Prozesse der beiden Rivalen, während 
dessen Balduin die Administration des Mainzer Erzstifts in die 
Hände nahm und mit Waffengewalt behauptete. Mittlerweile unter- 
lag Friedrich der Schöne von Oesterreich im J. 1322. Da blieb 
dem Mathias von Bucheck, wollte er je in Besitz seines Erzbisthums 
gelangen, endlieh nichts Anderes übrig, als sich zu den Anhängern 
des siegreichen Ludwig zu schlagen, worauf er im J. 1324 als 
Metropolit in Mainz seinen Einzug hielt. ^) Hier erwarb er sich 
in Kurzem das Vertrauen Aller und den Namen eines der frömmsten 
und seeleneifrigsten Oberhirten. In höchstem Ruhme stand er um 
seiner glänzend bewährten Keuschheit willen. Der Klerisei suchte 
er in einer Synode zu Mainz im J. 1327 einen festen sittlichen 



*) Vgl. §. 114 u. 116. 

') Damberger XIH. 680 u. f. 

9 



130 

Halt in Mitten der Parteikmpfe des Kaiserschisma's, das alsbald 
auch zu einem päpstlichen Schisma führte (12. Mai 1328), zu geben. 
Leider starb er viel zu früh — schon am 10. September 1328. !) 
2. Das Kapitel postulirte nun unverweilt aufs Neue den Erz- 
bischof Balduin von Trier. Aber die Zeit war nun ernster 
als je geworden. Seitdem König Ludwig im Gefühle seines Sieges 
sich zunächst in Italien als politischen Gegner des in Avignon re- 
sidirenden Papstes erklärt hatte, folgte für ihn und seine Freunde 
eine Verlegenheit auf die andere. Vom französischen Hofe gedrängt 
imlun nun der Papst dem deutschen Könige gegenüber Rechte in 
Anspruch, die selbst ein Innocenz III. und Gregor IX. nie gefordert 
hatten. Andefseits aber warf sich König Ludwig unberufen zum 
Protector des uns bereits bekannten Fraticellenthums auf und liess 
sich in dieser Richtung sogar bis zur Einsetzung eines Gegenpap- 
stes (Nicolaus V., 1328) hinreissen. Da gab es bald in ganz 
Deutschland kein Hochstift mehr, in welches sich das so entstandene 
Kirchenschisma nicht ebenfalls verpflanzt hätte. Nahezu überall 
stand deda vom Kapitel erwählten und königlich gesinnten Bischöfe 
ein vom rechtmässigen Papste providirter Oberhirt gegenüber — 
zum grössten Verderben des Klerus und des Volkes, die so beide 
in ihrem Gewissen beirrt wurden. Der postulirte Balduin von 
Trier bwnächtigte sich noch im J. 1328 von Neuem der Admini- 
stration des Mainzer Erzstifts und wusste diese mit den Waffen 
in der Hand zu behaupten. Dagegen war vom apostolischen Stuhle 
Graf Heinrich von Vierneburg, Propst zu Bonn, ein Neffe 
des damaligen Erzbischofs von Köln, zum Metropoliten von Mainz 
ernannt worden (11. October 1329). Für diesen ergriff nun der 
Graf von Leiningen mit andern deutschen Herren die Waffen — 
gegen Balduin und dessen Neffen den König Johann von Böhmen. 
Der Kampf dauerte selbst dann noch fort, als der Gegenpapst 
(Nicolaus V.) sich seinem rechtmässigen Oberhaupte wieder unter- 
warf (1330). Nur wurde der Streit seitdem auch diurch gegensei- 
tige Kläger und Vertheidiger am päpstlichen Hofe zu Avignon ge- 
führt; denn das Mainzer Kapitel hatte den wider ihfen Willen pro- 
vidirten Henrich vieler grober Vergehen beschuldigt, während 
Balduin wieder als gewaltthätiger Usurpator in Untersuchung st*and. 



V Damberger XIV. 53. 



131 

Endlich erfolgte am 28. Februar 1333 die päpstliche Entscheidung, 
dass Balduin den erzbiscböflichen Stuhl zu Mainz seinem Gegner 
einzuräumen habe. ') Doch so schnell fugte sich weder Balduin 
noch das ihm anhängende Mainzer Kapitel, zumal beide durch daf; 
Ansehen des Königs Johann von B&hmen am königlichen Hofe von 
Prankreich vor dem Aergsten geschützt waren. Der Zwist nahm 
erst dann ein Ende, als Heinrich von Viemeburg selbst zur Partei 
des Königs fiberging und in Folge dessen unterm 29. Juni 1337 
die königliche Bestätigung nnd die Zusage- erhielt, dass eine Aus- 
söhnung des Königs mit dem Papste nur unter Einschliessung des 
neuen Erzbischofs und seines Kapitels stattfinden solle. *) Nun 
hielt endlich Heinrich seinen feierlichen Einzug in Mainz. Von nun 
aber zeigte er sich sogar als rficksichtslosesten Anhänger Ludwigs, 
und diess selbst dann noch, als dieser fussend auf den von seinen 
Fraticellen verfochtenen Grundsätzen kaiserlicher Allgewalt sich 
erdreistete, die Ehe Margarethens von Tyrol mit dem jungem 
Johann von Luxemburg zn trennen (1341) und jene Margareth an 
seinen eigenen Sohn zu vermählen. — Zunächst schlug Erzbischof 
Heinrich noch einen gütlichen Weg ein. Er hielt zu Anfang 1338 
eine Provinzialsynode in Speyer, auf der er seine SuJfragane (der 
Prager fehlte) zu einem gemeinsamen Schreiben an den Papst um 
Aufhebung des Bannes und Interdictes bewog. ^) Als aber diese^i 
Mittel ohne Erfolg blieb, betheiligte er sich am 23. Juli an dem 
Rurvereine von Rhense, der dem Papste jedes Recht der Bestäti- 
gung oder Entsetzung eines deutschen Königs absprach. *) Dann 
aber vergass er sich selbst so weit, dass er in Mainz diejenigen 
Klostergeistlichen verfolgte, welche das vom Papste ausgesprochene 
Interdict beobachteten. Die Kanueliter vertrieb er deshalb ge- 
radezu aus der Stadt. *) Im J. 1339 übernahm er vom Könige 
Ludwig auch noch die Administration des Bisthums Worms. Da 
ward er (1340) vom Papste atifgefordert, sich persönlich bei ihnr 
in Avignon zu verantworten, und als er diess unterliess, wurde 



') Damberger XIV. 226—230. 

») Damberger XIV. 412. 

') Ebend. 445. Epist. dd. 27. März 1338. 

*) Ebend. 451, 455. 

^) Ebend. 496. 

9* 



132 

er ain 15. October 1341 suspendirt. ') Desto enger schloss sich 
nun der Erzbischof an den König an, der durch die Tyroler 
Ehesache seine Stellung ganz unhaltbar gemacht hatte. Durch 
eine eigene Verschreibung vom 30. October 1342 versicherten 
sich Ludwig und Heinrich gegenseitige Beschützung fürs ganze 
Leben. -) Da folgte endlich im J. 1345 Absetzung und Bann über 
Ludwig von Baiern, — und da Erzbischof Heinrich noch immer 
nicht zur Besinnung kam, ja sogar noch direct dem apostolischen 
Stuhle bei Ausschreibung einer Türkensteuer den Gehorsam ver- 
sagte, so erfolgte endlich auch seine Entsetzung vom erzbischöfli- 
chen Amte (1346). 

Unser Vaterland Böhmen hatte Heinrich wohl nie gesehen. 
Bis 1327 machte ihm diess sein Kampf um den erzbischöfliclien 
Sitz unmöglich, — seitdem widerrieth es die immer ärger werdende 
Spannung und endlich die oflfene Feindschaft der Luxemburger g^en 
seinen Gönner Ludwig. Seit endlich Erzbischof Heinrich suspendirt 
war, entfiel ohnehin jede weitere Möglichkeit einer Visitation. Von 
da ab (1341) datiren sich nun aber auch die erneuten Versuchern 
Prag ein eigenes Erzbisthum zu errichten. Die päpstliche Bulle 
vom 30. April 1344 trennte endlich Böhmen für immer von der 
Mainzer Metropolie. ^) 



Die geistlichen Institute Böhmens von 1200 bis 1.380. 

§. 131. Das DoBislirt St. Veit. 

1. Die letzteren Decennien des 12. Jahrhunderts hatten in 
Prag und Böhmen das kanonische Zusammenleben in den Domka- 
piteln bedeutend gelockert. Die beweibten Mitglieder hatten sich 
ihren eigenen Haushalt eingerichtet. Söhne reicher Eltern wollten 
sich el)enfalls nicht bequemen, auf die gewohnten Annehmlichkeiten 
des Herrenlebens zu verzichten. Jemehr nun aber die Domherreii- 
pfiründen des Landes zu Versorgungsanstalten der jüngeren Söhne 



') Ebend. 627. 

») S. 608. 

•) Vgl. §. 120. 



1H3 

des hoben Adels wurden, desto leerer wurde allmählig das soge- 
nannte Kapitelbaus, so dass es zuletzt nur nocb deh Domdechant und 
einige untergeordnete Kleriker beherbergte. Diess war nun insbe- 
sondere in Prag der Fall, ^) wo zu Anfang des 13. Jahrhunderts 
die Kanoniker insgesammt ihre abgesonderten Antheile des Kap!- 
telvermögens (praebenda, Pfründe) in ihren eigenen Häusern ver- 
zehrten. •) Um aber auch die Erfüllung der kanonischen Pflichten 
und namentlich den Aufenthalt (residentia) der Kapitularen am 
Sitze des Kapitels mit Nachdruck urgiren zu können, war schon 
langher ein Theil des Kapiteleinkommens zu sogenannten Obedien- 
tiis abgesondert, um daraus den pflichteifrigen Mitgliedern beson- 
dere Emolumente zuzuwenden. ^) Schlimmere Zeiten hatten diese 
Verhältnisse geschafifen; seitdem waren sie zur Regel geworden, 
die nicht mehr leicht abzuändern war. Strengere Kanoniker fanden 
dafür eine Zuflucht in den bereits zahlreich gewordenen Stiftern 
der regulirten Chorherren des h. Norbert und Augustin. — 
In unseren Kapiteln war femer die Gepflogenheit noch nicht ganz 
erloschen, sich mit niedern Weihen zu begnügen. Ein kostbares 
Manuscript des Prager Kapitelarchivs, das Registrum receptionis 
in canonicos eccleciae Pragensis, von 1378 bis 1390 reichend, weist 
noch Fälle auf, dass blosse Diaconi und Subdiaconi ins Kapitel ein- 
traten, sowie auch, dass blosse Minoristen darin sich befanden, *) die 
zeitweilig das Recht zum Austritte und zur Yerehelichung benütz- 
ten. *) Allerdings erfahren wir auch aus dieser Quelle, dass die 
grosse Mehrheit der Kapitularen bereits Priester und viele davon 
wohlverdiente Lehrer der Theologie und des kanonischen Rechts 
und Seelsorger der Diöcese waren. 

2. Die Z ah 1 der Kanoniker des Prager Kapitels war seit An- 
fang des 13. Jahrhunderts' bedeutend gewachsen. Zählte man einst 



') Tomek 419. 

^) Schon 1285 wird des Hauses des Biliner Archidiakons in der Gasse Nebo- 

widy, desgleichen eines Wohnhauses des Prager Archidiakons erwähnt. 

Im J. 1327 heisst es bereits von den Domherren, dass sie in civitate sive 

siibnrbiis Pragensibus wohnen. Tomek 419. 
') Ausser eigenen Oütem, die obedientiae hiessen, gehörten hieher auch die 

Zahlungen, zu denen der Propst verpflichtet war, — im J. 1328 hundert 

Mark. Tomek 420. 
*) Z. B. sogar der 1380 eingesetzte Domdechant Pfibislaw. 
•) Z. B. 1378 der Kanonikus Budiwoj von üjezdec. 



134 

(1090) bereits 25 Domgeiistlicbe, die der Propst Marcus zum kaiio- 
ui^cbeu LebeD vereinte, uad war unter BiBchof Meinhard die Zahl 
der Kanoniker schon auf 30 gestiegen : so weiset dag^en unser 
Begi^trum receptionis im J. 1381 nicht weniger als 55 gleichzeitige 
Domherren namentlich aut> wobei noch bemerkt werden muss, dass 
dabei noch 3 Landarchidiakone und die 3 Inhaber der von Karl IV. 
in$ Prager Kapitel incorporirteu Landpropsteien von Leitmeritz, 
Melnik und Akbunzlau ') niemals genannt werden. Diess in Be- 
tracht gezogen, muss der Stand des Prager Metropolitankapitels zu 
dieser Zeit sicher auf 60 augesetzt werden — ungezählt jene Ka- 
pitularen^ die etwa noch überdiess aus den Kapitelversammlungen 
jener Jahre fern geblieben sind. Die Anzahl der Praebendati 
war aber jedenfalls viel geringer. In einer Urkunde vom J. 1327 
werden einschliesslich der Propstei und Dechantei nur 26 Präben- 
den genannt. *0 Durch die Stiftungen des Bischofs Johann IV. von 
Drazic und des Kaisers Karl IV. stieg ihre Anzahl erweislich auf 
34. Jedoch waren wieder mehrere volle Präbenden je 2 Nutznieaseni 
zugewiesen, so dass das Kapitel auch sogenannte medios praeben- 
datos zahlte. Die Zahl der uon praebendati cum exspectatione 
praebendae war jedenfalls völlig unbeschränkt. ') 

In einem einzigen Jaiire (1381) fanden 8 derartige Neuauf- 
nahmen Statt, — in 4 aufeinander folgenden Jahren (1379—1382) 
deren sogar 24, also otfeubar weit mehr, als Erledigungen einge- 
treten sein konnten. Doch traten diese Neugewählten von nun an 
immer nur „cum exspectatione praebendae^ ins Kapitel. Die Er- 
ledigung einer wirklichen Präbende hatte dann wieder me neue 
Wahl „ad praebendam" zur Folge. •*) 

3. Von einer freien Wahl war in der ganzen Periode von 
1200 bis 1380 keine Rede mehr. Hatten die Päpste schon seit dem 
11. Jahrhunderte es an Empfehlungen (preces) an Bischöfe und 
Kapitel nicht fehlen lassen, um durch Erlangung von Kanonikaten 
tbeils lernbegierigen Klerikern die Möglichkeit weiterer Studien. 



*) Urk. im Leitiii. Cap. Arch. 

') Urk. im Prag. Cap. Arch. Tomek il6. 

Pesina p. 681 nennt 36 Glieder des Kapitels; er irrt aber, weiui er diese 

Zahl für die Gesaromtzahl nennt *und neben 24 praebendatis 6 medios 

praebendatos und 6 non praebendatos aufzählt. 
*) Regist. recept. in can. Kccl. Pr«g. MS. 



135 

tbeils auch verdienten • Geistlichen eine sorgenfreie Existenz zn 
verschaffen: so verwandelten sich jetzt diese Empfehlungen in die 
sogenannten literas provisionis und reservationis. Durch erstere 
wurden die Wähler bei Vermeidung schwerer Kirchenstraf«! ange- 
wiesen, im nächsten Vakanzfalle den Überbringer des päpstlichen 
Schreibens ins Kapitel aufzunehmen. Durch letztere wurde gar die 
nächstfolgende Besetzung zu Gunsten des empfohleneir Candidaten' 
vom apostolischen Stuhle selbst in Anspruch genommen. In diesem 
wie in jenem Falle hatten eigens bestellte päpstliche Executoren 
die treue Befolgung des Mandats zu überwachen und nöthigen 
Falls zu erzwingen. ') Dazu kam noch, dass alle in Folge eines 
päpstlichen Urtheils öder Gnadenakts sowie in Folge des am päpst- 
lichen Hofe erfolgten Ablebens eines Beneficiaten eintretenden Aper- 
turen ohnehin dem apostolischen Stuhle zur Wiederbesetzung an- 
heimfielen. Kein Wunder also, wenn in unserer Periode alle ver- 
dienten oder edelgeborenen Kleriker Böhmens sich mit Empfehlun- 
gen des Königs, der Königin oder auch hoher geistlicher Dignitare 
des In- und Auslandes an den Papst wenden und nun mit dein 
angedeuteten päpstlichen Gnadenbriefen bei den Prager Kanonikats- 
wahlen entweder persönlich oder durch Sachwalter (procuratores) 
erscheinen. Thatsächlich war es da immer um die Freiheit der 
Wahl geschehen, obschon gerade hiedürch oft die ausgezeichnetsten 
Persönlichkeiten ins Prager Kapitel kamen. ~ Allerdings hatte 
schon die dritte Lateransynode (1179) ein Verbot gegen die Be- 
schränkung der Wahllreiheit durch Exspectativen erlassen; allein 
die nachmalige Praxis nahm davon geradezu den päpstlichen Stuhl 
aus und bezog das Verbot nur auf andere geistliche und weltKehe 
Instanzen. Auch hatte Papst Alexander IV. im J. 1257 insbeson- 
dere dem Prager Kapitel das Privilegium ertheilt, dass die päpst- 
lichen Provisionen sich stets auf die der Prager Domkirche ange- 
hftrigen Kl-mker beschränken sollten ') ; aber die Praxis seiner 
Nachfolger machte diess bloss zu einer vorübergehenden persönli- 
chen Begünstigung. Thatsächlich findet sich endlich in der Zeit 
von 1378 bis 1390 kaum eine einzige freie Kapitelwahl in Prag. ') 



M Derartige Fälle in Menge in Regist. recept. m can. eccl. Frag. MS, 
') Urkunde im Prager Kap. Arch. 
*) Regist recept. 



136 

Wir werden weiterhin hören, das» es im J. 1414 als eine Art 
Wiederherstellung der alten Freiheit angesehen wurde, als Papst 
Martin V. dem jeweiligen Papste nur die Vollmacht vindizirte, 
höchstens zwei Drittheile aller Stellen zu besetzen, auf deren Ver- 
leihung er nicht ohnehin schon ein Recht habe. ^) 

4. War nach dem bisher Erzählten auch das Recht der Auf- 
nahme ins Kapitel den Prager Kapitularen sehr geschmälert wor- 
den, so übten sie dagegen ganz unbeirrt das herkömmliche Recht 
•— im Einverständnisse mit ihrem Bischöfe unwürdige und pflicht- 
vergessene Mitglieder auszuscheiden. Im J. 1251 wurde auf diese 
Weise der Domherr Bartholomaeus wegen allerhand Ausschwei- 
fungen und dauernder Vernachlässigung des Chors durch Eapitel- 
beschluss von seiner Pfründe entsetzt. Ebenso wurde imJ. 1305Dio- 
nysius von Ypern ausgeschlossen, weil er sich durch volle 30 
Jahre seines Kanonikats niemals in Prag gezeigt hatte. ^) Im J. 1378 
wurde die Präbendedes Budiwoj vom Ujezdce neu vergeben, da 
deren bisherigen Besitzer in den Ehestand eingetreten war. ') Im 
J. 1380 wurde sogar der Domdechant Hinko Klug seiner Stelle 
entsetzt, weil er sich beim damals ausgesprochenen Schisma für 
den. schismatischen Papst erklärt hatte. *) 

5. Wir finden im Laufe des 13. und 14. Jahrhunderts viele 
Kanoniker des Prager Domstifts (und nach ihrem Muster auch die 
der KoUegiatkapitel) im gleichzeitigen Besitze mehrerer Kanonikate. 
ja sogar auch mehrerer Dignitäten in verschiedenen Kapiteln. An und 
für sich war diess allerdings nicht unzulässig, wenn entweder die 
eine Stelle nur cum exspectatione praebendae angenommen wurde, 
oder wenn die gleichzeitig besessenen Stellen nicht eben auch die 
gleichzeitige Residenz am Orte der Pfründe und gleichzeitige Oflfi- 
cien forderten; ja in Anbetracht der noth wendigen Sustentation war 
eine derartige Vereinigung zuweilen sogar nothwendig. Aber man war 
in diesem Stücke schon im 11. Jahrhunderte allerorten ziemlich lax ge- 
worden, so dass Innocenz III. im J. 1215die strenge Verordnung erlassen 
musste, dass ohne besondere päpstliche Dispens jede An- 



') Dr. Schulte System des allg. katb. Kirchenrechts. S. 325. 

•) Tomek Gesch. Fr. 418. 

'l Regist. recept. 

*) Pedina phosp. p. 609. 



137 

nähme eines neuen Benefiziums den Verlust des damit nicht verein- 
baren frühem bedinge. Als unvereinbar (incompatibilia) sollten 
aber gelten: zwei Dignitäten '), zwei Seelsorgämter, eine Dignität 
und ein Seelsorgsamt, ein Curat* und ein einfaches Beneficium mit 
beiderseitiger Residenzpflicht. Doch scheint diese Verordnung eine 
Cumulation der Canonicate und Dignitäten bei uns in Böhmen nicht 
abgestellt zu haben. Wir finden da Bischöfe, die eine Propste! 
eine Zeit lang beibehalten, *) Pröpste, welche dieselbe Würde in 
zwei Kapiteln bekleiden ') und dgl. m. Ohne Zweifel erlangte man 
dazu stets die nöthige päpstliche Dispens, die insbesondere in der 
Zeit des sogenannten babylonischen Exils (in Avignon) nicht gar 
schwer zu finden war. *) In Prag litten dadurch am allermeisten 
die KoUegiatkapitel in der Stadt, deren Dignitare und Kapitularen 
nur zu gern in das Domkapitel eintraten, ohne ihre bisherigen 
Präbenden aufzugeben. Da erschien es als ein Schritt zum Bessern, 
als Papst Urban V. am 1. Juli 1366 den Befehl erliess, dass fer- 
nerhin Niemand in Prag selbst zwei Pfründen zugleich 
innehaben dürfe, nur jene Fälle ausgenommen, wenn irgend 
eine Stelle einer andern kanonisch unirt ist. ^) Als derartige Unio- 
nen nannten wir bereits die Inkorporationen der Landpropsteien 
zu Leitmeritz, Melnik und Altbunzlau. 

6. Dem Prager Kapitel ward auf die Fürbitte des Kaisers 
durch ein päpstliches Privilegium vom 30. November 1364 die hohe 
Ehre, dass alle seine Kanoniker desselben hinfort in Gegenwart 
des Erzbischofs und des Kaisers der Kochete und weisser In- 
fuln sich bedienen durften. ®) Ein neues Privilegium vom selben 
Jahre dehnte dieses Recht auf den Umkreis der ganzen Erzdiöcese 



') Dignitarii sind die Bi$tchöfe, (-ardinäle, Aebtc, Pröpste und Dechanten der 
Kapitel. 

') So Peter Aichspalter als Bischof von Basel. 

') Derselbe in Brunn und Wysehrad. 

*) Solche Dispensen liegen noch urkundlich vor — anno 1305 für den Propst 
Mathaens von Sadska für gleichzeitige Canonicate in Prag und Bunzlau, 
— anno ld06 für den Maliner Pfarrer Ullrich von Pabönic wegen Canoni- 
caten in Prag, Olmütz und Wysehrad, — anno 1306 auch für Peter Aich- 
spalter, der die Wysehrader Propstei behalten darf,' um die Schulden des 
Baaler Bisthums zu bezahlen. (Palackf s ital. Reise 1837.) ! 

^) Urk. iD Balb. lit. pnbl. 98. 

*) Privil. Urbani V. im Kap. Arch. Auch in Balb. lit. publ. p. 95. 



138 

und der zur Prager Legatur gehörigen Bisthümer Regenstrurg, 
Meissen und Bamberg für jene Kapitularen aus, die den Metropo- 
liten auf seinen kanonischen Reisen begleiten. ') Endlich gestattete 
Bonifacius IX. im J. 1390 den Kapitularen sogar den Gebrauch 
goldgestickter und mit Edelsteinen besetzter Mitren. ^) Eine be- 
sondere Ehre für das Kapitel war auch die von Karl IV. ange- 
ordnete Bestellung des Decans, des Custos und des Sacristans za 
Hütern der böhmischen Krone. Ihres Amtes sollte es sein, 
die Reichskleinode nach verrichteter Krönung in die Kapelle dei^ 
h. Wenzel zu übertr^en, die Krone an gewissen Tagen auf das 
Haupt des h. Wenzel zu setzen und zu jeder Königskrönnng 
wieder auszuliefern. Dafür hatten sie von jedem neugekrönten 
Könige 300 Schock Groschen für die Domkirche eiuzuhcben. 

7. Neben dem Hochkapitel in Prag bestand seit dem J. 1343 
durch die Stiftung Karls lY. auch noch eine Art minderes Ka- 
pitel — das Co 11 e gl um der 24 Mansionarii, welches aus 12 
Priestern, 6 Diakonen und 6 Subdiakonen bestand und in dem 
Praecentor einen eigenen Vorsteher, jedoch unter der Oberaufsicht des 
Domdechants hatte. Auch gab es daselbst noch in Folge einer 
ähnlichen Stiftung das Collegium der Psalteristae, welches 
nachher ebenfalls 24 Mitglieder zählte. Nebstdem fungiiten im 
Dome 4 Poenitentiarii oder Beichtpriester, je 1 Tumbarius 
oder Grabwächter und je 1 Subtumbarius bei den Gräbern des h. 
Wenzel und des h. Adalbert, und die für die einzelnen Altäre ge- 
stifteten Altaristae. ') Endlich hatte auch noch jeder Canonicus 
praebendatus einen besonderen Vicarius zu erhalten. Welch' 
eine Menge von Geistlichen zählte also damals die Prager Kathe- 
drale! Und dazu noch eine nicht unansehnliche Zahl weltlicher 
Diener, die zumeist ebenso bestiftet waren, wie die im J. 1259 vom 
Domherrn Eberhard dotirten 12 Bonifa ntes (boni infantesV bona 
fantes?), die an gewissen Tagen das Officium der seligsten Jung- 
frau zu singen und bei feierlichen Gelegenheiten die Fahnen zu 
tragen hatten.^) 



') fibendas. p. 96. 

-) Ebend. p. 131. 

^) Pesina p. 681 z&hh 52 Altarietenstellen; davon waren aber »iMlie mit 

andern Domämtern unirt. 
*) PeSjpa 682. 



139 

§. 132. FertsetMiig: Herverragende Persinlichkeilen des Prager 

Kapitels. 

1. Das Prager Domstift zählte auch im 13. und 14. Jahrhun- 
deite zunächst unter seinen Pröpsten eine Reihe der berühmte- 
sten Männer der Zeit. Diese Beihe wird von dem ehemaligen 
Wysehrader Propste Christian, dem genannten Kanzler Pfemysl 
Ottokars I. eröfl&iet (—1209). Ihm folgte Böhmens eifrigster Käm- 
pfer für die kirchliche Freiheit, der nachmalige Bischof Andreas 
(—1214). Propst Eppo bekleidete wieder die oberste Kanzlerwtirde 
des Landes, — jedoch nur bis zum Ausbruche des Kirchenstreites 
(—1216); dann scheint er den Bischof Andreas nach Rom begleitet 
zu haben, wenigstens nennen ihn die öffentlichen Urkunden bis 
zur Rückkehr des Bischofs nicht mehr und das oberste Kauzler- 
amt verwalteten indess die Pröpste Arnold von Wysehrad (—1220) 
und Benedict von Leitmeritz. *) Von 1221 bis 1240 blieb Eppo 
wieder im ruhigen Besitze seiner Pfründe. -J Mit Tobias I, von, 
Beneäov (1240— 1260)»), Jakob von Sulewic (-^1267) *) und 
dem nachmaligen grossen Bischöfe Tobias von Bechin (—1278) 
zierten edle Sprossen der höchsten Adelsgeschlechter des Landes 
den Propsteisitz des Prager Kapitels. Ihnen folgten Gottfried, 
der frühere Propst des Kollegiatkapitels Bischofteinic (—1283) und 
der hochadelige Ullrich von Cernin (—1301). Peter von 
Lomnic (1301—1316), zugleich Propst auf dem WySehrad und 
oberster Kanzler des Königreichs '), wurde im J, 1311 Bischof von 
Olmütz und genoss daselbst die Prager Propsteipräbende fort. 
Tobias IL von Beneäow (— c. 1320) wurde ein grosser Wohl- 
thäter des Franziskanerklosters in Beneschau und trat zuletzt selbst 
als Klosterbruder in dasselbe ein.«) Hynko Berka von Duba 



') Urkden. ij}rbeu reg. 266, 274, 2«J2, 301. 

^) Urkden. Erben reg. 301, 308, 854, 370, 391, 409. Irrig versetzt daher Pe- 
sina in die Zeit von 1222 bis 1229 einen Propst Ullrich von Waldek 
and von 1229 bis 1237 einen £ p p o II. ' Ullrich von Waldek kann höch- 
stens ein vom Könige eingedrängter Gegenpropst von 1216 bis 1221 ge- 
wesen sein. Eppo I. aber und Eppo II. sind eine und dieselbe Person. 

') Einige nennen ihn Ton Duba. 

*) Tomek nennt ihn einen Sohn des mährischen Edlen Pawsai 

•) Ptlack^ IL» 6. 

') Pesina. 



14f) 

adniiDistrirte eine Zeit lang (1324) während der Abwesenheit des 
Bischöfe Johann IV. das Prager Bistham und besti^ 1327 den 
Bischofestuhl zu Olmätz. Dfislaw von Cernin, der Wieder- 
hersteller des herabgekonimenen Glanzes seines Hauses, ') fahrte 
ebenfalls eine Zeit lang (1328) zugleich mit dem Scholasticus Pfed- 
bor und dem Melniker Propste Heinrich die bischöfliche Admini- 
stration. In der Propstei folgte ihm der ehemalige Administrations- 
coUega Pfedbor von Raiinowes nach (f 1341). Heinrich 
von Lipa, vordem Propst zu Melnik, opponirte 1343 als Admini- 
strator der Diöcese der Erwählung Emest's von Pardubitz zum 
Bischöfe (f 1348). Protiva vonSwihow wurde nach kurzem Be- 
sitze der Propstei durch den Einfluss Karls IV. Bischof von Siena 
(c. 1350). Propst Nicolaus von Luxemburg, war ein un- 
ehelicher Bruder des Kaisers Karl IV. ^), und hatte als solcher nur 
mit Dispens des Papstes die geistlichen Weihen und die Domde- 
chantei in Olmütz erlangt. Für seine Gewandtheit in öffentlichen 
Geschäften bürgt der Umstand, dass er am Hofe seines kaiserlichen 
Bruders als Kanzler fungirte. Um 1350 erhielt er die Propstei in 
Prag. Damals sollte er auch in Folge eines päpstlichen Verspre- 
chens an Kaiser Karl Erzbischof und Kurfürst von Köln werden, 
musste sich aber vorläufig mit dem Bisthume Naumburg zu- 
friedenstellen. ^) Darauf gab sich der kaiserliche Bruder alle 
Mühe, unseren Nicolaus dem Wahlkapitel zu Aquileja zu em- 
pfehlen. Am 21. Mai 1351 bestieg er denn auch in der That den 
dortigen Patriarchenstuhl. Ihm verdankt unser Vaterland das 
kostbare Marcusevangelium des Prager Doms ; denn er schenkte im 
October 1354 zwei von den sieben Originalheften (angeblich Auto- 
graphen) dem damals in Aquileja anwesenden Kaiser. Im April 
1355 zum Reichsvikar in Italien ernannt, bewahrte er daselbst ein- 
zelne Reste der kaiserlichen Oberhoheit. Eben diess aber scheint 
ihm einen jähen Tod gebrächt zu haben: er starb am 29. Juli 
1358.^) — In der Prager Propstei waren ihm zunächst Pfe- 



*) Pe&ina p. 581. 
*) Vgl. Pubi^ka VI. 312. 
^) Ebendaselbst. 

*) Damberger XV. 123, 164, 202, 216, 228, 229, 234, 237, 240, 247, 25(), 
253, 869. 



141 

mysl von 2erotin und Zdislav von Sternberg nach- 
gefolgt. Um 1360 aber finden wir daselbet den Geschieht s* 
Schreiber Franciscus. Einst Lehrer an der KoUegiat- 
schule am WySehrad, hatte ihn, wie schon erwähnt wurde, Bischof 
Johann IV. im J. 1334 als ersten Festtagsprediger in den Prager 
Dom berufen. ') Im 'Auftrage desselben Bischofs ging Franciscus 
daran, seine Chronik Böhmens zu schreiben, die noch heute die 
verlässlichste Quelle aller Ereignisse unter den ersten Luxemburgern 
abgiebt. ') Er starb am 3. März 1362. Sein Nachfolger wurde 
der oberste Kanzler N i c o 1 a u s, der im J. 1364 den bischöflichen 
Stuhl von LeitomyM besteigen sollte, aber noch vor Erlangung der 
päpstlichen Gonflrmation starb. Nach ihm erlangte sogar ein fran- 
zösischer Cardinal durch päpstliche Provision die Prager Propstei 
- zugleich mit der Propstei zu Sadska : es war Guido von 
Montfort, der aber in Kurzem auf Zureden des Kaisers resi- 
gniite. Dann folgte Hinko von Hasenburg, der im J. 1371 
als Bischof von Ladimir der Suffn^an und Weihbischof des Metro- 
politen wurde. Nach ihm beschloss Peter von Janowic 
(um 1383) die Reihe der Prager Pröpste in dieser Periode. ^) 

2. Unter den Domdechanten, denen in dieser Zeit be- 
reits die allgemeine Leitung des Kapitels oblag, nennen wir vor 
.\llen den grossen Veit (1241—1271), der nach dem Ausdrucke 
eines seiner Nachfolger *) unter den Dechanten nie seines Gleichen 
hatte und kaum jemals haben wird. Als Kanzelredner, wie selten 
einer, versammelte er an Sonn- und Festtagen den Adel und die 
Burgerschaft um seinen geistlichen Lehrstuhl und wirkte wunder- 
bar auf alle Gemüther. Als Vorsteher der Domkirche ordnete er 
(He geistlichen Officien, indem er an die Stelle der mangelhaften 
und abweichenden Kirchenbücher — sicher nach dem Muster der 
römischen — neue verfasste. So entstanden durch ihn die neuen 
Missalien, Gradualien, Antiphonarien, Psalterien, Hymnarien, Collec- 
tarien, Breviarien, Musikbücher und Agenden, die sofort an allen 



■) Vgl. S. 113 num. 4. • 
^) Scriptores rer. bohem. II. 
') Pesina phosph. 606 u. f. 

') Pesina 566. Seine oftctasten Vorgänger waren: PHbislaw 1208-1209, Ar- 
nold 1209—1287 und der spätere Dompropst Tobias von Benefiow 1237—1241. 



142 

übrigen Kapiteln und in allen Kirchs des Landes emgefilhrt wur- 
den. Mit ebenso grosser Liebe und Opferfreudigkeit erhöhte er 
den Glanz der Domkirche, indem er neue Altäre erbaute und do- 
tirte, Kapellen erweiterte und prachtvolle Chorstflhle herstellte. Er 
stiftete für die Zukunft einen Vicarius perpetuus des Dechants, 
verbesserte die Domherrenprftbende in Strachkow, baute neue 
prachtvolle Kirchen in den Kapiteldörfern Kojetie, Sluhy und We- 
likawes und dotirte einen Altar in der Kirche am Strahow. Er 
war es auch, der den Oberlandesrichter Cii im J. 1263 zur Erban- 
ung der Allerheiligenkirche neben dem Prager Dome bewog 
und den Bau persönlich leitete. Dabei war er so wohlthätig gegen 
die Armen, dass er täglich drei dürftige Studirende der Domschule 
an seinem Tische bewirthete, solche auch weiterhin an den Hoch- 
schulen unterstützte und überdiess unzählige Almosen austheilte. 
So eifrig war er auch in seinen geistlichen Pflichten, dass er täg- 
lich vor der Frühmesse, manchmal schon um Mittemacht, die Al- 
täre und Reliquien des Domes besuchte und einen Theil des Psal- 
teriums betete, dann erst die Glöckner und die Kleriker zur Mette 
weckte und häufig selbst das Amt des Hebdomadarius verrichtete. 
Er starb verehrt und geliebt im ganzen Lande — am 30. April 
1271. Seine Nachfolger wurden der nachmalige Bischof Gregor 
(1271—1296) und der Mdaiker Propst Budislav Zajic von 
Waldek (1296—- 1298). Nach einigen minder bekannten Namra ^) 
zierte endlich der hochberühmte Ernest von Pardubic den De- 
chantsitz (1339—1343), um später der erste den erzbiseh^flidien 

ff 

StnU Böhmens zu besteigen. Nach ihm leiteten noch in dieser Zeit 
das Kapitel Tobias von Ustupnic (f 1346), Pfedboj, Plichta 
von Mäen (f 1362), Wratiwoj (t 1372) und der im J. 1380 
wegen seiner Anhänglichkeit an den damaligen Gegenpapst abge- 
setzte Hinko Klug von Mukow. ^) 

3. Unter den Kanonikern dieses Zeitraums nomen wir zu- 
nächst die nachmaligen Prager Bischöfe Peregrin ( — 1224), Jo- 
hann IL von Dra2ic, Bernhard (—1236), Nicolaus von Au- 



') Contin. Cosmae schildert diesen Lebeuslauf. 

•) Welislaw (—1301), Johaan (—1311), Wojslaw (c. 1820), Boteslaw (1324), 

HeimiGh (-1828), NicoUos (—1388) und Pfedbor (— c. 1339). 
") Peiina pltosph. 609. Tomek. 



143 

jezd (--1291) Johann UI. (—1258) uwd Johann IV. von Urä- 
mie (—1301). Eine hervorragenda Persönlichkeit war auch der 
getehrte Doctor decretorum und Scholasticus Ullrich von Pab$- 
nie, I) der in den Jahren 1321^ 1324 und 1325 das Bisthum admi- 
nistrirte, dann im J. 1327 in den strengen Orden der Cisterzienser 
eintrat und 1330 Abt von Sedlec wurde. Als Administratoren 
des Bisthums fungirten auch der Archidiakon Thomas (1326), der 
Scholasticus Pf edbor (1321), der Canonicus und Melniker Props^ 
Heinrich (1328) und der Kaufimer Archidiakon Bohuslaw mit 
dem Canonicus Hroznata (1343). ^) Als Wunder der Gelehrsam- 
keit galten unter Karl lY. die Domherren Adalbert Ranconis 
de Er i ein 0, Zögling und dann auch gewesener Bektor der Pariser 
Universität, undKuneS vonTfebowel. •') Den berühmten Sitten- 
prediger M i 1 i fi vanKremsier werden wir später noch besonders 
erwähneiu — Als Archidiakone des Leitmeritzer Archidiako- 
nats finden wir in dieser Zeit einen gewissen Marquard mit der 
Präbende Ubeznic (c. 1333—1339), den Ctibor (Tiburtius), Bruder 
des Prager Domdechants Wratiwoj (f 1372) und den M. Mathias 
(Machto) von Prag (1380).*) Im Biliner Archidiakonate fungir- 
ten von 1216—1219 der nachmalige Leitmeritzer Propst und königliche 
Kanzler Benedict, — um 1235 der königliche Notar Pf ib i sl aw — 
von 1267—1276 Petrus, zugleich Wyäehrader Domherr, — um 
1306 Bruno, welcher für das Archidiakonat die Inkorparation der 
erzbischöflichen Pfarre Kyj^e erlangte, — um 1328 On§o, muth- 
masslich der sonst öfter genannte Prager Domherr Johann von Po- 
divin, — Pf ibislav (PKbik, Pf ist, um 1356-1371) — Gregor 
(1376), und Magister Friedmann von Prag (1378 bis c. 1385). 
Als Archidiakone von Bunzlau sind erwähnt: Clemens, der 
nachmalige Archidiakon von ZirCinfewes (1227), N i c o 1 a u s (1301), 



') Im J. 1306 war er Pfarrer von Malin, Canouicus zu Prag, Olmütz und 
Wysehrad, und erhielt die päpstliche Krlaubniss, alle diese Präbendeu 
beibehalten und überdiess noch ein Canonicat erwerben zu dürfen. Jedoch 
soUte er wenigstens in fünfJahren sich znm Priester weihen 
lassen. £r war aber damals schon Doctor decretorum. (Urk. in Palack^*s 
ital. Reise 1837.) 

') Tomek 655, 656. 

') PalackJ' IV 407. III.» 35. 

^> Rohn antiq. eccL circ. Lit. 



^ 



144 

Sebastian Witkow (1331—1344), der kaiserliche Protonotar 
und Rath Nicolaus von Kremsier (c. 1360), Bartholo- 
ma eus (bis 1378) und endlich Wenzel Radec (von 1379), 
der nachmalige Dechant von St. Apollinar. Das S a a z e r Archi- 
diakonat verwalteten in dieser Zeit: Witek (-1212), Df isla w, 
der bereits genannte Gegner des Bischofs Andreas im Kirchenstreite 
(1216—1219), Theobald (c. 1353), der Geschichtsschreiben 
Dombaudirektor und Freund Karls IV. B e n e ä K r a b C i c e von 
Weitmühl (1360-) und Johann von Kittlic (1380).') 
Einer auszeichnenden Erwähnung verdient unter diesen Allen der 
berühmte Benes von Weitmühl. Sohn des Bene§ Krab£ice, 
des nachmaligen Forstherrn im Bezirke von Trautenau, ^) entstammte 
er dem edlen, aber minder bemittelten Geschlechte der Weit- 
mühl, welches zu Lipa sein Familiengut und darneben das Dorf 
Lubsustow (?) besass. Angeblich war er der Jugendgespiele Karls IV. 
und dessen Gefährte in den Studien zu Paris. Auch später noch 
finden wir ihn öfters als Begleiter des Kaisers. Im J. 1341 erlangte 
er eine Präbende im Prager Kapitel und begann vielleicht damals 
schon die Abfassung seiner umfangreichen Chronik Böhmens, ') in 
welcher er die Ereignisse von 1283 bis 1374 getreulich nieder- 
schrieb. Diese Arbeit liess ihm jedoch noch Zeit genug, um sich auch 
durch Beförderung des neuen Dombaus unvergesslich zu machen. 
Nach den Domherren BuSek (f 1350) und Nicolaus Hol u- 
bek (t 1355) war er nämlich der dritte Bau Vorsteher (director 
fabricae) und blieb diess durch volle 20 Jahre. Als solcher über- 
trug er im J. 1373 die Leichname der böhmischen Herzoge und 
Könige, und 1.374 die der Prager Bischöfe in den neugebauteu 
Chor der Kathedrale. *) Als anderweitiges Andenken hinterliess er 
— zugleich mit seinen Brüdern Johann, Pfarrer in Lipa und Peter, 
Herr auf Slivna — eine Altaristenstiftung in der Pfarrkirche zu 
Lipa. *) Er starb am 7. Juli 1375, *) ist also eben so sehr von 



^) Urkunden im Prager und Lcitm. Kapitel, Libri erectionum, libri coofirm.. 

Dobner mon. IV. 258, Bubna catal., Tomek, Balb. bist. Bolesl. 
^) Privilegium Caroli IV. Dobn. mon. Vorrede zu BeneS. 
») Script, rer. boh. II. 199-424. 

*) Palack^ : Würdigung böbm. Geschichtsschreiber S. 194. 
*) Lib. erect. 1363. 
*) Palackj: Würdigung böhm. Gesch. S. 194, nach einem Nachweise Do- 

browsky's. 



145 

einem jüngeren Bene§ Weitmübl, den wir in den EapitelprotocoUeu 
von 1378-— 1384 genannt finden, ') als auch von einem dritten zu 
unterscheiden, der 1386 die erste h. Messe als Franziskanerbruder 
im Kloster zu Bunzlau feierte. ^) 

§. 133. Die PrSpste von Leltmerltz Advast. Benedict nnd Hermann. 

1. An der Spitze der Leitmeritzer Pröpste des 13. Jahrhunderts 
wird in den Serien Advastus genannt. Er soll bereits um 1198 
die Propstei erlangt haben. Näheres ist von ihm nicht bekannt. 
Da aber Propst Benedict allgemein als sein Nachfolger genannt 
wird, so muss er wohl im J. 1216 das Zeitliche gesegnet haben. 
Während seiner Administration wurde (1207) die Leitmeritzer Stadt- 
kirche nebst Thtlrmen vom Grunde aus neu gebaut. ') 

2. Seit 1199 nennen uns die öffentlichen Urkunden einen ge- 
treuen Kaplan Pi^emysl Ottokars, Namens Benedict, der 
von da an als königlicher Notarius unter den Kanzlern Andreas, 
Rapoto und Christian fungirte. Im J. 1204 hatte er bereits durch 
den Einfluss seines königlichen Gönners ein Kanonikat im Prager 
Dome erlangt. *) Vom J. 1207 heisst er bereits Protonotarius und 
Vizekanzler des königlichen Hofes. ^ Geistlicher Seits brachte er 
es bald darauf zur Würde eines Archidiakons von Bilin. Als im 
J. 1216 das unglückliche Zerwürfhiss des Bischofs Andreas mit dem 
Könige entstand und der oberste Kanzler Eppo muthmasslich sein 
Amt niederlegte; da trat unser Benedict in diese hohe Reichswürde 
ein und wurde zu gleicher Zeit auch Propst des Kollegiatkapitels 
in Leitmeritz. Schon diese Umstände lassen annehmen, dass Be- 
nedict durch einen Machtspruch des Königs Propst geworden und 
entschlossen war, fest zur Partei seines königlichen Gönners zu 
halten. Dafür nennt ihn Ottokar fortan seinen „geliebten 
K a n z 1 e r** (dilectus cancellarius noster) ^) und erklärt ihn sogar 
in einem Briefe an den Papst als den Mann, den er eben so wenig 



') Dieser präsentirte 1S80 einen Pfarrer für Klein- Ho rka. (Lib. confirm.) 

') Mit beiden wird er identificirt von Dobner Mon. IV., Crugerius, Baibin. 

') Heliades, Leitm. Merkwürdigkeiten. MS. der strahoy. Bibl. 

*) Erben reg. 201, 221. 

"") Erben 236, resp. 229, 244, 246, 249. 

^ Vgl. Urk. Erben reg. 802, 808, 806 u. a. m. 

10 



146 

entbehren könne, als seine rechte Hand. ') So lieb ist er dem 
Könige, dass derselbe auf seine blosse Fürbitte einem gewissen 
Georg von Maräovic das Dorf Welbez schenkt. *) Da kann es nicht 
Wunder nehmen, dass Benedict wieder dem Könige zu Liebe das 
bischöfliche Interdict vom 10. April 1217 missachtete und davon 
unbeirrt geistliche Funktionen vornahm. In Folge dessen verfiel er 
im J. 1218 nach einer durch den Bischof von Regensburg und die 
Aebte von Waldsassen, St. Emmeran und Walderbach eingeleiteten 
Untersuchung in die kirchliche Suspension. Der König aber be- 
schützte ihn nun im Fortgenusse seiner Pfründen und bestätigte 
noch überdiess zur selben Zeit aUe Priviiegi^ des Leitmeritzer 
Kapitels, als er die Rechte des Bischofs durch Sequestration in 
jeder Weise schmälerte. Die bereits 1220 durch den WySehrader 
Propst Arnold beim päpstlichen Stuhle angesuchte Absolution von 
der Suspension erfolgte erst bei der Beendigung des Kirchenstrei- 
tes. Auch bei dieser fungirte er königlicher Seits als oberster 
Kanzler und fertigte unterm 10. März 1222 das königliche Diplom 
zur Herstellung aller kirchlichen Privilegien des Landes aus.') 
Wir finden ihn noch in derselben Eigenschaft in den Jahren 1224 
und 1225. ^) Da aber im nächsten Jahre bereits seine Nachfolger 
in der Propstei und im Kanzleramte genannt werden '); so dürfte 
er Ende 1225 mit Tode abgegangen sein. ^} 

3. Die bisherigen Serien lassen auf Benedict einen Propst 
Hyppolit folgen, der angeblich Archidiakon des Prager Kapitels 
und Kanzler des Königs war. Sie setzen sein Ableben auf das 
Jahr 1237. Allerdings gab es von 1229 bis 1235 einen Prager 
Archidiakon dieses Namens, *) der auch von 1233 an die Kanzler- 
würde bekleidete: aber dieser war sicher niemals Propst zu Leit- 
meritz. Vielmehr wird von 1226 an als solcher der königliche 



') Epi«t. Ottoc. bei Erben. 

») Urk. Erben reg. 807, 308. 

3) Erben 302, 303. 

*) Ürk. Bo6ek IL 158, 168. 

») ürk. Erben 327 und Bocek IL 173. 

") Die bisherigen Serien setzen seinen Tod irrig auf 1229 und lassen ihn ebeB 

80 irrig durch 30 Jahre die Propsteiwürde bekleiden. 
^ Urk. Erben 369, 370. 



147 

Notar Hermann genannt ') und derselbe erscheint auch noch im 
J. 1253 als Inhaber dieser Grosspräbende. ^) Alle Serien nennen 
diesen Hermann, dessen Zeit sie übrigens irrthümlich erst von 1237 
an datiren, einen gebomen Zajic von Hasenburg. Die Familie 
mag allerdings richtig sein, der Name aber ist jedenfalls anticipirt^ 
da erst Wilhelm Zajic von Waldek, der letzte Landkolnthur der 
Templer in Böhmen, im J. 1311 seine Erbburg 2ebrak gegen Budin 
an den König Johann vertauschte und 1336 von Budin aus die 
neue Stammburg Hasenburg bei Libochowitz erbaute. Unser Her- 
mann tritt schon im J. 1219 als Kaplan und Notar des Königs und 
als Canonicus des Prager Domkapitels auf. ^) Er verfasste auch 
am 2. Juli 1221 das königliche Diplom, durch welches Bischof An- 
dreas die verlorenen Freiheiten seines Bisthums wieder erhielt. 
Offenbar war also auch Hermann in dem langen Streite auf Seiten 
des Königs gestanden und hatte sich ebenfalls in die kirchlichen 
Censuren verwickelt. Von 1221 an finden wir ihn Jahre lang stets 
im Gefolge des Königs. ^) Am 19. September 1226 wird er zum 
erstenmale Propst von Leitmeritz genannt, ^) befand sich aber immer 
noch als Nbtarius bei seinem Könige und begleitete diesen sicher 
biß 1229 auf seinen Reisen. ^) Des Königs Kanzler aber, wie ihn 
die Serien nennen, ist er nie geworden. Noch im J. 1252 nannte 
ihn der König bloss dilectum et fidelem capellanum suum, praepo- 
situm Heirmannum. ^) Dagegen erlangte er im Prager Domkapitel, 
dem er nebstbei noch als Canonicus angehörte, um dsiß Jahr 1248 
die Wflrde des Gustos. ^) Überdiess nannte er sich schon 1238 
Priester. '®) Dieser Propst erwarb im J. 1241 durch sein Ansuchen 
vom Könige die Befreiung des Kollegiatkapitels und der Unter- 



*) Als Zeuge in Urk. pro monast. Luc, in fand., eccl. KoHm, in contirm. 

monast. Doxsn. (Bodek II. 178, 176.) Ebenso Urk. Erben 828, 334, 838. 
*) Urk. Erben 607, Orig. im Leitm. Ärch. 
*) Urk! Erben reg. 287, 300. 

*) Urk. dd. Switava, Znaim, Brunn, Olmutz u. A. Erben reg. 310. 
^ Erben reg. 328. 

S Urk. dd. Znaim, Oslawan, Königgräz. Erben reg. 828, 342, 345, 354. 
^) Vgl. Urk. bei Erben und Bo6ek bis 1253. 
•) Urk. Erben 594. 
•) Tomek G. Pr. 653. 
*•) Erben reg. 441. 

10* 



148 

thanen desselben von den Weggeldern, welche bisher dem könig- 
lichen Jägermeister zweimal im Jahre entrichtet werden mussten. ') 
Im J. 1245 fimgirte er zugleich mit dem Propste und Archidiakon 
von Prag als päpstlicher Executor in dem Wahlstreite des Olmützer 
Domkapitels. ^) Im J. 1253 überliess er einverständlich mit seinen 
Kapitularen den Berg S. Stephan, der an den Hof Gisnow anstiess, 
eigenthümlich gegen Zehentleistungen an die Leitmeritzer Bürger 
Ludolf von Budin und Hermann de Porta. ^) Im J. 1252 erlangte 
er für sich und sein Kapitel das Privilegium, dass die Unterthanen 
der Propstei nur vom Propste und in dessen Abwesenheit von einem 
Kanonikus, und wenn auch ein solcher nicht vorhanden wäre, vonl 
pröpstlichen Amtmanne, — und falls auch diess nicht anginge, vom 
Oberlandesrichter gerichtet werden, dass sie volle Freizügigkeit zu 
den Märkten des Landes geniessen und keinerlei Abgaben vom 
Gewerbe an die königliche Kammer entrichten sollen. In der be- 
treffenden Urkunde sagt König Wenzel ausdrücklich, dass das 
Patronat der Propstei durch Erbrecht/ ihm zustehe.*) 
Im J. 1253 befreite Pfemysl Ottokar I. noch überdiess nebst an- 
dern auch die Leitmeritzer Kollegiatkirche von allen „schmutzigen 
Lasten^ und Exaktionen. ') So verdankt also Leitmeritz gerade 
diesem Propste Hermann bedeutend Vieles. Er starb am 5. März 
1254. ') Zu seiner Zeit wird wiederholt ein Leitmeritzer Canonicus 
Johannes erwähnt, der ebenfalls als Capellanus und Notarius regis 
in den Jahren 1232 bis 1236 den königlichen Hof begleitete. *) In 
dieser Zeit (1238 und 1239) entstanden in Leitmeritz die Klöster der 
Dominikaner und der Minoriten. 

§. 134. Forlsetsing: Die Pripste Herbord, Conrad, Snil. 

L Nachfolger Hermanns wurde nach Angabe aller Serien Her- 
bord (Eberhard) von Füllstein, ein naher Verwandter (Sohn?) 



') Orig. im Leitm. Ärch. S. Urk. Erben reg. 499. 

*) Epist. Innoc. IV. bei Erben. 

•) ürk. im Leitm. Arch. Erben 607. 

*) ürk. im Leitm. Arch. Erben 594. 

*) Arch. cap. Prag. 

') Cont. Cosm. Pertz IX. 167., ed. Dobrows. 885. 

') Urk. Erben reg. S65-418. 



149 

jenes Herbord von Füllstein, der im J. 1247 vom Olmützer Bischöfe 
Bruno zum Truchsess des Olmützer Bisthums ernannt und mit der 
bischöflichen Burg Füllstein belehnt wurde. ') Wir müssen unsem 
Herbord vor Allen von einem Prager Canonicus Eberhard unter- 
scheiden, welcher häufig auch Herbord genannt, schon im J. 1235 
als gewandter Kanzelredner gerühmt wird, ^) dann in den Jahren 
1247 bis 1253 als königlicher Notar, zuletzt als Notar des „älteren 
Königs** erscheint ') und am 5. August 1259 mit Tode abgeht. ^) 
Ebenso verschieden dürfte er von einem zweiten Herbord sein, den 
wir 1243 als Magister, Canonicus und Notarius des Bischofs in 
Olmütz finden ') und der muthmasslich mit dem Olmützer Propste 
von 1351 bis 1354 und nachmaUgen Dechanten Herbord (1355 -1260) 
eine und dieselbe Person ist. ^) Auch ist nicht leicht anzunehmen, 
dass der soeben Genannte wieder der Olmützer Propst Herbord 
von 1261 bis 1267 war, ^) da nach allen vorhandenen Dokumenten 
die erst vom Bischöfe Ruprecht gestiftete Propstei ausnahmsweise 
die zweite Präbende des Kapitels war, daher ein Olmützer Propst . 
wohl Dechant, aber nicht leicht ein Dechant Propst wurde. ") End- 
lich finden wir auch noch im J. 1264 einen Herbord, Domherrn zu 
Prag und Olmütz •), und eben dieser dürfte unser Herbord von 
Füllstein sein. '•) Die Leitmeritzer Propstei erlangte er im J. 1354 
und konnte selbe nach dem häufigen Missbrauche jener Zeit recht 
wohl neben den erwähnten Kanönikaten in Prag und Olmütz fort- 
geniessen. Das Leitmeritzer Kapitel verdankt ihm die neuerliche 



') Pfeifer, Schauplatz des alteu Adels iu Mähren. Vgl. Urk. Erben reg. 570, 
652. Bocek III. 141, V. 251. 

*) Prager Kap. Arch. I. 3. 

^) Urk. Erben 551, 572, 618. 

*) Tomek 654. 

') ürk. Erben reg. 511. 

«) ürk. Boiek III. 141, 199,. 224, 258, 279. 

') Urk. Bocek 111. 812, 829, 351, 864, 888, 402. 

') Vgl. dieselben Urkunden bei Bo(ek. Palack^ D^rjiny I.' 864 übersah diesen 
Umstand. 

•) Prager Kap. Arch. F. III. I. 7. 

1'*) Wir finden in dieser Zeit folgende Füllsteine: Herbordus dapifer und dessen 
Bmder Walter; Herbords Söhne: Eckericus, der 1275 das halbe Lehen 
FüHstein empfing, Johannes (Henningas), Conrad, Dietrich Pfarrer in Brunn 
und Canonicus zu Olmütz, — und unsem jungem Herbordus. Vgl. Bo6ek 
IV. 149, 289, 109, 280, 281, 260. 



150 

Bestättigung der frühern Privilegien durch König Pfemysl Otto- 
kar IL ') Er soll im J. 1270 mit Tode abgegangen sein. 

2. Nach ihm erlangte ein gewisser Conrad die Propsteiprä- 
bende. Wir finden ihn im J. 1277 in Leitmeritz an der Seite des 
dort weilenden Königs Pf emysl Ottokar's U., als Zeugen eines Pri- 
vilegiums, kraft dessen die Unterthanen der Wy§ehrader Propstei 
zu Schittenic weder zum Gerichte noch zur Berna nach Leitmeritz 
gezogen werden sollten. Auch wurde damals entschieden, dass ein 
von Seiten der Stadt auf Wyäehrader Propsteigrunde erbautes 
Badehaus dem jeweiligen Grundherrn gehöre und nur gegen einen 
auszubedingenden Jahreszins benützt werden dürfe. *) Propst Conrad 
soll auch den König in die unglückliche Schlacht auf dem March- 
felde begleitet und dort viel Ungemach von den siegreichen Soldaten 
des Kaisers Rudolf erduldet haben. ^) Sicher erlitt zu seiner Zeit 
unter der barbarischen Landesverwaltung Otto's von Brandenburg 
auch das Leitmeritzer Kapitel unsäglichen Schaden an seinen Be- 
sitzungen. Viele derselben wurden ihm damals gänzlich entrissen 
und obgleich nachher der Landtag vom 20. Mai 1281 die Restitu- 
tion verfügte, so zogen sich doch die gerichtlichen Verhandlungen 
darüber bis 1319 hinaus. ^) Damals war wohl der Originalstiftsbrief 
Spytihnew's IL, sowie die spätere Stiftsurkunde Ottokars abhanden 
gekommen. In der Noth entstand da auf Grund beeideter Aus- 
sagen — ähnlich wie einst das Privilegium des Bischoüs Andreas — 
der bekannte unechte spytigueuische Stiftsbrief. Die Urkunde Otto- 
kar's fand sich später wieder. Propst Conrad suchte den misslich 
gewordeneu Verhältnissen seiner KoUegiatkirche unter Anderem 
auch dadurch aufzuhelfen, dass er sich in Rom um kirchliche Ab- 
lässe für alle jene bewarb, welche als wahre Büsser an den Festen 
der h. Weihnacht, Ostern, Christi Himmelfahrt, Pfingsten, ferner an 
den Festtagen der heiligen Jungfrau, des h. Stephan und der Kirch- 
weihe, oder auch in den Oktaven dieser Feste die Leitmeritzer 
Stiftskirche besuchen und zu den Baulichkeiten und zum 
Ankaufe der Lichter etwas beitragen. Auch denen. 



') Urk. dd. IX. Cal. Aug. 1257 in Dr. Uöfler*B Monum. des Königthums. 
') Urkunde b. Hammerschmidt glor. Wiiehr. 210 und 211. 
^) Bretfeld, Gesch. d. Leitm. Bisth. 
*) Vgl. Palack^ Gesch. II. 334. 



151 

welche auf dem Sterbebette etwas zu diesem Zwecke 
testiren wfirden, sollte der gleiche Ablass zu Theil 
werden. Sein Ansuchen fand Erhörung. Im J. 1289 stalten ihm 
die Erzbischöfe und Bischöfe Theocristus von Adrianopel, Joannicius 
von Raca, Bonifacius von Par^nzo, Waldebrunus von S. Aquila, 
Romanus von Croha und Aldebrandus von Sutri zu Kom einen 
Ablassbrief aus, durch welchen jeder der Genannten einen Ablass 
von 40 Tagen unter den erbetenen Bedingung^ gewährte. ') Die 
Confirmation des Prager Bischofs Tobias erfolgte erst im J. 1295.^) 
IVfittlerweile segnete Propst Conrad im J. 1293 das Zeitliche. ') Zu 
seiner Zeit wird (1282) ein Leitmeritzer Domherr Elias genannt, 
welcher die geistliche Leitung der Dominikanerinnen des S. Anna- 
klosters am Aiyezd in Prag als Propst besorgte.^) Solcher Fälle, 
dass man Weltgeistliche als Seelsorger den Nonnenklöstern vor- 
setzte, gab es in jener Zeit mehrere. ^) Demselben Elias verlieh 
(1280) Hermaün von Hohenlohe, Grandprior der Johanniter, für 
dem Orden erwiesene Freundschaft das Dorf Tinec auf Lebens- 
zeit. *) — Unter Propst Konrad erhielt die Stadt Leitmeritz mehrere 
Privilegien vom Kaiser Rudolf — wie es beisst — auf Fürbitte des 
kaiserlichen Mathematikers Johann Hradicky, eines gebore- 
nen Leitmeritzers. Auch erhielt damals die Stadt eine neue 
Kirche, die nachmals zur selbstständigen Pfarrkirche erhoben ward, 
— die Kirche S. Laurenz, welche die Bürgerschaft ex voto 
wegen häufiger Feuersgefahr erbaute. Am 10. August 1290 wurde 
sie vom Bischöfe Tobias consekrirt. ') 

3. Von 1293 bis 1316 wird in allen Serien Smilo (Samuel) 
von Wiökow als Propst von Leitmeritz genannt. In einer der- 



*) Das Original mit 6 erhaltenen und einem abgebrochenen Siegel liegt im 

Leitm« Kapitelarchive. 
') Ebendaselbst. 
') Bretfeld, Rohn. 
*) Tomek 515. 

*) Ein Admliches geschah in Teplitz, wo Thimo von Koldic als Propst fun- 
girte. 

•) ürk. in Henr. Ital. Formelb. S. 119. 

') ha J. 1289 wurden selbe vom Brande verzehrt. (Strahower MS. Leitm. 
Merkwürdigkeiten.) 

•) Ebendas. Pfarrkirche ist sie in regist decim., in libris contirm. u. erec- 
tionum. Im J. 1384 zahlte sie 9 Groschen halbj. Papstzeheni. 



152 

selben ') heisst er sogar der Kühne, ohne dass einer besondern 
Veranlassung dieses Beinamens gedacht wird. Wahrscheinlich be- 
zieht sich derselbe auf die eben in diese Zeit fallende Kämpfe 
zur Wiedererlangung der unter Propst Conrad dem KoUegiatstifte 
entzogenen Güter. Übrigens konnte wohl auch eine Zeit, wo fünf 
Könige nach einander den Thron bestiegen und drei derselben sich 
feindlich bekämpften, Anlass genug zur Bewährung der Kühnheit 
bieten. Unser Smil besass zugleich eine Canonicatspräbende in 
Olmütz. Dort starb er im J. 1316 und fand im bischöflichen Dome 
sein Grab. ') Zu seiner Zeit (1297) wurde die ganze Stadt Leitme- 
ritz ein Opfer der Flammen. ') 

§. 135. Forisetzvng:. Heinrich von Schinbnrg, Albert ind Tmbo. 

l. Nach dem Tode Smils entbrannte ein heftiger Kampf um 
die Leitmeritzer Propstei. Die Vergebung derselben fiel in die Zeit 
der Interimsregierung der Königin . Elisabeth (1317) und diese 
mochte wohl die eben erledigte Präbende au ihren vertrauten Rath- 
geber und Kanzler Heinrich von Schönburg vergeben haben. ^) 
Sei es nun, dass der Bischof dessen uneheliche Geburt geltend machte, ') 
oder folgte er dem Dräugen des Adels, der bald darauf den ihnen 
verhassten Günstling der Königin in Bürglitz einkerkerte, ") oder 
gab es irgend andere kanonische Hindernisse : kurz, Bischof Johann 
verweigerte ihm die Confirmation und erwirkte die Ernennung eines 
andern Propstes in der Person eines gewissen Albert. ') Diesen 
Albert finden wir denn auch bis 1321 im faktischen Besitze der 



•) Weidner. 

') Bretfeld. Irrig ist, dass er als Bischof von Olmütz gestorben sei. Als 
Bischöfe finden wir dort: Dietrich f 1302, Johann Holy f 1811, Peter von 
Lomnic f 1314, Conrad f 1326. Nach Rohn soU er zuletzt Archidiakon 
des Olmützer Kapitels gewesen sein. 

"*) Leitm. Merkwürdigk. M8. 

*) Vgl. Tomek G. Pr. 575, 579. Chron. Auloreg. Dobn. V. 357, 359. 

') Er war der uneheliche Sohn eines £dlen von Schönburg, vielleicht jenes 

- thüringischen Ritters Friedrich, der einst als Friedensstörer dem Könige 

Wenzel Bürgen stellen musste, später wegen neuer Fehden mit Abhauung 

eines Fingers der rechten Hand gestraft und dann — des Königs Freund 

wurde. (Pnlkava 248. Chron. Auloreg. 359.) 

«) Tomek G. Pr. 579. 

') Tomek 595. 



153 

Propstei. Anfang December 1319 hielt derselbe eine denkwürdige 
Kapitelversammlung in Leitmeritz. Als anwesend werden dabei 
die Leitmeritzer Domherren: Mladota (Sohn des Psynco), Egidius, 
Nicolaus (Sohn des Fritzo), Mainhard, Magister Johannes der Arzt 
und Stephan genannt. Hier wurde dem Propste die Bewilligung 
ertheilt, den Hof S 1 a t i n a emphy teutisch zu vertheilen, um aus 
dem Erlöse die Ausgaben zu bestreiten, welche die in Angriff ge- 
nommene Wiedererwerbung der unter den Vorgängern abhanden 
gekommenen Besitzungen verursachte. Dabei findet sich die An- 
deutung, dass neben den Gewaltthätigkeiten einiger Grossen auch 
mehrere von den Patronen nicht bestätigte*Verleihungen 
Ursache der erlittenen Verluste seien. ^) Nach Angabe einiger 
Serien war Propst Albert so glücklich, einige entfremdete Besitzun- 
gen wieder an das Kapitel zurückzubringen. *) Er starb im J. 1321. 

2. Mittlerweile gerirte sich Heinrich von Schönburg noch 
immer als rechtmässiger Propst ') und brachte endlich eine förm- 
liche Klage gegen den Bischof Johann vor den apostolischen Stuhl, 
(1318) die er durch die ärgsten Verdächtigungen des Bischofs zu 
unterstützen suchte. Wie bereits erwähnt, beschuldigte er seinen Ober- 
hirten der Simonie und der Unterstützung der Ketzerei. Er erbot 
sich auch, die auf solche Verbrechen gesetzten Strafen selbst er- 
leiden zu wollen, wenn er seine Beschuldigungen nicht beweisen 
könne. Wir wissen bereits, dass Bischof Johann in Folge dessen 
eilf Jahre zu seiner Vertheidigung in Avignon zubrachte und end- 
lich siegreich aus dem Kampfe hervorging. Heinrich von Schön- 
burg hatte dieselbe Zeit ebenfalls in Avignon verleben müssen. In- 
dess war die strittige Propstei nicht anderweitig vergeben worden. 
Schliesslich muss wohl eine förmliche Aussöhnung mit Bischof Johann 
erfolgt sein, denn auch Heinrich von Schönburg kehrte nach Böh- 
men zurück und wurde nun wirklich als Propst von Leitmeritz an- 
erkannt. Als solcher wird er im J. 1334 zum letztenmale ge- 
nannt. *) 

3. Als Heinrichs Nachfolger erscheint urkundlich Tammo 



M Urkimde dd. IV. non. Decbr. 1819 im Leitm. Kap. Archiv. 
^ Weidner, Bretfeld, Leitm. Series. 
') Cfaron. Franc, p. 106. 
') Tomek 658. 



154 

(Timo — Timotheus) Pflug von Rabstein, in einigen Serien 
auch Johann Püug genannt. Als seine Zunamen finden sich auch 
der lateinische Ulcio und die böhmischen Pluh und Prohut. Er 
war ohne Zweifel der Sohn jenes Ulrich Pflug von Rabenstein, der 
seit 1319 als Unterkämmerer und seit 1323 als Oberhofmeister des 
Königs Johann fungirte ') und nachher als oberster Landeshaupt- 
mann das Land derart mit Abgaben für den König bedrückte, dass 
man damals die treffende Bemerkung machte: der Pflug Pfemysl's 
habe Böhmen emporgebrächt, der Pflug Johanns aber richte es zu 
Grunde. *) Propst Tammo that übrigens redlich das Seine für die 
Leitmeritzer Propstei. Er erwirkte vom Könige Johann im J. 1341 
die neuerliche Gonfirmation aller Privilegien des Kapitels. ') Im 
J. 1347 ging er an die Erbauung eines neuen Propsteigebäudes, 
offenbar desselben, das die Leitmeritzer Bürger nachmals im 
J. 1421 als Bollwerk des husitischen Propstes Zdislaw von Zwifetic 
zerstörten. *) Gewiss war es eben die für die Stadt Leitmeritz be- 
denkliche Befestigung der neuen pröpstlichen Bui^, die schon 
im J. 1347 die Bürgerschaft bewog, den Bau möglichst zu hindern. 
Propst Tammo erwirkte aber einen Befehl des Königs und Kaisers 
Karl IV., welcher den Leitmeritzem dieses Gebahren bei Ver- 
meidung der königlichen Ungnade und der schwersten Strafen un- 
tersagte. *) In demselben Jahre (1347) stiftete Tammo auch einen 
Vicaritts perpetuus des Propstes (der erste ein Dom. Jacobus), 
welcher in den Stallis seinen Sitz unmittelbar nach den Domherren 
haben sollte. Zu seinem Unterhalte wies er ihm den freien Tisch 
in der Propstei, dann sechs Schock böhmische Groschen als baaren 
Gehalt, ein Pferd und einen Diener zu freien Händen, zwei Schock 
Groschen für anderweitige Bedür&isse und den ganzen Zehent an 
Fischen, Hanf, Hirse, Pfeffer, Weizen, Gerste, Winterkorn und 
Hafer vom Dorfe Kf eSic an. *) Propst Tammo nahm sich auch 
ebenso eifrig seiner Unterthanen in den Leitmeritzer Vorstädten 



') Palack^ IL' 151. Vgl. Balbinis urkundl. VerzeichniBS der Reichsbeamten, 

Mat. zur Statistik XI. 39. 
») Vgl. Chron. Franc, p. 178. 
') Urkunde im Prager Kap. Archiv B. I. 10, 8. 
*) Urkunde im Privilegienbuche der Stadt Leitmeritz N. 25. 
*) Urkunde im Leitra. Kap. Archive. 
•) Urk. dd. 3. Juli 1347 in Lib. Erect. IX. N. 7. 



155 

Zasada und Podlabe und im Dorfe Kf eöic an, indem er im 
J. 1348 ein Verbot des Kaisers erwirkte, dieselben in der Be- 
nätzung der Viehweide Blahodula und im Besuche des Marktes in 
Leitmeritz als Käufer und Verkäufer zu behindern und vor das 
Stadtgericht zu stieben. ') Er erlebte auch noch die Stiftung des 
Leitmeritzer Damdecanats durch Kaiser Karl IV.') Dieser 
Domdechant sollte beständig beiderKollegiat- 
kirche wohnen, die Domherren und dieDomgeist- 
lichkeit unter seiner Aufsicht haben, dieselben 
beschützen und alleStreitigkeiten, diezwischen 
dem Kapitel und der Stadt Leitmeritz entstehen 
würden, austragen und vergleichen. Als Dotation 
wies ihm der kaiserliche Stifter mehrere wieder eingelöste alte 
Kapitelbesitzungen zu, welche nachmals noch durch die Dörfer 
2eletic (Eisendörfel gegenüber von Leitmeritz) Wedlic und Orasice, 
einen Antheil von Techobusic und Zinsungen von Po£eplic, Tfebo- 
chow und Wrabenic vermehrt wurden. — Das Patronatsrecht über 
die neue Hauptpräbende behielt sich Karl für sich und seine Nach- 
folger auf dem böhmischen Königsthrone vor. Nur für den ersten 
Besetzungsfall cedirte er sein Recht an den Erzbischof Ernest. ') 
Unter Propst Tammo stiftete auch noch Gottfried von BauSowic in 
der Stadtkirche zu Leitmeritz einen Altar Allerheiligen mit einem 
besondem Frühmessaltaristen. ^) Nach den Serien starb Tammo im 
J. 1350. 

§. 136. F§rtsetiiiig: Bohnslaw, Johannes Hakenbrinn, Johann Kamyk, Heinrich 

Hakenbrinn, die neaen Domdechanten. 

L Im J. 1350 bestieg wieder einer der berühmtesten Männer 
der Zeit den Propsteistuhl von Ijeitmeritz. Es war dies Bohu- 
slaw von Pardubitz, der Bruder des Prager Erzbischofs Ernest 
und gleich diesem ein vertrauter Freund Karls IV. Wir finden 
auch ihn fast stets an der Seite des fronunen Kaisers, dem er wegen 



*) Urk. im Leitm. Kapitelarchiv. 

^ Urk. ebendaselbst 

') Urk. im Prager Kapitelarchiv. 

*) Strahower MS. Leitmeritzer Merkwürdigkeiten* Stiftg. dd. 10. Jnli 1348. 



156 ' 

seiner vorzüglichen Kenntniss des kanonischen Rechtes fast unent- 
behrlich schien. Wir finden ihn im October 1354 bei Karl IV. in 
Padua *); ebenso auch im nächsten Jahre, wo er im Justinakloster 
daselbst in Gegenwart vieler Fürsten und Bischöfe aus kaiserlicher 
Hand den Arm des h. Lukas als Geschenk für seine Kollegiatkirche 
erhielt. ') Unter Einem empfing er dort auch den Leib des h. Veit, 
um denselben in die Domkirche zu Prag zu übertragen. ^) Im sel- 
ben Jahre erhielt er auch die Vollmacht, den von seinen Vorgänger 
begonnenen Bau eines neuen Propsteigebäudes fortzusetzen und 
zu vollenden. *) Am 20. September 1355 errichtete Karl IV. drei 
neue Kanonikate am Prager Metropolitankapitel für die Pröpste von 
Leitmeritz, Altbunzlau und Melnik, damit diese Landprälaten für 
immer zugleich dem Kapitel der Hauptstadt angehören möchten. 
Man nannte diess hinfort die Incorporirung der Propsteien 
ins Domkapitel. Für das Kanonikat des Leitmeritzer Propstes 
schenkte Karl das Dorf SedliSt^ im Bunzlauer Kreise mit einem 
Jahreserträgnisse von 10 Schock Grosclien. Unter einem verlieh 
er dem Propste auch noch eine fortwährende Jahreszinsung von 34 
Schock im DorfePiStian, um davon einige verlorene Präbendenan- 
theile und Distributionen der Leitmeritzer Domherren allmählig 
wieder einzulösen. Zugleich ordnete er an, dass das Patronat der 
Propstei und des damit verbundenen Kanonikats für ewige Zeiten 
ihm und seinen königlichen Nachfolgern zustehen solle. Der je- 
weilige Propst hatte auch, wie jeder andere Prager Canonicus, einen 
besondern Vicaristen in der Metropolitankirche zu erhalten. *) Für 
diesen Vicaristen wurden jedoch der Propstei nachträglich noch 
die Dörfer Chrzminic (Kfemenic) im Bunzlauer und Waczic im 
Königgräzer Kreise angewiesen. •) Durch einen Gütertausch mit 
dem Prager Kapitel vom 4. März 1356 erhielt die Leitmeritzer 
Propstei statt aller dieser Orte und Einkünfte das Dorf Zlatnikj 
und 4 Hufen in Hodkowic. ') Unter Einem erwarb Propst Bohu- 



*) Urkdl. Unterschriften bei Pesina phosp. 456. 

') Urk. im Leitm. Eapitelarchiv. 

^) Pesina' phosph. 456. 

*) Utk, im Kapitelarchive. 

'^) Urk. im Prager Kapitelarchiv, — s. auch den Anhang. 

•) Urk. im Prager Kap. Arch. 

') Urk. ebendaselbst. S. Anhang. 



167 

slav im J. 1356 auch eine neue Confirmsition der Eapitelprivilegien. >) 
Er starb im Rufe eines heiligen Mannes am 9. December 1358. ^) 

2. Schon am 29. December 1358 wurde vom Erzbischofe Ernest 
der vom Kaiser „nach dem Tode des Bohuslaw" neu präsen- 
tirte Propst Johannes Hakenbrunn konfirmirt. ') Er heisst 
ausdräcklich ein Baier von Geburt. Wir werden schwerlich irren, 
wenn wir ihn fQr einen jener Hofkapläne halten, welche Anna von 
der Pfalz, die zweite Gemahlin des Kaisers, nach Böhmen mitge- 
bracht hatte. Näheres ist über ihn nicht bekannt. Nur heisst es 
in den Confirmationsbüchem unterm 7. Jänner 1362: promotus ad 
praeposituram Wyäehradensem. ^) j 

3. Ihm folgte am 7. Jänner 1362 durch kaiserliche Präsenta- 
tion Johann von Kamyk*), von dem ausser dem Namßn nur 
noch bekannt ist, dass er am 10. April 1363 einen Präsentationsakt 
für die Pfarrei Saubernic vollzog. *) 

4. Als letzten Propst dieses Zeitraums nennen wir noch den 
Heinrich von Hakenbrunn, offenbar einen Verwandten des im 
J. 1362 auf die WySehrader Propstei beförderten Johann von Ha- 
kenbrunn. Am 27. März 1368 übte Heinrich zum erstenmale das 
Patronatsrecht der Propstei — ebenfalls in der Pfarrei Saubernic 
— aus. Fortan erscheint er in den öffentlichen Urkunden bis zum 
7. Juni 1396, wo er auf sein Amt jesignirte. *) Er that diess durch 
Bevollmächtigte, — lebte also nicht mehr in der flir kirchliche 
Würdenträger bereits gefahrlich gewordenen Königsstadt und hatte 
auch nicht Lust mehr, seinen Wohnsitz daselbst von Neuem zu 
nehmen. 



') Uric. im Leitm. Kapitel archive. 

^ Die Serien nennen irrig das^Jahr 1368. 

') 1358. 29. Dec. raortuo praeposito Bohnssio instiiutus est Johannes &c. 

(Lib. confinn.) 
*) Lib. confirm. 
') Praeposito Joanne ad praepositaram Wys. promoto suffectus ei Joannes 

de Kamyk. Lib. confirm. 
*) Lib. confirm. Wahrscheinlich war dieser Propst Johann aus der Familie 

der fiermesmister zu Kamaik und Pokratic, die wir nachmals als Wohl- 

th&ter der Minoriten in Leitmeritz kennen lernen werden. 

') Ebend. 

") Ebend. Im Decemregister bei Baibin heisst er tUlschlich Johann Haken - 
brunn. Vgl. Rohn Antiq. 



158 

Zum Schlüsse müssen wir auch noch der ersten Dechante 
des Kollegiatkapitels gedenken: 

a) Der erste Besitzer der neuen Pfründe wurde im Jahre 
1349 der zeitherige Leitmeritzer Scholasticus N i c o I a u s, welchen 
der Erzbischof Emest von Pardubitz in Folge kaiserlicher Ermäch- 
tigung vor dem nach Raudnitz berufenen Kapitel erwählte, konfir- 
mirte und investirte. Eine ganz irrige Annahme früherer Serien 
lässt ihn mit dem gleichnamigen natürlichen Bruder des Kaisers 
als eine und dieselbe Person gelten. Dem widerspricht aber ein- 
fach die urkundlich unerlässliche Besidenzpflicht ^ in Leitmeritz, die 
der damalige Prager Dompropst und nachmalige Patriarch von 
Aquileja ') (1350 — 1359) weder halten konnte noch wollte. 

b) Als Nachfolger wird um 1360 Peter von Schellen- 
berg, ein Agnat der benachbarten Herren von Hasenburg, genannt. ') 
Im J. 1355 finden wir ihn noch als Geleitsritter des Propstes' Bo- 
huslaw in Padua und bei der Übertragung der Reliquien des h. Veit 
von dort in die Prager Domkirche. Die Serien nennen ihn einen 
Liebling des Kaisers ob seines feinen Benehmens und grosser Ge- 
wandtheit in der Jurisprudenz. Doch kann er nicht gar lange 
Dechant zu Leitmeritz gewesen sein, denn 

c) vor dem 27. Mai 1369 starb bereits sein Nachfolger Ja- 
cob^), von dem ausser dem Namen nichts bekannt ist, — und 
neukonfirmirt wurde eben am 27. Mai 1369 

d) Odolenus von Chy§. *) Auch von diesem wird nichts 
Näheres berichtet. 

e) Der letzte Dechant dieser Periode war Andreas von 
Duba. Aus einer der edelsten Familien des Landes entsprossen, 
war er an der neuen Universität in Prag in Gegenwart des Kaisers 
Magister der schönen Künste, und später in Bologna auch noch 
Magister der Theologie und des kanonischen Rechts geworden. 



1) Vgl. §. 128 uum. 4. 

») Vgl. S. 126. 

-'') Balb. epit. 405. Uammenchmidt chron. urbium aliquot regiarum MS. Der 
in einigen Serien angeführte Johann von Wartenberg war nur Kanonikus 
und wurde spftter Propst in Leitmerits. 

*) Lib. confirm. 

*) Lib. confirm. Diesen und seinen Vorgänger kannten die bisherigen Se- 
rien nicht. 



159 

Nach seiner Heimkehr aus Italien finden wir ihn im J. 1379 als 
Dechant des Leitmeritzer KoUegiatstifts. Im J. 1381 wallte ihn 
der neue König Wenzel auf den bischöflichen Stuhl zu Breslau be- 
fördern. Indem aber das dortige Kapitel die königliche Empfehlung 
verschmähte, zog es sich den Zorn des Königs und manche Verle- 
genheit zu. Am 5. August 1384 wurde unser Andreas auf Zuthun 
des Königs von einem Theile des Merseburger Kapitels zum Bi- 
schöfe erwählt und behauptete sich daselbst gegen den von einer 
Gegenpartei gewählten Dompropst Heinrich. Erst als Andreas im 
J. 1292 das Zeitliche gesegnet hatte, erlangte jener Heinrich die 
Bestätigung des Papstes und den Besitz des Bisthums. ') Im J. 
1384 hatte Andreas von Duba bereits einen Nachfolger in Leitme- 
ritz — P r c p (Procko). *) In demselben Jahre werden uns 
auch ausser dem Propste und Dechant noch 11 Präpendaten des 
Leitmeritzer Kollegiatkapitels genannt Es sind diess: Doktor 
Liäek, Paul von Rakonic, Thomas, Wenzel, Wilhelm, Heinricott, 
femer 4 nicht namentlich bezeichnete Kanoniker und der Pfarrer 
von St. Stephan. ') 

§. 137. Die lelniker Propste von 1200 bis 1380. 

1. Wir haben die Series der Melniker Pröpste mit dem seli- 
gen Erzbischof Adalbert von Salzburg abgebrochen, der am 7. 
April 1200 ins bessere Leben hinübergegangen war. Sein Nachfol- 
ger war seiner würdig : es war Andreas, der nachmalige Bischof 
von Prag, der muthige Verfechter der Freiheit der böhmischen 
Kirche. Dieser war bis 1200 Propst des KoUegiatkapitels von 
Altbunzlau gewesen. Die Melniker Propstei hatte er bis 1207 inne, 
um sie alsdann mit der Propstei des Prager Domstifts und der 
obersten Kanzlerwürde zu vertauschen. *) 

2. Auch der Nachfolger des Propstes Andreas ist uns bereits 
wohlbekannt. Es war Peregrin, der im J. 1224 ebenfalls den 
Prager Bischofsstuhl besteigen sollte und auch wirklich die bischöf- 



*) Weteer Artik. Merseburg. Gruger ad 28. März. Hammerschmidt hiat. 

aliq. urb. MS. 
') Regist. decim. 
") Regist. decim. 
*) Vgl. 8. 182. 



160 

liehe CoQsecration erhielt, vom apostolischen Stuhle aber nicht be- 
stätigt wurde, weil er im Kirchenstreite des Bischofs Andreas das 
Interdict verletzt und trotz der kirchlichen Suspension unter dem 
Schutze des Königs seine Propstei in Melnik beibehalten hatte. 
Wir wissen bereits, dass er im J. 1225 auf Zureden des Cardinal- 
legaten Conrad das Bisthum resignirte und am 8. J&nner 1240 im 
Dominicanerkloster zu Prag sein Leben beschloss. ') Wir haben hier 
nur beizufügen, dass er neben der vom Prager Bisthum ihm zugewie- 
senen Jahresrente von 120 Mark, die übrigens durch päpstliches 
Indult vom 10. März 1232 aus Rücksicht auf die Bedrängniss des 
Prager Bisthums auf 100 Mark verringert wurde, *) — auch noch 
bis zum Jahre 1233 die Propstei von Melnik beibehielt, ohne aber 
daselbst seinen Wohnsitz zu nehmen. Als Propst verkaufte er im 
J. 1233 die entlegenen Dörfer Tizowa und Prinna für 150 Mark 
an das Kloster Kladnau und erwarb für den Erlös die näheren 
Dorfschaften Babice und Cernowes. Zu diesem Geschäfte ga- 
ben damals die Melniker Domherren Bohuchwal, Johann, Nico- 
laus, Veit, Sireth und Michael ihre Zustimmung. ') Im J. 1233 
scheint Propst Peregrin auf die Melniker Propstei resignirt zu haben, 
da von da an ein Nachfolger in dieser Pfründe genannt wird. ^) 

3. Als solcher erscheint nämlich Otto, der Sohn des Kämme- 
rers der Königin K a m p o n o s. •) Dieser neue Propst war noch 
nicht einmal majorenn, und befand sich muthmasslich Studien halber 
auf einer Hochschule ausser Landes; denn statt seiner führte von 
1233 bis 1239 sein Vater Kamponos urkundlich die Verwaltung der 
Propsteigüter. *) Dieser Administrator erlangte im Dezember 1233 
vom Könige Wenzel die Coniirmation der Besitzungen und Frei- 
heiten des Kapitels. ') Im J. 1240 erscheint Propst Otto zum 
ersten Male selbst in den öffentlichen Urkunden. ") Im J. 1243 
verkaufte er den Berg Wrabina mit den Dörfern Öernotin und 



») Vgl. J. 102. 

>) Urkuude £rbeu reg. 368. 

^) Urk. Erben reg. 453. 

*) Seine Stiftungen s. §. 102. Es wurde schon erwähnt, dass die Serien hier 

irrig den Üieronymus von 1172 einschalten. 
*) Urk. Erben reg. 347, 656. 
*) Urk. Erben reg. 387 und 453. 
') Urk. Erben reg. 387. 
•) Urk. Bo^ek H. 3So. 



161 

Turow um 300 Mark an das Kloster Choteschau, wozu die dama- 
ligen Kanoniker Johann, Nicolaus, Sireth, Michael, Stephan und 
Dövin ihre Zustimmung gaben. ^ Ii^ ^' 12^7 bestättigte auch die 
Königin Constantia, dass jener Verkauf mit ihrer und des Königs 
Erlaubniss geschehen sei. *) Im J. 1266 wird eines Hauses Erwäh- 
nung gethan, welches Propst Otto in Prag besass. *) Dieser fimgirte 
auch noch im J. 1264 als Zeuge in den Landesurkunden. *) Sein 
Sterbejahr ist nicht bekannt. Unter ihm scheint ilbrigens die be- 
deutsame Veränderung der Stellung des Melniker Kapitels einge- 
treten zu sein, dass jetzt nicht mehr der König selbst, sondern die 
Königin das PatronatderKollegiatkirche ausübte. Ausser 
obiger Bestätigung vom J. 1247 deuten diess auch die Streitigkei- 
ten an, welche Königin Constantia von 1236 bis 1254 mit der 
Deutschordenskommende in ftepin hatte aus Anlass einer Zehent- 
schenkung an die dem Orden der Kreuzherren mit dem rothen 
Sterne tibergebene Pfarrkirche zu Wrbna. *) Melnik war Leibge- 
dingstadt der Königin geworden. 

4. Nach Otto erlangte Budislaw Zajic vonWaldek 
die Melniker Propstei. Er war der Sohn des hochherzigen Stifters 
des Augustinerklosters St. Benig na, nämlich des königlichen 
Unter-Mundschenks Ulrich Zajic von Waldek. Im J. 1264 war er 
Canonicus des Prager Doms. ®) Im J. 1277 ward er Domdechant 
in Prag und resignirte mindestens vor 1289 auf die Melniker Prop- 
stei. Er starb im J. 1291. Auch er wurde ein Wohlthäter des 
Klosters St. Benigna, indem er demselben zu einer Jahr^sstiftung 
für seinen Vater den Hof Tyn bei St. Benigna zum Geschenke 
machte. ^) Das Melniker Kapitel erlitt ohne Zweifel in der trauri- 
gen Zeit Otto's des Brandenburgers eben so wie die übrigen geist- 
lichen Institute des Landes die ärgsten Plünderungen und Verwü- 
stungen seiner Güter; viele derselben wurden ihm zur Gänze ent- 
zogen. 



«; IJrk. Erben reg. 520. 
*) Urk. Erben reg. 5B3. 
^) Dobn. monum. VI. 27. 
*) Arch. cap. Prag. F. III. 1. 7. 

^) Milauer Gesch. des deutschen Ordens 16, 17. Vgl. Gosm. Gont. 445. (He- 
gina Gunigunda Tenit in Mielnik civitatem, que specialis ejus erat.) 
•> Prager Kap. Arch. F. III. I. 7. 
^) Gedenkbucher Ton 8. Benigna bei Weidner. MS. 

11 



162 

§. 138. Fortteliing: OllriGb, Ueiiirich, Hernann, Benei wd Mwml 

L Zu Anfang des Jahres 1289 tritt ein Magister Ulricus als 
Propst von Melnik auf. ') Im J. 1295 fungirte Ullrich noch immer als 
Propst von Melnik *- und zwar diessmal zugleich mit dem Prager 
Propste Ullrich von Cernin als Schiedsrichter in einem Streite des 
Klosters Tignowic mit dem Bischöfe von Olmutz. ^) Wahrscheinlich 
in den Anfang des Jahres 1296 fiel d i e V e r 1 e g u n g d e s M ei- 
niker Kapitels zur Allerheiligen kirche in Prag. 
Diese geschah auf Veranlassung des Königs Wenzel U., der die 
Geistlichen so gern an seinem Hofe sah und es auch liebte, wenn 
den ganzen Tag hindurch eine Reihe unterschiedlicher Andachten 
— meist in seiner Gegenwart — gehalten wurde. Er versetzte 
daher das auf den Propst und sechs Kapitularen ') herabgekom- 
mene KoUegiatkapitel von Melnik an die erst kürzlich vom Ober- 
landesrichter C i & erbaute Allerheiligenkirche neben dem 
Prager Dome und fügte zu den alten Präbenden noch einige neue 
und überdiess einen D e c h a n t hinzu. '*) Der erste Dechant war 
ein gewisser Albrecht Glas, ein Prager Patriziersohn, welcher 
ein eigenes Haus in Prag gegenüber dem Minoritenkloster St Jakob 

s 

besass. Er testirte solches seinem Vetter Peter, welcher dafür im 
J. 1340 eine Jahresmesse im Dorfe Bösig stiftete. Die Verlegung 
des Melniker Stifts d^iuerte aber nur sehr kurze Zeit. Schou im 
J. 1300 erhielt Propst Ullrich alle Ornate, Kelche, Bücher und Re- 
liquien, die er von Melnik mitgebracht hatte, zurück, um selbe 
sammt seinen Kapitularen wieder nach Melnik zu übersiedeln. Bei 
der Allerheiligenkirche blieb vorläufig nur der neue Dechant mit 
den neuen Präbendaten zurück. ^) Propst Ullrich vermehrte auch 
wieder die Besitzungen seines Kapitels, indem er vom Leitmeritzer 
Stadtrichter Conrad eine viergängige Mühle der Stadt gegenüber 
erkaufte, und für dieselben vom Könige Wenzel die volle Befrei- 
ung von Zinsungen, Exaktionen und Frohnden erlangte. ") Ullrich 



') Pulkava ad 19. Jan. 1289. 

>) Epist. Gerhardi archiep. Maguut. dd. IV. Cal. Novemb. 1295. (Boöek V. 36.) 

°) £ben nur so viele finden wir in den Kapitelurkttoden genannt 

*) Tomek G. Pr. 433. 

*) Tomek G. Pr. 433. 

*) Urk. bei Zdenko v. Trebuz in Dr. Höfler's bist. MoQflin. d«8 Kitei«tb«a». 



163 

scheint auch noch die tiefbewegten Zeiten nach dem Aussterben 
der Pfemysliden erlebt zu haben. 

2. Als sein Nachfolger erscheint Heinrich von Lipa, der 
zum ersten Male in einer Urkunde vom J. 1321 genannt wird. *) 
Sicher war er ein naher Verwandter, wenn nicht der Sohn jenes 
Heinrich von Lipa, der im J. 1315 als ünterkämmerer und Landes- 
marschall Königs Johann die Verwaltung Böhmens übernahm. *) 
Zur Zeit dieses Propstes lebte die Gemahlin Johanns, Königin 
Elisabeth, von ihrem Gatten selbst in Zeiten gegenseitiger Einig- 
keit vernachlässigt, zumeist in Melnik und befasste sich dort mit 
frommen und wohlthätigen Werken. Besonders eifrig war sie in der 
Sammlung heiliger Reliquien, die sie in kostbaren Tafeln und Mon- 
stranzen von Gold und Silber mit Edelsteinen geschmückt, verwah- 
ren Hess. •) Es lässt sich denken, dass sie da auch die würdige 
Ausstattung der KoUegiatkirche in Melnik nicht vergass. Im J. 1328 
erbaute sie auch ein Annenhospital vor dem Thore dieser Stadt 
und dotirte es wahrhaft königlich. '•) Propst Heinrich vergab mit 
Bewilligung der Königin Elisabeth und im Einversttändnisse mit 
seinen Kapitularen schon im J. 1321 das Gut Tfemoäna bei 
Pilsen, welches nicht weniger als 32 Hufen (gegen 2240 Strich Aus- 
saat) umfasste, an emphyteutische Bauern, welche für jede Hufe 
fortan, einen Jahreszins von 2 Schock Groschen zahlen sollten. Als 
Kanoniker werden dabei genannt: Barth olomaeus. Hartleb, 
Mladota, Benedikt Kfistan „und die Übrigen."*) Im J. 1328 i 
administrirte Propst Heinrich das Prager Bisthum in Abwesenheit des 
Bischofs Johann von Dra^ic. Er besass eben damals und wohl auch 
schon vordem ein Canonicat am Prager Dome. •) Im J. 1341 wurde 



*) Ürk. im Extractus mein. eccl. Melnicensis. 

») Vgl. Tomek 569. 

'») Tomek 602. 

*) Bis Ferdinand I. gehörte dem Spitale ein besonderes Spital gut, das 
seitdem zur Herrschaft der königl. Burg in Melnik gezogen wurde. Darum 
waren seitdem die Spitalpfründen auf die Burg angewiesen, — einige 
allerdings auch auf die Kirche und auf das Legat eines Pi'cdigcrs. (Extract. 
circa Statum beneficiorum dioec. Litern, in erectiön episc. Litom. MS. des 
Consist. Arch.) 

^ Extractus mem. eccl. Melnic. MS. Urkunde im Anhange. 

■) Tomek 655. Dom-Arch. G. XIL 12, 3. 

11* 



164 

er zum Propste des Prager Domkapitels gewäJüt ') und opponirte 
— wie schon erwähnt — im J. 1343 gegen die Erwählung des ri- 
gorosen Domdechants Ernest von Pardubitz zum Bischöfe in Prag. 
Im J. 1348 fungirte er als Notarius terrae. '^) Als Propst von Prag 
erscheint er noch im J. 1352. ^) Es lässt sich nicht feststellen, ob 
er auch bis dahin die Propstei von Melnik beibehielt. Möglich ist 
es allerdings, da sein Nachfolger erst im J. 1358 urkundlich er- 
wähnt wird. 

3. Dieser hiess Hermann und war vordem Cisterzienserbru- 
der des Klosters Königsaal gewesen. Er erscheint als Zeuge bei 
dem bereits angedeuteten Gtttertausche zwischen dem Bischöfe von 
Leitomygl und dem Kloster Königsaal am 26. Jänner 1358. *) Er 
erbaute an der KoUegiatkirche eine neue Frohnleichnamskapelle, ^) 
welche später (1386) vom Prager Weihbischof e Hinko, Bischof von 
Ladomir (aus dem Augustinerorden) mit Ablässen versehen wurde. «) 

4. Als Nachfolger wird in allen bisherigen Serien Beneä von 
Zwif etic (Wartenberg) bis zum J. 1368 genannt. Auch wird er- 
wähnt, dass man ihn seiner ausgezeichneten Beredsamkeit wegen 
den böhmischenTertullian geheissen habe. ^) Als sein Todes- 
tag wird der 13. Jänner 1368 angesetzt. Bezuglich seiner Verwal- 
tung der Melniker Propstei waltet aber jedenfalls ein Irrthum ob. 
Hat er letztere wirklich inne gehabt, was wir den älteren Serien 
gegenüber nicht bestreiten wollen, so kann er doch kaum über ein 
Jahr im Besitze dieser Pfründe geblieben sein; denn schon im 
September 1359 tritt in den urkundlichen Confirmationsbüchern 
Johann vonLandstein als Propst von Melnik auf und heisst 
so fort bis 0i seinem Tode am 22. November 1389. ^) Dieser Johann 
war ein Verwandter (Neflfe?) des gleichzeitigen Wyäehrader Propstes 
Wilhelm, des Stifters des KoUegiatcapitels Lipnic. Im J. 1371 nahm 
er eine wesentliche Abänderung des Grundbesitzes seiner Propstei 



») Urk. Pesiaa 58. 

') Balb. Reichsbeamten in d. Mater, zur Statistik. XI. 34. 

^) Tomek 657. 

*) Lib. Erect. I, B. 2. 

*) Die jetzige Sacristei. (Sommer Top.) 

*) Urkde. in extracte mem. dec. ecci. Mein, im Leitm. bischöH. Archive. 

') Waller, Crugerius. 

■) Lib. confirm. ad 1359—1389. 



165 

• 

vor: er übergab nämlich eine uneinträgliche Waldgegend bei Getko- 
i¥ic im Pilsner Kreise emphyteutisch zur Gründung von Ansässig* 
keiten an die Brüder Zdenko und Blasius von Pfiwetic gegen eine 
ewige Zinsung von 1 % Schock Groschen. >) Damals konfirmirten diesen 
Akt folgende Melniker Domherren: Dietmar, Simon von Zabihlic, 
der Altbunzlauer Propst Peter, Herbord von Janowic, der 
Bruder des Prager Archidiakons Dr. Paulus, ^) Burkard von Kolo* 
wrat, Wenzel Leptus und Victor. Für den Propst Johann wurden 
nachmals zwei Seelengedächtnisse gestiftet, das eine zu Chi um, wo 
der Schwager Hinko von Radec zu diesem Zwecke eine Waldung 
an die Pfarrkirche schenkte, ') und das andere zu Kf eöowic, wo 
derselbe Hinko zu diesem Behufe Zinsungen aussetzte. ^) 

§. 1.39. Das exemte Collegiatstift Wyi^elirad. 

1. Das schon bei seiner Stiftung unter die unmittelbare Obe- 
dienz des apostolischen Stuhles gestellte Kapitel inWyäehrad stand 
im 13. und 14. Jahrhunderte mehr als je als das erste und vor- 
nehmste im Lande da. Waren es aber in der ersten Zeit mehr die 
Besitzungen und Privilegien gewesen, die es vor allen auszeichne- 
ten, •) so waren es jetzt mehr diehervorragendenPersön- 
1 i c h k e i t e n , welche seinen Namen in der ganzen Christenheit 
bekannt machten. Den Abschluss des 12. und Anfang des 13. Jahr- 
hunderts vermittelte zunächst Propst Sigfried von Eppenstein, 
der im J. 1200 den erzbischöflichen Stuhl von Mainz bestieg, der 
erste Metropolit, der aus Böhmen selbst hervorging. ®) Wir werden 
seiner in der Geschichte der Mainzer Metropoliten ausführlicher 
gedenken. In der Wyäehrader Propstei folgte ihm Christian, 



') Lib. erect. I. K. 6. 

*) Für diesen stiftete er einen Altar zu Janowic. Lib. erect. IL £. 5. 

*) Lib. erect IV. T. 1. 

*) Lib. erect. XIII. L. 5. 

*) Die Kapitalaren erhielten z. B. gleich bei der Errichtung (1070) den Ge- 
brauch der Pontifikalien, der den Canonikem bei S. Veit erst 1364 zuge- 
standen wurde. Von 1364 eilen aber die Letzteren voran. Im J. 1390 er- 
halten selbe die iniulas gemmatas et aurophrigiates. 

*) Sigfried konsekrirte die ihm als Propst zustehende Patronatskirche in 
Schüttenitz (c 1200). MS. Leitm. Merkw. 



166 

nachmals Propst bei St. Veit, zugleich wie die meisten- seiner Vor- 
fahren und Nachfolger oberster Kanzler des Königreichs. (1201 
— 120a). 

2. Von da an sehen wir eine Reihe hochgeborner Fürsten 
als erste Dignitare des Kapitels. Wir nennen vorerst den Vetter 
Königs Pfemysl's L, Arnold (1203—1238), welcher im J. 1220 die 
beschwerliche Reise nach Rom unternahm, um für sich und den 
Leitmeritzer Propst Benedict die Aufbebung der kirchlichen Bus- 
pension zu erbitten. Von 1226 bis 1237 erwarb er sich wieder als 
königlicher Kanzler hohe Verdienste um das Land. — Philipp 
von Kärnthen (1237—1247) war der Bruder des letzten Orten- 
burger Herzogs (Ulrichs III.) von Kärnthen, ein Sohn . von Pf e- 
mysl Ottokar's I. Tochter Judith, demnach ein Vetter Ottokar's II. 
Wie sein Bruder Ullrich durch die Gunst des Königs Wenzel I. 
Herzog von Lundenburg in Mähren, so wurde Philipp, der seine 
Versorgung im geistlichen Stande suchen sollte, Propst von Wy§e- 
hrad und oberster Kanzler des Königreichs Böfimen. Diesem wurde 
noch überdiess der erzbischöfliche Stuhl von Salzburg in Aussicht 
gestellt; dagegen musste er zufrieden sein, dass Kärnthen nach 
etwaigem kinderlosen Ableben seines Bruders an das böhmische 
Königshaus falle. In der That gelang es im J. 1247 dem vielver* 
mögenden Könige, das Salzburger Kapitel und den apostolischen 
Stuhl für seinen Ne£fen zu gewinnen: derselbe ward zum Erzbischof 
von Salzburg gewälüt. Aber Philipp vernachlässigte derart das 
geistliche Amt, dass er im J. 1251 (vom Prager Bischöfe Nicolaus) 
erst die Diakonatsweihe annahm, zur Priester- und Bischofsweihe 
aber niemals sich entschliessen wollte. Dennoch kannte sein Stolz 
und seine Willkür den Salzburger Kapitularen gegenüber keine 
Gränzen. So erfolgte denn nach zehnjähriger Verzögerung der hö- 
hereu Weihen im J. 1357 durch Papst Alexander IV. seine Ab- 
setzung vom erzbischöflichen Stuhle. ') Aber Philipp wollte nicht 
weichen und setzte sich sogar gegen die von den Salzburgern an- 
gerufene Hilfe Baierns zur Wehr. Es gelang ihm selbst, auch seinen 



') Es geschah diess auf Grund eines aUgemeinen Dekretes^ dass alle jene 
Bischöfe abgesetzt seien, welche nach Jahresfrist seit ihrer Erwfthluog die 
CoDsecration nicht erwirkt hätten. Vgl. Ott. Lorenz, Ottokar II. und das 
£rzb. Salzburg, Sitzgsb. der.k. k. Akad. 1860. XXXIil.. 506. 



167 

Vetter Pf^nysI Ottokar IL von Böhmen zu seinen Gunsten in die- 
sen Kampf zu verwiekeln. Fruchtlos wurde er nach Rom citirt, 
fruchtlos wurde mit den schärfsten kirchlichen Censuren gegen ihn 
vorgegangen • ^^ Folge war nur, dass Ottokar fortan mehr im 
StiDen, als öifentUch für seinen Vetter thätig war. ') Thatsächlich 
konnte der neue Erzbischof Ullrich von Seckau erst im April 1260 
von seiner Kathedrale Besitz ergreifen. ^) Aber schon im J. 1261 
war Philipp von Neuem Herr im Lande und so ging es unter 
mancherlei Wechselfallen und nach des neuen Erzbischofs Rück- 
tritte fort bis zum J. 1269. Da zeigte sich endlich ein Ausweg: 
der Patriarch Gregor von Aquileja war am 8. September dieses 
Jahres gestorben. König Ottokar von Böhmen und Herzog Ullrich 
von Kärnthen gaben sich nun alle erdenkliche Mühe, das Kapitel 
von Aquileja zur Erwählung Philipps zu bewegen. Es gelang: die 
Mehrzahl der Wähler erkor ihn am 23. September 1269 zum Patriar- 
chen. *) Aber was sich eigentlich hätte voraussehen lassen, ge- 
schah: man verwarf in Rom seine Wahl. Indess war sein Bruder 
Ullrich von Kärnthen am 27. October 1269 mit Tode abgegangen, 
Philipp aber war vom Kapitel zu Aquileja bis zur Ankunft der ge- 
hofiten päpstlichen Gonfirmation zum Feldhauptmann von Friaul 
ernannt worden. Auf diese Weise wieder an die Spitze einer Heeres- 
macht gestellt und selbst zweifelhaft an dem Erfolge seiner Pa- 
triarchenwahl — warf er sich jetzt plötzlich, uneingedenk aller Ver- 
zichtleistuBgen und Erbverträge, sowie auch aller Freundschaftser- 
weisungen Ottokars, zum Erbherzoge von Kärnthen auf. 
Aber es genfigte ein einziger Feldzug Ottokars, um dieses ererbte 
Land an sich zu bringen, und er war hochherzig genug, seinem un- 
dankbaren Vetter die Stadt Krems und das Scbloss Pesenberg in 
Oesterreich zum freien Unterhalte anzuweisen. *) Nun aber um- 
dfi8t€«*te sich auch Ottokars Lebensglflck; die Zerwürfhisse mit 
Deutschland nahmen ihren Anfang. Da wurde der herrschsüchtige 
Philipp des Königs Verderber. Er klagte bei Kaiser Rudolph, dass 



') Dftmbeiiger X. 736. 

*) Ebend. 774. 

') Ebend. 777 und Lorenz lib. cit. 

*) Ebend. 941. 

*) Pubitschka V. 376, 377. Damberger XI. 53. 



168 

Ottokar ihn um sein Erbe gebracht habe und erlangte in der That, 
dass man letzteren der Länder Kärnthen und Krain verlustig er- 
klärte (1274). Ottokar fand in Folge der nun beginnenden Kämpfe 
ein traurigesEnde(14. August 1278); aber auch Philipp sollte keine 
Fruchte seines Undanks ernten. Er starb, ohne Kärnthen erbalteu 
zu haben, bereits im J. 1279. Sein Grabmal nannte ihn 
Herzog, Bischof und Patriarch: in Wirklichkeit war 
er nichts von dem allen gewesen. ') 

3. Im Wy§ehrader Kapitel war kurze Zeit hindurch der ge- 
lehrte Magister und frühere Canonicus Dionys der Nadifolger 
Philipps geworden (1248— f ^' Oct. 1254). Dann folgte abermals 
ein hoher Fürstensohn — Wladislaw, ein Sohn des im Kampfe 
gegen die Mongolen gefallenen Liegnitzer Herzogs Heinrich des 
Heiligen und Ottokar's I. Tochter Anna. Er hatte als studie- 
render Kleriker zu Padua seine Liebe zur Keuschheit durch 
eine schöne Handlung an den Tag gelegt, die ihn alsbald in 
ganz Deutschland bekannt machte. Ein Bürger hatte in der aus* 
sersten Noth seine schöne Tochter dem reichen Prinzen zugeffihrt; 
dieser aber wies den sündhaften Antrag entrüstet zurück, sorgte 
jedoch sofort auf das Edelmüthigste .für Vater und Kind. Unser 
Wladislaw war damals schon Propst von Wy§ehrad. Als solcher 
hatte er die seltene Freude, im J. 1261 die Heiligsprechung seiner 
Grossmutter Hedwig zu erleben. Allbekannt waren auch bereits 
seine seltenen Tugenden und seine ausgezeichnete Gelehrsamkeit, so 
dass es uns nicht Wunder nehmen kann, wenn im J. 1265 die 
Kapitel von Salzburg und Passau zugleich vom apostolischen Stahle 
diesen edlen Prinzen zu ihrem Oberhirten begehrten. Der Papst 
gab den Salzburgern den Vorzug.; ^) denn hier galt es, erst den 
herrschsüchtigen Vetter Philipp zur Buhe * zu bringen und dann gut 
zu machen, was durch dessen Verschulden Übles eingerissen war. 
Wir wissen bereits, dass erst Philipps Berufung nach Aquilcga (1269) 
die argen Kämpfe beendete. Ohne Säumen ging nun der fromme 
Wladislaw an seinen hohen Beruf; doch plötzlich endete im Jahre 
1270 der Tod durch Vergiftung das hoffnungsvollste Leben. 

4. In Wyäehrad, wo schon im J. 1267 ein neuer Propst Peter 



Pttbitschka V. 472. Krones Geschichtslebea 87 u. ff. 
•) Pnbitschka V. 348-345. 



169 

geaannt wird, folgte schon im J. 1288 ein neuer Fürstensohn. Es 
war J b a n n, ein unehelicher Sohn Ottokars U., von dessen frommer 
Gesinnung übrigens die Thatsache zeugt, dass er im J. 1293 einen 
dem Chotischauer Kloster gehörigen Hof am Aujezd in Prag an- 
kaufte und daselbst die Dominicanerinnen einführte. ') Es wurde 
bereits erwähnt, dass- König Wenzel IL diesen seinen natürlichen 
Bruder im J. 1296 auf den Prager .Bischofsstuhl befördern wollte, 
jedoch auf Anrathen des Propstes Johann von Sadska diesen Plan 
wegra allzu grosser Jugend seines Schützlings auf eine spätere 
Vakanz verschob. ^) Die Hofifnung war vergebens , denn Propst 
Johann starb noch in demselben Jahre. ^) Das KoUegiatstift ver- 
dankte ihm im J. 1295 den Ankauf der mährischen Dörfer Wokow, 
Pam^tec und Kladrub vom Kloster zu Leitomyäl. ^) 

§. 140. Fortsetiing. 

1. Johanns Nachfolger wurde Peter Aichspalter, einst 
Leibarzt des Grafen Heinrich von Luxemburg, nunmehr in gleicher 
Eigenschaft am Hofe Wenzels H. und in Folge seiner bereits er* 
worbenen Verdienste Domherr bei St. Veit, auf dem Wyäehrad 
und zu Breslau. Im J. 1296 wurde er Propst von Wyäehrad 
und zugleich in Brunn. Wir kennen ihn bereits als nachmaligen 
Bischof von Basel (1297), als welcher er die Wygehrader Propstei 
und die böhmische Kanzlerwürde beibehielt, — und endlich seit 
1306 als für unser I^and hochverdienten Erzbischof von Mainz. ') 
Als solcher starb er am 6. Juni 1320. 

2. In der WySehrader Propstei folgte ihm schon im J. 1306 
Peter von Lomnitz, zugleich Dompropst bei St. Veit und Landes* 
kanzler, der im J. 1311 den Bischofsstuhl von Olmütz bestieg. Auf 
die WySehrader Propstei verzichtete er noch vor seiner weitern 
Erhöhung; denn schon im J. 1309 imden wir daselbst einen Nach- 
folger und zwar abermals einen Königssohn. Es war Johann 



') S. sp&ter S* 166. 
') Chron. Franc, p. 66. 
') Tomek 667. 
•) Boöek V. 80. 
*) Vgl. §. 129. 



170 

Wolek, ein ausserehelicher Sohn Wenzels II, natürlicher Bruder 
der Königin Elisabeth. Er war sein Leben lang der letzteren treue- 
ster Freund. Schon im J. 1309 vermittelte er die Befreiung der 
geliebten Schwester, die der königliche Gemahl auf den Wyäehrad 
gefangen setzte. Je mehr sich das Verhältniss zwischen König und 
Königin verbitterte, desto missliebiger wurde auch Propst Johann 
bei dem ruhelosen LandesfQrsten. Er hielt es 1319 für nöthig, sich 
durch eine eigene päpstliche Bulle nochmals die Dispens des kano- 
nischen Hindernisses der unehelichen Geburt zum Fortgenusse seiner 
Propstei und eines Kanonikats in Olmütz bestätigen zu lassen. ') Im 
J. 1322 kam es endlich wirklich dahin, dass man ihn seiner Pfründen 
beraubte und ins Gefängniss warf. Doch es gelang ihm schon nach 
wenigen Tagen sich durch die Flucht nach Baiern zu retten.*) Die 
Wyäehrader Propstei wurde vom Könige sogleich anderweitig ver- 
geben •) — de facto, wie der Chronist Franz sich ausdrückt, aber 
nicht de jure. Wahrscheinlich erlangte der neue Propst nicht ein- 
mal die bischöfliche Confirmation, weshalb er in den Serien auch 
gar nicht genannt wird. Später erlangte Propst Johann die könig- 
liche Gnade wieder und wurde im J. 1325 in alle seine Würden 
wieder eingesetzt. Nun wurde er sogar oberster Kämmerer und 
vertrautester Bath des Königs. Am 19. August 1334 erlangte er 
endlich das Bisthum Olmütz und starb daselbst von Klerus und 
Volk geliebt — zugleich als erster Sulfragan der neuen Prager Metro- 
pole im J. 1351. Mähren verdankt ihm die Stiftung des Benedic- 
tinerklosters Pustimir, wo er auch seine letzte Ruhestätte fand. 
Bei der Stiftung eines ähnlichen Klosters in Prag (ad misericor- 
diam Domini) betheiligte er sich in hochherziger Weise. '•) — Zum 
Propste von Wyäehrad hatte König Johann bereits im J. 1334 
einen ungenannten Kardinal und Bischof von Altisydora er- 
nannt: Bischof Johann Wolek sollte indess Procurator der Propstei 
bleiben. Aber Berthold von Lipa, des ehemaligen Landeshaupt- 
manns Sohn bestritt auf Grund eines früher erhaltenen urkundlichen 
Versprechens des Königs die neue Ernennung und behauptete wirk- 



I) Bocek ad 1819. 

*) Chron. Auloreg. Chron. Franc. 131. 

') Chron. Franc. 181. 

*) Chron. Franc. 247. 



171 

lieh sein Becht (1334—1343). Zu seiner ZQit lebte im Kapitel der 
Dechant Peter, damals Generalvicar des Bisthums Olmütz, im 
J. 1343 selbst Bischof von Chur und endlich i^rzbischof von 
Magdeburg. *) — Von 1343 bis 1352 wird ein Propst Hein- 
rich genannt, den einige für einen Herrn von lipa, andere 
aber sogar für einen Herzog von Braunschweig halten, welcher 
letztere zugleich Bischof von Hildesheim war und im J. 1252 mit 
Tode abging.*) — Von 1353 an erscheint Propst Wilhelm von 
Landstein, welcher 1357 in Leipnik ein EoUegiatstift von 12 
Kanonikern stiftete und in Lomnic eine neue Kirche (Corporis 
Christi) erbaute. 

3, Der nächste Propst war der berühmte Dietrich von Ku- 
gelweit, (1360—?) ein naher Verwandter des Erzbischofs Ernest von 
Pardubic. Seinen Beinamen führte er von einer Burg in der Ge- 
gend von Krumau, ') wo er vermuthlich das Licht der Welt er- 
blickte. Er trat frühzeitig als • Klosterbruder in das Cisterzienser- 
kloster Lenin in Brandenburg ein. Von dort her kam er endlich 
an den Hof Karls IV., dem er alsbald durch seine vielfachen Ta- 
lente völlig unentbehrlich wurde. Er wurde sein Diplomat, sein 
Feldherr, sein Finanzminister. Wir finden ihn nämlich bald als Ge- 
sandten und Unterhändler, bald wieder als sieggewohnten Krieger 
(diess in Baiern 1357) und endlich als Verwalter der kaiserlichen 
Einkünfte im deutschen Reiche. ♦) Die Quellen nennen ihn in die- 
ser Zeit nach einander Bischof von Sarepta, von Schleswig, von 
Minden. Im J. 1360 ist er auch Propst von Wyäehrad und Kanzler 
des Königreichs, zudem auf Lebenszeit Herr von Parkstein und 
Weiden in der Oberpfalz und Anwärter der böhmischen Burgen 
Orlik imd Hauenstein. *) Im J. 1361 wurde er auf Empfehlung 
des Kaisers und durch päpstliche Provision Erzbischof von Magde- 
burg. Als solcher brachte er viele verloren gegangene Besitzungen 
wieder an das Erzstift zurück, kaufte manche neue hinzu, befestigte 



') Ruffer: Chron. Wys. 135, 186. 

j Ruffer 189, 140. Vgl. Tomek 657. Cruger ad 15. Mai, angebl.-exMS. Wys. 

') Palacky II.' 845, auf Grund einer Urkunde KarPs IV. v. 7. Juli 1860. So- 
mit Bind die bekannten Fabeln über seine Herkunft widerlegt Diese bei 
Ruffer chron. Wysebr. 145. 

*! Vgl. Damberger XV. 

') PalackJ^ n.» 845. 



172 

Burgen, säuberte das Land von Räubern, erbaute die schöne Saale- 
brücke bei Giebichstein, und den prachtvollen Hochaltar seiner 
Domkirche. Bei dem Allen wird er auch als ein frommer Oberhirt 
gerühmt, der zuerst statt des Schwertes ein vergoldetes Kreuz 
sich vortragen liess. Er starb am 17. September 1367 und wurde 
im Dome zu Magdeburg begraben. Bereits im J. 1357 hatte er 
sich auch in Böhmen ein bleibendes Andenken gegründet, — das 
Cisterzienserkloster Skalic heiKaufim. Wie lange Dietrich 
die Propstei Wy§ehrad in Besitz gehabt, lässt sich nicht angeben. 

4. Ein Nachfolger wird erst im J. 1366 genannt. Es ist 
Burchard von Mecheln. Von diesem ist nur bekannt, dassihn 
Kaiser Karl eben im J. 1366 als Erzieher des jungen Königs Wen- 
zel nach Würzburg sandte, um dort von einigen für Wenzel ange- 
kauften Reichslehen im Namen desselben Besitz zu nehmen. ^) — 
Vorübergehend ^ird noch Lambert vonBüren, der Benedictiner- 
abt von Gengenbach, als Propst von Wyäehrad genannt, bevor er 
nacheinander durch die Huld des Papstes und Kaisers die bischöf- 
lichen Stühle von Brixen, Speier, Strassburg (1372) und Bamberg 
bestieg, um zuletzt wieder in stiller Einsamkeit in seinem geliebten 
Kloster Gengenbach das Zeitliche zu segnen. ')— Um 1370 wurde 
wieder ein hochgeborner Prinz zur Wy§ehrader Propstei berufen, 
— Johann von Luxemburg, Bruder des Markgrafen und nach- 
maligen Namen-Kaisers Jodok von Mähren. Dieser hatte schon 
frühzeitig das Ordenskleid des h. Norbert im Stifte Strahow ge- 
nommen. Durch seltene Bescheidenheit und ungeheuchelte Fröm- 
migkeit hatte er damals schon die Liebe Aller gewonnen. Nun be- 
rief ihn der kaiserliche Oheim auf den erledigten Propsteisitz und 
ernannte ihn zum obersten Kanzler des Königreichs. Im J. 1380 
wurde er Bischof von Leitomyäl und endlich im Jahre 1387 Pa- 
triarch von Aquileja, wo er am 25. Februar 1400 selig im Herrn 
entschlief. ♦) 



1) Torquati Series pontif. Magdeburg!. Menkeo III. 399. 

*) Ruffer 152, Damberger XV. 580. 

') Hammerschmidt 528 u. f. Ruffer 152. 

*) Ebeudaselbst. Es wird von diesem weiterhin noch die Rede sein. 



173 



§. 141. Die Ikrigeii alten ind neaeii Kollegiatkapitel in BSJiBen. 



1. Auch das KoIIegiatstift zu A 1 1 b u n z 1 a u hat in der Blüthe- 
zeit der böhmischen Kirche seine hervorragenden Persönlichkeiten 
aufzuweisen. Hatte bereits der älteste bekannte Propst Hermann 
(1099) den bischöflichen Sitz von Prag bestiegen, so war auch im 
Beginn des 13. Jahrhunderts der grosse Bischof Andreas zuvor 
(bis 1201) das Haupt des Bunzlauer Kapitels gewesen. Ebenso ge- 
hörte diesem Stifte der fromme Prager Domdechant und nachmalige 
Propst Tobias I. von Beneäow an (c. 1237 u. 1238). Im J. 1311 
bekleidete Propst Thomas das Amt eines bischöflichen Offizials. ') 
— Beachtenswerth ist, dass in einer Urkunde von 1282 bereits ein 
D e c h a n t des Bunzlauer Kapitels erscheint. Im Jahre 1298 wer- 
den in den Urkunden ausser dem Propste, Dechant, Custos und 
Scholasticus noch 13 Canonici namentlich angeführt. ^) Bei dem 
Kapitel bestand in dieser Zeit auch eine Gelehrtenschule, deren 
in Urkunden ausdrücklich gedacht wird. ^) 

2. Das KoIIegiatstift S ad ska hatte bereits in der ersten Hälfte 
des zwölften Jahrhunderts seinen Propst Otto (von Swabenic) zu- 
erst den Propsteisitz von Prag und nachher (1140) den Bischofs- 
stuhl daselbst besteigen gesehen. Im dreizehnten Jahrhunderte 
besass Sadska eine vorzügliche Zierde an dem Propste Johannes, 
welcher am Hofe des frommen Königs Wenzel II. als einflussrei- 
cher Rath fungirte. *) Im J. 1358 geschieht auch bereits eines 
Dechants des Kapitels urkundliche Erwähnung. ^) Damals waren 
die Stiftsgebäude in Sadska sowie auch die Einkünfte des Kapitels 
bedeutend herabgekommen. In Folge dessen, und zugleich um die 
aeuerbaute Neustadt Prag auch mit hervorragenden kirchlichen 



*) Die urkmidlkh sichere Series dieser Zeit ist: llermauu 1. (1079—1099), 
Zbud, Peter L (1160—1165), Konrad (1176-1180), PHbislaw (1184-1189), 
Hermann n. (1194), Christoph (1196— 1197), Andreas (1201), Bohuta (1222— 
1236), Tobias von Benesow (1237, 1238), Konrad IL (1249), Hermann III. 
(1267), PardnS (1282 und 1296), Thomas (1311), Peter U. (1354), Zawisvon 
Radinowes (1361), Wilhelm von Hasenburg (1370), Peter HI. (1371), Hein- 
rich Osek (1378), Johann von Janowic (1384). 

') Urkunden Bo6ek IV. 187. Y. 89. Lib. erect. I. K. 6. 

») Üb. Erect. IX. F. 9. 

*) Chron. Franc. Vgl. Bischof Tobias. 

^) Pelina phosplu 87. 



174 

Instituten zu schmücken, namentlich aber, um an den gelehrten 
Kanonikern einen Zuwachs an Lehrern für die neue Universität zu 
gewinnen, erfolgte im J. 1362 der Transferirung der Kapitularen und 
ihrer Stiftungen nach Prag. Hier erbaute ihnen Karl IV. auf dem 
Windberge (Wietrow) eine neue Kirche — ebenso wie in Sadska 
— dem h. Apollinar zu Ehren, weshalb das Kollegiatstift fortan 
nur das Kapitel S. Apollinar genannt wurde. ') In dem neuen 
Wohnsitze zählte es im J. 1373 bereits wieder mehr als 9 Kapitu- 
laren. ^) Dagegen ist nun von einem Propste keine Rede mehr, 
ja es lauten die neuen Privilegien ausdrücklich nur auf den De- 
canus, qui pro tempore fuerit, Canonicos et ministros, familiäres 
et subdictos bei St. Apollinar. ^) Wahrscheinlich waren die Stiftun- 
gen der Propstei ^ur Aufbesserung und Vermehrung der übrigen 
Präbenden verwendet worden. Auch bereits im Jahre 1355, als 
Karl IV. die Landpropsteien dem Prager Domstifte inkorporirte, 
wurde keines Propstes von Sadska mehr gedacht. *) Präbendengüter 
werden genannt: in Michalowic, Satolic, Kotrow, Kfiwan, eine Obe- 
dienz in Kozel, ausserdem viele Zehnten und eigene Stiftungen für 
die Vikare. ') 

3. Das KoUegiatstift der St. Georgs kirche auf der 
Prager Burg dauerte ununtenbrochen fort, obgleich es wegen seiner 
Unterordnung unter das dortige Jungfrauenstift stets nur eine ge- 
ringere Stellung im Lande einnahm. Übrigens wirkte der dortige 
Propst Hostislaw (c. 1237) als bischöflicher Offizial. ®) Priester- 
Präbenden dieses Kapitels werden genannt: in Otwojic, Knezewes, 
Statiwnic, Pfilep, Bohnic; — Diakons - Präbenden in Bfezau und 
Bofanowic, — Subdiakons-Präbenden in Dluhowic und Bofanowic. ') 

4. Ein neues KoUegiatstift wird zuerst imJ. 1238 bei St. Egi- 
dius (der jetzigen Dominikanerkirche in Prag erwähnt. Der erste 
Gründer desselben ist unbekannt. Da aber die Verleihung der 



• *) Pelzl Gesch. Carls. Pesina 28 &c. 
*) Urkunde Pesiiia 29. Es werden da nach 9 namentlich Angeführten bei- 
gesetzt: totumque capitulum ecclesiae S. ApoHinaris. 
■) Urkunde Pesina 28. 
*) Urkunde im Leitm. Kap. Archiv. 
•) Lib. erect. 

•) Urkundlich genannte Pröpste: Peter 1070- 1073,..,.. Hostislaw 1237-1247 
') Tomek 660, 661. 



175 

Pfrändoi schon von 1238 an den Prager Bischöfeü zustand, so ist 
anzunehmen, dass einer derselben der Erbauer der Kirche und der 
Begründer des Kapitels gewesen war. Schon frähzeitig werden da- 
selbst ein Propst und ein Dechant neben den Kanonikern genannt. ^ 
Neben dem Kapitel bestand auch von jeher eine Pfarrei ^) Bischof 
Johann IV. von Dra^ic wurde der zweite Gründer des Stiftes, 
indem er die schadhaft gewordene Kirche neu herstellte, die Pfarr- 
kirche in P f i b r a m dem Kapitel inkorporirte , und auch sonst die 
Präbenden verbesserte. ^) Präbenden werden nachmals genannt: 
im Dorfe Michalowic, ^) in Krasna hora, ') in Bechlin, ^) der Hof 
Quieton ') und die Präbende „aus der bischöflichen Kammer/' ") 
Überdiess sind später noch die Dörfer Ptice und Poseilowic im 
Rakonitzer und Zlatnik, Branik, Hodsowic und Bernek im Kaufi- 
mer und Trnova im Podöbrader Kreise als Kapitelgüter genannt. *) 
Auch in Bischofteinic besass das Kapitel Einiges, '^) so wie auch 
anderwärts erhebliche Jahreszinsungen. ") Endlich war auch die 
Pfarre HradiSt dahin incorporirt. '•) 

5. Das Kapitel der Allerhciligenkirche auf der Pra- 
ger Burg war — wie bereits erzählt wurde, ursprünglich durch 
die Translation des Melniker KoUegiatstifts (1295) entstanden. Als 
letzteres wieder nach Melnik zurückverlegt wurde (1300), schmolz 
es auf die von Wenzel II. gestifteten neuen Präbenden herab; ja 
unmittelbar vor 1342 erscheint gar nur ein gewöhnlicher Rector 



*) Die urkundliche JSeries der Pröpste: Marquard 1238,... Peter 1311, . .. 

Johann 1337—1344. Die Dechauten: Peter 1277, Gregor 1308—1323, Ho- 

Btislaw 1357-1343, Bartholomaeus 1344-1352. 
*) Die Pfan«r seit 1298 namentlich angeführt. 
') Tomek 445. 

♦) Lib. Erect. XII. A. 7. Sie zahlte 9 Schock Zehent. 
^ Erect. Xlll. R. 2. XII. F. 3. 
•> Erecl. XII. ö. 9. 
'> fiiect. XII. A. S. 
*) Erect. XU. A. 6. 
"] Pabitschka VI. 282. 
**) Urkunde v. 1341. Balbini Ut. publ. 30. 

") Erect. VIH. D. 4. IX. B. 1. C. 3. VIII. E. 2. G. 7. XI. B. 1. XIII. S. 2. 
^*) Erect. XII. A. 6. Nach Hammerschmidt gehörten auch dazu: Ptice, Ho- 

^ü, Posilowic, Zlatnik, Branik, Hodkowic, Bernek, Tmowa. Nach einer 

Urk. des Leitm. Kapitels v. 1355 gehörten Zlatuik und Hodkowice 1355 

der Leitmeritzer Propstei. 



176 

der Allerheiligenkirche. Da wurde eben im J. 1342 der damalige 
-Markgraf Karl der Wiederhersteller des Stiftes, nachdem er 
dazu die ausdrückliche Ermächtigung des Papstes Benedict XII. 
und die Zustimmung des Prager Domkapitels erlangt hatte. *) Das 
Kollegiatstift sollte aus einem Propste, einem Dechant und eilf 
Kapitularen bestehen. Überdiess sollten noch 10 Ministri ecclesiae 
(Priester, Diakone und Subdiakone) dem Kapitel beigeordnet sein. ^) 
Im J. 1348 incorporirte Karl IV. das neue Kapitel für immer der 
Prager Universität. Alle erledigten Domherrenpfründen sollten 
fortan nur an graduirte Kleriker, welche das Lehramt an der Hoch- 
schule ausübten, vergeben werden. Nur die Ernennung des Propstes 
sollte dem Könige zustehen, der Dechant aber sollte von den übri- 
gen Kapitularen gewählt werden. In Anbetracht der Lehrthä- 
tigkeit der Mitglieder sollten nur der Propst und der 
Dechant zur Residenz bei der Kollegiatkirche verpflich- 
tet sein. Die übrigen Kanonikern wohnten dagegen in der Prager 
Altstadt — - im AUerheiligenkoUägium auf dem Htthnermarkte. Seit- 
dem die Lehrer der Prager Hochschule sich in besondere Genos- 
senschaften (CoUegia) theilten, die in eigenen Häusern ein gemein- 
sames Leben aus den speciell angewiesenen Kollegiengütern führ- 
ten, — wurde das Allerheiligenstift insbesondere dem am 30. Juli 
1366 von Karl IV. gegründeten Karlskollegium einverleibt, 
welches für 12 Magister der freien Künste bestimmt war, worunter 
zwei auch die akademischen Grade in der Theologie haben muss- 
ten. Stets sollte fortan der älteste Magister des Karlskollegiums in 
die vakante Präbende des AUerheiligcnkapitels eintreten. ') Die 
Güter des neuen Kapitels lagen — weil es eben noch eine mark- 
gräfliche Stiftung war — vorzüglich in Mähren. Genannt werden: 
der Marktflecken Ruäinow, die Dörfer Letenic, Luczan, *) Klanice *) 
und ansehnliche Zehnten. ^) 

6. Karl IV. licss im J. 1348 durch den Erzbischof Ernest den 
Grundstein zu der Burg Karlstein (Tyn Karluw, Karlshof) legen, 



<) Tomek 628. 

*) Chron. Benes. 

•) Tomek Gesch. d. Pr. Universität. S. 22, 29. 

•) Pelri Gesch. Karls IV. I. 106. 

*) Regist. zapisaw Palack. I. 497. 

•) Lib. erect. Vlll. M. 5. 



welche bestimmt war, alle Kostbarkeiten der Krone und insbeson- 
dere die heiligsten Reliquien des Landes zu bewahren. Der Bau- 
meister des Prager Doms Mathias von Arras vollführte den wichti- 
gen Bau, der heute noch dem Zahne der Zeiten trotzt. Im J. 1357 
war das grosse Werk- vollendet. Die Zierde der Burg war die 
Ereuzkapelle daselbst. Ihr Gewölbe stellte das Firmament vor, — 
daran Sonne, Mond und Sterne von edlen Metallen. Die Wände 
waren vergoldet und mit Jaspisen, Achaten, Amethysten, Chryso- 
lithen, Topasen, ja hie und da mit noch edleren Steinen ausgesetzt. 
Die Fenster waren aus fjarbigen durchsichtigen Steinen in vergol- 
detem Blei gefasst. 1330 Kerzen erleuchteten den inneren Baum. 
Schilder von gedi^enem Gold und Silber schmachten den Vorder- 
raum. Auf dem prachtvollen Hochaltare lag unter dreifachem Ver- 
schlusse die Reichskrone; —• unter demselben befand sich ein ver- 
borgenes Gewölbe fDr die Kleinodien und Privilegien des Landes. ') 
Kostbare Reliquienschreine bargen die noch kostbareren heiligen 
Schätze, ') welche alljährlich am zweiten Freitage nach Ostern in 
den Prager Dom tibertragen und dort zur Verehrung ausgestellt 
worden. — Diese Karlsteiner Kreuzkapelle und dazu noch zwei andere 
Kapellen (S. Maria und S. Niclas) mit ihren Schätzen waren es 
werth, auch durch eine bedeutende geistliche Stiftung ausgezeichnet 
zu werden. Karl IV. gründete desshalb daselbst wohl noch im J. 
1357 einKollegiatkapitel, bestehend aus einem Kapitulardechant 
und vier Kanonikern. Die Stiftsherren sollten täglich in der Marien- 
kapelle das Officium beten und dann — zwei in der Kreuzkirche und 
zwei in den Kapellen -- das heilige Opfer verrichten. Als Dotation 
wies ihnen Karl IV. zunächst den zehnten Theil von den Einkünften 
der zur Karlsteiner Burg gehörigen Güter an. ^) Überdiess inkor- 
porirte er dem Kapitel die Pfarrkirche S. Palmatius ausserhalb der 
Burg, wo täglich ein Kanoniker die heilige Messe lesen sollte. 
Später (1387) kam hiezu auch noch die Pfarrkirche zu Tetin, *) und 
(1396) die Pfarrkirche S. Nico laus auf der Prager Kleinseite. *) 



') Meinert kl. bist Schriften UI. 10, 11. 
') PesiDft phosph. 418 &c. zählt selbe auf. 
"^^Pelzl Gesch. Karls IV. II. 559. 
*) Lib. erect III. J. 1 ad ann. 1387. 
*) Lib. erect. IV. L. 7. 

12 



178 

Zu den ursprünglichen Zehnten kamen allmählich durch Privat- 
schenkungen viele neue hinzu. ^) 

7. Das heutige Bischof-Teinitz war eine bischöfliche 
Burg (Tyn) mit Burgflecken, welche von dem benachbarten Orte Tyu 
Horsuw hiess. Hier hielten die Prager Bischöfe nicht selten Hof; in 
der Kirche daselbst ertheilten sie zuweilen die heiligen Weihen, ^) 
man sah hier hin und wieder selbst ansehnliche Zusammenkünfte 
geistlicher und weltlicher Grossen. Um das Jahr 1350 wurde diese 
Burg vom Erzbischofe Ernest vom Grunde aus neu gebaut Im J. 
1278 lernen wir zuerst eineil Propst Gottfried von Bischofteinitz 
kennen, der damals auf den Propsteisitz deB Prager Domkapitels 
erhoben wurde. Wahrscheinlich hatte der opferwillige Bischof Jo- 
hann ni. kurz zuvor den Grund zu einem Eollegiatstifte in seiner 
Bischofsburg gelegt. Erzbischof Ernest wurde nun aber der zweite 
Stifter des neuen Kapitels, denn von da ab finden wir in Teiuitz 
nebst dem Propste urkundlich auch noch einen Dechant und meh- 
rere Kanoniker. Im J. 1384 entfiel auf den Propst ein Halbjahres- 
zehentvon 1 Schock und 45 Groschen, auf den Dechant 56 Gro- 
schen, auf den ersten Ganonicus 45 und auf den zweiten (damals 
Pfarrer zu Kunow) 6 Groschen. ^) Die Einkünfte des Kapitels 
waren wahrsc^heinlich auf die erzbischöfliche Kammer angewiesen. *) 

8. Als ein Kollegiatstift der allerkürzesten Dauer erscheint 
endlich das Kapitel zu L i p n i c , das der Wy§ehrader Propst Wil- 
heim von Landstein im J. 1357 stiftete. Dieser Hess nämlich die 
S. Laurenzkapelle in seiner Erbburg Lipnic (Gasl. Kr.) zur KoUe- 
giatkirche erheben und dotirte dabei einen Dechant mit 6 praben- 
dirten Kanonikern. Zum Unterhalte wies er denselben die Dörfer 
Lipnic, Novawes, Kozlic und Bystra an. ^) Die Gonfirmation dieser 
Stiftung zog sich bis zum J. 1397 hin. ^) 



>) Lib. erect. XII. K. II. 

») Vgl. §. 103 u. 108. 

'^) Regist. decim. 

*) Baibin verwechselt diese Propstei mit dem Archidiakonate von Hoiiow, 

das als solches zum Prager Domstifte gehörte. Vgl. lib. erect. Index tit. 

X. Als Pröpste sind genannt: Gottfried (1278), Sazema (1866), VTenzel 

von Jenstein (1385), später Neustapo von Swamberg, Wenzel und Nioolaus 

Zeisehneister. (Erect. I. N. 4, IL M. 4, VIII. M. 1.) 
^) SchaUer, Paprocky, Sommer. 
•) Lib. erect. V. D. 1. 



179 



§. 142. Düf BeNdtctinerfnJei ia Mkotn v«ii 1200 bh 1X8A. 



1. Die uns bereits bekannten Ordenshäuser des heiligen Bene- 
dict, ') welche das zehnte, eilfte und zwölfte Jahrhundert gegründet 
hatte, gediehen im dreizehnten und vierzehnten zu schönerer Blüthe. 
Die Glieder des königlichen Hauses und der edlen Familien de^ 
Landes wetteiferten in neuen Schenkungen für die Ordensbrüder 
und auch die. Bischöfe mochten sich's nicht versagen, durch zahl- 
reiche Einverleibungen reicher Seelsorgspfründen den Klöstern und 
der Seelsorge zugleich helfend beizuspringen. Die Fürsten des 
Landes und das Oberhaupt der Kirche spendeten ihrerseits die 
dankenswerthesten Privilegien. Weltlicher Seits gewahrte man den 
Klöstern die Befreiung von den üblichen Land^slasten und die 6er 
richtsbarkeit über die eigenen ünterthanen; geistlicher Seits er- 
weiterte man immer mehr die Exemtion von der Jurisdiction des 
Landesbischofs. Als schönstes aller Privilegien aber müssen wir in 
einer Zeit^ wo die Anwendung kirchlicher Censuren eine über die 
Massen ausgedehnte war, das allen Ordensfamilien ertheilte Recht 
bezeichnen, zur Zeit eines vom Ordenshause nicht selbst verschul- 
deten Interdicts den Gottesdienst, jedoch bei verschlossenen Thüren 
und ohne Glockengeläute, forthalten zu dürfen. ') 

2. An der Spitze der Benedictiner Böhmens stand, wie von 
allem Anfange her, so auch jetzt noch der Pater- Abbas des ältesten 
aller böhmischen Klöster — in Bfewnow. Das Privilegium, 
durch welches angeblich schon Papst Johann XV. im J. 993 dieses 
Vorrecht Bfewnows nebst der Infulirung des dortigen Abts ausge- 
sprochen hatte, wurde im Jahre 1265 durch Papst ürban IV. er- 
neuert und bekräftigt. ^) — Die Äbte von Bfewnow zeigten sich 
solcher Ehre auch werth, diess zwar mehr als je vor dem J. 1200, 
wo sie ihr Kloster zu einer förmlichen Pflanzschule von Heiligen *) 
und von Bischöfen ') gemacht hatten, doch immerhin auch noch nach 



') Vgl L Bd. §. 27, 28, 29, 67, €8, 69, 79. 

^ Urk. Mika, ruhmwürd. Doxan p. 86. Hammersch. hist. mon. S. Georg« 

p. 67. £rben reg. 454. 
") Urk. in Ziegelbauers hist. mon. Brewnow. p. 261. Dort auch die Urkunde 

V. 993. 
*) 8. Adalbert, S. Gaudentius, S. Anastasius, S. Prokop, S. Benedict mit den 

4 Brüdern, S. Bonifacius^ 8. Gerard gehörten insgesammt Brewnow an« 
') Man zählt hieher aUe 6 ersten Bischöfe Prags« 

12* 



180, 

dieser Zeit, wo ihnen insgesammt eine musterhafte kl&sterliche Zac ht 
nacfagertthmt wird. Nach Aussen hin erwarben sich glänzende 
Namen K u n o (1220), der die erste Eremitenkolonie nach PoJitz 
entsendete; Martin I. (1287), einer der vertrauten Räthe Wen- 
zels I. und zugleich Yeranlasser der Heiligsprechung des seligen 
Oünther ;Ghristannus, der Restaurator des in den Branden- 
burger Wirren fast ganz zerstörten Klosters ; Paul B a w o r , der 
Gründer des Klosters Braunau (f 1332), und der gelehrte Doctor 
D i n y s , der zu Paris die akademischen Würden der Theologie 
und Philosophie erworben hatte und an der Prager Universität als 
vorzüglicher Disputator glänzte. ') 

3. War Bfewnow in dieser Zeit unter den Benediktinerklöstern 
Böhmens das erste im Ansehen, so war p a t o w i c wieder durch 
seinen Reichthum berühmt. Bekannt ist die Sage, dass Karl IV. 
im J. 1356 die Wahl hatte, entweder den Ort der Aufbewahrung 
ohne die Schätze, oder die Schätze ohne nähere Kenntniss des 
Ortes zu sehen. Es heisst, er habe letzteres gewählt und nach 
einer geheimnissvollen Wanderung unermessliche Schätze an Gold, 
Silber und Edelsteinen geschaut und hiebei die Versicherung ver- 
nommen, dass das Kloster diess Alles für ihn und seine Nach- 
kommen sorgfältig hüte. Eine Zierde dieses Stiftes war seit 1332 
der berühmte. Abt und Chronist Neplacho, wahrscheinlich aus 
dem ritterlichen Geschlechte von Ostrow, der zuerst die berühmte 
Schule zu Opatowic besuchte und dann als Bruder dieses Stiftes 
die akademischen Grade zu Bologna erwarb. Wir finden ihn wie- 
derholt im Gefolge des grossen Kaisers Karl und in der Umgebung 
des Erzbischofs Ernest. Seinen grössten Ruhm aber erwarb er 
sich durch die Bearbeitung seiner Summula chronicae tam Romanae 
quam Buhemicae von Christi Geburt bis zur Mitte des 14. Jahr- 
hunderts. Er starb im J. 1371.*) — In Kladrau vermehrten 



') Ziegelbaner hiat. monast. Brewn. Die Series von Bf-ewncw: S. Anastasias 
(-1002), Hieronymus (tI007), Gregor, Arsenins (f 1044) Mainhard, Adal- 
bert, ClemenB I. (f 1134), Ullrich I. (f 1187), Peter (f 1176), HartmanD 
{tll77), Heinrich (tl200), Kuno (t 1220), Dluhomil (f 1289), Paul (f 1240), 
Clemens II. (f 1261), Vitus (f 1266), Martin I. (t 1287), Cbristannus (f 1292), 
Paul Bawor (f 1332), Dietrich (t 1336), Pfedbor (f 1360), Dionya (f 1366), 
Ulrich IL (t 1880). 

') Palack^, Würdigung böhm. Geschichtsschreiber 166 n. f. Bereits um 1165 
hatte Opatowic einen ungenannten Chronisten, dessen Werk wir noch besitzen. 



181 

die Äbte Silvester und Reiner (1222 und 1231 u. f.) in ansehnli- 
cher Weise die Besitzungen ihres Stiftes und tauschten theilweise 
gegen entlegene Güter andere näher gelegene ein. >) Letzterer 
verdankte hiebei sehr viel dem kirchenfreundlichen Könige Wen- 
zel L, *) welcher endlich im J. 1239 den ganzen Besitzstand des 
Klosters feierlich bestätigte. ') Ein Gleiches that noch im seihen 
Jahre Papst Gregor IX., der bei dieser Gelegenheit dem Gonvente 
auch das bereits erwähnte Interdictsprivflegium verlieh. ^) Von da 
ab erwarben sich die Kladrauer Äbte ein vorzügliches Verdienst 
durch die Aufnahme deutscher Ansiedler, welche die weiten Wald- 
strecken der Gegend allmählich lichteten und blühende Orte da- 
selbst anlegten. Im' J. 1349 wurden die Verdienste des Klosters 
durch die Infulirung seiner Äbte belohnt. ^ Um diese Zeit besass 
das Stift auch einen namhaften Schriftsteller, den Bruder Fridolin, 
den Verfasser des Werkes Adaptationes sermonum, der zugleich 
einer der ersten Lehrmeister an der neuen Prager Hochschule 
wurde. ^) Am Schlüsse unseres Zeitraumes erstreckte sich der 
Besitz des Klosters über eine Stadt, 2 Marktflecken, 128 Dorf- 
schaften und verschiedene andere liegende Gründe. ^) 

4. Wilimow fand im 13. Jahrhunderte zunächst noch an 
dem edlen Sesema von Kostomlat (1223) einen freigebigen Wohl- 
thäter und an König Pfemysl Ottokar 11. einen hochherzigen Ver- 
mehrer seiner Privilegien. *) So war es im Stande, im J. 1278 
nicht weniger als 180 Mönche aufzuweisen, die damals das Kloster 
mit Glück gegen die plündernden Krieger des Kaisers Rudolph 
vertheidigten. ^) Desto mehr hatten aber bei diesem Anlasse die 
umliegenden Güter des Stiftes gelitten und Abt Jaroslaw sah 
sich genöthigt, mehrere derselben theils emphyteutisch abzugeben, 
theils an deutsche Kolonisten zu überlassen. '^) Anderseits aber 



') ürk. Erben reg. 308, 363, 382, 384, 386, 416, 448, 452. 

') Urk. £rben reg. 448, 451. 

') ürk. Erben 452. 

*) ürk. Erben 454. 

*) Dobner mon. IV. 35. 

") Balb. Boh. docta ed. Ungar. IL 174. 

^ Sommer, Topog. 139. 

') ürk. in diplomatario Wilemowiensi. (Dobn. mon. VI. 381—384.) 

*) Ziegelbaaer bist. mon. Brewnow. p. 207. 

*•) ürk. diplom. Wüemow, 394, 389, 891, 



182 

gelang es ihm auch, entforntere Besitzungen gegen nähere zu ver- 
tauschen und sogar einige neue anzukaufen. ^ Dagegen brachte 
wieder ein Besitzstreit des Abtes B u d I k mit Hrabiäa von Pa- 
bienic (1815) das Kloster in eine Geldstrafe von 330 Hark^) und 
in Folge dessen zu neuen Veräusserungen. ^) Unter Karl lY. er- 
warb es aber wieder manchen Ersatz durch neue Schenkungen *) 
und günstige Ankäufe, ') so dass es wieder ruhig der Zukunft ent- 
gegensehen kopnte. Im J. 1388 erhielten die Äbte von Wilimow 
ebenfalls das Recht der Pontifikalien. *) — Sazawa, Ostrow 
und P d 1 a 2 i c machten sich in dieser Zeit weniger im öftentli- 
chen Leben bemerkbar. Dagegen erfreute sich S. Georg der 
besondern Huld der bohnüschen Landesfürsten, die eben wieder- 
holt ihre eigenen Tfichter auf den Sitz der dortigen Äbtissinnen 
erhoben sahen. So bestätigte PfemysI Ottokar I. dem Kloster die 
alten Privilegien und verlieh auch neue hinzu — seiner geliebten 
Schwester, der Äbtissin Agnes zu Liebe. ') Als wieder die trauri- 
gen Zeiten des böhmischen Interregnums an dem Reichthume des 
Conventes gezehrt hatten, ersetzte König Wenzel n. seiner Schwe- 
ster Kunigunde zu Liebe, die den Wittwenschleier mit dem 
Ordenakleide vertauscht hatte, alle verlornen Besitzungen des Klo- 
sters durch zahlreiche neue. ^) Die nachfolgenden Fürsten bestä- 
tigten die guten Werke ihrer Vorfahrer und Karl IV. nahm endlich 
das Kloster unter seinen besonderen königlichen Schutz. ^) 

§. 143. Die Klöster Postelkerg und Teplltz im 13. und U. Jahrhundert. 

l. Die besondere Rücksicht, die wir den Gegenden der jetzigen 
Diöcese Leitmeritz schuldig sind, verpflichtet uns noch, vor Allem 
das Stift Postelberg, dessen sich heutzutage kaum Jemand 



*) Urk. ebend. 386, 387, 389, 392, 394. 

') Urk. ebend. 395. 

») Urk. 397, 400, 401, 402. 

*) Urk. 412, 414, 427, 428. 

') Urk. 417, 420, 423. 

*) Urk. dd. y. cal. Decemb. 1388 ebend. p. 431. 

') Urk. Hammerschmidt bist. mon. 8. Georgii p. SO, 32, 

*) Urk. ebendaselbst p. 46. 

') Urk. ebend. 



183 

erinnert, iiäjier ins Auge zu fassen. Wir erwähnten bereits, ') dass 
daselbst nach dem Tode des grossen Politikers Friedrich (1158) 
nicht weniger als 9 Äbte dem Namen nach völlig unbekannt sind. 
Die wenigen noch erhaltenen öffentlichen Urkunden aus den Jahren 
1158 bis 1210 schweigen eben gänzlich von unserem Postelberg. 
Von da ab werden aber folgende Äbte genannt: 

a. Theodorich von Schellenberg starb im J. 1210, 
nachdem er eine uns nicht bekannte Zeit lang das Kloster regiert 
hatte. Man nannte ihn einen Sprossen des edlen Stammes der 
Waldek, aus welchem nachmals die böhmischen Adelszweige der 
Hasenburger und der Rozmitale hervorgingen. ^) 

b, I^ach ihm erscheint in den Urkunden der Jahre 1219 bis 
1^31 ein gewisser G a s s i a n als Abt von Poßtelberg. ^) 

c) Ihm folgte» wieder der Abt Petrus, der in dep J. 1233 
bis 1237 als Zeuge in königlichen Bestätigungsbriefen aufgeführt 
wird. *) 

d) Berthold wird als Abt von Postelberg in Documenten 
aus den Jahren 1237 bis 1251 genannt. ') Dieser Prälat verfiel am 
10. September 1243 mit mehreren andern kirchlichen Würdenträ- 
gern — namentlich mit dem Erzbischofe von Salzburg und den 
Bischöfen von Freising und Kegensburg in die kirchliche Sus- 
pension, weil sie die Ansprüche des päpstlichen Bevollmächtig- 
ten Albert Beham nicht sogleich befriedigen wollten. Abt Berthold 
beschwichtigte sofort den Zorn Beham^s durch Übersendung eines 
silbernen Pokals. ^) Im J. 1251 verkaufte er die entlegenen Dorf- 
scbaften . Gossau und Damnau (Eozzowo und Mamnowo) bei Hayd 
an das Stift Kladrau, ') bei welchem Verkaufe eine Menge Kloster- 
brüder von Postelberg als Zeugen angeführt werden. 

e) Ihm succedirte der Abt Bohuslaw, welcher im J. 1256 
genannt wird. ^} Zu seiner Zeit wurde der Postelberger Mönch 



') L B. S. 274. 

') Weidner, tria memorabilia, MS. des Klosters S. Thomas in Prag. 

') ürk. Erben reg. 288, 363. 

*) ürk. Erben reg. 383, 423. 

*) Erben, Urkunden von 1237, 1238» 1239, 1243, 1251. Palacky, Priloha F. 

p. 460. 
*) Erben reg. 515. 
») Erben reg. 453. Vgl. 1. Bd. 270. 
*) Bohn antiq. circ. Satec. 



184 

Johannes von den Prager Bürgern gefangen gesetzt, weil maaihn 
für einen flüchtigen Schuster aus Prag ansah, obwohl er geltend 
machen konnte, dass er seit 8 Jahren als Mönch in Postelberg ge- 
lebt und vordem in seiner Vaterstadt Saaz studirt hatte. Auf die 
Beschwerde Bohuslaws erfolgte geistlicher Seits das Interdict über 
die Prager Stadt. Endlich erzwang auch König Ottokar die Frei- 
lassung des Unschuldigen. *) Abt Bohuslaw fungirte im J. 1257 
(zugleich mit den Domdechanten von Olmütss und Breslau) als 
päpstlicher Schiedsrichter in der Feststellung der Jurisdictionsrechte 
des Stiftes Zderas über das Frauenkloster in Swötec. ') 

f) Nach dem Abte Bohuslaw ist wieder eine längere Lücke 
in der S^eries der Äbte von Postelberg. Erst im J. 1318 wird 
wieder ein Abt Johann genannt, der einen Verbrüderungsver- 
trag mit dem Kloster Wilimow abschliesst, kraft dessen fortan die 
Glieder beider Ordenshäuser sich gegenseitig in die Verdienste 
ihrer Gebete und guten Werke einschliessen und wechselseitige 
Aufnahme in den Gonvent und gegenseitige Zulassung zu den 
Klosterpräbendeu zusichern. ^) Derselbe Abt Johann bestätigte im 
J. 1320 den Edlen Sekef von Secic, dass selbe gleich ihren Vorfahren 
das Recht eines Erbbegräbnisses im Kloster Postelberg besitzen. ^) 
Unter Abt Johann erlangte das Stift auch das ansehnliche Privile- 
gium der Exemtion von den Gudengerichten. ') Es war diess die 
endliche Theilnahme an der Errungenschaft des langen Immunitäts- 
streits, den einst der Prager Bischof Andreas mit König Pfemysl 
Ottokar geführt hatte. 

g) Der Nachfolger Johanns war Abt Theodorich; dieser er- 
langte vom Könige Wenzel I. die Bestätigung der Exemtionsurkunde.^) 

h) In den Jahjen 1341 bis 1356 finden wir in Postelberg 
einen der hervorragendsten seiner Äbte — den edlen Zbinko 
von Hasenburg. Einer seiner Ahnen (Theodorich von Schellen- 
berg) hatte bereits den Abteisitz dieses Stiftes geziert Seitdem 
hatte sich's das Geschlecht der Hasenburger angelegen sein lassen. 



') Paprocky de monast. 367. 

') ürk. in cod. dipl. Morav. (Dobn. IV.) 266 u. f. 

^) Urk. in Dobn. monum. VI. 898. dd. oct. assumt. BMY. 

^) Rohn antiq. eccL circ. Satec. p. 78. 

*) Dr. Höfler Mon. des Königthums. 

*) Ebendaselbst 



185 

sein Andenken durch Freigebigkeit gegen das Stift zu verewigen, 
und diess um so mehr, als es eben seit der Erbauung der Hasen- 
burg dessen nächster Nachbar geworden war. In diese Zeit fällt 
wohl die Schenkung des Patronatsrechts in der hasenburgischen 
Stadt Slaw6tin an Postelberg. *) Unter dem Abte Zbinko machte 
dagegen die hasenburgische Verwandtschaft mancherlei Prätensionen 
und erlaubte' sich sogar auch Eingriffe in die Rechte des Stiftes. 
Diesen gegenüber zeigte sich nun der Abt als tapfern Anwalt des 
Klosters und denkwürdig bleibt sein diessfalliger Ausspruch: Ich 
war ein Hasenburger Freiherr vor Annahme des Mönchkleides; seit 
dieser Annahme bin ich nur noch Benedictiner. ^) Er starb am 
26. April 1856. 

t) Sein Nachfolger, Abt Rudolph« vollzog nach dem Zeug- 
nisse der Gonfirmationsbücher am 30. März 1866 eine Pfarrpräsen- 
tation füür libocan und am 1. Juli 1368 eine ähnliche für Lipe- 
nec. •) 

k) Nach ihm wird im J. 1369 der Abt N i c o 1 a u s ald Prä- 
sentator für Shiwötin genannt. Er war eben selbst Pfarrer daselbst 
gewesen und besetzte nun nach seiner jüngst erfolgten Abtswabl 
die erledigte Pfründe. ^) Er starb schon im J. 1372. 

l) Am 27. Jänner 1373 erfolgte bereits wieder die Gonfirma- 
tion seines Nachfolgers*) in der Abteiwürde. Der neue Abt BuSko 
war der letzte unseres Zeitraums. Um diese Zeit betrug die An- 
zahl der postelberger Klosterbrüder weit über 100; denn mehr noch 
als so viel sollen bei der nachmaligen Erstürmung durch die Husiten 
umgekommen sein. 

2. Die uns bereits bekannte Gestaltung des Besitzstandes 
des Frauenklosters Teplic reicht bis ins 14. Jahrhundert her- 
über und bildet den erheblichsten Theil seiner Geschichte. *) Zur 
Zeit des Königs Johann finden wir es in Folge des vorausgegan- 
genen rechtlosen Zustandes im Lande fast wieder in Armuth ver- 
sunken. Aus Gnadenverleihungen von Klostergütem auf Lebenszeit 



>) Lib. erect. YII. A. 7. Lib. confinn. ad 1369, 1404, 1408, 1416. 

<) Weidaer MS. 

*) Lib. confirm. 

*) Lib. confinn. 

^ Lib. confirm. 

•) L B. §. 79. 



186 

waren hin und wieder Erbgüter geworden. Verpfandungen konnten 
theilweise nicht abgelöst werden. Zudem hatte es wohl auch nicht 
an directen Beraubungen mächtiger Grossen gefehlt. In Folge 
dessen waren die Klosterfrauen im J. 1370 faktisch dahin gekommen, 
bei Karl IV. sich die Erlaubniss erbitten zu müssen, einen Patron 
für eine taglicheh. Messe in der Klosterkirche suchen zu dürfen. >) 
Klosterpropst war dazumal Timo von Koldic aus dem edlen Ge- 
schlecbte der Burgherren von Graupen. Als Äbtissinnen werden 
Anna (1364—1370) und Margaret!) (1370—1386) genannt *) Erst 
die Zeit nach 1380 brachte dem Kloster wieder namhafte Zuatif- 
tungen. ') 

§. 144. Neue Ansiedlnngen der Benedictiner. 

1. Das Mutterhaus zu Bitewnow sah in der neuen Periode 
zwei neue einheimische Colonien heranblühen, — Politz und 
Braun au. Schon seit längerer Zeit hatte in den stillen küniglichen 
Waldungen bei Politz an der schlesisclien Granze eineEremi- 
tenzelle bestanden, die zuerst der bfewnower Klosterbruder 
Jurik (Georg) und nach ihm der vom Abte Kuno entsendete Dia- 
kon Vitalis bewohnte. Unter letzterem gesellten sich schon meh- 
rere Genossen der Einsamkeit hinzu, die alsbald eine grössere 
Waldstrecke urbar machten und in Mitten ihrer Einsiedlera^ellen 
eine hölzerne Kapelle zu Ehren der seligsten Jungfrau erbauten. 
Im J. 1213 schenkte König Pfemysl Ottokar I. auf die Bitte des 
bfewnower Abtes Kuno zu diesem Eremitorium ein ansehnliches 
Gebiet von bereits urbaren und noch urbar zu machenden Grün- 
den nebst den beiden Ortschaften Prowodow und Neswachilow — 
zu dem Zwecke, damit das bisherige Eremitorium zu einem Prio- 
rate erweitert werde. Zugleich befreite er die neue Ordensoolonie 
und ihre Unterthanen von aller anderweitigen Untertb&nigkeit und 
von den landesüblichen Exacdionen. *) Der im J. 1295 gewählte 



») Urk. lib. erect. I. F. 6. 

*) Lib. erect et confirm. 

») Lib. erect. VU. M. 10. VIIL L. 8, M. 2, 0. 9, P. 9, X. K. 4, L. 3, O. 5, 

XI. 0. 10. 
*) Urkunde b. Ziegelbauer p. 246 u. s. f. 



187 

bfewnower Abt Paul 11. Bawor baute für das neue Priorat ent- 
sprechendere Greb&ttde auf.'0 

2. Unter dem eben genannten Abte Paul Bawor entstand auch 
die Ordenscolonie Braunau an der schleaischen und glatzer 
Grän29e. Schon von allem Anfange her hatte die Burg Braunau 
sammt ihrem weitläufigen Gebiete dem Kloster Bfewnow gehört. 
Im Umkreise der Burg waralimählig der offene Burgflecken gleichen 
Namens emporgeblüht Die Phrrkirche daselbst hatte Bischof 
Johann in. bereits im J. 1258 dem bfewnower Kloster incorporirt, 
so dasS' sich von da an schon eine kleine Ordenscolonie in Brau- 
nau be&nd. *) Abt Paul Bawor stellte (c. 1306) die alten Burg- 
gebäude wieder her und belehnte sodann mit Zustimmung des 
Königs 'Johann und des Conventes gegen contractmässige Verbind- 
lichkeiten die Brüder Wolfram und Mathias von Pannowitz auf 
Lebenszeit mit dem ganzen Gutscomplexe. Diese beiden Lehens- 
leute machten aber den Versuch, durch eine in den Lehensbrief 
eingesobobene Klausel das Stift Bfewnow um den Besitz von Brau- 
aau zu bringen. In Folge der deshalb angestellten Klage kassirte 
König Johann unterm 10. Juni 1331 den gefälschten Lehensbrief. ^) 
Abt Paul Bawor aber zog das Lehen ein und beschloss, zur Siche- 
rang des Besitzes eine grössere Ordenscolonie nach Braunau zu 
verlegen. Das Schloss wurde in ein Kloster zu Ehren des h. Lan- 
despatrons Wenzeslaus umgewandelt und eine neue Kirche zu Ehren 
des h. Adalbert erbaut. Der ehemalige Burgflecken wurde mit 
festen Mauern umgeben und sammt dem Burggebiete der neuen 
Ordensfamilie zugewiesen. Von KarllV. erhielt die neue Stadt (13^8) 
alle Privilegien der älteren Städte Glatz und Königgrätz. '*) 

3. Im J. 1346 gründete der fromme Prager Bürger Nicolaus 
Rokitzaner, dessen Nachkommen sich sp8,ter von Obof nannten, in 
Prag das Jungfrauenkloster »zu Gottes Barmherzigkeit,^' wel- 
ches weiterhin auch das , Heiligengeistkloster genannt wurde. Die 
Stiftung geschah durch ein Testament, zu dessen Executor der 
edle Stifter den damaligen Bischof. Johann von Olmütz bestellte. 



^) Ziegelbauer p. 185; 

') Urkunde ebend. p. 259 u. s. f. 

') Urkunde ebend. p. 270 u. s. f. 

*) Urk. Pelzel, Gesch. Karls IV. N. XLV. 



188 

Als Bauplatz wurde ein Grundstück in der Nähe der Judenstadt 
ausersehen. Zur Dotation hatte der Stifter das Dorf Lubodersic 
angekauft. Sein Bruder „Meinlein" schenkte über 50 Schock Gro- 
schen jährlicher Zinsungen hinzu. Aus baar deponirten Geldern 
des Nicolaus wurde vom Bischöfe Johann noch das Dorf Pfisad 
angekauft. Der bischöfliche Executor selbst schenkte noch aus 
Eigenem den ihm gehörigen Hof am Prager Benedictinertborc. 
Unterm 26. August 1348 bestätigte Karl IV. diese Schenkungen, 
nahm das neue Kloster in königlichen Schutz und verlieh ihm alle 
jene Freiheiten, welche vordem dem von König Johann gestifteten 
Kloster Pustimir in Mähren verliehen worden waren. Ebenso be- 
kräftigten auch Papst Clemens VI. und Erzbischof Emest die neue 
Stiftung. ^) Im J. 1362 fügte der jüngere Franz Rokitzaner (von 
Obof , Sohn des Stifters) neue Jahreszinsungen von seinem Hofe 
in Libocbowitz und von mehreren ihm gehörigen Prager Häusern 
— zusammen 20 Schock Prager Groschen — hinzu. Hiefür sollten von 
den geistlichen Jungfrauen auf immerwährende Zeiten drei Kapläne in 
der Stiftskirche ausser dem bereits ursprünglich gestifteten Stifts- 
propste erhalten werden. ') Im J. 1358 überliess das Kloster oben- 
erwähnten Hof am Benedictsthore dem bekannten Dietrich von 
Rugelweit, Bischöfe von Minden, auf Lebenszeit — als Dank für 
empfangene Wohlthaten. ^) Am Ende unseres Zeitraums finden wir 
das Kloster auch noch im Besitze des Pfarrpatronats zu Risut im 
schlauer Dekanate. *) 

4. Im J. 1347 stiftete Kaiser Karl IV. das berühmte Benedic- 
tinerstift St. Hieronymus oder Em maus in Prag. *) Hiebei hatte 
er den Plan, der slawischen Liturgie, die bei den südlichen 
Slavenstämmen noch fortbestand, ') auch im slavischen Hauptlande 
Böhmen ein Asyl zu schafifen. Wie schon erwähnt wurde, war und 
ist bis heute diese Liturgie eigentlich nur die römische in altsla- 
vischer Sprache. Päpst Clemens VI., der väterliche Freund des 



') Urkunde Hammerscbmidt bist. mon. 8. Spiritus, p. 133 o. b. f. 

^) Urk. ebend. p. 133 u. s. f. 

') Urk. ebend. 145 u. s. f. 

') Urk. ebend. 148 u. 6. f. 

') Lib. confirm. 

<>) Urkunde Pelzel Gesch. Karls IV. N. 83. 

') Vgl. I. Bd. S. 14. 

») Vgl I. Band 8. 60. 



189 

Kaisers, gab gern seine Zustimmung zu dem für die böbmische 
Nation so erfreulichen Unternehmen, ^ von dem sich hoffen Hess, 
dass so die schismatischen Slaven der Nachbarschaft für die rö- 
mische Kirche wiedergewonnen werden könnten. Als Bauort wurde 
die alte Pfarrkirche St. Gosonas und Damian ausersehen, deren 
Patronat der Kaiser zu diesem Behufe vom WySehrader Kapitel 
ablöste.. Dem heiligen Hieronymus wurde die neue Stiftung aus 
dem Grunde gewidmet, weil man diesen Heiligen damals irrig für 
den Translator der slavischen Liturgie und der slavischen Bibel 
hielt *) Als weitere Patrone werden nebst der seligsten Jungfrau 
noch die Heiligen Cjril^ und Methud '), Adalbert und Procop ge- 
nannt Dem Erzbischofe Ernest wurde vom Papste die Erlaubniss 
nnd vom Kaiser die Verpflichtung anheimgegeben, fortan Sorge zu 
tragen, dass in der neuen Klosterkirche von nun an die h. Messe 
und die übrigen Officien nur in der altslavischen Sprache gefeiert 
würden. Als Dotation wurde nebst der bisherigen Pfarrei St. Cos- 
mas und Damian — ein Hof zu Wallew, dann 16 Mark Jahreszinsen 
von den kleinseitner Fleischbänken und 33 Mark von dem Hofe 
Jeni dem neuen Kloster zugewiesen. ^) Papst Clemens VI. ertheilte 
nnterm ö. Februar 1349 dem jeweiligen Abte das Recht, sich der 
Inful und der übrigen bischöflichen Zierden zu bedienen. ') Karl IV. 
üQgte die üblichen weltlichen Privilegien hinzu und machte über* 
diess dem Kloster viele kostbare Geschenke. Die interessantesten 
der letzteren waren eine geschriebene Reliquie des heiligen Pro- 
cop von Sazawa, nämlich das Bruchstück eines Evangelienbuches 
in cyrillischen Lettern, — *) und ein glagolitisches Pontificalbuch 
zum Gebrauche beim feierlichen Gottesdienste. *) Beide Manuscripte, 
kostbar zusammengebunden und mit Gold und Edelsteinen besetzt, 
wanderten nachmals (1450) als Geschenk der utraquistischen Stände 



') Urkunde Pelzel Gesch. Karls t. dl ü. f. Die ei^tentllche Bewilligung schon 

vom 9. Mai 1346. 
*) Dieselbe Urkunde. 

") Der erste Fal]> dass diesen beiden eine Kirche in B5hmen geweiht wurde. 
*) Urimnd» Pehel I. 91. u. s. f. 
^) Urkd. ebend S. 94. 
•) Vgl. I. Bd. 8. IIB. 
^) Karl wies 1866 dem Schreiber Johann einen Jahrgehalt an, um die libros 

legendamm et cantos nobitia linguae slavonicae für das Kloster zu schreiben. 



190 

nach KoDstantinopel ') und wurden zuletzt durch eine seltsame 
Verkettung der Umstände eine Krönungsinsignie der Könige Ton 
Frankreich.') ^ Der Bau des neuen Klosters ging ziemlich lang- 
sam vorwärts. Erst nach 26 Jaluren konnte Karl die Einweihung 
desselben feiern — am 31. März 1872. Die Gonsecration der Kto- 
sterkirche geschah am Ostermontage. Auf diesen Tag, an welchem 
man bekanntlich das Etangelium von den nach Emmaua wandern- 
den Jängern liest, fiel denn auch das Jährliche Kirchweihfest. Diess 
wurde die Veranlassung, dass man im Volke letzteres Fest das 
Emmausfest und das Kloster selbst Emmaus nannte. Die ersten 
slavischen Mönche wurden aus Dalmatien, Croaüen und Boanioi 
berufen. •) 

^ 5. Im J. 1354 legte Karl IV. auch noch den Grund zu dem 
Kloster St. Ambros in Podskal in der. Nähe des Klosters Em- 
maus. Nach einem vom apostolischen Stuhle erlangten Pririlegiam 
sollten die Mönche dieses Stiftes den gesammten Gottesdienst und 
ihr anderweitiges Officium nach mailändischem Ritus halten. 
Diess geschah ohne Zweifel ,zu Gunsten der zahlreichen Lombarden, 
welche dazumal — zumeist als Handelsleute — ihren bleibenden 
Wohnsitz in der prachtvollen Kaiserstadt nahmen« Karl wiikte 
auch für den Abt von St. Ambros das Recht der Pontificalien 
aus. *) 

6. In die Zeit der Luxemburger fällt auch die Errichtung der 
Kladrauer Propstei in Pfimda oder Pfraumberg. Im Jahre 
1306 lebten nämlich auf der Burg daselbst zwei Priester Radislaus 
und Brawig mit dem Conversbruder Johannes. Muthmasslich waren 
es die Besitzer der Burg, welche den geistlichen Stand und das 
Erehiitenleben erwählt hatten. Im genannten Jahre nahm Abt Kuno 
von Kladrau diese Eremiten in seinen Klosterverband auf iind 



') Man verhandelte damals über den Anschloss an die griechische Kirche. 

') Im J. 1546 gelangte der Codex durch einen Kunsthändler an den Kardina] 
Karl von Lothringen, Erzbischof von Rheims, und blieb seitdem als Lie 
tezt du Sacre bei der dortigen Domkirche. 1792 ging der Codex verloreu. 
1885 ward er in der Rheimser Stadtbibliothek wieder entdeckt und 1846 
von Hanka als Sazavo-Emmauskoje Svatoje blagoviestvovanie veröffentlicht, 
niust. Chron. I. 205—207. 

*) must Chron. I. 206. 

*) Benesii de Weitm. chron. p. 859. 



191 

machte Pframnberg zu einer Propste! des Mutterhauses. Am 
24. April 1317 schenkte König Johann das Dorf PitUkow zu dieser 
Propstei. Darauf war Pfraumberg einige Zeit von Kladrau losge- 
rissen; Erzbischof Ernest aber stellte den Verband wieder her. ^) 
— In den Erectionsbüchern wird auch eine Benedictinerpropstei 
Basczin genannt, doch das Mutterstift wird nicht erwähnt;«') 
muthmasslich gehörte dieselbe zu Opatowic. 

7. Noch nennen wir hier die Namen einiger angeblicher 
Benedictinercolonien, von denen aber eine urkundliche 
Spur dermalen nicht au&ufinden ist. Da die Tradition ihres Be* 
Standes eben nur auf den bekannten Chronisten Hajek zurückzu- 
führen ist: so ist wohl anzunehmen, dcTss wir es hier theils mit 
Namens- und Ordensverwechselungeu und theils mit blossen 
klösterlichen Kollaturorten zu thun haben. Als Beispiele dieser 
Art nannten wir bereits die angeblichen Benedictinerklöster in 
Tuäoau, Pfestic, Mestec, Bickowic, Teälin und Chorusic. ^) Wir 
fugen hier noch die Namen W e 1 i §, J a r o ni i r, Michalowic, 
C h 1 £ ö w, B i s w, St. Johann auf der Kleinseite in Prag 
and K la 1 1 a u — diess angeblich mit einem Männer- und Frauen- 
kloster — hinzu. W e 1 i » hiess im Decemregister des Jahres 1 384 
ausdrücklich eine Propstei im Podebrader (Berauner) Dekanate, *) 
die allerdings bedeutend genug war, um halbjährlich 28 Groschen 
Papstzehent zu zahlen. Der Name des Mutterklosters wird aber 
nicht genannt. Wahrscheinlich war es das unferne Benedictiner- 
kloster Ostrow. Nach Hajek soll das hiesige angebliche Kloster 
schon im J. 1003 vom Herzoge Jaromir an der Stelle erbaut wor- 
den sein, wo er auf der Jagd wunderbar aus den Händen seiner 
Feinde errettet worden war. — Biso w ist jedenfalls nur eine 
Verwechselung mit Z b i ä o w, der uns schon bekannten Propstei 
des Klosters Sazawa. — Michalowic ist jedenfalls nur eine 
falsch verstandene Leseart des bekannten Klosternameus Milewsko 
oder Mühlhausen (Prämonstratenserordens). — Ghotösow kennen 
wir bereits als Ghorfrauenstift des h. Norbert. -—In Jaromir 



') Ziegelbauer hist. mou. BfewD. 204. 
') Erect. XIII. A. 9. 
') I. B. S. 266. 
*) B^giBt decim. 



192 

werden wir seines Orts ein Chorherrenstift des h. Augustin nach- 
weisen. *- InKlattau werden wir statt der beiden Benedictiner- 
klöster an derselben Kirche St. Laurenz ein Dominikanerkloster 
finden. — Endlich kennen wir allerdings eine alte Kirche St Jo- 
hann nahe dem obern Ende der jetzigen Kampainsel als damalige 
Dorfkirche von Aujezd ; ') ein Kloster entstand in dieser Gegend, aber 
erst durch die Königin Elisabeth, und dieses für Dominikanerinnen. 
Nach Hajeks Beispiele nannten Andere auch Benediktinerklöster bei 
St. Thomas in Prag und zu Sezemic;') jenes aber werden wir 
als eine an die Augustiner übergehende einfache Residenz von Bfew- 
now, und dieses als Kloster der Cisterzienserinnen kennen lernen. 

§. 145. Der Prämonstratenserorden in Böhmen von 120t bis 1380. 

1. Der Orden des h. Norbert stand im Beginne des 13. Jahr- 
hunderts bereits auf dem Höhepuncte seiner äusseren Verbreitung. 
Im J. 1209 zählte man in den Ländern Europa^s bereits 1000 Ab- 
teien, 700 Propsteien und 500 Frauenklöster der Ghorherrenregel. ') 
Generalabt aller dieser Convente war und blieb der Abt des 
Mutterstiftes Pr^monträ, woselbst al^ährlich das Generalkapitel de& 
ganzen Ordens abgehalten wurde. Unter dem Generalabt standen 
um das Jahr 1230 dreissig sogenannte Circatores (später Visi- 
tatores genannt), deren jeder einen über mehrere Diöceaen sich 
erstreckenden Sprengel — seine Gircaria — jährlich zu be- 
reisen hatte. ^) Böhmen gehörte, wie schon einmal erwähnt 
wurde, zur Circaria des Stiftes Steinfeld, von wo die er- 
sten Ordenskolonien nach Strahow und Selau gekommen waren. 
Wie streng die Steinfelder Äbte bei ihren Visitationen in Böhmen 
vorzugehen pflegten, deutet zur Genüge der einzige Umstand au, 



1) Vgl. Tomek G. Prags S. ^. 

') Ziegelbaaer p. 208, 209. 

^) Paige, der diess berichtet, klagt, dass im 18. Jahrhunderte diese Blütbe 
schon matt geworden sei und die Zahl der Kirchen sich verringert habe — 
occulto Dei judicio et peccatis nostris id exigentibus, wie aus den Akten 
des Generalkapitcls von 1820 henrorgehe. (Göriich, Abtei S. Vinzenz vor 
Breslau, S. 17.) 

*) Später heisst Circator nur der dem Prior und Subprior nachstehende Con- 
ventsTorsteher, der die Gänge und Zellen des Stiftes zu begehen hatte. 



i9:i 

dass in Strahow allein im Laufe des 13. und 14. Jahrhundeirts 
sechs Äbte wegen nicht entsprechender Vermögensverwaltung bei 
solcher Gelegenheit ihres Amtes entsetzt wurden. ') Unter der 
Oberleitung des Visitators übten wieder die Patres-Abbates der 
Mutterklöster Strahow (Sion) und S e 1 a u (Siloe) über ihre 
Töchterldöster eine überwachende und leitende Gewalt aus. Stra- 
how zählte in dieser Zeit die Stifter Tepl, Leitomyäl, Mühlhausen ^) 
Doxan und die auswärtigen Klöster HradiStS, Brück, Zabrdowic, 
Kaunitz und Hebdow in den Kreis seiner Paternität. S e 1 a u hatte 
nach dem Wegfalle von Mühlhausen nur noch das Frauenstift 
Launiowic zu beaufsichtigen und schloss sich endlich auch selbst 
an die Paternität von Strahow an. T e p 1 übte das Patrocinium 
über das Frauenstift Chot^schau. 

2. Eine Vermehrung derOrdenshäuserdesh. Nor- 
bert fand in Böhmen vom J. 1200 an nicht mehr Statt. In diese Zeit 
fAllt vielmehr erst die feste Begründung der kurz vorher gegründe- 
ten Stiftungen. Hierin aber erwarben sich zunächst die Könige 
PfemysI Ottokar I. und sein Sohn Wenzel I. hohen Ruhm, indem sie 
gleichsam die zweiten Fundatoren von Tepl, Doxan und Chotischau 
wurden. *) Auch die Prager Bischöfe dieser Periode trugen redlich 
das Ihrige zur Hebung der böhmischen Prämonstratenserstifter bei, 
zumal diese ja als Vorbilder ihrer Säcular-Kapitel gelten sollten. 
So wurde Selau schon ursprünglich von einem Prager Bischöfe er- 
richtet und blieb auch weiterhin der Fürsorge seiner Nachfolger 
empfohlen. Hier und anderwärts Hessen es die böhmischen Ober- 
hirten namentlich an zahlreichen Incorporationen von Pfarrkirchen 
nicht fehlen, wodurch einerseits gute Seelsorger gewonnen und an- 
derseits durch den Überschuss der Einkünfte den Conventen auf- 
geholfen wurde: Noch sei aber erwähnt, dass am Schlüsse der 
neuen Periode auf Ansuchen Karls IV. das Provinzialkapitel der 



') Tomek I. 479. £b waren : Peter (1240), Friedrich (1283), Hermann (1285), 
Jordan (1288), Luthold (1290), Tylmann (1336). 

') 'War auch die erste Ordenskolonie hieher von Selau gekommen, so fand 
doch bald die kanonisch zulässige Übertragung der Paternität durch das 
Generalkapitel an Strahow Statt. Über den bezüglichen Vorgang s. §. 151 
num. 3. Auf diese Weise kam später auch das österreichische Stift Schle- 
gel unter die strahöwer Paternität. 

*> Vgl. ürk. Erben reg. 325, 388, 369, 891, 426. 

13 



194 

Präinonstratenser die Bewilligung ertheilte, ,,das in dichten Wal- 
dungen gelegene Jungfrauenstift H/^ (wohl ist Chotäsow gemeint) 
in die Neustadt Prag zu verlegen. ') Doch ist es zur Ausführung 
dieser Bewilligung niemals gekommen. 

3. Strahow — nunmehr an die Spitze der böhmischeu 
Klöster des Ordens gestellt — gab dem Lande noch immer ausge- 
zeichnete Schüler und entsandte manchen würdigen Prälaten. Au 
die Beihe der Bischöfe, die es bereits der böhmischen Kathedrale 
gegeben hatte, ^) fügte es in der neuen Periode noch den Bischof 
Daniel IL an. Dem Olmützer Bischofssitze hatte es seit dem J. 1150 
bis 1201 geradezu alle Oberhirten gegeben, einen Johann III., Jo- 
hann IV., Ditleb, Peregrin, Kaym und Engelbert. Im J. 1201 be- 
schloss Johann Bawor diese glänzende Reihe. Seitdem blieb 
Strahow mehr auf sein inneres Ordensleben eingeschränkt^ ohne dass 
es ihm eben an glorreichen Namen fehlte. So glänzte AbtBerthold 
(—1226) als Ka,nzelredner, der die Gemüther aller seiner Zuhörer 
beherrschte. Er war es auch, der den König Pfemysl Ottokar II. 
zur Aussöhnung mit dem Bischöfe Andreas bewog. ') Abt Johann 
fungirte im J. 1252 als päpstlicher Richter bei der Untersuchung 
der zur Heiligsprechung des sei. Günther geltend gemachten Wun- 
der. ^) Auch wurde er im J. 1258 nach dem unglücklichen Kloster- 
brande der Wiedererbauer seines Stiftes und der Klosterkirche. ') 
Abt Gottfried erwarb im J. 1271 du«ch die Unterstützung des 
Königs Pfemysl Ottokar IL für immerwährende Zeiten die Admini- 
stration der Seelsorge in S a a z. ®) Als das unglückliche Inter- 
regnum von 1278 das Stift in so grosse Noth gebracht hatte^ dass 
es längere Zeit ganz verlassen dastand, wurde AbtBudis (f 1297), 
selbst Bildhauer und Maler, mit eigener Handarbeit der Wieder- 
hersteller des wüst gewordenen Ordenshauses. ^) Abt Dietrich 
(1299) suchte nach Kräften von den verlorenen Klostergütem wie- 
der zu erwerben, was noch zu erlangen war. Abt Peter IL (1341 



>) Diplomatarium Garoli IV. bei Menken III. 2023. 

') Man nennt als solche Gotthard, Friedrich, Valentin. 

^) Prochazka de saec. lib. art. fatis p. 98. 

*) Weyrauch Gesch. des Chorh.-IStifts Strahow S. 20. 

'^) Ebend. 21. 

*") Ebend. 22. 

') Ebend. 22. 



195 

—1357) wurde endlich durch weise Verwaltung der Erneuerer des 
alten Glanzes von Strahow und verdiente es so, durch die F&r- 
spräche Ksurls IV. der erste infulirte Abt zu werden. Über- 
diess erwachte unter ihm und im engen Anschlüsse an die junge 
Prager Universität aut's Neue die Pflege der Wissenschaft. 

4. Das Stift Tepl, obwohl Tochterkloster von Strahow, eilte 
in äusserer Ehre dem Mutterstifte sogar noch voran; denn schon 
sein erster Abt hatte im J. 1197 auf die Fürbitte des seligen Stif- 
ters vom apostolischen Stuhle den Gebrauch der Pontificalien er- 
halten, *) — allerdings vorläufig ohne die Möglichkeit, sich derselben 
viel zu bedienen, da schon im nächsten Jahre das Generalkapitel 
von Pr6montr6 die Verordnung erliess, dass kein Prämonstratenser- 
abt die Mitra und die Handschuhe gebrauchen solle, „damit Niem and 
sich überhebe."*) Wir wissen nicht, wann in dieser Beziehung 
eine mildere Praxis Platz gegriffen hat. Indess vollendete der Abt 
Johann n. um das Jahr 1232 den Bau des prachtvollen Gottes- 
hauses im Stifte Tepl und erwarb bei Gelegenheit der Consecration 
dessdben vom Könige Wenzel I. die neue Besitzung Unil. *) Abt 
Bernard kaufte im J. 1237 das Gut Klepy bei Leitmeritz — das 
nachmalige Gut Hasenburg. ^) Abt Gerhard beendete im J. 1242 
einen Besitzstreit, das Gut Sandau betreffend, das vordem dem 
Conrad von Hohenberg auf gewisse Bedingungen hin wahrscheinlich 
emphyteutisch überlassen worden war. Fortan sollte Tepl von 
allen Sandauer Einkünften die Hälfte beziehen. ^) Er und die 
nachfolgenden Äbte zogen in die Gegenden von Tepl, Sandau und 
Licbtenstadt fleissige deutsche Ansiedler, durch welche alsbald an 



^) Tomek I. 481—483. Die Series der Äbte von Strahow: Gezo 
(1140-1160), Erlebold (-1176), Adalbert (—1189), Heinrich (—1199), Adam 
(-1219), Berthold (-1226), Peter I. (-1240), Gezo II. (—1243), Dietrich I. 
(-1250), Johann (-1266), Gottfried (—1274), Siegfried (-1282), Friedrich 
(-1283), Hermann (—1286), Jordan (-1288), Luthold (-1290), Budis 
(—1297), Edmund (—1298), Dietrich U. (—1299), Gerhard (-1321), Tylmann 
(—1336), Hildeger (—1841), Peter U. (-1357), Martin« — Otto - Conrad 
(-1889). 

•) ürk. Erben reg. 197. 

») Paige IL 1197. Görlich üb. cit. p. 45. 

') Urk. Erben r^. 369. 

') Urk. Erben reg. 423. 

*) Urk. Erben reg. 605. 

13* 



196 

der Stelle öder Waldstrecken eine Menge blühender Ortschaften 
entstand. Abt Hugo (f 1295) erlitt erst im J. 1276 durch das 
auf den Tepler Gütern zusammengezogene Eriegsheer PfemysI 
Ottokars U. argen Schaden an den Besitzungen seines Stiftes ; aber 
noch schlimmere Tage brachte ihm die gewaltthätige Zwischen- 
herrschaft Otto's des Brandenburgers. Da sah er sogar das Kloster 
selbst verwüsten und das schöne Gotteshaus entweihen. Doch Hugo 
bemühte sich redlich, Alles im vorigen Glänze wieder herzustellen 
und erwirkte auch die feierliche Reconciliation der Stiftskirche durch 
den Bischof Tobias. *) Den Äbten B e n e d a (f 1358) und Bring 
(t 1367) gelang es, in den goldenen Tagen Karls IV. auch noch 
den etwas herabgekommenen Besitzstand ihres Ordenshauses wie- 
der in die Höhe zu bringen. ') 

5. In Sei au erwarb Abt Hermann im J. 1233 für sein Klo- 
ster durch Kauf die Besitzungen des ^leutschen Ordens in und bei 
Humpolec sammt dem Patronate der dort gelegenen Kirchen. ^) 
Auch erhielt damals das Stift die Stadtseelsorge in Iglau. ^) Abt 
Ambrosius führte (um 1250) in die auf dieser neuen Besitzung 
gelegenen Waldstrecken deutsche Colonisten ein, duixh welche als- 
bald die weite Gegend zu einer deutschen Sprachinsel wurde. Ein 
Vorbild der Heiligkeit war im Stifte Selau um das J. 1220 der 
Propst Castulus, der schon im Leben und noch mehr nach seinem 
Tode als ein Heiliger verehrt wurde. *) — In Mühlhausen ver- 
einigte Abt Gerlach (f 1228) in seiner Person den Ruhm der 
Gelehrsamkeit und der Heiligkeit. Im J. 1165 aus edlem Geschlechte 
entsprossen, war er der erste bekannte Böhme, der bereits im 
J. 1177 (also schon als 12jähriger Knabe) in den Prämonstratenser- 
orden im Stifte Selau eintrat. Hier wurde er der eifrigste Schüler 



^) Diese Orte enden meist auf reut und grün. 

*) Cruger ad 6. Oct. 

'') Series der Tepler Aebte: Johann (—1219), Wilhelm (1219), Johann II. 

(-1238), Bernard (-1242), Gerhard (-1248), Benedict (—1269), Ullrich 

(—1267), Hugo (—1295) Peter (—1839), Beneda (—1358), Ering 

(-1367). 
*) Urk. Erben reg. 884. 
*) ürk. Erben 885. 
') BalbiD. Boh. sancta p. 66. Series von Selau: Gottschalk (1150 tu f.), Otto 

(1189), Marsilius I. (1210 u. f.), Wilhelm (1219 u. f.), Hermann (1233 a. f.), 

Ambros (1243), Marsilius II. (1258—1262). 



197 

des hochgepriesenen Abtes Gottschalk. Im J. 118() empfing er, 
erst 21 Jahre alt, die Priesterweihe und ward bereits im nächsten 
Jahre Proto-Abt des neugegründeten Klosters Mühlhausen. Hier 
befasste er sich einerseits mit der Sammlung einer Chronik von 
Böhmen, welche ursprünglich die Zeit von 1167 bis 1225 umfasste, 
leider aber nur theilweise (Bruchstück von 1167—1198) auf uns 
gekommen ist Anderseits aber war seine Frömmigkeit derart mit 
allen möglichen Tugenden vereint, dass man ihn in Nähe und 
Ferne als einen Heiligen pries und manche wunderbare Heilung 
und Prophetie ihm zuschrieb. Um so mehr wurde sein Grab in 
Mühlbausen nachmals eine Zufluchtsstätte aller Leidenden. ') — Lei- 
tomy§l erwarb unter seinen Äbten W a 1 1 e r, Otto und Hermann 
zahlreiche Incorporationen von Seelsorgspfründen — namentlich in 
Mähren. Auf Hermanns Verwendung wurde im J. 1259 der Flecken 
Leitomy§l zur Stadt erhoben. Abt Ullrich erwarb im J. 1287 zu 
seinem Stifte ein eigenes Besidenzhaus in Prag. Abt Johann stieg 
im J. 1344 zur Würde des ersten Bischofs in Leitomyäl empor. '^) 
— Doxan sah das neue Jahrhundert mit einem entsetzlichen Brand- 
nnglücke beginnen, das alle Elostergebäude in Asche legte (1200). 
Kaum hatte allseitige Opferwilligkeit das Stift wieder hergestellt, so 
verjagte wieder die böse Zeit des Brandenburgers (1278 u. s. f.) 
die geistlichen Schwestern erst in die Wälder von Ghwalin und 
dann in den Klosterhof zu Leitmeritz. Doch bald kehrte der Friede 
wieder ins Land zurück und mit ihm erhielt Doxan auch seine 
Bewohnerinnen wieder. Endlich heilte die glückliche Zeit Karls IV. 
alle Wunden. Doxan hatte schon vordem eine Reihe erhabener 
Fürstentöchter zu seinen Oberinnen gezählt: Ida, die Verwandte 
Wladislaus H. (f 1175), dieselige Elisabeth, eine Schwester des 
Heinrich Zdik (f 1180), die selige Margareth, eine Tochter Wla- 
dislaus U. (t 1195), und Sibille, eine Verwandte der Königin Ger- 
trud (t 1199). Nun folgten neue nächste Verwandte des könig- 



') Palacky, Würdiguog böhm. Geschichtsschreiber, 79—81. Dobuer. mon. 
I. 22, 28. 

^) Jelinka hyst. mösta Litomysle. Die Series der Aebte: Johann I. (—1157), 
Bohumil (- 1184), Georg (—1186), Myslen (—1221), German (—1226), Walter 
(-1284), Otto (—1252), Hermann (-1269), Stephan (—1269), Maiün (— 1276), 
Ulh-ich (-1814), Conrad (-1826), Heinric)i (-1826) upd Jobann II. der 
pacbmaligc Bischof, 



198 

liehen Hauses nach: die selige Judith (f 1251) und die selige 
Beatrix (f 1270). Überdiess war es dem Kloster Doxan bescbieden. 
neben den Sprossen der edelsten Häuser auch die Königstochter 
des Landes zu erziehen, — unter ihnen insbesondere die edelste 
Bdhmln, die je gelebt hat, die selige Agnes. ') 



§. 146. Die bohmiseben Jobiniiter m 1200 bis 1380, 

1. Die Beendigung der orientalischen Kreuzzttge hatte zunä4:hst 
in den äussern Verhältnissen des Johanniterordens erhebliche Ver- 
änderungen hervorgebracht. Aus Palästina verdrängt verlegte der 
Orden seinen Hauptsitz vorerst im J. 1285 nach Limossa auf der 
Insel Gypern, bis er am 15. August 1310 die Insel Bhodus er- 
oberte und daselbst seine Hauptniederlassung aufschlug. Die Ritter 
— fortan auch R h o d i s e r genannt — bildeten seitdem von ihrer 
stark befestigten Hauptstadt und ihrem ausgezeichneten Freihafen 
aus das stärkste Bollwerk der Christenheit im Mittelmeere gegen 
die steigende Macht der Osmanen. 

2. Indess hatte sich auch die innere Gliederung des Ordens 
vollständiger ausgebildet. Unter dem Grossmeister, der zu 
Rhodus residirte, standen nun acht Zungen (Nationen) des 
Ordens, jede einzelne von einem Grosswürdenträger geleitet ') Ne- 
ben 3 französischen (Provence, Auvergne und La France), 2 spani- 
schen (Aragon und Castilien), einer englischen und einer itaUeni- 
schen bestand auch eine deutsche Zunge unter der Leitung 
des Grossbaillifs. Um das Jahr 1310 schenkte Markgraf Heinrich 
von Hohenberg dem Orden die schwäbische Herrschaft H e i t e r s- 
h e i m. Die gleichnamige Burg ward seitdem der Sitz des Gross- 
baillifs als Meisters von Deutschland. Unter diesem standen wieder 
mehrere Präceptoren (auch Meister genannt), deren einer 
dieLeitung desOrdens in Böhmen, Mähren, Schle- 
sien und Oesterreich (anfangs auch in Ungarn, 



Mika^ das ruhmward. Doxan 23, 85, 36. 

') Die GroBBWürdenträger waren : Der GrossmeiBter, der Grosskomthür, der 

Marschall, der Hospitalier, der Admiral, der Drapier, der Grosskaozler 

und der Grossbaillif. 



199 

Polen und Russland) — als Gross- oder Grandprior zu leiten 
hatte. Letzterer hatte, wie schon einmal erwähnt wurde, anfangs seinen 
Sitz zu Prag im Hospiz an der Brücke, später aber •— nach 1272 
in Strakonic, der Von Bawor von Strakonic geschenkten Haupt- 
besitzung des böhmischen Ordenszweiges. Von dieser hiess er auch 
der Meister von Strakonic. Als Grossprioren von Böhmen 
werden genannt: der vormalige uns bereits bekannte Prager Dom- 
propst Martin '), Heinrich von Rinthusen (1272) *J, Zawiä 
von Falkenstein (1278), nach Einigen der nachmalige unglück- 
liche Stiefvater Wenzels IL, Hermann von Hohenlohe (c. 
1280)»), Bavor von Strakonic (c. 1306), Berchtold von 
Henneberg (1311—1315)*), Johann von Klingenberg (—1347), 
Peter von Rosenberg (1350), Hermann (1360), Gallus von 
Lemberg (1361), Johann von Zwifetic (1370) und Fürst 
Semovit von Teschen. ') 

3. Die älteren Gommenden des Ordens in Böhmen sind 
uns bereits bekannt. Wir nannten als solche: St. Maria in Prag, 
Strakonic, Manetin, St. Veit in Jungbunzlau, St. Jo- 
hann in Zittau, Hirschfelde, Glaz, Böhmischaicha, 
E a a d e n und B 1 a t n a. *) Eine Urkunde des Königs Wenzel IV. 
vom J. 1384 ^) nennt ausserdem noch Gommenden inPloSkowic, ') 
Hofowic, Pifiin®) und R e i c h e n b a c h. *^) Nebstbei werden 
da auch noch die Johannitersitze in Gran, Breslau und Tinice (?) 
zur böhmischen Provinz gezählt. Angebliche Gommenden sollen 



') Er heisst in den Urkunden: Praeceptor Boemiae, ÜDgariae et omnium 

aliarum terraram ab Oriente et meridie et septemtrione adjacentium. 
*) Dieser nannte sich: magister domorum hospitalis &c. per Bohemiam, Mo- 

raviam, Poloniam et Austriam. (Urk. Pi^cmysl. Ott. dd. 14. cal. Feb. 1272 

in orig.) 
') Dieser hiess bereits Prior per Bohemiam, Moraviam et Poloniam. 
*) Sein Titel : Praeceptor per Bohemiam, Moraviam, Poloniam et Austriam. 

(Formelb. des Henr. Ital. p. 119. Tomek 489.) 
') Materialien zur alt Statist. Böhm. X. 48. 
•) Vgl. I. B. 303. Irrig wurde dort auch die Commende in Königgräz 

genannt; doch diese gehörte dem deutschen Orden. 
*) Akten des deutsch. Hauses in Eger. Copia. 
^ Schon fräher eine Besitzung der Johanniter. 
*) Beide von Bawor von Strakonic überlassene Patronatskirchen. 
'*) Diese in der Laiuutz. 



200 

endlich auch noch in Arnau, Swätla (Ban3l E.) und in Prag 
bei St Johann auf dem sogenannten Schlachtfelde bestanden 
haben. Überdiess besassen im 14. Jahrhunderte sowohl dw 
Grandprior als die einzekien Commandeure noch mehrere Pfarr- 
coUaturen. Ersterer hatte diese ausser den als Commenden be- 
zeichneten Ortschaften erweislich in L i p a n (bei Uhfinewes), *) in 
Zdetin, ') Lukawec, ^) Zdikow, RadomyM und L o m, ') 
ungerechnet andere yom Orden selbst auf seinen Besitzungen er- 
baute Pfarrkirchen. Der Komthur zu E a a d e n besass das gleiche 
Recht furBrunnersdorf, «)Niclasdorf')und Görkau.") 
Der Eomthur von M a n e t i n hatte wied^ das Patronat der PfEure 
L e c h w. Ist damit die äussere Ausbreitung des Ordens in Böh- 
men bis zum J. 1380 angedeutet, so mussten notbwendig auch 
neue Besitzungen zu den alten hinzugekommen sein. Genannt 
werden die Orte Olownice, Hlawen, Bfezinewes, Zdötin, Nämiice, ^^) 
Bardeäow, Lhota, Smetakowic, Bitezewes, Smetana, Motol, Lemen- 
kowic, Lom, Theile von Uhfinöwes und Eolowrat und Zinsungen 
aus zahlreichen andern Ortschaften. '') Dem Besitzstande entspra- 
chen auch die Privilegien, die der Orden nach einander von den 
Eonigen Pi^mysl Ottokar II., Wenzel U., Johann I. und Earl lY. 
zu erwerben wus^te und durch welche ihre Qrdenshäuser von der 
Last der Beherbergung königlicher Diener und Söldner befreit, ihre 
Untertbanen dem Gerichte 'der Ordensvorsteher unterworfen und 



^) S. Johann war dem Orden von der GLersogin Elisabeth im J. 1193 ge 
schenkt worden. £rben reg. 1168. 8 w Ö 1 1 a erscheint in den Confirma- 
tionsbüchern (1359) als KoUatqr des Grandpriors. Aman gehörte 1S54 
dem Johann von Torgow. (Lib. rect. I. A. 2.) 

^ Lib. confirm. 1361, 1369, 1874. 

*) Ebend. 1393. 

«) Ebend. 1383. 

*) ürk. in d. Akten des deutschen Hauses in Eger. 

*) Lib. confirm. ad 1863 u. f. Brunnersdorf aahlte 1384 nur 3 Gr. Halbjahrt- 
Kehent. 

^) Lib. conf. ad 1401. Es zahlte 1384 nur & Gr. Zehent. 

*) Lib. conf. ad 1861. 9 6r. Zehent. 

') Lib. confirm. ad 1888. 

n Registra zapisuw I. 507, 512, 519, 544. 

") Akt. des deutschen Hauses in Eger. Ck)pia. 



201 

alle Brüder dos besondern kömglichen Schutzes vermdiert wur-* 
den. ') 

4. Die Commenden waren wie überall, so auch in Böhmen 
von dreierlei Art: Commendae magistrales oder Meister- 
commenden, deren Verleihung ein freies Becht des Grosameisters 
(beziehungsweise des Landmeisters) war , -^ Commendae ju- 
s t i t*i a e oder Gerechtigkeitscommenden, auf die jeder Bitter nach 
fünQahrigem Aufenthalt im Orden und vier Feldzügen gegen die 
Ungläubigen der Ordnung nach vorrücken konnte, — und Com- 
mendae gratiae oder Gnadencommenden, die der Meister für 
beacmdere Verdienste ausserhalb der gesetzlichen Ordnung verlieh. 
Da der Zweck des Ordens stets ein militärischer blieb, so wurden 
die Commenden fast ausschlüsslich nur an eigentliche Bitter 
vergeben. In späterer Zeit finden wir aber ausdrücklich 4 Com- 
menden für verdiente Geistliche (Kapläne) des Ordens erwähnt. 
Eine der letzteren hatte jedenfsJls immer der jeweilige Prior des 
Mutterhauses der Ordensgeistlichen bei St. Maria in Prag inne. *) 
Überdiess finden wir noch regelmässig Priesterkomthure (zugleich 
Pfarrer) in Kaaden, Jungbunzlau und Böhmischaicha. Ausnahms* 
weise treffen wir aber auch anderwärts Komthure, die zugleich 
Pfarrer waren; so z. B. in Hirschfelde im J. 1300 den Bruder Peter, 
im J. 1352 den Nicolaus von Siegsdorf und im J. 1396 den Peter 
von Kyaw, — ebenso im J. 1418 zu Zittau den Brud^ Johann 
Gottfried.») 

5. Alle Commenden hatten den fünften Theil ihres Einkom- 
mens för den heiligen Krieg des Ordens an die Ordenskaaae in 
Rbodus einzuliefern. Paför waren sie aber auch Kraft eines be* 
sondern päpstlichen Privilegiums von allen päpstlichen Abgaben 
frei, die ohnehin ursprünglich nur zum Zwecke des Krieges gegen 
die Ungläubigen von den einzelnen Kirchen erhoben wurden. Im 
J. 1244 führte dieses Privilegium in Böhmen zu einem eigenthüm-r 
lieben Conflicte. Damals hatte der apostolische Stuhl die päpst- 
lichen Kirchenabgaben dem Erzbischofe von Mainz zugewiesen, der 
nun die sich sträubenden Johanniter durch Excommunicirung zum 



') Ebendaselbst 

*) Jetst, wo die alten Commenden bis aof Strmkonic B&mmtlich erloschen sind 

ist derselbe Comthur von Pulst in KArnthen« 
') Dr. Knothe, Gesch. t. Hirschfelde. 



202 

Zahlen zwingen wollte. Ein Recurs des Ordens bewirkte die Be- 
stätigung der alten Freiheit von Seiten des Papstes Innocenz lY. ^) 

6. Zu den böhmischen Johanniter-Rittern zfihlten 
durchwegs nur Söhne der edelsten Geschlechter; denn echte „Kit- 
terbürtigkeit^^ war und blieb das erste Erforderniss ihrer Au&ahme. 
Die Johanniterpriester (Kapläne des Ordens), denen le- 
diglich die geistlichen Funktionen in den Ordenshäusern, in den 
Ordenspfarreien und im Ordenskriege oblagen, durften auch niede- 
ren Standes sein. Jedoch zählten sie in Böhmen urkundlich eben- 
falls eine Menge von Edelgeborenen. — Die dienendenBruder 
endlich, bloss zu niederen Dienstleistungen im Hause und im Felde 
bestimmt, gehörten stets nur dem gemeinen Stande an und trugen 
nicht einmal das Ordenskleid. 

7. Ein Institut von Ordensschwestern der Johanniter 
war schon im J. 1190 in Spanien durch die Stiftung der Königin 
Sancha von Aragonien ins Leben gerufen worden. Die Schwestern 
beschäftigten sich unter der geistlichen Leitung eines Ordensprie- 
sters in besonderen Hospitälern mit der Pflege weiblicher Ai-men, 
Kranken und Pilger. Die Vorsteherin eines solchen Hospitals hiess 
Priorin. Ihr Ordenskleid war ein rothes Gewand und der schwarze 
Mantel mit dem Johanniterkreuze ; erst seit dem Falle von Rhodus 
trugen sie die ganz schwarze Kleidung als Zeichen der Trauer. 
Ein Ordenshaus dieser Art soll zu B o r bei Hora2diowic bestanden 
haben. *) Doch ist davon nichts Urkundliches bekannt. — Endlich 
gab es auch noch zahlreiche A f f i 1 i i r t e des Ordens, welche jähr- 
lich am Johannistage eine Beisteuer zu Ordenszwecken entrichteten 
und dafür Antheil an den Verdiensten und Gebeten des Ordens 
gewannen. *) 

8. Für die böhmischen Johanniter wurde das Jahr 1312 ein 
Jahr besonderen Segens, allerdings auf Unkosten eines unglttck- 
lichen Bruderordens. Der Orden der Templer war am 22. März 
1312 aufgehoben worden. Papst Clemens V. hatte zu ihren Erben 
die Johanniter bestinunt, da diese fortan allein den Kampf g^en 
die Ungläubigen im Oriente fortzusetzen hatten. Doch kam in 



BuUe V. 21. Dec. 1244. Botek lU. 45. 
') CochlaeuB, Baibin. Boh. sancta 187. 
») Weteer V. 771 u. b. £. 



203 

Böhmen — wie überall ~~ ein guter Theil der Erbschaft an die 
Kammer des allezeit geldbedfirftigen Königs: Ein anderer Theil 
gerieth in die Hände der adeligen Dotatoren zurück. Noch änderet^ 
behielten die in den Laienstand zurücktretenden Komthure. Den- 
noch floss den Johannitern noch Erhebliches zu, — namentlich in 
Prag das ehemaUge Haupthaus des Ordens (St. Laurenz), welches 
aber schon im J. 1313 von den neuen Besitzern an die Nonnen 
yon St. Anna am Aujezd veräussert wurde. 

9. Die hervorragendsten Persönlichkeiten unter den böhmischen 
Johannitern dieser Zeit waren nach dem grossen Prftceptor Mar- 
tin, den wir bereits aus dem ersten Abschnitte kennen, Heinrich 
von Rinthusen und Berthold Graf von Henneberg, 
beide nach einander Präceptoren für Böhmen, Mähren, Polen und 
Oesterreich. Ersterer wurde von der böhmischen Präceptur auf den 
Grossmeisterstuhl des Ordens berufen. Letzterer genoss neben 
dem berühmten Erzbischofe Peter Aichspalter das vollste Vertrauen 
des Kaisers Heinrich VH. Er und Erzbischof Peter waren es, die 
dem jungen Könige im J. 1310 in Böhmen beigeordnet wurden, 
um dessen unerfahrene Jugend zu leiten. Unter dem ausgezeich- 
neten Regimente dieser Ehrenmänner erlebte damals Böhmen seine 
gesegnetste Zeit. Im J. 1313, als Johann mit einem Heere ausser 
Landes zog, blieb Berthold als alleiniger Statthalter und Landes- 
hauptmann zurück. Erst die verletzte Herrschsucht der böhmischen 
Barone vertrieb ihn im J. 1815 von der Seite des Königs, — mit 
ihm aber auch zugleich Böhmens friedliche und segensvolle Zeit 

§. 147. Die bShmigchen Cislerzienser von 1200 bis 1380. 
a) Die schon bestehenden Klöster. 

1. Der Cisterzienserorden verdankte es in dieser Periode 
seiner strengen Regel und dem durch königliche Zeugnisse ') ver- 
bürgten Pflichteifer seiner Prof essen, dass er sich vor allen andern 
Orden des grössten Vertrauens im Volke, der aufrichtigsten Ver- 
ehrung von Seiten der Grossen und des massgebendsten Einflusses 
am königlichen Hofe erfreute. Eben darum sehen wir auf der einen 



') Privileg. Wenceslai reg. in Höfler's Monam. des Königthuios, JUS, 



204 

Seite die alten Klöster immer mehr erstarken und neben ihDen 
zahlreiche neue emporblühen. Anderseits aber gewahren wir eine 
Reibe ausgezeichneter Söhne des heiligen Bernard, die ungemein 
viel zur segenvollen Entwickelung der Geschicke unseres Vater- 
landes beitrugen. Im Allgemeinen sei hier nur erwähnt, dass König 
Wenzel IL allezeit einen Kreis von Cisterzienseräbten in seiner 
Umgebung hatte und ihres einsichtsvollen Rathes in geistlichen 
wie in weltlichen Dingen sich bediente. König Johann hatte es so- 
gar zumeist den Gisterziensern zu danken, dass er den Thron von 
Böhmen bestieg und er und sein hochherziger Sohn erfüllten nur 
eine Pflicht der Dankbarkeit, wenn sie dafür diesen Orden mit be- 
sonderer Vorliebe schützten und unterstützten. 

2. Die Oberleitung des Ordens ging noch immer vom Klo- 
ster eiste rz aus, woselbst unter dem Vorsitze des dortigen Ge- 
neralabts alljährlich (später alle drei Jahre) ein Generalkapi- 
tel gehalten wurde, an welchem ursprünglich alle Äbte des Ordens 
Theil nehmen mussten. Nachmals wurden entferntere Äbte in so 
weit dispensirt, dass sie nur jedes dritte bis fünfte Jahr die Reise 
nach Cisterz zu unternehmen hatten. Endlich kam es dahin, 
dass nur jedes Provinzialkapitel einen Abgeordneten zum Ge- 
neralkapitel entsendete. Das Generalkapitel controUirte die Be- 
folgung der Ordens - Vorschriften , legte den Äbten, die etwas 
verschuldet hatten, entsprechende Bussen auf, entschied über 
neue Kloster-Stiftungen^ gab oder verweigerte den Ordensglie* 
dem die Erlaubniss zur Annahme von Bisthümern, erliess allge- 
mein gültige Verfügungen in Ordenssachen und entschied in letz- 
ter Instanz alle Streitfälle der Professen. Für die laufenden Ge- 
schäfte gab es den Ordensrath, bestehend aus dem Generalabte 
von Cisterz, den Äbten der 4 Hauptklöster Fert6 (Firmitas), 
Pontigny, Glairvaux und Morimund und aus Äbten von 20 
andern Klöstern, welche Definitores hiessen. Die Klöster einer 
Provinz bildeten wieder eine V i c a r i a, der ein gewählter General- 
vicar vorstand, welcher die Klöster visitirte und meist die neuen 
Äbte benedicirte. Jede Vicarie hielt jährlich ein Provinzialkapitel 
„ad tractandum de reformatione ordinis et observaniia 
regulari.^' ') Überdiess hatte auch der Abt des unmittelbaren 

*) Kpiat. iDDoc. IV. 1246. (Bocek III. 61.) Vfl. Pritjs Gesch, d. Jü. ßaum- 
garteaberg, ... 



205 

Matterklosters als Pater abbas und Abbas immediatus das Recht 
der Visitation, des Vorsitzes bei Wahlen und der Installation des 
neuen Abts. Endlich war wieder der Pater abbas eines der 4 
Stammklöster — für Deutschland der Abt von Morimund — 
der gemeinsame Pater abbas — auch Abbas generalis') 
des von dort ausgegangenen Ordenszweiges. *) Die böhmischen 
Ordeiishäuser biMeten mit denen in Mähren eine besondere Vicarie; ') 
des Weitern aber theilten sie sich in die Linien von E b e r a c h 
und Wald Sassen. Der ersteren gehörten bis 1200 die Klöster in 
Nepomuk, Heiligenfeld, Plass und Münchengräz, der letztern Ossek 
und Sedlec an. — Gleich zu Anfang des 13. Jahrhunderts (1222) 
erhielten die böhmischen Cisterziensef vom Papste Honorius IIL 
grosse Privil^en. Die Erzbischöfe, Bischöfe und Prälaten wurden 
beauftragt, den Cisterzienserorden zu beschützen. ^) Kein päpst- 
licher Legat sollte ohne specielle Vollmacht über die Ordensglieder 
die kirchliche Excommunication verhängen. Die Ordenshäuser sollten 
von der Zahlung sogenannter Provisionsgelder frei sein. Sie sollten 
unbehindert freie Personen in den Orden aufnehmen dürfen trotz 
aller Einsprache der Säcularseelsorger. ') Ebenso erhielten die 
Klöster von den böhmischen Königen ansehnliche Freiheiten. Pfe- 
mysl Ottokar L that in dieser Beziehung Erhebliches. Wenzel IL 
behandelte die Gisterzienser als seine Lieblinge. Die Luxemburger 
begünstigten sie aus Dankbarkeit. 

3. Unser ältestes Gisterzienserstift Sedlec hatte sich bis 
1278 eines stillen Gedeihens zu erfreuen. ^) Dann brach plötzlich 
nach der unglücklichen Schlacht auf dem Marchfelde das ärgste 
Unglück über dasselbe herein. Das Kloster und sein Gebiet wur- 
den von den Kriegsschaaren des Kaisers Rudolph völlig ausgeplün- 
dert. Die Ordensbrüder wussten in Sedlec nicht einmal mehr ihr 



^) Chron. Sedlee» 

^) Dieser ^weig von Morimund führt im Wappen einen Sarg und die ßiich« 
Stäben M. 0. R. S. (mors, von mori mundo.) 

^) 8. epist. Innoc. (Boöek III. 61.) 

*) £p. Hon. dd. IV. Cal. Feb. Bo6ek IL 125. 

-) Bo6ek 126-131. 

^) Aebte bis 1278: HoHslaw, Pausanias, Lokschalcus, Drislaw, BohoslaW, 
Valerian, Leonhard, Adalbert, Wolfgang. Christian, Bartholomaeus, Hein- 
rich I. (Walthenius). 



206 

Leben zu fristen. Alles Bewegliche war bereits aus Notb verkanft, 
die Kleinode der Kirche waren verpfändet, man hatte sich genö- 
thigt gesehen, sogar Almosen zu erbitten« Endlich waren sie dahin 
gebracht, das Stift völlig zu verlassen und in andern Ordensh&usern 
eine Zuflucht zu suchen. Bereits wollte das Ordenskapitel die Ver- 
wandlung des alten Stiftes in eine einfache Propstei mit 3 oder 4 
Ordensbrüdern beschliessen; doch siegte der Ratbschlag einiger 
Kapitelglieder, den altersschwachen Abt Walthenius durch den 
ebenso weisen als frommen Bruder Heinrich Heidenreich 
aus Waldsassen zu ersetzen und diesem die Wiederherstellung des 
verarmten Stiftes anheimzugeben. Dem neuen Abte gelang diess 
auch in der That. Es wurde gerettet, was zu retten war und das 
Gerettete durch Umsicht, Sparsamkeit und Erwerbung neuer Gön- 
ner vermehrt. Sedlec stieg in Kurzem nicht nur wieder zu seinem 
alten Glänze, sondern sogar zu seiner höchsten Berühmtheit empor 
— diess Alles durch den Abt Heidenreich. Dieser wurde nämlidi 
des Königs Wenzel U. vertrautester Freund, der Mitwisser und 
Lenker seiner Pläne, der verlässigste Rathgeber auch in den allge- 
meinen Angelegenheiten des Landes. Er war es, der insbesondere 
die Erbauung des neuen Stiftes Königsaal zu Stande brachte 
und eine Colonie von Sedlec dahin einfahrte. ') FOr sein eigenes 
Stift erhielt er vom Könige nebst der Bestätigung und Erweiterung 
der alten Privilegien die entzogene Dorfschaft Zdanic bei Kaufim 
sammt Waldungen und Teichen zurück, ^y Auch erlangte er das 
Recht, von der seit 1250 in unmittelbarer Nachbarschaft des Klo- 
sters entstandenen Bergstadt Kuttenberg eine Abgabe zu be- 
ziehen. >) Wenzel H. bestellte seinen geliebten Abt Heidenreich 
auch zum Executor seines letzten Willens. Unter Heinrich von 
Kämthen erlitt Sedlec wieder mancherlei Drangsale: insbesondere 
hatte es von den benachbarten Kuttenbergern, die damals sogar 
die Häupter des böhmischen Adels gefangen nahmen, viel Unbilden 
zu erleiden. '*) Im J. 1310 war es Abt Heidenreich und mit ihm 



^) Chron. Aaloreg. p. 23, 67, 79 n. 8. f. 

*) Chron. Sedlecka 19, 20. 

') Kbendaselbst. Bekannt ist die Sage, das« ein Mönch von Sedlec im Walde 

wandeLad ans der Erde aufgewachsene Silberzweige entdeckt habe. 
') Chron. Auloreg. 182, 246-251. 



207 

die Äbte Conrad von Königsaal und Johann von Plass, welche den 
Adel Böhmeos zur Berufung Johannas von Luxemburg bewogen und 
selbst an die Spitze der diessf&lligen Gesandtschaft zu Kaiser 
Heinrieh VII traten. ') Schliesslich ging Heidenreich auch noch an 
die Erbauung einer neuen Stiftskirche. *) Endlich legte er im Jahre 
1320 nach vierzigjähriger glorreicher Verwaltung die Abtwürde 
freiwillig in die Hände des Pater -Abbas von Waldsassen nieder 
und starb noch im selben Jahre am 23. October. ') Unter seinen 
nächsten Nachfolgern ^) erfuhr Sedlec im J. 1825 die Dankbarkeit 
des Königs Johann, indem derselbe die KoUaturen zu K a u f i m , 
K 1 i n und Königgräz (nebst Demnic und Jaromfific in Mähren) 
an das Stift übertrug. ') Dessgleichen gelangte an dasselbe durch 
die Cession der ehemaligen Grundherren von Kuttenberg (des 
Prager Domscholasticus und des Pfarrers von Malin) das Patronat 
der Kirche und der Kapellen in Kuttenberg. *) Dennoch war 
Sedlec bereits im J. 1333 wieder so arm geworden, dass es den 
Rest der alten Schulden — 5000 Mark — nur durch abermalige 
zeitweilige Auflösung des Conventes tilgen konnte. I^i J. 1338 
findilta wir die vertbeilten Brüder bereits wieder unter einem neuen 
Abte (Ullrich) zu Sedlec vereinigt und alsbald kehrte unter dem 
beglückenden Regimente Karls IV. auch hier eine bessere Zeit zu- 
rück. *) Von grossem Beichthume war aber in Sedlec auch jetzt 
nicht die Bede; denn im J. 1364 musste Abt Wenzel mit Zustim- 
mung des Königs und des „Patet-Abbas von Morimund^^ einige 
Klosterdörfer verkaufen, um die durch die Landessammlungen und 
andere Bedürfnisse aufgelaufenen Schulden zu (Recken. ^) Colonien 



') Ebend. 209, 246. 

') Ebend. 329. 

') Ebend. 378. Hier anch sein schönes £pitaphiiim. 

*) Genannt werden: Nicokus I., Heinrich HJ., Friedrich, Ullrich (f 1333), 

Ortwin, Nicolaus II. (- 1360), Johann (—1862), V^Tenzel (—1368), Johann II. 

(-1876), Dietrich (-1883). 
*) Chron. Sedlecka p. 22. 
*) Urkunden in Chron. Sedlecka p. 23 u. s. f. 
*) Chron. Auloreg. 467. 
') Chron. Sedlecka 28. Äbte seit 1383: Nicolaiis t 1361, Johann t 1362, 

Weniel t 1368. 
*) Ebend. 31. 



208 

voD Sedlec waren in dieser Zeit nebst Königssaal noch Skalic 
(1354) und ein Jungfrauenkloster in Altbrünn (1325). 

4. In P I a 8 s wurde im J. 1204 unter Abt Albert I. ^ die 
bereits 1164 1>egonnene Stiftskirche YoUendet und 1205 von dem 
Olmützer Bischöfe Robert, einem ehemaligen Gisterzienser von Ne- 
pomuk, consecrirt ') Von da ab erhob sich das Stift durch eine 
Menge ansehnlicher Schenkungen zu einem der blühendsten im 
Lande. Der Schenkungen Ottokars I. und des Bischpfs Daniel 
wurde bereits bei Erwähnung der Stiftung gedacht. ') Seitdem 
wurde insbesondere König Wenzel I. ein grosser Wohltbäter des 
Stiftes, indem er neben anderen Privilegien das Kloster und seine 
Leute von fremder Gerichtsbarkeit und von der Last der Einlage- 
rung königlicher Diener und Landesedlen befreite, auch gewaltthft- 
tige Nachbaren zum Frieden und zum Schadenersatze verhielt^) 
Bischof Johann schenkte 1268 das Gut Otlech. Edle des Landes 
übertrugen an das Kloster die Güter Biezj und Dubice (v. Kati- 
mir), Teinic, Ujezd, Oläowe (v. H. v. Teinic), Bezdichowa (v. Cum- 
bold Ditlaib gegen lebenslängliche Verpflegung), Podmok und Morsk. 
Für bares Geld wurden zum Kloster angekauft: Korith (vom Stifte 
Kladrau), Kortelic, Hodin, Nyeprowic, eine Besitzung nebst dem 
Patronatsrechte in Ledic, ein Theil von Sebikowic und Sycheh'c 
Überdiess wurden in dieser Zeit auch einige fiir das Stift vortheil- 
hafte Gütertausche vollzögen. -^ Hieher gehören auch zwei unan* 
genehme Processe, die das Stift auszufechten hatte. Im J. 1277 
hatten Untertbanen des Klosters zwei königliche Waldaufseher er- 
schlagen. Zur Strafe entzog König Pfemysl Ottokar IL dem Stifte 
das Dorf Zwipefik, stellte es aber am 30. Mai desselben Jahres 
unter Wiedergewährung seiner königlichen Gnade zurück. — Im 



') Vor ihm werden genannt: Conrad aus Langheim, Meinhard I. f 1180, Bar- 
tholomaeus f 1182, Meinbard II. f 1190, Meingott t 1193. Nach Albert 
(t 1205): Meinhard IIL f 1205, Heinrich 1. 1210, Siegbert 1228, Heinrich II. 
12S8-1258, Gerard, Heinrich III. 1288, Nicolaus I., Heinrich IV. 1292, 
BartholomaeuB II. 1301, J o h a n n 1. 1306, Wilhelm 1310, Jakob 1337—1350, 
Johann IL 1358, Nicolaus II, Albert HL, Nicolaus IV. f 1380. 

^) Urk. Erben reg. 222. 

"*) I. Bd. S. 292, 293. 

*) Ein interessanter Fall : Heinrich Häyno musste dem Stifte 1252 iär i uge- 
fügten Schaden vier Pfund Gulden auf seinem Dorfe Wisoccan verschreiben 
oder solche mit 15 Mark Silber ablösen. 



209 

J. 1311 prozessirte das Stift mit dem Melniker Kollegiatkapitel um 
die Dörfer TfemoSna und Zynik. Auf die Appellation des Stiftes 
nach Rom erfolgte die Entscheidung: Tfemoäua sollte bei Melnik 
verbleiben, bezüglich des zweiten Dorfes aber sollte der mittler- 
weile Yom Stifte geschlossene Tausch seine Geltung haben. — Vom 
J. 1194 an besass das Stift Plass bereits ein eigenes Haus in Prag 
"■ die nachmalige Residenz der Äbte, wenn dieselben an den kö- 
niglichen Hof berufen wurden. Ohne Zweifel weilte dort am meisten 
der Abt Johann I. (130(5—1334), den wir bereits als Genossen der 
Äbte Heinrich von Sedlec und Conrad von Königsaal bei der Be- 
rufung des Hauses Luxemburg auf den Thron Böhmens kennen 
gelernt haben. — Die Anzahl der Klosterbrüder war in Plass sehr 
bedeutend; zu Zeiten Pfemysl Ottokars H. soll sie gar an 500 be- 
tragen haben. Da war es allerdings leicht thunlich, neue Colo- 
nien von hier ausgehen zu lassen — nach W e 1 e h r a d (1202) 
und Königsthron (auch Goldenkron, 1306) in Mähren und 
nach Heiligenkreuz (1263) in Oesterreich. *) 

5. Das Kloster Nepomuk scheint nach 1200 wenig Besitz- 
veränderungen mehr erfahren zu haben. Nur eines Verkaufes an 
Kladrau (Dnezic) wird im J. 1239 gedacht. *) Übrigens that sich 
Nepomuk frühzeitig schon als Pflanzstätte der Wissenschaften her- 
vor; denn von da ging im J. 1202 der uns bereits bekannte ge- 
lehrte Olmützer Bischof Robert aus. Am Ende unseres Zeitraums 
sprosste daselbst ein allverehrter Heiliger und Landespatron heran, 
— der h. Johannes von Nepomuk.') Eine Colonie von 
Nepomuk ging im J. 1252 nach Saar. 

§. 148. Fortsetzniig. Kloster Ossek. 

Da wir des vollständigen Besitzstandes des Klosters Ossek 
schon im vorigen Abschnitte gedacht haben, gehen wir sogleich an 
die uns bekannte Geschichte seiner Äbte. In Rücksicht auf die 
dermalige Diöcese von Leitmeritz erlauben wir uns dabei eine 
grösser« Ausführlichkeit. 



') Vgl. Illust. Ghron. I. 409 (nach Urkunden). 
') Erben reg. 453. 



; xiToen reg. 40ö. 

') Äbte werden genannt: Conrad (1176), Hermann (1188), Hartmuth (1219), 
Heinrich (1240), Berthold (1250). Erben regest, p. 760. 

14 



210 

a) Abt R u d h a r t, ehedem Prior des MutterBtiJftes Waldsasseo, 
eröffnete die Reihe der Ordensobern von Ossek. Im J. 1194 hatte 
er seine Brüderschaar erst nach M aschau und endlich 1199 
nach Ossek geführt. Es genügt zu bemerken, dass in seine Zeit 
nicht nur die Übersiedlung des Convents, sondern auch die Erbau- 
ung des ersten hölzerneu Klosters, ') die Beischaffung der Do- 
tationen, und die erste innere Einrichtung der neuen Ordensfami- 
lie fällt, um ihn als geistlichen Vater der jungen Stiftung? bewun 
dem zu müssen. Von Alter und Anstrengung gebrochen starb er 
im J. 1205. 

ö) Erbe seiner Mühen und Sorgen ward Abt Hermann, der 
vor Allem die mit Milgost von Maschau, dem ursprünglichen Stifter 
der Ordenscolonie, obschwebenden Streitpunkte durch päpstliche 
Schiedsrichter — den Bischof Daniel von Prag und den Propst 
Benedict von Leitmeritz — beilegen liess. ®) Dann ging er (26. April 
1208) an die Erbauung einer neuen Stiftskirche, die er auch im 
J. 1221 glücklich zu Ende brachte. Zur feierlichen Consecration 
sandte Papst Honorius III. heilige Reliquien (SSt. Cosmae, Seba- 
stiani, Fabiani, Gypriani, Petronillae) nebst einem Ablasse für jene, 
welche am Kirchweihfeste die Osseker Kirche andächtig besuchen. ^) 
Dem Abte Hermann verdankt endlich das Stift auch noch seine 
Aufnahme unter königlichen Schutz, die Befreiung von den Pro- 
vinzialgerichten, ^) und ebenso die päpstliche Oonfirmation der 
Stiftungen. *) 

c) Sein Nachfolger wurde Theodor ich, der im J. 1231 
mit Zustimmung des Convents die bei Mies gelegenen Dörfer Zwina 
und Wranow um 140 Mark Silber an das Kloster Kladrau verkauf- 
te. ®) Unter seiner Verwaltung dotirte Graf Johann von iüesen- 
burg die Erbauung steinernerKlostergebäude, ')die auch 
sofort in Angriff genommen wurde. Aus dieser Zeit stammt der 



') Erst 1230 wurde der „S t e i n b a u'* (opus lapideum) in Aussicht genom- 
men. Vgl. I. Bd. S. 321. 
') Urkunde dd. V. Idus Junii 1207, Bocek IL 41. 
^) Urkunden Erben regest. 232 und Kobn MS. antiq. circ. Litom. 
*) Urk. Erben reg. 232. 
•») Urk. Rohn dd. 3. Sept. 1209. 
•) Urk. Erben reg. 453. (Vgl. Urk. 863.) 
») Vgl. I. Band 321. 



211 

noch heute bestehende Kreuzgang, der KapitelsaÄl und in letzterem 
eio merkwürdiges steinernes Lesepult. — 

d) Ihm folgte Slawko von Kiesenburg, des ersten 
Stifters Enkel, ') der in dem neuen Kloster in Wissenschaft und 
Gottesfurcht herangebildet alsbald selbst das Kleid des h. Bernard 
nahm und eine Zierde des Ordens wurde. Oeffentliche Urkunden 
nennen ihn in den J. 1238 und 1239 als Abt von Ossek.^) Muth- 
masslich war er diess auch schon mehrere Jahre zuvor. Seine 
ersten Jahre widmete er dem Klosterbaue, den er auch glücklich 
zu Ende brachte. In dieser Zeit kaufte er auch das Dorf Libkowic 
für das Kloster an. ') Dann aber zog es ihn nach dem heidnischen 
Preussenlande hin, wo vorlängst dem Orden des h. Bernard unter 
der Leitung des Cisterzienser-Abtes Christian von Oliva das ver- 
dienstvolle Werk der Glaubensmissionen zugefallen war. Eben war 
die Nachricht angelangt, Christian, der nunmehrige erste Bischof 
von Preussen, schmachte in der Gefangenschaft der Heiden. Da mag 
wohl das Generalkapitel unseren Slawko zum Ersätze des gefange- 
nen Christian auserkoren haben. "*) Wir finden ihn auch wirklich 
schon im J. 1240 als Bischof in Preussen.*) Hier wirkte 
er, von einigen Brüdern aus Ossek begleitet, auf das Eifrigste, um 
Seelen für den Himmel zu gewinnen. Auch baute und weihte er 
dort manches christliche Gotteshaus. Noch Ende 1240 erlangte 
Christian von Oliva seine Freiheit wieder. Von da an finden wir auch 
unseren Slawko wieder in Ossek, ®) — doch nicht mehr als Abt ; 
denn diese Stelle hatte er vor sei-nem Missionsgange freiwillig nie- 
dergelegt. Im J. 1254 zog er neuerdings nach dem Norden. Es 



*) Von den Stiftern, den Brüdern Hrabisa, Slawko nnd Borso hatte der ältere 
Hrabisa die Söhne: Hrabisa, Kojata, Wsebor; Slawko die Söhne 
Hrabisa und Bohuslaw (von letzterem die Kinder Slawko Abt und BorSo) ; 
Borso die Söhne Slawko und Borso. (Scheinpflug, im .Jahrbuch für 
Lehrer u. s. w. S. 252.) 

") Urk. Erben regest. 434, 447. 

') Urk. Erben regest. 471. 

*) Durch, diese Annahme wird erklärlich, dass keine der Bischofsserien von 
Culm, Ermeland, Samland und Pomesanien den Namen Slawko's enthält, 
obgleich er urkundlich sicher Bischof in Preussen war. Er war es eben 
noch vor Errichtung dieser Bisthümer. . ' 

') Dieselbe Urkunde. 

*) Dieselbe Urkunde. 

^) Ebendaselbst. 

14* 



212 

war der bekannte Kreuzzug Pfemysl Ottokars II., der damals dem 
bedrängten deutschen Orden Hilfe bringen sollte. Bischof Slawko 
soll auch bei dieser Gelegenheit namhafte Bekehrungen bewirkt 
und neuerdings Kirchen geweiht haben. Schlüsslich brachte er 
auch die letzten Tage seines Lebens wieder in Ossek zu und fand 
dort in der Stiftskirche seine letzte Ruhestätte. ^) 

e) Gleich nach dem ersten Zuge Slawko's nach Preussen — im 
J. 1240 — wird als sein Nachfolger in Ossek der Abt Wignand 
erwähnt. *) Von ihm wird berichtet, dass er 1248 bei dem unse- 
ligen Kampfe des Prinzen Pi'emysl gegen Wenzel I. auf Seiten des 
königlichen Vaters stand — ebenso wie der damalige Graf von Os- 
sek, Bor§o von Riesenburg, der Bruder des Bischofs Slawko. BorSo 
war sogar des Königs Feldhauptmann. Das Stift Ossek kam dadurch 
anfänglich sehr zu Schaden; denn gleich den Besitzungen Öoräo's 
wurde es von den siegreichen Schaaren des Prinzen auf das Här- 
teste mitgenommen. Aber des Königs endlicher Sieg und die Aus- 
söhnung zwischen Vater und Sohn brachte das Verlorene reichlich 
wieder. Es gehören eben hieher die schon erwähnten Schenkungen 
von 1250. ^) Dieselben geschahen, wie ausdrücklich erwähnt wird, 
auf die Fürbitte des Bischofs Slawko. Abt Wignand soll im Jahre 
1259 das Zeitliche gesegnet haben, — dann aber nicht mehr als 
regierender Abt. Denn schon im J. 1253 wird sein Nachfolger 

/) Abt Werner genannt. Dieser erhielt nämlich noch vom 
Könige Wenzel I. ein Schutzprivilegium ; ^) Wenzel aber starb am 
22. September 1253. Abt W^erner vergab auch auf Lebenszeit das 
Gut Hagenswert an den Brüxer Bürger Gereon, der sich hiefur und 
zugleich „pro salute animae'' verpflichtete, dem Stifte 20 Mark 
reinen Silbers und den. nöthigen Viehstand für eine Hube Landes 
zu übergeben. ') In Abt Werners Zeit fällt wohl auch bereits die 



^) Sein (allerdings erst im vorigen Jahrhunderte neu aufgerichtetes) Denkmal 
in der Osscker Kirche enthält die Inschrift: Hie reconduntur ossa Zlaw- 
konis, episcopi Prussiae, hujus loci abbatis et professi, ex fundatoribus 
descendentis, augmentatoris fundationum munificentissimi. Vixit circa an^ 
num MCCLV exspectans spem beatae resurrectionis et adventum magni D^i- 

•) ürk. Erben reg. 471. Bocek III. 124. 

"*) ürk. Erben reg. 578. 

*) Urkunde in MS. Dr. Höfler monum. des Königth. 

^) ürk. ebendaselbst. 



213 

Schenkung des Zeigefingers des h. Johannes des Täufers, welchen 
Pfemysl Ottokar im J. 1252 im Kriege gegen Bela von Ungarn 
erbeutet hatte. 

g) Im J. 1260 wird bereits Abt Gieselbert genannt. Für 
die ausgezeichneten Eigenschaften dieses Mannes bürgt der Um- 
stand, dass er im J. 1267 als Abt in das Mutterstift Waldsassen, 
and von dort wieder im J. 1270 als Abt in das Stammkloster aller 
Cisterzienserstifte Deutschlands — nach Altenkamp postulirt 
wurde. *) Die Stadt Eger, welche im J. 1270 durch eine Feuers- 
brunst gänzlich zerstört wurde, zählt diesen Gieselbert zu ihren 
mildherzigsten Wohlthätern. ') 

§. 149. ForlsetzDiig. 

h) An die Stelle Gieselberts trat in Ossek als Abt Theodo- 
rich IL, ein Thüringer von Geburt, von dem aber ausdrücklich 
erwähnt wird, dass er in Ossek selbst die Profess abgelegt habe. 
Zu seiner Zeit gab König Ottokar den Cisterziensern und insbeson- 
dere dem Stifte Ossek das schöne Zeugniss, dass die Ordensbrüder 
im Geiste der Ergebung und Demuth und in der strengen Beobach- 
tung ihrer Regel es allen Klosterleuten zuvorthun, — und eben 
darum begabte er das Stift mit einem Schutzbriefe wider alle 
Eingriffe königlicher Beamten und Edlen des Landes. ■•) Dieser 
Abt erlebte aber auch die unglücklichen Zeiten nach dem Tode des 
mächtigen Königs und Beschützers. Wilde Kriegsbanden über- 
schwemmten das Land. Vor ihnen ging Schrecken verbreitend der 
Ruf unersättlicher Raubgier und entsetzlicher Grausamkeit einher. 
Da suchte Abt Theodorich mit seinen Klosterbrüdern das Heil in 
der Flucht über das angränzende Gebirge nach Meissen. Indess 
brachen die räuberischen Schaaren daheim in das verlassene Klo- 
ster ein und plünderten selbst die Ruhestätten der Todten. Darauf 
gaben sie die verwüsteten Gebäude den Flammen preis. Erst die 



') Dieser Zeigefinger kani auch in das Wappen des Stiftes. 

') Altenkanip (Yetus Campus), ein unmittelbares Tochterkloster von Mori- 

mund; von da ging Volkenrode aus, von letzterem wieder Waldsassen. 
') Pröckl, Eger n. d. Egerland II. 868. 
*) Urk. in Dr. Höflers Monum. des Köuigthums -— u. Sartori, Cistertium bi« 

Btertiom p. 1010. 



214 

jfriedlicheren T^^e des Jahres 1281 führten die zerstreute geistliche 
Familie wieder in ihr Mutterhaus zurück, das sofort vom Abte 
Theodorich schöner noch als zuvor hergestellt wurde. Im J. 1282 
erkaufte er vom Kloster Teplitz die Orte Klostergrab und Wems- 
dorf. Als endlich der junge König Wenzel IL selbst die Zügel der 
Regierung ergriff, kamen für das Kloster Ossek glückliche und 
ruhmvolle Tage wieder. Der König lernte den Abt Theqdorich als 
einen, ebenso weisen und thatkräftigen, als frommen und von seinen 
Ordensbrüdern verehrten Mann kennen. Darum schenkte er ihm 
sein volles Vertrauen, ja sogar eine wahrhaft kindliche Liebe. ') 
Auch an königlichen Geschenken für das Stift fehlte es nicht. ') 
Allerdings hatten die ausgezeichneten Eigenschaften Theodorichs 
schon im J. 1286 seine Postulatioji zur Abtei von Waldsassen zur 
Folge. Aber er blieb doch als Pater-Abbas der Visitator von Os- 
sek und Sedlec und stand als solcher zugleich mit den uns bereits 
bekannten Äbten von Sedlec und Plass dem Könige allezeit nahe. 
Auch in Waldsassen als grös»ter Beförderer des Stifts unvergessiich 
— starb er im J. 1302. «) 

i) Nach dem Abgange Theodorichs wurde der Prior von Sed- 
lec, der ebenso gelehrte als fromme Conrad von Erfurt als 
Abt nach Ossek postulirt. Dieser hatte zuvor eine ähnliche Postu- 
lation nach Grünheim ^) in Meissen abgelehnt. Jetzt folgte er 
dem Rufe nach Ossek, — um aber schon nach 2 Jahren wieder 
als Prior nach Sedlec zurückkehren. *) Von dort berief ihn endlich 
im J. 1292 der einstimmige Wunsch der Brüder und des Königs 
als ersten Abt nach Königssaal. Dort werden wir seiner noch mehr 
gedenken. 

Ä;) In Ossek folgte ihm im J. 1288 der Conventsprior Hein- 
rich als Abt nach. Unter diesem erwarb das Stift einen Hof 
(Rezel) bei Brüx, einen Weinzehent in Bilin und Jahreszinsungen 
in Rudelsdorf und Wiese. ^) 

^) Chron. Auloreg. 6ö. 

^) Wald Drien bei Kobelic und Libeschic. 

') lUust. Chron. II. 377. Pröckl, Eger 865. Chron. Auloreg. 68. 

*) Grünheim bei Annaberg in Meissen besass auch Güter in Böhmen. Kör- 

bic bei Kaaden und Keöic im Caslauer Kreise waren Patronatspfarren 

Grünheims. (Lib. confirm.) 
*) Chron. Auloreg. p. 482. 
•) Henricus abb. gen. bei Pulkava ad 10. Jan. 1289. 



215 

/) Im J. 1299 wird bereits der Abt Gervicus gekannt. 
Dieser schloss im J. 1203 einen Tausch vertrag mit BorSo von 
Riesenburg bezüglich' der Erträgnisse des Bergwerkes bei Riesen- 
burgr Auch erkaufte er nach Empfang einer Schenkung von 120 
Mark Silbers neue Jahreszinsungen in Stfibnic, Rudelsdorf und 
Radunfurt. Es war diess eben die in jener Zeit übliche Sitte, 
das bare Geld fruchtbar anzulegen, da ein Verborgen geg^ Inter- 
essen durch die Kirchengesetze verboten war. Gervicus wird noch 
im J. 1319 als Abt von Ossek genannt; — damals wohnte er nach 
der Resignation Conrads von Erfurt einer neuen Abtswahl in Kö- 
nigssaal bei. ') 

m) Abt Johann Griebel, der nun auf Gerwik folgte, 
wurde wieder einer der berühmtesten Männer seiner Zeit. Ein 
Thüringer von Geburt, hatte er sich auf der Sorbonne zu Paris die 
poctorswürde errungen. Hohe Gelehrsamkeit, ausgezeichnete Fröm- 
migkeit und seltene Gewandtheit des Geistes verbreiteten seinen Ruhm 
weit über die Klostermauern Osseks hinaus. Bei der Königin Eli- 
sabeth stand er mehr als irgend ein Geistlicher jener Zeit in Ehren. ^) 
Wahrscheinlich verdankte er es ihrer frommen Freigebigkeit, dass 
er 1322 die Besitzungen seines Stiftes um das Dorf Preschen und 
eine Hube Äcker in Prinsen vermehren konnte. Noch im Jahre 
1322 wurde er als Abt nach Waldsassen postulirt. Dort wurde 
er selbst Schriftsteller, indem er zur Erbauung seiner Klosterbrüder 
eine Sammlung rührender Beispiele klösterlicher Frömmigkeit aus 
Waldsassens Vorzeit^ zusammenstellte. Aber auch Andere wusste er 
zur Verwendung ihrer geistigen Kräfte anzuspornen, — so insbe- 
sondere den Abt Peter von Königssaal, welcher in Folge dessen 
die Köuigssaaler Chronik schrieb und seinem verehrten Pater- Abbas 
widmete. ^) Im Gebiete von Waldsassen dankte man ihm die Be- 
festigung des Ortes Tirschenreut und die Erbauung einer Burg da- 
selbst. Übrigens aber klagte man im Stifte über seinen allzugros- 
sen Aufwand. Er starb im J. 1239. '*) 

n) In Ossek war im J. 1322 Ludwig sein Nachfolger ge- 



Chron. Aaloreg. 350. 

^ Otto prior Waldsass. p. 69. 

') Chron. Auloreg. p. 19. 

*) Pröckl IL 364, Vgl. §. 81 n. 6. 



216 

worden. Die Traditionen des Stiftes rühmen ihm Eifer im Dienste 
Gottes und Sorgfalt in zeitlichen Dingen nach. Letztere bewährte 
er, indem er vom Könige und Papste die Bestätigung der ange- 
fochtenen Privilegien seines Klosters erlangte. Sein Ableben fid in' 
das J. 1332. 

o) Unter Abt Conrad n. gewann das Stift durch neue An- 
käufe (in WolepSic und Rudelsdorf) an äusserem Besitze; auch 
wurden ihm alle Privilegien neuerdings bestätigt. Aber auch ein 
neues Unglück suchte das Kloster heim — ein Brand der Stifts- 
gebäude im J. 1342. Conrad stellte sofort den Schaden wieder her, 
— unterstützt durch den Nachlass der königlichen Steuer. Im 
J. 1342 konnte Ossek bereits wieder dem Markgrafen Karl mit 
einem Gelddarleihen beispringen, wofür derselbe später (1249) einen 
zweijährigen Steuernachlass bewilligte. Interessant ist im J. 1348 
die von Karl IV. an den Generalabt von Cisterz eingebrachte Bitte, 
die Klöster der Cisterzienser in Böhmen anzuweisen, dass sie bei 
der Aufnahme von Novizen nicht mehr wie bisher die Eingebornen 
ausschliessen möchten. ') 

p) Im J. 1350 folgte Abt Franz, der noch im J. 1369 und 
1362 Präsentationsakte für Öwetbor (Zwetbau) vornahm. ^) Näheres 
ist über seine Regierung nicht bekannt. 

q) In den Jahren 1369, 1370, 1383, 1386, 1387 und 1389 
präsentirte Abt N i c o 1 a u s die Pfarrer für die Osseker Patronats- 
Pfründen. ') Unter ihm schenkte Karl IV. dem Cisterzienser- 
orden das Haus und die Kapelle Jerusalem in Prag (in der 
Bartholomäigasse), welches der fromme Bussprediger Militius aus 
einem Hofe der ärgsten Ausschweifungen (daher vordem Venedig) 
genannt in ein Kloster für Büsserinnen verwandelt hatte. Doch ging 
letzteres nach dem Tode des Milic wieder ein und nun ward es 
durch die Huld Karls zu einem Cisterzienserhofe — St. Bemard 
genannt. *) 



') Palack^, Formelbücher I. 246. 

>) Lib. Gonfirm. MS. ad 1359 und 1362. 

•) Lib. Confirm. MS. 

*) Lib. erect. I. T. 7. 



217 



§. 150. Das Stift llncheigiüi. 



1. Bezüglich des Cisterzienserstiftes Münchengräz sind wir 
nicht so glücklich, eine zusammenhängende Series seiner Äbte und 
einen Überblick seiner Schicksale feststellen zu können. Nur eben 
einzelne Namen von Äbten tauchen in den öffentlichen Urkunden 
auf; die eigenen Akten des Stiftes sind bereits bei der Zerstörung 
desselben durch die.Husiten zu Grunde gegangen. Nicht einmal 
die Cisterzienserchronisten von Königssaal und Sedlec kommen auf 
Münchengräz zu sprechen, offenbar aus dem Grunde, weil dieses 
Kloster nicht gleich Königssaal, Sedlec und Ossek dem Familien- 
zweige von Waldsasßen angehörte. In Münchengräz fungirten viel- 
mehr die Äbte von Plass als Patres abbates immediati und die 
Äbte von Eberach als geistliche Oberleiter. I>en Abt Heinrich IV. 
von Plass finden wir im J. 1295 in der Ausübung seines Amtes zu 
Münchengräz. 

2. a) Im J. 1221 finden wir den hiesigen Abt Johann im 
geistlichen Gefolge des Königs Pfemysl Ottokar, als dieser zur Be- 
endigung des Immunitätsstreits mit Bischof Andreas auf den Berg 
Scac in Mähren zog. Damals bestätigte er auch als Zeuge das vom 
Könige ausgestellte Immunitätsprivilegium der Prager Kirche. ^) 

b) Im J. 1230 treffen wir ebenso den H e n r i c u s abbas Gra- 
dicens im Gefolge des Königs, als er dem Kloster Plass eine vom 
Ritter Roman von Teinic empfangene Schenkung confirmirte. ') Da 
gleichzeitig im mährischen Gradic (bei Olmütz) der Abt Abraham 
genannt wird, ^) so ist kein Zweifel, dass jener Heinrich damals das 
Stift Münchengräz verwaltete. 

c) Ain 18. Jänner 1230 befindet sich der Gisterzienserabt R i- 
vinus von Gredic mit seinem Klosterbruder Fr. Sebastian im 
mährischen Cisterzienserstifte Welehrad, welches damals die hohe 
Ehre hatte, den König Wenzel I. zu bewirthen und von ihm die 



') Illust. Chron. II. 416 (nach Urkunden). 

*) Urk. Erben reg. 200. Der mitunterzeichnete Abt Bonifadus de Qradist. 
heisBt anderwärts (anno 1128, Erben 825) ausdrücklich Pr&monstratenserabt 
des gleichnamigen m&hrischen Klosters. Also ist Joannes abbas de Gradist 
ganz sicher der Abt von Münchengräz. 

') Urk. Erben reg. 367. 

*) Erben reg. 866, 



218 

Bestätigung seiner Privilegien zu erhalten. Er unterfertigte zugleich 
mit dem Pater abbas Heinrich von Plass die königliche Urkunde 
als Zeufre. ') 

d) In den Jahren 1238 und 1239 stand dem Kloster zu Mün- 
chengräz der Abt Bonifacius vor.') Er bestätigte 1238 zu- 
gleich mit dem Abte Hartmann von Welehrad als Zeuge die vom 
Olmutzer Bischöfe Robert (dem bekannten Cisterzienser von Nepo- 
muk) confirmirte Incorporation mehrerer Kirchen zu dem im Jahre 
1211 durch Stephan von Medlow gestifteten Cisterzienserinnen-Klo- 
ster Dubrawnik in Mähren. 

e) Am 16. März 1250 intervenirte Abt M o d 1 i k vonMünchen- 
gräz zugleich mit den Äbten von Plass, Ossek, Pomuk und Wele- 
hrad bei dem Verkaufe des bisher dem olmutzer Bisthume gehö- 
rigen Dorfes Prethoca in Böhmen an das Stift Sedlec. ') 

/) Nach dem Ableben Modlik's zeigt sich eine lange Lücke in 
der Series der Äbte von Münchengi-äz. Erst im J. 1359 wird wie- 
der der Abt Pfedbor, im J. 1363 der Abt Werner und im 
J. 1369 der Abt Z d i s 1 a w genannt, welche nach einander Pfarr- 
präsentationen für die Patronatspfründen Hlawic, Mukafow, Neu- 
stadtl, Reichenau und Sany vollziehen. ^) 

3. Am Schlüsse unseres Zeitraums gewann Mänchengräz noch 
eine neue Propstei zu 2leb. Die Brüder Marquard und Peter 
von Wartenberg auf Kost, beide hochangesehene Würdenträger lun 
Hofe Karls, ^) hatten nämlich nach dem testamentarischen Wunsche 
ihrer Mutter Agnes von Sliwno in 2leb ein Hospital zu Ehren der 
Himmelfahrt Mariens erbaut und mit dem Dorfe^ehuby nebst zwei 
Hufen in Trubsko bestiftet. «) Dieses Hospital übergaben sie am 
25. Februar 1377 dem Kloster Münchengräz mit der Bestimmung, 
dass daselbst ein Propst mit 5 Ordensbrüdern ihren Wohnsitz neh- 
men und die fromme Stiftung verwalten sollten. Die Ernennung des 



») Urk. Erben reg. 3Ö5. 

') Gleichzeitig lebte 1284 uud 1289 im m&hrischeu Gradic der Abt Gerlacus. 

(Urk. Erben reg. 887, 404, 413, 450.) 
>) Urk. Erben reg. 578. 
V Lib. contirm. ad ann. 1359-1869. 
') M. camerae mugister, F. curiae magister. Urk. 
") Pro anima mariti HiDconis, Sororis EiÜBcac et fratrie Joannis de Zleb 

canonici FragensiB. (Lib. erect, I. F. 6.) 



219 

Propstes hatte stets im Einverständniss mit den Erben der Stifter 
zu geschehen ; ja es wurde sogar bedangen, dass der Abt jeden 
missliebigen Propst auf den Wunsch der Patrone wieder entfernen 
müsse. Im Hospitale selbst sollten von den Ordensbrüdern für alle 
Zeit 12 Arme mit Nahrung und Kleidung versehen werden. ') 

§. 151. Nene SUrtongen der Cisterzienser: Saar, Hohenfart, Goldenfcron. 

1. Im J. 1251 trat das neue Cisterzienserstift Saar (Zdiar, 
2dar, Mariabrunn, Cella B. Virginis) *) ins Leben. Obgleich es die 
erste päpstliche Bestätigung von 1252 zur Olmützer Diöcese und 
die erste landesfürstliche Confirmation vom selben Jahre zu Mähren 
rechnet, ') so zählen es doch wieder spätere Scheukungs- und Con- 
firmationsinstrumente ausdrücklich zur Diöcese von Prag.*) Über- 
diess lag dieses Stift geradezu an der Gränzlinie zwischen Böhmen 
und Mähren und war vielfach in Böhmen begütert, so dass wir 
immerhin Grund haben, das genannte Stift hier näher ins Auge zu 
fassen. Es war eine Colonie von Nepomuk. Stifter war B o C k o 
von Berneck, Burggraf zu Znaim, ein Ahne des spätem Königs 
Georg von Podiebrad. ') Als Mitstifter werden noch genannt: seine 
Schwiegermutter Sibylla, seine Gattin Euphemia und seine Schwä- 
gerin Elisabeth. Als erste Dotation erhielt das Stift die Dörfer 
Saar, Berthelsdorf (al. Neudorf), Rohrbach (al. Hruäowan), Dobro- 
woda und Jama, die Kirche in Bite§ (al. Heinriches), den dritten 
Theil der herrschaftlichen Weinernte von Skalic, Pozdran, Zajech, 
Pawlowic und Naöeradic, und den vollen Zehent in Kobila, Pawlo- 
wic und Zajech. «) Im J. 1268 schenkte Smil von Licht en- 
b u r g das Patronat der Kirche in C h o 1 6 b o f bei Deutschbrod 



') Urknude Balb. iu lit. publ. 104. 

') Die Namen s. Urk. £rben reg. 601. Bocek IV. 16. Das chron. Zdiar setzt 
das Stiftnngsjahr auf 1251, Gistertium bistert. irrig auf 1234. 

') ürk. Erben reg. 601, 603. 

*) ürk. Bocek IV. 15, 209. 

^) Diesem Umstände verdankte es Saar, dass ihm Georg nachher Vieles wie- 
der ersetzte, was der Husitenkampf entfremdet hatte. Ein Bruder des 
Stifters, Smil von Berneck, gründete 1262 in Mähren das Cisterzienser* 
kloster Wizovic (auch Smilheim und Rosa Mariae genannt). 

•) ürk. Erben reg. 603. 



220 

zu dem Zwecke, damit daselbst eine Residenz für drei Cisterzienser 
errichtet werde, die jedoch anf Verlangen des Prager Bischofs Jo- 
hann auch noch einen Weltgeistlichen für die Administration der 
bischöflichen und erzbischöflichen Rechte zu erhalten hatten. ') Im 
J. 1269 schenkte derselbe Smil von Lichtenburg die Dörfer Jifiko- 
wice und Radftowice nebst Zollfreiheit für die Unterthanen des 
Stiftes. ') Im J. 1277 schenkte Agnes von Rothenburg (Tochter 
des Stifters) ein Dritttheil des Dorfes Teäany. ^) 1278 wurde die 
Hälfte der Dörfer Ku6erow und Lhota durch gerichtlichen Ausspruch 
dem Kloster zugewendet.^) 1288 schenkte Königin Judith das 
Patronat in Laußic. *) 1289 schenkte Gerhard v. Obfan ein Dritt- 
theil des Erträgnisses seiner Weinberge. ®) 1293 schenkten die 
Brüder Philipp Bohuslaw und Emmeran von Pernstein den Zehent 
und das Bergrecht von Medlow, ^ auch gab Agnes von Öwabenic 
die Hälfte des Dorfes Kriianow ') und König Wenzel bewilligte die 
Exemtion von den Cudengerichten. **) 1306 löste Raimund v. Lich- 
tenburg die an Saar verkaufte Hälfte der Stadt B61a gegea Baar- 
Zahlung wieder ein, '^) so dass das Stift neue Mittel zu künftiger 
Vermehrung seines Besitzes erwarb. 

2. Im Süden Böhmens entstand im J. 1259 das noch heute 
bestehende Cisterzienserstift Hohenfurt (ViSibrod, Altovadum). 
Peter Wok von Rosenberg, Marschall von Böhmen und 
unter Pi'emysl Ottokar IL Statthalter yon Oesterreich und Steier- 
mark, stiftete es „im Einverständnisse mit seiner Gattin Hedwig 
und seinen vornehmsten Verwandten zu Ehren der heiligsten Jung- 
frau Maria zur Sühnung seiner Sünden und zum Heile seiner eigenen 
Seele und der Seelen seiner Ahnen." **) Unter den zustimmen- 
den Verwandten befand sich auch der damalige Prager Bischof 



') Ad persolvenda jura episcopalia et arcbiepiscopalia. Urk. Boöek lY. 15. 

>) Boöek IV. 23. 

») Urk. Bocek IV. 206. 

«) Urk. Bo6ek IV. 209. 

») Urk. Bo6ek IV. 342. 

•) Boiek V. 289. 

') Ebend. V. 396. 

^ Ebend. 410. 

•) Ebend. 404. 

»«) Bo^iek V. 289. 

>^) Urkunde Mikovec, Kl. Hohenfurt, b. 18. 



221 

Johann in. von Draüc. J) Der Überlieferung nach war Peter Wok 
(al. Werner) auf einem Ritte durch die Moldaufurt in Lebensgefahr 
gerathen, da das Wasser des Flusses eben ungemein hoch gestiegen 
war. Aufblickend zu einer auf der Höhe des entgegenstehenden Ufers 
erbauten Annakapelle legte er das Gelübde ab, dort ein Kloster zu 
erbauen, wenn sein Leben gerettet würde. Er entrann durch den 
Beistand der Gottesmutter der Gefahr und löste durch die Erbau- 
ung Hohenfurts sein Gelöbniss. Die neue Stiftskirche wurde 
nun auch die Erbbegräbnissstätte der Rosenberger. ^) Der Stifter 
wies dem neuen Kloster einen ansehnlichen Theil seiner über das 
sudliche Böhmen sich erstreckenden Güter als Dotation zu. Als 
Gränzen des ersten Besitzes werden genannt: der Wald am Ufer 
der Moldau, der nach Westen den Weg nach Helfenburg (in Oester- 
reich) berührt; — nach Osten die Linie durch die kleine Moldau 
um das Dorf Zbyadel herum ; dann der Bach Mokry von seinem 
Ausflusse in die Moldau bis zu seiner Quelle, und von da die Linie 
über den Berg Hradisch wieder bis zur kleinen Moldau; endlich 
die Linie von der Moldau längs des Ufers Psyn bis zum Berge 
Strasedlnik und von dort am Dorfe Swotomir entlang bis zu den 
Besitzungen Witek's von Krumlow. ^) Diese ausgebreitete Wald- 
gegend wurde alsbald von deutschen Colonisten gelichtet und zahl- 
reiche Dorfschaften daselbst angelegt. ^) Von bereits bestehenden 
Dörfern wurden dem Kloster zugewiesen : Sedlec bei PfidoU, Ober- 
Gutenbrunn, Wintersdorf nebst dem Patronate der Kirchen in Ro- 
senthal und Ffidoli (Priethal), der ganze Zehent von Michnic, Pfi- 
doli, Polna (Stein) und Rosenthal, das Drittel des Zehents von Lit- 
winowic, Plan und allen übrigen Ortschaften des Stifters, insbeson- 
dere aber von den zur äusseren Kirche in Hohenfurt zuzuweisenden 
Ortschaften zwischen den grossen und kleinen Moldau, — dann 
im Gebiete von Opava das neue Dorf Kotchen, Ponedra2 bei We- 
sele, Babice, ein Theil von Sedlecreut und Zehnten in Schönberg, 
Stradenic und MaleSic. *) — Die ersten Klosterbrüder (12) erhielt Ho- 



■) £bendaselbst. 

') in J. 1611 fand dort der letzte Rosenberger seine Ruhestätte. 

*) Urk. Confirmatio Joannis episc, Bükovec 18. 

*) Die Namen enden hier meistens anf schlag, z. B. Potschlag, GerbetscUag, 

Homschlag, Martetschlag, Minichschlag n. r. w. 
*) Urk. Mikowec p. 18, 19. 



222 

henfurt aus dem österreichischen Kloster Wilhering, einem Tochter- 
kloster von Eberach, so dass Hohenfurt den Stiftern zu Plass und 
Neporauk als Schwesterkloster an die Seite trat. Der grossmüthige 
Stifter segnete im J. 1262 das Zeitliche und fand der erste seines 
Geschlechts in der Familiengruft des Klosters Hohenfurt seine 
letzte Ruhestätte.') 

4. In Folge des glücklichen Ausgangs der Kämpfe mit König 
Bela von Ungarn stiftete Pfemysl Ottokar IL im J. 1263^ dasCister- 
zienserstift Dornenkron — oder Goldenkron in der Nähe 
der Stadt Krumau. Veranlassung zur Wahl des Namens gab die 
kostbare in Gold gefasste heilige Reliquie eines Dornes aus der 
Krone Christi, welche Ottokar vom Könige Ludwig IX. von Frank- 
reich zum Geschenke erhalten hatte und nun zum Heiligthume des 
neuen Stiftes bestimmte. '*) Der König dotirte sein Goldenkron zu- 
nächst mit dem Gute Boletic an der ,, deutschen'' Gränze, vom 
Gränzgebirge bis Prachatic sich erstreckend. ') Im J. 1268 schenkte 
auch auf Fürsprache Ottokars der edle Hirzo von Klingenberg 22 
Dörfer hinzu und schlüsslich im J. 1275 noch 8 andere in seinem 
letzten Willen. Zugleich übergab Bawor von Baworow d^m Kloster 
6 seiner Dorfschaften. Indem das Stift weiterhin das Gränzgebiet 
bei Prachatic mit Insassen bevölkerte, entstanden auch dort eine 
Menge zumeist deutscher Ortschaften. — Im J. 1281 schenkte der 
König auch noch die Herrschaft Netolic hieher. Weiterhin werden 
noch im J. 1315 Bavor III. von Baworow und 1 322 Hermann Pris. 
Bischof von Irin, als Wohlthäter des Klosters genannt.^) Die ersten 
Mönche erhielt Goldenkron aus dem österr. Kloster Heiligenkreuz. 
Doch schon im J. 1277 wandte sich König Ottokar an das General- 
kapitel zu Cisterz mit der Bitte, sein Kloster dem Abte von Plass 
als Abbas immediatus unterzustellen, weil ihm Alles daran gelegen 
sei, sein Land Böhmen von jedem ausländischen Einflüsse frei zu 
machen. ') Er hatte eben damals Oesterreich schon verloren. Das 



*) Als Protoabbas wird schon 1259 Otto genannt. Die Iniulirung der Äbte 
erfolgte erst 1403. (Trajer, Diözese Budwcis, S. 251 u. s. f.) 

') Urkunde bei Pubitsicbka V. 334. Anonym. Leobn. 

^) Urk. ebend. Als Gr&nzbäche daselbst werden genannt: Obschi, Cessio. 
Korenatec, Klöpoton, Chremesna, Wudika, Kapotscha, Huczna. Berge da- 
selbst: Vorruhobf Persilepin, Buleb, Huba, Naklethi. 

♦) Trajer S. 306. 

^) Urkunde in cod. epist. Ottocari p. 72 74. 



223 

Geiieralkapitel ging wirklieh auf das Aosuchen des Königs ein und 
fortan fungirten die Äbte von Plass als Patres abbates in Golden- 
kron. '). 

§. 152. Fortseliin;: Die Küster Fraaentiial nnd Konigssaal. 

1. Im J. 1265 stifteten die zwei Schwestern Utta, Wittwe 
nach Kuno von Chowan, und Ludmila das Cisterzienserklo^ter 
Frauenthal (Vallis virginum) bei Deutschbrod. In dieser Ab- 
sicht wurde zunächst im J. 1265 die Dorfschaft Pnow von einem 
gewissen Jaro& angekauft. Dazu erwarb Utta im J. 1275 von den 
Brüdern Budislaw und Bartos das Dorf Polet. Bis 1277 wurden 
die Klostergebäude vollendet und die geistlichen Jungfrauen daselbst 
eingeführt. König Pfemysl Ottokar II. bestätigte die Stiftung, er- 
theilte dem Kloster mancherlei Privilegien und trug seiner Gemah- 
lin Kunigunde die Beschützung desselben auf. Auch Smil vonLich- 
tenburg wurde ein Wohlthäter des neuen Stiftes. ^) 

2. Im J. 1292 erhob sich das GisterzienserstiftKönJgssaal 
(Aula regia, Zbraslaw). Ursprüngliche Besitzer des Ortes Zbraslaw 
waren die Äbte von Kladrau gewesen. Seit Langem hatten 2 oder 
3 Benedictiner des Kladrauer Klosters daselbst ihren bleibenden 
Wohnsitz genommen. Die ausgezeichnete Lage des Ortes am Zu- 
sammenflusse der Beraun und Moldau und die vortrefflichen Jagd- 
gründe der Gegend bewogen im J. 1268 den Bischof Johann III. 
von Draiic, Zbraslaw an sich zu kaufen. König Ottokar II. liess 
sich dort ebenfalls ein Jagdschloss erbauen und dasselbe befestigen. 
Überdiess pflanzte er an den freien Berglehnen österreichische Re- 
ben an. *) Wie der Vater, so liebte auch der Sohn Wenzel II. 
diesen Ort ungemein und pflegte daselbst nicht selten seiner Jagd- 
lust. So kam er auf den Gedanken, in dieser Gegend ein neues 
Cisterzienserkloster zu erbauen, — theils weil er die Brüder St. Ber* 
nards übjBrall gern in seiner Nähe hatte, vor Allem aber, um für 
die glücklich bestandenen Gefahren seiner Jugend dem Allerhöchsten 
ein Werk der Dankbarkeit zu weihen. Des Königs frommer Freund, 



^) Ex dipl. Wenceslai II. 1284. Pubitechka V. 335. 
*) Pubitschka V. 355. Urk. Mater, zur Statist. XI. 114. 
•) Cbron. Auloreg. p. 83, 84. 



224 

der Abt Heideureich von Sedlec und mit ihm der Abt Theodorich 
von Waldsassen und der Prior Conrad von Sedlec wurden beauftragt, 
den Bauplatz zu wählen. Doch begann der Bau erst im J. 1297 und 
erst im J. 1304 wurde das königliche Stiftungsdiplom ausgefertigt. Aber 
schon am 20. April 1 292 wurde der auf einem in Sedlec gehaltenen 
Ordenskapitel erwählte Prior Conrad als neuer Abt mit 12 Ordens- 
brüdern aus Sedlec in Gegenwart der Äbte von Waldsassen, Sedlec, 
Saar und Chemnitz (in Meissen) zu Könfgssaal eingeführt, um einst^ 
weilen im königlichen Jagdschlosse ihren Wohnsitz zu nehmen. Dem 
neuen Convente wies König Wenzel 24 Hüben Ackerland, 400 Mark 
Einkünfte und freie Holzung in den königlichen Wäldern an. Indess 
erwirkte Wenzel vom Bischöfe Tobias gegen Entschädigung die 
Abtretung des Ortes Zbraslaw an das neue Kloster. ') Der König 
selbst schenkte nachher die Herrschaft Landskron. ') Am 20. Mai 
1297 wurde im Beisein des Erzbischofs Hermann von Magdeburg 
und der Bischöfe von Prag, Olmütz, Krakau, Meissen, Basel, Kon* 
stanz, Lübeck und Freisingen und ausserdem vieler Fürsten und 
Edlen der Grundstein des neuen Klostergcbäudes gelegt. Zugleich 
ward auch eine Königwohnung daselbst erbaut, ^) in welcher Wen- 
zel n. nach Niederlegung der Krone dereinst seine Tage zu be- 
schliessen gedachte. Ebendeshalb hiess nun das Kloster Aula regia. 
Der erste Abt, der den Bau des Klosters zu leiten hatte, war der 
uns bereits als ehemaliger Abt von Ossek bekannte Conrad von 
Erfurt.*) Dieser wurde nun bei König Wenzel IL und seinen 
Nachfolgern einer der einflussreichsten Männer. Im J. 1292 finden 
wir ihn nebst den Äbten von Waldsassen und Sedlec auf dem Ge- 
neralkapitel zu Cisterz, um daselbst im Namen des Königs die Auf- 
nähme des neuen Klosters in den Ordensverband zu erbitten. ') Im 
J. 1296 sendete ihn der König nach Schwaben, um von dort die 
Schwester Agnes nach dem Ableben ihres Gatten Rudolph von 
Oesterreich nach Böhmen zurückzugeleiten. ^) Im J. 1297 fungirte 
er als päpstlicher Bevollmächtigter, um den König von seiner Krö- 



<) £bend. 88, 23, 25. 

>) Jelinek kroD. Litomysl. 141. Vgl. §. 122. 

*) Chron. Auloreg. 126. 

«) Vgl. «. 136. K. 

^) Chron. Auloreg. 92. 

«) Ebend. 110. 



226 

Dung von etwaigen kirchlichen Gensuren zu absolviren. >) Als 6e- 
wissensrath der königlichen Familie hatte er den höchsten Einfluss 
auf die Geschäfte der Regierung und die unzähligen frommen Werke 
des fürstlichen Paares geschahen zumeist durch seine Vermittelung. 
In dieser Eigenschaft stand er im J. 1297 am Sterbelager der Kö- 
nigin Guta und 1305 an dem des Königs. Er wurde auch 1297 
Executor des Testamentes der Königin *) und 1305 zugleich mit 
dem Abte von.Sedlec, dem Bischöfe von Brixen und dem Notar 
Heinrich Stiam Executor des königlichen letzten Willens. ^) Bei 
Wenzel HI. fungirte er als Rathgeber und ernster Mahner. *) Auch 
bei seinem Nachfolger Rudolph war er hochaugesehen und begrub ihn 
gleich den beiden Vorfahren in seiner Klosterkirche. *) Unter Heinrich 
dem Kärnthner entriss Heinemann Duba dem Stifte Königssaal die 
Herrschaft Landskron und behauptete sie zwei Jahre lang wider 
alles Recht; da war Abt Conrad im eigenen und des Landes Namen 
am Hofe des Königs ein ernster Forderer der Gerechtigkeit. ®) Im 
J. 1309 stand er an der Spitze der böhmischen Gesandtschaft, um 
Johann von Luxemburg auf den Thron zu berufen. ') Bald darauf 
legte er die äbtliche Würde nieder, um in stiller Zurückgezogenheit 
sein Leben beschliessen zu können. Als aber sein Nachfolger Otto 
schon nach anderthalb Jahren starb, nöthigten ihn die Brüder, 
neuerdings die Wahl zur Abtei anzunehmen. Von öffentlichen Ge- 
schäften fern regierte er nun noch bis 1316, wo er zum zweiten 
Male seine Würde niederlegte. ■) Er starb am 3. Juni 1329 •) — 
als ein seltener Ordensmanu, der ein Mal die äbtliche Würde ab- 
gelehnt und drei Mal auf dieselbe resignirt hatte. Sein Nachfolger 
warde Peter von Zittau, der Verfasser der umfangreichen 
Chronik von Königssaal. Einst der Begleiter seines grossen Vor- 
gängers auf der Königsreise nach Frankfurt (1309) wurde er nun 
auch der Erbe feines Ansehens und Einflusses — namentlich am 



>) Ebend. 119. 

^ Ebend. 149. 

>) Ebend. 147, 153, 149. 

•) Ebend. 170. 

*) Ebend. 176, 155, 158. 

•) Ebend. 172, 192. 

T Ebend. 209, 210. 

^ Ebend. 350. 

•) Ebend. 432. 

15 



226 

Hofe der Königin Elisabeth. Wir finden ihn im J. 1317 als Send- 
boten der Königin bei König Johann in Trier, ^) dann 1323—1325 
als treuen Beistand derselben in ihrem freiwilligen Exile in Baiern, *) 
und wieder im J. 1331 als Bevollmächtigten bei König Johann in 
Regeusburg. ^) In Königssaal legte er im J. 1329 den Grund zur 
neuen Stiftskirche. '•) In Prag erwarb er den sogenannten Königs- 
saaler Hof (in der Postgasse) und stellte daselbst die Kapelle des 
h. Andreas würdig her. ^) llberdiess verdankt ihm das Stift die 
Wiedererwerbung der Burg und des Gebietes von Landskron, wel- 
che König Johann von 1319 bis 1325 an sich gezogen hatte. ^) Er 
starb um das J. 1238. Des Verkaufes der Stiftsherrschaft Lands- 
krön an das neue Bisthum LeitomyK^l haben wir bereits gedacht. ') 

i}. 153. Fortsetzing: Die Kloster Skalic, Sezenic, Marienllial. 

1. Im J. 1257 stiftete der uns bereits wohlbekannte böhmische 
Kanzler Dietrich von Kugelweit,'") damals bereits Bischof von Min- 
den» das Kloster Skalic unweit Kaufim. Selbst ein ehemaliger 
Professe des Cisterzienserordens (zu Lehnin in Brandenburg) wid- 
mete er das Stift für eine Colonie des nicht fernen Mutterklosters 
Sedlec. Als Dotation hatte er schon vordem ein ansehnliches Land- 
gebiet angekauft und schenkte dieses nun dem neuen Convente. Es 
waren dies die Höfe und Dorfschaften Stanic, Mnichowic, Lipeska 
und Zabeschau nebst der Waldung Kozihfbet. Später kaufte er 
auch noch die Dörfer Nasojed und Dubrawic von Johann von Na- 
sojed und das Dorf Dolanky von Leuthold Hanko und schenkte sie 
dem Kloster. Dieses, für 12 Mönche und einen Abt bestimmt, nannte 
er: Ad gratiam beatae Virginis. Schon im J. 1257 erlangte er für 
seine Stiftung die Confirmation des Königs und des Erzbischofs. ^) 



") P:beiid. 359. 
') Ebend. 397. 
^) Ebend. 450. 
*) Ebend. 430. 
*) Ebend. 499, 501. 
•) Ebend. 398. 
^ Vgl. §. 122. 
•) Vgl. §. 128 N. 7. 

•) ürk. in Mat zur Statist. XI. 118. Epist. Balbini Misce». 71 u. 8. f. Lib, 
Erect. I. A. 2. 



227 

Vom Könige gewann das Stift sogar das seltsame Privilegium, die 
Missethater selbst zum Tode verurtheilen zu können. — Der edle 
Stifter war noch Willens, anstatt des ersten ein neues prächtiges 
Klostergebäude aufzufuhren und selbes für eine grössere geistliche 
Familie zu adaptiren, als ihn sein neuer Beruf als Erzbischof nach 
Magdeburg führte. Da übernahm Kaiser Karl selbst die Ausführung 
des Werkes, das aber erst sein Sohn Wenzel völlig zu Stande 
brachte. Fortan sollten 60 Mönche das Stift bewohnen. Leider 
aber ward es nur zu bald ein Opfer des Husitenkriegs. ') 

2. Als eine Stiftung der Zeit von 1200 bis 1364 ist auch noch 
das Gisterzienserinnenkloster S e z e m i c zu nennen, das unbekann- 
teste aller böhmischen Klöster, •) von dem eben nichts Anderes 
berichtet wird, als dass es im J. 1350 an das neuerrichtete Bisthum 
Leitomysl abgegeben wurde. ') Nach dem tJbergabsinstrumente zählte 
es im J. 1350 ausser der Äbtissin nur zehn Ordensschwestern der 
Cisterzienserregel. Nach demselben Documente lag es im alten De- 
kanate von Chrudim. Die Husitenkämpfe haben leider jede Spur 
hievon vom Erdboden vertilgt. — Ohne alle historischen Spuren 
sind endlich die angeblichen ehemaligen Klöster J i 1 e m n i c e (bei 
Arnau), ftepof, Kamenec und Bistric. ^) Wahrscheinlich waren 
es nur Collaturen und Besitzungen bekannter Klöster, — die er- 
stem beiden etwa mit dem auch anderwärts üblichen Nonnen- 
hause. *) 

3. Zu den für unser Vaterland wichtigen Klosterstiftungen des 
13. und 14. Jahrhunderts gehört endlich auch noch das Gisterzien- 
serinnenkloster Marien thal (Vallis St Mariae) in dem prächti- 
K'en Neissethale zwischen Ostritz und Zittau in der heutigen Ober- 
lausitz. Bekanntlich gehörte das Gebiet von Budisin, Zittau. Lö* 
bau, Eamenz und Görlitz schon seit 1136 (nach dem Aussterben des 
Hauses Groitsch) zur Krone Böhmens. Allerdings war diess Alles 
mit AusYiahme der Pflege Zittau im J. 1231 wieder an Brandenburg 
entäussert worden; aber seitdem gehörte gerade das Zittauer Ge- 



') Pnbitschka VI. 472, 478 nach Urkunden. 

^ Sai^ri, Htyek, Crugeriiis n. s. w. kennen es nicht. 

') Urk. bei Baibin. appendix ad regist- decimarnm. 

*) Balb., Hajek. 

*) Vgl. I. S. lOG. 

15* 



228 

biet als eigener Kreis zu Böhmen selbst und als ein eigenes De- 
kanat (des Bunzlauer Archidiakonats) auch zur Prager Diö- 
c e s e. Zur letztern gehören die katholischen Orte jener Gegend 
sogar de jure noch heute. Also ist Marienthal recht eigentlich 
ein böhmisches Stift. — Es wurde im J. 1234 vom böhmischen 
Könige Wenzel I. und seiner Gemahlin Kunigunde gestiftet. ') Die 
hohen Stifter begannen ihr frommes Werk — wie diess zumeist 
zu geschehen pflegte -- ') zunächst mit der Berufung einer Colonie 
von Ordensschwestern aus einem dem Kloster Altenzelle in Meissen 
unterstehenden Frauenstifte, ^) und mit der vorläufigen Anweisung 
eines Nothklosters. Der eigentliche Klosterbau zog sich noch über 
1238 hin ; denn in diesem letzterem Jahre erlangte man vom Erzbischofe 
Hildebrand von Magdeburg einen Gnadenbrief, worin die unterste- 
henden Bischöfe, Äbte, Pröpste und Benefiziaten aufgefordert wur- 
den, zum Baue des Klosters Marienthal und zum Unterhalte 
der frommen Schwestern beizutragen, so wie auch die zu diesem 
Behufe ausgesendeten Sammelboten gastfreundlich aufzunehmen. 
Bereits im J. 1234 hatte die Königin Kunigunde für das Kloster 
das angränzende Dorf Sifridsdorf sammt allem Zubehör angekauft. ^) 
Auch der König hatte das Seine dazu beigetragen. ^) Im J. 1238 
erkaufte das Stift bereits aus eigenen Geldern um 230 Mark Silber 
die Güter Meuselwitz, Gorch und Porode. Im self>en Jahre bestä« 
tigte das königliche Stifterpaar die bereits erworbenen Besitzungen 
des Stiftes, und fügte das Privilegium hinzu, dass die königlichen 



>) Nach dem k. k. Hofdekrete vom 10. Juli 1783 fungirt in den katholischen 
Pfarreien des ehemaligen Zittauer Dekanats der jeweilige Budissiner Dom- 
dechant als delegatus archiepiscopi Fragensis. Bis zur Abtretung der 
Oberlausitz an Sachsen war die Jurisdiction des Erzbischofs ganz unbe- 
stritten. Zur Zeit der Rekatholisirung der angränzenden böhmischen An- 
theile übergaben die Herrschaftsbesitzer via facti das Bekehnmgsgeschäft 
dem Domstifte Budissin, woraus ein von 1627—1783 währender Jurisdik- 
tionsstreit sich erhob, den wir später ausführlich erzählen werden. Obiges 
Dekret endete den Streit. 

») Urkunde Erben 433. 

') Vgl. Königssaal, Skalic &c. 

*) Diess folgt aus der Thatsache, dass die Äbte von Altenzelle bis Mitte des 
16. Jahrhunderts ' das Yisitationsrecjit in Marienthal als Patres immediati 
übten. Das weibliche Mutterstift dürfte Nimptschen gewesen sein. 

^) Schönfelder, urk. Qesch. des Kl. Marienthal, S. 30, 31. 

•) Urk. Erben reg. 433. 



229 

Vögte von Budisin, Görlitz, Löbau, Reichenbach und Weissenberg 
und andere Richter nur von der Äbtissin berufen in den Kloster- 
dörfem Gericht zu halten haben und dass zwei Theile des Gerichts- 
einkommens daselbst stets dem Kloster zufallen sollen. Auch soll- 
ten alle Fuhren des Klosters, welche den Bedarf der Jungfrauen 
herbeizuschaffen haben, von allen Zöllen in den Ländern der Krone 
Böhmens befreit sein. ') Im J. 1239 (22. Feb.) schenkte König 
Wenzel die Herrschaft Melaune (Merane), westlich von Görlitz mit den 
Dorfschaften Melaune, Niederseifersdorf, Oedernitz, Ottendorf und 
Prachenau an das Stift*- und diess mit denselben Freiheiten, 
welche ein Jahr zuvor für die früheren Besitzungen bewilligt wor- 
den waren. ^) Im J. 1241 gedieh noch ein Gut bei Oberseifersdorf 
nebst Waldungen für ein Kaufgeld von 120 Mark Silber an Marien- 
thal. ') Kurz darauf erwarb es auch die Dörfer Behensdorf und 
Jauemik, letzteres mit einer vielbesuchten Wallfahrtskirche und 
einer bedeutenden Waldstrecke. *) Im J. 1244 kam der Bau der 
Klosterkirche zu Stande und dieselbe wurde sofort am 10. Septem- 
ber vom Prager Bischöfe Nicolaus feierlich conSecrirt. *) Unterm 
12. October 1245 erhielt Marienthal auch die Confirmation seiner 
Besitzungen und Rechte vom apostolischen Stuhle. ^) Königin Ku- 
nigunde starb am 9. September 1248 und König Wenzel am 22. Sep- 
tember 1253; beide hatten also noch die Vollendung ihrer Stiftung 
erlebt. — Nach dem Tode der Stifter erweiterte das Kloster zum 
Theile durch neue Schenkungen, zumeist aber durch Ankauf seine 
Besitzungen immer mehr und mehr. Auf erstere Art kam das Dorf 
Schlegel (1287), Theile von Ostritz (1288), Russdorf (1273), Seiten- 
dorf (1303) und Königshain an das Stift — vorzüglich durch die 
Opferfreudigkeit von Verwandten der Klosterfrauen. Angekauft 
wurden: das Gericht in Oberseifersdorf (1267), der Griesswald 
(1289), Theile von Reichenau (1262), Königshain (1280) und Ostritz 
(1326) nebst Jahreszinsungen in Reichenau und Leuba (1332— 1334). 



') Dieselbe Urkunde dd. 22. Febr. 1238. 
^ ürk. Erben reg. 447. Schönfelder 35. 
*) ürk. Erben 498. .Schönfelder 37. 
') Urk. Erben 503. Schönfelder 38. 

^ Diess beweist, dass diese Gegend schon damals zur Prager Diöcese ge- 
zogen worden war. Wahrscheinlich war diess schon seit 1136 der Fall 
*) Schönfelder 40, 



230 

Die CoDfirmatioDSurkunde des Königs Jobann vom J. 1346 nennt 
bereits alle bis jetzt erwähnten Ortschaften nebst Eckartsberg, 
Altstadt und Olbersdorf als Eigenthum des Stiftes. ') Alle diese Be- 
sitzungen nebst den bisher gewonnenen Freiheiten bestätigte endlich 
auch Karl IV. am 16. September 1355 durch eine goldene Bulle, ^j 
Zudem erwarb das Stift im J. 1353 einen Ablass von 40 Tagen 
für alle diejenigen^ welche an allen oder einigen Festen des Herrn, 
der seligsten Jungfrau und der Heiligen, sowie am Kirchweihfeste 
und in den Oktaven aller dieser Festtage dem Gottesdienste in 
Marienthal beiwohnen, auf dem Friedhofe daselbst für die Verstor- 
benen beten und der Kirche irgend ein Geschenk verehren würden. ^) 
Die geistliche Leitung der Ordensschwestern führten vom Anfange 
her mehrere Cisterzienserpriester aus dem Kloster Altenzelle, deren 
Vorstand Propst (prftpositus) hiess. '*) 

4. War nach allem bisher Erzählten das eigene Vaterland 
schon reich genug an Ordenshäusern des h. Bernard, so finden 
wir dennoch auch noch ausser Landes so manche Zier des Ordens, 
die aus unserem lieben Böhmen entsprossen war. Wir nennen da 
zunächst die selige Adela, eine Tochter unseres Königs Pf e- 
mysl Ottokars L, welche um das J. 1220 als Äbtissin des Klosters 
Gerenrode bei Bernburg im Rufe der Heiligkeit starb *) und 
ebendaselbst auch wirklich als eine Heilige verehrt wurde. — Auch 
das stille L e h n i n in Brandenburg beherbergte einen frommen 
Bruder aus Böhmen, der es nachmals zu den höchsten Würden in 
Staat und Kirche brachte: es war der uns bereits wohlbekannte 
Dietrich von Kugelweit. 

Neue Orden in Böhmen. 

§. 154. Die fempler. 

1. Wir haben die Entstehung des Templerordens bereits er- 
zählt. *) Schon von allem Anfang im Zwecke und in der Einrich- 



») Vgl. Schönfelder 40-63. 

*) Ebend. 67. 

») Ebend. 69, 70. 

*) Die übrigen Cisterzienserklöster der Oberlauaitz gehörten bereits in die 

Meissner Diöcese und werden an betreffender Stelle erw&hnt werden. 
*) Fabricius in orig. Sax. u. Halb. Boh. saocta p. 62. 
«) I. Bd. S. 231, 282. 



231 

tuog dem Orden der Johanniter nachgebildet, hatte er auch in ähn- 
licher Weise wie dieser seine innere und äussere Verfassung zur 
Ausbildung gebracht. Unter dem Grossmeister, der anfangs in 
Jerusalem, dann in Ptolomais und zuletzt zu Limissa (Nomosia) auf 
Cypern seinen Sitz hatte, standen zunächst die Grosswürdenträger: 
der Seneschall als Stellvertreter des Meisters, der M a r s c h a 1 1 
als Bannerführer, der Schatzmeister, der zugleich Grossprä- 
ceptor von Jerusalem war, der D r a p i e r oder Kleidermeister und 
der T u r c p i I a r als Befehlshaber der leichten Reiterei. Nach 
abwärts verzweigte sich dann der Orden in 4 orientalische und 
eine stets wachsende Anzahl abendländischer Provinzen, deren jeder 
ein Grosspräceptor vorstand. ') Unser Vaterland gehörte 
zu dem Grosspräceptörate von Alemannienund Slawien, 
das sich über ganz Deutschland und die slavischen Länder des 
Ostens erstreckte. Unter dem Grosspräceptor standen weiterhin 
die Landesprioren oder Landeskomthuren. Anfangs bildete 
Böhmen mit Mähren und Oesterreich die eine, Oberdeutschland und 
Niederdeutschland die beiden anderen Priorate von Alemannien 
und Slawien. Um 1240 aber erscheint sowohl Böhmen als Mähren 
schon als seibstständiges Priorat, ^) was eben für die grosse Ver- 
mehrung der Ordensbesitzungen spricht. Die einzelnen Ordenshäuser 
hiessen Gommenden, in denen unter der Leitung des Commendators 
(Comtburs) sowohl Ritter als Priester (Kapläne) und dienende Brü- 
der lebten. Commendatoren waren in der Regel inimer Ritter: nur 
ausnahmsweise dort, wo es eine Seelsorge zu verwalten gab, auch 
Priester. -- Sehr zahlreich waren die Affiliirten dieses Or- 
dens, Personen verschiedenen Ranges und Geschlechtes, die ohne 
der Welt entsagen zu müssen, gegen gewisse Jahresbeträge an 
den geistlichen Vortheilen des Ordens participirten. Namentlich 
in der Zeit, wo man von Seiten der kirchlichen Obern nur allzuoft 
die schweren Censuren der Excommunication und des Interdictes in 
Anwendung brachte, gewährten die Privilegien des Ordens eine 



^) Genannt werden die Provinzen: Jerusalem, Tripolis, Antiochia, Cypern, 
Portugal, Castilien, Aragon, Francien, Auvergne, Champagne, Aquitanien, 
Provence, Normandie, England, Alemannien und Slawien, Italien, Apulien 
mit Sicilien. 

*) 1243 genannt FridericuB, commeodator Templariorum in Moravia, 



232 

Art Schutz und Zuflucht und mehrten die Zahl der Affiliationen. ^) 
Wohl werden hin und wieder auch Schwestern erwähnt; doch 
findet sich von weiblichen Ordenshäusern durchaus keine Spur; 
jene Schwestern waren vielmehr nur die Frauen der ASiliirten. — 
Die gewöhnliche Art der Errichtung neuer Commenden war die 
Schenkung einer Burg an den Orden ^ von Seite eines Gönners 
oder eines neueingetretenen oder abgestorbenen Ordensbruders. 
Ein solcher Geschenkgeber wurde zumeist der erst^ Commendator 
des neuen Ordenshauses auf Lebenszeit. *) 

2. Nach Böhmen und Mähren kamen die Templer zuerst zur 
Zeit des Königs Wenzel I., und zwar durch einige böhmische Ritter, 
die in Frankreich das Templerkleid angelegt und ihre Besitzungen 
dem Orden zugewendet hatten. ') Hajek erzählt, dass insbesondere 
im J. 1232 viele Edle aus Böhmen dem Orden beigetreten seien 
und geistliche Ritter in ihre Burgen aufgenommen haben. Im Jahre 
1243 wird bereits eines eigenen Landeskomthurs von Mähren ge- 
dacht. ^) Im J. 1249 besassen sie in Prag bereits dieCommende 
St. Laurenz oder Jerusalem (das jetzige St. Annakloster). Bis 
Ende des Jahrhunderts wird bereits eine ganze Reihe böhmischer 
Commenden urkundlich genannt und noch mehrere derselben dürf- 
ten bestanden haben, ohne eben in der kurzen Zeit ihres Bestan- 
des (bis 1311) in öftentliche Rechtsgeschäfte verwickelt zu werden. 
Namentlich war diess wohl mit den allerjüngsten der Fall, die 
noch ihre Erektoren zu Comthuren hatten und nachmals bei der 
Aufhebung des Ordens wieder in das Privateigenthum ihrer Inhaber 
zurückkehrten. 

3. Mit urkundlicher Sicherheit lassen sich folgende Templer- 
commenden angeben: 

a) St. Laurenz in Prag als Sitz des Landeskomthurs. Die 



^) Innerhalb des Ordens konnte man nicht so leicht den Gensaren verfUlen; 

auch bei allgemeinen Censuren verblieb dem Orden das Recht des stillen 

Empfangs der h. Sakramente und des christlichen Begräbnisses. 
*) Drugulin geh. Gesellschaften des Mittelalters 120 u. ff^ Holzwart in 

Wetzer lex. X. 
") Ein Fall dieser Art wird ausdrücklich in Mähren erwähnt: Wratislaw tod 

Eichhorn. Ebenso in Böhmen Ullrich von Neuhaus-Radgersschlag (nova 

curia). 
•) Pelzel, Abhdlg, der GeseUsch. der Wissensch. 1796—1798. 



233 

■ 

Ordensgebäude daselbst wurden im J. 1253 durch den Grossprior 
der deutscheu Provinz Peter Ostrew von Duba, einen gebornen 
Böhmen, vollendet. König Wenzel I. wird als vorzüglicher Wohl- 
thater dieses Ordenshauses genannt und auch seih Enkel wurde 
noch als Mitstifter desselben gepriesen. ^ 

b) Die Templerresidenz (St Paul?) in der Zeltnergasse 
in Prag, heute noch im Namen einer dortigen Seitengasse fortle- 
bend. Der gelehrte Gelasius Dobner fand dort noch im J. 1782 
in einem Hause eine altgotische Kapelle, einen Tabernakel von 
Marmor und ein alterthümliches Kellergeschoss. Seitdem sind 
bedauerlicher Weise die zwei ersteren Monumente zur Ausbesserung 
des letztern verwendet worden. *) 

c) Die Commende A u iF i n o w e s. ') Im J. 1292 übergab 
Maria von Hardek urkundlich das Patronat der Pfarrkirche in S t o- 
d 1 e k ^) den Fratribus crudferis militiae templi de Hungari villa. ') 
Letzteres ist eben der lateinische Name von Aufinowes. Im Jahre 
1294 war ein gewisser Ekko Komthur daselbst. 

c2) Cakowice bei Elbekosteletz war im J. 1294 eine mit 
Aufinowes vereinigte Commende. ^) Der ebengenannte Gomthur 
Ekko verkaufte damals mit Genehmigung des Königs Wenzel U. 
das unweit Prag gelegene Templergut Wodochod um 220 Mark 
Silber an den Prager Bischof Tobias. Der damalige Grossprior 
von Deutschland und Slawien, Bertram Gzwek nahm 1295 den 
Kaufschilling entgegen. 

e) N e u h f, ehedem Rudgersschlag genannt, wurde im Jahre 
1297 von Ullrich von Nßuhaus dem Templerorden unter der Be- 
dingung geschenkt, dass diese Besitzung fortan den neuen Namen 



^) Ebend. und iUust. Chron. I. 145. Hammerschmid glor. Prag. 222. Unter 

Wenzel IL hatte der Templer Berthold von Gepzenstein grossen Einfluss 

auf die Staatsgesch&fte. 
») TU. Chron. I. 146. 
^) AuHnowes war 1884 eine mit 9 Groschen Halbjahrszebent besteuerte Pfarrei 

des foiaaer Dekanats. 
*) Stodolky 1384 eine der älteren Pfarreien des Ofechower Dekanats mit 24 

Groschen halbj. Papstsehent. 
*) ürk. im Maltheserarchiv. (Hl. Chron. 144.) 
*; CakoTice, 1884 eine alte mit 26 Groschen halbjährig besteuerte Pfarrei des 

Braodeiser Dekanats. 
') Urk. im Pomarchiv. Hl Chron. !• 144. Pelzel 1. c 



234 

Neohof — Nova curia — führen solle. Bei der Übernahme faogirte 
der ehemalige Comthur Ekko von Aufinowes und Cakowiee bereits 
Als Grossprior (Grossnieister) von Alemannicn und Siawien. ^) 

4. Mit ziemlicher Sicherheit lassen sich noch folgende Ort- 
schaften als ehemalige Sitze der Templer bezeichnen: 

a) B u d i n, ') wo vorlängst noch ein uraltes Mauergemälde 
des Schlosses einen Templer in weissem und rothero Talar und 
darneben die Wappenschilder von 17 böhmischen Familien aufwies. 
Auch sonst fanden sich noch Denkmale der Templer in der dorti- 
gen Friedhofkirche und in der Nähe des Gottesackers. Namentlich 
trägt dort eine Granitsäule das Templerzeichen und die Jahreszahl 
1271. "') 

b) B 1 a t n a, ^) wo ebenfalls ein templerisches Mauergemälde 
die ehemalige Anwesenheit dieses Ordens verbürgte und noch über- 
diess die fortdauernde Sage von Schätzen der dortigen Templer zu 
erzählen weiss. ^) Um 1300 gehörte Blatna noch dem Wilhehn 
von Strakonic, welcher 1320 alle seine Besitzungen dem Orden der 
Johanniter übergab. ^) Wahrscheinlich haben wir eben hier einen 
Fall, dass der Geschenkgeber einer Burg als Comthur derselben 
auch nach der Aufhebung des Ordens im Besitze der Gommende 
blieb; die nachmalige Überlassung derselben an die vom Papste 
eingesetzten Erben der Templer — die Johanniter — bekräftigt 
die Vermuthung. 

c) In Königgrätz, Litic, Kosif und Grünberg 
(bei Nepomuk) fanden sich ebenfalls Denkmale, welche dortige Nie- 
derlassungen der Templer vermuthen lassen. *) 



*) Ebeiid. 

') Budin, 1384 die älteste uud beste Pfarre des Schlauer Dekanais mit l 

Schock halbjährigen Papstsehent. 
») HL Chron. I. 144. Pelzel 1. c. 
*) Dieses Blatna (Prachin. Kr.) war 1384 mit 24 Groschen halbjähr. Zeheut 

belegt, — daher schon eine der ältesten Pfarreien des Bozener Dekanats. 
^) S. Templerschatz zu Blatna. lUustr. Ohron. I. 14, 15. 
') Heber, Burgen III. 119. Watterich Uandwörterb. der Landeskunde S. 315 

u. 8. f. 
'*) Das Königgräzer Thier aus Bronze, der Liticer Steinmetz, das Kosifer 

Pferd aus Bronze. Vgl. Miläuer, Böhmens Denkmale der Templer. S. 4. 

11 Ac. Auf dem Schlosse Gränberg soll vor 40 Jahren ein Templermaou- 

skript in proven^alischer Sprache gefunden worden sein. (Dlusi* Chrou. 

1. 148.) 



235 

5. fflemlich wahrscheinliche Volkssagen nennen uns noch alte 
Templersitze in Zruc, Kostomlat (die nachmalige Augustiner- 
Propstei bei Raudnitz), in den Burgen B ö s i g und Klingenberg 
und zu Leitmeritz (beziehungsweise Cernosek). Überdiess nennt 
UDS der alte Hajek ohne weitere Bürgschaft noch Bürglitz, Stara 
(bei Kopidlno), Wamberg, Laemberg, Jestibof ic (bei Pardubic), 
Repin (dies gehörte aber urkundlich sicher dem deutschen Orden), 
Pisek, KunStic, ^leb, NiSburg, Schwaden (diess gehörte urkundlich 
sicher schon 1188 den Johannitern)» Tauzetin und Dob^isch. That- 
sächlich fielen im J. 1312 mehr als 20 Templersitze in Böhmen an 
die königliche Kammer, andere erhielten die Johanniter; noch an- 
dere kamen wieder in Privatbesitz. ') 



§. 155. Die Anfhfbing der Tenpler. 

1. Mächtiger als in irgend einem andern Lande war der Temp- 
lerorden — ohnehin ursprünglich eine französische Stiftung — in 
Frankreich selbst emporgeblüht. Dort besass er der Commenden 
so viele, dass sie sogar fünf besondere Provinzen (Francien, Cham- 
pagne, Provence, Aquitanien, Auvergne) bildeten. Dort stand er 
unter den mit der Krone rivalisirenden Grossen fast oben an, und 
noch bedenklicher musste seine Stellung werden, wenn er nach 
Beendigung seiner Aufgabe im Oriente auch noch seinen eigentli- 
chen Hauptsitz im Lande nahm. Leider aber hatte er wenig Freunde. 
Die Geistlichkeit war ihm seiner grossen Privilegien wegen wenig 
hold. *) Der Adel schalt die Ritter stolz und beneidete den Orden um 
seinen Reichthum. Der König Philipp IV. grollte über manche rück- 



In Mähren lagen die Commenden Eichhorn, Tempelstein, Setteinz, Freunds- 
berg, Olesnic u. a. Als Templersitze gelten noch: Spielberg, Orlow, 
Stramberg, Helfenstein, Lakau, Tepenec, Hohenstadt, Tobitschau, Buchlau, 
Cimburg, Völtau, Tel6, Cernahora, Dürnholz, Nowihrad, filumenau, Magde- 
burg, Eanic, Krumau, Gurdau. Im J. 1252 führten die mährischen Templer 
einen förmlichen Krieg gegen Burian von Eichhorn, welcher die Über- 
lassung der Burg Eichhorn von Seiten seines Bruders Wratislaw mit den 
Waffen bestritt. 

') Diese Privilegien brachten ihn in Conflict mit den Bischöfen und mit 
andern Orden. 



236 

sichtslose Bechtsfordening, die man an ihn gestellt, ^) — und sah 
in den Ordensschätzen ebenso sehr einen willkommenen Ge- 
genstand seiner Sehnsucht, als in den Ordenswaffen das grösste 
Hinderniss seines Planes, den Papst und die Kirche unter sein 
Scepter zu beugen. 

2. Nie war ein weltlisher Fürst weniger wählerisch in den 
Mitteln, die zum Zwecke führten, als Philipp der Schöne. Bereits 
war in Folge seiner Intriguen der päpstliche Stuhl nach Frankreich 
verlegt, um fortan ein Spielball französischer Politik zu werden. 
Jetzt musste er willenlos sogar an einer schweren Gewaltthat An- 
theil nehmen. Zu Anfang des J. 1307 gingen geheimnissvoUe Be- 
schuldigungen der Templer aus der Nähe des Thrones von Mund 
zu Munde. Ohne den Papst ins Mitwissen zu ziehen, erliess plötz- 
lich der gewaltthätige König einen eben so geheimen Befehl in 
alle Orte, wo es Templer gab; am 13. Oktober sollte der Befehl er- 
öffnet — und dann alle Glieder des Ordens, deren man habhaft wer- 
den könne, gefangen genommen und ihre Güter unter königlichesSeque- 
ster gestellt werden. Der erste Streich gelang. Dann begann die Un- 
tersuchung. Es hiess, die Ritter müssten bei ihrem Eintritte in den 
Orden das h. Kreuz verhöhnen (als Probe des Gehorsams) ; sie hätten 
förmlichen Götzendienst mit einem Ordensidole und mit dem Teufel 
selbst in Gestalt einer Katze getrieben ; jede Art der Wollust sei ihnen 
gestattet und nur der natürliche Umgang mit Weibern verboten; die 
Häupter des Ordens seien mit den Sarazenen im Bunde; es gebe 
geheime Statuten und Grade im Orden und in letzteren sei man 
den schändlichsten Ausschweifungen ergeben; im Übrigen seien 
die Templer von allen Irrthümern der Fratizellen angesteckt Wel- 
che Untersuchung, bei welcher des Königs Beichtvater, der Inqui- 
sitor Wilhelm von Paris und die übrigen Inquisitoren in Frankreich 
nur allzu hilfreich waren! In Paris allein starben noch im J. 1307 
von 140 gefangenen Templern 36 auf der Folter, ohne zu beken- 
nen. Von Anderen dagegen erpresste man das gewünschte Ge- 
ständniss; aber diese würden, wie der Templer Aymer de Villars 



Die Templer tadelten streng die häufigen Münzverschlechterungen des 
Königs, durch welche alle Stände und auch sie zu Schaden kamen ; ebenso 
forderten sie rücksichtslos die Summen zurück, die sie dem Könige bei 
der Vermählung seiner Tochter Isabella dargeliehen hatten. (Drogulin, 203.) 



23*7 

betheuerte, unter den ihnen angetbanen furchtbaren Qualen auch 
alles Beliebige gestanden haben, — selbst dass sie Christum er- 
mordet hätten. Obendrein machte man sich kein Gewissen daraus, 
die Protokolle zu fälschen und die Aussagen der Leugnenden zu 
unterschlagen. Und wie in Paris, ebenso verfuhr man auf des Kö- 
nigs. Befehl bei allen Tribunalen des Landes. Vergebens bat 
Papst Clemens V. den König am L December 1307 inständig um 
ein kanonisches Verfahren. Man beschwichtigte ihn für den Augen- 
blick und setzte dann unbekümmert in der alten Weise die Unter- 
suchung fort. Vergebens forderte er dann am 1. August 1308 die 
französischen Bischöfe auf, sich des Prozesses zu bemächtigen. 
Der König schien Anfangs dazu bereit. Als aber verlautete, dass 
man die Templer unschuldig finde (es fehlte eben die Hilfe der 
Folter): da legte der König die weitere Verhandlung in die Hand 
seines jungen Günstlings Marigny, den er eben zum Erzbischofe 
von Sens ernannt hatte. Marigny verurtheilte sofort am 11. Mai 
1310 auf einer Art von Concil (einige Suifraganbischöfe waren er- 
schienen) alle Leugnenden als schuldig und bereits am folgen- 
den Tage erlitten in Folge dessen 54 Templer den Flammentod. 
Allmählig folgten immer neue Opfer nach. Endlich schien das zu 
Anfang October 1311 in Lyon zusammengetretene allgemeine Con- 
cil den Bedrängten Hilfe bringen zu wollen; denn es forderte die 
Übernahme des Prozesses. Aber nun erschien auch König Philipp 
in der Stadt und eine Commission meist französischer Bischöfe be- 
wog den Papst Clemens V. zur Vermeidung aller Collisionen die 
Sitzungen des Concils einstweilen zu suspendiren und aus eigener 
Machtvollkommenheit die Auflösung des Ordens am 
6. Mai 1312 auszusprechen. Hiemit glaubte man den Prozess ge- 
gen den Orden als solchen beendet zu haben. Aber kaum war 
das Concil geschlossen, so ging der König neuerdings an die Voll- 
endung seines Werkes. Noch waren die Ordensobern übrig, welche 
standhaft ihre eigene und des Ordens Unschuld betheuerten. Am 
11. März 1314 mussten auch diese den Scheiterhaufen besteigen, 
wo sie sterbend noch einmal ihre Unschuld beschwuren, die sie in 
ihren Kerkern trotz aller Folterqualen standhaft betheuert hatten. 



') Drugalin 120-241 und Wetzer Lex. Art. Templer. 



238 

3. Die Akten des Processes ') scheinen die Schuld der Temp- 
ler zu bekräftigen. Nicht weniger als 120 Geständnisse lauten 
gleichförmig in allen Hauptpunkten der Anklage und von 250 an- 
derweitigen Aussagen finden sich nur 28, welche dem Orden ein 
lobendes Zeugniss geben. ^) Aber was haben Geständnisse auf der 
Folter erpresst für ein Gewicht? Zählen nicht wenigstens ebenso- 
viel die entgegengesetzten Zeugnisse der unter der Folter erlegenen 
und der eben so zahlreichen hingerichteten Brüder? Von den übri- 
gen Zeugenaussagen aber wissen wir, dass man alle günstigen mög- 
lichst fern zu halten suchte, dass man damit den Zorn des Königs 
zu gewärtigen hatte, dass man endlich die Protokolle sogar noch 
verfälschte. ') Das Bedeutungsvollste aber: man fand nirgends die 
so eifrig gesuchten geheimen Statuten und Nachweise der geheimen 
höheren Grade; in Italien sprach eine versammelte Synodenach 
strenger Untersuchung das Urtheil der Unschuld aus, in D a 1 m a- 
tien konnte man keine Frevel ausfindig machen, in Aragonien 
hatten die Untersuchungen keinen Erfolg, in Kastilien fand 
man keine Schuld, in Deutschland gab mai\ dem Orden alles 
Lob. Nur in England bedurfte Philipps Schwager Eduard II. des 
Ordensgutes und folgte dem Beispiele Frankreichs nach. — Den- 
noch war wohl Manches an den Templern zu rügen: — ihr Stolz, 
ihr allzueifriges Streben nach Vermehrung ihres Ordensbesitzes, ^) 
— bei vielen ein allzu weltliches Leben, das allerdings in der Ei- 
genthümlichkeit der Doppelseitigkeit des Ordenszweckes eine theil- 
weise Entschuldigung finden konnte, — endlich wohl auch bei Ei- 
nigen ein verwerflicher religiöser Skepticismus. *) Ihr Unglück war 
aber wohl vor Allem ihre in Mitten der Geheimlehren des Orients ^) 
entstandene Vorliebe für allerhand mystische Symbole, die insge- 
sammt in biblischen Bildern ihren Grund hatten, aber von allen Un- 
eingeweiheten nur zu leicht missdeutet werden konnten. Hieher 



^) 2 Bände v. Michelet, angez. Sitz.-Ber. d. k. k. Akad. der Wiss. 1854, 4. Jan. 
^) Ilammer-Purgstall über die Schuld der Templer, Akad. d. Wiss. Sitz. 4. 

Jäner 1854. 
^) Drugalio, Wetzer , Damberger. 
*) Die Zeitgenossen schrieben die Unterdrückung vor Allem ihrer Habsacht zn. 

(Vgl. Alzog Kircheng. 660.) 
'^) Addison hist. of Tempi, bei Alzog 660. 
*) Ein Beispiel die Assassinen. 



239 

gehörte ihr beliebtes Schlangenbild, ') die Gestalt des nackten 
Weibes mit grossen Brüsten, -) der mit Äugen und Ohren bedeckte 
Körper, ^) das Weib mit Sonne, Mond und Sternen an der Brust, *) 
die gehörnten Männerköpfe ') und dgl. m. Unzweifelhaft aber war 
ihr grösste Schuld — ihr Reichthum. •) 

4. Zu Folge der päpstlichen Bulle vom 16. Mai 1312 sollte das 
Vermöge der Templer für den Zweck der Kreuzzüge erhalten und 
darum dem Orden der Johanniter übergeben werden. In Frankreich 
und England nahmen zunächst die Könige die bezüglichen Güter 
für den gedachten Zweck in Verwahrung; überdiess wurde auch 
der Beifall der Grossen für das vollbrachte Werk durch königliche 
Freigebigkeit erkauft. In Böhmen zog der geldbedürftige König Jo- 
hann mehr als 20 Templerburgeu an die königliche Kammer, — 
andere wurden wieder Privateigenthum ihrer letzten Inhaber, — 
die übrigen geriethen in den Besitz der vom Papste ernannten 
Erben. ") 

§. 156. Der «ientsehe Orden. 

1. Wir wissen bereits, dass der dritte der grossen geistlichen 
Ritterorden im J. 1190 vor den Mauern der Stadt Accon ins Leben 
trat. Es waren die edlen Pfleger eines im J. 1118 in Jerusalem 
erbauten deutschen Hospitals — „des deutschen Hauses unserer 
lieben Frau," die dort bis zu 40 Mitgliedern vermehrt von König 
Heinrich von Jerusalem den Bitterschlag und vom Patriarchen das 
besondere Ordenskleid des weissen Mantels mit dem schwarzen 
Kreuze erhielten. Daher nannte sich der neue Orden Anfangs noch 
den Orden des deutschen Hauses von unserer lie- 
ben Frau zu Jerusalem. Bald aber hiessen sie einfach nur 
die Brüder des deutschen Haus es und endlich nahmen 



•) Vgl. in der Bibel IV. Kön. 18, 4. 
*) Vgl. Ezecb. 16, 7-11. 
') Vgl. Ezecb. 1. 
*) Offenb. 12. 

*) Exod. 34, 29, I. Kön. 2, 10, Psalm 74, 11. 
•) Vgl. Milauer, Böhm. Denkmale d. Templer. 1822. Chron. Franc. 
') Vgl. Palacky II.* 101. Pelzel Gesch. der Templer. Baibin, lUust. Chron. 
I. 147. 



240 

sie um 1380 den Namen deutsche Herren an. Im gemeinen 
Leben blieben sie nach wie vor die deutschen R i 1 1 e r J) 
Schon der Name deutet die erste Bedingung der Aufnahme in den 
Orden an: die Candidaten mussten Deutsche von ritterlicher Ab- 
kunft sein. Im Übrigen gelobten sie gleich den verwandten Ritter- 
orden die Vertheidigung des h. Landes und die Pflege der PUger, 
Armen und Kranken. ') Dem ganzen Orden stand als Haupt ein 
auf Lebenszeit erwählter „Meister" vor, der sich nachmals, als die 
Ausbreitung des Ordens auch untergeordnete Meister nothwendig 
machte, Hochmeister nannte. Nur die ersten 3 Meister wohn- 
ten noch im heiligen Lande. ') Ihren ersten Nachfolger Hermann 
von Salza finden wir bereits in Venedig, wohin Conrad von Feucht- 
wangen nach dem Falle Accons im J. 1291 den förmlichen Haupt- 
sitz des Ordens verlegte, bis endlich der Hochmeister Siegfried von 
Feuchtwangen im J. 1309 die Feste Marienburg in Preussen zur 
bleibenden Residenz erhob. *) — Dem Hochmeister zur Seite stan- 
den analog den verwandten Ritterorden die sogenannten Ordensge- 
bietiger: der Grosscomthur, der Oberst-Spittler, der Oberst-Drapier, 
der Oberst - Tressler und der Ordens - Marschall. — Die einzel- 
nen Niederlassungen des Ordens hiessen auch hier Comthureien, 
je nach Bedarf mit einem Comthur, etlichen „Ritterbrüdern" 
„Priesterbrüdern" und „dienenden Brüdern." *) In klösterlich ein- 
gerichteten eigenen Häusern besorgten auch „Schwestern des 
deutschen Ordens" den Krankendienst und den Unterricht der 
Jugend. — Die Ordenshäuser einer ganzen Provinz bildeten eine 
B a 1 1 e i unter der Leitung eines Landescomthurs. — Meh- 
rere Balleien unterstanden wieder einem besondern L a n d m e i- 
s t e r , von denen der Deutschlands den Namen Deutschmei- 
ster führte. •) Dieser Deutschmeister hatte seinen Sitz in M e r- 



^) Milauer, der dentsche Orden in Böhmen S. 8. 

«) Ebend. 4. 

^ Heinrich Walpot von Bas&enheim, Otto von Kerpen, Hermann von Bart. 

') Sein Vorgänger Gottfried von Hohenlohe war bereits nach Marburg in 

Hessen gezogen, um dem Kampfplätze des Ordens in Preussen näher su 

sein. 
') Letztere trugen nur das halbe Ordenskreuz. 
") Nach der Säktdarisirung Freussens wurde der Deutschmeister zugleich 

Hochmeister, — daher der jetzige Name Hoch- und Deutschmeister. 



241 

g e n t h e i m, welche Stadt sammt Gebiet der Hochmeister Heinrich 
von Hoheolohe gleich bei Annahme des Ordenskleides dem Orden 
geschenkt hatte (c. 1240). Ausgenommen waren von der Jurisdiction 
des Deutschmeisters die sogenannten Eammerballeien, die 
unmittelbar unter der Gewalt des Hochmeisters standen: es waren 
die Balleien Oesterreich, Koblenz, Tirol, Elsass und ~ Böhmen. 
— Die einzelnen Com'thure legen entweder jährlich oder in andern 
festgesetzten Zeiträumen ihre Rechnungen vor dem Landescomthure, 
dieser vor dem Landmeister, letzterer endlich und die Comthure 
der KammerbaJIeien vor dem Hochmeister ab. Von Zeit zu Zeit 
Yisitirten die bezeichneten Vorgesetzten die einzelnen Ordenshäuser 
ihr^ Sprengeis. In letzter Instanz visitirte isuweilen der Hoch- 
meister entweder persönlich oder durch einen von ihm ernannten 
Visitator. ») 

2. Unter dem Hochmeister Heinrich von Salza war dem Or- 
den im J. 1224 durch den Hilfruf des Herzogs Conrad von Masso- 
vien die neue Aufgabe zugefallen, die christlichen Länder Mitteleu- 
ropas gegen die Raub- und Mordlust der heidnischen Preussen 
zu schützen. In kurzer Zeit hatten sich die Brüder einen Theil 
des preussischen Landes unterworfen, der nach der Sitte der Zeit 
ihnen überlassen blieb. Noch schneller gedieh die Unterwerfung, 
als auch die vom rigaer Bischöfe Albrecht zu gleichem Kampfe gestif- 
teten Schwertbrüder im J. 1238 mit dem Orden sich verein- 
ten. Die meiste Hülfe aber fanden die ritterlichen Streiter an den 
Schaaren der Kr euz fahr er, die fast alljährlich, besonders aber 
in Zeiten drohender Gefahr, aus allen Theilen Europas herbeikamen, 
um da im Kampfe gegen die Ungläubigen des ersehnten Kreuzab- 
lasses theilhaftig zu werden. Ja auch förmliche Kreuzzüge 
lernten wir bereits kennen, die dem Orden willkommenen Beistand 
brachten. Endlich fehlte es auch an Söldnern nicht, die man 
von den reichlich einlaufenden Beisteuern der Ordensbesitzungen 
und von den namhaften Geldschenkungen frommer Ordensfreunde 
werben konnte. Namentlich muss erwähnt werden, dass gar man- 
cher heilsbegierige Christ, der selbst nicht im Stande war, das 
Schwert als Kreuzfahrer zu führen, es wenigstens nicht versäumte. 



') Voigt Gesch. der Bailei des deutschen Ordens in Böhmen, S. 21, Millauer 
1. c, Wetzer X. 810 u. s. f. 

16 



242 

das entfallende Geld für die Bestellung eines Streiters zu erlegen, 
um dadurch einen Autheil an den Verdiensten des Ordens zu ge- 
winnen. *) Diese Verdienste waren in der That gross genug. Immer 
weiter ward in Preussen das Christenthum ausgebreitet, bis endlich 
auch die letzte Spur des Heidenthums verschwand. Es entstan- 
den Bisthümer daselbst — Culm, Ermeland, Samland, Pomesanien; 
— zahlreiche Kirchen erhoben sich allerwärts und von deutschen 
Ansiedlern gefördert erblühten Feldbau und Handwerke, Gesittung 
und Handel, Kunst und Wissenschaft. 

3. Die unmittelbar unter dem Hochmeister stehende Kam- 
merballei von Böhmer entstand um das Jahr 1233, nach- 
dem schon einige Zeit vorher namhafte Ordensansiedelungen daselbst 
Ji)estanden hatten. Sie umfasste nebst dem eigentlichen Böhmen 
auch Mähren mit dem heutigen öster-reichischen Schlesien, — im 
Ganzen etwa 29 Commenden. Als solche werden allmählig ge- 
nannt, in Böhmen: Prag, fiepin, Bifckowic, Dobrowic, Miletin, Neu- 
haus, Deutschbrod, Königgräz, Pilsen, Kommotau, Klösterle, Jung- 
bunzlau, Lipeö, Polna und Platten; ') — in Mähren und dem heuti- 
gen österreichischen Schlesien : Bites, Hostradic (Hosterlitz), Holo- 
slawic, Novosedlic (Austerlitz), Krumau, Troppau, Krenowic, Deblin, 
Hrotowic, Neplachowic, Jägerndorf, Kreuzendorf, Wopsowic und 
Freudenthal. •**).— Als L a n d e s c o m t h u r e finden wir in dem 
Zeiträume bis 1380 genannt: Rüdiger (1233), Ludwig (1240), Lud- 
wig (1254), Ludwig (1270), *) Heinrich (1272), Dytold (1287), Her- 
mann von Schonenburg (1290), Heinrich' von Pier (1293—1305). 
Johann Waldeser (1306-1309), Leo (1319), Flabard (Eberhard) von 
Machewitz (1337), Rudolph von Hohenberg (1359-1368), Lodegav 
von Essen (1368), Berengar von Meldingen (1374). ^) 



') So widmete Wok von lloseiil» i ^' im J. 12G2 30 Mark Silber, ut dentur 
homini, qui pro anima mea vadat ad Pruthenos. So verordnet auch Bi- 
schof Johann III., jene Summen, welche in Testamenten für steU vertreten de 
Kreuzfahrer ausgesetzt sind, einfach dem Orden zu übergeben, wenn uicht 
ein besonderer Stellvertreter genannt ist. Millauer S. 19 und 24. 

■*) Die Commende in Eger gehörte zur Bailei Thüringen. 

^) Zu den bei Voigt S. 21 aufgezählten Commenden sind hier noch 12 andere 
hinzugefügt. Sieben dieser neuen Commenden lagen in Mähren. Vgl. 
Xotizcnblatt der Brünner Ackerbaugesellschaft. 

*) Von diesen drei Ludwigen dürften wohl wenigstens zwei eine und dieselbe 
Person sein. 

') Voigt p. 54. Lib. ronfiiin. 



243 

4. Schon König Pfemysl Ottokar I. nahm im J. 1222 den Or- 
den mit allen seinen Besitzungen in königlichen Schutz. FAn Glei- 
ches that im J. 1236 König Wenzel L, der überdiess die Ordens- 
güter und Ihre freien und unfreien Insassen vor jeder anderweiti- 
gen Jurisdiction befreite, ihre schweren Gerichtsfalle vor das kö- 
nigliche Hofgericht zog, alle Hausbedürfnisse der Ordenshäuser von 
Wegzöllen eximirte, künftige Besitzerwerbungen ein für alle Mal 
bewilligte und jeden Eingriff in die Freiheiten des Ordens mit 
schwerer Geldstrafe (10 Mark Goldes) bedrohte. Im J. 1251 be- 
stätigte auch König Pfemysl Ottokar IL äiese Privilegien, ') und 
verlieh endlich im J. 1261 dem Orden den eigenen Blutbann über 
die Unterthanen von Miletin und Kommotau. *) 

§. 157. Die deotscheii Ordeiislilfuser in ItShiueit. 

1. Nachdem der deutsche Orden im J. 1210 den aus unserem 
Nachbarlande Thüringen entstammten Ritter Hermann von Salza 
als Hochmeister gewonnen hatte, konnte eine weitere Verpflanzung 
Jer Ordensbrüder in unser eigenes Vaterland um so weniger aus- 
bleiben , als jener Hermann von Salza zu den Freunden unseres 
Königs Pfemysl Ottokar I. zählte. ^) In der That treffen wir die 
geistlichen Ritter bereits im J. 1217 an der Kirche bei St. Peter 
in der sogenannten deutschen Gasse (in vico Teuto- 
nicorum) der Prager Vorstadt Pofic. ^) Wer sie dort eingeführt 
• habe, wird allerdings nirgends gesagt; doch ist es unschwer zu er- 
rathen, wenn man erwägt, dass schon Herzog Soböslaw den 
Deutschen dieser Vorstadt imJ. 1178 nebst andern Privilegien 
das Recht verlieh, einen eigenen Pfarrer an der Peterskirche sich 
zu erwählen. *) So kam also der deutsche Orden sicher durch Be- 
rufung der deutschen Gemeinde an dieses Gotteshaus, — selbst- 
verständlich aber mit der erforderlichen bischöflichen und königli- 



*) Urkunde bei Voigt p. 5^6. 

*) Ürk. Millauer p. 114 u. f. 

Voigt S. T). 

') Vicus Tentonicorum wird häufig (auch bei Voigt) als deutsches Dorf 

übersetzt, — offenbar irrig, da es nur ein Bestandtheil des Ortes PoHc 

war. Po fece =z entlang dem Flusse. 
*) Urkunde Erben reg. 161. 

16* 



244 

chen Bewilligung. Der Orden erkaufte nun daselbst im J. 1217 
den umfangreichen Hof H r a d s k o, zu welchem das ganze Terrain 
bis an den Fuss des Berges Witkow (nachmals 2i^kaberg) gehörte, 
— und errichtete daselbst seine erste böhmische Commende. *) Zu 
dieser gehörten sofort — das Dorf Rybniiek mit der St. Stephans- 
kirche (jetzt zur Prager Neustadt gehörig) und das nahe Gut Hlau- 
p 6 1 i n mit den Dörfern Chumenec und Nidosic und einigen Meie- 
reien. Bis zum J. 1233 vermehrte sich der Besitz deß Ordens in 
sehr ansehnlicher Weise durch die Freigebigkeit Pfemysl Ottokars I., 
seiner Brüder Conrad und Wladislaw und vieler böhmischen Edlen. *) 
Doch eben im J. 1233 veräusserte der erste preussische Landmei- 
ster Hermann Balko als Oberer der böhmischen Commende den 
grössten Theil der bis dahin erworbenen Güter, theils um der ver- 
wittweten Königin Constantia in Beziehung ihrer projectirten Klo- 
sterstiftung (für Cisterzienserinnen) *) gefällig zu sein, theils um 
gelegenere und arrondirtere Güter zu erwerben. So wurde die 
Kirche St. Peter nebst dem Hofe Hradsko und allem Zugehör(Gut 
HlaupStin und Dorf Rybniöek) der Königin Constantia um 1500 
Mark Silber überlassen. Hievon wurden 900 bar bezahlt, die übri- 
gen 600 aber auf das Kloster Tepl angewiesen, dem Constantia 
dafür anderweitige Besitzungen abtrat. Tepl zahlte sofort wieder 
nur 200 Mark und überliess für den Rest dem deutschen Orden 
die bei Leitmeritz gelegenen Dörfer Bi^kowic, Wesel, Ujezdec, 
Perna nebst Weingärten und einer Meierei in Leitmeritz. **) Die 
förmliche Effectuirung dieses Kaufvertrags verzog sich noch bis 
1235. ') Einige Unbestimmtheiten desselben hatten aber auch noch 
einen fast fünfzigjährigen Process des deutschen Ordens mit dem 
Stifte Tepl zur Folge, der erst am 12. Juli 1275 schiedsrichterlich 



') Kaufurkuudc Karlik, Abtei Tepl, 8. 53^ Dieser Hof gehörte dem Kloster 
Te])I und dem Malteserorden gemeinschaftlich. Millauer versetzt ihn irrig 
in die Gegend von Chot^schau. Dieser Commendahof in Prag hiess auch 
später noch Hradsko, — und steht noch heute als sogenannter Bischofshof. 

') Coniirm. Urkunde Wenzels 1. bei Voigt 56. 

^) Sie wollte das projectirte Kloster zuerst bei S. Peter erbauen. Als sie 
sich aber später für Tisnowic in Mähreu entschied, schenkte sie S. Feter 
und Zugehör den Kreuzherren mit dem rothen Sterne. 

*) Urkunde Erben reg. p. 876. 

»j Urk. Krben reg. 410. 



245 

zu Gunsten des erstem entschieden wurde. ^ — Im J. 1233 wurde 
auch der dem Orden von Pfemysl Ottokar I. geschenkte Grundbe- 
sitz hl Humpole c und oberhalb Iglau mit den Dörfern Podol, 
Dobra, Sergowe, Bohuslawice und Pußtin für 100 Mark Silber an 
das Stift Selau verkauft. Hiebei wurden auch die dortigen Kirchen 
wohl als unverkäuflich aber als zum Gutskomplexe gehörig dem 
Kloster überlassen. *) — Im J. 1235 räumten die geistlichen 
Ritter ihre bisherige Commende, ohne aber deshalb Prag zu 
verlassen. Wir finden sie vielmehr fortan in der Commende und 
Pfarre St. Benedict an der Nordseite des Königshofes, so dass sie 
zugleich mit den Templern au der Westseite gleichsam eine geist- 
liche Leibwache der königlichen Residenz bildeten. *) Im J. 1420 
wurde sie eine Beute der Husiten. 

2. Die zweite Commende des Ordens entstand im J. 1241 zu 
M i 1 e t i n. *) Die fromme Wittwe (Domaslawa) des königlichen 
Mundschenks Zbraslaw von Miletin schenkte damals die Burg Mi- 
letiüy das nahe Gebiet Olswic und die Dörfer Maslojed, Sadska und 
Wyklek nebst Wäldern und Fischereien an den Landeskomthur 
Ludwig. König Wenzel I. bestätigte diese neue Erwerbung und 
(lehnte auf selbe die Privilegien des Ordens aus. ^) Wann Miletin 
eine selbstständige Commende ward, ist nicht leicht anzugeben. Sie 
gedieh aber alsbald zu solcher Blüthe, dass sie im J. 1402 zu 
Gunsten der arg verschuldeten böhmischen Bailei an Bene§ von 
Chaustnik auf seine und seiner Frau Lebenszeit für 850 Schock 
böhmische Groschen überlassen werden konnte. ®) 

3. Im J. 1242 erwarb der Orden von dem frommen Edelmanne 
Johann, des Zbraslaw Sohne, durch Schenkung das Dorf Dobro wie 



^) Urkunde bei Millauer p. 120 u. s. f. 

-) ürk. MiUauer p. 98. Als Pfarrkirchen bestanden 1384 Humpolec mit 36 
Groschen and Wojislawice (Bohuslawice) mit 15 Groschen halbjährigen 
Papstzehent Nach der Höhe dieses Zehents waren beide alt genug, um 
als die in obiger Urkunde gemeinten gelten zu können. 

') Ebend. 89. 

*) Miletin war 1384 eine der besten und darum auch ältesten Pfarreien des 
Königgrätzer Dekanats — mit 30 Groschen päpstl. Halbjahrszehent. 

') Voigt S. 8, ürk. Millauer p. 103 u. ff. 

•) Voigt 8. 28. 



246 

bei Caslau ') mit den umliegenden Ortschaften Pfibislawic, -) Vrose 
(Hfezi?), Zamplez (Zalesi), die Hälfte des Dorfes Winai' und aus- 
gebreiteten Waldungen. Überdiess übergab derselbe Wohlthäter 
dem Orden das Patronat der Kirche in Polna nebst den zwei 
Dörfern J a n o w i c. Endlich sollten nach dem Ableben seiner Ge- 
mahlin auch noch die Dörfer Tupadl und Podesin nebst der zweiten 
Hälfte von Winaf mk allem Zugehör an die geistlichen Ritter fal- 
len. ^) Im J. 1366 besass der Commendator auch noch die CoUa- 
tur in Borkow. '») Dobrowic erhielt in Kurzem den Rang einer ei- 
genen Commende. Der erste Commendator wird urkundlich im Jahre 
• 1270 genannt. '') In der Kapelle daselbst soll im J. 1296 der auf 
einer Visitationsreise zu Prag verstorbene Hochmeister Conrad 
von Feuchtwangen seine letzte Ruhestätte gefunden haben. «) 

4. Im J. 1252 übertrug Friedrich von Chomutow, Sohn des Nate- 
rat, den Besitz seines „Dorfes" Kommotau, nebst allem Zugehör an 
den deutschen Orden, der sich aber verbindlich machte, diese neue 
Erwerbung Niemandem als dem Geschenkgeber oder seinen Eltern 
zu verkaufen, und diesen selbst, so oft er in die Stadt komme, mit 
zwei oder drei Dienern gastfreundlich aufzunehmen. ^) Am 1. Jänner 
1281 schenkte Chotßbor von fiefcic für den Fall seines Ablebens 
den Ordensbrüdern zu Kommotau das Gut K r i m a ®) mit den 
Dörfern Straz (Tschoschcl), Nowawes (Neudorf), Lideö (Glieden), 
Dürrenthal (Dörrnthal), Meinhardsdorf (V), Hodowice (?) und Wysoka 

*) Pnbitsclika und Srhallei verlogen diese Sclienkuug irrig uacb Dobrawic im 
Biiiizlaucr Kreise. 

^) Pi-ibislawice hatte loH4 bereits t;ine Pt'arrkirdH\ (Kegist. decim.) 

®) Urkunde Millauer p. 107 u. tl. 

^) Lib. continn. 

•^) Fr. Gottfricdns commendator de Dobrowic (V) Urk. Millauer 119. 

*) Millauer p. 6'd weist diess aus Petri de Üusburg Chron. p. 312 und Anden: 
nach. Neuerlich wird diese Bciset/.ung in Dobrowic wieder sehr in Zweifel 
gezogen. Au und für sich ist nicht gut einzugehen, warum ein in Prag 
verstorbener Meister nicht lieber in der Prager Commende, als in dem sc» 
abgelegenen Dobrowic beerdigt worden sein sollte. Überdiess erwähnte 
schon Millauer die ganz abweichende Inschrift des im schlesischen Kloster 
Trebnitz autgefundonen Leichensteins: ('onradus Feuchtwangen, mag. gen. 
ord. teut. septem annis ordini gloriose pracfuit: in Bohemia Dracotü circa 
annum 121)0 mortuus, hie sepullus est. 

^) Urkunde Millauer p. 109 u. ff. 

**) Kriraa hatte 13^1 eine Pfarrkirche mit 9 Groschen halbjährigem Pajist- 
zehent. 

\ 



247 

(Wisset) sammt aller Gerichtsbarkeit und anderweitigem Zugehör 

— gegen dem, dass er und seine Gattin eine Begräbnissstätte in 
der Ordenskirebe zu Kommotau erhalte und dass man ihrer stets 
im Gebete gedenke. *) — Am 1. Jäner 1282 schenkte Wratislaw von 
Maschau der kommotauer Comraende einen Meierhof in Turtsch, •) 
wofür er in die Brüderschaft des Ordens mit Antheil an Gebet 
und guten Werken aufgenommen wurde. Dieser allzuentlegene 
Maierhof wurde gleich darauf an Smil von Lubschowic (?) für einen 
Grundkomplex zwischen Sporitz undCernomic und weitere . 45 Mark 
Silber vertauscht. *'') — Am 10. Mai 1290 schenkte Heinrich Wstho- 
we sein Gut B e s w i c (Pösswitz) dem Ordenshause gegen einen 
Jahreszins von 6 Schock für seine hinterbleibende Gattin; letztere 
übertrug diesen Zins testamentarisch abermals der Commende. *) 

— Am 7. April 1295 erkauften die Brüder das Dorf Otwice 
von den Brüdern Friedrich und Dietrich von Schönburg. *) — Un- 
term 15. März 1325 kaufte die Commende vom Stifte Postelber«: 

V " 

die Dörfer WSestud (Schössl), Stebcza (Stehen) und CernCice (Tschent- 
schitz) um den Preis von 95 Schock Groschen. ^) — Unterm 20. Juni 
1335 erwarb die Commende von König Johann das Recht, dass 
die zum Markte nach Kommotau reisenden Handelsleute auf der 
Strasse von Pressnitz bis Laun mauthfrei sein sollten. ') — Am 
21. April 1368 verkauften die Brüder Friedrich und Nicolaus von 
Almsdorf ihre Güter in Almsdorf um 420 Schock Groschen an die 
Commende; ebenso veräusserten damals auch Heinrich und Johann 
V. Almsdorf das ihnen gehörige Gut in Almsdorf um 75 Schock, und 
überdiess noch Friedrich von Almsdorf das ihm gehörige Gut Ber- 
kin.») — Ausserdem gehörte urkundlich auch das Pfarrdorf Dr a u s c h- 



') ürk. MiUauer p. 127 u. fif. 

') Turefi war 1384 eine ältere Pfarrei des Kaduer Dekanats mit 12 Groschen 

halbjährigen Fapstzehent. 
') Urk. Millauer p. 130 u. ff. 
*) ürk. MiHauer 132 u. f, 
*) Urk. ebendas. p. 136 u. f. Otwice (Udwitz) war 1384 eine noch unbc- 

steaerte Pfarrei. 
*) ürk. Millauer p. 141. Wsestud war 1384 eine Pfarre mit 5 Groschen 

halbjähr. Papstzehent — im Saazer Dekanat ; desagleichen Stebno im Lu- 

ditzer und Cerncic im Saazer Dekanat — je mit halbj. 15 Groschen. 
') Urk. ebend. p. 142 u. f. 
') ürk. Millauer 150 u. ff. 



248 

kowitz zur KomiDOtauer Gommende, und imJ. 1411 ein Jahres- 
zins vom Gute LiböSic, dessen Besitzer Albert von Libisic damals 
Profess des deutschen Ordens war. ^) Schon aus den hiemit ange- 
deuteten Besitzungen des „deutschen Hauses'' in Kommotau ist zu 
entnehmen, dass die Commende daselbst die ansehnlichste in Böh- 
men war. Zugleich hatte sich aber auch das ehemalige Dorf 
Kommotau unter dem milden Regimente des Ordens zu einer blü- 
henden Stadt emporgeschwungen (1335), welche es wohl verdiente, 
die gewöhnliche Residenz des Landeskomthurs zu werden.^) 
In unserem Zeiträume bewohnte derselbe noch ein eigenes Provin- 
zialgebäude ; erst vom J. 1404 an hatte er zugleich die Ortscom- 
mende in Besitz. *) Von den Ortskomthuren nennen uns die Ur- 
kunden nur einige der letzten mit Namen: im J. 1364 den Bruder 
Conrad, ') im J. 1368 den Bruder Heinrich, ^) 1369 den Bruder 
Albert von Duba,') 1383 den Bruder Nicolaus,«) 1364 den Bruder 
Dietrich von Schönburg. ®) 

§. 158. Fortsetnog. 

1. Im J. 1270 bestand bereits eine selbständige Commende 
des deutschen Ordens in Deutschbrod; ja diese Stadt ver- 
dankte ihren bezeichnenden Namen geradezu den geistlichen Rit- 
tern. Im J. 1270 nannte sich der dortige Commendator noch ein- 
fach von Brod. *®) Im J. 1278 heisst die Stadt urkundlich schau 
Broda teutonicalis. *') Eben im J. 1270 unter dem Commendator 
Helvicus trat der Landeskomthur Ludwig die nahe Marienkirche 



') Drauskowic erscheint 1359 in den Coufirmationsbüchern als Pfarrei. 1383 
wurde daselbst noch überdiess eine Kaplanei gestiftet. (Lib. erect. II. H. 
3. Im J. 1384 zahlte diese Pfarrkirche bereits 16 Groschen halbj&hrigeu 
Papstzehent. (Regist. decim.) 

*) Lib. erect. IX. L. 1. 

') Voigt S. 22, Regist. decim. 

*) Voigt S. 22. 

•) ürk. MiUauer 48. 

*) Urk. Rohn antiq. eccl. 

') Ebendaselbst. 

») Lib. erect. II. H. 3. 

») Lib. erect. II. C. 4. 

>••) Urk. Boiek V. 263. MiUauer 119. 

") Urk. MiUauer 124. 



249 

zar Stiftung eines Frauenklosters an Smü von Lichtenburg ab; die 
CoiTimende erhielt dafür namhafte Grundstücke im Pfarrbezirke. '; 
Die Pfarrkirche zu Deutschbrod ward mit der Gommende vereinigt. 

2. Gleichzeitig wird auch N e u h a u s als Gommende genannt, 
gestiftet von den Herren von Neuhaus. *) Auch hier gehörte die 
Ortspfarre den Ordensbrüdern. Überdiess übernahm im J. 1293 
der Landeskomthur Heinrich von Pier auch noch die vom Grund- 
herrn Ullrich von Neuhaus mit Landeigenthum bestiftete S. Dio- 
nysiuskapelle gegen die bleibende Verpflichtung, wöchentlich da- 
selbst zweimal das h. Messopfer persolviren zu lassen. *) Die 
Gommende Neuhaus erfreute sich eines derartigen Gedeihens, dass 
sie lange mit der Hauptcommende zu Eommotau wetteiferte und 
eodlich im 15. Jahrhunderte unbestritten die beste Besitzung des 
deutschen Ordens in Böhmen wurde. *) 

3. In Pilsen soll der deutsche Orden schon im J. 1224 die 
Pfarrkirche St. Bartholomaeus erbaut haben. Thatsächlich bestand 
dort seit dem 13. Jahrhunderte ebenfalls eine Gommende, mit wel- 
cher die Pfarrrechte verbunden waren. *) Im J. 1322 wurde dem 
Orden noch überdiess das in der Vorstadt gelegene Hospital 
St. Magdalena durch die Stifter Conrad von Dobfan und seine 
Gattin übergeben. *) In diesem Hospitale sollten fortan wenigstens 
zwei Pl"iester des Ordens wohnen und die geistliche und weltliche 
Verwaltung dee Hauses führen. ^) In Wirklichkeit finden wir seit 
dieser Zeit sogar einen eigenen Propst von St. Magdalena, der 
solbstständig neben dem Ordenscommendator stand. ^) Im J. 1344 
erwarb der Orden das jetzige Erzdechanteigebäude. 

4. Im J. 1278 wird bereits ein Komthur vor Kepin bei 
Melnik genannt: es war Jesko, ein Schwestersohn Heinrichs von 



') Urk. MiUauer 119. 

») Urk. Voigt 52. 

') Urk. Millauer 134 u. ff. 

•) Urk. ebend. 187 u. ff. 

*) Voigt 29. 

') Millauer 55. 

') Lib. ere,ct. IX. P. 3. 

^) Voigt 29 cet Rechnungsbuch des Hospitals im Archiv zu Königsberg. 



250 

Lichtenburg. ») Der Ort selbst gehörte schon im J. 1236 dem 
deutschen Orden; denn damals entspann sich ein Prozess des Or- 
dens mit der Königin Constantia, die den Zehent von Kepin an 
die Kreuzherrenkirche in Wrbno geschenkt hatte, während die 
Ordensritter auf Grund eines eigenen päpstlichen Privilegiums die 
Befreiung von allen geistlichen Zehnten ansprachen. Ein Vergleich 
in dieser Angelegenheit erfolgte erst am 2. August 1254. •) Ei- 
gene Komthuren von Repin werden noch im J. 1410 genannt. '; 

5. Im J. 1233 gelangte — wie schon erzählt wurde, der in der 
Nähe von Leitmeritz gelegene Pfarrort B i c k o w i c (Bischkowitz) 
in den Besitz des Ordens. Um denselben bildete sich bald ein 
recht ansehnlicher Gutskomplex. Schon ursprünglich gehörten 
hiezu die nahen Dörfer Nezly, üjezdec, Perna und ein Maicrhof in 
Leitmeritz. ^) Im Jahre 1437 und daher wohl auch schon zu Ende 
unseres Zeitraums (1380) hatte sich die hiesige Ordensherrschaft 
auch noch über die Orte Mlynec (Lenzl), Tfebusin ') (Triebsch), 
Dubrawic, Tyniste (Teinitzl), Babina und zwei Unterthänigkeitcn in 
Blahow ausgedehnt. •) Für die Verwaltung dieser ansehnlichen Be- 
sitzung bestand eine eigene Commende in Biökowic. Als Komthure 
linden wir genannt: 1337 Conrad von Zwickau, der das Dorf Koto- 
litz an das Kloster Chotösau verkaufte, — 1361 und 1364 Bruder 
Jeglin oder Jakob, — 1384 Wenzel Srsa. ") Im J. 1404 zog der 
Landeskomthur zu Kommotau die Bickowitzer Commende Schulden 
halber unter seine eigene Administration. *) 

6. In Königgräz besass der Orden ebenfalls eine Com- 
mende und nebst dieser noch die Pfarrkirche zum h. Jakob und 
das Hospital St. Elisabeth in der Prager Vorstadt. Am 16. Mai 
1364 errichtete der Landeskomthur Rudolph von Hohenberg bei 



») Urk. Millauer 124. 

*) Millauer 16, 17. 

') Lib. erect. IX. G. 2. Namen einiger Komthure: 1278 Fr. Jesko, 1337 Fr, 
Jesko, 1395 Fr. Albrecht, 1410 Fr. Pribik de Littiz. (Millauer 52.) 

*) Diesen Besitz hatte Hroznata 1197 dem Kloster Tepl geschenkt, Tepl aber 
im J. 1238 an den deutschen Orden vertauscht. 

•') Tfebusin 1384 eine Pfarrkirche mit 13 Gr. halbj. Papstzehent. 

'') Dieser Besitz wurde 1437 von K. Sigismund an Hynek von Waldstein ver- 
pfändet. (Registra zapisuw, Palacky Archiv I. 501.) 

') Lib. erect. IL C. 4., lib. confirm. ad 1361. 

«) Voigt 22. 



251 

dieser Commende ein besonderes Schöppengericht, von welchem au 
(las Königgräzer Stadtgericht appellirt werden sollte. Bei dieser 
Gelegenheit wird als hiesiger Komthur der, Bruder Johann ge- 
nannt. ') Die Commende muss übrigens bereits um 1280 bestanden und 
zugleich das angedeutete Hospital besessen haben, denn um diese 
Zeit wird bereits eines mit „den Kreuzherren vom deutschen 
Hause" eingeleiteten Besitztausches gedacht. -) 

7. Im J. 1379 erscheint auch Klösterle im Saazer Kreise 
als Commende des deutschen Ordens. Als damaliger Commendator 
daselbst wird in den Libris confirmationum Lupus von Czullenhart 
genannt, derselbe, der um 1383 als Landeskorathur von Böhmen 
auftritt. ') Angeblich ^) war Klösterle im J. 1 277 vom Könige dem 
Benediktinerstifte Postelberg entzogen worden und erst im fünf- 
zehnten Jahrhunderte treten wieder Privatbesitzer der zugehörigen 
Herrschaft auf. Aus der oben angedeuteten Thatsache ergänzt sich 
nun leicht die Geschichte der Stadt Klösterle, so wie sich auch die 
sogenannte Einziehung durch Pfemysl Ottokar U. erklärt. Durch 
königliche Vermittlung wurde nämlich die bisherige Benedictiner- 
propstei eine deutsche Ordenscommende. *) 

8. Die Libri erectionum nennen uns urkundlich im J. 1384 
auch einen Commendator des deutschen Ordens zu L i p e n y. *) 
Wahrscheinlich befand sich seine Commende in dem ehemaligen 
Pfarrorte Lipany bei Aufinowes. 

9. Die Libri confirmationum nennen uns urkundlich auch noch 
eine Commende St. Veit in J u n g b u n z 1 a u , die ebenfalls dem 
deutschen Orden gehörte. Im J. 1371 übte daselbst der Komthur 
Paulus das Patronatsrecht über die Pfarre Tynec aus. Ein Gleiches 
that im J. 1392 der Komthur Hynek. ') 

10. Schliesslich werden uns auch noch Commenden zuPolna 



*) Urk. Millauer 47, 48. Bienenberg (iesch. der Stadt Königgräz. S. 149. 

') Millauer 49. 

*) Lib. confirm. in der Pr. erzb. Bibl. 

•) Nach Schaller und Sommer Topogr. 

*) Diese und die zwei folgenden Commejiden kennen Voigt und Millauer nicht. 

^) LibJ erect. IJ. C. 4. Er urkundet zugleich mit dem Landeskomthur und 

den Hauskomthuren von Kommotau, Prag, Dobrowic und Bickowic» 
') Lib. confirm. ad 1371 und 1392. 



252 

und Platten auf Grund urkundlicher Aufzeichnungen gemeldet. ') 
Polna war dem Orden im J. 1242 zugleich mit Dobrowic über- 
geben worden. Im J. 1384 war es bereits die reichste Pfarrei des 
Deutschbroder Dekanats, indem es damals 1 Schock halbjährigen 
Papstzehent zahlte. -) Platten wird noch im J. 1403 als Ordens- 
schloss ') und zugleich als Patronatspfarre der deutschen Herren 
genannt,^) woselbst mindestens zwei Ordensritter gewohnt haben 
sollen. *) 

11. Wir gedenken endlich an dieser Stelle auch noch des 
deutschen Hauses in Eger, das allerdings stets zur Bailei 
von Thüringen, aber seit Pfemysl Ottokar U. doch zum Lande 
Böhmen gehörte. Nach Eger kamen die deutschen Herren im Jahre 
1258, indem ihnen der nachmals so unglückliche letzte Hohenstaufe 
Conradin unter Zustimmung seiner Mutter Elisabeth und seines 
Vormunds Ludwig von Baiern „das ihm eigenthümlich 
zustehendePatronatderKirche inEger" übertrug. •) 
Wir finden sie fortan bis zur sogenannten Reformation herab auch 
im Besitze aller Pfarrkirchen im jetzigen Egerlande und im beuti- 
gen ascher Gebiete — mit einziger Ausnahme von Liebenstein. 
Überdiess sorgten sie auch für alle Schulen daselbst — namentlich 
aber erhielten sie die „lateinische Stadtschule'^ in Eger. Dem ent- 
sprechend war nun auch ihr Besitz. AUmählig erwarben sie zu ihrem 
grossen Maierhofe in Eger ein Areale von 96 Morgen Acker, 2410 
Morgen Waldung, 77 Morgen Wiesen und 11 Teiche; nebstdem 895 
Kahr (ä 3 Strich) jährlicher Getreidezinsung und andere sehr bedeu- 
tende Jahresablieferungen an Geld und Naturalien. Überdiess ver- 
fügten sie als Grundherrschaft über 22 frohnpflichtige Bauernhöfe, 
66 kleinere Wirthschaften und viele anderweitige ünterthanen. ') 



') Voigt S. 22 beruft sich auf ihm vorgelegene Rechnungen. 

') RegiBt. decim. 

») Voigt 28. 

*) Lib. confinrf. ad 1377. 

*) Voigt 22. 

') Urk. m. Apr. 1258 dd. Dachov. in Mon. Boic. Bisher glaubte man, sie 

seien erst 1270 nach dem Stadtbrande dahin berufen worden. 
') Aktenmässige Zusammenstellung des Commendavermögens in Mater, zur 

Statist. Böhmens X. 51. 



253 
§. 159. Pfarreien des Ordens in Böhmen. Einige jiervorragende Ordensgiieder. 

1. Wo der deutsche Orden eine Commende erwai'b, dort er- 
hielt er entweder gleich ursprünglich auch die bereits bestehende 
Pfarrkirche oder erbaute und dotirte eine solche erst aus eigenen 
Mitteln. Als bereits übernommene Kirchen bezeichnen wir St. Peter 
(später St. Benedict) in Prag und die Kirchen zu Deutschbrod, 
Folna, Neuhaus, Pilsen, Klösterle und Eger (nebst Filialen). Die 
Pfarrkirchen in Kommotau, Miletin, Bickowic, Lipeny, Platten und 
St. Jakob in Königgräz dürften wohl ihre Entstehung erst dem 
Orden zu verdanken haben. Die Gotteshäuser zu Dobrowic, ßepin 
und St. Veit in Jungbunzlau werden nie al^ Pfarrkirchen genannt. 
— Oft genug war der Komthur, wenn er die geistlichen Weihen 
besass, zugleich auch Pfarrer des Orts. War aber der Kom- 
thur ein weltlicher ßitter, so fielen die Seelsorgsgeschäfte einem 
eigenen Rector ecclesiae zu. ') Nebst diesen Hauptkirchen admi- 
nistrirte der Orden theils durch seine eigenen Priester, theils durch 
von ihm präsentirte Weltgeistliche noch eine grosse Anzahl von Patro- 
uatskirchen der Ordensgüter. Urkundlich werden genannt: Hlaupi^tin 
und Ribnicek (nur bis 123ö),Bohuslawic(Wojislawic, nur bis 1233), — 
Pfibislawic, Krima, Turec, Otwic, Wäestud, Stebno, Cerncic, Drauä- 
kowice und Tinec. ') Viele derselben hatte der Orden selbst ange- 
legt. Von ganz besonderer Bedeutung waren aber jene Pfarrkir- 
chen, welche einerseits die Huld der Landesfürsten und anderer- 
seits die Gunst der Privatpatrone dem Orden in den bedeutend- 
sten Städten Böhmens einräumte. Wir nennen vorerst die 
Städte Kolin, Caslau und Aussig, ohne angeben zu können, 
zu welcher Zeit und durch wen die Kirchen daselbst in den Be- 
sitz des Ordens gekommen sind. Dass sie aber vor der Husiten- 
zeit wirklich den deutschen Rittern eingeräumt waren, beweist ein 
Bericht des Landeskomthurs Wilhelm von Schönburg vom Jahre 
1459. ') Aussig wird darin sogar als noch bestehend genannt. 
Derselbe Bericht nennt noch überdiess als ehemalige Ordenspfrün- 



*) Ebendaselbst. 

*) Vgl. die Besetzungen der Commenden. 

') Voigt 62. 



254 

deu L b s i c (Lobositz) und K ö n i g s t e i u. ') Mit urkundlicher 
Sicherheit kennen wir nur die Übertragung der Pfarrkirche in Bi- 
lin an den Orden. Seit 1061, wo diese Kirche erbaut und geweiht 
worden war, •) finden wir nacheinander das Patronat in den Händen 
d6r Herren von Riesenburg und von Seeberg. Am 1. Juli 1302 
verlieh der damalige Besitzer Albert von Seeberg einverständlicli 
mit seiner Gattin Swatika die Pfarrkirche zu Bilin, das Patronat 
über dieselbe und das dortige neuerbaute St. Elisabeth-Hospital 
sammt allen dazu gehörigen Grundbesitzungen und Zinsungen „au 
die Brüder des deutschen Hauses im Lande Preussen." ') Der 
Prager Bischof Johann hatte diese Verleihung schon zuvor unter 
Vorbehalt der Rechte des Bisthums und des Archidiakonats ge- 
nehmigt. Wir wissen bereits, dass diese Rechte des Archidiakonat.^. 
das von Bilin den Namen hatte, in Bezug auf die Pfarrkirche in Bilin 
nur Ehrenrechte allgemeiner Natur waren. *) Diese befand sich 

■ 

nach dem bereits erwähnten Berichte des Landeskomthurs uodi 
im J. 1459 im Besitze des Ordens. ') Auch in Kla ttau gehörte 
um 1406 urkundlich dem deutschen Orden die „deutsche P r e- 
d i g e r s t e 1 1 e" in der Pfarrkirche sowie auch eine Altarpräbende 
in der St. Georgskirche. *) Als anderweitige KoUaturen nennen 
die Confirmationsbücher noch Pirk bei Görkau (1392), Lodhe- 
f w im Taborer Kreise (als Kollatur eines Komthurs), B i t o z e- 
wes, Letafowic, Pfedlic, Kaniua bei Nebuzel und 
Struppen bei Königstein. ") 

2. Ausser den bereits genannten Landeskomthuren haben wir 
hier noch einiger interessanter Ordensglieder zu gedenken. Um 
1297 wurde der deutsche Ordensbruder H e r m a n n der Gewissens- 
rath des Königs Wenzel II. Ihm räumte der fromme Fürst den 



') Für Königstein prüsentirte der Landmeihter aucii im .). 1391 einen Pfarrer. 

(Lib. coufirm.) 
') Vgl. I. Bd. 
*) Ürk. Lib. erect. IX. M. 4. Albertus de Seberch war 1289 marschalous 

Domini regis, — 1295 regni camerarius. Balb. epit. 310, 295. 
*) Der Arcliidiakon hatte seine Residenz stets im Prager Domkapitel. Ganz 

irrig ist die Ansicht Sommers, der den Archidiakon noch bis 1371 in BilLu 

wohnen lässt. 
•'•) Voigt 52. 

•) Lib. erect. VII. F. 10. 
') Lib. contirm. ad ann. 13G2, 1363, 1392, 140G, 1407, 1418. 



256 

Vorzug vor allen seinen Hausgenossen ein; nach den Rathscblägen 
desselben ordnete er seinen Hofstaat^ und selbst in den Reicbsge- 
Schäften liess er ihn den bedeutendsten Einfluss üben. Hermann 
wurde später Bischof zu Kulm und Preussen und starb am 13. Juli 
1311. ^) — Bruder Hermann von Prag, Herr auf Liebenstein 
in Mähren, Magister der Theologie und auditor sacri palatii zu 
Rom, war Hofprediger und Rath des Königs Johann, dann Bischof 
von Ermeland in Preussen, wo er mehrere Städte gründete und in 

» 

fler Mitte des 14. Jahrhunderts starb. ') 

§. 160. Di« KreDziierren mit dem rothen Sterne. 

1. Die Kreuzzüge hatten ausser den allbekannten grossen Ritter- 
orden der Johanniter, Templer und Deutschherren noch zahlreiche 
andere religiöse Congregationen geschaffen, welche sich einerseits 
die Bewachung der christlichen Heiligthümer im Königreiche Jeru- 
salem, und anderseits die Pflege der Pilger, sowie der Armen und 
Kranken zur Aufgabe machten. Die Bildung solcher Congregationen 
nahm besonders überhand, seitdem durch die Constituirung des 
deutscheu Ordens das nationale Element in den Vordergrund 
getreten war, so dass nun bald alle Nationalitäten ihre besonderen 
Hospitäler aufzuweisen hatten. Als eine Congregation dieser Art 
lernten wir bereits die Kreuzbrüder des heiligen Grabes 
von Jerusalem kennen, welche im J. 1190 in das Prager Kloster 
am Zderas eingezogen waren. ^) Ein ähnliches Institut wird uns 
alsbald in den weissen Kreuzherren mit dem rothen Her- 
zen (den sogenannten Wasserpolaken) entgegentreten. Die für uns 
interessanteste Erscheinung dieser Art gewahren wir aber an dem 
noch heute blühenden Orden der ritterlichen Kreuzherren 
mit dem rothen Sterne. 

2. Wir finden die genannten Kreuzherren urkundlich um das 
Jahr 1233 in unserem Vaterlande, ohne dass sie als eine eben erst 



*) Chron. Auloreg. p. 7.3. Mi Hauer Q^. 

^) MiUauer 27. 

*) Millaner p. 29 rechnet hieher auch einen Johann von Falkenstein 
(Pulkava p. 242) al8 Sohn des bekannten Zawis von Hosenborg. Dieser 
ist aber sicher niemand anderer, als der uns schon bekannte Landeskom- 
thur der Johanniter Johann von Klingenherg. 

*) Vgl. I. Bd. §. 83, 



266 

neugestiftete Congregatioo bezeichnet werden. Dieser Umstand be- 
kräftigt die althergebrachte Ordenstradition, die genannten Kreuz- 
herren seien aus dem Oriente gekommen, wo sie unter dem Namen 
der Bethlehemiten — also wohl als Hüter der Geburtsstätte Christi 
analog den Hütern des heiligen Grabes — nach der Regel des 
heiligen Augustin gelebt hatten. Nach dem Verluste des heiligen 
Landes seien sie über Aquitanien nach Böhmen gezogen und hätten 
zunächst im J. 1217 bei den ihnen befreundeten Deutschherreu 
in Hlaup^tin (bei Prag) eine gastliche Aufnahme gefunden. Diese 
Tradition des Ordens wird überdiess auch noch durch die her- 
kömmlichen Säkularfeste *} und durch uralte Chronographen be- 
stätigt. «) 

3. Im J. 1233 verkaufte der deutsche Orden seine Commende 
S. Peter in der deutschen Gasse (in vico Teutonicorum) der dama- 
ligen Prager Vorstadt Pofic an die verwittwete Königin Constantia, 
welche damals die Absicht hatte, daselbst ein Kloster für die 
Cisterzienserinnen zu erbauen. Zu dem erkauften Commendabe- 
sitze gehörten danmls auch die Dörfer Hlaupetin (der erwähnte 
Gastsitz unserer neuen Kreuzherren), Borotie, Chumenec, Nidosic, 
Zupanowic, Draietic und Ribnicek. ^) In dem letztgenannten Orte, 
der nachmals in den Umkreis der Prager Neustadt einbezogen 
wurde, ward auch die Patronatskirche S. Stephan mit erworben. 
Königin Constantia änderte noch im J. 1233 ihren ersten Plan und 
erwählte Tignowic in Mähren zu ihrer Klosterstiftung. Die Kirche 
S. Peter aber nebst dem Commendahofe (Hradisko) und zugehöri- 
gen Dörfern widmete sie zu einem Hospitale des heiligen 
Franciscus, welches ihre fromme Tochter Agnes für Pilger, 
Kranke und Sieche zu gründen beschlossen hatte.'*) Die Lei- 
tung dieses Hospitals sollten unsere neuen Kreuzher- 
ren übernehmen. Zunächst ward es freilich nur eine Art Wan- 
derspital; denn die Übergabe der Peterscommeude verzog sich 
noch bis 12. Februar 1235, an welchem Tage Königin Constantia 



') Das letzte wurde im J. 1817 gefeiert. 

*') CrVCIgerl pragaM VeuerVnt. Ebenso: BetLcheMIlae e paLaestliia hVC 

VeuerVnt. Vgl. Schöbl in Wetzer*s Lex. XI. 683, Zimmermann aufgeliob. 

Klöster p. 56. 
''') Chumenec und Nidosic bei Hlaupetin', Borotie, Zupanowic und DrazcUc 

bei Knin im Berauner Kreise. 
*) Urkunde £rben regest. 376. 



257 

erst die förmliche Schenkungsurkunde ausfertigte. ') Desshaib.be- 
stand das Franzensspital zunächst bei der Kirche 8. Castulus *) 
und übersiedelte erst im J. 1235 zu 8. Peter, wo nunmehr auch 
der Meister der Kreu^zherren mit seinen Brüdern *) seinen 
Wohnsitz nahm. Das Franzensspital war aber zunächst kein selbst- 
ständiges Institut, sondern wurde auf den Wunsch der seligen 
Agnes dem von ihr gestifteten Klarissinnenkloster derart incorpo*- 
rirt, dass die Äbtissin die Vermögensverwaltung führte und «über- 
diess das von den Einkünften Erübrigte für das Kloster verwen- 
den konnte. Diese Einrichtung bestätigte Papst Gregor IX. unterm 
8. Mai 1235. ^) Auch König Wenzel I. dürfte damals diese Ver- 
fügung bekräftigt haben. ') Eine solche Einrichtung war aber vor- 
erst um so nothwendiger, als die Königin Constantia sich den 
Nutzgenuss ihrer Schenkung auf Lebenszeit vorbehalten hatte, — 
und sie starb erst am 13. December 1240. ^) Das Hospital besass 
demnach noch kein besonderes Eigenthum — als das im J. 1234 
vom mährischen Markgrafen Pfemysl ihm geschenkte Dorf RakSic 
in Mähren; ^) im Übrigen war es an die Freigebigkeit der könig- 
lichen Äbtissin Agnes angewiesen. 

4. Bis zum J. 1237 hatten sich die Erwerbungen des Hospi- 
tals schon beträchtlich vermehrt. Erweislich schenkte ihnen König 
Wenzel bis dahin die Kirche des h. Hippolytus in Rokytnik sammt 
dem Hofe daselbst. ^) Königin Constantia übergab ihnen am die- 
selbe Zeit das Patronat des auf ihrem Leibgediuggute Melnik ge- 
legenen Ortes Wrbno, nachdem sie im J. 1236 das Einkommen 



*) Urkunde Erben reg. 410. 

») Urkunde Erben reg. 390. 

^) Gregor IX. nennt ^ie 1235 8. Mai rcctor et fratres hospitalis ö. Francisci. 
ürk. Erben 414, Z. 876. 

*) Urkunde Erben reg. 414, Z. 875. 

^) Die bezügliche Urkunde fehlt: dagegen konfirmirte Karl IV. später eine 
königliche Urkunde vom 12. Febr. 1235 -^ die aber eine Menge Anachro- 
nismen enthält, daher jedenfalls nicht echt ist. Die Kreuzherren heissen 
da schon Stelliferi, — gelten als selbstständige Veroiögensverwalter, — 
werden als im Hospitale bei der Präger Brücke wohnend angeführt. Alles 
diess kann erst vom J. 1258 gelten, wie weiterhin gezeigt werden wird. 

*) Urkunde Erben reg. 390. 

Urkunde Erben reg. 401. 

') Tomek G. Pr. S. 501. ürk. Erbeil reg. 427. 

17 



268 

.derselben durch den Zehnten von j^epin vermehrt hatte. Sine 
gewisse Bohuslawa, Wittigre des Zwäst, testirte im J. 1237 mit Ein- 
willigung ihres Sohnes, des Ritters Sulislaw, die Ortschalten Gemuc 
und Tursko. ^) Vielleicht gehören auch noch andere Erwerbungen, 
die wir später kennen lernen werden, bereits in diese Zeit. Unter 
solchen Umständen fand sich die Äbtissin Agnes noch im J. 1237 
bewogen, auf ihr Obereigenthumsrecht in die Hände des Papstes 
Gregor IX« zu resigniren. Derselbe hatte bereits unterm 14. April 
1237 den „Meister und die Brüder des Hospitals von S* 
Franz" als Begulares unter seinen unmittelbaren Schutz genom- 
men. ') Auch hatte er ihre Congregation als förmlichen cano- 
nischen Orden anerkannt, der nach der Regel des h. Augustin 
zu leben habe und aus welchem ein Austritt nur in einen noch 
strengern Orden stattfinden dürfe. Der Meister des Ordens sollte 
stets von den Brüdern erwählt werden. *) Nun nahm der Papst 
mittelst eines eigenen Schreibens vom 15. April 1238 die ange- 
deutete Resignation der Äbtissin Agnes an und übertrug durch 
eine Bulle vom 27. April das Hospital und dessen Besitzungen 
unter unmittelbarer Obedienz des apostolischen Stuhles an den 
Meister und die Brüder des neuen Ordens. ^) 

5. Noch war ein letzter Schritt in der Constitution des Or- 
dens übrig. Bis 12^0 trugen die Brüder als Ordenszeichen noch 
das rothe Kreuz, das sie als Genossen der Congregation einst mit- 
gebracht hatten. Im J. 1250 wendete sich nun die fromme Äbtissin 
Agnes nach Rom um Bewilligung eines neuen unterscheidenden 
Zeichens, das Niemand dem Orden streitig machen könne. Ein 
solches zu wählen beauftragte nun Papst Innocenz IV. unterm 10. 
October 1250 den Prager Bischof Nicolaus •) und dieser verlieh 
am 17. Juni 1252 in der Peterskirche am Pofic dem Meister 
und den Brüdern in feierlicher Versammlung das Recht — über dem 
rothen Kreuze einen rothen Stern zu tragen.') Nach derÜber- 



*) Tomek 600. 

*) Ebend. 601. , 

*) Urkunde Erben reg. 427. 

*) Tomek p. 496. Chron. Palkavae p. 216: „Confirmatas est ordo crudfero- 

rum cum rubea Stella per Gregorium papam XYIll. Calend. Maji 1288.'^ 
^) Urkunden Erben reg. 437, 489. Zimmermann p. 68. 
•) Urk. Erben reg. p. 681. 
Urk. Erben reg. p. 601. 



259 

I 

lieferung des Ordens wählte man dieses 2^ieichen zu Ehren des im 
J. 1248 verstorbenen ersten Meisters Albert von Sternberg. Übri- 
gens war die Feier vom 17. Juni 1252 wahrscheinlich auch der 
Abschied der gesammten Ordensfamilie von S. Peter und dem dor- 
tigen Hospitale; denn schon am 21. Mai hatte die fromme Agnes 
für sie ein neues schöneres Hospital an der Prager Brücke zu 
Stande gebracht, wo die Brüder nunmehr ihren Wohnsitz nahmen. 
S. Peter sank zu einer Filiale herab. •) Eine Urkunde des Königs 
Wenzel vom 6. April 1253 überträgt bereits alle Rechte und Be- 
sitzungen auf den neuen Wohnsitz. •) So war also der Name des 
Ordens vollständig geworden: Ordo cruciferorum cum rubea 
Stella in latere pontis Pragensis. 

$. 161. Fortsetznng: VerbreitBiig des OrdeoK. 

1. So lange unsere Kreuzherren ihr Hospital in Abhängigkeit 
vom St. Clarakloster verwalteten, standen sie selbstverständlich 
auch unter der Visitationsgewalt des Provinzials der mindern Brü- 
der. Mit der unmittelbaren tJbernahme des Hospitals musste sich 
diess nothwendig ändern, — und zwar lag es nun am Papste als 
unmittelbarem Obern, einen apostolischen Visitator für die Brüder 
zu bestellen. Solches geschah am 22. April 1238, wo Gregor IX. 
auf den Wunsch des Meisters dem Provinzial der Dominicaner und 
Prior dieses Ordens in Prag auf 5 Jahre die Visitationsgewalt 
verlieh. '*) Weiterhin werden bis 1292 keine apostolische Visita- 
toren mehr erwähnt. Dagegen besorgte nun der Meister selbst als 
Grossmeister die jährliche Visitation der bereits vermehrten Ordens- 
häuser. Solche finden wir fortan zu Pöltenberg in Mähren, — zu 
Mies, Brüx, Eger, Leitmeritz, Aussig, Klattau, Kaufim, Budweis, 
Pisek, Schüttenhofen, fiecic (?), Blatna, Zupanowic und Dobficho- 
wic in Böhmen, — endlich auch zu Breslau, Bunzlau, Münsterberg, 
Schweidnitz, Liegnitz in Schlesien und zu Inowraclaw und Brzesc 
in Polen. Schon bei der Übergabe des neuen Ordenszeichens am 



') Pulkaya p. 223. 

') An das ehemalige Spita] bei S. Peter erinnert noch heute das Spittelthor, 

— und die Area von Karolinenthal, sonst SpitalskO genannt. 
") IJrk. Erben reg. 609. 
*) Frk. Erben reg. 438. 

17* 



2eo 

17. Juni 1252 wurde die Berechtigung zu demselben ausdrücklich 
auch auf die Brüder des Ordens in Mähren und Polen ausge- 
dehnt. , ») 

2. Der Orden betrachtete sich von allem Anfange als einen 
ritterlichen gleich dem der Johanniter, Templer und Deutsch- 
herreu. Eben darum machte er stets von dem Rechte, Waffen zu 
tragen, Gebrauch, und diess wurde ihm auch im J. 1292 bei einer 
im Auftrage des Papstes Nicolaus IV. vorgenommenen apostolischen 
Visitation ausdrücklich zuerkannt. ^) Ursprünglich gab es im Or- 
den auch Kreuzschwestern zur Pflege weiblicher Kranken, so 
namentlich im J. 1244 im Hospitale zu Mies. Doch eben die Visi- 
tation vomJ. 1292 stellte die weitere Aufnahme solcher Schwestern 
für immer ein. •) 

3. a) Die älteste Commende des Ordens ist Pöltenberg 
bei Znaim in Mähren. Dort hatte der Markgraf Wladislaw von 
Mähren (um 1214) auf dem Berge Gradisko eine Kirche zu Ehren 
des h. Hyppolitus erbaut und dabei einen Propst gestiftet. ^) Es 
sollte^ wohl der Anfang zu einem förmlichen Kollegiatkapitel sein. 
ImJ. 1226 wird der königliche Schreiber Wigbert als Propst daselbst 
genannt. ^) Auf Ansuchen desselben vermehrte König Ottokar in Ge- 
meinschaft mit der Königin Kuniguude im J. 1229 die Besitzungen 
der Propstei. ") Im J. 1240 endlich schenkte König Wenzel I. — 
gewiss auf Verwendung der Mutter Gonstantia — die erledigte 
Propstei nüt allem Zubehöre an das Hospital von St. Franz. ') 

b) Im J. 1244 verlieh König Wenzel dem Orden das Hospital 
zu Mies. Dieses war ursprünglich von einem Mieser Bürger 
bei der Klosterkirche in Kladrau erbaut, vom Könige aber auf 
die Beschwerde des Kladrauer Abtes nach Mies verlegt worden. 
Schon im J. 1243 war auch die Pfarrkirche in Mies mit dem Spi- 
tale vereinigt worden. Beides erhielten nun unsere Kreuzherren 



*) ürk. Erben reg. 601. 

') Schöbl in Wetzer's Lex. XI. p. 683. 

") Tomek 602. 

'I Urk. Bo6ek II. 207. 

') Urk. Bocek II. 171. 

") Urk. Bo6ek II. 207. 

') Bocek II. 881. 



261 

zugleich mit dem zugehörigen Dorfe Bytkow als ein vom Mutter- 
bause abhängiges Priorat 

c) Im J. 1253 besass der Orden auch bereits durch die Huld 
des Königs Wenzel das Hospital in B r ü x mit einer Kapelle des 
h Wenzel uud zugehörigen Gütern. *) 

d) Um 1252 stiftete Wenzels Schwester Anna in Gemeinschaft 
mit ihren Söhnen, den Herzogen Wladislaw, Boleslaw IL und Con- 
rad das Elisabeth-Hospital in Breslau,^) von wo aus weiterhin 
die Commenden in Bunzlau (1261), Münsterberg (1282), Schweidnitz 
(1283), Liegnitz (1288), Inowraclaw (1268)| und Brzec (1294) her- 
vorgingen. Über alle diese Commenden hatte der „Meister" zu 
Breslau die Visitationsgewalt. *) 

e) Im J. 1257 erwarb der Orden zunächst das Patronat der 
Marienkirche in der damaligen Vorstadt von Leitmeritz. Nachmals 
wurde im J. 1327 auch das Hospital dabei erbaut und dem Orden 
übergeben. So entstand daselbst eine förmliche Commeude, welche 
bis in die Zeit dßr Husiten fortblühte. Die Kirche ward später 
von den Jesuiten neuerbaut und ist jetzt eine vorzügliche Zierde 
der Stadt Leitmeritz. ') 

/) Als am 16. Mai 1270 ein furchtbarer Brand die Stadt Eger 
in Asche gelegt hatte, empfahl König Pfeuiysl Ottokar der veritn- 
glückten Bürgerschaft die Kreuzherren zur Übernahme des eben- 
falls niedergebrannten Spitalstifts St. Bartholomaeus. Gegen Über- 
gabe des zumeist in Jahreszinsungen angelegten Spitaleinkommeus 
erbauten nun die Ordensbrüder im J. 1271 ein neues Hospital uud 
verpflichteten sich zur Verpflegung einer bestimmten Anzahl von 
Pfründlern. Im J. 1274 schenkte der König auch den Hof Dobra 
(jetzt Commendahof) nebst Feldern, Wiesen, Teichen und Waldungen 
hinzu. Die Kreuzherren erbauten sofort die noch heute stehende 



*) Tomek 499. 

») Urk. ErbcD reg. 610. 

^) Im J. 1252 wird bereits der dortige Meister Heinrich genannt. 

*) Steuzel, die Ritterorden der Templer und Erenziger in Schlesien, lllust. 

Chron. II. p. 83 u. ff. 
*) Contin. Ephem. Litomeric, MS. der Strahower Bibliothek. Tomek 508. 

Lib. Erect. XIII. 0. 7, nennen 1410 einen Paulus commendator daselbst. 



262 

fiartholomaeuskirche. Der Verwalter der neuen Egerer Commende 
wird ebenfalls häufig Meister genannt. ') 

g) Im Umkreise der jetzigen Leitmeritzer Diöcese erwarb der 
Orden im J. 1327 auch noch das Stadtspital in Aussig und er- 
richtete dabei eine selbstständige Commende.') Den Besitz dersel- 
ben bestätigte Karl IV« durch ein Privilegium vom 21. August 
1355.3) 

h) Im J. 1351 übertrug Karl IV. das bisher von weltlichen 
Verwaltern vernachlässigte Spital zu B u d w e i s sammt allen Be- 
sitzungen an den Kreuzherrenorden. '*) 

?') Auf ähnliche Weise erhielt der Orden im J. 1288 das 'Spi- 
tal in K I a 1 1 a u, ^) im J. 1338 das in K a u f i m ^) und im J. 1351 
das zu Pisek. ^) Im J. 1352 gab ihnen Carl IV. auch die Erlaub- 
niss inSchüttenhofen ein Spital sammt Kirche und Wobnge- 
bäuden zu errichten. ^) An allen diesen Hospitälern entstanden so- 
fort förmliche Commenden. 

k) In einem Verkaufsvertrage des J. 1406 werden unter den 
als Zeugen unterschriebenen Kreuzherren ausser etlichen Gemmen- 
datoren und Pfarrern des Ordens auch noch sogenannte Hospites 
in Ce£ic, Blatna, ^upanowic und DobHchowic angeführt. ") Wir 
irren kaum, wenn wir diese als Vorstände von Hospitälern in den 
genannten Orten auseheii, die im Range vielleicht den eigentlichen 
Gommendatoren nachstanden. Blatna wird ausdrücklich als in 
provincia Sacensi gelegen bezeichnet. '^) Wahrscheinlich ,war es 
das heutige Ploden aaf der Herrschaft Petersburg; denn in dieser 
Gegend liegen auch die als dazu gehörig bezeichneten Dörfer Tiss 



^) Pröckl, Kger luid Egerland I. 8. 25, 26, MaterialieD zur alten und neuen 
Statistik von Böhmen X. 44. Der deutsche Orden überliess den Kreuz- 
herren den am Spital gelegenen Kirchhof; dafitr erhielt er fortan j&hrlicb 
5 Schock Heller vom Dobrahofe. (X. 44.) 

2) Urk. Pelzl, Urkdb. 217, 218. 

'») Tomek 503. Illust. Chron. I 263. 

•) Pelzel Urk.-Buch II. 380. 

«) Tomek 503. 

") Ebend. 

') Schöbl 684. 

*) Urk. Pelzel Urkb. I. 181. 
. •) Lib. erect. XIII. 0. 7. 

*") Urk. Erben regest, 609, 



263 

und Balkowa. Überdiess erfahren wir, dass im J. 1893 der P&rrer 
von Technic als Nachbar daselbst eine Installation vornahm. ') 
Znpanowic und Dobfichowic sind noch heute im Besitze 

V 

des Ordens. Schwerer ist die Bestimmung des Ortes Cecic, da 
die Coi^rmationsurkunden ~ selbst die von Karl IV. im J. 1850 ') 
— seiner noch nicht erwähnen. Wahrscheinlich war es Bischof- 
^ecicy dessen geistlicher Besitzer ein von ihm dotirtes Bpital dem 
Orden übergab. 

§. 162. Fortsetzung: SeelsorgspfnliideD, -Gtter nnd Privilegien des 

Ordens. 

1. Schon durch die Schenkung der Königin Constantia (1235) 
erhielt der Kreuzherrenorden die Kirchen St. Peter am Pofic, 
St. Stephan in Ribniiek und die Pfarrkirchen zu HlaupStin 
und Borotic. Nachmals kam durch dieselbe hohe Gönnerin 
auch noch die Pfarrkirche in W r b n o hinzu. ^) Im J. 1246 verlieh 
König Wenzel L dem Orden die Pfarrkirche zu Elbogen samqit 
ihren Filialen ^) Wranow (Fronau), Espenthor und Thiergarten (ehe- 
mals bei Karlsbad). Als im J. 1252 das St. Franzensspital an die 
Prager Brücke verlegt wurde, kam dort die St. Franzenskirche, 
und die Spitalkapelle zum h. Oeiste hinzu. Im J. 1257 bestätigte 
Bischof Nicolaus dem Orden ausserdem noch das Pfarrrecht bei 
St Valentin unter den Mauern, wozu damals das Dorf Jesenic 
und die Area bis an die Prager Brücke gehörte, als Geschenk der 
Brüder Dobrohost, Albert und DrSek und der Wittwe des Hroz- 
nata von Podäbrad ; ') ebenso das Pfarrrecht in 6 e w n i c sammt 
dessen Filialen, ferner in Mies, bei St. Wenzel in B r ü x , bei 
St. Maria inLeitmeritz, in Duba, Hlaupötin, Borotic, 
Mironic, Sliwen, Tys, Wladislawic und 2 i w h o s t. •) 
Im J. 1286 übergab König Wenzel 11. den Ordensbrüdern die 
Pfarrkirche in der vom Kloster Doxan neuerbauten Stadt Königs- 



^) Lib. confinn. ad ann. 1998. 

*) Original im Egerer Btadtarchiv. Abschrift im Anbange. 

•) Vgl. Obiges. 

*) Tomek 499. Vgl. regist. decim. 

^ ürk. Erben reg. 609. 

*) niost Chron. I. 218. Tomek 508, 



264 

b e r g uod um dieselbe Zeit auch das Patronat der uralten Dekanats- 
kirche S e d 1 e c (Zettlitz) und der dort benachbarten Pfarre N e u- 
r ob lau (Nova Raluna). Im J. 1329 kamen hie^u durch die Schen- 
kung des Königs Johann auch noch die Kirchen in T a c h a u und 
U n h § t. ') Von Königsberg aus entstand schon um 1300 ein 
Wallfahrtskirchlein auf dem Berge G u 1 m und darneben die Ort- 
schaft Mariaculm. Im J. 1383 war das Kirchlein bereits zu ei- 
nem ansehnlichen Gotteshause .erweitert; Heinrich von Reissengrun 
schenkte demselben seine liegenden Gründe am Culmberge zur 
Unterhaltung zweier Kreuzherrenpriester und legte so den Grund 
zu der jetzigen Propstei daselbst. *) — In Mähren hatte schon 
Wenzel I. im J. 1237 dem Orden die Pfarrkirche Rokytnic ver- 
liehen. Bei Brüx erwarb man im J. 1374 die Pfarre Schab. 
Dazu kamen alsbald auch noch eine Menge bereits bestandener 
oder alsbald gegründeter Pfarreien auf den ausgedehnten Besitzun- 
gen des Ordens. *) Auch muss erwähnt werden, dass Karl IV. dem 
Orden für die bei der Erbauung der Neustadt erlittenen Grundver- 
luste nebst andern Entschädigungen auch noch die beiden Kirchen 
St. Peter und St. Stephan zu Pfarrkirchen erziehen und über- 
diess auch die neue St Heinrichspfarre dem Orden über- 
geben Hess. **) 

2. An neuen Erwerbungen des Ordens haben wir zu nennen: 
um 1236 das Gut Dahlie bei Hlaupgtin und das Dorf Kralup 
au der Moldau als Geschenk Wenzels L; — im J. 1237 Gernuc 
und Tursko (jetzt Pfarrort) als Vermächtniss der Wittwe Bohu- 
slawa Zwöst; — ebenso das Dorf Walow vom Gaukler Conrad 
angekauft; um 1240 Zernow'nik und Tis (f) im Pilsner, ^) 
B 1 a t u a (f ) und B o h o z e c im Saazer, B a 1 k o w a im ehema- 



») Tomek 503. 

') Dörfl: S. Mariaculm d. i. gründliche Historia &c. p. 2. 

^) Irriger Weise setzen Viele die Erwerbung der Pfarrkirche in Karlsbad 
auf 1357 oder 1364. Die emporblühende Badestadt hatte ihre Kirche im 
nächstgelegenen Dorfe Thiergarten, bis dessen Bewohner allmähÜg ihr 
Dorf verfallen Hessen und nach Karlsbad zogen. Die nunmehr in Karlsbad 
erbaute Kirche war zunächst eine Filiale der Kreuzherrenstation Sedlec, 
bis selbe — ei*st im 15. Jahrhunderte — selbstständig wurde, (mast. 
Chron. II. 188 u. ff.) 

*) Tomek 498, 504. 

*) Das Zeichen f deutet spätere Pfarrorte an. 



265 

ligen elbogner Kreise, angekauft yon dem an die Aebtissin Agnes 
ge&Ilenen Vermächtnisse des Eojata. Um 1250 schenkte Ritter 
Friedrieb, Matschall der Königin Kunigunde die Orte Humprech- 
ti c (Leitm. Kr. ?), W i c k o w i c (Elbog. Kr.), D r a h o n i c O'nebst 
D u n w i c (Prach. Kr.), und Z a d i w o j i c (?) an den Orden. 
Ebenso gab Albrecht von Duba im Bunzlauer Kreise die Orte 
Pfiboj, Duba, Brezno, Brezina, Horky und Roz- 
prechtic. Im Gaslauer Kreise gehörte dem Orden um diese 
Zeit der Markt H u m p o 1 e c sammt Zöllen und anderem Zubehör. 
Im J. 1253 schenkte König Wenzel das Gut Jene c imRakouitzer 
Kreise. Im J. 1280 legirte der Saazer Bürger Wolflin das Dorf 
N i m i 1 k w. Im J. 1334 erwarb man B u k o 1 bei Weltrus. Um 
1350 schenkte Karl IV. dem Orden als Theilersatz für den beim 
Baue der Prager Neustadt abgegebenen Grund eine Waldstrecke 
bei M f i n a. Um diese Zeit gelangte man auch in den Besitz 
von Dol.anek, welches 1406 um 120 Schock einer gewissen 
Elisabeth von Duba auf Lebenszeit überlassen wurde. ^) Als einen 
Besitz gan^ eigenthümlicher Art müssen wir endlich die von Wen- 
zel I. geschenkten Einkünfte der Prager Brücke neü- 
nen: ein bestimmter Zoll von jedem Fussgänger und jedem Zug- 
thiere, gewisse Gebühren von den Prager Weinschänken und dazu 
die nahen Dörfer Sliwenec, Holin, Wrancic, Waletic, Selibow, Ta- 
lina, Smrkowic und Tfebotow, — wogegen der Orden alle Repara- 
turen der Brücke zu besorgen hatte. König Johann verlieh noch 
iiiezQ im J. 1332 das Recht, von jeder die Brücke passirenden 
Braut, von jeder darüber gebrachten Judenleiche, und von jedem 
übersiedlungst räusperte je 72 Heller Zoll abzufordern. ^) Durch 
die Erbauung der steinernen Brücke (1357 u. ff.) scheint dieses 
Einkommen weggefallen zu sein. — Ausser diesen Besitzungen des 
Ordens hatte auch noch jede Commende ihre besondern Güter^ 
von denen wir aber in jener Zeit die wenigsten ausdrücklich ge- 
nannt finden. ^) Von der M i e s e r Commende wissen wir, dass 



') Für Drabonic gab K. Ottokar 1254 den Wald Ladwe bei Dablic. 

*) Über dieses AUes Tomek 498-504. 111. Chron. 213 u. ff. Lib. erect. 

XIII. 0. 7. 
') Tomek 501 und Ul. Cbron. 213. 
*) Pöltenberg allein besass 11 Dörfer: Hradist, Brezowa, Becow, USt^, Po- 

powic, Nesnlowic, fteznowic, Masowic, Nesachleb, Wrbonic und Wl^ikei^. 



266 

sie zu ihrem ursprünglichen Dorfe B y t k o w im Jahre 1342 noch 
den Ort Tfichlowic erwarb. Die Gommende in E g e r erhielt 
1298 im Dorfe Dobra eine MahlmQhle und den Zehent von drei 
Höfen zur Verpflegung der Pfründler des Hospitals an 4 bestimm- 
ten Feiertagen geschenkt. ') Im J. 1300 und wiederholt auch 
späterhin übergaben ihr einzelne Bürger von Eger bedeutende 
Natural- und Geldzinsungen zu gleichem Zwecke. Im J. 1356 ka- 
men je ein Unterthäniger zu Delnic, Old und Kneba und das Dörf- 
lein Vechlem hinzu: damals werden neben den Pfründlern auch 
noch Schüler genannt, die davon unterhalten werden sollen. Weiterhin 
wurden im J. 1375 Unterthänigkeiten und Zinsungen in Mühlgrün, 
Schönlind, Beichenbach, Lauterbach, Wildenau (bei Asch) und 
Oberreuth nebst eigenthümlichen Wäldern, Äckern und Wiesen an- 
gekauft. Im J. 137(> kamen die Gründe auf dem „Mühlberge'' bei 
Eger hinzu. Im J. 1379 erhielt die Gommende für -einen mehrzu- 
haltenden Priester Kapitalien und Sackzinse in Eötschwitz. Im 
J. 1423 erwarb man zwei unterthänige Höfe in Oberlohma. Im Jahre 
1423 kamen noch Unterthänigkeiten und Zinsungen in Hatzenreuth 
(Pfalz), Gassnitz, Oberschöh, Fischern, Unterpilmersreuth, Au, Ne- 
banic, Sebenbach, Enebä, Wogau, Dürnbach, Kornau, Neundorf, 
Watzgenreuth, Hirschfelde, Friedensreuth, Honnersdorf, Rossenreuth, 
Seuchenreuth, Schiada und Reissig hinzu. Damals bestand in Eger 
neben dem Gommandeur noch ein Prior und ein förmlicher Con- 
vent. *) — Die Propstei Mariaculm besass seit 1383 — wie 
schon erwähnt wurde — die Gründe am Gulmberge. — Die Gom- 
mende zu Brüx besass wenigstens in späterer Zeit das Gut 
Taschenberg mit Chanow (Khan), Sedlec, Nemilkow und Tlieile von 
Braftany (Prohn), Kopof ec und EaStice. Dem Budweiser Spitale 
bestätigte Karl IV. am 21. April 1351 die (ungenannten) eigenen 
Besitzungen inner- und ausserhalb der Stadt und befreite sie von 
allen Real- und Personalservituten, von Kollekten, llilfsgeldern 
und Kontributionen. ') — Aus diesem Allen ist ersichtlich, dass 

Daza besass die Kirche in Rokytnik: Pawlowic, Ratidowic, Holowic und 

Rakäic. Die Breslauer Commende besass den Marict Krazborg mit 11 

Dörfern. (Tomek 501.) 
') Damals war Henricus de Mysa „magister hospitalis stelUferomm in Egnu^ 

(Urk. Schlecht Chronik von Eger. MS.) 
*) Urkunden in Schlechtes Chron. ▼. Eger. MS. 
») Urkunde Pelzel Karl IV. Urkb. I. 217. 



267 

der Orden der Ereuzherrefi frühzeitig zu einem Reichthume an 
Landbesitz gedieh, wie ihn kaum eine ältere Ordensfamilie Böh- 
mens aufzuweisen hatte. Neben der grossen Gunst der Landes- 
forsten und dem ehrenden Vertrauen der Städte verdankte er diess 
gewiss auch zum Theile so manchen seiner Ordensglieder, die er 
ans den edelsten Familien des Landes gewann. 

3. Den grossen Besitzungen entsprachen auch die Privile- 
gien des Ordens. Des Hechtes, Waffen zu tragen, haben wir 
bereits erwähnt Sie erhielten überdiess (wahrscheinlich um 1250) 
die Exemtion von fremder Gerichtsbarkeit und die eigene Rechts- 
pflege in den schwersten Fällen. Der Meister hatte die Befugniss, 
im Lande den König mit 6 und ausserhalb mit 8 Pferden auf 
Staatskosten zu begleiten. Überdiess sollte der Orden auf allen 
seinen Besitzungen das Jagd- und Propinationsrecht ausüben dür- 
fen. ^) König Pfemysl Ottokar II. befreite den Orden im J. 1269 
von allen Zöllen und Mauthen im ganzen Umfange des Reiches. ^) 
Im J. 1381 waren die Kreuzherren bereits so hoch im Ansehen 
gestiegen, dass ihr Grossmeister nach Aussage des Cardinais Pi- 
leus sogar die vierte Stelle nach der Majestät einnahm. ^) 



^) Diess zeigt nebst anderu Nachweisen eine Übersicht der ersten Ordens- 
grossmeister : Albrecht yon Sternberg (1287—1248), Conrad von 
Schwaben (—1260), Merbot von Ratibor (-1276), Otto aus Sachsen (-1282), 
Ekhart aus Mähren (--1293), Friedrich von Klattau (—1318), Rudiger von 
Trier (-1825), Ullrich aus Böhmen (—1350), Heinrich von Wratis- 
law (1351), Leo (-1362), Friedrich II. (-1379), Anselm (1380). Als Com- 
mendator finden wir Peter v. Camenec, als Ordensbruder C t i b o r 
Bitter v. Malikowic u. a. (Lib. erect. X. L. 10., XIII. O. 7., 
XIII. 0. 3.) 

*) Die betreffende Urkunde wurde 1350 von Karl IV. confirmirt. (Orig. im 
Krenzheirenarchiv. Abdruck in Pelsels Urkb. 140.) Das der Confirmation 
zu Grunde liegende und in ihr ciUrte Urdokument trägt freilich irrig die 
Jahrzahl 1235. Gegen diese Jahreszahl spricht schon die beigesetzte Angabe 
der Indiction (1235 ist nicht ind. 3, sondern 8) u. der königl. Regierungszeit 
(1285 ist nicht das 14., sondern das 8.) ; femer wären dann der Titel 
Stelliferi, — das Bestehen des Spitals an der Prag er Brücke, — 
und die völlige Selbstständigkeit des Ordens grosse Anachronismen. Wahr« 
scheinlich ist das Urdokument ein nach 1280 von Neuem zusammengestell- 
tes und von Wenzel II. bestätigtes Diploma restitutum. In allen Fällen aber 
erhielt es durch die Confirmation Karls IV. unbestreitbare Rechtskraft. 

») Schöbl 1. c. 

*) Ebendaselbst, 



268 



§. 163. Die BettekNen. 



1) Die Zahl der Ordensvereine war bis ans Ende des 12. Jahr- 
hunderts bereits so gross geworden, dass Innocenz m. auf der 
vierten Lateransynode sogar ein formliches Verbot weiterer Ordens- 
stiftungen erliess. ^) Dennoch entstanden gerade seitdem erst jene 
beiden Orden, welche alsbald alle andern an wirksamen Einflüsse auf 
das religiöse Leben des Volkes übertreffen sollten. Wir meinen die 
Dominicaner und Franciscaner. Was eben um diese Zeit eioe 
Menge abtrünniger Sectenstifter in unchristlicher Übertreibung als 
gemeinsame Pflicht eines jeden einzelnen Christen verkündete — 
die apostolische Armuth — das wollten jene beiden Orden als 
evangelischen Rath, aber als solchen in Folge eines feierlichen Ge- 
lübdes um so strenger üben. So wurden sie gleichsam die verkör- 
perte Lehre der Kirche im Gegensatze zu den Waldensern und 
den Gesinnungsgenossen derselben in allen Ländern Europas. 

2. Den ersten dieser neuen Orden stiftete der h. Dominicus, 
Canonicus an der Kathedrale von Osma in Castilien. Auf einer 
Reise durch das südliche Frankreich war er zu der Überzeugung 
gelangt, dass die dort in Angriff genommene Bekehrung der Wal- 
denser und Albigenser wohl niemals gelingen werde , so lange man 
mit weltlicher Pracht und Macht ihnen entgegentrete, — sondern 
dass dort weit eher das fromme Beispiel wahrer apostolischer 
Armuth neben dem reinen Gottesworte zu helfen vermöge. Er zö- 
gerte nicht, dieses Mittel in Gemeinschaft etlicher begeisterter Ge- 
nossen zu versuchen, — und so glänzend war der erste Erfolg, 
dass Papst Innocenz III. bereits am 22. December 1216 den frommen 
Predigerverein als förmlichen Orden bestätigte. Kein Ordensbruder 
und kein Convent, ja nicht einmal der gesammte Orden sollte ein 
beständiges unbewegliches Vermögen erwerben und besitzen, sondern 
lediglich mit Almosen sich begnügen. Predigen und Beichtehören 
sollte neben strenger klösterlicher Askese die vornehmste Pflicht 
des Ordensbruders sein. Hatten strenge Examinatoren zuvor seine 
Eignung zum h. Amte erprobt, dann sollte er dem Bischöfe sich 
zur Verfugung stellen und nach dessen Rath und Auftrag in der 
Diöcese wirken. Mehrere Brüder bilden einen klösterlichen Convent. 
den ein auf drei Jahre erwählter Prior leitet. Die Convente einer 

^) Can. 18. 



269 

f 

ganzen Provinz stehen unter der Leitung des Prior provin- 
Cialis, der gesammte Orden endlich steht unter der Obedienz des 
auf Lebenszeit von den Provinzialprioren (Provinzialen) und je zwei 
Brüdern aus jeder Provinz erwählten Ordensgenerals. Dem 
General und jedem Provinzial steht ein Rath von vier im „Kapitel^ 
gewählten Definitoren zur Seite. — Der erste Ordensgeneral war 
der h. Dominicus selbst Er starb am 2L August 1221. Ihm folgte 
Jordanus, der erste Deu4;sche des Ordens. Als er die Regie- 
rung der Brüder übernahm, zählte er bereits 60 Convente in acht Pro- 
vinzen, worunter sich schon eine Provincia Teutouiae befand. 
Die Zahl der Provinzen wuchs nochmals auf 46., Eine ganz beson- 
dere Bedeutung gewann der Orden des h. Dominicus oder Predi- 
gerorden, als er zunächst im J. 1230 einen beständigen Lehrstuhl 
auf der Universität zu Paris erhielt und seitdem auch die kirchliche 
Wissenschaft zu seiner Aufgabe machte. Alsbald wurde Thomas 
von Aquin (doctor angelicus) die höchste Leuchte der Christenheit. 
Anderseits erweiterten grossartige Privilegien auch den äusseren 
Einfluss der Söhne des h. Dominicus. Schon Papst Gregor IX. gab 
ihnen das Recht zu predigen und Beichte zu hören, ohne Bischof 
und Pfarrer begrüssen zu müssen. Seit dem Concile von Vienne 
finden wir sie auch allerwärts als Inquisitores haereticae pravitatis,. 
welches Amt sie in Frankreich schon seit Gregor IX. inne hatten. 
3. Gleichzeitig mit dem h. Dominicus versammelte in Italien der 
h. Franciscus von Assisi (geb. zu Assisi im J. 1182) um sich 
eine geistliche Familie apostolisch-armer Brüder. All seine Habe 
hatte er den Armen gegeben und dann seit 1208 durch Almosen 
and eigene Arbeit ein zerfiallenes Marienkirchlein als sein einziges 
kleines Erbtheil auf Erd^ (portiuncula) ^) sich auferbaut. In eine 

r 

rauhe Kutte mit Kapuze gekleidet und mit einem Strick umgürtet 
zog er dann Busse predigend von Ort zu Orte. Im J. 1210 zählte 
er bereits mehrere Genossen. Strenge in Fasten und Gebet sollten 
sie ihr Leben lediglich durch Almosen und eigene Arbeit fristen 



'} Regula S. Augustini et constitutiones P>. Fr. Ordinis praedicatorum. Eomae, 

1690, p. 179, 302. GompendioBa chronica magistroruin general. ord. praed. 

p. 4-14. 
') Diese Kirche führt noch heute den Namen Portiuncula. Der ihr verliehene 

und nachmals auf alle Franciscanerklöster ausgedehnte Ablass am Feste 

des heiligen Stifters heisst hievon Portiuncula-Ablass. 



270 

und — ähnlich den Brüdern- des h. Dominicus — nach Rath und 
Auftrag der Bischöfe als Prediger und Beichtväter wirken. Papst 
Innocenz UL bestätigte auch diesen Orden am 22. December 1216, 
nachdem er zuvor die bedeutungsvolle Vision gehabt hatte, dass 
die wankende Kirche des h. Petrus von Franciscus und Dominicus 
als zwei Felsensäulen gehalten werde. Die innere Verfassung des 
Ordens der Franciscaner (ordo fratrum minorum, auch ordo sera- 
phicus) war der der Dominicaner völlig gleich, nur mit dem Unter- 
schiede, dass hier der Prior den italienischen Namen Quardiano 
(Wächter, quardianus) führte. Im J. 1219 zählte der Orden schon 
5000 Brüder. Der heilige Stifter beendete am 4. October 1226 sein 
verdienstreiches selbst durch Wunder verherrlichtes Leben. — Sein 
Orden ging stets gleichen Schritt mit dem des h. Dominicus. Gleich 
diesem erlangte er in Kurzem einen Lehrstuhl der theologischen 
Wissenschaft an der Hochschule zu Paris. Alexander von Haies 
(doctor irrefragabilis) und derh. Bonaventura (doctor seraphicus) 
wurden alsbald als Sterne erster Grösse am Himmel kirchlicher 
Gelehrsamkeit angestaunt. In Kurzem erwarben auch die Söhne des 
h. Franz gleich denen des h. Dominikus vom Papste Honorius IE. 
(1223) das Recht, ohne besondere ErlaUbniss der Bischöfe und 
Seelsorger allerwärts zu predigen und Beichte zu hören. 

4. Nach dem Beispiele des h. Franciscus verliess auch dessen 
fromme Landsmännin, die edle Jungfrau Clara von Assisi, im J. 
1211 die Welt, um das Busskleid anzulegen und nach einer vom 
heiligen Ordensvater erhaltenen mündlichen Regel in Gemeinschaft 
mit anderen begeisterten Frauen auch dem weiblichen Geschlechte 
ein hehres Vorbild apostolischer Entsagung und Frömmigkeit zu 
geben. Ihr bleibender Aufenthalt wurde ein Kloster bei der Kirche 
S. Damian zu Assisi. Im J. 1220 bestätigte Papst Honorius IE. 
den neuen Orden, der dann im J. 1224 vom h. Franz die schrift- 
liche Regel erhielt. An der Spitze eines derartigen Frauenklosters 
sollte — abweichend von der Einrichtung in den Männerklöstem — 
eine auf Lebensdauer erwählte Aebtissin stehen. Aus Rücksicht 
auf die Unzukömmlichkeit des Almosensammeln|S für Jungfrauen 
sollte der Erwerb eines massigen Klostereigenthums gestattet sein. 
Dagegen sollte die Selbstabtödtung und das Gebet desto eifriger 



^) Nucleus Minoriticus p. 58. 



271 

betrieben werden. — Auch dieser Frauenorden breitete sich ra^ch 
in der weiten Welt aus und namentlich in unserem Vaterlande 
Böhmen werden wir in der frommen Königstochter Agnes die 
eifrigste Beförderin desselben kennen lernen. Anfangs hiess erder 
Orden der armen Frauen, bald der Orden vom h. Damian, endlich 
nach dem Tode (11. August 1253) und der Heiligsprechung der 
seligen Clara (1255) der Orden der Clarissinnen. — Analog diesem 
Orden bildete sich auch in dem so eng verwandten Dominicaner- 
orden ein weiblicher Ordenszweig aus, der durch Armuth, Selbst- 
überwindung und Gebet das Seine zur Bekehrung der sündigen 
Welt beitragen wollte. 

5. Der Zudrang in den Orden der mindern Brflder und der 
armen Frauen war in Italien schon im J. 1221 so gross, dass man 
fiast furchten musste, es werde dem ehelichen Stande der empfind- 
lichste Eintrag geschehen. In Folge dessen fand sich der h. Franz 
bewogen, auch noch für eine dritte Regel Sorge zu tragen, nach 
welcher das weltliche und klösterliche Leben verbunden werden 
könnte. So entstand die sogenannte Regel des dritten Ordens des 
h. Franciscus oder der Tertiarier. Der Aufzuirehmende hat gleich 
dem wirklichen Ordensbruder ein Noviziat zu bestehen, gelobt Ent- 
haltsamkeit von Gelagen, Schauspielen und Tänzen, verbindet sich 
zu öfterem Fasten, zum Beten der sogenannten Tagzeiten und zu 
öfterem Empfange der heiligen Sacramente. — Zumeist blieben diese 
Tertiarier und Tertiarierinn^ unter der Leitung von Franciscaner- 
priestaro wirklich in der Welt, — und dann mehrte sich durch sie 
der geistliche Einfluss des Franciscanerordens in bewunderungs- 
würdiger Weise ; oder sie übten ihre R^el in eigenen Klöstern und 
gestalteten sich dadurch zu sogenannten Congregationen der dritten 
RegeL — Sowie die zweite Regel des h. Franz, ebenso fand auch 
diese dritte ihre analoge Nachahmung im verwandten Orden des 
heiligen Dominicus. 

6. Der Orden des h. Franz, der alsbald alle bisherigen Orden 
in der Zahl der Convente und Ordensbrüder überflügelte, — ging 
im Laufe der Zeit in mehrere besondere Ordenszweige aus, welche 
allmählig die Sanction als selbstständige kirchliche Orden erlangten. 
Die Veranlassung hiezu wurde die schon unter dem ersten Nach- 
folger des heiligen Ordensvaters auftauchende Frage, ob die ursprüng- 
liche Regel auch unter veränderten Zeit- und Ortsverhältnissen in 



272 

allen ihren Theilen aufs Strengste beobacht<et werden müsse, oder 
ob hin und wieder eine mildere Auslegung zulässig sei. Namentlich 
frug es sich, ob die gesammte Gommunität als solche, oder nur der 
einzelne Ordensbruder völlig besitzlos zu bleiben habe. Während 
der verwandte Orden der Dominicaner alsbald einstimmig * zur mü- 
deren Anwendung der Regel sich bekannte, entstanden dagegen 
im Orden des h. Franciscus die contrastirenden Parteien der Ob- 
servantes (der Strengen) ') und der Conventuales (der 
Milderen), die erst im J. 1368, also am Ende unseres Zeitraums, 
als gleichberechtigte Ordenszweige sich förmlich trennten, jedoch 
so, dass vorläufig die Observantes bis 1517 nur einen eigenen 
Vicarius generalis hatten, dann aber, als zwei Dritttheile aller Ordens- 
brüder als ihrem Zweige angehörig gezählt wurden, den Minister 
generalis totius ordinis S. Francisci aus ihrer Mitte wählten. Weiter- 
hin bildete sich aus den Observantes noch der besondere Zweig der 
Reformati und schlüsslich der Orden der Capuziner heraus. 
Diese Zweige gehören aber bereits in eine spätere Periode. Vor- 
läufig sind für uns nur die faktisch bestehenden, aber noch nicht 
völlig getrennten Observanten (Franciscaner im engern Sinne) und 
Conventualen (Minoriten im engern Sinne) von Belang. 

• 

§. 164. Die Doninicaner in BOhmen. 

1. Nach Böhmen kamen die geistlichen Söhne des heiligen 
Dominicus erweislich zuerst im J. 1226. ^) Der heilige Ordens- 
vater hatte bei seinem Aufenthalte in Rom zwei edle schlesische 
Brüder in seine geistliche Familie aufgenommen, welche nun die 
ersten Golonien der neuen Stiftung in unsere Länder einführten. Es 
war der heilige Hyacinth, der neue Apostel Polens, und 
der selige G e s 1 a u s , der seine Prälatur \n dem Domkapitel zu 
Sandomir mit dem einfachen Ordensgewande und der apostolischen 
Armuth vertauscht hatte. ^) Letzterer kam — wie es heisst — im 
J. 1226 mit etlichen Brüdern nach Prag, wo ihm zunächst das 

') Der Überstreugeu, die als Spiritualen und FraticeUen dem Schisma vef* 

fielen, wurde bereits gedacht. 
•) Neplacho (Dobn.) HO. Chron. anonymi (Dobner III.) 50. 
**) Ihre Biographien ex breviario Rom. ad 16. Aug. u. Bzcvius ?ita S. Hya- 

cinthi, — ' Balb. Bohemia sancta p. 69 u. s. f. 



273 

Eirchlein St Clemeas am Poric mit einem kleinen Wohnhause 
eingeräumt wurde. ') Wer den Brüdern diess verliehen habe, ist 
nicht näher bekannt. Da aber die neuen Ankömmlinge durch 
ihre Regel vor Allem an die Verfügung des Bischofs angewiesen 
waren, so fallt schon die nächste Vermuthung auf den damali- 
gen neuerwähnten Bischof Peregrin, und diese Vermuthung wird 
fast zur Gewissheit, wenn wir erfahren, dass eben dieser Peregrin, 
auch als seine Erwählung zum Bischöfe in Rom verworfen wurde, 
eben noch der grösste Wohlthäter der neuen Ordensfamilie 
bheb. ') Im Jahre 1232 übersiedelte der Convent nach St. G 1 e- 
mens an der Prager Brücke, wo Peregrin ihr steter 
Hausgenosse wurde. Er baute schliesslich daselbst die Kapelle 
Mariae Himmelfahrt und einen Altar des h. Bartholomaeus, die 
er beide reichlich dotirte. Auch erweiterte er aus seinen Mitteln 
das Kloster derart, dass es hinfort 120 Mönche fassen konnte. 
Dort fand endlich der edle Stifter auch seine letzte Ruhestätte am 
Fusse des von ihm erbauten Altars. ') — Das Prager Ordenshaus 
wurde insbesondere vom J. 1311 an dadurch wichtig, dass es die 
päpstlichen Inquisitionsrichter — Priester des Dominicanerordens 
— und das Inquisitionstribunal in seinen Mauern beherbergte, '*) 
bis endlich um 1342 ein eigenes Inquisitionshaus bei St. Johann 
erbaut wurde. Im J. 1334 betheiligten sich die Mönche von 
St. Clemens an dem bereits erzählten Auflaufe gegen den Prager 
Curatclerus. *) — Im J. 1341 wurden die Hallen des Klosters durch 
eine schreckliche Blutthat entweiht. Der schlesische Inquisitor 
Johannes Schwenkfeld von Schweidnitz war aus Breslau als Anhän- 
ger des eben verstorbenen höchst missliebigen Bischofs vertrieben 
worden. Nun war er eben nach Prag ^gekommen, um an dem 
Hofe des Königs Johann sein Recht zu suchen. Da drangen zwei 
Meuchelmörder in das Kloster St. Clemens und lockten unter dem 



') Cent Gosm. 

») Vgl. §. 102. 

*) Series episc. Prag. b. Dobn. mon. Crugerius ad 8. Jan. 

*) Vgl. f. 117. AIb Inquisitor in dieser Zeit wird Frater Conradus genannt. 
Seine angebliche Ermordung im J. 1341 (Baib. Boh. sancta p. 77) ist bis 
auf die kleinsten Umstände eine Verwechselung mit dem traurigen Schick- 
aale des Johann Schwenkfeld. 

*) Vgl. §. 118. 

18 



274 

Vorwande, beichten zu wollen, den Inquisitor aus seiner Zelle. Er 
fiel tödtlich von drei Dolchstichen getroffen. Seine Ordensbrüder 
verehrten ihn als beatus martyr. ') — Unterm 11. November 1366 
erlangte 'Karl IV. vom Papste Urban Y. eine Bulle, durch welche 
der Provinzial der Dominicaner (zugleich mit denen der Minori- 
ten, Augustiner und Carmeliten) verpflichtet wurden, in ihren Pra- 
ger Ordenshäusem Doctoren der Theologie anzustellen, die daselbst 
Öffentliche Vorlesungen zu halten hätten. Bei St. Clemens unterzog 
man sich diesem Auftrage mit dem grOssten Eifer, indem hier sogar 
stets mehrere Lectoren ihre Vorträge hielten. Es entstand sogar 
auf diese Weise eine eigene Schule, die namentlich von vielen 
Ordensgliedern des In- und Auslandes besucht wurde. Im J. 1383 
wurde diese Schule durch einen eigenen Vertrag mit der Umversi- 
tat vereinigt, welche letztere bei dieser Gelegenheit einen beson- 
dem „Schlüssel zur St, Vincenzkapelle des Clemensklosters er- 
hielt. ') — Anfangs gehörte St. Clemens mit allen Klöstern im 
Lande zur polnischen Provinz des h, Hyacinth ; ') am Schlüsse un- 
serer Periode gab es aber bereits eigene Provinziale für Böhmen 
und Mähren. *) Zu dieser Zeit finden wir das Kloster St. Clemens 
auch bereits im Besitze gestifteter Jahreszinsungen, ') womit der 
Übergang zur milderen Auslegung der Ordensregel und die fakti- 
sche Ausscheidung aus dem Mendicantenthum geschehen war. 

2. In Leitmeritz entstand im J. 1236 das Kloster St Mi- 
chael. Die uralte Tradition nennt dasselbe eine Stiftung des im 
J. 1236 erwählten Prager Bischofs Bernhard (Burghard) aus der 
edlen Familie der Kaplii^ von Sulewic. *) Der Umstand, dass es 
zunächst im Interesse der Bischöfe lag, Kolonien des neuen Or- 
dens in den grösseren Städten der Diöcese unterzubringen, lässt 
allerdings vor Allen an jenen Bischof Bernhard denken. Dazu 
kommt nun auch noch die Nähe des adeligen Stanunsitzes Sulewic 



') Baibin will die päpstlichen Ballen gelesen haben, welche die Vereliran^ 
Schwenkfelds gestatteten. (Mise. 342, 343.) Vgl. Grünhagen König Johaiui 
und Bischof Nauker, Sitsgsb. der k. k. Ak. 1664. 

*) Tomek Gesch. der Prager Univ. p. 24. 

*) Vgl. BuUe Greg. IX. Erben reg. 438. 

*) Lib. erect. X. K. 7. 

') Lib. erect XII. A. 8. 

*) Er wurde geweiht am 10. Sept. 1236, starb am 22. Sept. 1239. 



275 

und die Thatsache, dass im Presbyterium und im Chore der im 
J. 1838 abgetragenen Klosterkirche eine Menge alter Grabsteipe 
der Eaplii^ von Sulewic sich vorfanden. ') — Im J. 1321 kam das 
Kloster in Conflict mit dem Bisthumsverweser Ulhich von Pab^nic. 
Dieser hatte nämlich über die Stadt Leitmeritz wegen Vorenthal- 
tung der bischöflichen Zinse und wegen feindseliger Verletzung der 
Besitzungen der Pröpste von Prag und Wysehrad das Interdict aus- 
gesprochen. Die Dominicaner aber (und mit ihnen die Minoriten) 
glaubten sich durch ihre Privilegien berechtigt, das Interdict in 
eigeuthümlicher Weise und zu ihrem Vortbeile zu umgehen. Sie 
Hessen nämlich, so oft ein Begräbniss einfiel, die Leiche sammt 
ihren Begleitern in ihre Kirche ein, celebrirten dann die h. Messe 
auf gewöhnliche Weise bis zum Offertorium, entfernten sodann das 
Volk und feierten bei geschlossenen Thüren die Messe und die 
kirchliche Beisetzung unbeirrt bis zu Ende. Diess Vorgehen wurde 
ihnen unter Androhung der Excommunication strengstens untersagt. ^) 
— Auch dieses Kloster finden wir zu Ende des U. Jahrhunderts 
bereits im Besitze von bleibenden Jahreszinsungen, die eben nur 
den Übergang zum Erwerbe liegender Gründe machten. Weiterhin 
war es namentlich die Familie der Kaplif von Sulewic, die zur 
Erweiterung des Klosterbesitzes Erhebliches beitrug. ') 

3. In Tu mau erhob sich ebenfalls um das Jahr 1250 ein 
Dominicanerkloster zu Ehren der Himmelfahrt Mariens. Als erster 
Stifter wird BeneS von Wartenberg, damals Burggraf zu Glaz, ge- 
nannt. *) Seine Familie, die fortan die Klosterkirche zur Erbbe- 



*) Dermalen sind die Klostergebäude zum k. k. Kreisamte eingerichtet. I>er 
Dominicanerconveut wurde in das aufgehobene Minoritenkloster S. Jakob 
übersiedelt. 

*) Formelbuch des Stiftes Wilbering N. 9, p. 82. 

') Rudiger von Polensko auf Wrsowic (nach Baibin ein Kaplif) schenkt 1409 
seinem Verwandten, dem Leitmeritzer Conventualen Rixa eine Zinsung von 
2 Schock, die weiterhin an den Convent fallen soll. (Lib. erect. VIII. F. 
2.) Im J. U19 schenkt Johann Kaplif von Sulewic dem Convente eine 
Zinsung von 1 Schock. (Erect. X. L. 9.) Als älteste Schenkung werden 
6 Schock Zinsen von Johann Kabat von Babic im J. 1897 erwähnt. (Erect. 
Xn. K. 1, 2.) 

*) Paprocky de statu domin. p. 255. Öervenka Splendor et gloria domus 
Waldsteinianae. Diesem Bene§ oder vielleicht einem gleichnamigen Sohne 
verdankte Jicin im J. 1802 die Stadtrechte. 

18* 



276 

gräbnissstätte wählte ^^d überdiess der verwandte Zweig der 
Waldsteine blieben auch fernerhin die grössten Wohlthäter des 
Ordeushauses. Im J. 1353 schenkte Hinko von Waldstein auf 
6ross-Skal mit seiner Gattin Anna von Wartenberg den geistlichen 
Vätern zu Turnau für alle Zeiten 9 Schock Zinsungen von seinem 
Gute Wolanic. ') Im J. 1363 erhielt er dafür in der Klosterkirche 
seine letzte Buhestätte. ^) Ebenfalls im J. 1353 bestätigte Jarosla?^ 
von Waldstein auf Turnau dem Kloster den Besitz der schon von 
seinem Vater geschenkten Mühlen. ^) Anderweitige reiche Schen- 
kungen vermehrten allmählig den Besitz der geistlichen Brüder. ^ 
Die Husiten zerstörten leider allzubald die emporblühenden Ordens- 
colonie. 

4. Zu Laun errichtete König Wenzel I. vor seinem Ableben 
im J. 1253 einen Dominicanerconvent, von dem ebenfalls seit den 
Zeiten der Husiten keine Spur mehr übrig ist. ^) Muthmasslich ist 
die jetzige Kapelle Mariae Heimsuchung in der sogenannten klei- 
nern Vorstadt auf dem Grunde des alten Klosters erbaut Für den 
factischen Bestand des letztern bürgen urkundliche Schenkungen 
aus den Jahren 1397 und 1409. In ersterm Jahre schenkten Hein- 
rich von Chodzow und sein Sohn Zawi§ 4 Schock, in letzterem 
hingegen Rudger von Polensko 1 Schock und Drahna von BraSti- 
kow sogar 150 Schock vom Dorfe Ki§ic, an den Dominicanercon- 
vent zu Laun. ^) 

5. Zu N i m b u r g (uova civitas) an der Elbe führte König 
Pfemysl Ottokar H. im J. 1257 die Brüder des h. Dominicus 
ein. Hier erfahren wir sogar den nähern Vorgang einer derartigen 



^) 1858 wurde dort begraben Katharina von Wartenberg, Wittve des Peter 
von Rosenberg; Hinko von Waldstein auf Grossskal (Rohn antiq. circ. 
Bol.) 

•) Paprocky I. c. 228. 

^) Rohn antiq. circ. Bol. 

*) Paprocky 227. 

^ Im J. 1894 schenkte Ha§ko von Cidlina 2 Schock Zinsungen in seinem 
Dorfe Cidlina. (Lib. erect. 1\X1, L. 1.) 1396 stifteten die Turnauer Tuch- 
macher eine tägliche Marienmesse mit iVi Schock Zins vom Dorfe Zahor. 
(Erect. Xn. H. 14.) Im J. 1396 schenkte Katharina von Kostialow 4 Schock 
Zinsungen. (Erect. XII. H. 20.) Im J. 1410 schenkte der Jiciner Bürger 
Nicolaus Bily einen Zins von 38 Groschen. (Erect. VIII. L. 7.) 

") Dobner animadv. in Hajek. II. 502. 

^ Lib. Erect. XII. J. 11. VIII. F. 2. G. 4. 



2n 

Elosteranlage. Der König übergab nämlich den geistlichen Brüdern 
einen Bauplatz für Kirche und Kloster und dazu zum Nutzgebrau- 
che die dortige Elbinsel Als Schutzherren dieser Verleihung werden 
Smil von Lichtenburg, dessen Bruder Mutina, dann Budiko von 
PodSbrad und der Nimburger Stadtvogt bestellt. ') Die neue Kir- 
che erhielt den Titel St. Maria vom Rosenkranze. Eine weitere 
Schenkung wird erst im J. 1408 erwähnt. ') Im J. 1421 ging es 
bereits zu Grunde, um erst 1663 wieder aus den Trümmern zu 
erstehen. 

§. 165. Fortsetiiing. 

1. Bald nach 1250 erstand auch das Dominicanerkloster in 6 a- 
bel (Jablona) zu Ehren des heiligen Martyrs Laurenz. Als erster 
Begründer wird Jaroslaw von Berka, Burggraf zu Prag, genannt, 
der um 1267 das Zeitliche segnete. Vollendet aber ward das heilige 
Werk durch die selige Zdislawa von Berka, wahrscheinlich 
eine Tochter des genannten Jaroslaw, die an Zdenko von Warten* 
berg auf Laemberg (als Besitzer Gabeis Jablonowsky genannt), ver- 
mählt war. ^ Im Ehestande führte sie ein mehr himmlisches als 
weltliches Leben. Anfangs ihrem Gatten wegen ihres steten Gebetes 
und strenger Askese zuwider, bekehrte sie auch diesen zur Gottse- 
ligkeit, als er einst einen von ihr aufgenommenen Kranken auf 
ihr Gebet wunderbar genesen sah. Von nun an arbeiteten beide 
Gatten nüt vereinten Kräften an der Vollendung des Kloster- und 
Eirchenbau's. Bald nahm der Orden des h. Dominions durch den 
seligen Ceslaus (nach Einigen durch den heil. Hyacinth selbst) Be- 
sitz von dem neuen Ordenshause. *) Als dann Zdenko von Warten- 
berg das Zeitliche segnete, weihte Zdislawa ihr ferneres Leben aus- 



') Urkunde dd. IX. Idos Aug. 1267 in Höfler's Monumente des Eönigthums. MS. 
*) 1408 schenkte B^tka von SenkovaweB 2 Schock Zins vom Dorfe Stakor — 

pro anima Jeäkonis et Mariae parentum, Ulrici et Nicolai Fratrum, Offcae 

et Dorotheae soromm. (Lib. erect. VIII. C. 7.) 
') Schatz- und gnadenvoUes Heiligthum der böhm. Oränzstadt Jahbel, Cöln 

1725 — auf Grund des ehem. Elosterarchivs. Andere nennen den Qatten 

Gallus. Urkundlich kommt aUerdings 1250 ein GaUus de Laemberg vor. 

(Mat zur Statist. XI. 111.) 
*) Ceslaus wurde desshalb auch als erster Prior i^ez&hlt. 



278 

schliesslich dem Dienste Gottes. Sie nahm aus der Hand des Priors 
Ceslaus das Eleid des 'dritten Ordens und überbot sich fast selbst 
in Werken der Frömmigkeit und Selbstverleugnung. Noch heute 
zeigt man im Schlosse zu Laemberg die ebenerdige Kammer, wo sie 
fortan ihr Leben zubrachte, ') und am Fusse eines nahen Berges 
quillt noch heute der kristallhelle Zdislawabrunnen, der ihr den 
Durst zu stillen pflegte. Im Übrigen betheiligte sie sich auch per- 
sönlich an der Vollendung des Eirchenbaues in Gabel, indem sie 
zu Nachtzeit allerhand Baumaterialien auf ihren Schultern herbei- 
trug. Sie starb endlich — eine Heilige im Leben — den Tod einer 
Heiligen und fand ihre Grabesruhe in dem von ihr selbst erbauten 
Grabgewölbe der Klosterkirche S. Lorenz. Das Volk verehrt sie 
noch bis heute als eine Selige, und erzählt manches Heilwunder, 
das durch ihre Fürbitte geschehen ist. Insbesondere schrieb man 
einst die Heilkraft des Zdislawabrunnens dem Schutze der Seligen 
zu und stellte in einer Felsennische daselbst ihr Bildniss zur Ver- 
ehrung auf. ') — Das neue Kloster blühte unter dem Schutze der 
nachfolgenden Wartenberger immer mehr empor. Als anderweitige 
Wohlthäter werden genannt: im J. 1402 Janko von 2eleznic auf 
Laemberg, der dem Kloster einen Wald zum ^Nutzgebrauche über* 
gab, ') im J. 1410 HanuS Blekla auf Walten, der einen Census von 
2 Schock stiftete, ^) und im J. 1411 Jarko von Pecka nebst seiner 
ganzen Familie, welcher für die Erhaltung der Elostergebäude und 
zur Bekleidung der Ordensbrüder einen Census von 20 Schock auf 
seinen Dorfschaften Beneäow und Bistry anwies, *) und endlich im 
J. 1415 Heinrich Berka auf Hauska, der eine Jahreszinsung von 13 
Schock fundirte. ^ 



^) Von einem Fraaenkloster, in velchem sie nach Baibin gewohnt habe, 
findet sich keine geschichtliche Spur. 

^) Schutz- und gnadenvolles Heiligthnm &c. cit. die ehemaligen Gabler Klo- 
sterakten, das Diarium Dominicannm Dominici Mariae Marchesii, das aus 
dem römischen Ordensarchive geschöpft hat, — Steil ephemerides Dominic 
Chanowsky auctuarinm, — Pontani Bohemia pia u. a. m. Die Heiligspre* 
chung wurde schon wiederholt in Anregung gebracht. Im J. 1702 wurde 
mit erzbischöflichem Consens der Leichnam erhoben und feierlich in einen 
IMiqaienachreine in die sogenannte Zdislawagraft übertragen. 

«») Lib. erect XID. L. 9. 

«) Lib. erect. VUL M. 2. 

*) Lib. erect. VUL N. 5. Nach Baibin war dieas ein Wartenbeiger. 

*) Lib. erect. X. £. $. 



279 

2. Ausser den bisher genannten Männerklöstem des Prediger- 
ordens lassen sich noch folgende mit urkundlicher Gewissbeit nach- 
weisen: 

a) Das um 1253 bis 1270 von Pfemysl Ottokar II. gestiftete 
Kloster in B u d w e i s, welches im J. 1405 zwei Höfe in PoMi und 
Eukulewic von Aleö von Pofii ankaufte — für den Preis von 200 
Schock Groschen und die Verpflichtung einer ewigen täglichen Früh- 
messe und die Zahlung jährlicher 12 Schock Groschen an den Ver- 
käufer auf Lebenszeit. 

h) Das Kloster S. Laurenz in Klattau. Die Kirche 
S. Laurenz soll schon im J. 1158 von dem hiesigen Grundherrn 
Theobald und seiner frommen Schwester, der seligen A m a b i- 
lia, erbaut worden sein. Auch soll dabei ursprünglich ein Haus der 
Benedictiner bestanden haben, in welches nur adelige Brüder auf- 
genommen wurden. ') Thatsächlich finden wir die Laurenzkirche 
nachmals im Besitze des Predigerordens, der hier allerdings auch 
edelgebome Mitglieder aufzuweisen hatte. Wir nennen den Prior 
Leopold Stoklasa aus der Familie der Swihowsky, der im J. 1391 
eine Schenkung von 2 Schock und 40 Groschen urkundlich entge- 
gennahm. 

c) Das schon um 1220 von der Bürgerschaft und. einigen be- 
nachbarten Edlen (namentlich des Theobald Boräo von Biesenburg) 
angeblich auf persönliche Anregung des h. Hyacinth errichtete S. 
Margareth und h. Geist-Kloster in Pilsen.^) Dieses 
soll anfanglich für Klosterfrauen gegründet worden, aber sehr bald 
an die Predigerbrüder übergegangen sein. Letztere erwarben noch 
in den Jahren 1393 und 1 399 ansehnliche Jahreszinsungen. ^) Im J. 
1409 besassen sie auch bereits Güter in Podniwin, deren Beschützung 
damals dem Ritter Ulrich von Neswiestic und seinem Sohne Johann 
übergeben wurde. •) 



*) Lib. erect. Xm. Q. 7. 

*) Als erster Vorsteher wird BadimU genannt, der eine Chronik von Elattau 
verfasste, die Baibin in der Prager Kapitelbibliothek vorüand. Grade der 
letztere Umstand scheint einen Anachronismus anzudeuten. Radimil mag 
wohl um 1258 gelebt haben und der erste Dominikanerprior gewesen sein« 

^ Tanneri bist. urb. Pilsnae, ed. Graumann. 

') Ldb. erect. XII. £. 12. L. 4. 

*) üb. erect IX. G. 5, 



280 

d) Das um 1250 gestiftete Marienkloster in der Vorstadt yon 
Königgräz. ') Dieses erwarb noch in den Jahren 1386 und 1415 
einige Jahreszinsungen. *) Der dortige Prior Johann Specht ver- 
kaufte daselbst im J. 1413 eine ihm erblich zugefallene Eibinsel an 
den Pfarrer und die Kirche zu Hefmanic. ') 

e) Überdiess verbürgt uns auch noch der gleichzeitige Chro- 
nist Laurenz von Bf ezina den ehemaligen Bestand von Dominicaner- 
klöstem in P i s e k und Aussig, die beide von den Husiten zer- 
stört worden seien. ^) Das Kloster in Pisek soll um 1280 durch die 
Herren Audrasky von Kestfan gestiftet worden sein. *) Das zu 
Aussig soll in der Vorstadt gestanden haben. *) 

/) Nebst den bisher genannten sichergestellten Conventen weiss 
uns die locale Überlieferung auch noch anderweitige in der Husiten- 
zeit zerstörte Dominicanerklöster anzugeben, die aber insgesammt 
in den älteren Urkunden und Chroniken vergeblich gebucht werden. 
Hieher gehören die angeblichen Klöster in Kolin, ^) Chrudim,') 
J a r m i r ^) und A u § t i in der Nähe der heutigen Stadt Tabor. 

» 

§. 166. Die weiblichen OrdenshUiser des k. Doninicis. 

1. Wenn die Überlieferung verlässig ist, dass das S. Marga- 
reth- und Heiligengeistkloster in Pilsen schon im J. 1220 für Do- 
minicanerschwestern erbaut wurde, so hätten wir dort das älteste 
Kloster der Dominicanerinnen in Böhmen zu suchen. Doch hatten 
sie hier nicht gar lange Bestand; denn sie mussten — wie schon 



') Es lag an der Stelle der jetzigen Festtmgsbastei N. 7 und eines Theils des 
neuen £lbeflu8Bbetts. 

») Lib. erect. X. E. 6. XIII. C. 6. 

•"»l Lib. erect. X. K. 7. 

*) Chron. Laur. de Br. 1414—1422 in Höfler's GeBchichtssch. der husit. Be- 
wegung. S. 842 und 895. 

^) Scballer, Sommer, topog. 

*) Cbronik des Aussiger Dominicanerklosters, MS. 

^) Nacb Theobaldus, Hajck und Andern wurden 1421 sechs Priester dieses 
an der Stelle des jetzigen Schlosses gelegenen Klosters von den Hositen 
verbrannt. 

*) Vgl. Balb. Bob. sancta 189, Weleslawin, Bfezina. 

") Das Kloster lag im nahen Dorfe Zwole. (Vgl. Balb. Boh. sancta, cit das 
MS. des dortigen Laienbruders Johannes.) 



281 

• 

erwähnt wurde — ihr Kloster den Dominicanerbrüdern einräumen, ') 
und konnten erst im siebzehnten Jahrhunderte ein neues Asyl in 
dieser Stadt gewinnen. 

2. Im J. 1293 erwarb der Propst Johann von Wygehrad, der 
uns schon bekannte natürliche Bruder Königs Wenzel n., vom Klo- 
ster Chot6schau einen am Aujezd zu Prag gelegenen Hof ^) 
und führte daselbst eine Golonie von Dominicanerinnen ein. So ent- 
stand das Kloster S. Anna, dessen erster Propst — wohl nur aus- 
nahmsweise — der uns ebenfalls schon bekannte Leitmeritzer Dom- 
herr Elias wurde. Dieses neue Kloster erwarb schon im J. 1298 
eigene Besitzungen. Catharina, die frompie Wittwe eines gewissen 
JaroS von Fuchsberg, schenkte n&mlich damals dem Convente das 
Kirchenpatronat bei S. Leonhard in der Altstadt und um dieselbe 
Zeit übergab ihm auch der Prager Bürger Bolek das Dorf Hra- 
d e c. ') Die geistlichen Frauen waren im J. 1313 schon derart be- 
mittelt, dass sie den Johannitern das ehemalige Templer-Ordenshaus 
bei S. Laurenz sammt dem dazu gehörigen Hofe um den Preis von 
130 Schock Groschen abkaufen und dem zu Folge in .ien Mittelpunkt 
der Stadt übersiedeln konnten. ^) Ihr bisheriges Kloster am Aujezd 
kam wieder an die wyäehrader Propstei zurück, bis Königin Elisa- 
beth daselbst im J. 1330 eine neue Colonie von Dominikanerinnen 
(aus Olmütz) einführte und diesen auch die S. Michaelskirche un- 
term WySehrad als Patronatskirche übergab. ^) Fortan hiess das 
neue grössere Kloster S. Anna, — - das ältere und kleinere hinge- 
gen S. Johann und Anna.*) Das S. Anna-Kloster gedieh zu 
immer grösserem Glänze. Schon im J. 1320 schenkte demselben 
Conrad von Hrob eine Mühle an der P§owka bei Melnik, und der 
Arzt Johann Stephani legirte ihm sein Haus bei S. Egid und eine 
eigene Fleischbank. Im J. 1324 gab ULrich von 6i(an den Kloster- 
frauen einen Hof und das Dorf Kfeslice. Im J. 1325 überliess ihnen 
der Prager Domherr Heinrich sein an^s Kloster angränzendes Haus, 



') Vgl. d. Torigen §. 

') Das Hintergebäude des jetzigen k. k. ZenghanBes. 

') Tomek 515, 516. Hradec, wahrscheinlich bei Münchengräz. 

*) Zimmermann diplom. Gesch. dor aufgebob. Klöster, S. 143, Urkonden 

XIX. XX. 
*) Ghron. Auloreg. 441. 
«) Tomek 604. 



282 

ebenso ein anderes im J. 1329 die Frau Bertha von Hauska, so 
dass nun das Ordenshaus bedeutend an Ausdehnung gewann. König 
Johann schenkte dem Convente einen Hof in Koäir nebst 10 Mark 
Goldes. Im J. 1355 schenkte die Hofdame Budova von Drion (?) dem 
Kloster das Dorf Lidic. Im J. 1381 kauften die Nonnen das Dorf 
Babicky und 1389 die Dörfer Aiqezdec und Cacbrow. Überdiess 
besassen sie um diese Zeit auch noch Besitzungen und Zinsungen 
in Poiemic, Zw^owic, Zbenice, Zdöbrady, Lyme und Satalice nebst 
sehr bedeutenden Jahresstiftungen von Prager Bürgern. ') Dagegen 
wollte das kleinere S. Johann und Annakloster am Aiyezd gar 
nicht gedeihen. Die Nonnen wurden noch im selben Jahre (1330) 
in das grössere S. Annakloster übersetzt und das Elostergebäude 
dem Abte von Königssaal zu dem Zwecke übergeben, um eine Co- 
lonie von Cistercienserinnen daselbst einzuführen. *) Doch dazu kam 
es wieder nicht; denn Elisabeth starb noch im selben Jahre und 
Königssaal verlor darauf jene Prager Erbschaft. König Johann scheint 
selbe zugleich mit der Herrschaft Landsberg an sich gezogen zu 
haben. ^ Letztere gelangte wohl wieder an das Stift zurück. Das 
alte Annakloster aber erscheint nachmals als Wohnung der weissen 
Magdalenitinnen. Die Annahme, hier sei nun — unter bürgerlichen 
Eigenthümem — das famose ^Venedig^ als Zufluchtsort der Un- 
zucht entstanden, und erst von Karl IV. im J. 1372 auf Ansuchen 
des bekannten Militius wieder in ein Kloster der Büsserinnen ver- 
wandelt worden, ^) ist einfach durch den Umstand widerlegt, dass 
jenes Venedig „in civitate Pragensi^' — und zwar in der jetzigen 
Bartholomäusgasse in der Altstadt, das Annakloster abel* damals 
noch ausserhalb der Stadt gelegen war. ') 

3. Auch Königgräz erhielt frühzeitig eine Niederlassung 
der Dominicanerinnen, vermuthlich durch die dort residirende Kö- 
nigin- Wittwe Elisabeth (Wittwe Wenzels H.). Es war dem h. Georg 
geweiht und stand in der Vorstadt am jenseitigen Elbeufer. *) Dass 



^) Zimmermann 144 u. ff. 

') Chron. Auloreg. 441. 

^) Vgl. ebend. 460. 

*) Schottky, die karolingiBche Zeit, 8. 258. 

') Vgl. Benes de Weitmühl p. 418. Wir kommen übrigens auf dieses Venedig 

noch ausführlicher zu sprechen. 
*) Bienenberg, Gesch. der Stadt Königgräz, S. 77. 



283 

auch hier Jungfrauen aus den edelsten Familien des Landes ihr 
Leben Gott weihten, zeigt die Thatsache, dass die hiesige Nonne 
Agnes — Tochter des Johann KruSina von Lichtenburg — im J. 
1406 eine Jahreszinsung von 6 Sphock Groschen erhielt, die nach 
ihrem Ableben dem Kloster verbleiben sollte. ') Es ist diess zu- 
gleich ein Fingerzeig, woher so manche Besitzung der böhmischen 
Ordenshäuser überhaupt stammen mochte. 

4. Anderweitige Niederlassungen der regulirten Schwestern 
des heiligen Dominicus vor den Zeiten der husitischen Bewegung 
sind urkundlich nicht genannt. Jedoch erwähnt die lokale Sage solche 
Klöster noch in E 1 a 1 1 a u und Gabel. Ersteres soll die selige 
A m a b i 1 i a nach dem Beispiele ihres Bruders Theobald für edle 
Frauen errichtet haben; die Erbauung des letztern aber wird der 
seligen Z d i s 1 a w a zugeschrieben. ') Doch jenes ist wie dieses 
gleich unwahrscheinlich. Beide angebliche Stifterinnen fanden in den 
betreffenden Kirchen der Dominicanerbrüder ihr Grab, was gewiss 
nicht geschehen wäre, wenn es an jenen Orten eigene von ihnen 
gestiftete Frauenklöster gegeben hätte. Dagegen kann recht wohl 
zugestanden werden, dass es an den erwähnten Orten und auch 
anderwärts unter der Aegide der Predigerconvente regulirte Ver- 
eine von Frauen gab, welche als Tertiarerinnen mitunter ein 
gemeinschaftliches Leben führten. Solche werden sogar ausdrücklich 
in den Jahren 1273 und 1334 genannt. In ersterem Jahre erwähnte 
sie Bischof Bruno von Olmfitz in seinem für das Lyoner ConcU be- 
stimmten Berichte über die kirchlichen Zustände Böhmens. ') Im 
J. 1334 participirten solche Frauen an dem Kampfe der prager Men- 
dicanten gegen den Curatklerus in Sachen der beiderseite angespro- 
chenen Begräbnissgebühren. ^) 

§. 167. Die Franciscaner in Böhmen. 

1. Die erste Colonie der geistlichen Söhne des heiligen Franz 
kam nach dem übereinstinmienden Zeugnisse der älteren Quellen 



') Lib. erect. VUI. C. 10. 

') Balb. Bohem. sancta p. 48. 

*) ürk. Balbin. app. ad lib. VI. P. I. p. 88 u. ff, 

*) Ghron. Auloreg. p. 470. Ygl. §. 118. 



284 

im J. 1232 nach Böhmen und zwar zunächst in die Hauptstadt 
Prag.*) Der fromme König Wenzel berief sie — wahrscheinlich 
auf Antrieb seiner weiterhin noch näher zu erwähnenden Schwester 
Agnes — angeblich aus Mainz. ') Vorläufig wies er ihnen die S. 
Barbarakapelle an, welche sein Vater Pf emysl Ottokar I. im J. 1224 
gegründet hatte. ') Indess gieng er aber auch an die Erbauung eines 
angemessenen neuen Klostergebäudes — bei S. J a k o b, das schon 
imJ. 1233 soweit zu Stande kam, dass einTheil der Brüder dahin 
übersiedeln konnte. Die neue Kirche ¥mrde freilich erst imJ. 1244 
vollendet und vom Bischöfe Nicolaus consecrirt. ^) Das Refectorium 
kam gar erst im J. 1319 zum Ausbaue, wurde aber von der from- 
men Erbauerin — der Königin Elisabeth — mit solchem Glänze 
und in solcher Grösse hergestellt, dass man darin wiederholt die 
feierlichen Krönungstafeln und auch mehrere Landtage abhielt. ') 
Als besondere Wohlthäter des Jakobsklosters erscheinen auch die 
Bürger von Prag, insbesondere die Meister der Fleischhauerzunft, ^) 
welche späterhin in den Husitenkämpfen auch mit den Waffen in 
der Hand die Retter des Conventes werden sollten. Die Brüder bei 
S. Jakob hielten sich von allem Anfange an an die Lebensweise der 
Conventualen, die man späterhin Minoriten im engern Sinne 
zu nennen pflegte. 

2. Neben der bereits erwähnten St. Barbaracapelle erbaute 
die selige Agnes im J. 1234 eine grössere Kirche zu Ehren des 
heiligsten Erlösers, die bald darauf den Namen St. Franz, dann 
St. Clara und zuletzt nach der frommen Stifterin St. Agnes an- 
nahm. Bei dieser Kirche gründete letztere auch zwei Klöster 
nach der Regel des h. Franz, das eine für geistliche Jungfrauen, 
deren Genossin und Vorsteherin sie in Kurzem selber wurde und 
das andere für geistliche Ordensbrüder, welche die geistliche Lei- 
tung des weiblichen Conventes übernehmen sollten. Die Brüder 



^y Cont. GoBin. 870, Neplach. (Dobn.) 280, PaUcava (Dobn.) 215, Marignola 

(Dobn.) 281. 
') Zimmermann aufgehob. Kirch. Prags. 
^) Diess ist wohl die Veranlassung, dass der Nucleus minoriticus das Jahr 

der Ankunft auf 1224 setzt. Die S. Barbaracapelle steht noch heute neben 

der aufgehobenen sogenannten 8. Agneskirche. 
*) Cont. Cosm. 

*) Hammerschmid glor. Wy&ehrad. 257, Tomek G. Fr. 247. 
*) Lib. erect. XUI. H. 8, k. S. 



285 

bei St. Franz, die fortan stets einen eigenen Quardian hatten, ') 
hielten sich an die Lebensweise der sogenannten Observan- 
ten, die jedoch vorläufig noch keinen getrennten Ordenszweig 
bildeten. ') 

3. Nebst den genannten wird auch noch eine dritte Nieder- 
lassung der minderen Brüder genannt, — allerdings nicht inner- 
halb des damaligen Prags, aber doch unmittelbar vor dessen Tho- 
ren. Es war das Kloster St. A m b r o s (das nachmalige Hiberner- 
kloster vor dem Pulverthurme), in welches schon im J. 1233 Brü- 
der der strengen Observanz (Bosaci) eingezogen sein sollen. ^) Für 
die wirkliche Existenz dieser Ordenscolonie spricht ausser den 
nachmaligen Berichten über ihre Zerstörung die Thatsache, dass 
im J. 1305 die Magdalenitinnen in der Nähe der St. Galluskirche 
allzunahe Nachbarinnen eines Franciscanerconvents genannt wer- 
den, so dass der damalige Bischof Johann IV. deshalb einige 
rügende Briefe von mehreren Cardinälen empfing. ^) 

4. Die Prager Franciscaner gehörten sowie alle ihre Ordens- 
brüder im Lande durch das ganze dreizehnte Jahrhundert zur 
polnischen Ordensprovinz. Eine eigene böhmisch - mährische 
Provinz entstand für beide Mendicantenorden zugleich erst im 
J. 1301.^) Bis zum Goncile von Vienne im J. 1311 erfreuten sie 
sich in Böhmen eines ungestörten Glückes. Sie wurden recht ei- 
gentlich die Lieblinge des Volkes, mit dem sie sowohl durch ihre 
Lebensweise (durch das Einsammeln milder Gaben) als durch die 
überaus populäre Art ihres geistlichen Wirkens in die innigste 
Beziehung traten. Überdiess waren sie auch bei dem Adel des 
Landes gern ggsehen, der es liebte, seine letzte Buhestätte in den 
klösterlichen Räumen zu suchen. Dazu kamen endlich auch noch 
namhafte Privilegien des apostolischen Stuhles, die ihnen sogar 
eine Art Goncurrenz - Seelsorge mit dem Guratklerus gestatteten. 
Mochte es nun auf der einen Seite nicht an Missbrauch oder auf der 
andern nicht an Empfindlichkeit gefehlt haben : Thatsache war, dass 
endlich das Concil von Vienne im J. 1311 den Freiheiten der min- 



^) Vgl. lib. erect. versch. Ort. 

*) Balb. epit. 488. Tomek 484. 

*) Nudeas minoriticus. 

') Tomek 580. 

*) Bieneberg Gesch. der St. Königgräz. 



286 

dem Brüder engere Gränzen zog. Aber da gab es wieder Seitens 
der Brüder und Seiteus der Guraten dort eine mildere und hier 
eine strengere Auslegung der Gesetze des Concils und in Folge 
dessen manch' bitteren Streit. Dabei kam es so weit, dass man die 
bei den Minoriten abgelegten Beichten als gültig bezweifelte und 
endlich Zweifel und Gegenreden auf die Kanzeln zog. Der Bischof 
Johann IV. nahm bei diesem Kampfe die Partei seines Glerus und 
musste sich in Folge dessen eine Klage in Avignon und einige 
Rügen von Cardinälen gefallen lassen. ') Im J. 1330 finden wir 
den Kampf von Neuem entbrannnt. Wir wissen nicht, um was es 
sich liandelte. Bischof Johann IV. liess aber damals 2 Klosterbrü- 
der von St. Jakob als Rebellen ins Gefftngniss werfen. Endlich 
kam es im J. 1334 zu dem uns schon bekannten blutigen Kirchen- 
und Gassenkampfe in Prag und sogar zu förmlichen gegenseitigen 
Excommunicationen der beiden Parteien. ^) Wir wissen, dass es 
sich dabei um das Recht der Pfarrer handelte, einen Btolabetrag 
(die quarta sepulchralis) von den Klosterbegrabnissen zu fordern. 
Dieser Streit endigte zum Nachtheile der Mendicanten. Nicht ge- 
nug, dass das Stolarecht der Pfarrer allgemein zur Geltung kam; 
die mindern Brüder verloren auch das Recht, die Sonntagspredig- 
ten in der Domkirche abzuhalten und wurden auch innerhalb der 
Diöcese auf ihre eigenen Kirchen eingeschränkt. Es kam sogar 
so weity dass es zum Schutze derselben endUch nothwendig ward, 
einen Protector für sie — zunächst in der Person des Prager 
Metropoliten aufzustellen. ^) — Neben diesen Kämpfen mit dem 
Curatclerus fehlte es den böhmischen Franciscanern auch nicht an 
Gonflicten mit den Dominicanern. Bereits im J. 1237 gab es un- 
erquickliche Streitigkeiten dieser Art. Damals erlaubten sich die 
beiden Orden der apostolischen Armuth, sich gegenseitig den Vor- 
wurf der Habsucht zu machen. Darauf vermass sich sogar der 
Predigerbruder Burchard in Mähren, die Stigmata des b. Franz 
zu leugnen; die mindern Brüder führten deshalb Klage in Boin, 
worauf Gregor IX. zu ihren Gunsten den feindseligen Prediger sospen- 



') S. %. 115 num. 2. 

') Ebend. 

^) Ebeud. num. 5. 

') Urk. Balb. Ut. publ. p. 96 u. ff. 



287 

dirte. ') — Zu Ende unseres Zeitraums finden wir bei den Fran- 
ciscanem in Prag auch die theologische Wissenschaft in ruhmrei- 
cher Weise vertreten. Sie errichteten nämlich im J. 1366 auf An- 
ordnung des Papstes Drban V. ein eigenes theologisches Studium, 
das in den Verband der Prager Universität gehörte und viele Cle- 
riker des Ordens in die Hauptstadt unseres Vaterlandes zog. *) 

§. 168. Fortsetxnng: Terbreiting der Franciscaner in BSIimen. 

1. Nicht lange nach dem ersten Eintreffen der Franciscaner 
in Böhmen finden wir sie bereits auch in mehreren Orten auf 
dem Lande. 

a) Wir nennen da zuerst Leitmeritz. Nach der con- 
stanten Überlieferung erbaute ihnen hier der Prager Bischof Jo- 
hann n. schon im J. 1233 die Kirche und das Kloster St. Jakob. 
Am 19. August 1235 konnten die Brüder — Italiener von Geburt 
— mit ihrem ersten Quardian Clemens Besitz von ihrem neuen 
Ordenshause nehmen. ') Sie gehörten dem Zweige der Conventua- 
len an, der auch fortan stets dieses Kloster zu den seinen zählte. 
Als ein vorzüglicher Wohlthäter wird hier im J. 1335 der Prager 
Gerichtsschöppe Conrad von Leitmeritz genannt, der in seinem Te- 
stamente neben 11 Klöstern und Kirchen Prags auch die Stadt- 
kirche, das Spital und das St. Jakobskloster in seiner Vaterstadt 
mit ansehnlichen Legaten bedachte. ^) Nach ihm thaten sich in 
gleicher Weise viele Edle im Umkreise von Leitmeritz hervor: so 
Jesko Kimienec von Öakowic, Nicolaus Zahoka von Weska, Elisa- 
beth Hdrmesmister von Kamaik und Pokratic (diese schenkte Äcker 
und Waldung), Christian von Cernosek und Elise von Zahofan, die 
insgesammt namhafte Jahreszinsungen dem Kloster zuwendeten. ^) 
Im J. 1321 zog sich der Quardian und Convent bei St Jakob — 
zuf^leich mit dem Prior bei St. Michael — den schon erwähnten 
strengen Verweis des Bisthumsadministrators Ullrich von Pabienic 



') Urk. Erben reg. 424. 

*) Tgl. S. 164 nom. 1. 

') Rohn antiq. eccl. circ. Litom. MS. 

*) Tomek 849 n. f. 

^) Üb. erect. XIL C. 16, D. 15, Ylil. D. 2, J. 3., Rohn antiq. 



288 

wegen eigenmächtiger Umgehung des über die Stadt Leitmeritz wegen 
Verletzung des WySehrader Propsteieigenthums verhängten Inter- 
dictes zu. ') 

b) Um das J. 1240 kam der berühmte Prediger des Francis- 
canerordens, Bruder Berthold, — ein Augsburger — nach König- 
gräz und begeisterte dort mit Beihülfe des als Dolmetsch füngi- 
renden Bruders Peter von Gradec die Bürgerschaft in solchem 
Grade, dass man sofort für ihn und einige seiner Ordensbrüder 
das Kloster und die Kirche St. Johann neben dem königlichen 
Schlosse erbaute. ^) Bruder Berthold starb im J. 1274 zu Regens- 
burg im Rufe der Heiligkeit. ') In den Jähren 1247 und 1254 
hielt der Orden sogar schon das Provinzialkapitel im Kloster zu 
Königgräz. ^) Im J. 1339 verunglückte dieses Kloster zugleich mit 
der ganzen Stadt durch Feuer. ^ Als Wohlthäter des Convents 
erscheinen nachmals Hinko von Berka und Duba, ^) Bernhard und 
Nicolaus Koätial von Stfezminic, Bene§ von Riesenburg, Zdenka 
und Katharina von Kfinec. ^) 

c) Um das Jahr 1253 erhielten die Franciscaner den Gonvent 
St. Augustin in Mies und behaupteten denselben bis zu den hu- 
sitischen Bewegungen. Unter ihre Wohlthäter zählten die dortigen 
Brüder namentlich den Kapitularpropst von Bischofteinitz. ') 

d) Im J. 1281 stifteten die Bürger zu Bechin ein Kloster 
der Gonventualen. *) Dieses erhielt noch kurz vor dem Ausbruche 
der Husitenkämpfe eine sehr bedeutende Zinsenschenkong vom 
Ritter Maräik von Jaroslawic — zunächst zu Händen seines dort 
lebenden Bruders Theodorich. *^) 



') Formelbuch des Stiftes Wilhering N. 9. p. 82. 

') Bienenberg 0. d. St Königgrftz p. 76 (aus einem alten Fragmente des 
städtischen Archivs). 

*) Balb. Bob. saDCta p. 78. 74. 

*) Bienenber^ 76. 82. 

^ Ebend. 113. 

•) Ebend. 154. 

') Lib. erect. VIII. F. 6, R. 7, X. H. 3, XIII. Q. 2. Wenn wir hier und an- 
derwärts zum Theile über die Zeit von 1380 hinausgreifen, so geschieht es 
aus dem Grunde, um Dicht noch einmal vor der Husitenzeit tod den Er- 
werbungen dieber Klöster sprechen zu müssen. 

") Lib. erect. X. B. 8. 

*) Sommer Topogr. 

'"0 Lib. erect. VUI. B. 7. ad ann. 1408. 



289 

e) Um das J. 1293 kamen die Gonventualen, 15 Priester und 
5 Laienbrüder -- auch nach Jungbunzlau — wahrscheinlich 
durch die Vermittlung des damaligen Grundherren Johann von Mi- 
chalowic, der um dieselbe Zeit eine Busswallfahrt nach Frankreich 
unternahm. ') Das Kloster stand ausserhalb des Thores, das gegen 
Weisswasser führt. *) Die Herren von Michalowic blieben auch 
noch weiterhin die grössten Förderer dieses ihres Familienstiftes. 
Von diesen dotirte noch im J. 1354 Benes von Michalowic zehn 
neue Conventualen zu den bereits „von Alters her" bestehenden 
20 Brüdern. ^) Im J. 1385 lebte dort der Bruder Beneä, den gar 
viele irrig für den berühmten Prager Ganonicus Benes von Weitmühl 
gehalten haben. ^) Im J. 1385 erhielt das Kloster ein Legat von 13 
Schock Groschen nach dem Benedictinerpropste Ullrich von 
Baczin. *) 

§. 168. Fort&etiang. . 

1. Von den urkundlich in den Erectionsbüchem genannten 
Klöstern der mindern Brüder haben wir noch folgende anzu- 
führen : 

a) Das Kloster St. Nicolaus (später St. Peter und Paul) in 
Zittau, welches schon im J. 1244 begonnen, aber erst im J. 1268 
durch die fromme Opferwilligkeit des Caslaw von Ronow, seiner. 
Gema|)lin Agnes und ihres verwandten Zdislaw von Znaim vollen- 
det wurde. ^) Bis 1400 blühte dieses Kloster ansehnlich empor. ') 

ö) das Observantenkloster in B e n e § a u, welches der Prager 
Dompropst Tobias II. von BeneSow um 1320 in seiner Vaterstadt 
stiftete, um daselbst die letzten Tage seines Lebens als einfacher 
Klosterbruder zuzubringen. ^) Nachmals wurden auch die edlen 



') Dalimil. Heber*s Burgen I. 

') 1494 kam es an die böhmischen Brüder; jetzt ist es im Besitze der Pia- 
risten. 

') ürk. in Novotny's ehren. Boleslawska 57. 

*) Auch Novotny. 1. c. Vgl. Palacky's böhm. Geschichtsschreiber. 

') Lib. erect. XUI. A. 9. 

®) Sintenis Oberlausitz, Grossem laus. Merkwürdigk., Peschek Gesch. d. St. 
Zittau. 

^ Lib. erect XIII. ü. 20. 

8) Vgl. §. 126. Crugeritts verlegt die Stiftung in die Zeit des Propst Tobias I. 

19 



290 

Herreu Zdenko von Sternberg auf KouopiSt, Wilhem Kostka von 
Postupic, Johann Pfemysl. Chwal vonKfeSic, Zbinko von Morawec, 
Bohunko von Wrbic, Chwal von Stifin und JaroS von Bedruzic 
grosse Wohlthäter der Ordensbrüder in Beneschau. ') 

c) Das Franciscanerkloster zu Neu-6id§ow bestand ur- 
kundlich sicher bis zur Husitenzeit. Kurz zuvor erhielt es noch 
eine Zinsenschenkung vom edlen Bitter Nicolaus Eotlowec von 
Meniu. ^) Der Stifter ist unbekannt. 

d) Ebenso wenig kennen- wir den Stifter eines ähnlichen 
Klosters in H o h e n ui a u t, das urkundlich zu Ehren der heiligen 
Apostel Petrus und Paulus erbaut war. Wir wissen nur, dass 
es im J. 1350 an die neucreirte Diöcese LeitomySl abgegeben 
wurde ') und dass' es noch im J. 1418 von einem dortigen Bürger 
eine Stiftung erhielt. '*) 

e) Auch die königliche Gränzstadt T a u s s besass einen in 
ungenannter Zeit gestifteten Franciscanerconvent, der im J. 1376 
eine Zinsung von 4 Schock Groschen vom Pfarrbeneficium des 
Ortes zu erheben hatte. ') 

/) Endlich gehört zu den in den Erectionsbüchern genannten 
Ordenshäusern auch noch der Convent in C a s 1 a u , der noch im 
J. 1388 eine Jahreszinsung von 4 Schock vom Ritter Prokop von 
Jedlcan auf Anregung seines Onkels, des Pfarrers inKbel, geschenkt 
erhielt. *) 

2. Ausser den bisher genannten Klöstern des h. Franz haben 
wir noch einige andere anzuführen, deren ehemaliger Bestand aus 
den Berichten der ältesten Chronisten sichergestellt ist. 

a) Hieher gehört zunächst das Kloster in Saaz, welches im 
J. 1365 als bestehend genannt wird. 

b) Das Kloster Maria-Verkündigung in K r u m a u , welches 
die Brüder Ullrich, Peter, Jodok und Johann von Rosenberg im 
J. 1357 gründeten. «) 



») Lib. erect. II. H. 2. ad ann. 1379., erect. IX. G. 1., X. H. 2, J. 5, J. 9. XIII. Ü.6. 

') Lib. erect. X. D. 4. Unsere Topographen kannten dieses Kloster nicht. 

^) Vgl. §. 125. num. 1. 

^) Lib. erect. X. L. 1. Abtretungsdocument bei ßalbin, Anhang ad lib. erect. 

*) Lib. erect. XII. A. 4. 

•) Lib. erect. XII. B. 8. 

'') Sommer Topogr. 

') Kbendaselbst. 



291 

c) das Kloster bei C h r u d i m in der Nähe der alten Burg 
Stradow, welches in den Hnsitenkämpfen von den Chrudimer Bür- 
gern zerstört wurde. ') 

d) Das Kloster Maria-Himmelfahrt in Pilsen, das im Jahre 
1263 — angeblich vom Könige Pfemysl Ottokar II. erbaut wurde 
und bis 1460 im Besitze der Conventualen blieb. ^) 

e) Hieher rechnen wir auch das vormalige Minoritenkloster 
in Kaaden, das um 1240 zu Ehren des h. Michael gegründet, 
aber erst im J. 1324 vollendet worden sein soll. In letzterem Jahre 
erlangte die Kirche die feierliche Consecration durch einen zur bi- 
schöflichen Würde emporgestiegenen Ordensbruder, den Prager Weih- 
bischof Pfibislaw von Dra^ic, den leiblichen Bruder des Diöcesan- 
bischofs Johann IV. **) Im J. 1362 Wurden Convent und Kirche 
zugleich mit der ganzen Stadt ein Raub der Flammen. Nachmals 
wiederhergestellt mussten sie in Kurzem wieder der Wuth der 
Husiten erliegen. *) 

/) Auch in Brüx bestand ein älteres Minoritenkloster bei 
St. Laurenz in der Vorstadt, das ebenfalls um das Jahr 1240 
gegründet wurde. Hier bestand es bis zum Jahre 1515, wo es 
in Flammen aufging. In Folge dieses Unglücks verlegte es die 
opferwillige Bürgerschaft ins Innere der Stadt, wo es noch heute 
besteht — und die alte St. Laurenzkirche ward zur Begräbniss- 
kirche bestimmt. *) 

3. In letzter Reihe haben wir noch mehrere Orte zu nennen, 
wo nach localen Sagen vor den husitischen Bewegungen ebenfalls 
Franciscanerconvente bestanden haben sollen, wobei wir aber nicht 
verhehlen können, dass jene Sagen zumeist nur auf die Auctorität 
des bekannten Chronisten Hajek sich stützen. Den ersten Platz 
räumen wir billig jenen Städten ein, wo dem angeblichen älteren 
Bestände des betreffenden Klosters nur ein Anachronismus zu 
Grunde liegt. Hieher gehöreli die Convente in Hora^diowic, 
Pardubic, Eule und N e u h a u s. Ersterer soll nach der Lo- 



*; Laurentins Brczina, Veleslawiu, Balb. Boh. Sancta. 

') Nucl. Minorit, Sommer. 

') Rohn antiq. circ. Satec, Mayer Monogr. der St. Kaadan p. 4. 

') Ebendaselbst. 

') Rohn autiquit. ecci. 

19* 



292 

calüberlieferung im J. , 1330 durch den Bürger Theodorich von 
Mecif gegründet, aber erst um 1500 von dem edlen Puta Swihow- 
sky von Riesenberg (f 1504) vollendet worden -sein. *) Das Kloster 
in Pardubie wurde ebenfalls erst im J. 1516 vollendet, angeblich 
aber ebenfalls schon im Laufe des 14. Jahrhunderts begonnen. Auch 
das zu Eule kam erst im 16. Jahrhunderte zur Blüthe. Der Con.- 
vent zu Neuhaus trat erweislich erst im J. 1478 ins Leben. 

b) Ausser allen diesen nennen wir endlich noch die von Ha- 
jek aufgezählten und angeblich von den Husiten zerstörten Convente 
in Beraun, Schüttenhofen und Riesenberg. Das Kloster in 
Schöttenhofen scheint eine bei Hajek gewöhnliche Verwechselung 
mit der dortigen AnSiedlung der Augustinereremiten zu sein. Von 
den beiden andern ist gar keine historisch sichere Spur aufzu- 
finden. 

c) Die nachmals oft zu nennenden Convente in Kuklena, Ar- 
nau, Hajek, Haindorf, Hofowic, Mariaschnee (in Prag), Schlan, 
Skalka, Tachau, Wotic und Zasmuk gehören insgesammt erst spä- 
teren Perioden an. Die Klöster in Eger, Budisin, Görlitz und 
Löbau gehörten jenes in die Regensburger, diese in die Meissner 
Diöcese und werden gehörigen Orts Erwähnung finden. 

§. 169. Die selige Agnes niid das erste Kloster der Franciscanerinneii 

(Clarissiniien) in BShmen. 

1. Unter den überlauten Freuden am Hofe des Königs Pfe- 
mysl Ottokar's L schmolz sehr oft das gepresste Herz seiner zwei- 
ten Gemahlin Constantia in Thränen. Denn mehr als sechs Jahre 
musste sie mit dem mächtigen Fürsten leben, ohne in ihrem Ge- 
wissen sich beruhigen zu können, dass sie seine rechtmässige Gat- 
tin sei. So lange zog sich nämlich der leidige Process mit der 
vom Könige verstossenen ersten Gemahlin Adela von Meissen hin- 
aus. ^) In solcher Seelenstimmung machte sie gar manches fromme 
Gelübde, das allerdings zumeist erst spätere Tage auszuführen er- 
laubten. Wir erinnern in dieser Beziehung an die vielen frommen 
Schenkungen, welche sie nacheinander den Kirchen und Klöstern 



') Sommer Topogr. 

') Zimmermann, aufgeh. Klöster S. 48. 



293 

in Böhmen und Mähren — oft wiederholt — zukommen liess. Die 
öffentlichen Urkunden nennen uns insbesondere die Domkirche ') 
and das Kloster St. Peter in Olmütz, ^) die mährischen Stifter 
HradiSti, ') Kaunic *) und Dubravnik, ') die böhmischen Klöster 
St. Georg, •) Mühlhausen, ^) Selau ») und Opatowic •) und den 
neuen Kreuzherrenorden in Prag. Namentlich aber weisen wir auf 
den lang gehegten Gedanken hin, selbst die Stifterin eines neuen 
Frauenklosters zu werden, in welchem sie ihre letzten Tage ver- 
leben wollte. Wir wissen bereits, dass in Folge dessen das Stift 
Tisnowic ins Leben trat. — Von dieser frommen Mutter ward am 
20. Juni 1207 die selige Agnes geboren und vom Bischöfe Daniel II. 
feierlich getauft. Das sorgenvolle Mutterherz weihte damals schon 
ihr Töchterlein dem Dienste des Himmels. 

2. Doch die Politik des königlichen Vaters traf eine andere 
Bestimmung. Kaum 3 Jahre alt wurde Agnes dem Prinzen Bole- 
slaw von Schlesien verlobt, und sofoi-t in das schlesische Kloster 
Tfebnic gesendet, um daselbst unter der Aufsicht ihrer Base und 
künftigen Schwiegermutter, der h. Hedwig, eine ebenso fromme 
als standesgemässe Erziehung zu erhalten. Aber schon nach drei 
Jahren vereitelte der Tod des Verlobten den Plan des Königs. 
Agnes durfte — um der frommen Mutter näher zu sein — in das 
heimatliche Kloster Doxan übersiedeln, um dort ihre Erziehung 
fortzusetzen und zu vollenden. Hier bewunderte man alsbald an 
der heranreifenden königlichen Jungfrau einen glühenden Eifer in 
allen Übungen der Andacht und der Busse, eine seltene Sanftmuth, 
eine ungeheuchelte Demuth und gänzliche Loslösung von der Welt. 
Kein Wunder, dass Agnes endlich das stille Gelübde ihrer frommen 
Mutter zu ihrem eigenen machte und ihr Leben dem Klosterstande 
zu widmen beschloss. Aber da rief sie wieder (1224) plötzlich der 
Befehl des Vaters aus der klösterlichen Einsamkeit an den könig- 



*) £rben reg. 206, 235. 

*) Ebend. 231, 310, 375. 

•) Ebend. 215. 

*) Ebend. 351. 

*) Ebend. .S86. 

«) Ebend. 335. 

') Ebend. 285. 

") Ebend. 375. 

•) Ebend. 337. 



294 

liehen Hof — diessmal als künftige Braut des deutschen Kaiser- 
Sohnes Heinrich. ') Die Verlobung folgte in der That; aber, war 
es auf Betrieb unserer Agnes, oder suchte man anderwärts grös- 
sere Vortheile, — der junge Heinrich löste selbst das Band und 
ehelichte die österreichische Prinzessin Margareth. Agnes war 
wieder frei, aber sie musste als allezeit bereites Opfer neuer poli- 
tischer Pläne am Hofe verbleiben. Dafür trug sie nun unter den 
goldgestickten Gewändern ihr härenes Busskleid und den schweren 
Bussgürtel. Mit Kieselsteinen machte sie ihr Prachtbett zum La- 
ger der Selbstabtödtung. Mit ausgewählten Begleiterinnen besuchte 
sie insgeheim barfuss die Kirchen der Stadt und trocknete nicht 
selten mit eigener Hand ihre blutenden Füsse. Der Tod ihres Va- 
ters (15. December 1230) verschaffte ihrer Frömmigkeit nur eine 
grössere Freiheit. — Im J. 1234 bestürmte die Welt zum letzten 
Male ihr bereits dem Himmel angehörendes Herz. Heinrich m. 
von England und Kaiser Friedrich U. begehrten zu gleicher Zeit 
ihre Hand. *) König Wenzel entschied sich für Friedrich; Agnes 
aber wandte sich flehentlich an Papst Gregor IX., auf dass dieser 
durch seine Fürsprache ihr jungfräuliches Herz vor einer gefürch- 
teten Verbindung und ihr Vaterland vor dem Zorne des verschmäh- 
ten Bräutigams beschütze. Ein Breve Gregors verschaffte ihr so- 
fort die Zustimmung ihres köüiglichen Bruders zur Wahl dei> 
klösterlichen Lebens und auch die Verzeihung ihres kaiserlichen 
Bewerbers. 

3. Seit der Ankunft der ersten Söhne des h. Franciscus in 
Prag im J. 1232 hatte Agnes mit heiliger Bewunderung von den 
Tugenden der (damals noch lebenden) heiligen Clara und ihren 
frommen Klosterschwestern gehört. In Folge dessen hatte sie ne- 
ben dem von ihrem königlichen Bruder gegründeten ersten Wohn- 
sitze der Franciscanerbrüder den Grund zu einem ähnlichen Frauen- 
stifte gelebt ') und von der i). Clara fünf Ordensschwestern für 



') Vgl. Dambcrger IX, 954. Der Verlobuügsantrag war von Böhmen anspe- 

gangen. 
') Erster Brief der h. Clara an Agnes in Lcchner's Leben d. h. Clara. S. 122 

und f. — Raumer, Hohenstaufcn IIl. 377. 
^) Hiezu hatte sie von ihrem königlichen Bruder die Stadt Prestic nebst 16 

dazu gehörigen Dörfern erhalten und für 1200 Mark Silber an das Stift 

Kladrau vorkauft (Tomek 612). 



295 

dasselbe erbeten, die bereits am 11. November 1234. ihren Einzug 
hielten. Um diese Zeit erkämpfte sie auch für sich selbst die 
völlige Freiheit vor den Bewerbungen weltlicher Fürsten und er- 
wählte Christum zum Bräutigam ihrer Seele. Am 25. März 1235 
nahm sie endlich zugleich mit sieben andern hochadeligen Jung- 
frauen das langersehnte Ordenskleid aus der Hand des eben in 
Prag weilenden Cardinais Cajetan. Darauf wurde sie von ihren 
Ordensschwestern zur ersten Äbtissin des neuen Klosters „des 
heiligsten Erlösers'' erwählt. Dieses erste Clarissinnenkloster in 
Böhmen wurde jedoch schon im J. 1237 nach dem h. Franz, öfter 
auch S. Clara und endlich S. Agnes genannt Der Zugehörigkeit 
des S. Franciscushospitals zu diesem Kloster und der dadurch be- 
dingten Abhängigkeit der Kreuzherren mit demrothen 
Sterne wurde bereits früher gedacht 

4. Wir finden fortan unsere Agnes in brieflichem Verkehre 
einerseits mit der h. Clara und anderseits mit den Päpsten Gregor 
IK. und Innocenz IV. Die bezüglichen uns noch vorliegenden Ant- 
wortschreiben lassen uns tiefe Blicke in das fromme Ordensleben 
unserer Königstochter thun. Die h. Clara redet von dem Rufe der 
Tugenden der königlichen Äbtissin, die schon beinahe in der ganzen 
Welt bekannt seien und rühmt und bestärkt in vier rührenden 
Briefen die Weltverachtung und die Gottseligkeit ihrer würdigsten 
Ordenstochter. ') Nebstbei sendet sie dieser als erbetenes Anden- 
ken — ein hölzernes Kreuz, einen groben Gürtel, einen hänfenen 
Schleier und eine irdene Trinkschale. *) Gregor IX. ermässigte 
auf die Bitte der Äbtissin und mit Rücksicht auf das kältere Klima 
die strenge Regel — das ganze Jahr hindurch unter steter Enthal- 
tung von Fleischspeisen nur einmal des Tages sich zu sättigen — 
dahin, dass für den Sonntag und Donnerstag eine zweimalige Sätti- 
gung und der Genuss von Milchspeisen erlaubt sein, an Ostern und 
Weihnachten aber und an den Marien- und Apostelfesten überhaupt 
gar nicht gefastet werden sollte. Überdiess sollte es der frommen 
Agnes gestattet sein, zwei Röcke mit Pelz besetzt und Schuhe zu 
tragen und zum Nachtlager Polster und Betten mit Stroh oder 



^) Diese Briefe in Lechners Leben d. h. Clara S. 122 u. ff. 
*) Ebend. 126. 



296 

Heu gefüttert zu gebrauchen. ^) — Im J. 1243 milderte nochmals 
Papst Innocenz IV. die Regel für Böhmen in so weit, dass wegen 
mangelnden Öls und strenger Fastenspeisen der Genuss von Wein, 
Fischen, Eiern und Milch gestattet und die Dispens vom Fasten 
auch noch auf eine Anzahl weiterer Fest- und Wochentage ausge- 
dehnt werden sollte. ') Derselbe Innocenz erfreute unsere Agnes 
im J. 1252 durch die Übersendung vieler kostbarer Reliquien der 
Heiligen. Endlich bestätigte Papst Alexander IV. im J. 1259 für 
alle Zukunft die bereits erlangten Milderungen der Ordensregel. ') 
5. Agnes hatte bereits im J. 1238 aus Demuth dem Titel 
einer Äbtissin entsagt und nannte sich seitdem bloss die „älteste 
Schwester = soror major" ihres Ordenshauses. Während sie 
aber hier Allen ein Vorbild der Selbstverleugnung und Andacht 
ward, hörte sie doch nicht auf, ebenso nach Aussen hip Segen zu 
verbreiten. Ihrem geliebten Bruder Wenzel I. blieb sie, so lange 
er lebte, eine stets bewährte Rathgeberin unä auch dem apostoli* 
sehen Stuhle diente sie wiederholt als Vermittlerin in wichtigen 
Verhandlungen mit dem königlichen Hofe. Manche fromme Stiftung 
im Lande ward mittelbar ihr Werk. Insbesondere aber erwarb ihr 
ein Unternehmen den Dank aller Böhmen — die Aussöhnung ihres 
königlichen Bruders mit seinem aufrührerischen Sohne. Im J. 1253 
fand König Wenzel seine letzte Ruhestätte in der Klosterkirche 
seiner frommen Schwester: seitdem nahm die letztere wenig An- 
theil mehr an den öffentlichen Angelegenheiten. Desto mehr aber 
vertiefte sich ihr Geistesleben, so dass sie endlich der wunder- 
vollen Gaben der Vision und der Krankenheilung gewürdigt wurde.^) 
Endlich rief sie der Herr am 6. März 1282 ins bessere Leben. — 
Schon bei ihren Lebzeiten wurde die fromme Fürstentochter, die 
selbst von der h. Gl^ra „die Hälfte ihrer Seele" genannt worden 
war, als eine Heilige bewundert. Um so mehr war diess nach 
ihrem Tode der Fall, so dass in Kurzem sogar die Kirche und das 
Kloster S. Franz im Volke den Namen S. Agnes erhielten. Diess 
und das allgemeine Vertrauen auf die Fürbitten der Seligen, bewog 



*) Tomek 513 und f. Urkunden dd. 5. und 11. Mai 1288 in Erben regest 

') Tomek 514 Urk. Erben reg. 

^) Urk. in Zimmermanns aufgeh. Klöster S. 70, 

*} Kbend. 78, 74, 



297 

I 

im J. 1328 die Königin Elisabeth, im Einverständnisse mit dem 
Bischöfe Johann, die Heiligsprechung bei dem Papste Johann XXI. 
anzusuchen. ') Auch Karl IV. betrieb dieses Unternehmen seiner 
Mutter mit ernstem Eifer, ~ und empfahl es, da die Erfüllung 
sich in die Länge zog, noch sterbend seinem Sohne. Aber Kaiser 
Wenzel IV. vergass zu bald des väterlichen Wunsches und endlich 
warfen die husitischen Umtriebe die ganze Angelegenheit bei Seite. 
Jedoch erhielt der Orden der Kreuzherren die päpstliche Erlaub- 
niss. das Fest der seligen Agnes jährlich am 2. März sub 
ritu duplici primae classis zu feiern. Im J. 1436 ward zwar der 
Heiligsprechungsprocess wieder aufgenommen, scheiterte aber zu- 
letzt im J. 1450 an der Unmöglichkeit, die Reliquien der Seligen 
wieder aufzufinden. *) 

6. Das Agneskloster wurde in Kurzem noch einmal der Auf- 
enthaltsort einer berühmten böhmischen Königstochter. Es war 
diess — um von dem nur vorübergehenden Aufenthalte der Prin- 
cessin Kunigunde zu schweigen, — eine neue Agnes, ebenso wie 
die erwähnte Kunigunde eine Tochter Pfeniysl Ottokars IL, die 
versprochene Braut des Kaisersohnes Rudolph 'des Jüngeren. Vor 
der verhängnissvolleu Schlacht auf dem Marchfelde weilte sie un- 
freiwillig in jenen Klostermauern; blieb aber nachher noch frei- 
willig dort bis zum J. 1285, wo sie endlich ihrem Verlobten zum 
Altare folgte. Doch schon im J. 1290 trennte der Tod das kurze 
Band und Agnes kehrte nochmals freiwillig in das ihr liebgewor- 
dene Kloster zurück, wo sie im J. 1296 als Laienschwester ihr 
Leben beschloss, — eben zeitig genug, um üicht den nachmaligen 
Kaisermord ihres Sohnes Johannes Parricida zu erleben. 

§. 170. Die flbrigen Kloster der Clarissiiiiieii in IHbmen. 

1. Noch bei Lebzeiten der seligen Agnes konnte ihr Kloster 
eine Golonie nach T e i n i c — seitdem Jungfern-Teinitz 
genannt — entsenden. Die Stiftung dieser neuen Niederlassung 



^) Act. sanctor. BoUand. 

') Über das Leben der seligen Agnes s. Zimmermann, aufg. Klöster 48—77, 

Lechner, Leb. d. h. Clara S. 118 und ff. Tomek 180, 181, 200, 212, 218, 

245, 496-499. 512—516. 



298 

war ein Werk des edlen Geschlechts der Herren von ^ierotin, 
dem selbst die vaterländische Literatur grossen Dank schuldig ist. 
Plichta vonZierotinL, vermählt mit Euphemia von Mar- 
tinic, war der erste Begründer. Er war es, der die ersten geist- 
lichen Jungfrauen aus Prag auf seine „Burg Tyn" berief — unter 
diesen auch die eigene Tochter Grescentia. Sein Sohn Habard 
(Eberhard) Plichta von Zierotin vermehrte die fromme Stiftung 
seines Vaters und endlich gaben die Enkel Plichta Zierotin III., 
Janko und Habard um 1321 dem schönen Werke die Vollendung. 
— Die 2ierotine blieben auch fortan die grössten Wohlthäter des 
neuen Klosters, das sie recht eigentlich als ihr Familienstift be- 
trachteten. Wie mutbmasslich schon der erste aründer das Land- 
gut Luzetin dem Kloster verehrt hatte, so fügten noch im J. 1385 
die Brüder Plichta der Schwarze, Buäko, Habäo und Habard von 
Zierotin einen Hof in Uhriiic nebst andern neun Hufen Landes mit 
dazu gehörigen Wirthshäusern, Fleischbänken und Bäckereien in 
Teinic und überdiess noch eine Mühle sammt Wiesen in Tfibnic 
hinzu. ^) Auch verliehen die Zierotine ihrem Kloster das Patronat 
über die Pfarrkirchen zu Teinic, Wrbna, Pozdna und Hofowic. ') 
Allerdings geschahen solche Schenkungen zunächst zu Gunsten 
einzelner Töchter der Zierotine, die in Teinic den Schleier nahmen, 
j^edoch stets mit der Bedingung des schliesslichen Heimfalls an das 
Kloster. So geschah auch die grosse Schenkung von 1385 zu Gun- 
sten der Schwester Elisabeth von Zierotin, welche bald 
darauf als Äbtissin an die Spitze des Klosters trat. ') Damals wer- 
den auch ausdrücklich noch zwei „Blutsverwandte'' der l^ierotine 
als Ordensschwestern genannt, — die Jungfrauen Herka und Stronka. 
Nachmals — um 1390 — finden wir hier auch noch eine Anna von 
Zierotin als Klostervorsteherin. *) War auf diese Weise die neue 
Ordenskolonie ein heiliges Asyl der frommen Jungfrauen aus dem 
altberühmten Hause der Stifter, so wurde anderseits die Kloster- 
kirche zu Teinic die letzte Ruhestätte der gesammten hohen Fa- 
milie. Vor Allen prangte dort das Grabmal Plichta's lU., der am 



^) Zimmermann aufg. Klöster 79—81. 

») Lib. erect. IX. H. 11 & 12. 

») Lib. erect. IX. H. 11. 

*) Lib. erect. X. B. 3. XII. G. 1. XIII. 0. 2. 



299 

28. September 1322 in der Schlacht bei Mühldorf als erster ritter- 
licher Kämpe der Böhmen gefallen war. ^) 

2. Im J. 1361 errichteten die frommen Frauen Agnes, Gemalin 
Jodoks von Rosenberg^ und Anna, Gemalin Heinrichs von Lipa, ein 
neues Clarissinnenkloster zu K r u m a u. ^) Sie folgten hierin dem 
frommen Beispiele der Herren Ullrich, Peter, Jodok und Johann 
von Rosenberg, welche bereits im J. 1357 das Kloster der Minoriten 
zu Mariae - Verkündigung erbaut hatten. ^) Die Lage des neuen 
Frauenklosters — „unterhalb der Burg" — wird ausdrücklich in 
einer Urkunde vom 23. December 1372 erwähnt, laut welcher die 
Pfarrkirche zu Krumau für einige durch die Klostererrichtung er- 
Uttenen Schaden durch Jahreszinsungen von Seiten der edlen Brü- 
der Ullrich, Peter und Johann von Rosenberg entschädigt wurde.^) 
Näheres ist urkundlich über dieses Frauenkloster nicht bekannt. 
Jedoch ist anzunehmen, dass es auch fortan von den Rosenbergern 
als Familienstiftung in gleicher Weise erhalten und emporgebracht 
wurde, wie Teinic von Seiten der Zierotine. 

3. Ausser den bisher genannten Klöstern zu Prag, Teinic 
und Krumau erwähnen die bis jetzt bekannten Urkunden des 13. 
und 14. Jahrhunderts keine weitere Niederlassung der Clarissinnen. 
Nur eine wenig verbürgte Sage versetzt eine solche noch nach 
Hohenmaut an die Seite des dort vor dem J. 1400 errichteten 
Franciscanerklosters. ^) Immerhin aber darf angenommen werden, 
dass wenigstens noch manche Häusej der Tertiarierinnen neben 
den zahlreichen Männerklöstern bestanden haben, — wie wir ein 
Gleiches bereits bezüglich der Dominicanerinnen angedeutet haben. 

§. 171. Der Orden der Cyriaken (ordo de poeiiitcntia beatorom martyrum). 

1. Der Orden der Cyriaken (de poenitcntia beatorum mar- 
tyram) oder der Kreuzherren mit dem rothen Herzen 
(auch polnische Kreuzherren genannt) führte seinen ersten Ursprung 



») Palacky U. 139. 
') Sommer Topog. 
») Vgl. §. 164. 
*) Lib. erect. I. D. 7. 
^ Balb. epit. 144. 



300 

auf niemand Geringern zurück, als auf den heiligen Gletus, der 
im J. 79 n. Gh. 6. in Rom unter dem Zeichen des h. Kreuzes eine 
Anzahl Männer zur Aufnahme und Pflege fremder und kranker 
Pilger gestiftet haben soll. Gyriaken nannten sie sich nach dem 
h. Martyr Gyriacus, der im J. 362 die vor den Verfolgungen nach 
Jerusalem geflüchteten Kreuzträger (cruciferi) nach Rom zurück- 
geführt habe. Thatsache ist nur, dass Papst Alexander m. im J. 
1179 für einen derartigen Hospital iterver ein zu Rom die Ordens- 
regel des h. Augustin vorschrieb, dass nachmals Innocenz III. im 
J. 1204 diese geistlichen Brüder nach Livland schickte, um da- 
selbst bei der Bekehrung der Heiden behülflich zu sein, — und 
dass endlich Papst Alexander IV. im J. 1256 den 'im Missionswerke 
und in der Krankenpflege wohlbewährten Verein als förmlichen 
Orden bestätigte. ') Als Ordenskleid hatte ihnen bereits Innocenz 
in. ein aschgraues Oberkleid über dem ursprünglichen rothen und 
weissen Gewände vorgeschrieben. Von Alexander FV. erhielten sie 
einen weissen Habit mit weissem Skapulier und darüber eine rOth- 
liehe; Guculle. Auf ci^r linken Brust trugen sie als Ordenszeichen 
ein rothes Kreuz. Erst im Anfange des 17. Jahrhunderts nahmen 
sie mit Bewilligung des Papstes Paul V. eine weisse Guculle und 
ein rothes Herz unter dem Kreuze als Ordenszeichen an. *) Die 
Ordenspriester nannten sich Ghorherren (Ganonici reguläres. *) Dem 
einzelnen Ordenshause stand ein Propst, den Filialconventen 
ein Prior vor. Den gesammten Orden leitete ein Prior gene- 
ralis, welcher bis zum J. 1340 in Rom seinen Sitz hatte, von 
diesem Jahre an aber im Prager Ordenshause residirte. ^) 

2. Die Gyriaken kamen im J. 1256 — als soeben bestätigter 
Orden ~ nach Böhmen. Pfemysl Ottokar II. hatte sie im selben 
Jahre auf seinem ersten nordischen Kreuzzuge kennen und als 
Missionäre und Krankenpfleger schätzen gelernt. In Folge dessen 
nahm er mehrere dieser Ordensbrüder mit sich nach Prag zurück 
und erbaute ihnen dort — zugleich als ein Andenken seines Kreuz* 



^) Cont. Cosmae 389. Zimmermann aufgehob. Klöster 1. u. ff., haaptsftch]. 
auf Grund der Manuscripte des Gyriaken- und Ordenshistoriographen 
Hobu, dessen Antiquitates ecciesiarum wir schon Öfters citirten. 

-) Zimmermann S. 20. 

•*) Lib. erect. X. F. 7. 

*) Ebend. S. 7. 



301 

zugs — die Kreuzkirchc am Moldauufer (am sog. Frantisek). Dazu 
verlieh er ihnen mit Zustimmung des Bischofs die Pfarrgerechtig- 
keit nebst allen Zehenten in ihrem Pfarrbezirke, und überdiess das 
Wasserrecht mit einer Mühle und ausgedehnte Grundstücke an 
beiden Ufern des Flusses. Das Ereuzkloster blieb von da an das 
Hauptkloster des Ordens in Böhmen. Im J. 1340 wurde es der 
Sitz des ersten böhmischen Generalpriors Albert. Um 1378 be- 
kleidete diese Würde ein gewisser Johann, dem es nachher bc- 
schieden war, den Leichnam des heiligen Martyrs Johann von Ne- 
pomuk in seine Klostermauern aufzunehmen. ') 

3. Die Cyriaken erwarben sich in Böhmen in kurzer Zeit so 
viel Liebe und Vertrauen, dass man sie auch noch in andere Städte 
des Landes berief und die namhaftesten Unterstützungen ihnen zu- 
wendete. So finden wir sie bereits im J. 1 295 in Pardubitz. 
Hier bestand nämlich von diesem Jahre an das Priorat S. Bar- 
tbolomaeus. Angeblich war es von den Ahnen des nachmaligen 
Erzbischofs Ernest gestiftet worden. ^) Sicher ist, dass Ernest von 
Hosün (Malovec), der Vater des Erzbischofs, im J. 1332 dem 
Kloster seinen Hof Pardowic ^) schenkte und dafür die Persolvirung 
zweier täglicher Messen für seine Vorfahren und Nachkommen be- 
dingte. Damals zählte der Convent sechs Priester und vier Laien- 
brüder. *) 

4. In gleicher Zeit entstand auch das Priorat zu r I i k. 
Die ersten Begründer sind unbekannt. Als spätere Patrone des 

V 

Klosters erscheinen die Herren Zampach (Senftenberg), von Poten- 
stein. Von diesen verlieh Johann von Zampach dem Gonvente an- 
sehnliche Zinsungen (14 böhmische Groschen in jeder Woche) von 
e'mpv Mahlmühle zu Ghocna. Im J. 1395 bestätigte Nicolaus von 
Zampach diese Schenkung. ^) Nachmals wurde auch noch ein ge- 
wisser Matu§ Becwar auf Sedlisec ein Wohlthäter des Convents. ®) 

5. Kurz vor dem Jahre 1340 stiftete der Prager Bischof Jo- 
hann IV. von Drazic noch eine dritte Cyriakencolonie zu Neube- 



*) Ebend. 3, 4, 7, 10. 

^) Balb. vita Arnesti. 

^) Dieses Pardowic wird ausdrücklich von der Stadt Pardubic unterschieden. 

*) Urkunde in Zimmermanns Urk. B. S. 4. 

^ Urk. in lib. Erect. lY. 9. 6. Zimmermann, Urk. 6. S. 5. 

•) Lib. erect. IX. Q. 10. 



302 

iiatek, indem er den Ordensbrüdern die Verwaltung der dortigen 
Pfarrkirche übertrug. Der hiesige Prior Albert wurde im J. 1340 
zum Generalprior des Ordens gewählt und nahm zuerst seineu 
Wohnsitz im Kreuzkloster zu Prag. ') Des Bischofs Neffe Johann 
von Draäic (f 15. Oct. 1367) und dessen Gattin Juta erhöhten im 
J. 1359 die Dotation des Couvents zur Unterhaltung von fünf 
Chorherren. ^) Weiterhin erfolgten neue Schenkungen von Seiten 
dey edlen Herren Kunso Nos (f 1370) und Friedrich von Sedlec.') 
Im J. 1380 wurde endlich der damalige Oberstlandesschreiber Jo- 
hann von Drazic gleichsam der zweite Fundator des Ordenshauses, 
indem er den Convent auf acht Chorherren vermehrte und vom Erz- 
bischofe Johann die bleibende Incorporation der Benateker Pfarr- 
kirche und deren Umwandlung zu einer Regularkirche erlangte. *) 
Nachmals wurden die Einkünfte des Klosters noch weiter ver- 
mehrt, — zumeist durch Hasko von StruS, Kapellan in Drazic, 
welcher einen Jahreszins von 6 Schock Groschen dem Kloster wid- 
mete, *) dann durch Aleä von Duba auf Drazic, der einen Weinberg 
in Obodf schenkte, ®) ferner noch durch Peter Tomek von Bratro- 
'nio, ") Johann Sekirka von Luöek, *) BeneS von Altbenatek, •) Al- 
bert '®) und Sigmund von Ledec, ^ *) welche zusammen dem Convente 
ansehnliche Jahreszinsungen im Betrage von 12 Schock böhmischen 
Groschen zuwendeten. 

6. Im J. 1359 erlangte der Generalprior Albert für seineu 
Orden auch noch das Patronat und die Pfarrkirche in S o 1 n i c 
von den bisherigen Patronen Johann und Wznata von Skuhrow. *-j 
Alsbald kamen auch die Pfarreien Solec, Drzkow, Jablo- 



') Zimmeruiaim 6, 7. 

*) Roliu antiq. eccl. (ex MS. missali nionast. S. Crucis Pragae). 

^) Rohn ebend. 

*) ürk. in Zimmermann's Urk.-B. S. 6 u. ff. Lib. erect. l!. R. 6. 

*) Lib. erect. V. F. 5 ad anu. 1390. 

•) Urk. bei Paprocky ad ann. 1403. 

Lib. erect. V. N. 7 ad arni. 1407. 

») ürk. lib. erect. VIII. E. 7 ad ann. 1408. 

«) Lib. erect. VIII. F. 5 ad ann. 1409. 

^«) Lib. erect. IX. J. 4 ad 1410. 

") Lib. erect. VIII. R. 2 ad 1412. 

'*) Zimmermann S. 7. 



303 

n e c ') und iiielic^) hinzu. Obwohl nun an allen diesen Orten 
einige Chorherren zur Pflege der Seelsorge ihren Sitz nahmen, so 
gedieh doch keine dieser Niederlassungen zu einem förmlichen 
Convente. 

• 

§. 172. Die AogDsliiier-Gremiteii in Bülimeii. 

1. Das Einsiedler wesen, in der Idee christlicher Vollkommen- 
heit wurzelnd^ war einst der Ausgangspunkt des Mönchs- und Klo- 
sterlebens gewesen ; aber es war in diesem niemals vollständig auf- 
g^angen. Abhängig und unabhängig von den Ordenshäusern hatte 
es noch stets einzelne Einsiedler und ganze Einsiedlervereine ge- 
geben, und diess am meisten in jenen Gegenden, wo hohe Gebirge 
und dichte Wälder eine Scheidewand zwischen stiller Andacht und 
dem bunten Treiben der Wek zogen. Im Anschlüsse an bestimmte 
Ordenshäuser befolgten solche Eremiten auch die Regel der- 
selben. Fi'eie Eremiten hielten sich dagegen an herkömmliche Sta- 
tuten, die man bald diesem bald jenem Heiligen zuzuschreiben 
pflegte. Namentlich befolgte man häufig eine sogenannte Regel 
des h. Augustin, deren Grundzüge allerdings auf die Reden 
dieses Heiligen über die Sitten des geistlichen Standes zurückge- 
filkhrt werden konnten. Als Einsiedler im Anschlüsse an bestehende 
Orden lernten wir in unserem Vaterlande bereits den Eremiten S. 
Günther und die ersten Ansiedler von Polic kennen. Dass es in 
Böhmen auch freie Einsiedler und Einsiedlervereine ebenso gut wie 
anderwärts gegeben habe, würden wir annehmen müssen, wenn uns 
auch nicht ausdrücklich die Ordenstradition der Augustiner von 
einem solchen Eremitorum zu Stockau (Piwoi^ka) berich- 
ten möchte. Dieses soll schon Herzog Bfetislav L im J. 1040 nach 
seinem in der Nähe über Kaiser Heinrich HI. erfochtenen Siege ') 



Alle drei Orte im Bunzl. Kreijje. Jablonec ist ^ nach dem als benachbart 
angegebenen Pfarrorte Bzyje (Nabsei) zu urtheilen — die heutige Stadt 6 a- 
blonz bei Reichenberg. Im J. 13S4 zahlte diese Pfarre als ganz arm noch 
keinen Papstzehent; Sole6 erlegte dagegen 15 und Drzkow 6 Groschen als 
Halbjahrszehent. 

') Im Bydschower Kreise. 

") Von dem Baumstocke, auf welchem Heinrich III. während der Schlacht 
gesessen haben soll und dessen Überbleibsel noch heute unter dem Hoch- 
altar e der Kirche gezeigt werden, — leitete man den Namen Stockau ab. 



304 

mit Zustimmung des Bischofs Severus errichtet und mit ansehnli- 
chen Feld- und Waldstrecken dotlrt haben. ') Die dortigen Eremiten 
gehörten zu einem bairischen Eremitenvereine, der sich den des h. 
Wilhelm nannte, wesshalb nachmals die Augustiner in Böhmen noch 
längere Zeit hindurch auch ,Wilhelmiten hiessen. 

2. Die allzugrosse. Mannigfaltigkeit in den Statuten der freien 
Eremiten .und die daraus nicht selten entstandenen Zwistigkeiten 
unter denselben, zumeist aber die öfteren Conflicte mit den neuen 
Mendicantenorden, denen sie in Tracht und Sammlung des Lebens- 
unterhalts sehr nahe kamen, bewogen den Papst Alexander lY. im 
J. 1256, die verschiedenen Eremiten vereine mit Zustimmung ihrer 
damaligen Superioren in Italien z\\ einem einzigen kirchlich sanc- 
tionirten Orden der Eremiten des h. Augustinus zu 
vereinigen. Als Ordenskleid bestimmte er eine schwarze -mit einem 
schwarzen Riemen gegürtete Kutte mit langen weiten Ärmeln und 
spitzer Kapuze. Als gemeinsame Regel erhielten sie die herkömm- 
liche „des heiligen Augustinus''. An der Spitze eines jeden Conven- 
tes sollte ein auf drei Jahre gewählter Prior, an der Spitze aller Con- 
vente einer Ordensprovinz ein Prior provincialis mit vier Definitoren, 
endlich an der Spitze des ganzen Ordens ein vom Generalkapitel 
gewählter Minister generalis stehen. Der Auftrag des apostolischen 
Stuhles, insbesondere aber auch die neuen Privilegien (Exemtion von 
der Jurisdiction der Bischöfe, jeweilige Beschützung durch einen 
Cardinal u. dgl.) zogen in kürzester Zeit die Einsiedlervereine al- 
ler Länder in den Verband des neuen Ordens. 

3. So wurde in Böhmen zunächst das schon erwähnte Eremi- 
torium Stockau oder Pivonka das erste Kloster des Augu- 
stinerordens. Die neuen Augustiner nmssten wohl persönlich da.> 
Gelübde der Armuth halten, durften aber für die Sustentation ihrer 
Ordensfamilien durch Besitz und Erwerb von liegendem Eigenthum 
sorgen. So wurde das ganze dermalige Dominium Stockau Besitz- 
thum des Klosters; jedoch dürften die einzelnen Ortschaften da- 
selbst (Wranowa, Sklaf, Sasamin, Ujezd, Münchsdorf, Gramatin, 
Semlowic, Waltersgrün, S. Georg, Mlinec, Schiefernau, Danowa und 



^) MS. Pachomii Kreibich Catalogus fratrum Ordinis eremit. S. Aug. (Bibl. 
V. S. Thomas in Prag.) 



305 

Dra2enow) erst allmählich vom Kloster und seinen Lehensleuten 
angelegt worden sein. 

4. Am 26. März 1262 stiftete der Untermundschenk Ottokar's 
n., Ullrich Zajic von Waldek, auf einer Bachinsel seiner Besitzung 
Zbirow (bei Neudorf) das Kloster S. B e n i g n a (klaäter sw. Do- 
brotive, auch Ostrov und Insula genannt). Zur Dotation dieses Klo- 
sters spendete des Stifters Sohn, der nachmalige Melniker Propst 
Budislaw, das Gut Tyn und dessen Bruder Ullrich II. das Dorf Tr- 
nowa. Im J. 1335 kaufte das Kloster selbst noch den Hof Luben. 
S. Benigna blieb fortan der Augapfel der Zajicen. Hier erhielten 
sie wohl zumeist ihre Jugenderziehung und zwar in so frommer 
Richtung, dass viele Söhne des edlen Hauses nach einander das 
Ordenskleid in S. Benigna nahmen, und andere wieder in die Rei- 
hen des Säcularklerus eintraten. Unter den Klosterbrädern von 
S. Benigna nennen wir den Hermann Zajic von Wald^ek, 
der im J. 1316 zum Generalvikar und Weihbischofe (mit dem Titel 
eines Bischofs von Porphyria) des Prager Bischofs Johann lY. er- 
hoben wurde, — dann den Mathias Zajic von Hasen- 
burg, der im J. 1325 Prior von S. Thomas in Prag war, — vor 
Allem aber den fronmien Hinko v. Hasenburg, der um* das 
J. 1336—1342 nach einander als Prior die Klöster S. Benigna und 
Stockau leitete, dann im Prager Convente die Aufmerksamkeit und 
das Vertrauen des Kaisers und des Erzbischofes Ernest gewann, 
in Folge dessen im J. 1365 als Propst in das Prager Domkapitel 
eintrat und endlich im J. 1372 unter dem Titel eines Bischofs von 
Ladomir Generalvikar und Weihbischof des Prager Metropoliten 
wurde. Er starb am 28. December 1388 und wurde neben dem 
Hochaltäre der S. Thomaskirche in Prag begraben. Ausserdem fin- 
den wir noch im J. 1348 einen Hermann von Hasenburg als 
Prior von S. Benigna. Im J. 1353 war ein jüngerer Hinko von 
Hasenburg Profess daselbst und wurde nachmals Prior in Stockau. 
Im J. 1358 erwarb sich Wenzel von Hasenburg als Lector 
der Philosophie und Theologie in Prag (bei S. Thomas) grossen 
Ruf, und starb nachher als Prior in S. Benigna. Im J. 1363 genoss 
Johann von Hasenburg, ein Bruder des Vorigen, einen gleichen 
Buhm als Lehrer und starb ebenfalls als Prior in S. Benigna. 
Beide Brüder warea die Söhne des letzten Stifters des Klosters in 

Weisswasser, Dietrich von Hasenburg zu Zbirow. Im J. 1368 

20 



306 

war Zbinko von Hasenburg Profess bei S. Thomas in Prag 
und wurde später dessgleichen Prior des Hasenburg'schen Fami- 
lienklosters. Ausser diesen Hasenburgern im AugustinerordeD 
zählte dieses Geschlecht von 1200 bis 1380 auch noch zwei Äbfe 
in Postelberg (Theodorich f 1210, Zbinko f 1366), den letzten 
Landmeister der Templer (Wilhelm 1312), zwei Dekane des Prager 
Domstifts (ausser Gregor dem nachmaligen Bischöfe: Ullrich c. 1326 
und angeblich auch Plichta von MSen t 1362), zwei Pröpste von 
KoUegiatstiften (Budislav von Melnik f 1291 , WilheUn von Alt- 
bunzlau 1370) und einen Bischof (Gregor f 1301). — ^^ 
wieder auf das Kloster S. Benigna zurück zu kommen, so war 
sein ursprünglicher Dedicationsname S. Laurenz. Erst als der 
Prager Domdechant Ullrich um 1326 den Leib der h. Benigna 
dem Kloster schenkte, erhielt es im Munde des Volkes den letzteren 
Namen. ^) 

6. Das dritte Augustinerkloster Böhmens entstand im J. 1263 
zu Schopka nächst Melnik. Stifter desselben waren Smil von 
Cetow und Paul von LuStSnec, die beide nach einem in mannigfa- 
chen Kriegsabenteuern verbrachten Leben ihre letzten Tage im 
Schlosse Schopka erwarteten. Da entschlossen sie sich, f&r das 
Heil ihrer Seele das erwähnte Kloster zu stiften. Auf ihre Bitte 
legte der Bischof Johann lU. von Draiic ') den Grundstein desselben 
und führte darauf mit Bewilligung des damaligen Provinciais En- 
gelbert (von Deutschland) die ersten Brüder aus Stockau in die 
neue Stiftung ein. Zum Unterhalte schenkten die Stifter das ge- 
sammte Gut Schopka sammt allem Zubehör an Äckern, Wiesen, 
Weiden, Weinbergen und Bächen, — ferner die dortige Eibüber- 
fahrt und eine Mühle am Bache Pgowka. ^) König Ottokar II. bestä- 
tigte diese Stiftung am 20. Juli 1268. >) Im J. 1328 schenkte der 



^) In frühere Zeit gehören: der Bischof Hizo von Prag, der Bompropst Ull- 
rich von Waldek (f 1172; und der Frager Domdechant Budislaw. 

*) Über S. Benigna und die Hasenburger das MS. Weidner's in der S. Tho- 
masbibl. : Tria memorabilia, Insula, Yirgo et Lepus. Dessgleichen Krei- 
bich MS. catalogus (hier auf Grund der Gedenkbücher v. S. Benigna), 
Pelina phosp. p. 609. 

^) Der betreff. Brief des Bischofs Johann in Balb. epit. I. c. §. 2. 

*) MS. Kreibich. 

^) Rohn antiq. ecci. 



307 

OhDätzer fiischof Hinko Berka von Duba noch eine Zinsung von 
einer Mark Silbers und 7 Hetzen unterschiedlichen Getreides von 
seinem Hofe Stfem an den Convent. Um dieselbe Zeit bot auch 
das ritterliche Geschlecht der Beinowskj die nöthigen Mittel 
dar, um das Gut Mlaöic fttr das Kloster anzukaufen und in Folge 
dessen die Zahl der Priester zu vermehren. Im J. 1373 kam das 
Kloster in Streit mit der Stadt Melnik über etliche Grundstücke 
am Berge Swynie. Königin Elisabeth als Schutzherrin von Melnik, 
setzte in Folge dessen ein Schiedsgericht nieder, bestehend aus 
ihrem Burggrafen BeneS, dem Erzbischofe Johann und dem raud- 
nitzer Burggrafen Wilhehn. Durch dieses wurde entschieden : dass 
der Berg Swynie ausserhalb des melniker Thors sammt dem daselbst 
angdegten Weinberge dem Kloster allein, die niederen Weide- 
strecken hingegen bis zur städtischen Überfuhr beiden Theilen ge- 
meinsam als Hutweide angehören sollten. Auf die Verletzung die- 
ses Schiedsspruchs wurde eine Strafe von 100 Schock gesetzt. 
Im J. 1390 schenkte Johann von Obristwy-dem Kloster noch 3 
Schock Zinsungen als Legat seines Vaters. ') Im J. 1394 erhielt 
der Convent auch noch von Johannes von Biikowic einen Hof ge- 
schenkt gegen die Verpflichtung, jährlich für ihn vier Gedächtniss- 
messen zu lesen und bei jeder je 12 Arme mit Speise und einem 
Heller baren Geldes zu betheilen. Ausserdem sollte noch alltäglich 
eine stille Messe für ihn persolvirt werden. Bei Unterlassung 
dieser Verpflichtung sollte der Hof an die Brüder des Stifters zu- 
rückfallen. *) 

§. 173. Fortsetiang. 

1. Wer die S. Thomaskirche in Prag erbaut habe, 
lässt sich mit Sicherheit nicht angeben. Gewiss ist nur, dass das 
Stift Bfewnow um 1278 nebenan ein Residenzhaus mit einer Ka- 
pelle der h. Dorothea besass. Eben um das J. 1278 nahm Pfemysl 
Ottokar H. einige gelehrte Augustinerbrüder an seinem Hofe auf 
und erwirkte ihnen die einstweilige Überlassung jener Bfewnower 



') MS. Ereibich. 

*) Lib. etect. XII. C. 10. 

*) Lib. erect. XIU. C. 8. 

20* 



308 

Residenz. ') Im J. 1285 endlich übergab König Wenzel II. den 
Augustinern die S. Thomaskirche nebst einem anstossenden Bür- 
gerhofe; das Stift Bi^ewnow aber verzichtete auf des Königs Ver- 
wendung im J. 12Ö6 förmlich auf sein Haus und die Dorotheaka- 
pelle zu Gunsten der neuen Ordensfamilie. *) Im J. 1306 erkaufte 
man auch noch einen weitern Hof vom Kloster S. Georg hinzu. *) 
Überdiess wird aber auch der Prager Bischof Tobias als Wohlthäter 
und Förderer des neuen Klosters gerühmt. *) Als nachmaliger Bef5r- 
derer desselben ist zunächst der uns bereits bekannte Prager 
Schöffe Konrad von Leitmeritz zu nennen, der im J. 1335 auch 
das Kloster S. Thomas gleich andern kirchlichen Instituten mit ei- 
nem ansehnlichen Legate bedachte. ') Diess und andere ungenannte 
Schenkungen machten es dem Convente möglich, im J. 1369 das 
Gut Luiec um den Preis von 120 Schock Groschen anzukaufen. *] 
Nachmals legirten auch noch Burghard von Öichalowic und HanuS 
2atnar eine Jahreszinsung von einem Schock, und überdiess Sigmund 
von Ledeö einen ähnlichen von 2 Schock Groschen — letztere auf 
dem Gute Ratiäewes haftend — für die Brüder von S. Thomas. ') 
Im J. 1411 schenkte auch Johann von Bieberstein nach Resignation 
des Pfarrers Wolfard dem Augustinerconvente in Prag das Patronat 
über die Pfarrkirche in ßeichenberg oder Habersdorf. •) Dieses 
Kloster genoss die hohe Auszeichnung, dass längere Zeit hindurch 
die Prager Bischöfe ihre Generalvikäre und Weihbischöfe aus dem- 
selben wählten. Im J. 1316 war diess der schon erwähnte Her- 
mann Zajic von Waldek, Bischof von Porphyria. Im J. 1345 folgte 
diesem ein anderer Professe von S. Thomas nach, der sich nur 
mit dem Buchstaben N. . (Nicolaus ?) und als Bischof von Slana (?j 
verzeichnet findet; derselbe consecrirte im genannten Jahre den 
S. Johannesaltar in der Thomaskirche. Von 1372 bis 1388 fungirte 



^) Kreibich MS. Die Tradition der Augustiner nennt auch immer den Pft- 

mysl Ottokar als Mitfundator. 
"") Tomek 255, Chron. Auloreg. 53. 
») Tomek 276. 
*) Weidner MS. 
*) Tomek 349. 
•) Kreibich MS. 

») Lib. erect VIII. J. 7. X. C. 5. 
") Hermann Gesch. v. Reichenberg S. 103. 



309 

wieder der ebenfalls schon erwähnte Hinko von Hasenburg als Bi- 
schof von Ladomir und Generalvikar. *) — Auch an ansehnlichen 
Gelehrten fehlte es bei S. Thomas nicht, und zwar schon lange vor 
dar Zeit, wo Papst Urban V. den Prager Klostern die Aufstellung von 
Lectoren der Theologie auftrug. Obenan steht der berdhmte Ni- 
kolaus de Luna (Laun), der schon im J. 1334 bei S. Thomas 
die Theologie lehrte, im J. 1340 Provinzial der vereinigten Provinz 
von Baiem, Böhmen, Mähren, Österreich, Schlesien, Polen, Käxnthen, 
Krain und Libumien wurde, und endlich (noch im J. 1347) die 
Vorlesungen der erst im nächsten Jahre bestätigten Prager Uni- 
versität als Lector der Theologie ruhmreich eröffnete. ') Gleich 
darauf fungirte wieder Nikolaus Cassianus als Lector des Klo- 
sters, derselbe, den wir im J. 1387 als Sacristan der päpstlichen Ka- 
pelle, *) im J. 1403 als General des Ordens, darauf als Bischof von 
Macerata und endlich als Kardinal wiederfinden. Er starb im J. 1415. 
Iffl J. 1356 docirte bei S. Thomas der vielbewunderte Bruder Ja- 
kob von Biela (Weisswasser). Eben daselbst glänzte vor 1363 
der Baier Nicolaus Teschel, der zweimal das Provinzialat be- 
kleidete und im J. 1363 als Bischof von Castria Generalvikar und 
Weihbischof zu Regensburg wurde. ^) 

2. Am 12. Juni 1288 stiftete der fromme König Wenzel IL 
in Gemeinschaft mit seiner Gemahlin Guta das Augustinerkloster 
zu S. Marise Himmelfahrt in seiner königlichen Stadt Tauss, und 
erbaute hiefür von Grund aus die nöthigen Gebäude. Überdiess 
dotirte er den Convent in einer Weise, dass dieser sich weiterhin ohne 
zeitliche Sorgen der Seelsorge und dem Jugendunterrichte widmen 
konnte. In Folge dessen gehörte die dortige Klosterschule vor der 
husitischen Bewegung zu den berühmtesten im Lande. 

3. Die Augustiner bei S. Thomas befanden sich um 1330 be- 
reits in der Lage, die Errichtung eines neuen Filialklosters in An- 
griff nehmen zu können. Sie lenkten ihr Augenmerk vor Allem 
auf das südliche Böhmen, wo sie bis dahin noch keine Niederlas- 
sung hatten, — und zwar auf die königliche, jedoch dem wyäe- 



^) üb. erect IX. H. 11. V^eidner» Kreibich MS. 
') Kreibicb, Vgl. Tomek, Gesch. d. Pr. Universität S. 4. 
*) Dieses Ehrenamt bekleidete stets ein Augustinerbruder. 
«) Kreibich MS. 



310 

hrader Kapitel als Kirchenpatron zustehende Stadt Schüttenho- 
fen (Suäic). Sie wandten sich an ihre hohe Gönnerin, die Köni- 
gin Elisabeth, um ihnen zu ihrem Vorhaben die königliche Erlaub- 
niss zu erwirken. Diese bat nun auch wirklich (kurz vor ihrem 
Tode) nicht vergebens; ~ auch trug sie wohl das ihrige zu dem 
Unternehmen bei. ') Die königliche Erlaubniss erfolgte im J. 1331, 
wurde aber sofort wieder zurückgenommen, als das wyäehrader 
Kapitel gegen den Klosterbau als Beeinträchtigung der schtttten- 
hofer Pfarrpfründe Einsprache erhob. Acht lange Jahre ruhte nun 
das Unternehmen, ^bis man endlich im J. 1339 neuerdings die kö- 
nigliche Erlaubniss erwirkte und nun den Bau der Klosterkirche 
begann. Doch dabei geriethen die Augustiner wieder in einen bö- 
sen Process, der zuletzt im J. 1345 auf Befehl des Königs die Cas- 
sirung des Kirchenbaues und die Wegnahme der bereits ange- 
schafften Kirchengeräthe zur Folge hatte. ') Erst die milde Regie- 
rung Karls IV. liess die mittlerweile angesiedelte Ordenskolonie zu 
einiger Ruhe kommen, — doch nur auf kurze Zeit. Denn gleich 
im Beginne der Husitenaufstände wurden die Klosterbrüder durch 
den von einem Ortskaplane aufgereizten Pöbel aus der Stadt ver- 
trieben, um niemals wieder dahin zurückzukehren. ^) 

4. Im J. 1340 ^) gründete der mächtige Landeshauptmann 
Hinko Berka von Laipa das Augustinerkloster S. Wenzel in Weiss- 
wasser (Biela) mit der Verpflichtung, dass daselbst für alle Zeit 
sein Seelengedächtniss gehalten werde. Als Dotation widmete er 
15 Hufen Äcker auf dem Gute Lang-Dubrawa , 6 auf dem Gute 
Dietele (?), welche jährlich 22 Schock Zinsung entrichteten, — f^- 
ner 2 Hufen Waldung, und überdiess jährliche 162 Metzen Weizen 
und 100 Metzen Gerste von den unterhalb der Stadt Wdsswasser 
gelegenen Mahlmühlen. Leider erlebte Hinko die Vollendung des 
Klosters nicht mehr. Er starb am 29. September 1348. Nach ihm 
legte Dietrich Zajic von Hasenburg auf Zbirow die letzte Hand ans 
Werk, und zwar — wie es ausdrücklich heisst — aus Liebe zu 
seinen bereits dem Augustinerorden angehörigen Söhnen Johann und 



^) Die Gedenkbücher der Augustiner nennen die Königin EliBabeth als Stifterin. 

») Vgl. Tomek G. Pr. 487. 

') Kreibich MS. 

*} Nach LttpaciuB 1337. 



311 

Wenzel. Dieser vollendete den Bau und fahrte die ersten Ordens- 
brilder ein. Auch vermehrte er aus seinen Mitteln die Einkünfte 
des neuen Convents. 

5. Am 12. December 1342 nahm der edle Bohuslaw von Schwam- 
berg eine Augustinerkolonie in seine Stadt Neumarkt (bei 
Weseritz) auf. Es geschah diess vorzüglich auf Antrieb des Augusti- 
nerlectors M, Johann Denkok aus Thüringen, den er in Prag als 
gelehrten Theologen kennen gelernt und zum Freunde und Gewis- 
sensrathe gewählt hatte. Leider starb der fromme Bohuslaw schon 
im J. 1347, ohne noch den neuen Convent versorgt und gesichert 
zu haben. Sein Sohn und Erbe weigerte sich, in dieser Richtung 
das Nöthige zu tbun und darum mussten die Brüder bereits im 
folgenden Jahre deb Wanderstab ergreifen, um nicht mehr wieder- 
zukehren. ^) 

6. Einen Ersatz dafür erhielten die Augustiner am 5. Februar 
1356, indem sie der Bischof Johann n. von Leitomyäl in seine 
bischöfliche Stadt berief. Er hatte hiezu die ausdrückliche Zustim- 
mung seines Kapitels und der Stadt Leitomyäl, sowie auch die Ge- 
nehmigung des apostolischen Stuhles und des kaiserlichen Hofes 
eingeholt. Schon am S. Michaelsfeste des folgenden Jahres war 
der Bau der Klosterkapelle (S. Margaretha) so weit gediehen, dass 
der erste Prior Nicolaus von Brunn den Gottesdienst darin eröff- 
nen konnte. Die eigentliche Klosterkirche zum h. Kreuze wurde 
erst später vollendet. Der fromme Stifter erlangte für dieselbe im 
J. 1359 vom französischen Könige Karl einen Theil des heiligen 
Kreuzes Christi und der Prior Nicolaus im J. 1360 vom Bischöfe 
Aegidius von Yincentia, dem damaligen päpstlichen Legaten von 
Deutschland, Böhmen und Ungarn einen Ablass für die frommen 
Besucher seines Gotteshauses. Bischof Johann schenkte endlich im 
J. 1360 dem Kloster einige Häuser und Gärtqn in der Stadt und 
erhebliche Jahreszinsungen im Umkreise derselben. Dazu fügte er 
noch im J. 1364 emen Hof mit 3 Hufen Äckern in der Vorstadt 
und weiterhin auch noch (bereits als Bischof von Olmütz) das mäh- 
rische Dorf Letn6. Im J. 1369 stiftete auch noch Heinrich von 
Di?ew6ic, Burghauptmann in Olmütz, in der Klosterkapelle S. Mar- 



') Krdbich MS. 
^ Ebendaselbst. 



312 

gareth eine tägliche Messe und im J. 1380 verlieh der päpstliche 
Legat Kardinal Pileus derselben einen Ablass. Aus anderweitigeo 
Geschenken kaufte das Kloster noch bei Lebzeiten seines Stifters 
das mährische Dorf Naäneftc an, das aber seiner Entfernung halber 
im J. 1382 an das Brfinner Kloster um 135 Schock Oroschen abge- 
lassen und durch den Ankauf von TeSkowic ersetzt wurde. Überdiess 
erwarb man durch Kauf im J. 1284 das mährische Dorf Cechy. ^) 

7. Am 2. Jänner 1373 stiftete Albert von Kolowrat das Klo- 
ster Ro(ow — in Folge eines Oelflbdes, das er schon im J. 1255 
zu Pisa an der Seite des Kaisers im Kampfe gegen die Aufständi- 
schen abgelegt und nachmals auf seiner Burg Bo£ow (Unter-Roiow) 
zur Erflehung eines Stammeserben wiederholt hatte. Er erbaute 
desshalb zunächst oberhalb seiner Burg (Ober-Ro£ow) eine Kapelle 
zu Ehren der Geburt Mariens, die er nachmals erweiterte and in 
eine Pfarrkirche verwandelte. Dann errichtete er neben seiner 
Burg eine Kirche und ein Kloster f&r die Augustiner und dotirte 
es aus den Einkünften seines Gutes. Papst Gregor XI., Km& 
Karl IV. und Erzbischof Johann bestätigten die Stiftung. Die Ordens- 
brüder zogen im J. 1376 in die neue Behausung ein. Die Kirche 
mit ihren sieben Altären wurde im J. 1380 vom Weihbischofe Hinko 
von Hasenburg consecrirt. Damals bestand der Convent bereits aas 
13 Brüdern. Der fromme Stifter starb im J. 1390 und fand seine 
letzte Ruhestätte in der neuen Klosterkirche. Nachmals vermehrten 
noch anderweitige Schenkungen die Einkünfte des Convents. Na- 
mentlich widmete Aleä von Bezdru2ic (Weseritz) einen auf dem 
Gute Weska von Chrast haftenden Jahreszins von 7 Schock böh- 
mischen Groschen. ') 

8. Auch ein Frauenkloster der Eremitenregel entstand noch 
vor Ablauf der karolinischen Zeit. Es war das Kloster S. Katha- 
rina in der obem Neustadt Prag, welches Karl IV. am 19. Mai 1355 
in Folge der zu Pisa glücklich überstandenen Lebensgefahr stiftete. 
Schon im J. 1356 zogen die geistlichen Schwestern in dem neuer- 
bauten Ordenshause ein, — mit ihnen zur Besorgung der geistUchen 



') Jelinka hystorie mösta Litomydle p. 125—196. BnUa Innoc. VI. ad 1356 
bei Boiek dipl. Mor. Diploma Aegidii episc. Vinc. ebendaselbst. Diplom, 
fandatoris ebendaselbst. 

') Lib. erect YIII. J. 8, Ereibich MS., Rohn antiq. eccl. Ghanowsky Testigia 
Bob. piae, Confirmatio Caroli IV. et fim dd. 23. April 1874. 



313 

Leitung ein Propst und 4 Ordenspriester von S. Thomas. Die nö- 
thigen Einkünfte wurden sofort vom hohen Stifter angewiesen. Die 
Kirche S. Katharina aber kam erst im J. 1367 völlig zu Stande 
und yrmde am 30. November dieses Jahres vom Erzbischofe Jo- 
hann feierlich consecrirt. >) 

§ 174. Die lagilaUoitinnen in BShuen. 

1. Wir constatiren zunächst die Thatsache, dass es im Mit- 
telalter zwei ganz verschiedene religiöse Institute gab, die häufig 
mit dem gleichen Namen der Magdalenitinnen bezeichnet werden. 
Jene fromme Zeit, erfinderisch in Werken christlicher Liebe, suchte 
unter Anderen auch den verirrten weiblichen Seelen in Mitten der 
Sittenverderbniss grösserer Städte Gelegenheit und Mittel zur ernst- 
lichen Bekehrung zu bieten, indem sie ihnen eigene religiöse 
Anstalten eröffnete, wo sie unter der Leitung frommer Frauen 
und bewährter Büsserinnen ihre Verirrungen erkennen, bereuen und 
für immer meiden lernten. Derartige Institute lagen so sehr im 
Geiste der Zeit, dass sie sogar ohne einen gemeinschaftlichen Stif- 
ter meist nur auf Anregung irgend eines eifrigen Busspredigers 
ins Leben traten. Ein Haus dieser Art entstand im J. 1272 zu 
Marseille in Frankreich, wo ein gewisser Bertram als Gründer 
genannt wird, — weiterhin auch in Paris (1277), Neapel (1314) und 
Metz (1432). Ein ähnliches Institut gründete endlich Papst Leo X. 
im J. 1520 in Rom und gab den Bewohnerinnen desselben ein 
schwarzes Kleid mit einem weissen Skapuliere — als Zeichen der 
nach früherer Sündhaftigkeit wiedererlangten Reinheit. Die geistliche 
Leitung führten in solchen Häusern bald Säcular- bald unter- 
schiedliche Ordenspriester, — in Rom erweislich die Fratres mi- 
nimi des heiligen Franciscus von Paula. Als weibliche Hausvor- 
steherinnen fungirten auf kürzere Zeit gewählte Priorissinnen. Solche 
Ordensschwestern nun nannten sich Bussschwestern nach der 
Regel des h. Augustin unter der Anrufung der h. Maria Magdalena. 
Dagegen finden wir bereits im J. 1232 sogenannte Fratres und 
sorores de poenitentia S. Maria Magdalenae, die 



^) CbroB. Beneiii de Weitm. 865, 392. Pelzel Karl lY. 483. Kreibich MS. 



314 

schon vom Papste Qregor IX. ansehnliche Privilegien erhielten und 
nachmals unter Clemens V. sogar schon 18 Ordensprovinzen zähl- 
ten. Auch diese befolgten die Regel des h. Augustin, hatten jedoch 
die Ausübung der Gastfreundschaft an Pilgern und Kranken zum 
Ordenszwecke, trugen ein ganz weisses Ordenskleid und standen 
unter der Oberleitung eines eigenen Prsepositus generalis. ') Weib- 
liche Ordenshäuser dieser Regel nahmen selbstverständlich niemals 
andere Candidatinnen, als reine Jungfrauen auf. 

2. In Böhmen finden wir vorerst die weissen Magdale- 
n i t i n n e n — auch weisse Frauen genannt , die in ihren Or- 
denshäusem stets einen Regularpropst ihrer eigenen Regel und an 
ihrer Spitze den Praepositus generalis hatten. Letzterer hatte im 
14. Jahrhunderte geradezu seinen Wohnsitz in Böhmen. In den 
Jahren 1334, 1336 und 1400 war es der Propst des Prager, im J. 
1511 der Propst des Launer Klosters.*) Als Nonnen der betref- 
fenden böhmischen Klöster werden stets Töchter aus edlen Fami- 
lien und von ansehnlichen Prager Bürgern genannt. ^) 

aj Die älteste Ansiedlung solcher Magdalenitinnen finden wir 
in D b f a n bei Pilsen, wo ihnen der edle Wychard von Tyrna 
schon im J. 1259 das Patronat der Pfarrkirche verlieb- Doch 
mochte diese Niederlassung nicht gedeihen wollen ; denn ' schon 
im J. 1272 überliessen die Schwestern Haus und Kirche an das 
Prämonstratenserinnenstift Chotfechau. '•) 

b) Von Dobfan scheinen die Ordensschwestern nach Prag 
übersiedelt zu sein , wo wir sie schon 1282 in der Nähe der S. 
Galluskirche antreffen. *) Die allzugrosse Nähe des Franciscaner- 
klosters S. Ambros, um derenwillen der Bischof Johann IV. im J. 
1315 von einigen Cardinälen eine scharfe Rüge erhielt^), mag die 



^) Die Verschiedenheit dieser zwei Institute zeigt Rohn in Antiq. eccl. — 
gestützt auf Hieronymus Romanus, Petri de Gampo chron. ord. Augast., 
Herrera alphabetus Augustinianus. Die Identität nehmen irrig Crasenius 
(monasticon Augustinianum) und selbst V^etzer's Kirchenlexikon an. 

*) Tomek 612 und Urkunden in Hammerschmidt's MS.: Chronica aliquot 
urbium — in der Prager Univ. Bibl. Lib. erect. XIII. £. 2. 

^) Einzelne Fälle bei Tomek 346, 612. Hammerachmidt 1. c. and Rohn aatiq. 
eccl. Die Stiftungsurkunde des Launer Klosters nennt die Nonnen aus- 
drücklich Yirgines. 

*) Urk. cit. in Rohn antiq. eccl. 

») Tomek G. Pr. cit. eine Urk., S. 248. 

•) Tomek 660. 



3U 

YeranlasBUDg ihrer Übersiedelung auf die Eleinßeite gewesen sein, 
wo sie innerhalb der damaligen Stadtmauern ') ein neues Ordens- 
haus in der alten Postgasse bewohnten. Dort wurde im J. 1329 
der Prager Oerichtsschöppe Seiboth von BeneSau und im J. 1335 
der uns bereits wiederholt als Kirchenfreund bekannt gewordenen 
Scböppe Konrad von Leitmeritz ihr Wohltbäter. ^) Im J. 1336 kamen 
sie mit ihrem Propste , der zugleich praepositus generalis war , in 
einen ziemlich bittern Streit über die Verwaltung ihres Klosterver- 
mögens. ') Um diese Zeit scheinen die Ordensschwestern in das ver- 
lassene S. Annakloster am Aujezd übersiedelt zu sein. Dort finden 
wir sie namentlich im J. 1375, indem ihnen da der Vicarius Kunz- 
mann im Prager Dome eine Jahreszinsung von 1 Schock böhmischen 
Groschen zuwendet. ^) Dort erhielten sie auch noch im J. 1415 
eine ähnliche Schenkung von einem Prager Bürger Beneä. ^) 

cj Eine weitere Niederlassung der weissen Magdalenitinnen 
finden wir im Kloster Zahras in Brux. Dieses Kloster -- zu 
den sieben Freuden Marias — wurde dem Orden am 21. November 
1283 vom Könige Wenzel II. übergeben.^) Zur Erhaltung des Convents 
wurden vom königlichen Stifter mehrere Orte im Umkreise der Stadt 
Brüx dem Kloster als unterthänig zugewiesen und überdiess nam- 
hafte Zinsungen von der bei Brüx gelegenen Burg Landswerth und 
den dazu gehörigen Ortschaften dahin geschenkt. Noch kamen durch 
die Freigebigkeit mehrerer Edlen und der Bürger von Brüx auch 
andere ansehnliche Einkünfte an die geistlichen Ordensfrauen. ^) 
So gedieh das Kloster immer mehr und mehr, bis die husitischen 
Bewegungen seiner Blüthe ein Ende machten. 



*) Diese liefen damals Iftngs des jetzigen Obstmarkts und der Postgasse zur 
Maltheserkirche hin. Also ist diese Niederlassung vom kleinseiter Anna- 
kloster ausserhalb dieser Stadtmauern (am Aujezd) wolil zu unterscheiden. 
Schotky (das karol. Prag) und einige Andere confundiren sie. 

V Tomek 345, 819. 

*) Ebendaselbst 612. 

*) Lib. erect. XIII. B. 9. 

*) Lib. erect. X. 6. 9. Es ist wohl denkbar, dass eben Karl lY. den weissen 
Frauen das S. Annakloster einräumte, — - aber keineswegs waren diess die 
Magdalenerinnen des MiUtins, wie Schotky annimmt. Vgl. §. 166 n..2. 

*) Übergabsurknnde cit. in Rohn antiq. eccl, Brüx gehörte seit 1^8 der 
königlichen Kammer. 

^ Ebendaselbst. 



S16 

d) Im J. 1331 stiftete der Stadtrichter Bero zu L a u n ein 
neues Kloster der Magdalenitinnen unter dem Titel der h. Anna. ') 
Er widmete hiezu seine Besitzungen im nahen Dorfe Dobromific 
nebst ansehnlichen Jahreszinsungen. Auch gab er dem Kloster das 
Patronatsrecht über die Pfarrkirche des genannten Dorfes. Er be- 
stimmte ausdrücklich, dass seine Nachkommen als Patrone des 
Klosters das Recht haben sollten, den Klosterpropst beim General- 
propste zu präsentiren und denselben im Falle seiner Untauglich- 
keit zu entsetzen. Ebenso sollten diese Patrone eine verschwende- 
rische Priorin entfernen und eine neue einsetzen dürfen. Eine un- 
gdiorsame „Jungfrau" konnte von ihnen in ein anderes Kloster 
versetzt werden. Bischof Johann IV. von Dra2ic confirmirte noch 
am 9. October 1331 die neue Stiftung. *) Auch König Johann be- 
theiligte sich an diesem frommen Werke, indem er gelegenheitlich 
seiner Confirmation im Jahre 1335 dem neuen Kloster eine halbe 
Mark Zinsungen von 3 Hufen in Dobromöi4c schenkte und die 
Unterthanen des Gonvents unter die gerichtliche Jurisdiction des 
Kloster-Sachwalters stellte. Letzteren hatten ebenfalls die Patrone 
zu bestellen. Überdiess verordnete er, dass der Generalpropst le- 
diglich nur das Recht haben sollte, je 3 Tage lang das Kloster zu 
Visitiren und die Beichten der Jungfrauen zu hören. Auch sollte 
es den Nachkommen des Stifters im Falle ihrer Verarmung vorbe- 
halten bleiben, dass das Kloster sie erhalte. ') Im J. 1356 bestätigte 
auch Karl IV. auf Ansuchen der damaligen Klosterpatrone Peter 
und Johann, der Neffen Beros, die Stiftung. Als Besitzungen des 
Klosters werden da schon genannt : Die ganzen Dörfer DobromWic 
Netsukly (Netschich) und Oblik (Hoblik) sammt allem Zubehör, 
ferner die dem Bero und seinem Neffen eigenthümlich gewesenen 
Antheile der Dörfer Terchlaw und Rana. ^) Die eigenthümlichen 
Vorrrechte der Patrone mussten hier bald zu unzukömmlichen 
Übergriffen und Streitigkeiten führen. Solche finden wir denn auch 
wirklich bereits im J. 1364. Da entschieden die erwälnten Schieds- 
richter Paulus, Notar der königlichen Kammer, und der königUche 



') Es stand an der Stelle des jetrigen Spitals. 

') Confirmatio Joannis episcopi dd. VIII. Idas Octob. 1831 in Hanunenchmidu 

hist. aliqnot arbium MS. 
*) ürk. dd. fer. IL ante d. S. Laarent 1835 ebendMelbst, 
*) Urk. dd. cal. Aog. 1856 ebendaselbst. 



317 

Hofrichter Frenzlin Potzenbach: dass den Patronen fernerhin das 
Patronatsrecht zu Dobromific, jedoch mit Beirath der Priorin und 
des Conventes zustehen solle, keineswegs aber mehr das Recht, 
den Propst, Sachwalter und die Beamten des Klosters zu wählen 
und Rechenschaft über die Vermögensverwaltung zu verlangen. 
Diess Alles sollte hinfort Sache des Klosters sein. ') Im J. 1411 
nannte sich der Launer Klosterpropst Johannes Bulendorfer zugleich 
Praepositus generalis ordinis S. Magdalenae de poenitentia sub re- 
gula S. Augustini per Bohemiam, Moraviam et Austriam. ') 

e) Nebst den bisher genannten urkundlich sichern Niederlas- 
sungen der weissen Magdalenitinnen wissen locale Sagen auch noch 
von einem ähnlichen Kloster im Dorfe S e 1 a oder S t f i d k a bei 
Kaaden. Auch dieses soll König Wenzel U. im J. 1283 gestiftet 
haben; doch ist darüber nichts Sicheres bekannt. 

3. Ganz verschieden von den bisherigen Jungfrauenklöstern 
war jenes dem Namen nach verwandte Institut, welches der Prager 
Bussprediger Militius im J. 1372 ftir gefallene Personen des weib- 
lichen Geschlechtes ins Leben rief. Dreihundert solcher Gefallenen 
entschlossen sich zu einem Leben der Busse. Um ihnen diess zu 
ermöglichen, verwandelte Militius mit Hülfe reichlicher milder Gaben 
— insbesondere von Seiten des Kaisers — das bisherige Haus der 
Unzucht, den Hof „Venedig^' in der Bartholomäusgasse, in eine Art 
Kloster und erbaute dabei eine Kapelle der h. Magdalena. Er nannte 
seine neue Ansiedlung „Jerusalem'' im Gegensatze zu dem früheren 
Namen. So lange nun der Stifter selbst lebte, gedieh auch sein In- 
stitut. Allein er starb bereits im J. 1374. Von dieser Zeit an löste 
sich alle Ordnung im Busshause auf und die Büsserinnen kehrten in 
Massen wieder in die Welt zurück. In Folge dessen verlieh Karl IV. 
schon im December 1374 die zwecklos gewordenen Stiftungsgebäude 
dem Cisterzienserorden in Böhmen. Dieser errichtete daselbst ein 
gemeinschaftliches Residenz- und Studienhaus unter dem Namen S. 
Bernard und nannte auch die bisherige Magdalenakapelle nach dem 
Kamen seines eigenen Ordensstifters. ') So hat also ein Institut 



^ Ork. dd. fer. IV. poBt fest. S. Mich. 1364 in libr. eiect. IX.xG. 6. 

») Lib. erect. VIII. 0. 4. 

') Lib. erect. I. T. 7. Pelzel 6. Karls 856. 



318 

der eigentlichen Büsserinnen in Böhmen nur sehr kurze Zeit — 
von 1372—1374 — bestanden. 

§. 175. Die Chorherren des heiligen Aignstin. 

1. Als das kanonische Leben in den Dom- und KoUegiat- 
kapiteln sich immer mehr lockerte, fehlte es nicht an mannigfachen 
Versuchen^ dasselbe wieder zur alten Strenge zurückzuführen. 
Als solchen haben wir bereits die Stiftung des Prämonstratenser- 
ordens kennen gelernt. ^ Älter noch als dieser — obwohl später in 
Böhmen bekannt — war das Institut der Chorherren des h. Augu- 
stin. Auf Andringen des sittenstrengen Petrus Damiani hatten be- 
reits die Päpste Nicolaus n. und Alexander II. in den Jahren 
1059 und 1063 auf zwei kirchlichen Synoden strengere Bestinunun- 
gen in Betreff des kanonischen Lebens erlassen, die allmälig von 
zahlreichen Priesterkoliegien angeiiommen und noch mehr von vie- 
len Fundatoren neuer Ordenshäuser eingeführt wurden. Man nannte 
diese zumeist aus dem Beispiele des h. Augustin und dessen zwei 
Reden de moribuä clericorum geschöpfte neue Regel fortan — wie 
so manche ähnliche Klosterordnung — die Regel des h. Augustin, 
im Gegensatze zu der schon im Anfange müder gehaltenen und nach- 
mals sehr lax gewordenen Regel des h. Chrodegang. Nachmals 
wurde es Sitte, den h. Augustin selbst als Stifter der so entstan- 
denen regulirten Chorherren des h. A ugustin (Cano- 
nici reguläres S. Augustini) anzusehen, und hatte dabei insofern 
nicht ganz Unrecht, als man das Urbild des neuen Regularlebens 
in der That, wenn auch ohne nachweisbare Regel, im Hause des 
grossen Bischofs von Hippo sah. ') Eine Hauptniederlassung der 
neuen Kanoniker war schon seit den oben genannten Päpsten 
das Kapitel der päpstlichen Kathedrale im Lateran zu Rom. Der 
aus diesem Muttercapitel hervorgegangene Zweig des Ordens hiess 
von daher der der Lateranenser. Obgleich aus Frankreich be- 
rufen, jgehörten doch alle Chorherren der böhmischen Stifter diesem 
Zweige an. 



1) Vgl. §. 61. (1. Bd.) 

») Vgl. Fritz in Wetzer^ß Lex. I. &31 u. f. 



319 

2. Der Prager Bischof Johann IV. von Draäic lernte die neuen 
Regniarkanoniker bei Gelegenheit seines langen unfreiwilligen Auf- 
enthalts in Frankreich ') kennen und gewann dieselben in solchem 
Grade lieb, dass er nachher nicht genug für ihre Ansiedlung in 
seiner Diöcese thun zu können glaubte. Am 3. Juli 1329 war er 
glücklich heimgekehrt. Am dritten Pfingstfeiertage des Jahres 1332 
finden wir ihn in seiner bischöflichen Stadt Raudnitz, wo er in 
feierlicher Versammlung vieler f^rälaten und Edlen, namentlich sei- 
nes Bruders und Weihbischofs PWbislaw und der Aebte von Po- 
stelberg und Bi'ewnow, das erste Ordenshaus der neuen Kanoniker 
stiftete — und zwar in Baudnitz selbst „zum Lobe und zur 
Ehre des allmächtigen Gottes und der seligsten Jungfrau Maria." *) 
Bei dieser Gelegenheit schenkte er dem künftigen Convente seine 
väterlichen Güter und fügte noch andere erst neuangekaufte Be- 
sitzungen hinzu. *) Namentlich erscheint von da an die Feste Tucho- 
myäl (Schönfeld) bei Aussig sammt den Dörfern LochoMc, Habfi, 
Hotowic, Modlan und Sob6druh als Besitzung des raudnitzer Chor- 
herrenstifts. — jedoch nur bis 1337, wo liiese Orte für das Bis- 
thum gegen anderweitige Entschädigung eingetauscht wurden. Baud- 
nitz erhielt dafür im leitmeritzer Kreise die Dörfer Smolnic, Hlinnä, 
Babina, Bfezi, Zbudow und im rakonitzer Kreise die Dörfer Dolin, 
2eleu£ic und Bakow bei Zlonitz. *) unter Einem ward dem Stifte auch 
das bisher dem Prager Bischöfe gehörige Patronat der S. Adalberti- 
Pfarrkirche in der leitmeritzer Vorstadt Zasada verliehen, *) das aber 
schon im J. 1363 an die Herren von Wartenberg zu Tetschen und 
im J. 1394 an die Herren von Kameik und Pokratic überging. •) 
Weiterhin erscheinen die Chorherren zu Raudnitz auch noch im Be- 
sitze des alten Pfarrorts Wettel, des Marktes Pochofice 
und des Dorfes P a 1 e c. ') Auch finden wir sie noch als Patrone 



Vgl. §. 115. 

') Das Stift hiess Mous Mariae. Lib. ercct. 1. A. 4. 

») Chron. Franc. 107. 

*) Tomek G. Pr. nach ürk. von 1335 und 1337. 

^) Lib. confirm. und Leitmeritzer Merkw. MS. von Strahow. 

^ Lib. confirm. 1363. Jesek von Decin, 1366 Petrus de D., 1370 Jesek de 

D., 1294 Henricus Kamyk genannt Hermismeister de Pokratic. 
^ Regist. zapisüw. Sigmund verpfändete diese Orte um 422 Schock an 

Gerunek ▼. Sulewic im J. 1420. Wettl war 1384 eine der reichsten Kirchen 

des Leitm. Dekanats mit 24 6r. Halbjahrszehent. 



320 

der Pfarrkirchen') zu Emetinawes,^) Elobuk,'). Brloh/) 
L i b r i c ') und Z a b o f . *) Den ausgedehnten Besitzungen ent- 
sprach nun auch die Pracht, mit welcher das neue Stift selbst 
hergestellt wurde und die selbst die an grosse Bauwerke bereits 
gewohnten Zeitgenossen in Verwunderung versetzte.') Alles über- 
traf aber die von einem Avignoner Baumeister von Grund auf ueu- 
erbaute Kirche, die im J. 1340 vollendet und vom Stifter selbst in 
feierlichster Weise consecrirt wurde. *) Doch auch die neuen Chor- 
herren, die 20 an der Zahl mit ihrem Propste das neue Stift be- 
zogen, Hessen nichts zu wünschen übrig. Allgemein war die Ver- 
ehrung, die sie sich in kurzer Zeit erwarben, so dass sie kaum ge- 
nug Colonien in andere Städte des Landes auszusenden vermoch- 
ten. Am grössten war aber das persönliche Ansehen ihres Prop- 
stes Nicolaus, den der Erzbischof nebst dem Caminer Canonicus 
Ditleb Stormer für den würdigsten hielt, Generalvikar in der erz- 
bischöflichen Diöcese zu werden. Dieser Propst und sein College 
Ditleb waren es auch, die im J. 1359 auf Befehl des Metropoliten 
die oft genannten Erectionsbücher der böhmischen Kirche anlegten. *) 
Unter die ersten Chorherren von Raudnitz gehörte auch der nach- 
malige (1350) Propst Michael von Glaz, von dem die Sage 
ging, dass er später sogar unter dem Namen eines Johannes ^^ den 
päpstlichen Stuhl bestiegen habe.'*) 

3. Die ersten Colonien gingen vom Stifte Baudnitz in die erzbi- 
schöflichen Städte J a r m i r und R o k i t z a n aus. An beide Orte 
berief sie bereits um 1349 der erste Prager Erzbischof Ernst von 
Pardubitz und übergab ihnen die bisherigen Pfarrkirchen daselbst 



') Lib. erect. et confirm. 

') Kmetinawes 1384 die reichste Kirche des ^ftiper (RaudnitEer) Dekanats mit 

1 Schock Halbjahrszehent. 
') Klobuk im Schlaner Dekanate, 1384 mit 18 Gr. Halbjahrszehent 
*) Brloh im Saazer Dekanat, 1384 mit 30 Gr. Halbjahrszehent. 
*) Liboric (Saazer Dek.) 1384 mit 6 Gr. Halbjahrszehent. 
•) Zabo^ (Mekik. Dek.) 1384 mit 3 Gr. Zehent. 
Chron. Franc. 107. 
«) Ebend. 109. 
*) Lib. erect. I. A. 4. 
S Die Series der P&pste hat für ihn keinen Platz. Johann XXII. starb im 

J. 1334, Johann XXIH. (Balthasar Gossa) regierte von 1410—1414, starb 1419. 
^') lllust. Chron. II. 666. 



321 

nebst dem entsjprechenden Emkonunen. Diese neuen Convente 
zahlten jedoch stets nur wenige Chorherren, so Rokitzan erweislich 
deren nur sechs. ^ Zu gleicher Zeit stiftete Erzbischof Ernest auch 
noch die Chorherrenpropstei zu 61 atz, wo er einst seine erste 
Bildung grossen hatte. Er dotirte sie durch den Ankauf von 
Schwedelsdorf, Berchtoldsdorf und einiger anderer Dörfer. *) 

4. Im J. 1351 stiftete der fromme Kaiser Karl IV. das zweite 
Hauptstift der Chorherren in Böhmen — Karlshof in der neu- 
gegründeten Neustadt Prag. Er selbst legte den Grundstein des 
Baues, der das Andenken seines bisher in Böhmen nicht verehrten 
Patrons, des h. Karls des Grossen verherrlichen sollte. Erst im J. 
1377 kam die prächtige Kirche völlig zu Stande ') und wurde in 
den ersten Tagen des Monats Mai vom Erzbischofe Johann feier- 
lich consecrirt. Der Kaiser selbst wohnte dem h. Acte bei und 
bewirthete nach demselben alle Anwesenden mit einer Festtafel, 
deren Silbergeschirr — 1000 Goldgulden im Werthe — er dem 
neuen Convente schenkte. Letzterem hatte er ttberdiess schon 
früher 41 Mark jährlicher Zinsungen aus den Einkünften der Stadt 
Kaufim und den Zehent vom Zolle im Flecken Biela angewiesen. 
Auch bewirkte er die Incorporirung der Pfarrkirchen zu L i s s a 
and auf dem Berge B ö s i g , wozu späterhin auch noch M u k a f o w 
(bei Bfieza ?) kam. '*) Um fiberdiess auch noch das Ansehen des 
neuen Propstes zu heben, erbat er demselben in Rom den Gebrauch 
der Pontifikalien und unterwarf ihm das jüngst von ihm für 4 böh- 
mische Priester gegründete Chorherreustift S. Karl zu Ingel- 
heim,*) wo er einst geboren und getauft worden war. Später 
finden wir das Stift Karlshof auch noch im Besitze der S. Wenzels- 
pfarrkirche in Prosik und eines von der Prager Bürgerin Katha- 
rina ülopeyer geschenkten Allodialhofs in Wysoöan. •) Auch über- 
trug ihm die Wittwe Anna Bezkowec von Biezkowic eine neue Jah- 



') Pubitschka VI. 520. Lib. erect. I. P. 3. 

*) Balb. Tita Ernesti. 

^ Indess mochte der Gonvent wohl auf dem Wyiehrad seinen Wohnsitz 

haben ; denn auch dort soll Karl die Chorherren eingefthrt haben, ohne 

dass daselbst weiterhin ein Kloster erwfihnt wird. 
') Lib. coniirm. 
') Chron. Benesii d. Weitm. bei Dobn. Hammerschmid gloria Frag. 8. 828. 

Pekel Karl IV. S. 830. 
•) Lib. erect. Yü. M. 2. dd. 2L Mai 1407. 

21 



329 

reszinsung von 3 Schock. ') Ein Gleiches und in gleichem- Betrage 
that auch der edle Je§ko von Welen. ') Endlich schenkte noch 
Wok von Waldstein eine Jahreszinsung von 20 Schock an den 
Convent. ') 

5. Von Karlshof ging in Folge der Schenkung Karls IV. die Filiale 
Bösig aus. Die Burg dieses Namens wurde ßchon im J. 1120 
von deutschen Abenteurern im dichten Walde, durch welchen damals 
der Weg nach Biela (Weiss wasser) führte, erbaut und bald darauf 
vom Könige Wenzel I. erobert. ^) Zur Zeit der Intaimsherrschaft des 
Otto von Brandenburg war diese Burg eine Zeit lang der unfrei- 
willige Aufenthalt der Königin Kunigunde und des jungen Königs 
Wenzels IL Nach alten «Sagen soll sie dann 1292 bis 1312 eine 
Commende der Tempelherren gewesen, dann aber wieder nach Auf- 
hebung des Ordens an die königliche Kammer zurückgefallen sein. 
Karl IV. incorporirte nun die Pfarrkirche im Burgflecken Bösig 
(unterhalb der Burg, Unterbösig) dem Stifte Karlshof ') , das hier 
eine Filialpropstei anlegte, deren Grundmauern noch bis auf die 
jüngste 2^it übrig geblieben waren. ^) Im J. 1384 zahlte die Prop- 
steipfründe schon einen Haibjahrszehent von 3 Schock Groschen 
— eben so viel, wie das Stift Karlshof selbst, — ein Zeichen des 
höchst bedeutenden Einkommens. ^) Diese Propstei wurde bald 
ein Opfer der Husiten. ") 

§. 176. Forlsetiiog. 

6. Eine zweite Filiale vom Karlshof wurde in Folge der Schen- 
kung Karls zu L i s s a errichtet. Die Burg dieses Namens war seit 
1054 ein Eigenthum des KoUegiatkapitels von Altbunzlau. Das 
Patrouat der Pfarrkirche im Burgflecken gehörte im J. 1355 der 



') Lib. erect. X. 1). 4. 

*) Lib. erect. XII. P. 8. 

») Lib. erect. IV. K. 3. 

') Job. MarigDola, Pulkava. 

*) Im J. 1340 hatte der Prager Burger Peter Glas daselbst ein Anniversarium 

gestiftet. Tomek 350. 
*) Man entdeckte sie im Pfarrgarten zu Unterbösig. Sommer Topogr. 
') Regist. decim. 
^) Das nachmalige Kloster auf der Burg wurde erst nach 1634 als Filiale 

vom Kloster Emmaus in Prag erbaut. 



323 

Kaiserin Anna , die es damals ihrem kaiserlichen Gemahle abtrat, 
worauf es zu Karlshof incorporirt wurde. >) Anfangs l^estand nun 
Lissa als blosse Pfarrei fort. Erst durch Peter Wartenberg auf 
Kost wurde es im J. 1389 ermöglicht, 5 Chorherren daselbst ein- 
zuführen und i^omit einen förmlichen Convent zu constituiren. 
Dafilr persolyirten nachher die Chorherren zu Lissa für seine 
Seele täglich eine h. Messe und alle Vierteljahre ein Anniversarium. ') 
Übrigens war Lissa bereits im J. 1384 im Stande, einen Halbjahr8<' 
zehent von 2 Schock an die königliche Kammer zu entrichten.?) 
Später erbauten die Chorherren neben der Burg auch noch eine 
Kapelle zu Ehren des h. Bisehofs Desiderius •— ein Zeichen ihrer 
Abkunft aus Frankreich. ^) 

7. Als Karl IV. im Jahre 1362 das Kollegiatkapitel S. ApoUi- 
nar zu Sadska auf den Windberg zunächst der Neustadt Prag 
versetzte, führte Erzbischof Ernest eine Kolonie der ihm lieb ge^ 
wordenen Augustiner-Chorherren in die verlassenen und von ihm 
mederhergestellten Stiftsgebäude ein. Den Chorherren wurden 
die nächstgelegenen Besitzungen des ehemaligen Kollegiatkapitels 
äberlassen, wogegen letzteres in der Nahe Prags andere Güter er^ 
hielt. ') Ueberdiess bekam der Convent nachmals auch noch bedeu- 
tende Zahreszinsungen, — von Blek Lipek ajuf Stradow 4 Schock, 
die auf dem Dorfe Trojanowic hafteten. *) Dennoch entrichtete der 
Propst von Sadska im J. 1384 nur 1 Schock als halbjährigen Pfran- 
denzehent. ^) Im J. 1401 finden wir das Stift Sadska auch im Be- 
sitze des Patronats zu Kosli ; Propst Nicolaus und der Convent be- 
mlligten damals die Summe von 7 Schock zum Ankaufe von Kir- 
chengrundstücken. 

8. Im J. 1367 stifteten die Herren von Rosenberg, — der da- 
malige Propst Peter von Allerheiligen mit seinen Brüdern Ullrich, 
Jodok und Johann ein Chorherrenstift zu T r e b o n oder W i t- 



>) Lib. erect. III. P. 1. H. 3. 

') Lib. erect. III. H. 3.. XU. B. 2. 

*) Regist decim. 

*) Balb. Mise. V. 79. 

*) Lib. erect. L B. B. M. 7. 

•) Lib. erect. VIIL H. 3. 

Regist. dedm. 

») Lib. erect. XIII. K. 10. 

21 



324 

tingau. Mittelst Stiftsbriefes vom 12. Mai jenes Jahres beriefen 
sie 8 Chorherren nebst einem Propste aus dem Stifte Baudnitz und 
übertrugen diesen die bisherige Pfarrkirche S. Maria und Aegid. 
Die Dotation bestand vorerst aus Jahreszinsungen von den rosen- 
bergischen Gütern. Im J. 1380 vermehrten zwei der ursprünglichen 
Gründer, die Brüder Peter und Johann von Rosenberg, die Dota* 
tion im testamentarischen Wege um weitere 66 Schock Jahreszin- 
sungen, so dass nun der Convent bedeutend vermehrt werden konnte. ') 
Im J. 1389 finden wir daher bereits 20 Chorherren in Trebon. Da- 
mals verlieh auch Papst Urban VI. dem Propste BeneS und allen 
seinen Nachfolgern die abtliche Würde und das Recht der Pontifi- 
kalien. ') Überdiess hatte der Propst auch schon seit der ursprüng- 
lichen Errichtung das Recht, den jeweiligen Presbyter -Custos des 
böhmischen Hospitals in Rom zu bestellen. *) Durch Anlage der 
reichen Geldeinkünfte des Stiftes und durch neue Schenkungen ent- 
stand endlich das Stiftsgut Wittingau, das den Pfarrort MladoSowic 
nebst 11 benachbarten Dörfern, ') mehrere anderweitige Dorfan- 
theile *) und einzelne Meierhöfe ') umfasste. Im Jahre 1384 ent- 
richtete das Stift nur 2 Schock halbjährigen Zehent. ') 

9. Wir nennen schliesslich noch das Chorherrenstift Lands- 
k r n. Dieses wurde im J. 1371 vom Leitomyäler Bischöfe Peter 
Gelito erbaut und mit allen Erfordernissen reichlich versehen. Der 
Stifter selbst consecrirte die von ihm neuerbaute Klosterkirche zu 
Ehren der heiligen Maria, Nicolaus und Catharina. Als Besitzung 
wies er dem Stifte das Dorf Stfitei bei Poli6ka mit einem Jahres- 
erträgnisse von 6 Schock Groschen, und ausserdem einen Hof und 
eine Mühle bei Kronwelt und Feldstrecken bei Wetzdorf und Tfes- 
nowa zu. Karl IV. konfirmirte im J. 1372 die Stiftung und bewil- 



^) Lib. erect. I. A. 5, zur Gänze abgedruckt in Balb. lit. publ. 93. 

') Lib. erect II. R. 2. 

») ürk. lib. erect. III. X. 2. 

') Urk. dd. 8. M&rz 1378 in Balb. lit. publ. Vgl. §. 124 n. 6. 

^ Hrachowist» Lipnic, äalmanowic, Domanin, Spoly, Bnlic, Libin, Daniyic, 

Unter-Müetin, Borkowic und Doniow. 
') Theile von Petrowic, Wrcow, Branna, Ohraieni, Slabosowic, Neplachow, 

Ma&iCy Pfaffendorf, Gutenbrunn und Bukwic. 
Neuhof, Mühlhof, Urtinowic, Tomandelhof und die Opatowicer Mühle. 
') Regist. decim. 



325 

ligte im J. 1374, dass die Besitzungen des Convents^ bis zu einem 
Jahreserträgnisse von 15 Schock vermehrt werden dürften. In Folge 
dessen erkaufte der bischöfliche Stifter sofort ein Bierdeputat in der 
Stadt Landskron und im J. 1384 bereits als Bischof von Olmütz die 
mährischen Dörfer Budi( und Nezamislic Endlich kaufte das Klo- 
ster selbst aus anderweitigen Geldlschenkungen im J. 1389 noch 
die mährische Ortschaft Aujezd, im J. 1397 grosse Grundstücke zu 
Dädic^ und im J. 1405 die Dörfer Tyrpes und Ziegenfuss bei Lands- 
kron, Mittlerweile war aber auch das Stift selbst. im J. 1393 aus 
der landskroner Vorstadt zur Stadtkirche übersiedelt worden, nach- 
dem der Leitomyäler Bischof Albert von Stemberg schon im J. 1375 
das Patronat an den Orden übergeben hatte. I^er Stifter Peter 
war schon am 12. Februar 1387 in dem von ihm gegründeten Or* 
denshause gestorben. Er war als Kind armer Eltern aus der Nähe 
von Landskron nach einander Bischof von Ghur und Leitomjäl, 
dann Erzbischof von Magdeburg und endlich wieder Bischof von 
Olmütz geworden. *) 

10. Ausser den bisher genannten Ordenshäusem der Augustiner- 
Chorherren werden auch noch besondere Niederlassungen dieser Re- 
gularen in j^edhost, Borowanund Koste ml at genannt. 
Erstere beiden werden von Baibin unter die von den Husiten zer- 
störten Klöster gezählt.') Wahrscheinlich waren «s nur gewöhnliche 
Seelsorgerpfründen, die der Orden zur Besetzung erworben hatte. 
Dagegen bestand zu K o s t o m 1 a t in der That ein Propst und ein 
Convent der Regularkanoniker, deren Besitzung in Wäestud Kai- 
ser Sigmund im J. 1480 urkundlich verpfändete. ^) Nach der Lage 
der unter Einem mitverpfändeten Orte war es der Pfarrort Ko- 
stomlat auf dem Wege von Prag nach Baudnitz. Offenbar war 
diess eine Colonie von Baudnitz; der Stifter derselben ist aber un- 
bekannt 

§. 177. Die Carthinser und Canneliter in Bihmen. 

1. Der h. Bruno, seit 1077 Propst des erzbischöflichen Dpm- 
kapitels zu Rheims und eben zum Erzbischofe dieser Stadt auser- 



^) Jelinka bist, mösta Lytomysle I. 178—183 nach Urkunden. 

») Vgl. §. 126 n. 2. 

^ Boh. sancta p. 177. 

«) Regist zapisftw, Palack^ Archiv II. 188. 



326 

sehen, hatte sich im J. 1084 mit 6 Genossen aus dem Geräusche 
der Welt in die wilde Einöde Ghartreuse (Garthusium) bei Greno- 
ble zurückgezogen, um dort in Selbstabtödtung und Gebet seine 
Tage zu vollenden. Er erbaute daselbst ein Kirchlein auf einer 
Höhe und ringsumher einzelne Zellen für sich und seine Begieker. 
Hier lebte er nach den strengsten Satzungen des h. Benedict und 
verschärfte diese noch in einer Weise, dass seine kleine Gemeinde 
an asketischem Eifer alle Orden überbot Diess war der Anbng 
des Ordens der Garthauser. Als Regel dienten die Gonsuetudines 
carthusiae, die erst der fünfte Prior von Ghartreuse schriftlich auf- 
zeichnete. Hienacb waren die Professen theils Mönche (patres), 
theils Laienbrüder (conversi). Die Mönche lebten einzeln in den 
Zellen in Stillschweigen, Gebet und Arbeit. Nur an höheren Festen 
und am Todestage eines Bruders speiste man gemeinschaftlicfa, 
sonst bereitete ein jeder selbst sein karges Mahl. Butter, Öl, Fett 
und Fleisch waren ganz verbannt. Dreimal in der Woche und an 
den Vigilien der 8 Hauptfeste fastete man bei Wasser und Brod 
und enthielt sich des Weines. Die kirchliche Fastenzeit dauerte 
bei ihnen von Kreuzerhöhung bis Ostern. Nur an Kapiteltagen und 
im Verkehre mit Gästen war eine Unterredung gestattet. Ein ste- 
chendes Gewand bedeckte den abgezehrten Körper und die übrige 
Kleidung bestand aus einem ^uchrocke mit ledernem oder hanfe* 
nem Gürtel, Skapulier und Kapuze von weisser Farbe. Die Laien- 
brüder lebten gemeinschaftlich, trieben Handwerke und besorgten 
den Feldbau und die Viehzucht für das Kloster. Den einzelnen 
Gonvent leitete ein Prior; Vorsteher des ganzen Ordens blieb der 
Prior des Mutterhauses bei Grenoble , wo sich zur Ordnung der 
gemeinsamen Angelegenheiten in regelmässigen Perioden das Ge- 
ueralkapitel versammelte. Der Orden wurde schon im J. 1170 von 
Alexander HL bestätigt. Im J. 1360 zählte er bereits über 200 
Mönchs- und Nonnenklöster. Sein Lob erscholl aus dem Munde 
Aller und nicht selten wurden seine Mönche zu Visitatoren und 
Reformatoren der Klöster anderer Orden verwendet. >) 

a) Nach Böhmen kamen die Garthauser erst im J. 1341. Kö- 
nig Johann und noch mehr sein Sohn Karl hatten sie auf ihren 



^) Raumer, Holienstaufen VI. 447, 438. Hurter, Innocens III. IV. 162. Fehr 
in Wetzer's Lex. IL 377 u. ff. 



327 

Reisen in Frankreich schätzen gelernt und erbauten nun für 24 
Mönche und einem Prior die Gart'hause „Maria-Garten^ 
bei Smichow in der Nähe von Prag und einer dem Kloster Plass 
gehörigen Propstei. ^) Auch hier reihten sich die Zellenhäuschen 
der Brüder in weitem Umkreise um die neuerbaute schöne Ma- 
rienkirche. Zum Unterhalte wurden den frommen Brüdern zwei 
Häuser in Prag (auf der Altstadt und Kleinseite) und 14 Mark 
jährlichen Gnadengeldes von den Kleinseitner Fleischbänken angewie- 
sen. ') Bald darauf erscheint der Convent auch als Besitzer zweier 
Mühlen bei Prag, die er im J. 1377 an Private verkauft. *) Spä- 
ter schenkte Clara von Pecek mehrere Wiesenantheile zum Klo- 
ster. ^) Um 1390 erscheinen die Brüder auch als Besitzer der 
Dörfer Butowic, lindic und Drewnik *) und als Pfarrkollatoren zu 
Zahornic im bydschower und zu Pocaply im berauner Kreise. •) 
b) Das zweite Carthäuser Kloster in Böhmen gründete im J, 
1376 der LeitomySler Bischof Albert von St^rnberg in nächster 
Nahe seines Lustschlosses Tr2ek bei Leitomysl. Er nannte es 
„Dornbusch Mariens" (Rubus Mari»).') Zum Unterhalte 
widmete er eine ansehnliche Grundstrecke im Umkreise der neuen 
Ansiedelung und überdiess einige andere auf seinen väterlichen Gü- 
tern in Mähreu nebst 100 Schock, die er von letztem Gütern anwies. 
Im J. 1378 waren die Kirche und drei Zellenhäuschen so weit fer- 
tig geworden, dass die Übergabe an den Orden in der Person des 
hiezu delegirten Bruders Johannes Lampach aus Mainz am 24. De- 
cember geschehen konnte. Die Zellen wurden alsbald bis auf die 
2^hl von 30 vermehrt. Auch für die Sicherung der Einkünfte 
wurde vom Stifter durch Ankauf der mährischen Dörfer Morawi- 
cany (mit dem Kollaturrechte), Lostic, Dolany und Towef (dies wohl 
an Statt der obigen Jahreszinsung von 100 Schock) gesorgt (1379). 
Am 14. Jänner 1880 starb Bischof Albert. Sein Nachfolger Jobann 



') Lib. erect. IX. £. 1. 

') Pelzel Gesch. Karls S. 104. Schotky karoL Zeit 147. 
«) Lib. erefct. XII. A. 6. 
*) Lib. erect, XlII. A. 6. ad 1384. 
*) Lib. erect. XU. B. 12, F. 10, IX. H. 8. 
*) Lib. confirm. ad 1369 und 1860. 

^) Dieser Name erinnert an den alten Hymnus des Leitmeritzer Cantionals : 
Flos de spinis Spina carens, flos spineti ncscia. 



328 

bestätigte die Stiftung am 8. Jänner 1381 und schliesslich that 
Papst Bonifacius IX. unterm 2. October 1397 ein Gleiches. ') 

. cj Angeblich hat auch in Pod^brad — dort wo später das 
Schloss sich erhob — ein von den Ahnen Georgs vdn PodSbrad zu 
Ehren der h. Maria erbautes Carthäuserkloster bestanden ; ^) doch 
ist eine urkundliche Spur davon nicht- aufzufinden. 

2. In der Mitte des 12. Jahrhunderts war am Berge G arm et, 
wo von jeher einzelne Einsiedler das zurückgezogene Leben des 
Propheten Elias nachahmten, durch den italienischen Pilger Ber- 
thold aus Calabrien eine bleibende Einsiedlercolonie entstanden, 
welche, endlich im J. 1209 vom Patriarchen Albert von Jerusalem 
eine förmliche Hegel und den Namen der „Brüder der h. J u n g- 
frau vom BergeCarmeP^ erhielt. Diese Regel schrieb den 
Brüdern gänzliche Besitzlosigkeit, Enthaltung von allen Fleisch- 
speisen, Stillschweigen von der Vesper bis zur Terz des folgenden 
Tages und Händearbeit vor. Im J. 1224 erhielt die Regel auch 
die Bestätigung des Papstes Honorius UI. Der zweideutige Frie- 
densschluss des Kaisers Friedrich 11. mit dem Sultan Gamel von 
Ägypten im J. 1229 nöthigte die „Carmeliten'^ ihre Zellen 
am Berge Carmel zu verlassen und in einzelnen Abtheilungen nach 
ihrer Heimat im Abendlande auszuwandern. Hier bildeten sie nun 
vorerst in England, Frankreich, Italien und Cypern kleine Kloster- 
gemeinden. Endlich erwirkten sie sich im J 1245. die Aufiiahme 
unter die Mendicantenorden und die Erlaubniss, einen eigenen Ge- 
neral zu wählen. Sie wählten den nachmals so berühmten Simon 
Stock. Von da an datirt sich ihre Verbreitung in alle Länder 
der Christenheit, wozu wohl auch die Legende vom gnadenvollen 
Skapuliere nicht wenig beitrug, welches zuerst Simon Stock als 
Geschenk der seligsten Jungfrau der Ordenstracht beifügte oild. das 
nun der Orden an die darnach verlangenden fronmien Seelen ver- 
theilte. Als unterscheidendes Ordenskleid diente fortan ein schwarzer 
und später brauner Habit, das eben genannte Skapulier und ein 
weisser Hut mit schwarz eingefasster breiter Krampe. Seit ihrer 
neuen Ordensverfassung, welche Papst Innocenz IV. im J. 1247 
bestätigte, hatten sie auch das ursprüngliche Einsiedlerleben mit 



') Jelinka hist. mösta Litomysle, nach Urk. p. 187—192. 
') Hajek, Baibin Miscell. 177. Crug. ifi. Octob. 



329 

dem Gönobitenleben Tertauacht. Sie bewohnten nun förmliche Klöster 
selbst in Mitten der Städte und erhielten alsbald auch einen weib- 
lichen Ordenszweig. 

aj Kaiser Karl IV. wollte sein geliebtes Böhmen in allen Be- 
ziehnngen zu einem Musterlande der Christenheit machen; darum 
durfte da auch kein in irgend einer Weise berühmter religiöser 
Orden fehlen. Deshalb legte er im J. 1347 — den ersten Tag nach 
seiner Königskrönung und zum bleibenden Andenken an dieselbe 
— eigenhändig den Grund zu einem Carmelitenkloster in Prag. Es 
geschah diess in der damals noch bestehenden Vorstadt voi^ dem 
Gallithore, die aber sofort der Neustadt-Prag Platz machen sollte. 
Das Holz Yon dem eigens erbauten königlichen Gebäude, in welchem 
Tags vorher das Krönungsmahl abgebalten worden war, diente als 
Baumaterial des neuen Ordenshauses. Die Kirche (Maria ad ni- 
ves) wurde vorläufig, sowie die meisten Klostergebäude, nur aus 
Holz erbaut, um aber alsbald einem standhaften Steinbaue Platz zu 
machen. >) Namentlich wurde ihr Gotteshaus das höchste und zu- 
dem eines der schönsten in der alten Königsstadt. 

bj Ein ähnliches Kloster gründete Kaiser Karl im J. 1351 
auch in T a c h a u. *) Diese Stadt gehörte damals seiner Gemahlin 
Anna (von der Pfalz) als königliches Pfand. Wahrscheinlich ge- 
schah es eben dieser Gemahlin zu Liebe^ dass gerade Tachau zu 
dieser Klosterstiftung ausersehen ward. Das Ordenshaus erhob 
sich in Kurzem auf dem Marktplatze daselbst, — aber nur auf 
kurze Zeit; denn die Husiten zerstörten es alsbald wieder bis auf 
den Grund. Dotationen werden weder hier noch in Prag erwähnt 
Offenbar lebten die Brüder als die jüngsten Söhne des Mendican- 
tenthums in völliger Besitzlosigkeit und begnügten sich mit den 
Almosen, die ihnen zuflössen. 

§. 178. Die Coelestiner, Serviten ind Paiiiner. 

L Der nachmalige Papst Co el est in V. der heilige, vor- 
dem Peter von Murrone genannt, hatte schon als siebenzehnjähri- 
ger Jüngling das Einsiedlerleben zu seinem Lebensberufe gewählt. 



') BeneSii Chron. 344. 
') Ebend. 366. 



330 

Er verliess es nur auf kurze Zeit, um in Born die Wissenschaft 
des Heiles kennen zu lernen; dann aberzog er sich wieder in seine 
Einöde zurück und lebte da strenger als zuvor. Auf vielfaches 
Drängen heilsbegieriger Seelen, die seine geistliche Leitung wünsch- 
ten, ging er nach Jahren zum zweiten Male nach Rom und empfing 
daselbst die Priesterweihe. Fortan nahm er seinen Aufenthalt in 
einer Höhle auf dem Berge Murrone und hier war es, wo «r als 
Peter von Murrone geradezu den Ruf der Heiligkeit gewann. Nach 
fünf Jahren vertauschte er den Berg Murrone, dem die urbaren 
Lftndereien immer näher rückten, mit dem wilderen Berge Majella, 
wo er endlich im J. 1254 für sich und die bereits gewonnen'en Ge- 
nossen seiner Lebensweise ein Kloster erbaute und vom Papste 
Urban IV. die Bestätigung desselben mit Zugrundelegung der 
strengen Regel des h. Benedict erwirkte. Zehn Jahre später zahlte 
er bereits 16 Klöster seiner Congregation. Er leitete diese bis 
zum J. 1286 im Kloster S. Maria von Majella, bestellte dann einen 
Nachfolger und zog von Neuem als Einsiedler in die Einsamkeit 
Hier erschreckte ihn am 1. Juli 1294 seine Erwählung zum Ober- 
haupte der katholischen Kirche, die er nur gezwungen annahm. Er 
nannte sich Coelestin V., seine Ordenssöhne, bisher Einsiedler von 
Murrone , hiessen von da ab G o e 1 e s t i n e r. Der neue Papst 
regierte nur 5 Monate, eben lang genug, um noch den Fortbestand 
seiner Stiftung zu sichern. Dann resignirte er freiwillig auf seine 
Würde und suchte von Neuem seine geliebte Einöde auf. Doch 
nicht hier sollte er seine letzten Tage verleben. Sein Nachfolger 
Bonifacius VIII. fürchtete ein Schisma; darum zwang er den mit 
Allem zufriedenen Coelestin, in sicherem Gewahrsam zu Rom zu 
leben, wo dieser endlich am 19, Mai 1296 selig im Herrn entschlief. 
Schon im J. 1313 ward er in die Zahl der Heiligen versetzt — 
Seine Ordenssöhne beobachteten unter steter Enthaltung von Fleisch- 
speisen und häufigen Fasten die strengste klösterliche Askese. Ihr 
Kleid war ein weisser Talar mit schwarzer Kapuze und Skapulier, 
— darüber beim Ausgeben eine schwarze Kutte. Der einzelne 
Convent stand unter einem Prior, die ganze Pfovinz unter dem 
Provinzial, die ganze Gongregation unter dem Pater-Abbas zu Sul- 
mona (Murrone). 

a) Karl JV. hatte die Goelestiner zu Avignon beim Besuche 
des Papstes Urban V. kennen gelernt und an ihrer klösterlichen 



331 

Strenge sich erbaut. In Folge dessen hatte er sogleich zwei Brü* 
der mit nach Prag genommen, die dort eine geeignete Stelle zur 
Ansiedlung aufsuchen sollten. Doch das Geräusch der Hauptstadt 
war nicht nach dem Qeschmacke der. strenge Ordensleute. End- 
lich erkor ihnen Karl selbst den bei Zittau in Mitten dichter W&I- 
der gelegenen Berg i b i n. Hier liess er ein geräumiges Kloster 
und eine prachtvolle Kirche erbauen. Letztere nahm längere Zeit 
in Anspruch, da sie auf jiet Südseite 15 Ellen hoch aus dem Fel- 
sen ansgehauen werden musste. Während die ersten Ordensbrüder 
(nachmals 12 an der Zahl) schon im J. 1869 in ihre neue Heimat 
einziehen konnten, wurde die Kirche eh$t im J. 1 384 vollendet und 
Anfangs November vom Erzbischof Johann feierlich consecrirt. Ihr 
Titel war zu Ehren ^des heiligen Geistes," wesshalb das Kloster 
auch Heiligengeistkloster imd Paracletberg genannt zu werden 
pflegte. Als Dotation wies Karl IV. den Mönchen die nahen Dör- 
fer Herwigsdorf und Drusendorf und die königliche Kammersteuer 
der Stadt Zittau zu. König Wenzel fügte noch 29 Mark Jahres^ 
ziusungen hinzu. *) 

2^ Es ist nicht unwahrscheinlich, dass Karl IV. den tieuen 
Ordelisbrüdern, um sie auch in Prag in seiner Nähe zu haben, eine 
allerdings nur von Hagek verbürgte Ansiedlung auf dem Petrin inner- 
halb der neuen Mauern Prags und überdiess die nahe Pfarrkirche in 
Zlichow verlieh. Urkundlich sicher ist aber nur ihre Ansiedlung bei 
S. Michael unterhalb des Wyäehrad Konrad Kragif auf Landstein 
übertrug am 8. Juni 1386 diese vom Könige Wenzel erhaltene 
Miehaelskirche dem Kloster Oibin, anfangs mit dem Bedinge, ditss 
er und seine Erben das Kecht haben sollten , den jeweiligen Prior 
zu präsentiren, nachmals aber^ als der Erzbischof, diese Klausel 
als gegen die h. Kegel verstossend erklärte, ohne allen Vorbehalt') 
Der Prior Ulfarich von S. Michael erwarb noch im J. 1407 eine 
Jahreszinsung von 8 Schock für sein neues Kloster. ^) 

2. Im J. 1234 hatten sich sieben angesehene Bürger von Flo<- 
renz (BonfiUus Monaldi, Bonajuncta Manetti, Antella, Amidei, Uguc- 
cioni, Sestonei und Falconieri) auf den Berg Senario zurüchgezo- 



^) Chron. Benesii, ^ Manlius, Lusatiae lib. 6. c. 27, §. 13. Karpzow Analect. 

Zitav. I. 163. 
*) Lib. erect. III. K. 1. 
») Lib. erect. XIII. Q. 4. 



332 

■ 

gen, um dort als Einsiedler im Dienste Gottes und Mariens ihr 
Leben zu bescbliessen. Bonfilius Monaldi wurde der Vorsteher des 
frommen Vereins. Er und fünf seiner Freunde erlangten nachher 
die Priesterweihe. Falconieri hingegen blieb aus Demuth Laien- 
bruder. Alsbald gewann man auch die kirchliche Bestätigung als 
,,D i e n e r M a r i e n s'' (Servi B. M, V.) von Papst Gregor IX. 
und die Berufung an die Kirche Annunciata in Florenz. Von dort 
breitete sich der neue Orden schnell in alle Länder aus. Ursache des- 
sen war vor Allem der fromme Zweck, den sich die neuen Ordens- 
leute gestellt hatten und der in allen frommen Christenherzen den 
lautesten Anklang fand , — Beförderung der Verehrung der selig- 
sten Jungfrau Maria. Der Orden hatte fortan einen Generalvor- 
steher in Rom, Provinziale in den einzelnen Ländern und Frieren 
in den Conventen. Auch die Serviten (Servi beatae Mariae 
Virginis) kamen durch Kaiser Karl IV. nach Böhmen. Er erwarb 
für sie im J. 1360 vom wjöehrader Kapitel die ältere Mariaekirche 
in Slup an^ Bache Botic unterhalb des Wysehrad und erbaute ihnen 
dabei ein schönes Kloster. Der erste Prior daselbst war Raymnnd, 
der Beichtvater Karls, der auch einige Zeit an der Prager Univer- 
sität als Lector der Theologie glänzte. Unter Wenzel IV. ging er 
in königlichen Geschäften nach Rom und wurde dort zum Bischof 
von Urbino ernannt. >) 

3. Wir erwähnen an dieser Stelle auch noch einiger Eremiten- 
vereine in Böhmen, die allerdings erst nach dem Abschlüsse unse- 
rer Periode feste Stiftungen erlangten, in ihren Anfängen aber noch 
der karolinischen, wenn nicht schon einer früheren Zeit angehören. 
Seit der Constituirung der Augustiner-Eremiten waren wohl bin 
und wieder noch einzelne Eremitenansiedlungen übrig geblieben, 
die sich dem neuen Orden nicht angeschlossen hatten und einfach 
das Beispiel des ersten Eremiten Paulus zu ihrer Regel machten. 
Solche finden wir denn auch wirklich zu Heuraffl (naWejtonS) 
oberhalb Hohenfurt, dann in den Wäldern oberhalb Wittin- 
gau und in der sogenannten Klause bei Rum bürg. Die 
erstere Ansiedlung soll im J. 1384 von den Brüdern Pet^ und 
Heinrich von Rosenberg gestiftet worden sein. *) Für die zweite, 



*} Pubitschka VI. 4d8, Benei v. Weitm. 871. 
') Sommer Topogr. 



333 

und zwar zunftchst zu Haüden des Eremitenvorstehers Peter Cepec 
widmeten dieselben Brttder urkundlich im J. 1399 4 Schock Jahres- 
gelder, wovon vor Allem eine Eremitenkapelle auf dem Waldplatze 
Stara pila bei Wittingau erbaut werden sollte. ^^^ rumburger 
AnSiedlung, die aber dem Dominicanerorden a£filiirt war, gedenkt 
zuerst der „Monachus Pirnensis/' ') Ähnliche Ansiedlungen dürften 
auch noch anderwärts — namentlich in den ausgedehnten Wald« 
strecken des Böhmerwaldes bestanden haben. 

§. 179. Die Pnger DniYersitiL 

1. Wir können in unserer Eirchengeschichte Böhmens nicht 
stillschweigend an einem Institute vorüber gehen, welches von dem 
kirchenfreundlichen Kaiser Karl ins Leben gerufen, von kirchlicher 
Auetoritat sanctionirt, aus kirchlichen Mitteln erhalten, von kirch* 
lieber Seite geleitet und mit kirchlichen Kräften wirkend — von 
der böhmischen Hauptstadt aus für lange Zeit der Mittelpunkt 
aller höheren Bildung in allen deutschen und slawischen Ländern 
Mitteleuropas wurde. In der Zeit, wo alles Gute und Grosse die 
begeistertste Pflege in „Genossenschaften^^ fand ^) , war 
diess die privilegirte Genossenschaft (universi- 
tas) der Lehrenden und Lernenden in Prag — die 
Prager Universität, die eben an und für sich nichts weni- 
ger war, als eine Universitaet scientiarum. 

2. Schon im Anfange des 13. Jahrhunderts hatte sich in Folge 
einer bezüglichen Anordnung des Lateranconcils vom J. 1215 die 
Prager Domschule durch die stetige Anstellung mehrerer hervor- 
ragenden Magister der freien Künste zu einem sogenannten Par- 
ticularstudium emporgeschwungen, ^) in welchem um 1271 die ein- 
gebomen Böhmen 0(ko und Bohumil über Grammatik und Logik, 
und Gregor Zajic über die libri naturales des Aristoteles vor zahl- 
reichen Schülern des In- und Auslandes ihre Vorträge hielten. ^ 
Aber auch ein so berühmtes Particularstudium war doch immer 



*) Lib. erect. IX. D. 9. 

*) S. Menken II. pag. 1599 : „Dabei (bei Rnmburg) seint Cleusner unterm III 

regil Prediger ordens." 
^) Man gedenke der Zänfte, Malerschulen, Bauhütten u, d. gl 
*) Vgl. S. 27. 
*} Tomek Gesch. d. Pr. Uniy. S. 2. 



334 

nur Stückwerk ; es gab von Jahr zu Jahr seine Zöglinge nach 
Paris und Bologna ziehen, um dort ihre Bildung erst, zu vollenden 
und die akademischen Grade — den Adel der Gelehrten — zu er- 
langen. - Diess bewog schon den König Wenzel H., an die Grün- 
dung einer Universität in Prag zu denken; doch der Plan schei- 
terte damals an dem Widerstand der weltlichen Grossen im 
Lande, «welche hievon ein6 allzugrosse Vermehrung des Ansehens 
und der Macht der Geistlichkeit fürchteten. ') Desto eifriger nahm 
spater Karl IV. den Gedanken wieder auf. Einerseits machte 
schon die Errichtung eines Erzbisthums nach den Anordnungen des 
Lateranconcils von 1215 die Errichtung einer Lehrkanzel der Theo- 
logie am neuen Metropolitansitze nothwendig. Anderseits aber 
hatte Karl in eigener Person erfahren, dass gerade die Universität 
der französischen Königstadt eine Bedeutung verlieh, die sogar noch 
grösser war, als jene des französischen Königreichs. ') Da sollte 
nun sein geliebtes Prag — die künftige Kaiserstadt — nicht nach- 
stehen; ja er wollte daselbst sogar den Ruhm von Paris und dem 
ihm nachstrebenden Bologna vereinen. Wie dort zumeist die Theo- 
logie und hier die Jurisprudenz, so sollten in Prag beide Zweige 
der Gelehrsamkeit die entsprechende Pflege und alle anderwärts 
üblichen Privilegien finden. 

3. Auf Karls Verwendung gewährte Papst Clemens VI. durch 
eine Bulle vom 2B. Jänner 1347 die Erlaubniss, ein Gene- 
ralstiidium in Prag zu eröffnen, welches in allen üblichen Facultä- 
ten Vorlesungen eröffnen und akademische Grade, giltig für alle 
Länder der Christenheit, ertheilen und aller Privilegien gleich 
allen andern Generalstudien sich erfreuen sollte. ') Nachdem diese 
Bulle unter grossen Feierlichkeiten in Prag verkündigt worden war, 
erwirkte Karl zu seinem Vorhaben auch noch auf einem besonderu 
Landtage die Zustimmung der Stände, worauf er durch die berühmte 
goldene Bulle vom 7. April 1348 das neue Institut unter 
Zusicherung aller Freiheiten und Privilegien der Hochschulen von 
Paris und Bologna ins Leben rief. *) Endlich bestätigte er auch 



") Ebend. 3. . 

') Dr. Joh. Friedrich, JohaDn Hub, 1. 8. 

>) Urk. in Balb. lit. publ. p. 42 u. f. Schnabel Gesch. d. juriU. Fac. 1. 18S u. f. 
*) Urkunde Berghauer Protomartyr. L p. 74. öiehe d. Anhang. Schnabel 
Gesch. d. jurid. Fac. I. 131 u. f. 



3S5 

noch als Oberhaupt des deutschen Reichs seine königliche Stiftung 
und deren Rechte durch ein Privilegium vom U. Jänner 
1349. Unter Einem hatte er beireits einen Kreis berühmter 
Lehrer nach Prag gezogen und diesen ein ausreichendes Ein- 
kommen zunächst aus der königlichen Kammer angewiesen. Im 
J. 1352 wurde schliesslich für eine bleibende Dotation dadurch ge- 
sorgt» dass man mit Zustimmung, des Erzbischofs eine Contri- 
bution von der Geistlichkeit erhob und vom Erträg- 
nisse derselben gewisse Besitzungen in den bei Auscha gelegenen 
Dörfern Brotzen, Chudolas, Zalesl, Bprowa Lbota und We^ela Lhota 
ankaufte. ') 

4. Kraft der päpstlichen, kaiserlichen und königlichen Privi- 
legien bildeten die Mitglieder der neuen Hochschule — - Lehrende 
und Lernende insgesammt — eine freie Corporation 
oderGemeinde (universitas) mit d^m Rechte, sich 
selbst Gesetze zu geben und diese durch eigene Gerichtsbarkeit 
zu exequiren. Letztere erstreckte sich selbst auf alle ihre Pro- 
cesse civilrechtlicher und criminaUstischer Natur.. In dieser Cor- 
poration gab es keinen Unterschied der äusseren Rechte zwischen 
Lehi^ern und Schüler; alle übten di^ ein gleiches Stimmrecht aus.. 
Hiebei ist aber nicht zu übersehen, dass in Prag nur unter den 
Schülern der Juristenabtheilung von 1272 bis 1408 nicht weni- 
ger als 209 Domherren, 187 Pfarrer, 103 andere Priester, 23 Dom- 
pröpste , 9 Archidiakonen , 4 Dechante , 1 Abt und 1 Bischof sich 
befanden. — Das oberste Organ der Autonomie war die C o n g r e- 
gatio uniVersitatis, die aus allen Mitgliedern der Hoch- 
schule bestand und jährlich zweimal zusammentrat. Nach unten 
hinab gliederte sich die Corporation nach dem Muster von Paris 
in 4 Nationen, zwei deutsche und zwei slawische, deren jede 
je 2wei Procuratores nationis als Mitglieder des jährlich zu erneu- 
ernden Universitätsraths (consilium universitatis) 
zu ^rähl^n hatte. Die deutschen Nationen waren die b a i r i- 
s c h e und sächsische, erstere nebst Baiern noch das ganze 
jetzige Süddeutschland sammt der Schweiz und dem westlichen 
Theile von Norddeutscbland umfassend, — letztere aber über Ni^- 



■) Siehe d. Anbaog. 
») Bbend. p. 6, 



336 

dersacbsen, Brandenburg, Anhalt, Holstein, Meklenburg, Pommern, 
Braunschweig, Oldenburg, D&nemark und Schweden nebst Finnland 
und Liefland sich erstreckend. Die slawischen Nationen waren 
die böhmische und polnische, erstere für Böhmen, Mähren und 
die ungarischen Länder, letztere für Polen, Schlesien, Lausitz, Heia* 
sen, Thüringen und Preussen. ') — Alljährlich ein- und später zwei- 
mal wurde von diesen Nationen der Rector als unmittelbarer 
Leiter und Vertreter der Universität gewählt. Zu diesem Behofe 
erkor jede Nation zunächst einen Vertrauensmann, die 4 Vertrau- 
ensmänner wählten wieder 7 andere Wahlmänner und letztere erst 
die 5 eigentlichen Wähler. *) Dem Rector lag die Aufisicht über 
die Beobachtung der Statuten, die Führung der äusseren Angele- 
genheiten, die Verwaltung des Universitätsvermögens und die Aus- 
übung der privilegirten' Gerichtsbarkeit über alle Mitglieder der 
Universität ob. Zugleich mit dem Rathe der Universität 
übte er auch die oberste Direction aller Schulen des 
Landes, die seitdem zuerst mit Magistern und Baccalaureen der 
Prager Hochschule besetzt wurden. Endlich hatte er auch die 
obrigkeitliche Gewalt über die sogenannten Unterthanen der 
Universität, zu denen alle Abschreiber, Dluminatoren, Cor- 
rectoren von Handschriften, Buchbinder, Buchhändler, Besitzer von 
Bibliotlieken , Verkäufer des Pergaments, Apotheker und, wie die 
Statuten sich ausdrückten. Alle, die auf irgend eine Art von der 
Universität leben, gerechnet wurden. ^) Zur Unterstützung in den 
Amtsgeschäften standen dem Rector ein Vicerector und zwei Cas- 
siere (GoUectores) zur Seite, die zugleich mit ihm gewählt ?nir- 
den. *) — Als immerwährender Patron der Universität fungirtc 
kraft der päpstlichen Errichtungsbulle der jeweilige Er^bischof von 
Prag, der als Protector studiorum und Caneellarius 
die Privilegien der Universitätscorporation zu schützen, den je- 
weiligen Rector feierlich in der Domkirche zu confirmiren und An- 
fangs auch die an ihn gelangenden AppellationsfUle zu entscheiden 
hatte. ') 



>) £bend. p. 9. 

^ Ebend. 9. 

') Ebend. 41, 42, 9, 10, 11. 

*) Ebend. 11. 

') Ebend. 16. 



337 



$. 180. FortseUiDg. 



1. Fusste nach dem bisher Gesagten die neue Prager Hoch- 
schule zunächst als privilegirte Corporation nach Aus- 
sen hin auf den Principien der Gleichberechtigung und Selbstre- 
gierung: so konnte ihr doch nach Innen als einer Bildungsan- 
stalt eine nothwendige Abstufung und Unterordnung ihrer Glie- 
der nicht fehlen. Obenan stand da wieder der Erzbischof als vom 
Papste bestellter Cancellarius der Universität. Ihm lag es 
ob, den um das Lehramt an der Hochschule Ansuchenden auf 
Grund einer durch die bereits fungirenden Lehrer anzustellenden 
strengen Prüfung die licentia docendi zu ertheilen, ') worauf es dem 
so approbirten „L i c e n t i a t u s^' frei stand, sich auch noch durch 
einen öffentlichen und feierlichen Promotionsact den öffentlichen 
Titel eines Magisters oder Doctors und hiemit auch das 
Becht der Theilnahme an den Facultätsberathungen zu erwerben. 
Zwischen solchen Magistern und Döctoren war kein gradueller Un- 
terschied; erstem Titel führten meist die promovirten Licentiaten 
der theologischen und artistischen (philosophischen), letztere die 
der juridischen und medicinischen Facultät. — Ein niederer aka- 
demischer Grad war das Baccalaureat. Auch hier entschied 
eine von 4 Examinatoren abgelegte Prüfung über die admissio ad 
gradum, und darauf wurde in öffentlicher Promotion der Ehrenti- 
tel eines Baccalaureus (eines mit dem Lorbeer Gekrönten) verlie- 
hen. Während es den Magistern und Döctoren frei stand, jede 
Art von Vorträgen nach eigenen Schriften zu eröffnen, war dage- 
gen den Baccalaureen das Lehrrecht nur in einzelnen Fächern und 
nach bereits bewährten Werken gestattet. ^) -- In letzter Beihe 
standen endlich die Scholares oder Schüler, ~ bis 1409 in 
grosser Mehrheit deutsche, welche der ersten Hochschule 
Deutschlands zuströmten. Diess und die Ansiedlung deutscher 
Magister erschien gewissermassen als eine gelehrte deutsche Ein- 
wanderung in Böhmen. Prag zählte in jener Zeit bis auf 20.000 
deutsche Studenten und Magister. Die ganze Universität umfasste 
sogar bis 36.000 Mitglieder. ') Den Scholaren war es zunächst 



^) 8. Anhang: Forma licentiatus^ 1359. 
^ Tomek 19, 20, 17, 29. 
^ Friedricli, Joh. Hos, p. 10. 

22 



338 

selbst überlassen, über die Wahl der Fächer und Lehrer und über 
die Zeit ihres Aufenthalts sich zu entscheiden. Nur diejenigen^ 
welche die akademischen Grade anstrebten, waren an das Studium 
bestimmter Lehrgegenstände gebunden. In der Regel mussten die 
Studenten ihre Wohnung bei einem Magister oder Baccalaurens 
nehmen. Ein solches Studentenquartier nannte man Bursa und 
ihre Inwohner Bursales (Burschen). Diese Quartiere waren zugleich 
die ersten Vorlesesäle der Lehrenden. ') Als Bursen dieser Art 
dienten — jedoch nur für die Ordenskleriker — auch die meistea 
Prager Klöster, die daher mit ihren magistris und wissenschaftli- 
chen Vorlesungen in den Verband der Hochschule gehörten. Diess 
war besonders der Fall, seit Papst ürban V. auf Ansuchen Karls 
durch eine Bulle vom 11. November 1366 namentlich die Provin- 
ziale der Augustiner, Dominikaner, Franziskaner und Karmeliten 
angewiesen hatte, förmliche Vorträge in ihren Prager Klöstern er- 
öffnen zu lassen. ^) 

2. Lehrende und Lernende gruppirten sich in Prag schon 
von allem Anfange her in die gewöhnlichen vier Facultäten 
— > die theologische, juridische, medicinische 
und artistische (der sogenannten schönen Künste). Letztere 
nahm später den Namen der philosophischen an. Während 
Anfangs noch der Kector als Vorsteher aller dieser Abtheilungen 
fungirte, ging um das J. 1368 dieses Amt an die von jeder Facul- 
tät ebenfalls auf Jahres- oder Halbjahrsfrist gewählten D e c a n e 
über. Diese beriefen die Facultätsversammlungen, führten die 
Aufsicht über die Beobachtung der Facultätsstatuten , verwal- 
teten das Facultätsvermögen und leiteten die Examina und die 
Promotionen zu den akademischen Graden. Als Beirath stand 
ihnen der F a c u 1 1 ä t s r a t h zur Seite, zu dessen Mitgliedern aUe 
wirklich lehrenden Magistri (magistri actu regentes) gehörten. Über- 
diess waren ihnen noch 2 CoUektoren (Kassiere) und mehrere andere 
Hilfsbeamte zur Dienstführung zugetheilt. ') So war faktisch die 
eine Universitätscorporation in 4 ziemlich selbstständige Facoltäts- 
corporationen getheilt. Ja es kam schon im J. 1372 so weit, dass 



^) Tomek 28, 21. 

*) Ebend. p. 24. 

*) Ebend. 18—16. Schnabel, Gesch. der jurid. Facolt&t, I. 12 u. ff. 



339 

die Juristenfacultat in Folge von Streitigkeiten das Recht 
erhielt, einen besondem Rector zu wählen und eine getrennte 
Gerichtsbarkeit auszuüben. Von da ab gab es also bis 
1418 an der einen Prager Hochschule (Generalstudium) und unter 
dem einen Kanzler und Protector studiorum zwei förmlich 
geschiedene Universitäten — die Juristenuni- 
versität und die Universität derdrei Facultä- 
t e n. 

3. Ein von allen genannten Einrichtungen ganz verschiedenes 
Institut waren wieder die sogenannten Collegien. So Messen zu- 
nächst einzelne Häuser, welche zur Aufnahme und Unterhaltung einer 
bestimmten Anzahl unverehelichter Magister, die keine Bursen hielten, 
mit festen Einkünften bestiftet waren. Hier führten die Celle* 
giati unter der Leitung eines alljährlich gewählten Propstes 
(praepositus) eine Art klösterlichen Gemeinlebens, — jedoch mit 
der Verpflichtung, bestimmte Facultäts- Vorlesungen innerhalb des 
Collegiums abzuhalten. Jede erledigte Collegiatstelle wurde durch 
Wahl der Hausgenossen besetzt. Als solche Institute lernten wir 
bereits das E a r 1 s c o 1 1 e g i u m auf dem Hühnermarkte und das 
Allerheiligencollegium kennen, welche beide Kaiser Karl 
am 1. Juni 1366 stiftete. Während letzteres die Gapitularen des 
Prager AUerheiligencapitels , die immer auch Lehrer der Prager 
Hochschule waren, zu beherbergen und zu unterhalten hatte, 
war wieder das erste zur Pflanzschule des letzteren bestimmt, in- 
dem stets der älteste Magister des KarlscoUegiums in das Aller- 
heiligencollegium und Capitel einzutreten hatte. ') Ein solches 
CoUegium war auch das von Karl IV. im J. 1373 den Juristen 
geschenkte Haus in der Zeltnergasse, in welchem alsbald die 
ganze Juristenuniversität ihren Sitz nahm. In ähnlicher Weise 
hatten auch die Mediciner ein eigenes Collegium in der jetzigen 
Earpfengasse. ') Da aber in allen diesen Collegien zumeist 
deutsche Magister Aufnahme fanden, so erwarb die böhmische 
Nation alsbald für sich ein besonders Collegium nationis 
bohemicae an der Stelle des jetzigen Generalcommando's ^) 



») Tomek p. 26, 354—357. 
') Ebend. 22, 23. 
*) Ebend. 26, 27. 
') Ebend. 58. 

22* 



340 

AUmählig folgte auch die Stiftung anderer Coliegien nach; so 
das collegium reginae, um 1397 von der polnischen Königin 
Hedwig gestiftet, das collegium caesareum, ein Werk Wenzels 
lY. um 1399, das collegium Leczconis, das collegium Na- 
zareth und das collegium apostolorum. ') Endlich wurden 
auch die Prager Klöster und die Besidenzhftuser auswärtiger Stifte 
in ihrer Art Coliegien und Bursen zugleich. Als Institut dieser Art 
that sich insbesondere das von Kaiser Karl dem Cistercienserorden 
geschenkte S. Bernhardshaus in der Bartholomäusgasse hervor. 
4. Überblicken wir die noch bekannten Namen der ersten Ge- 
lehrten, welche bis zum J. 1380 die neue Hochschule zierten: so 
sind es — - wenn nicht durchwegs — so doch zumeist Mitglieder des 
geistlichen Standes, der eben bisher fast ausschliesslich die Wissen- 
schaften gepflegt hatte. In der theologischen Facultät glänzten 
schon im J. 1347 der Augustinerbruder Nicolaus, von 1348 an 
der Minorit Magister Albert und. der erzbischöfliche Kanzler Ste- 
phan, — etwas später Heinrich von Oyta (1372), Hermann von 
Winterswig aus Sachsen, der deutsche Ordenspriester Johann von 
Marien Werder, Nikolaus von Guben, der nachmalige wormser Bi- 
schof Matthäus von Krokow, Konrad Soltow, der spätere Bi- 
schof von Werden und der Servit Raymund, nachmals Bischof in 
Urbino. In der Juristenfacultät erwarben sich hohen 
Ruhm: Wigthold von Osnabrück, Heinrich von Suäic (Schüttenho- 
fen), der hamburger Dechant Wilhelm, Ludwig Thalhem, der Prager 
Domherr Kunäo v. Tfebowel, Magister Nicolaus, Johann v. Dülmen 
und der spätere Prager Domdechant Bohuslaw von Olmütz. In 
der medicinischen Facultät nennt man uns einen Bal- 
thasar von Taus, einen Doctor Walter, den wyäehrader und ol- 
mützer Canonicus Jakob, Heinrich von Bremen — und etwas spä- 
ter den nachmaligen Prager Erzbischof Albik. In der Facultät der 
Artisten rühmte man den mainzer Domherrn Heinrich v. Eimbeck, 
den Franzosen Heinrich Yoleri, den Canonicus Friedmann Ton 
Prag, den Nikolaus Jewicka, den Johann von Holland, den Jenek 
von Prag, den Diether von Widera. ') AlsRectoren werden 



^) Pubitschka VI. 850. 

') Tomek 88, 39, 40. Pubitschka VI. 851. Prochaska de saec. lib. ari. üatis. 
p. 152. 



341 

urkundlich genannt : Nicolaus vonEolberg, Johann Graf 
von Pemstein, Georg Wysbek von Osnabrück (1372), Johann Propst 
von Granzog (lc73), Johann v. Westphalen, Berthold von 
Wähingen (2374); Johann Graf von Hohenlohe (1 375), Magister 
Friedmann von Prag, Gerlach Howt von Stargard (1376), 
Johann Slebekow (1377), Heinrich von Stwolenka (1378 und 1379), 
Blasius Lupus (1379) und Nicolaus von Koszol. ^ 



§. 181. Das niedere Sohnlwesen in BShmen. 

1. Erinnern wir uns der überaus zahlreichen Elosterstiftungen, 
mit welchen unser Vaterland im 13. und 14. Jahrhunderte gesegnet 
wurde, so können wir nicht umhin, in diesen auch eine ungewöhü* 
liehe Vermehrung der Bildungsanstalten für die Jugend des Landes 
zu bewundern. Nehmen wir etwa die Mendicantenorden aus, die 
Papst Urban V. nur in Prag zur Eröffnung wissenschaftlicher 
Schulen verpflichtete , während sie anderwärts zumeist ihre Kräfte 
dem geistlichen Dienste zu widmen hatten: so finden wir in ganz 
Böhmen sicher kein Ordenshaus, das nicht die Eröffnung einer 
Elosterschule für eine der heiligsten Verpflichtungen angesehen 
hätte. Erzogen sie hier auch zunächst ihre eigenen Kleriker und 
Oblati zu tüchtigen Ordensmännern heran, so eröffneten sie doch 
auch eben so vielen externen Zöglingen die Pforten ihrer Schulen. 
Mehrere solcher Klosterschulen errangen in dieser Zeit einen be- 
sondem Ruhm, ~- so Braunau als Bildungsanstalt des grossen £r- 
uest von Pardubic, Doxan als berühmte Schule für Fürstentöchter, 
Nepomuk unter der Leitung des nachmaligen olmützer Bischofs 
Robert. Mit diesen Klosterschulen hielten auch die Schulen der 
CoUegiatscapitel gleichen Schritt, wenn es ihnen auch nicht gelin- 
gen wollte, den Ruf der Prager Domschule als eines Particularstu- 
dimns zu erringen. — 

2. An die Seite der Kloster- und GoUegiatschulen traten in 
dieser neuen Zeit auch eine Menge neuer höherer Stadtschulen, 
und die bereits von früher her bestandenen Schulen dieser Art er- 



') Tomek 364. Die hervorgehobenen Namen gehören den Bectoren der drei 
Facolt&ten, die übrigen den Bectoren der Juristenuniversit&t an. 



342 

lebten einen neuen Aufschwung. Zunächst geschah diess durch 
die massenhafte Einbürgerung der Deutschen in den Städten 
des Landes, die mit ihrem deutschen Hechte auch ihre freien 
Bürgerschulen mit nach Böhmen brachten. Draussen im 
Reiche hatten die neuen freien Städte (Leipzig, Lübeck, Ham- 
burg, Wismar, Rostock, Stettin, Wien, Köln) schon längst be- 
gonnen, theilweise im Kampfe und theilweise in Eintracht mit 
ihren Klosterschulen eigene öffentliche Lehrer zu bestellen und 
diese zumeist aus dem Schulgelde der Scholaren zu besolden. >) 
Nebenbei gewährte man solchen auch noch in der Regel den Stadt- 
schreiberdienst. ^) Ähnlich finden wir nunmehr auch in Böhmen 
derartige freie Bürgerschulen, neben denen sogar hin und wieder 
die Klosterschule zur blossen Volkschule herabsank. Ihr erster 
Lehrer hiess meist Rector, der zweite Cantor. Zuweilen gab es da 
auch noch einen Conrector, einen Tertius und Quartus und sogar 
noch etliche Collaboratores. ^) Musste vorerst schon der allgemeine 
Wetteifer der Städte auch das Fach des Unterrichts heben, so ge- 
schah diess noch in besonderem Grade durch die Errich- 
tung der Prager Universität. Nun gab es gelehrte 
Schulmeister in Menge, zunächst Baccalaurei der Hochschule, die 
erst nach einer rühmlichen Verwendung in den Landschulen zur 
alma mater (so nannte man die Universität) und zu den höheren 
akademischen Graden heimkehren durften, — neben ihnen aber auch 
alsbald viele Magistri und Doctores, welche die Hochschule alle- 
sammt nicht ernähren konnte. Waren nun die Lehrer insgesammt 
von der Universität ausgegan|?en, so übte fortan auch diese die 
Oberaufsicht über das Wirken derselben und der Zustand der Schu- 
len konnte kaum anders als ein vorzüglicher sein. 

3. Auch die P f a r r s c h u 1 e n auf dem Lande wurden in die- 
ser Zeit schon hin und wieder Patronats- und Gemeinde- 
schulen, je nachdem der Grundherr oder die Gemeinde die Er- 
weiterung derselben in Angriff nahm. Die Gelegenheit hiezu bo- 



^) Ein bezüglicher Vertrag der Stadt Ypem wies dem Lehrer 10 Solidi von 

jedem Schüler zu. 
') Vgl. meinen Aufsatz: Die christl. Volksschule, Jahrb. f. Lehrer etc. 1856. 

p. 55 u. ff. 
•) Ebend. 



343 

ten wieder die zählreichen Baccalaurei, welche von Jahr zu 
Jahr einen zeitweiligen Schuldienst suchten und hier entweder nach 
gewohnter Weise vom Seelsorger in Wohnung und Pflege genom- 
men oder anderswo zur Erweiterung des bisherigen Unterrichts 
von den Ortsherren und Gemeinden contractlich versorgt wurden. 
Fehlte es irgendwo an einem Baccalaureus, so nahm man auch mit 
einem fahrenden Schüler vorlieb, der von einer Universität 
kommend die Unkosten zum Bezüge einer andern durch zeitweili- 
ges Schulhalten verdienen wollte. Immer war es wieder ein Schul- 
geld, auf welches ein solcher Kinderlehrer angewiesen wurde, — 
nebenbei aber auch zumeist der Dienst des Gemeindeschreibers, 
ja sogar zuweilen des Flurschätzen, den man mit dem neuen Schul- 
dienste vereinigte. ^^^ ersten Lehrer des Orts blieb übrigens 
zumeist der Dienst des Messners und Gantors in der Pfarrkirche. 
Wo in solcher Weise die Volksschule die engen Mauern des Pfarr- 
hauses, in welchem sie bisher zumeist ihren Platz gehabt hatte, 
verlassen musste, — dort blieb der Ortsseelsorger doch immer 
noch der Lehrer der Religion und der unmittelbare Vorgesetzte des 
Lehrers. 

4. Wenn in der angedeuteten Weise das Schulwesen Böhmens 
gerade gegen das Ende unserer Periode auf einer erfreulichen Höhe 
stand : so würden wir dennoch sehr irren, wenn wir desswegen die 
Bildung jener Zeit für eine allgemeine halten möchten. Es gab 
damals — den Religionsunterricht ausgenommen — keinerlei Schul- 
zwang. Was für die Bildung des Volkes geschah, das geschah 
eben nur an einzelnen Orten und wurde auch da nur theilweise 
benützt Im Adel selbst verschmähte noch ein guter Theil die so- 
genannten pfäffischen Künste des Lesens und Schreibens und suchte 
selbst in Karls glorreichen Tagen einen besondern Ruhm in ausge- 
zeichneter Rohheit. Diesem gegenüber gab es aber ebenso zahlreiche 
edle Freunde des Wissens und wir finden sie wohl insgesammt un- 
ter den Stiftern und Dotatoren der Kirchen und Klöster. Wie nun 



') Ebend. 55. Vgl. Grape evang. Rostock; Buhkopi Gesch. des deutschen 
Schulwesens; Gramer Erziehung und Unterricht in den Niederlanden; 
Krabbe Lehranstalten in Münster u. a. m. (In Württemberg wurde der 
Flurschützen- und Bütteldienst erst im 16. Jahrhunderte vom Schuldienste 
getrennt.) 



344 

hier die extremen Oegensätze in den obersten Schichten sich zeig- 
ten, ebenso mussten sie auch nach unten hin vielfach zur Erschei* 
nung kommen. Unter solchen Umständen nahmen natürlich die 
freien königlichen Städte des Landes und die mit besondem Frei- 
heiten begabten Municipalorte der Adeligen und der geistlichen 
Stifte einen namhaften Vorrang ein. 



§. 182. Di« kirchliokeD Verkflltiiisse Bthneas tai 13. ud U. Jakrhudtrt: 

Die PlEpste iDd ihre Legaten. 

1. Was vor Allem die Wirksamkeit der Päpste in Bezug auf 
unser Vaterland betrifft, so war diese in dem eben geschilderten 
Zeiträume bei der Kirchenfreundlichkeit unserer Fürsten eine eben 
so ausgedehnte als segensreiche. Zeugnisse dessen sind die zahl- 
reicher Bullen, welche in dieser Zeit für Böhmen erlassen wurden. 
Ihr wichtigster Gegenstand war die Orthodoxie, deren Überwa- 
chung und Bewahrung die Nachfolger Petri zu keiner Zeit verab- 
säumten. Wir haben bereits erwähnt, wie in dieser Richtung durch 
die Bestellung einzelner Inquisitoren und schliesslich durch die Er- 
richtung beständiger Inquisitionstribunale gewirkt wurde. ') Galt 
es hier zu erhalten, was einst gottbegeisterte Sendboten des Evan- 
geliums gepflanzt hatten, so wurde auch nicht unterlassen, für die 
weitere Verbreitung christlicher Lehre und Sitte Sorge 
zu tragen. Da waren es nun wieder die Päpste, welche zu diesem 
Zwecke eifrige Glaubensboten und tapfere Kreuzfahrer zumeist aus 
unserem Vaterlande aufriefen und mit geistlichen Gnaden ausgerü- 
stet zu den nordischen Heiden entsendeten. ') Doch ausser dem 
heiligen Glauben gab es bei uns im Lande noch manches Andere, 
dessen Förderung dem Oberhaupte der Christenheit zustand. So 
lange Geistliche und Laien gebrechliche Menschen bleiben, gibt es 
allezeit in ihren Sitten zu reformiren. Redlich wurde von 
Rom aus auch diese Pflicht erfüllt, — einerseits durch eifrige Le- 
gaten und anderseits durch die neugestifteten Ordensvereine. ') 



*) Vgl. §§. 107, 118, 119. 
•) Vgl. §§. 109, 116, 148. 
■) Vgl. 8§. 164-178. 



345 

Kirchliche Ordnung und kirchlichesRecht wurden 
ebenso mit fester Hand theils unmittelbar, theils durch delegirte 
Richter geschützt; selbst die Anwendung strenger kirchlicher Stra- 
fen, — sei es weltlichen oder geistlichen Grossen gegenüber, — 
wurde nicht gescheut. In diesem Stücke fand selbst der einzelne 
Püarrer seinen kräftigen Schutz in der Hauptstadt der Christen- 
heit ') Im Interesse der guten kirchlichen Ordnung geschah es 
auch, dass die Päpste in dieser Zeit so manches anderweitige Recht 
beschränkten. So griffen sie durch ihre Provisionen in die Wahl- 
freiheit der Kapitel ein, um der Ausschliesslichkeit des Adels ge- 
genüber auch dem Verdienste sein Recht zu sichern. So zogen sie 
zuletzt selbst die Confirmation unserer Bischöfe an sich, um den 
zur erblichen Königswürde erhobenen Landesfürsten gegenüber 
weit besser, als es einem Metropoliten möglich war, die Freiheit 
der Wahl und die Rechte des bischöflichen Stuhles zu sichern. ') 
So erliessen sie selbst Freibriefe gegen kirchliche Gensuren von 
Seiten der Metropoliten und Bischöfe und sogar der päpstlichen 
Legaten. *) — 

2. Bei so gedeihlichem Wirken zeigte sich bei uns bis zur 
Übersiedlung der Päpste nach Avignon noch keinerlei Abneigung 
gegen die Nachfolger Petri. Aber von dieser Zeit an (1308) fand 
sich durch die übertriebene Begünstigung der französischen Na,tion 
jede andere gekränkt und Missbräuche aller Art, die eben in 
der Unfreiheit der Päpste ihren Grund hatten, erweckten auch 
in ^Böhmen mancherlei Klagen. Die geistliche Gewalt Hess sich 
in politischen Händeln ausnützen. Die ihres ordentlichen Besitzes 
beraubten Päpste forderten Abgaben über Abgaben von den 
Benefidaten aller Länder und Hessen sie durch ihre Delegaten 
selbst mit Hilfe kirchlicher Gensuren eintreiben. Abgesehen von 
den Annaten (ersten Jahreserträgnissen) der vom Papste verliehe- 
nen Beneficien, den häufigen Dispensationstaxen und den PaUien- 
geldem — gehörten hieher vorzüglich die bereits herkömmlich ge- 
wordeneu Kreuzzug-Zehnten, die man zuweilen auch den Landes- 
fürsten überliess, und die Sustentationsgelder für die päpstlichen 



>) flg^berg 

») Vgl f. 102 u. ff. 
•) Vgl. S. 109. 



346 

Bevollmächtigten. ') Überdiess wurden aus den Canonicatsproyisio- 
nen zu Gunsten des Verdienstes mehr und mehr Expectanzen für 
Verwandte und Diener der Cardinäle und Bischöfe und selbst für 
noch unmündige Knaben, die alle kein anderes Verdienst hatten, 
als dass sie niedere und höhere Taxen an die päpstliche Kammer 
entrichteten.^) Dabei verloren die Capitel ihr ganzes Wahlrecht 
Zum Glücke erstreckten sich bei uns diese Provisionen nicht bis 
auf den Bischofsstuhl. Auch klagte man über allzugrosse Begün- 
stigungen der Klostergeistlichkeit, namentlich der Mendicanten, 
welche die exorbitantesten Privilegien zum Schaden der Seelsorger 
zu erwerben wussten. ') Endlich sprach man auch bereits von einer 
Überfülle der Ablässe, deren alle Kirchen Böhmens und insbeson- 
dere alle Klöster sich rühmten , *) und von grosser Nachlässigkeit 
der Päpste in der Bestrafung offenkundiger Sünder. ^) Solche Kla- 
gen hatte das ,,babylonische Exil^^ der Päpste rege gemacht. Die 
Bückführung derselben nach Rom durch unseren König Karl ver- 
sprach- sie wieder zur Ruhe zu bringen. Leider aber folgte darauf 
— im Begione der nächsten Periode — das noch grössere Übel 
des Schisma's* 

3. Wir gedachten bereits der päpstlichen Legaten, die im 
13. und 14. Jahrhunderte unser Vaterland besuchten. Wir finden 
da die Namen der Cardinäle Gregor de S. Grescentio (1219, 1222), 
Konrad (1225), Simon (1229), Hugo (1254), Peter de Pontecorvo 
(1256, 1263)^ Pileus (1380), der Erzbischöfe und Bischöfe Bern- 
hard von Neapel (1254), Johannes von Tusculum (1280, 1286), Ägi- 
dius von Vicentia, — der päpstlichen Sammler wie Albert Beham 
(1243), Albero von Venedig (1282), Bonavit von Gasertino (1308, 
1309), Jakob von Lüttich (1351) kaum zu gedenken. Die besondem 



*) Vgl. §§. 104. n. 5, 108. n. 2, 109. n. 8, 116. 

*) Mathias von Krakau: de squaloribus romanae curiae, in Höflers Ckuicilien 
S. LVI. u. ff. Ilienach erlangten 5- bis Bjäbrige Kinder solche Exspec- 
tanzen. Jede Bitte um eine solche kostete 1 bis 50 Dukaten Taxen, — je 
nach der Grösse der gewünschten Pfründe. Ebenso kostete jede Conflr> 
mation hohe Taxbeträge. 

») Ebendaselbst. Vgl. auch S- 11&- 

*) Abundabant indulgentiae in Bohemia, quia non fuit cUustrum, quod iDdnl- 
gentiis papalibus camisset. (Pulkava ad ann. 1400.) 

') Math. V. Krakau, bei Höfler LYL 



347 

Geschäfte der Legaten in Böhmen smd nicht immer ausdräcklich 
genannt. Die ehrenvollsten waren jedenfalls — die Aussöhnung 
des Bischofs Andreas mit dem Könige Ottokar I. und die Empor- 
bringung der Eirchenzucht. Eine Klage wegen ungebührlichen Auf- 
tretens derselben ist — den Sammler Albert Beham ausgenommen 
— nicht aufgezeichnet worden. Übrigens wurde je weiterhin, de- 
sto mehr erkannt, dass alle Legati a latere das Land ihrer Wirk- 
samkeit immer nur oberflächlich kennen lernten, und dass es ge* 
rathener sei, an ihrer Statt lieber einheimische Bischöfe zu bestel- 
len. So befriedigte endlich die Ernennung des Prager Metropo- 
liten zum Legatus natus ein lang gefühltes Bedürfniss sowohl in 
unserem eigenen Lande, als auch in dessen Nachbarschaft. 

§. 183. Fortsetzmg: Die Bischöfe und ihre Beamten. 

1. Das 13. Jahrhundert hat die neue rechtliche Form der bi- 
schöflichen Succession eingeleitet und allmählig festgestellt. Das 
Domcapitel übte das Recht der freien Wahl entweder in corpore 
oder durch hiezu bevollmächtigte Mitglieder (electio per compro- 
missum). Die Wahl selbst musste innerhalb der Zeit zu Stande 
kommen, als eine zu diesem Behufe angezündete Kerze brannte ; 
sonst war das Wahlrecht erloschen. Der in solcher Weise frei 
Erwählte wurde sofort feierlich dem im Dome versammelten Volke 
verkündigt und dann das solenne Te Deum laudamus angestimmt. 
Die Wahl musste jedoch noch des Weitem vom Mainzer Metropo- 
liten, beziehungsweise sogar vom Papste selbst nach den canoni- 
schen Vorschriften geprüft und bestätigt werden. Wenn daher 
der Metropolit oder sein Bevollmächtigter nicht persönlich bei der 
Wahl zugegen war, so musste der Neugewählte, ausgerüstet mit 
dem vollständigen Wahlberichte, sich zur Erlangung der Confirma- 
tion in eigener Person an den Metropolitansitz -- eventuell sogar 
nach Rom — verfügen, worauf erst die Consecration erfolgen durfte. 
Heimgekehrt hielt nun der neue Bischof seinen feierlichen Einzug 
in die Stadt Prag und in den bischöflichen Dom, woselbst er nun 
zum erstenmale auf den bischöflichen Thron gesetzt (inthronisirt) 



>) Schon Ito von Ghartres gab diesen Bath. S. Neander Gesch. d. cbristl. 
Bei. VU. 251 



348 

wurde. Bei dieser Gelegenheit wurde eine über 200 Pfund schwere 
Kerze — die Bischofskerze — zum erstenmale angezündet Die 
königliche Investitur, die in Böhmen an die Stelle der kaiserlichen 
getreten war, wurde nur in allererster Zeit schon vor der Confir- 
mation förmlich vollzogen. Weiterhin begnügten sich unsere Lan- 
desfürsten, dem Kapitel vor der Wahl die ihnen genehmen Gandi- 
daten zu bezeichnen und der Inthronisation persönlieh beizuwohnen. 
König Wenzel 11. — und so wahrscheinlich auch jeder andere 
König — übergab bei diesem Anlasse dem neuen Bischöfe einen 
kostbaren goldenen Ring, ein Scepter und einen goldenen Apfel mit 
einem Kreuze als Zeichen der weltlichen Fürstenwürde. Nach der 
kirchlichen Feier begleitete er ihn zum bischöflichen Hofe und 
führte ihn unter Glückwünschen in denselben ein. ') 

2. War der Bischof und nachmals Metropolit von Prag auch 
nicht mehr — wie die meisten' Bischöfe Deutschlands — ein unmit- 
telbarer Fürst des deutschen Reichs, so stand er doch den meisten 
derselben an äusserem Glänze nicht nach. So ausgedehnt waren 
seine Besitzungen im Lande, dass ihnen kein auch noch so grosses 
Privateigenthuni der mächtigsten Herrengeschlechter gleichkam. 
Dem entsprechend war auch der bischöfliche Hof in Prag bestellt 
Ausser einer zahlreichen Ritterschaft, welche bischöfliche Güter 
und Burgen zu Lehen trug und dafür stete Gefolgschaft leistete, 
finden wir daselbst ebenso wie am Hofe des Königs einen bischöf- 
lichen Kämmerer und Unterkämmerer, einen Truchsess, Mundschenk, 
Marschalk, Schildträger — insgesammt mit ihren Stellvertretern, 
— einen bischöflichen Kanzler, Schatzmeister, bischöfliche Hof- 
capläne und sogar einen eigenen bischöflichen Hofrichter. Überdiess 
verfügte der Bichof über ein eigenes Kriegsheer, bei welchem nebst 
den eigenen Ministerialen zahlreiche Edle des Landes Dienste nah- 
men; mit diesem vertheidigte er zunächst zur Zeit innerer Unruhen 
seine eigenen Güter, erfüllte aber auch, indem er es dem Könige 
zuführte, seine eigene Lehenspflicht. ^) So war er faktisch ein Fürst 
im Lande und erhielt — erweislich schon seit 1282 — diesen Titel 
auch von Seiten des Königs in den öffentlichen Urkunden des 
Landes. >) 



Tomek Gesch. Prags I. 404, 405, 225. 
*) Tomek 411, 79. 
") Ebend. 405. 



349 

3. In der FühruDg des bischöflichen Amtes bedienten sich 
unsere Oberhirten erweislich schon seit dem 13. Jahrhunderte eines 
— und späterhin auch mehrerer Vicarii generales und Officiales 
curiae episcopi. Erstere führten stets auch den letztern Titel, 
letztere aber nicht immer auch den erstem. Die Oeneraivicare 
finden wir besonders als Vertreter des Bischofs in der Regierung 
der Diöcese, in der Annahme kirchlicher Stiftungen und in der 
Confirmation rechtlich präsentirter Beneficiaten. ') Zudem erkannten 
sie mit den übrigen Ofiicialen über Ehehindernisse *) und fungirten 
als bischöfliche Richter in allen Streit- und Strafsachen des geist- 
lichen Rechts. Hieher gehörten aber nebst allen streng kirchlichen 
Angelegenheiten der Geistlichen auch alle ihre Civil- und Criminal- 
processe ohne Unterschied (in Folge der Immunitas personalis), 
so wie auch alle Streitsachen der Laien, welche kirchliche Rechte 
und kirchliches Gut zum Gegenstand hatten (diess in Folge der 
Immunitas realis).') Die Citation mächtiger Laien vor dieses 
geistliche Gericht erfolgte, wenn die Beschickung durch einen 
Boten unräthlich oder unmöglich war, von der Kanzel der Dom- 
kirche herab, und zwar an drei auf einander folgenden Sonnta- 
gen. ^) Die untergeordneten Amtsgeschäfte des Gerichts besorgten 
die Notarii curiae episcopi, an deren Spitze der Protonotarius 
oder Cancellarius stand. ') — In den bischöflichen Weibeacten stand 
dem Bischöfe seit dem 13. Jahrhunderte fast ununterbrochen ein 
Weihbischof (stets episcopus in partibus infidelium) zur Seite, 
welcher in dieser Zeit zumeist aus dem Regularklerus gewählt 
wurde. *) — Die Reinerhaltung des Glaubens überwachte im Namen 
des Bischofs ein eigener bischöflicher Inquisitor haereticae 
pravitatis. Für die Hebung des sittlicheu Lebens der Geistlichkeit 
sorgten ebenso die bischöflichen Correctores cleri.")— Übrigens 
galt es als Pflicht des Bischofs, alljährlich oder zum mindesten 



*) Libri erectionum, libri confirmationum. 

*) Stat. Ernesti p. 217. Die übrigen Ehesachen gehörten vor das Forum 

der Archidiakone. 
•) Stat. Eme^ti p. 197. 
^) Ebendaselbst 196. Beispiel im Anhange. 
«) Vgl. §. 122. n. 8. 
•) Vgl. §. 109. n. 8. 
') Vgl. §. 122. 



360 

alle zwei Jahre entweder selbst oder durch einen Vertreter die 
Diöcese zu bereisen und in den Landgemeinden das h. Sacrament 
der Firmung zu spenden. *) Auch hatte er jährlich zweimal — 
an den Festen S. Veit und S. Lucia — die Geistlichen seiner 
Diöcese um sich zu einer Synode zu versammeln, um da anzu- 
ordnen, was zur Hebung des kirchlichen Lebens in seiner Diöcese 
erspriesslich schien ; ') nach jeder dieser Synoden aber hatte er 
persönlich ein öffentliches Gericht (Consistorium generale) abzu- 
halten und über die vorgebrachten Klagen der Geistlichkeit wegen 
etwaiger ungerechter Bedrückung Seitens weltlicher Grossen und 
auch geistlicher Obern zu entscheiden. ') Wir erwähnten bereits, 
dass ihm und seinem geistlichen Gerichte ein doppelter (milderer 
und strengerer) Carcer zur Verfügung stand. 

4. Nach Aussen hin bediente sich die bischöfliche Regierung 
noch immer der Archidiakone und Landdecane. Der 
ersteren gab es zur Zeit des Erzbischofs noch zehn, nachdem die 
älteren Archidiakonate von Raudnitz, Rokitzan und 2ir(in£wes in 
die Nachbarbezirke einbezogen und nur das einzige neue Archi- 
diakonat zu Bilin im J. 1216 errichtet worden war.*) Obgleich 
nun die Archidiakoni bereits insgesammt Mitglieder des Prager 
Domcapitels waren und daher eine Zeit des Jahres ihrer Residenz- 
pflicht daselbst nachkommen mussten, so finden wir sie dennoch 
einen übrigen Theil des Jahres in ihren Sprengein beschäftigt. Sie 
visitirten hier alljährlich die einzelnen Decanate, ohne aber hiebei 
wie ehedem von der Geistlichkeit ohne besondere Bewilligung des 
Bischofs Abgaben erheben zu dürfen. ^ Dabei prüften sie das sitt- 
liche Verhalten des Klerus und waren namentlich für die Abstellung 
der geistlichen Concubinate strengstens verantwortlich. •) Sie ver- 
theilten auch alljährlich zu gehöriger Zeit die heiligen Öle an die 
Seelsorger ihres Bezirks. ^) Sie promulgirten die Erlässe des 



') Stat. des Provinzialconcils von VITürzburg v. J. 1287, dem anser Bischof 

Tobias beiwohnte. (Schannat conc. Germ. III. 731.) 
') Stat. syn. v. 1371 in Höfler's Conc. Prag. p. 15. 
^) Ebendaselbst. 
*) Tomek Gesch. Pr. 84. 

*) Stat. syn. v. 1366 in Höfler's conc. Prag. p. 11. 
') Stat. Ernesti p. 200. 
') Ebend. p. 220. 



351 

Bischofs und seiner Generalvicare. ") Wenn sie endlich rechtskun- 
dige Männer waren oder erfahrene Beisitzer an ihre Seite wählten, 
so übten sie auch noch unbeirrt die selbstständige Gerichtskarkeit 
in Ehesachen und in Wucherprocessen. *) — Unter ihnen standen 
noch immer die D e c a n i als eigentliche Executoren der kirchli- 
chen Erlässe und als unmittelbare Wächter über das sittliche und 
klericale Leben der Geistlichkeit des Decanats. Nebenbei hatten 
diese auch in letzter Zeit die uns bereits bekannte bischöfliche Ab- 
gabe der „Bauchpfennige^^ einzuheben und ah den Bischof abzu- 
führen. ') Die Einführung neu confirmirter Pfarrer gehörte damals 
noch nicht in ihre Amts Wirksamkeit; vielmehr wurde zu dieser 
Function stets ein Nachbarpfarrer des Neuernannten vom bischöf- 
lichen Generalvicar delegirt. '*) Nebenbei sei auch erwähnt , dass 
die Decani dieser Zeit wohl noch von den alten Decanatssitzen 
den Namen führten, aber bereits ohne Berücksichtigung dieses 
Sitzes aus der Mitte aller Seelsorger des Bezirks ernannt wurden.. ^) 

§. 184. FortsetzDog: Die Curatgeistlicbkeit. 

1. Als Curatgeistliche werden in der von uns geschilderten 
Periode diePlebani, Yiceplebani, Vicarii, Capellani 
und Altaristae unterschieden. *) Plebanus hiess der cano- 
nisch präsentirte, confirmirte und installirte Pfarrer einer bestimmt 
begränzten Kirchengemeinde. Seine Praesentation geschah durch 
den Patron, d. i. durch deigenigen, der entweder selbst oder 
in seinen Vorfahren die Kirche fundirt und ausgestattet und das 
Kirchenamt gestiftet hatte. Der Patron ertheilte damals die Prä- 
sentation stets unmittelbar an den von ihm erwählten Kleriker, der 
nun erst mit dem Präsentationsschreiben bei der bischöflichen Curie 
erschien. Sofort wurde der Präsentationsact auf Veranlassung des 
Generalvicars in der erledigten Pfarrkirche durch den Decan oder 



') Ebend. 

*) Ebend. 191. Des Wuchers als Verbrechens gegen das kirchliche Recht 

wird noch gedacht werden. 
') Stat. gyn. 1866 in Höflcr's conc. Prag. p. 12. 
*) Beispiele in Menge in den libris confirm. 
*) Ebendaselbst. . 
*) Stat. Emesti. 



352 

einen benachbarten Pfarrer förmlich und feierlich vor allem Volke 
proclamirt. Erst wenn innerhalb des gestellten Tennines weder 
gegen das Präsentationsrecht noch gegen die Person des Prisen- 
tirten eine rechtliche Einsprache erhoben worden war, erfolgte 
in der bischöflichen Curie die Confirmation, welche vom Ge- 
neralvicar in die urkundenmassigen Confirmationsbücher eingezeich- 
net und überdiess dem neuen Pfarrer behufe seiner Installa- 
tion durch einen eigens bezeichneten Nachbarpfarrer eingehändigt 
wurde. ^ In der Regel musste der Plebanus bereits Priester sein; 
doch kam es nicht selten vor, dass niedere Kleriker und sdbst 
solche, die das 12. Lebensjahr kaum überschritten hatten, die Prä- 
sentation und Confirmation erlangten. ') Ausnahmen dieser Art ge- 
schahen zumeist zu Gunsten jüngerer Söhne der Kirchenpatrone, 
die sich dem geistlichen Stande widmeten. Auch pflegte man hin 
und wieder einem hofihungsvollen Jünglinge durch die Verleihung 
eines Pfarrbeneficiums die nöthigen Mittel zum Besuche einer Hoch- 
schule zuzuwenden. ') Natürlich wurde in allen solchen Fällen für 
die Verwaltung der geistlichen Obliegenheiten im Pfarrorte die ent- 
sprechende Fürsorge getroffen. ^) — Der selbstständige Seelsorger 
hatte auch das volle Recht, ein Eigenthum zu erwerben, das bei seinen 
Lebzeiten allseitig respectirt wurde. Weniger war das Letztere 
nach dem Tode eines Pfarrbeneficiaten der Fall. Weit entfernt, dn 
Testirungsrecht des Plebans anzuerkennen, pfl^en viele Patrone 
noch zu Zeiten Karls IV. das hinterlassene Vermögen der von ihnen 
Präsentirten eigenmächtig einzuziehen, — gewiss in Folge einer 
weit älteren Gepflogenheit. Wir wissen bereits, wie die Erzbischofe 
Emest und Johann Oiko mit kirchlichen Censuren der Fortdauer 
dieser Gewaltthätigkeiten steuerten. ') Wir erfahren aber auch noch 
überdiess, dass einzelne höhere und niedere Beneficiaten das aus- 
drückliche Testirungsrecht sogar vom apostolischen Stuhle erwirk- 



^) Stat. Ernesti p. 207. 

*) So war im J. 1405 Marqnard von Hradek, Piarrer ▼on ErpaBice, erst 12 

Jahre alt. (Lib. confirm. ad 1406.) 
') Eine Dispens für einen solchen Fall s. in Höfler*B Monom, des Kdnig- 

thoms. S. Anhang. 
*) Siehe unten Nom. 2. 
*) Vgl. J. 121-124. 



353 

ten. Di« päpstliche Milde ging auch noch viel weiter. Hohem 
und niedern Geistlichen wurde allmählig in der Regel ein a n n u s 
g r a t i a e . — d. i. ein Jahreseinkommen nach ihrem Ableben — 
zur Bezahlung etwaiger Schulden, ja sogar noch ein a n n u s c o n- 
solationis, d. L das Einkommen eines nachfolgenden zweiten 
Jahres zu gleichem Zwecke gewährt. *) Jedoch war es durch ein 
Decret der Mainzer Provincialsynode vom J. 1261 ausdrücklich ver- 
boten, solche Nacherträgnisse den Anverwandten zu testiren. ') 

2. Wo der Plebanus nicht in eigener Person die Seelsorgs- 
pfrände verwaltete •— und diess war ausser der Minderjährigkeit 
und sonstiger längerer Absenz des Beneficiaten namentlich immer 
dann der Fidl, wenn eine Pfarrei einem Kloster, einem Gapitel, 
einer Dignität oder einer kirchlichen Genossenschaft canonisch in- 
corporirt war, — wurde vom Seelsorger selbst anfangs nach Belie- 
ben und auf beliebige Zeit ein Stellvertreter (l^icurimj eingesetzt, 
der seinen Unterhalt aus dem Einkommen der Pfründe bezog. Im 
J. 1246 ordnete aber das Provincialcondl von Fritzlar an, und die 
Sjnode zu Mainz im J. 1261 schärfte es neuerdings ein, dass ein 
soldier Vicarius stets ein Vicarius perpetuus sein solle, 
der nicht im Laufe des Jahres, sondern erst bei dem eigenen Amts- 
antritte des Plebanus entlassen werden dürfe. ^) Eine andere Art 
solcher Vicarii perpetui waren die Seelsorger der Filialkirchen, 
welche zwar selbstständig ihr Amt verwalteten, stets aber in einer 
formellen Unterordnung zur Mutterkirche verblieben. *) Alle diese 
Vicarii perpertui hiessen auch Viceplebani. *) 

3. Neben dem eigentlichen Seelsorger standen als Hilfsprie- 
ster die Vicarii temporales, und zwar in allen Fällen, wo 
die Persott des Pfarrers wegen zu grosser Ausdehnung des Seel- 
sorgsprengels und der geistlichen Vorrichtungen oder wegen vor- 
gerückten Alters allein nicht genügen konnte. Solche Vicarii wurden 
stets vom Pfarrer selbst auj^enommen, erhalten und nach eigenem 



^)- So PetTOB von Wserub archidlac. Pragensis anno 1309 (Urk. im Prager 
Capitelarchiv); so aucli andere Fälle in diplom. Ratisbonn. anno 1295, 
1889 u. a. 

') Vgl. Schannat conc. Germ. KI. 615 u. Diplom. Ratisbonn. S49. 

') Schannat Hl. 615. 

*) Schannat conc. Germ. 111. 475, 606. 

^ Beispiele solcher „Filiae'' in regist. decim. 

<) Stat Emest. 

23 



354 

Ermessen entlassen. Zumeist waren es solche Geistliche, die auf 
den eigenen Tischtitel die Priesterweihe empfangen hatten. Ein 
eigenthümliches Verhältniss gestaltete sich in dieser Beziehung im 
nächsten Umkreise grosser Ordenshäuser. Hier wurden die Hilfs- 
priester — zumal für gewisse Festtage des Jahres — regelmässig 
von dem Ordensobern erbeten und allmählig auch ohne besonderes 
Ansuchen von freien Stücken zugeschickt; es entstanden auf diese 
Weise die sogenannten Stationes regularium. 

4. Die fromme Gesinnung der Zeit stiftete in den meisten 
Kirchen neben dem Hauptaltare und dem dahin gehörigen Plebanus 
noch eine Anzahl anderer Altäre mit regelmässigem Messdienste 
und besonderen AU^rpriestern oder Altaristen (recto- 
res altarium). ') In der vorhusitischen Zeit unterlag die Anzahl 
solcher Priester bei den einzelnen Pfarrkirchen keiner Beschrän- 
kung; erst nachmals sollten nur an Dom- und GoUegiatkirchen 
mehr als drei derselben angestellt werden dürfen. ^) Vordem zählte 
beispielsweise die Stadtkirche zu Ldtmeritz nicht weniger als sie- 
ben Altarpriester. ^) Die Jahresdotation solcher Altaristen variirte 
zwischen zwei und zehn Schock böhmischer Groschen. *) Ihre Stellen 
galten als beneficia simplicia, zu denen in gleicher Weise , wie zu 
den Piarrbeneficien die Präsentation des Patrons (Stifters^ und die 
Confirmation der bischöflichen Curie erforderlich war. *) Befand 
sich ein solches .Altarbeneficium in einer abgesonderten Capelle, so 
hiess der Beneficiat Capellanus. Altaristen und Capläne waren 
in ihrem Amte selbstständig, unterstanden aber in Beziehung ihres 
sittlichen Verhaltens und klericalen Wandels der Aufsicht des Pfar- 
rers, in dessen Sprengel ihr Beneficium lag. ^) Zuweilen hatten sie 



^) Die Libri erectionum zählen solche Stiftungeu in grdsster Menge auf. 

*) Synod. Prag. 

•) Altare 00. So. 1369 sub praesentatione Nicolai de Chlebsatil; — altare 
B. M. V. mit täglicher FrühmesBe und Bruderschaft, 1848 Tom Bürger 
Gottfi-ied von Bauschowitz gestiftet; — S. Catharina 1399 von der Fa- 
milie der Hasenburger dotirt; — S. Barbara 1405 vom naumburger 
Priester und Prager Magister Joh. Buch errichtet; — S. Elisabeth 1407 
von einer Bürgerwittwe dotirt; — S. Wenzel 1365 von Bürgern gestiftet; 
— SS. Apostolorum vor 1410 bestehend. (Lib erect. u. confirm.) 

*) Vergl. libr. erect. 

*) Lib. confirm. 

*) Vgl. üb. erect IX. H. 3. . Ein Beispiel einer Altarstiftung bei S. Adalbert 
in Leitmeritz s. im Anhange. 



355 

auch die Verpflichtung, dem Ortspfarrer in der Seelsorge Aushilfe 
zu leisten. 

5. Werfen wir einen Blick auf die überaus zahlreichen Pfarr- 
stationen des 14. Jahrhunderts und bedenken wir noch überdiess 
die Menge von Geistlichen,, die sich bei den meisten Kirchen jener 
Zeit befanden, so kann es nicht befremden, dass es unter den Tau- 
senden auch nicht ^wenige schlechte Priester gab, zumal ja auch die 
allzu grosse Menge eine ernste Beaufsichtigung erschwerte. Im Gan- 
zen aber ist der sittliche Zustand der Klerisei um vieles besser ge- 
wesen, als im benachbarten Deutschland. *) Dafär sorgten eben die 
tüchtigen Metropoliten, welche nicht müde wurden, heilsame Anord- 
nungen zu erlassen und diese durch geeignete Organe zur Durch- 
führung zu bringen. ^) Wie konnte es auch wohl ein verwahrloster 
Klerus sein, zu dessen Gunsten nach dem Zeugnisse der Libri erec- 
tionum in der Zeit von 1350 bis 1410 mehr fromme Stiftungen ge- 
macht wurden, als sonst in vielen Jahrhunderten zusammen? ^) Weit 
eher als Lauigkeit war es vielmehr eine Hinneigung zur religiösen 
Schwärmerei, welche hin und wieder die böhmische Geistlichkeit 
kennzeichnete und nachmals zu grossen Verirrungen hinriss. ^) 

§. 185. Fortsetzung: Die Kiostergeistlichkeit. 

1. Wir haben in den früheren Abschnitten eine so grosse An- 
zahl von Ordenshäusern in unserem Vaterlande kennen gelernt, 
dass kaum ein anderes Land der Nachbarschaft eines gleichen Reich- 
thums sich rühmen konnte. So zahlreich aber diese Ordenshäuser, 
eben so gross war auch ihre geistliche Bevölkerung. Von einzelnen 
— wie Plass, Mühlhausen, Postelberg, Kladrau — wissen wir so- 
gar mit Bestimmtheit, dass sie je über 100 geistliche Brüder zähl- 
ten. Dem überaus grossen Säcularklerus stand also in Böhmen eine 
fast noch zahkeichere ßegulargeistlichkeit gegenüber. Waren vordem 
die Bewohner der Klöster zur Mehrzahl nur Kleriker der niederen 
Weihen gewesen, so sind sie jetzt zumeist Priester. Zunächst war 



^) Vgl. die Einsetzung des Prager Bischofs als Legatus natus. 

*) Vgl. Erzb. Ernest und Johann. 

■) Lib. erect. I.— XIII. 

«) Eöfler conc. Pragensia XXV. 

23* 



356 

diess bei den Mendicantenbrüdern der Fall; die allerwärts auf den 
Kanzeln und in den Beichtstühlen zu wirken hatten. Aber auch 
die anderen Ordensfamilien wollten hinter den neuen Rivalen nicht 
zurückbleiben und sie durften es um so weniger, als von Jahr zu 
Jahr immer mehr Seelsorgstationen ihren Klöstern ineorporirt wur- 
det. Daneben erhielt äich aber auch allerwärts die alte Sitte, Lai- 
enbrüder von allen Handwerken und Künsten in d^ einzelnen Or- 
denshäusem zu besitzen. 

2. So zahlreich die Bewohner der Klöster, so umfangreich 
waren auch die Güter der geistlichen Familien. Die vordem ziem- 
lich werthlosen Waldstrecken, welche Fürsten und Edelleute den 
fleissigeu Mönchen verehrt hatten, waren durch häufige Ansiedlun- 
gen zumeist deutscher Colonisten zu höchst einträglichen Herr- 
schaften geworden. Schenkungen an barem Grelde hatten es weiter- 
hin ermöglicht, in der Zeit der Kreuzzüge zumeist von frommen 
Pilgern um wohlfeile Preise neue Liegenschaften anzukaufen. Hin 
und wieder begaben sich des bessern Schutzes w^en selbst freie 
Leute unter die Hörigkeit des geistlichen Krummstabs und mehrten 
so zunächst mittelbar, nachmals aber auch oft durch Heimfall den 
Besitz der Ordenshäuser. Nicht selten zogen reiche Leute in ihrem 
Alter als Hospites in die Klöster gegen schlüssliche Überweisimg 
ihres Nachlasses. Auch junge Erben wurden von ihren Eltern dem 
Klosterleben gewidmet und ihr Erbtheil dem Ordenshause zugewen- 
det. Endlich ward überhaupt die Habe eines jeden Eintretenden 
ein Eigenthum d^r Ordensfamilie. Kein Wunder, dass unter sol- 
chen Umständen so manches Kloster an Besitz die reichsten Edlen 
des Landes überragte und ihren Neid rege machte. Kein Wunder 
auch, dass zuletzt die Landesfürsten alle weiteren Erwerbungen 
von Land und Leuten von ihrer besonderen Bewilligung abhängig 
machten; ') schien doch der bleibende Betrag der königlichen Lan- 
desberna bei der üblichen Steuerfreiheit des kirchlichen Besitzes 
bedroht, wenn auch immerhin jeder Begent das Recht übte, für ein- 
zelne Fälle sogenannte Subsidien zu verlangen, die unter Uiastän- 
den oft grösser waren, als die entsprechenden Steuerbeträge. Selbst 
der so kirchenfreundliche Kaiser Karl IV. hielt es für erspriesslich, 



^) Urkunden dieser Art in £rben reg. Desgl. Pelsel Karl IV. I. 68. 



367 

auf Andringen der Städte Zittau, Budisin, Görlitz, Löbau und Lau* 
ban das ausdrückliche Verbot zu erlassen, dass Niemandder 
Geistlichkeit bei Lebzeiten erbliche Güter gebe 
und dadurch Kaiser undStädte ansteuern und 
Diensten gefährde, — sondern ein jeder solle 
seine Wohlthätigkeit gegen Geistliche auf sei- 
nem Todbettedurch Legirung baren Geldes be- 
t h ä t i g e n. ') Eine Ausnahme bezüglich solchen Reichthums mach- 
ten allerdings die beiden Mendicantenorden und jene geistlichen 
Genossenschaften, die nachmals nach deren Vorbilde sich einrich- 
teten, ■— die Augustinereremiten, Caimeliter, Cölestiner, Karthäu- 
ser, Serviten und Pauliner. Aber auch die reichsten Orclenshäuser 
lernten zu Zeiten die bittere Armuth kennen. Im Kriege wurden 
ihre Vorräthe geplündert, im Frieden gingen ihnen bald durch ei- 
genmächtigen Abfall ihrer Lehenträger, bald durch uneingelöste Ver- 
pfändungen die besten Güter verloren. Strahow und Sedlec dienen 
da als merkwürdige Beispiele. 

3. Wir wissen bereits, dass fast jedes Ordenshaus in Böhmen 
selbst im öffentlichen Leben ganz ausgezeichneter Männer sich rüh- 
men konnte, — und doch bleiben im Ordensleben nach seinw Na- 
tur gerade die besten Zierden nach aussen hin stets unbekannt. 
Aber maii klagte auch bereits mit Recht, dass der Reichthum ein 
früher unbekanntes Wohlleben in die Klostermauern eingeführt und 
die alte Disciplin gelockert habe. Auch trugen die vielen Incorpo- 
rationen von auswärtigen Pfarrkirchen nicht eben dazu bei, das 
brüderliche Zusammenleben zu fordern. Endlich gediehen die zahlrei- 
chen Oblati — die dem Klosterleben geweihten Kinder, zumeist 
aus adeligen Häusern — den Conventen zu geringem Segen. In 
vielen Fällen gewannen solche niemals den wahren Klostergeist, 
und scheel auf ihre weltlichen Verwandten blickend wurden sie in 
den nachfolgenden Tagen die ersten, welche dem Kloster den Rücken 
kehrten, um sich in den Strom der traurigen Husitenkämpfe zu 
stürzen. Die Mendicanten blieben wohl ihrer Armuth wegen vom 
grössten Theile dieser Heimsuchungen verschont; aber unberufene 
Oblati drängten sich immerhin auch in ihre Mitte. Anderseits be- 



>) ürk. d. d. Prag in der Faste 1360. 



358 

leiteten ihnen wieder ihre grossen geistlichen Privilegien und ihr 
mannigfaches Eingreifen in die Seelsorge öftere harte Kämpfe mit 
dem Säcularklerus, wie wir einen solchen bereits in Prag zur Zeit 
des Bischofes Johann IV. kennen lernten. ') Erst ein längeres Zu- 
sammenleben und beiderseitiges Nachgeben brachte hier den erwünsch- 
ten Frieden. 

4. Die Vorsteher der Ordenshäuser wurden der Ordensregel 
gemäss frei gewählt. In den beiden Mendicantenorden lohnte es 
selbstverständlich niemals den Versuch, von der Regel abzugehen. 
Den reichen Stiftern gegenüber zeigte sich jedoch ein Bestreben 
des apostolischen Stuhles, durch Reservationen und Provisionen in 
die freie Wahl einzugreifen. Gab es doch auch Ordenspriester zu 
versorgen, die sich um das jeweilige Haupt der Christenheit ver- 
dient gemacht hatten. Auch versuchten wohl die Verwandten der 
edelgeborenen Conventsglieder zu deren Gunsten dasselbe Mittel, 
welches sonst nur allzu oft zur Erlangung von Ganonicatspräbenden 
angewendet wurde. Doch wissen wir, dass namentlich Kaiser Karl 
IV. mit Kraft für die ViTahlfreiheit der Klöster eintrat, indem er im 
J. 1349 an Papst Clemens VI. das ernste Ansuchen stallte, von den 
vorhabenden Provisionen für die Cisterzienklöster in Böhmen abzu- 
stehen. ') Übrigens hatte in dieser Zeit der Abt längst angehört, 
in und mit seinem Convente zu wohnen und zu leben. Die Pflicht 
der Gastfreundschaft, die stets gewissenhaft erftillt wurde, und die 
häufigen Einlagerungen der Landesfürsten und ihrer Beamten hatten 
es nothwendig gemacht, einen abgesonderten Haushalt ausserhalb 
des Conventes für den Abt einzurichten. Dazu kam auch die Sitte, 
dass die Äbte gern im Gefolge der Könige gesehen wurden, and 
zu diesem Ende ein eigenes Residenzhaus in der Hauptstadt des 
Landes entweder geschenkt erhielten oder ankauften, Statt ihrer — 
jedoch unter ihrer Aufsicht — leiteten seitdem die Prioren die 
Innern Angelegenheiten der Ordenshäuser. Nebenbei sei erwähnt, 
dass die Äbte mit einer jurisdictio quasi episcopalis über ihre Con- 
ventsangehörigen auch gleich den Bischöfen das jus carceris ausübten. 
Jedoch waren sie hin und wieder bei der Verurtheilung in Folge 



*) S. §. 115. 

*) ürk. in Palack^ über Formelb. p. 862. Siehe d. Anliaiig. 



359 

von Wahlkapitulationen an die Zastimmung des Conventskapitels 
gebunden. ') 

5. Eine besondere Art, wie der Klostergeist des Mittelalters 
auch nach Aussen wirkte, waren die Confraternitates oder 
Verbrüderungen, die wir zunächst von den sogenannten Brü- 
derschaften (sodalitates, auch wohl confraternitates genannt) zu un- 
terscheiden haben. Ausgang nehmend von der katholischen Lehre 
der Gemeinschaft des Gebetes und der guten Werke schlössen zu- 
nächst einzelne Ordenshäuser derselben Regel unter sich eine engere 
Verbrüderung, wie wir eine solche im Jahre 1318 actenmässig zwi- 
schen den Klöstern Wilimo^ und Postelberg eingehen sehen. ^) 
Beide Häuser versicherten sich hiebei der gegenseitigen Theilnahme 
an allen himmlischen Verdiensten, des gegenseitigen Sterbegedächt- 
nisses und übrigens auch der wechselweisen Hospitalität und blei- 
benden Aufnahme ihrer beiderseitigen Ordensbrüder. Der erhebende 
Gedanke, sich eine geistliche Freundschaft und Hilfe im Leben und 
im Tode zu versichern, trat aber bald über die engen Gränzen des 
Ordensverbandes hinaus. Auch Klöster ganz verschiedener Regeln 
schlössen den frommen Freundschaftsbund. ^) Bischöfe, Domkapitel 
«und Seelsorgspriester erbaten die Confraternität.eines Ordenshauses. 
Selbst Laien in Menge und unter ihnen Kaiser, Könige und Fürsten 
klopften zu diesem Zwecke an die stillen Klosterpforten. ^) Als zu- 
mal die beiden Mendicantenorden allerwärts sich verbreiteten und 
mehr als irgend welche andere Klostervereine eine Fülle klösterli- 
cher Verdienste vor aller Welt entfalteten, da wurde des Bittens und 
Gewährens solcher Confraternitäten kein Mass und Ende. ^) Übrigens 
unterschied man bereits eine Confraternitas communis, die sich 
wahrscheinlich nur.auf die geistliche Gemeinschaft beschränkte, und 
eine Confraternitas plena, die im Falle der Noth auch alle zeit- 
liche Hilfe in Aussicht stellte. *) Es leuchtet ein, dass wenigstens 



*) S. Menken II. 115. ChroD. Pegav. 

*) Urk. in dipl. WilimoY. in Dobn. roon. VI. 898. 

^ 8. Zappert über Verbrüderungsbücher und Nekrologien -^ in den Sitzungs- 
berichten der k. k. Akad. d. Wiss. X. — Ried cod. Ratisbon. I. et IL, — 
Chron. Pegav. 

*) Beispiele bei Zappert 429. — Annal. Prag, bei Pertz IX. 169 u. f. 

^ Beispiele ebendaselbst. 

•) Ebend. 4S2. 



360 

die letztere Art dem betreffenden Kloster stets einige angemessene 
Stiftungen und Schenkungen eintrug. Aber auch für den anderen 
Theil fehlte es dabei für alle Fälle nicht an einem zeitlichen Ge- 
winne. Er participirte nämlich auch an den Privilegien des Ordens, 
namentlich an der Befreiung von der Wirksamkeit eines Interdic- 
tes, und fand schliesslich seine letzte Ruhestätte innerhalb der ge- 
heiligten Mauern des Klosters. Jede Au&ahme in die Goniratemi- 
tät wurde in ein eigenes Verbrüderungsbuch eingetragen. Starb 
irgendwo ein Verbrüderter, so wurde nach erfolgter Anmeldung des 
Todes sein Name in das Sterbebuch (Necrologium) des Klosters 
eingetragen und zunächst die Todtenfeier und nachmals das Jah- 
resgedächtniss in der Stiftskirche abgehalten. Necrologien dieser 
Art sind ziemlich zahlreich auf uns gekommen. ') 

§. 186. Fortsetznng: Das kirchliche Leben. 

1. Die h. Taufe wurde noch am Schlüsse unserer Periode 
durch dreimaliges Untertauchen des Hauptes gespendet. ') Für die- 
sen Zweck besassen die Pfarrkirchen zumeist eine besondere Tauf- 
kapelle und in dieser ein geräumiges Taufbecken, das im Winter 
von unten her geheizt werden konnte. ') Die gewöhnliche Tauffor- 
mel war selbstverständlich die noch jetzt gebräuchliche, nur für 
zweifelhaft Getaufte schrieb Erzbischof Ernest die etwas seltsame 
Formel vor: Si baptizsCtus est, non te rebaplizo — in nomine f Pa- 
tris et t Filii et f Spiritus sancti. *) Als Pathen sollten bei der 
Taufe — der daraus entstehenden geistlichen Verwandtschaften 
wegen — nie mehr als zwei zugelassen werden. *) Der Taufe folgte 
meist ein so überreiches Gastmahl, dass Landesfdrsten und städti- 



^) 8. Menken fontes rer. germ. Dobner mon. bist. Boh. 

') Statut £rDest. p. 210. 

') Ein solches bat sich noch zu Brozan bei Theresienstadt erhalten. 

*) Diese Formel galt bis 1765. Erst da schrieb ein Consistorialerlass vom 
10. September die Formel vor: Si baptizatas es, non te baptiso; led si 
nondum baptizatus es, ego te ba)ptizo in nomine P. et F. et Sp. S. 

*) Stat. Emesti 218. Die geistliche Verwandtschaft erstreckte sich damals 
noch auf das Kind einerseits und den Pathen und seine QatUn imd'Kin* 
der anderseits ; femer auf die Eltern des Kindes einerseits und den Pathen 
nebst Gattin anderseits. 



361 

sdie BehSrden es flir nothwendig erachteten, die Überzahl der 
Gäste auf eine bestimmte Anzahl herabzusetzen. >) 

2. Bei der Überfalle von Priestern gab es in allen Kirchen 
aoch eine Menge täglicher heiligen Messen; dennoch war es 
streng untersagt, dass irgendwo zwei Messen zu gleicher Zeit ce- 
lebrirt würden. ') Grossartige Primizfeierlichkeiten -— die stille 
Beiwohnung einer massigen Anzahl von Priestern ausgenommen, — 
waren sogar bei Strafe der Excommunication verboten. *) Bei jedem 
heiligen Opfer sollte nach dem Agnus Dei der Friedenskuss vom ce- 
lebrirenden Priester ausgehend von allen Anwesenden genommen 
und weitergegeben werden. Wo man dessen sich scheue, sollte, 
um des damit verbundenen vierzigtägigen Ablasses willen der Ge- 
brauch eines sogenannten Pacificalkreuzes gestattet sein. ^) Strenge 
wurde ein Missbrauch untersagt, der hin und wieder sich einge- 
schlichen hatte, — dass nämlich derselbe Priester zur Erlangung 
mehrerer Stipendien am selben Tage die heilige Messe bei der 
Opferung abbrach und wiederholt wieder von Neuem begann. ^) An 
Sonn- und Festtagen war die Verpflichtung der Gläubigen, dem 
Gottesdienste des eigenen Pfarrers beizuwohnen, so bindend, dass 
jeder Pfarrer vor Be^nn des heiligen Opfers die Beiwohnenden be- 
fragen musste, ob etwa fremde Pfarrkinder anwesend seien, die nun 
sofort sich entfernen mussten. ") Die heilige Communion wurde be- 
reits allgemein unter der einzigen Gestalt des Brodes gereicht. 
Wer die österliche Communion verabsäumte, galt als excommuni- 
drt und hatte keinen Anspruch auf weitere Zulassung in ein christ- 
liches Gotteshaus und auf ein christliches Begräbniss. ^) 

3. Die heilige Beichte hatte jeder Gläubige wenigstens 
einmal im Jahre beim eigenen Seelsorger abzulegen. Ohne specielle 
Erlaubniss des letztern war die Beichte bei einem andern Priester 
ungiltig. *) Als allgemeine Reservatfälle galten unter andern der 

^) So wurden z. B. in Leitmeritz nur zwei Tische gestattet. Ktoig Wenzel IV. 

erliess eine allgemeine Anordnong dieser Art. (Leitm. Pririlegienbuch.) 
*) Stat. Ernesti 209. 
^ Ebendaselbst. 

*) Statutum minus Amesti ab anno 1865. (Höfler con, Prag. p. 4.) 
*) Stat synod. 1866 in Höfl. conc. Prag. p. 10^ 
^ Stat Ernesti 206. 
^) Ebendaselbst p. 297, 
•) Ebend. W* 



362 

Wucher und die Brandlegung. Für diese und andere Sünden des 
öffentlichen Ärgernisses wurden noch immer öffentliche Eirchen- 
bussen auferlegt und die Absolution von solchen ausschliesslich nur 
am grünen Donnerstage — und nur auf Grund einer schriftlichen 
Empfehlung des Seelsorgers — vom Bischöfe ertheilt. ') Im Namen 
des Bischofs fungirten meist drei unbeschränkt bevollmächtigte 
Beichtväter, von denen zwei stets bei der Kathedralkirche verblieben, 
einer aber den Bischof auf seinen Visitationsreisen zu begleiten 
hatte.') Der Ablässe gab es damals schon eine so grosse Menge, 
dass es Erzbischof Ernest für nothwendig erachtete, ihre Giltigkeit 
für die Diöcese von der ausdrücklichen Bestätigung des Diöcesan- 
bischofs abhängig zu machen. ^) Das Recht der Excommunica- 
tion stand keinem Seelsorger zu. Wer es aber nach kirchlichem 
Rechte üben durfte (episcopi et judices ecciesiastici), der musste 
das betreffende Urtheil dem Schuldigen auf Verlangen innerhalb 
eines Monats schriftlich einhändigen, damit dieser den Weg der 
Appellation antreten könne. Die Promulgation der Excommunica- 
tion erfolgte dann durch die Seelsorger in feierlicher Weise. '*) 

4. Ehen waren ausser den gewöhnlichen Hindernissen, unter 
denen besonders anderweitige Eheverlöbnisse (Sponsalia) streng be- 
tont wurden, bis zum vierten Grade der Verwandtschaft und Schwä- 
gerschaft verboten. Zur Giltigkeit war4 bereits ein dreimaliges 
Aufgebot streng gefordert. Die Begünstigung oder Einsegnung 
einer geheimen Ehe zog dem betreffenden Priester zum mindesten 
eine dreijährige Suspension vom Amte zu. Bei Abschliessung einer 
zweiten Ehe war die sacramentale Segnung so streng untersagt, 
dass der zuwiderhandelnde Priester von seinem Amte und seinem 
Beneficium suspendirt wurde und die Absolution p^sönlich beim 
apostolischen Stuhle suchen musste. ^) 



') Maodata synodalia 1377 in Höfler's conc. Prag. 21. — Stat. ErneBti 231 u. 
223. Als Wucher galt nicht bloss jeder übermässige Gewinn an Waare, 
sondern auch jeder Zins von geliehenem Gelde. (Ebendaselbst.) 

*)^Stat. Emesti 193. 

') Ebend. p. 230. 

«) Ebend. 232.. 

') Ebend. 216 u. f. Die Form derEhe lautete: Sicut tibi matriino- 
ninm promisi et fidem dedi in eodem, ita ex nunc idem matrimoninm tibi 
promittendo te recipio et duco in veram et legitimam meam ooiuugem et 
uxorem. Et ego similiter, sicut tecum contraxi matrimoninm, tibi fidem 



363 

5. Als öffentliche Feiertage galten Ostern und Pfingsten 
mit den zwei nachfolgenden Tagen, Weihnacht, Beschneidung Chri- 
sti, Epiphanie, Himmelfahrt, Fronleichnamsfest, Kreuzerfindung und 
Kreuzerhöhung — Geburt, Verkündigung. Reinigung und Himmel*^ 
fahrt Mariens — die Feste des h. Michael, des h. Johann des 
Täufers, die Aposteltage, die Tage des heiligen Stephan, Laurentius, 
Veit, Passion des h. Wenzel, des h. Adalbert, des h. Benedict mit 
den Brüdern, des h. Martin, Nicolaus, Prokop — der h. Maria 
Magdalena, Margareth, Ludmila, Katharina und das Fest Allerheili- 
gen. Überdiess stand es dem Bischöfe zu, die Feier der Diöcesan- 
patrone anzuordnen. Auch hatte jede Pfarrkirche das Fest ihres 
Patrons und der Kircheneinweihung festlich zu begehen. Als halbe 
Feiertage, an welchen nach dem Gottesdienste das knechtische Ar- 
beiten erlaubt war, galten die Tage der hh. Evangelisten Marcus 
und Lucas und der vier Kirchenlehrer Gregorius, Ambrosius, Au- 
gustinus und Hieronymus. ^ 

6. Die kirchliche Faste ging bereits einer allgemeinen Milde- 
rung entgegen. Während in den firühem Jahrhunderten nebst allem 
Fleische von warmblütigen Thieren auch der Genuss von Eiern 
und Lacticinien untersagt war, wurden jetzt zunächst in Ermange- 
lung des südländischen Öls zahlreiche Dispensen zum Gebrauehe 
der Butter — die sogenannten Butterbriefe — vom apostolischen 
Stuhle erworben. Zuletzt erlaubte die Prager Synode de« Jahres 1366 
schon allen Armen den Gebrauch von Eiern und Milchproducten. ^) 
Dagegen blieb die Zahl der gebotenen Fasttage unverrückt. 

7. Wir finden vom 13. Jahrhunderte an sowohl bei Kloster- 
als Pfarrkirchen als hervorragende Kundgebung des frommen Gei- 
stes der Zeit die sogenannten Bruderschaften (sodalitates, un- 
eigentlich ebenfalls confraternitates genannt). In einer Zeit, welche 
alle Standesinteressen, Handwerke, Künste und Wissenschaften in 
die geregelten Formen des Vereinswesens zog, wollte auch die 
fromme Gesinnung nicht mehr blosse Angelegenheit des Einzelnen 



dando de eodem, ita.ex nunc tibi vertun et legitimum matrimoniam pro- 
mitto et in meum yerum et legitimam recipio maritum. (Regist. recept. in 
can. eccL Prag.) 

») Ebend. 211 n. f. 

^ Stat. syn. 1366 in Höfler's conc. Prag. p. 11. 



364 

bleiben, und zwar diese um so weniger, weil ja die Gemeinschaft 
der Gebete und guten Werke eine Vermehrung der himmlischen 
Verdienste in sichere Aussicht stellte. Sehr mannigfaltig waren 
die frommen Zwecke, die man in solchen Bruderschaften anstrebte: 
Unterstützung der Armen, Krankenpflege, Aufhebung von Feind- 
schaften, die grössere Verehrung der Heilsgeheimnisse, Fürbitte für 
die Verstorbenen, Förderufng gemeinnütziger Einrichtungen, und in 
allen Fällen die Besorgung eines würdigen Begräbnisses. Besonders 
fordernd wirkten dabei mehrere neu errichtete Orden. Die Domini- 
caner pflegten die Bruderschaft des Rosenkranzes, die Serviten die 
Scapulierbruderschaft. Am verbreitetsten waren die Armenseelen- 
und Fronleichnamsbruderschaft, — letztere fast in allen Kirchen, 
die einen eigenen Corpus Christi- Altar besassen. Wie diese, so 
hatte aber auch jede andere Bruderschaft ihren eigenen Altar in 
irgend einem Gotteshause. Auch erfreute sie sich stets einiger 
Ablässe und Privilegien, die ihnen von Seiten des Bischofs und oft 
auch selbst des Papstes zugestanden wurden. Solcher Bruderschaf- 
ten gab es gerade in der karolinischen Zeit so viele, dass manche 
Kirche allein deren mehrere aufzuweisen hatte. ') 

8. Das kirchliche Asylrecht wurde noch gewissenhaft ge- 
achtet. Kein weltlicher Richter durfte einen Verbrecher bis in das 
Innere eines geheiligten Ortes verfolgen, sondern sollte vielmehr 
auf die Fürbitte des Vorstehers der Kirche dem unter kirchlichen 
Schutz Geflüchteten die Erhaltung des Lebens und der graden Glie- 
der und die Auferlegung einer anderweitigen Strafe zusichern. Aber 
ausgeschlossen vom Asylschutze waren öfifentliche Räuber, nächtliche 
Felddiebe und alle jene, die an geweihter Stätte in vermessentli- 
chem Vertrauen auf die kirchliche Immunität einen Todtschlag oder 
eine schwere Verwundung begangen hatten. *) 

§. 187. Die Stellnng der Jnden. 

1. Wie es in unserem Vaterlande einst den Ketzern erging, 
haben wir bereits an einem anderen Orte ausführlich kennen gelernt. 



') So besass Regensburg schon 1286 acht Bruderschaften. (Ried cod. lUtisb. 

p. 616.) 
>) Stat. Emest. 214. 



365 

Es erübrigt, auch der Stellung der Juden zu gedenken. Diese 
waren bereits in vorgeschichtlicher Zeit in unser Vaterland ge- 
kommen , ohne aber jemals darin vollkommen heimisch werden zu 
können. Schon ihr erstes geschichtliches Auftreten in Böhmen war 
.wenig geeignet, sie beliebt zu machen. Sie trieben zur Zeit des 
h. Adalbert den Menschenhandel und es wird als ein hervorra- 
gendes Verdienst des Heiligen gerühmt, dass er christliche Sklaven 
aus ihren Händen loskaufte. >) Dieses Geschäft, das auch in der 
Folge noch lange wenigstens im Verborgenen fortgetrieben wurde, 
mag wohl die Veranlassung zu dem stets wiederkehrenden Vor- 
wurfe gewesen sein, dass kleine Knaben von ihnen geraubt worden 
seien. Dazu kam aber auch ihre unleugbare Gewinnsucht, welche 
nur zu oft die Einfalt des Volkes ausbeutete und ihr ausgellreitetes 
Zinsengeschäft, das den Christen streng verboten und in den Augen 
der Geistlichen und Frommen ein Greuel war. Ueberdiess thaten 
sie es auch in erlaubten Geschäften den Christen in Geschick und 
Erfolg zuvor und erregten so vielfachen Neid. Dem beutelustigen 
Pöbel war wieder ihr Reichthum ein Gegenstand der Sehnsucht. 
Endlich betrachtete sie auch der Landesfürst, sowie allerwärts, nur 
als seine Kammerknechte, von denen er nicht blos einen regel- 
mässigen Kammerzins bezog, ') sondern deren Habe er auch von 
Zeit zu Zeit ohne Weiters zur Gänze in Anspruch nehmen zu 
dürfen glaubte. Auf diese Weise vereinigte sich eben Alles, um 
ihre Stellung in Böhmen zn einer harten zu machen. 

2. Zunächst war ihnen in Böhmen der Zutritt zu öffentlichen 
Aemtem und zu allem Grundbesitz verwehrt — hauptsächlich aus 
dem Grunde, dass ihnen kein Christ unterthänig werde. Desto 
mehr wurde der Handel das Feld ihrer Thätigkeit. Aber auch 
hier fehlte es nicht an häufigen Heimsuchungen. Die erste uns be- 
kannte bereitete ihnen schon Wladislaw H., der sie im J. 1067 von 
der Kleinseite in die jetzige Josephstadt übersiedelt hatte. Als im 
J. 1076 eine Zählung der prager Juden die Zahl von 5250 heraus- 
stellte, veijagte er alle aus dem Lande — bis auf 1000: nur so 
viele sollten fortan im Lande wohnen dürfen. ') Wir übergehen die 



^) Vita S. Adalberti bei Pertz VI. 585, 598. Tomek G. Pr. 74. 
') Tomek 868. 

*) Weleslawin ad 14. Jali. Baibin ?on den Jaden, Mat. znr Stat. Böhm. 
XIT. 121. 



366 

- Verartheilung etlicher Juden im J. 1077, die auf der Folter das Gre- 
ständniss abgelegt hatten, etliche katholische Priester ermordet zu 
haben, ') — dessgleichen eine andere im selben Jahre in Folge 
eines im Prager Dome verübten Raubes; ') dergleichen widerfuhr 
damals auch den Christen in ganz gleicher Weise. Dagegen erin- 
nern wir an die gewaltsame Judentaufe im J. 1096, die durch aben- 
teuerliche Kreuz£Ethrer in Prag ausgespendet wurde und zur Folge 
hatte, dass trotz der Einsprache des Bischofs Cosmas alle Ju- 
den auf Befehl Bfetislaw's n. mit Hinterlassung ihrer Habe aus 
dem Lande wandern mussten. ') Im J. 1107 theilten die Judai 
wieder das Schicksal der katholischen Geistlichkeit und der Prager 
Bürgerschaft, ein Lösegeld von 1000 Mark Silber fftr den Herzog 
Swatopluk aufbringen zu müssen. ^) Im J. 1124 mussten ^e wie- 
der 3000 Pfund Silber und 100 Mark Gold für das Leben eines 
rückfälligen jüdischen Convertiten bezahlen, der einen christlichen 
Altar zerstört und heilige Reliquien geschändet hatte; M doch wurde 
diessmal das eingezahlte Geld nebst dem eingezogenen kolossalen 
Vermögen des Schuldigen zum Loskaufe christlicher Leibeigene 
aus jüdischem Dienste verwendet. *) Im J. 1250 zog abermals ein 
Haufe von Kreuzfahrern in die prager Judenstadt, um sich dort 
den Reisebedarf zu erplündern; diessmal aber schlug jüdische 
Tapferkeit den Angriff zurück. ') Immer wiederkehrend waren die 
Angriffe des Prager Pöbels, der jeden noch so unbedeutenden Anlass 
zu einem Angriffe auf die Juden benützte. Da ertheilte Ottokar O. 
den letztern im J. 1268 ein förmliches Schutzprivilegium: sie soll- 
ten fortan ihren eigenen Richter haben; bei Klagen der Christen 
gegen einen Juden sollte jetzt auch ein jüdischer Zeuge nothwendig 
sein; die Bevortheilung oder gar Verwundung eines Juden ward 
bei schwerer Körperstrafe verboten; die Entführung eines Juden- 
kindes hatte als schwerer Diebstahl zu gelten; eine Klage wegen 
Tödtung christlicher Knaben sollte nur mit drei christlichen und 



') Cosmas ad ann. 1977. 

*) Weleslawin ad 17. Jani. 

") Cosmas ad 1096. Tomek 0. Pr. 128. 

*) Cosmas ad 1107. 

') Cosmas ad 1124. Tomek 138. 

*) Ebend. 

^) Dalimil, Tomek 208. 



367 

drei jüdischen Zeugen« zulässig sein. *) Dennoch sah schon das 
Jahr 1252 einen neuen Judensturm in Prag in Folge eines an einem 
christlichen Wüstling verübten Todtschlags. ') Im J. 1305 ging die 
Klage von Mund zu Mund, die Prager Juden hätten im Verborgenen 
einen Christen gekreuzigt; da brach neuerdings die Volkswuth ge- 
gen sie los und brachte vielen den Tod. ^) Das J. 1338 bereitete 
ihnen ein noch schrecklicheres Los : auf das Gerücht , es sei von 
ihnen in Eaufim das allerheiligste Sacrament geschändet worden, 
mordeten Pöbelhaufen in Böhmen und Mähren selbst jüdische Wei- 
ber und Kinder. '*) Im J. 1349 wurde Böhmen von der Pest heim- 
gesucht; da sollten wieder die Juden die Brunnen vergiftet haben 
und eine Unzalü derselben musste es mit dem Leben büssen. ^) 
Auch die Landstädte folgten damals dem schrecklichen Beispiele der 
Hauptstadt. Unter Anderm hatte im J. 1350 zu Eg er ein Francisca- 
ner in der Gründonnerstags-Predigt den Undank der Juden gegen 
den göttlichen Heiland so lebhaft geschildert, dass sofort ein roher 
Lanzknecht einen Crucifix vom nächsten Altare riss und die Volks- 
menge zum allgemeinen Judenmorde aufrief: leider folgte dem Auf- 
rufe die furchtbare That, an welche noch heute die sogenannte 
Mordgasse in Eger erinnert. ^) Endlich am 18. April 1389 — es 
war eben das h. Osterfest — wurden auch in Prag fast alle Juden 
vom Pöbd erschlagen, weil ein mit dem hochwürdigsten Güte zu 
einem Kranken eilender Priester in der Judenstadt mit Steinen ge- 
worfen worden war. 

3. Die Kirche billigte selbstverständlich zu keiner Zeit die den 
Juden zugefügten Unbilden. Unter Anderm verbot der grosse Inno- 
cenz ni. ausdrücklich, die Juden zur Taufe zu zwingen, sie ohne ge- 
rechtes Urtheil in ihrem Besitze zu beeinträchtigen, ihre Feste zu 
stören und ihre Gottesäcker zu verwüsten.") Um so tiefer verabscheute 
man den Judenmord. Dass auch die Bischöfe Böhmens in dieser 



^) Tomek 813, SU 

*) Ebend. 203. 

•) Dubrav. h 18. 

*) Balbiü ▼. den Juden, cit bist. Gar. lY. bohem. Tomek 626. 

*) Balbin 1. c, Weleslawin, Lupacias. 

^ Pröckl Eger u. d. Egerland I. 88. 

^ Balbio 1. c. Weleslawin. 

^ Vgl. Baumer, Hohenstauffen Y. 256. 



368 

Beziehung den rechten Standpunkt bewahrten, beweist das sehen 
erwähnte Beispiel des Bischofs Cosmas. Diess hinderte aber die 
geistlichen Hirten keineswegs, den offenen Ge&hren, weldie em- 
zelne Juden hin und wieder der christlichen Gesinnung bereitet», 
ernsthaft entgegenzutreten. Wir gedachten in dieser Beziehung 
bereits des Goncils von Wien im J. 1267, dem auch unser Bischof 
beiwohnte. Dieses verordnete ausdrücklich auch für die Prager 
Diöcese: kein Christ soUe Gastmählern der Juden beiwohnen, bei 
einem Juden Dienste nehmen oder gar (bei Strafe der Ausstäu- 
pung) mit einem jüdischen Theile sich fleischlich' vermischen; wenn 
das h. Sacrament durch die Gasse getragen werde, sollen Thüren 
und Fenster der Juden geschlossen werden; überhaupt solle die 
althergebrachte Judentracht, ein hornförmig gespitzter Hut, zur 
Unterscheidung wieder erneut werden. ') Auch der fronune ELrz- 
bischof Ernest erneute das Verbot, dass Juden christliche Dieast- 
boten und Ammen halten — selbst bei Strafe der Excommunica- 
tion für die Letzteren. Am h. Charfreitage sollte jeder Jude bei 
verschlossenen Thüren und Fenstern daheim verbleiben. Auch das 
Tragen des herkömmlichen Judenhuts wurde neuerdings urgirt 
Dagegen wurde aber auch das Verbot von Neuem verkündigt, kei- 
nen Juden zur Taufe zu zwingen, seine Feiertage zu stören und 
seinen Gottesacker zu verletzen. ^) 

§. 188. Die YorUifer des Hos. 

l. Wir haben den Stand der Kirche Böhmens um das Jahr 
1380 als äusserlich in hohem Grade glänzend und als iniierlich be- 
friedigend kennen gelernt Mängel gab es allerdings auch in Menge: 
aber welche Zeit ist je davon frei gewesen? Doch Licht und Schatten, 
— Glanz und Mängel — mussten gerade in Prag in immer grelle- 
ren Gegensatz treten. Wir haben gehört, dass Karl IV. die Haupt- 
stadt unseres Vaterlandes zur Residenzstadt, zur Kaiserstadt, zur 
Weltstadt erhob. Unter ihm verdiente sie zuerst den Ehrennamen 
der Hundertthdrmigen. Wenn aber dieser Reichthum an Thürmen 
zugleich ihren Reichthum an kirchlichen Instituten verkündete, so 



^) Schannat conc. Germ. III. 635 u. f. 
*) Stat. Ernesti 221, 222. 



36d 

trauerte doch anderseits manches fromme Herz über den Verlust 
der alten Einfachheit der Sitten. Der Adel aller Länder war nach 
Prag gezogen, um daselbst am prachtvollen Kaiserhofe zu glänzen; 
leider hatte er auch alle seine Leidenschafken -- vor Allem Hof- 
fahrt, Völlerei und Wollust mit dahin gebracht. Handelsleute aus 
der Nähe und Feme hatten ihren Sitz in d^er böhmischen Metropole 
genommen und wetteiferten nun in Beichthum und Lastern mit den 
adeligen Wüstlingen. Auch die überaus zahb*e|che Studentenschaft 
aus allen Nationen liess es an häufigen Ärgernissen nicht fehlen. 
Wir wissen überhaupt genug, wenn wir uns des grossen „Venedig^^ 
erinnern, da3 bis zum Jahre 1372 eine Freistätte der Unzucht war 
und dann in ein Kloster für Hunderte von Büsserinnen verwandelt 
wurde, ohne dass desshalb eine Besserung der allgemeinen Sitten 
zu Staude kam. So galt das neue Prag so manchem Frommen als 
ein neues Sodoma. Was sollte aber erst dazu der heissblütige 
Öeche sagen, der all die neue, Schmach als eine Bescherung der 
„Fremden" erkennen musste und dabei noch seine eigene Nationa-' 
lität in den zweiten Rang gestellt dah! Da ward zuerst im J. 
1360 die Predigerkanzel die Stätte des heftigsten Kampfes gegen 
die überhandnehmende sittliche Verirrung. 

2. Der erste bedeutende Kämpfer war der deutsche Augusti* 
nerchorherr Konrad von Waldhausen, ') ein Österreicher von 
Geburt, der im J. 1360 auf die Einladung Karl IV. nach Prag zog 
und daselbst die Predigerstelle an der Gallikirche übernahm. Spä- 
ter erhielt er von seinem kaiserlichen Gönner die ansehnliche Pfarrei 
am Teyn. Hier geisselte er mit unerbittlicher Strenge vor un- 
zählbaren Zuhörern die Gebrechen der Stadt. Auch der Klerus, der 
theüweise in Mitten seines Reichthums einem üppigen Leben sich 
hingab, fand keine Schonung. So eindringlich war seine Rede, 
dass viele Prager Frauen ihren prächtigen Kleidern entsagten, dass 
Wucherer ihr Sündengeld zur Verfügung stellten, dass berüchtigte 
Buhler und Buhlerinnen zu einem keuschen Leben zurückkehrten. 
Aber unser Konrad ging in seinem Eifer zu weit. Statt ausschliess- 



^) Er wird häufig irrig Conrad von St^kna genannt, — eine Verwechselung 
mit dem Gisterzienserbruder M. Johann von Stökna um 1373—1406. (Pa- 

lack^ ^ 161.) 

24 



370 

lieh gegen wirkliche Fehler zu eifern, gleichviel, ob sie sm Laien 
oder Geistlichen sich zeigten, griff er mit Ungestüm namentlich 
die Bettelmönche an und machte ihre Institution vor allem Volke 
lächerlich. Als es desshalb im J. 1364 zur Klage vor dem erzbi- 
schöflichen Gerichte kam, schätzte ihn nur die Gunst des biedern 
Metropoliten Ernst von Pardubitz. Von da ab wuchs aber seine 
Kühnheit, so dass alsbald die Dominicaner mit 18 und die Augu- 
stiner mit 6 Klagartikeln wider ihn auftraten. Er rechtfertigte sich 
in einer noch vorhandenen Apologie mit den herbsten Vorwürfen 
und predigte dann wieder nach wie vor, bis er 8. December 1369 
das Zeitliche s^nete. Die nunmehrige Aufregung des Volkes gegen 
die Klostergeistlichen war grossen Theils sein Werk. ') 

3. Dem Waldhauser mag es mit seinem Beformationseifer al- 
lerdings Ernst gewesen sein; doch übertraf ihn darin bei Weitem 
der fromme Milicius vonKremsier (Mili6). *) Aus edlem 
mährischen Geschlechte entsprossen und Besitzer des Gutes Tmai 
war er frühzeitig Canonicus des Prager Domkapitels geworden. 
Um 1360 bis 1362 begleitete er sogar die Stelle eines Unterkanz- 
lers am Hofe Karls IV. Da verliess er plötzlich im Herbste 1363 
seine hohe Stellung, um trotz aller Gegenvorstellungen des Erzbi- 
schofs Ernst einzig der Verkündigung des Evangeliums zu dienen. 
Zu diesem Zwecke begab er sich zunächst nach Bischofteinitz und 
übte sich dort als Ks^lan an der Seite eines erfahrenen Pfarrers 
im Predigtamte. Nach einem halben Jahre trat er dann in Prag 
selbst — zuerst bei S. Niclas auf der Kleinseite und später bei S. 
Ägid auf der Altstadt als Volksprediger auf. Einig im Ziele und 
im Erfolge war er doch der vollendete Gegensatz Conrads von 
Waldhausen : Conrad der Prediger deutschen, Mili6 der des iechi- 
schen Volkes, — jener ausgezeichnet durch Klarheit und derbe Na- 
türlichkeit, dieser voll Phantasie und mit apokalypstischen Bildern fast 
ausschliesslich das Gefühl bestürmend — jener durch und durch 
Praktiker, dieser ein schwärmerischer Mystiker. Der Gegensatz 
sollte bald noch ernster werden. Während Conrad nur in der Kir- 
che und durch diese zu wirken suchte, zog es den Miliö zur 



m. 

^) Palack^ -p 161 u. 182. Höfler, Prager Condlien XXXI. 
') Er wird von vielen irrig Johannes Miliö genannt 



i 



371 

Grfindung eines pietifitischen Sonderkirchleins hin ; während Conrad 
bis an sein Ende orthodox verblieb, gerieth Miliö bereits in das 
Bereich der Häresie. Vorerst glaubte er aus allerhand biblischen 
Combinationen gefunden zu haben, dass das Ende der Welt unzwei- 
felhaft in die Zeit Yon 1365 bis 1367 &llen müsse; er predigte diess 
mit den ergreifendsten Worten und forderte alle. Welt eindringlichst 
zur Busse auf. Nach seiner Berechnung musste nun auch der An- 
tichrist bereits erschienen sein; er deckte nun au£s Eifrigste in 
allen Ständen, Altersklassen und Verhältnissen die vermeintlichen 
Werkzeuge des Antichrists auf. Schlecht genug kam dabei die 
Geistlichkeit hinweg; zuletzt aber fand er den grossen Antichrist 
selbst in der Person des Kaisers Karl. Da musste er auf Befehl 
des Erzbischofs Johann 0(ko zum erstenmale auf etliche Tage in 
den bischöflichen Carcer wandern. Darauf aber wegen seiner neuen 
Lehren von den prager Theologen gedrängt, musste er sich im J. 
1367 persönlich nach B,om begeben, um sich vor dem Papste Ur- 
ban V. zu rechtfertigen; Karl IV. war so edel, ihm die besten Em- 
pfehlungsbriefe mitzugeben. In Rom wartete er eine Zeit auf die 
Rückkehr Urban's aus Avignon. Da wollte er es nicht unterlassen, 
einstwdlen das dortige Volk in öffentlicher Predigt mit dem nahen 
Weltuntergange bekannt zu machen. Doch der römische Inquisitor 
entdeckte das Vorhaben und liess den frommen Schwärmer auf et- 
liche Wochen im Minoritenkloster Aracoeli einsperren. Die Ankunft 
Urbans V. gab ihm die Freiheit zurück. Als Empfohlenem Karls IV. 
wurden ihm sogar jetzt manche Auszeichnungen zu Theile — insbe- 
sondere eine Reihe Unterredungen mit dem Papste, welche zur 
Folge hatten, dass Mili6 fortan seinen Lehrsatz von der Ankunft 
des Antichrist wenigstens still bei sich behielt. So kehrte er nach 
Frag zurück, um dort sein apostolisches Wirken eifriger als je 
wieder aufzunehmen. Er lernte nun sogar noch die deutsche Spra- 
che, um auch den Deutschen nützlich zu werden und übernahm im 
J. 1369 die Stelle Conrads von Waldhausen als Prediger in der 
Teynkirche. Unermüdet bekämpfte er hier von der Kanzel herab 
das Laster in allen seinen Gestalten. Tausenden war er Gewissens- 
rath und Beichtvater. Täglich versammelte er mehrere Hundert Kle- 
riker, um sie im Predigtamte zu bilden. Selbst ein Muster der voll- 
kommenen Entsagung trug er seine jeweilige Habe in die Wohnungen 
der Armen. Im J. 1372 erbat er sich vom Kaiser das uns schon bekannte 

24* 



372 

Sündenquartier „Venedig^' und verwandelte es in ein Kloster für 
200 bis 300 Büsserinnen, die er insgesammt durch eigene Entbeh- 
rungen und demüthigende Sanunlungen zu unterhalten hatte. Aber 
er war einmal und blieb ein unverbesserlicher Schwärmer. Der 
ohnehin sehr strenge Begriff des Wuchers wurde von ihm bis ins 
Unglaubliche verschärft. Nach ihm sollte der Gläubige jede Woche 
wenigstens zweimal wo nicht täglich die heilige Communion em- 
pfangen. Das Studium der freien Künste tauge nichts, ja es sei so- 
gar mit Todsünde behaftet. Den Bettelmönchen erklärte er noch 
ärger den Krieg, als es zuvor Conrad von Waldhausen gethan hatte, 
ja er wollte sogar, dass sie einen von ihm selbst zu gründenden 
„Apostelorden" Platz machen sollten, und als die kirchliche Obern 
nicht sofort darauf eingingen, donnerte er von seiner Kanzel herab 
gegen den gesammten Klerus, gegen Erzbischof, Cardinal und Papst 
los. So kam es um 1373 zu einer zweiten Klage gegen ihn — und 
namentlich durch die Bemühung des Prager Magisters Johann Klon- 
kot erfolgte unterm 10. Jänner .1374 von Seiten Gregors IX. der 
Auftrag, eine strenge Untersuchung über 12 angeschuldigte Lehr- 
sätze einzuleiten. Um nicht mit dem Prager Inquisitor, einem Men- 
dikantenbruder, verhandeln zu müssen, begab sich Mili£ zum zwei- 
ten Male an den päpstlichen Hof — diessmal nach Avignon. Er 
wurde abermals in allen Ehren aufgenommen, starb aber unverhofit 
am 29. Juni 1374, bevor in seiner Sache ein entscheidendes Ur- 
theil erfolgt war. Karl IV. schenkte darauf sein fiüsserinnenhaus 
in Prag, wo es trotz aller Bemühungen zu keiner Ordnung kommen 
wollte, dem Orden der Cisterzienser. •) 

4. Als dritten Strafprediger Prags nennt uns ein uralter Be- 
richt') den Magister Johannes Stökna. Wir wissen von ihm, 
dass er Cisterzienserpriester und in den Jahren 1373 bis 1405 ein 
so berühmter Prediger auf dem Wyäehrad war, dass das Volk 
förmlich zu seiner Kanzel wallfahrtete. In letzter Zeit war auch 



') Vgl Höfler Prager Concilien XXXI. u. ff. Palack^ ^ 164 u. £; Bai- 

bin*B Biographie des Mili6 in Bohemia saocta. Die OriginalqueUen dt 
bei Palacky. 
') Andreas von Broda schrieb 1414 an Hus: Et ab antiquis temporibus Mili- 
cius, Couradus, Sczekna et alii quam plurimi contra clericos praedicarerunt. 
(Gochlaeos p. 42). 



J 



373 

der damals noch in den niedern Weihen stehende Magister Johan- 
nes Hus sein eifriger Zuhörer und Verehrer. ') Letzterer nannte 
ihn nachmals noch „velut tuba resonans praedicator eximius." *) 
Als charakteristisches Merkmal seiner Predigten wurde von einem 
anderen Zeitgenossen das Eifern gegen den Klerus angegeben, so 
dass er in diesem Stücke als ein würdiger Nachfolger des Mili6 galt. ') 
5. Neben den genannten Männern eiferten auch noch die Pra- 
ger Magister Matthäus von Krokow (f 1409 als Bischof von 
Worms), *)AlbertEngelschalk (lehrte 1373—1400), ») J o- 
hannes von Bor*) und der Prediger Wenzel Rohle na- 
mentlich gegen die Mendikantenmönche und reizten das Volk immer 
mehr gegen diese auf. Letzterer zog auch bereits gegen die Ablässe 
los. ') Ihr Wirken reicht aber zumeist schon in die künftige Pe- 
riode hinüber. Ein gleiches ist auch mit dem sonst biedern Ma- 
thias Janow der Fall, der einst des Miliö treuer Schüler gewe- 
sen war und nach dessen Tode in Paris den Ehrennamen Magister 
Parisiensis erworben hatte. Papst ürban VI. verlieh ihm am 1. 
April 1381 als böhmischen Rittersohne und ausgezeichneten Theo- 
logen eine apostolische Provision für das Prager Domkapitel, in 
welches er auch schon am 12. October desselben Jahres wirklich 
einUttt. Das Feld seiner Wirksamkeit war hinfort vor Allem der 
Beichtstuhl, in welchem er besonders die frommen Frauen Prags 
zur täglichen Communion anleitete. Des Weitern veröffentlichte er 
ein Werk de regulis veteris et novi testamenti, das man passen- 
der Untersuchungen über das wahre und falsche Christenthum 
nennen möchte. Hier war es denn auch, wo er der nachfolgenden 
religiösen Bewegung die Wege anbahnen half. Das Mönchthum 
nannte er das fünfte Rad am Wagen, die dritte Hand am mensch- 



Chron« universitatis Prag, in Höfler*s GeschichtSBchreibern der husitischen 
Bewegung, p. 16. 

•) Palack^ -^ 182 (Note). 

*) Andreas de Broda 1. c. 

*) Von ihm haben wir eine Synodalrede v. 1384 de squaloribus romanae 

coriae. 
*) Er schrieb ein specnlnm aoreum im Sinne des Mathaeus von Erokow. 
*) Er schrieb nach Baibin ein Werk gegen die Bettelmönche. 

*) Chron. univ. Prag, ad 1393. Vgl.^ Palack^ Y^182. 



374 

liehen Leibe. Alles Heil erwartete er von den Frauen, die er zur 
Hebung des geistlichen Lebens aufrief. Er wollte, dass nicht bloss 
die Priester, sondern auch die Laien täglich den heiligen Leib em- 
pfangen. Er that den im nachfolgenden Husitenthume so wichtig wer- 
denden Ausspruch, dass nicht Amt und Würde den Priester zum 
Genüsse des h. Leibes und Blutes Christi befähige, sondern Glaube, 
Liebe und gute Werke. Er ereiferte sich auch gegen die Verehrung 
der Reliquien und Bilder. Aber Mathias blieb dabei ein demüthiger 
Sohn der Kirche. Als im J. 1388 eine Synode in Prag mehrere 
seiner Sätze als irrig verwarf, da gestand er ein, dass er Einiges 
nicht recht, vorsichtig und klug genug geschrieben und gepredigt 
habe und leistete feierlichen Widerruf. Er starb am 30. Novem- 
ber 1394. 

§. 189. Die Bischöfe von leisseo bis 1380. 

1. Wir haben unter den frühem Oberhirten Meissens (und 
des dahin gehörigen böhmischen Niederlandes) zuletzt den Bischof 
Bruno II., den Stifter des GoUegiatkapitels zu Budisin genannt, 
der am 12. December 1229 das Zeitliche segnete. Sein Nachfolger 
wurde im J. 1230 der Bischof Heinrich. Dieser erlangte im J. 
1232 vom Kaiser Friedrich n. das Privilegium, dass alle Metaüe, 
die man auf den Grundstücken der Kirche von Meissen in der 
Erde und in den Flässen finden werde, der Kirche als eigen zu- 
gehören sollten. ^) Im selben Jahre erhielt er auch vom Burg- 
grafen Otto von Donin ') mit Einwilligung der böhmischen Krone 
das böhmische Lehen Wolframsdorf mit allen dazu gehörigen 
Gerichten und Grundstücken. ^) Diese neue Erwerbung scheint 
nachmals zur Dotirung der Decanatspräbende im budisiner Kapitel 
verwendet worden zu sein; wenigstens nennt schon die Matrikel 
des J. 1346 als Appertinenz der Decanie „Steinicht-Wolframsdorf 



») Höfler, Prager Concilien XLII.— XLVUI. Palack^ ^173 n. f. 

*) Galles ser. episc. Misn. 164. 

') Er war der Vater der ersten Äbtissin Marienthals, Adelheid Ton Donin. 

Die Donin hatten ihr Erbbegr&bniss zn AltenzeU. (Karpzow Ehraitempe] 

n. 10.) 
') Urk. dd. Cal. Aug. 1882 in Calles. 



376 

(das heutige Stein- Wolmsdoif) Hainspach, simul Zeidler/' obgleich 
wenigstens die beiden letztern Orte zum Decanate Sebnitz gehör- 
ten. Im J. 1234 sah Bischof Heinrich in nächster Nähe seines 
Sprengeis das Cisterzienserinnenkloster Marienthal entstehen und 
betheiligte sich selbst an dessen Emporbringung durch Beschützung 
und Unterstützung der ausgesendeten Sammelboten. ') Auch den 
Augustinerchorherren in Lauterberg (Mons serenus) wurde er ein 
freundlicher Wohlthäter, indem er ihnen ansehnliche Zehnten an 
der schwarzen Elster zuwies. ^) Unter ihm verbreiteten sich auch 
die Mendicanten-Mönche in der Meissner Diöcese; um 1236 zogen 
die Dominicaner in Freiberg — und die Frandscaner in Torgau 
ein. ^) Bischof Heinrich starb am 6. Juni 1240. ') 

2. Sein Nachfolger ward Konrad I. Bald nach seinem Re- 
gierungsantritte wurde das bereits 1229 begonnene Dominicaner- 
kloster S. Paul in Leipzig eingeweiht. ^) Im J. 1241 erwirkte er 
die Emeuung einer bereits von seinem Vorgänger Bruno H. mit 
der Krone Böhmens abgeschlossenen Gränzberichtigung zwischen 
Zagost und Böhmen. ') Damals und auch noch im J. 1245 gehörte 
der budisiner Gau noch immer zu Böhmen; in letzterem Jahre 
schenkte nämlich die Königin Kunigunde mit Einwilligung ihres 
Gatten Wenzel, ihres Sohnes Wladislaw und des bauzner Burggra- 
fen Beneä der Meissner Kirche einen Theil des Geld- und Getreide- 
zinses, den die Provinz Bauzen und die Dorfschaften Dobrawic, 
Kanewic und Loblic zu zahlen hatten. ^) Noch in diesem Jahre aber 
noag das budisiner Land einen neuen für die Interessen der Kirche 
bochbegeisterten Landesherrn gewonnen haben, — den Markgrafen 
Otto den Frommen von Brandenburg, ") welchem König Wen- 



*) Matricula epiBc. Misn., orig. im ^udisiner Archiv. S. Anhang des 1. B&ndeB. 

*} Vgl. die Urk. ▼. 1238 cit. in Schönfelder's Kl. Marienthal S. 30 u. f. 

») Calles 167. 

«) CalleB 842. Wetzer Lex. YII. 22. 

*) Gfdles 167. 

*) Ebend. 

Ebend. 

*) Ebend. 170. 

^ Die Pflegen von Bndisin und Zittaa (mit dem nachmaligen Qörlitz) waren 
1186 nach Heinridi von Groitach an Sob^slaw von Böhmen gefallen. Um 
1179 hatte Albrecht II. von Brandenburg durch seine Vermählung mit 
Sob&ilaw's Wittwe bereits die Gebiete von Camenz und Buland als böh- 
mische Lehen erworben. Sein Sohn war Otto III. 



376 

zel I. seine Tochter Beatrix (BoSena) vermfthlte uod als Ifitgift «Hb 
zwischen dem eigentlichen Böhmen und der Niederiaasitz gelegenen 
Gebiete mit einziger Ausnahme der zittauer Pflege als böhmisches 
Lehen übertrug* ') Dieser ausgezeichnete Fürst war nebst seinem 
Bruder, dem regierenden Kurfürsten Johann, ein besonderer Gönner 
und Beförderer der beiden Mendicantenorden. Er erbaute zunächst 
den Minoriten ein schönes Kloster in seiner Lieblingsstadt Görlitz, 
die erst kürzlich als sogenannte „Brandstatt^' (Hofelice, Gofelice, 
Görlitz) an der Stelle eines vormals vom Herzoge Sob&law 11. an- 
gelegten, im J. 1231 aber vom Feuer zerstörten Fleckens sich er- 
hoben hatte. Jetzt erhielt die neue Stadt eine schöne Zierde — 
wenn auch vorläufig noch ausserhalb der Stadtmauer — *) an der 
neuen Klosterkirche S. Maria, welche Bischof Konrad noch im J. 
1245 weihte. *) Um dieselbe Zeit erhielt Görlitz auch ein Residenz- 
haus der Dominicaner, die von hier aus Almosen für ihren 
Gonvent in Schweidnitz sammelten. Bischof Konrad sah auch 
den Anfang des Gisterzienserinnenklosters Mariastern. Nach 
einer alten Sage hatte sich einst Graf Bernhard III. von Ka- 
menz — damals noch Laie — in dunkler Nacht zu Boss in die 
ehemaligen Moräste bei Panschwitz verirrt und war in grösster Ge- 
fahr, darin sein Leben zu verlieren. Da nahm er seine Zuflucht 
zur Anrufung Mariens, — und machte das Gelübde, im Falle sei- 
ner Bettung ein Kloster zu erbauen, — und siehe da, der Morgen- 
stern stieg empor und neben ihm glänzte das verklärte Haupt 
einer Cisterzienserin. In diesem Momente fühlte auch Graf Bern- 
hard wieder festen Grund unter sich; er war gerettet und erfüllte 
alsbald sein abgelegtes Gelübde. — Urkundlich steht Folgendes si- 



^) Die lauBitzer Geschichtsschreiber setzen dieses Ereigniss irrig in den An- 
fang der Dreissigeijahre, wo König Wenzel kaum noch 29 Jahre sahhe, 
daher unmöglich eine heirathsffthige Tochter haben konnte. (Vgl. Palack^ 

4 146.) 

^ Erst im J. 1268 wurde die Mauer über das Kloster hinansgerückt. (Sin- 
tenis Oberlans. 68.) 

*) Die lansitzer Chronisten setzen die Gründung auf 1284 und die VoUendong 
auf 1246, nennen aber einstimmig Otto den Frommen als Gründer. Nach 
obigem mag wohl im J. 1246 erst die Grundsteinlegung als eine Art Vor- 
weihe geschehen sein. 



eher. ') Bernhard m. Qraf von Eamenz und seine Brüder Witigo 
und Bernhard IV. (fälschlich Burchard genannt) beschlossen im 
Vereine mit ihrer Mutter und ihren Schwestern laut Urkunde vom 
13. October 1248 „zu Ehren Gottes, der h. Jungfrau und Allerhei- 
ligen'^ ein Kloster der Cisterzienserinnen zu erbauen. Zu diesem 
Zwecke widmeten sie die Einkünfte der von ihren Vorfahren dotirten 
Patronatspfarreien Kamenz und Krostwitz und das Hospital in Ea- 
menz. Zur Dotation der kamenzer Pfarre gehörten vier Hufen Landes 
bei der Stadt, vier Hufen in Kunnersdorf und Ooztin (?), der Ertrag 
der Opferpfennige, und der Zehent vom Stadtzoll, vom Honig aus 
der Burgwarte! Eamenz und von den Feldern der Stadt und der 
dazu gehörigen Dörfer. *) Zur Pfarrpfründe von Erostwitz gehörte 
das Dorf Nauslitz mit 12 zinspflichtigen Hufen, eine Hufe in Erost- 
witz, eine in Eukau, 4 Freihufen in Erostwitz, ein Wald und ein 
Antheil am Zolle von Eönigsbrück. Zum Hospitale in Eamenz ge- 
hörten 2 Freihufen, 1 Mühle und etliche Grundstücke am Hospi- 
tale, dessgleichen zwei Fleischbänke in Eamenz und eiy ZoUantheil 
in Eönigsbrück. Diess alles wurde nunmehr Eigenthum des neuen 
Elosters gegen dem, dass dieses fortan die beiden Pfarreien und 
das Hospital in eigene Verwaltung nahm. Man nannte die neue 
Stiftung Marienstern (Gonventus stellae 8. Mariae) und im Volks- 
munde bereits im 14. Jahrhunderte auch Morgenstern. Bischof 
Konrad von Meissen confirmirte sie im J. 1249. Zu dieser Zeit 
stand das Eloster bereits fertig da; denn in diesem Jahre erlangte 
es bereits vom Meissner Bischöfe die Befugniss, Leichenbestattungen 
in seinem Gotteshause vornehmen zu dürfen, unter der Bedingung, 
dass der Parochialgeistlichkeit die Stolagebübr nicht entzogen 
werde. ') Die ersten Bewohnerinnen des neuen Gonvents waren 
ans dem Eloster Nimpschen gekommen. Die formelle Aufnahme 
des neuen Ordenshauses in den Ordensverband geschah aber erst 
im J. 1264 durch die Äbte von Pforta und Osek, bei welcher 



^) Nach Dr. Knothe^ Bernhard y. Eamens, im Arch. f. s&chs. Gesch. y. Dr. 

V^eber IV. 1. 
*) Genannt werden: Gersdorf, Schwosdorf, Petershainy Braunan, Liebenau, 

Eunersdorf, Scbönbach, Grosa- and Eleingrftbchen, Biehla, Bembrach, 

Tschomau, Tscbiedl, Jesaa, Baselitz, Windniti. 
s) Knothe, dt. cod. dipL Las. U. 6. 



378 

Gelegenheit der Abt von Altenzell als Visitator bestellt wurde. ^ 
Auch confirmirten erst in diesem Jahre die Markgrafen Otto und 
Johann als Landesherren die vollendete Stiftung und eximirten selbe 
von der Gerichtsbarkeit und Amtsgewalt ihrer Vögte. *) Bis dabin 
hatte Graf Bernhard lU. von Kamenz bereits all sein Erbe dem 
neuen Kloster zugewendet und manches Andere noch überdies» 
hinzugekauft -- lediglich gegen eine Leibrente von 100 Mark^ *) 
so dass er recht eigentlich als Stifter anzusehen ist Im selben 
Jahre verliess er auch selb&t den Laienstand und wir werden ihn 
alsbald als Propst und endlich gar als Bischof von Meissen kennen 
lernen. — Wir kommen nun wieder auf den Bischof Eonrad v. Meissen 
zurück. Im Stiftungsjahre des Klosters Marienstem {1248) sah er 
auch noch das neue Gisterzienserkloster zu Neuzeil bei Guben in 
der Niederlausitz entstehen — durch die Freigebigkeit des Meissner 
Markgrafen Heinrich des Erlauchten und seiner Gemahlin Constan- 
üa von Österreich, ^) eine Stiftung, die von da ab durch fast sechs 
Jahrhunderte die Bildungsschule für unser böhmisches Niederland 
geworden ist. ^) lui selben Jalire 1248 erlangte Konrad für seine Dooi- 
kirche vom Papste Innocenz IV. einen Ablass von 40 Tagen am Feste 
des h. Evangelisten Johann und einen zweiten derartigen Ablass für 
das Fest des h. Donatus. ®) Im J. 1249 erkaufte er vom wyäehrader 



*) Ebend. u. Cod. Lu8..I. Anhang 77. 

') Ebend. u. Cod. Lus. II. 7. Irrig wird desshalb von vielen Chronisten das 
Jahr 1264 al8 Stiftung^ahr angesetzt. 

^) Damalige Güter des Klosters: Wittigenau mit Zubehör, die Hälfte der 
Dörfer Dörringshausen, Neudorf, Kotten, Kunewitz, Kalbitz, Kukau, Tschasch- 
witz, der Zehent von diesen Orten und von Lessanowic, femer 18 Hufen 
und zwei Mühlen in Schönau auf dem Eigen, 18 Hafen und drei Mühlen 
zu Besehudorf (?), zwei Mühlen nehst Gärten, Wald und Wiesen heim 
Kloster, das Allod Panschwitz, ein Erbgut in Wiese, das Dorf Jesau, die 
Pfarrei und zwei Fleischbänke in Kamenz nebst Zinsungen in Wiese und 
Reinhardsdorf. (Knothe 1. c.) 

*) Ann. Veterocell. bei Menken 406. Auf die österreichische Mitstüterin 
deutet die interessante Bemerkung des Cistercium bistertium hin: Domas 
haec Cistercia, quae non sine Constantia austriaca surrexit, hodie sine 
AuBtria non stat. Bekanntlich hatte sich Oesterreich bei Abtretung der 
Lausitzen das Schutzrecht über die dortigen Klöster reservirt. 

*) Bis zum J. 1800 studirten fast alle Gymnasiasten der Gegend von Schlacke- 
nau und Hainspach in der Klosterschule zu Neuzell. 

*) Urkden. dd. 4. non. Martii u. 10. cal. Apiil. cit. Calles ex MS. codice 
p. 171. 



379 

Propste Oionysins die IX^rfer Mislewic und Eupöic im budisiner 
Bezirke für das Meissner Bisthom. ') Im selben Jahre war Kon- 
rad Bevollmächtigster des Papstes, um den böhmischen Prinzen 
Ottokar und seinen Anhang selbst mittelst schwerer Eirchenstrafen 
wieder unter den Gehorsam des Königs Wenzel II. zurückzufüh- 
ren. *) Im J. 1252 , beendigte er eine Streitigkeit mit dem Mark- 
grafen Heinrich von Meissen in Betreff vieler lausitzer Zehenten. ') 
Im selben Jahre erhielt er eine Vermahnung vom päpstlichen Le- 
gaten Hugo, die Meissner Kanoniker zu ihrer Residenzpflicht an- 
zuhalten. ^) Im J. 1255 willigte er in die Übertragung des Patro- 
natsrechts der Pfarreien Wesenitz, Hochbelgern und Torgau an das 
Cisterzienserinnenkloster Nimpschen. ^) Er starb am 7. Jänner 
1258. Unter ihm waren die Städte Dresden und Badeberg 
als bischöfliche Lehen an den Markgrafen von Meissen gekommen. ^) 

§. 190. Fortsetmng. 

1. Bischof Albert, bestieg noch im J. 1258 den Stuhl von 
Meissen. Er verewigte sein Andenken im Meissner Dome, indem 
er demselben ansehnliche 6etreidezinsungen in Wilsdorf und Grum- 
bach schenkte. Im J. 1261 wurde seine Diöcese von der Secte 
der Gelssler heimgesucht^ die da besonders auf den Kirchweihen 
ihr scandalöses Handwerk trieben. Bischof Albert verhängte das 
Anathem über sie und vertrieb sie dadurch aus seinem Sprengel. ') 
Im selben Jahre hatte er die Freude, zwei Klöster der Benedicti- 
nerinnen mit ansehnlichem Besitz beschenkt zu sehen, — das Kloster 
zu Staucha (nachmals nach Döbeln übertragen) durch die Pfarre 
daselbst mit zwei Höfen nebst den Dorfscbaften Teskowic und 
Krossen und der Waldstrecke Bestkow von Seiten des Burggrafen 
Meinhard von Meissen, — und das Kloster zu Riesa durch vier 
Hufen Landes in Obschitz von Seiten des edlen Ritters Arnold 



ürk. Erben reg. 672 dd. BadimWc 2. Joni. 

*) Urk. Erben reg. 570. 

•) Yfetzer Lex. VII. 23. 

*) GaUes 178. 

^) Ebend. 

*) CaUes 207. 

^ Canes 181. Chron. Yeterocell. minus 440. 



380 

von Jerich. ') Bischof Albert selbst schenkte noch seinem Dom- 
kapitel ein Landgut in Wartha ; dann segnete er am 25. September 
1266 das Zeitliche. ') 

Sein Nachfolger wurde W i t i g o L, der bisherige Propst von 
Würzen und Canonicus zu Erfurt und Nordhausen, — ein Graf 
von Eamcnz. *) Man rühmt vor Allem seinen ausgezeichneten kirch- 
lichen Eifer, Sein schönstes Werk ist der neue Dom zu Meissen, 
dessen Bau er gleich nach seinem Antreten in Angriff nahm. Er 
gab redlich aus Eigenem zu diesem Zwecke ; das Meiste aber wurde 
durch milde Gaben beigebracht, für welche nicht bloss er selbst, 
sondern im J. 1274 auch die Erzbischöfe von Salzburg, Mainz, Köln 
und Bremen und die Bischöfe von Seckau, Passau, Eichstadt und 
Augsburg reichliche Ablässe gewährten. *) Ein Gleiches geschah 
auch noch im J. 1287 von 28 auf einer Synode zu Würzburg ver- 
sammelten Bischöfen. ') Für sein Bisthum erwarb er gegen Ent- 
äusserung von Jahreszinsungen die Stadt und Burg Pirna.*) Dem 
Propste und dem Dechant des meissner Kapitels verlieh er das in 
zwei Theile getrennte Archidiakonat Nisen und der Scholasterie 
incorporirte er die Pfarreien Erosnitz und Eeytitz. ') Seine kirch- 
liche Strenge fühlte das im J. 1184 vom Grafen Dedo vonRochlitz 
erbaute regulirte ChorheiTenstift Tschille (später Wechselburg 
genannt), wo zumeist hochadelige Reguläre wohnten, zuletzt aber 
solchen Unfrieden unter sich hatten, dass sie gar ihren eigenen 
Propst in einem Aufstande mit dem Schwerte verstümmelten. *) Bi- 
schof Witigo nahm ihnen in Folge dessen das schöne Kloster weg 
und räumte es den Deutschherren ein, die eben zu dieser Zeit 
ihre schönsten Erwerbungen in den Eibländern machten. Zugleich 
setzte er fest, dass ein vom jeweiligen Bischöfe einzusetzender Propst 
dem Hause vorstehen und stets zugleich Archidiaconus des Kreises 



^) Ebend. 182. 

s) Ebend. 

^ Man hielt ihn fOr den älteren Bruder des Stifters von Marienstem. — mit 

Unrecht, wie Dr. Enothe 1. c. andeutet Jener Bruder des Stifters hinter- 

liesB drei Söhne: Heinrich, Witigo IL und MatthaeuB. 
*) ürk. CaHes 190. 
^ Ebend. 201. 
«) Ebend. 206. 
^ Ebend. 188. 
^ Aurol. YeteroceU. p. 396. 



381 

sdn solle. Auch sollten die Einkünfte nicht für Palästina und 
Preussen, sondern immer nur für die Kirche und das Kloster ver- 
wendet werden. ') Witigo verstand es auch nach Oben hin die 
Rechte seiner Kirche mit aller Kraft zu vertheidigen. So trat er 
zunächst den jungem brandenburger Markgrafen Johann, Otto IV. 
und Conrad ^) entgegen wegen unterschiedlicher Eingriffe der mark- 
gräflichen Vögte in die Beichsunmittelbarkeit der bischöflichen Be- 
sitzungen. Es kam so weit, dass Witigo sogar das Interdict über 
seine Gegner aussprach. Schliesslich aber wurde der Streit im J. 
1272 durch Schiedsrichter beendet — und zwar zu Gunsten des 
Bischofs. ') Im J. 1281 gerieth Witigo wieder in Streit mit dem 
Markgrafen Heinrich von Meissen, welcher trotz eines Vergleichs 
vom Jahre 1252 die Zehenten aus der Niederlausitz vorenthielt und 
die Gerichtsbarkeit über die bischöflichen Unterthanen in Würzen, 
Mügeln, Meissen und Stolpen ansprach. Auch hier sprach ein Schieds- 
gericht zu Gunsten des Bischofs. ^) Um diese Zeit interdicirte er 
auch den Grafen Albert von Brene^ welcher die bischöflichen Be- 
sitzungen beschädigt hatte; dieser musste laut Schiedsspruch mit 
150 Mark freiberger Münze Genugthuung leisten. ') Im J. 1286 
hielt er zu Naumburg eine Zusammenkunft mit den Bischöfen von 
Naumburg und Merseburg und verkündete von hier aus in einem 
feierlichen Decrete die Verordnungen der Magdeburger Provinzial- 
Synode gegen die Verletzer der persönlichen Immunität des Klerus. *) 
Als am 8. Februar 1288 Markgraf Heinrich der Erlauchte von 
Meissen mit Tode abgegangen war, kam auch für Bischof Witigo 
eine sturmvolle Zeit. Während ein Erbe den andern umseinen An- 
theil zu bringen und unter ihnen namentlich der junge Friedrich der 
Kleine (unebenbürtiger aber als erbfähig erkläiter Sohn Heinrichs) 
seinen Antheil — das bischöfliche Lehen von Dresden und Rade- 



^) CaUes ex MS. cod. 192. 

') Diese Söhne des Kurfürsten Johann hatten neben den Söhnen Otto's des 

Frommen eigene Antheile im Budisiner Laude und zwar Eamenzer und 

Bohlander Kreise, starben aber alle ohne £rben. 
') Nor die Dörfer Muslatewic, Euptic, Rovenwalde, Beyersdorf, Spremberg 

und Friedersdorf sollten ausgenommen sein. Urk. dd. XII. cal. Febr. 1272. 

(Calles 189 u. f.) 
«) ürk. Calles 193 u. ff. 
«) Ebend. 196. 
') Urk. ebend. 198. 



382 

berg — an Böhmen vertauschen wollte^ ') war es vorzüglich der 
Bischof Witigo, der im J. 1289 ein Bündniss der geistlichen and 
weltlichen Grossen (in Meissen) zu Stande brachte^ um die meiss* 
nische Mark unter einem Regenten gegen billige Entschädigung 
der übrigen Erben zusammenzuhalten. ') Gieng es schon hiebei 
nicht ohne Waffenkampf ab, so brachte schon das nächste Jahr 
unserem Bischöfe eine Fehde mit dem neuen Markgrafen Friedrich 
Tuta, in welcher er angeblich seine Städte Dresden, Pirna, Stolpen 
und Scharfenstein auf eine Zeit einbüsste, jedoch in Kurzem durch 
Intercession des mainzer Erzbischofs wiedererlangt haben solL ^) 
Der Tod dieses Markgrafen im J. 1291 stürzte Meissen vollends in 
alle Wirrsale eines vieljährigen Erbkrieges, in welchem auch das 
Bisthum nicht wenig zu leiden hatte. Witigo sah noch ein Theil 
dieser Unglückszeit; er starb am 6. März 1293. 

3. Ihm folgte der Stifter des Klosters Marienstern — Graf 
Bernard von Kamen z. Wir haben denselben seit 1264 aus 
den Augen verloren. Der alten Sage nach ging er damals nach 
Rom und kam von dort mit vielen Reliquien für sein liebes Klo- 
ster zurück. Im J. 1266 finden wir ihn eine Zeit lang am herzog- 
lichen Hofe zu Breslau. Im J. 1268 erscheint er bereits urkuud* 
lieh als Geistlicher und zwar als Magister und als soeben erwähl- 
ter Domdechant zu Meissen. Im J. 1276 erlangte er daselbst die 
Würde des Propstes. Von da ab haben wir ihn bis zum J. 1290 
abermals in Breslau zu suchen — als treuen Kaplan und Freund 
des Herzogs Heinrich IV. Um 1279 war er zugleich im Besitze 
der Pfarrpfiründe in Brieg. Im J. 1281 erlangte er die herzog- 
liche Kanzlerwürde und bekleidete dieselbe unter den allerschwierig- 
sten Verhältnissen bis zum J. 1290. *) Der jugendlich ungestüme 



*) S. den Taascbyertrag bei Palack^ -p 367 u. t. 

') Damberger XI. B63. 

') Das kleine Dresdener Zeitbach ad 1290 and 1S91, — Grossem I. 60. £r- 
stere Quelle fügt bei: „Damach ward ihm (Tata) vergeben in Kirschen 
und er starb.** (Menken III. 346.) Grossem and andere machen des- 
halb ohne Grand den Witigo zum Yergifter. Grossera irrt sogar auch in 
der Person des Vergifteten. Andere alte Chronisten wissen einfach nur, 
Tuta sei 1291 in Weissenfeis gestorben. 

*) Dr. Knothe im Arch. f. sächs. Gesch. lY. 1. cit cod. Sax. II. 1. Stenzel, 
Urk. zur Gesch. des Bisth. Breslau. 



383 

Herzog Heinrich IV. lebte nftmlich schon seit 1274 mit dem bres- 
lauer Bischöfe Thomas 11. in beständigem Kampfe wegen der von 
letzterem verfochtenen Immunität des Eirchenguts. Keinen Schieds- 
richter anerkennend, als das Schwert, befehdete er seinen Gegner 
ohne Unterlass, bis endlich der Bischof im J. 1279 die Hülfe des 
damals in Ungarn thätigen Legaten Philipp von Fermo anrief. 
Durch diesen ward nun zwar persönlich ein Vergleich vermittelt, 
aber kaum hatte er dem Lande wieder den Rücken gekehrt, so be- 
gann Heinrich Streit und Fehde von Neuem. Die Folgen waren 
Bann und Interdict von Seiten des Legaten (1281) über den Her- 
zog und sein Land, — und die Vertreibung des Bischofs nach Ba- 
tibor. Unter diesen Umständen übernahm Bernard von Kamenz 
das Kanzleramt Wohl auf seine Veranlassung appellirte nun Hein- 
rich nach Rom, ohne aber desshalb aufzuhören, die bischöflichen 
Besitzungen einzunehmen und zu verwüsten. Unterm 28. März 1286 
erklärte endlich Papst Honorius IV., dass er das Excommunications- 
urtheil über den Herzog vollkommen gerecht finde und bestätigen 
müsse. Nun wurde aber auch von Seiten des Bischofs der Propst 
Bernard bestürmt, dass er den excommunicirten Fürsten verlasse, 
und als diess nicht geschah, erfolgte auch dessen Excommunication un- 
term 10. Aug. 1287. Doch nun kam auch der Augenblick der Ent- 
scheidung.. Bischof Thomas wurde vom Herzoge in Ratibor bela- 
gert. Bereits war die Noth der Stadt aufs Äusserste gestiegen ; da 
zog der Bischof in vollem Ornate, nur von wenigen Priestern be- 
gleitet, ins feindliche Lager und ergab sich dem Fürsten. Heinrich 
aber sank jenem zu Füssen, beide weinten und umarmten sich. 
Der trotzige Heinrich wurde von dieser Stunde an „der Gute und 
Gerechte.'' ^ Leider lebte nur noch bis 23. Juni 1290. So lange 
weilte auch der nun wieder mit der Kirche ausgesöhnte Propst 
Bernard in Breslau. Dann aber zog er nach Böhmen an den Hof 
des kirchenfreundlichen Königs Wenzel IL und erwarb auch dort 
die ehrenvollste Stellung. Im J. 1291 ist er zugleich mit dem Abte 
von Sedlec päpstlicher laspector aller Häuser des Kreuzherrenor- 
dens. ') Auch betheiligt er sich als Rathgeber des Königs an der 
Anlegung des Stiftes Königsaal. Im J. 1292 fungirt er gar als kö- 



Damberger XI. 501 u. f. 

*) Dt. Knotbe 1. c. cit Cod. dipl. Sax. II. I. 231. 



384 

niglicher Bevollmächtigter bei der deutschen Eaiserwahl und hilft 
den Adolf von Nassau erheben. ') Im J. 1293 berief ihn der Tod 
Witigo^s auf den bischöflichen Stuhl zu Meissen. 

Als Bischof erlebte Bernard die traurigsten Zeiten seiner Diö- 
cese. Seit 1291 hatte ein Theil der Meissner den Yon seinem un- 
natürlichen Vater Albrecht dem Unartigen von Thüringen enterbten 
Prinzen Friedrich den Gebissenen zum Markgrafen an- 
genommen. Dafür verkaufte nun der böse Vater seine Ansprüche 
auf Meissen und überdiess sein Erbland Thüringen an den länder- 
süchtigen König Adolph von Nassau. Dieser zog nun mit Heeres- 
macht heran, um sein neues Land in Besitz zu nehmen. Seine Hor- 
den hausten — wie berichtet wird — noch ärger, als einst die 
Hunnen und Sarazenen. Klöster und Kirchen kamen dabei am 
übelsten weg und auch selbst der Freund konnte ihrer nicht immer 
schonen. So ward im J. 1294 der meissner Dom vom Prinzen 
Friedrich als Heumagazin benützt, bis endlich die unglückliche Stadt 
selbst in die Gewalt der Fremden fiel. Unter solchen Umständen 
war es kein Wunder, dass Bischof Bernard Hand an die bischöfli- 
chen Güter legen musste, zumal auch schon sein Vorgänger grosse 
Schulden hinterlassen hatte. Mit Übereinstimmung seines Domka- 
pitels verpfändete er einige Besitzungen und verkaufte endlich gar 
die Stadt Pirna an die böhmische Krone. ') Indess suchte er we- 
nigstens auf dem eigentlichen kirchlichen Felde nach Möglichkeit 
Gutes zu wirken. Namentlich konnte sich Budisin seiner besonde- 
ren Fürsorge rühmen. Im J. 1293 spendete er der Marienkirche 
daselbst einen Ablass. Ein gleiches that er 1294 für den Marien- 
altar im Dome. Dann verglich er im J. 1296 die zwischen der 
Domgeistlichkeit und den Franziskanern entstandenen Streitigkeiten 
zunächst wegen der bei letzteren üblich gewordenen Gewährung 
von Begräbnissstätten. Zu dieser Zeit regten sich auch wieder die 
dem Fraticellenthume anhangenden Beghuinen und Begharden im 
Laude und der Bischof sah sich genöthigt, ein scharfes Rundschreiben 
gegen selbe zu erlassen. Darauf starb er an Altersschwäche am 
ll.October 1296 *) und fand seine letzte Buhestätte im Kloster Ma- 



") Ebend. 

*) Ebend. u. vgl. Palaclrf -j- ^'^^' 

') Knothe, CaUes. Letzterer setzt das Sterbejahr irrig auf 1299. 



385 

rienstern, ') für welches er noch bis zu seinem Tode väterlich ge- 
sorgt hatte. *) 

§. 191. Fortsetiin;. 

1. Bischof Albert in., aus dem Oeschlechte der Grafen von 
Leisnik — vordem ebenfalls Dompropst von Meissen ') — sah im 
J. 1298 die alte Mark Meissen ohne Waffenlftrm an die Krone Böh- 
men übergehen. Adolph von Nassau war seines Thrones entsetzt 
und am 2. Juli 1298 in der Schlacht bei GöUheim in Schwaben ge- 
tödtet worden. Der neue deutsche König Albrecht von Österreich 
lohnte nun die Hülfe seines Schwagers, des Königs Wenzel U. von 
Böhmen durch die Belehnung mit der durch Adolphs Niederlage 
erledigten Mark Meissen. Am 2. September 1298 empfing der 
neue Landesherr zu Meissen die Huldigung des Landes. Zugleich 
aber nahm er auch vom Bischöfe Albert die Lehen von Dresden, 
Radeberg, Dohna und Friedwald. '*) Aber schon im J. 1304 war 
Wenzel wieder mit seinem kaiserlichen Schwager zerfallen und sah 
.sich, um einen Bundesgenossen zu gewinnen, genöthigt, die Stadt 
Meissen nebst Frauenberg, Döbeln, Hain, Oschatz und Grimma an 
Hermann von Brandenburg zu verpfänden. ^) Als er endlich selbst 
am 21. Juni 1305 mit Tode abgieng, opferte sein Sohn Wenzel III. 
eiligst auch noch die übrige Markgrafschaft — nur Pirna mit Saida 
und Borschenstein und das Pleissnerland ausgenommen — auf, um 
ein ihm wichtigeres Land, das hart gefährdete Polen zu behaupten, 
leider vergebens, denn er endete schon auf dem Zuge dahin am 24. 
August 1306 sein Leben. Seine Entsagung war zu Gunsten des kaiserli- 
chen Neffen Johann (nachmals Parricida) geschehen, doch dieser verlor 



*) Das jetzige Grabmal iu Marieustern steht seit 1628; es setzt das Sterbe- 
jahr irrig auf 1321. 

*) Er vermittelte 1280 den Ankauf des Waldes Lnk, 1286 den der Dörfer 
Keule, Solschwitz und Salau, desgleichen der andern Hälfte von Krostwitz, 
Tschaschwitz, Ralbitz, Kunnewitz, Kotten, Döringshausen, Bemstadt, Berns- 
dorf; er selbst schenkte noch im J. 1296 das Dorf Schweinerden. (Dr. 
Enothe 1. c.) 

*) Albini geneal. comit. Leisnic. (Menken UL 892.) 

*) Vgl. PalackJ -y^ 880. 

«) Ebend. 391. 

25 



386 

Meissen bereits im nächsten Jahre wieder an den ursprünglichen 
Erben Friedrich den Gebissenen, der es fortan für sich nnd seine 
Nachkommen behauptete. I^ ^U^Q diesen Begentenwechseln scheint 
Bischof Albert eine neutrale Stellung eingenommen zu haben; ^) 
denn eines unmittelbaren Conflicts mit den widerstreitenden Parteien 
wird nicht gedacht. Übrigens mussten ihm schon die allgemeinen 
Drangsale des Kriegs, unter denen seine Diöcese seufzte, das Herz 
schwer machen, — und auch die spätere Zeit war bei den endlosen 
Fehden des Markgrafen ^) wenig geeignet, ihn seines bischöflichen 
Amtes froh werden zu lassen. Dazu kam im J. 1307 ein Zerwurfniss 
mit den Vasallen der bischöflichen Burg Stolpen, die wahrschein- 
lich die Wirren der Zeit benätzt hatten, um sich der bischöflichen 
Besitzungen und wohl auch der Burg selbst zu bemächtigen; es 
wurde durch den Schiedsspruch des Markgrafen Friedrich damit 
geendet, dass Bischof Albert den Betheiligten volle Verzeihung 
und das Recht gewährte, frei ihre Lehen zu verkaufen und abzie- 
hen oder nach Belieben unter bischöflicher Lehensgewalt zu bleiben. *) 
Übrigens erlebte Albert in demselben Jahre auch eine hohe geist- 
liche Freude, indem er einen neuen Minoritenconvent zu 
Eotbus durch die Opferwilligkeit des Richard von Kotbus ent- 
stehen sah. ^) Ln Jahre 1311 vermittelte er noch einen Vergleich 
im Meissner Domcapitel, laut dessen fortan acht grössere Antheüe 
des Gapiteleinkommens den sechs Domherren und ausserdem den 
zwei Capitelvicaren und dem Hospitale zukommen sollten; ebenso 
viele kleinere Portionen sollten auf die zwei bischöflichen Vicare 
und ebenfalls auf das Hospital entfallen. ^) Bischof Albert starb 
bereits am 3. März 1312. ^ 



I) £bGnd. 401 n. ff, 

*) Vgl. Tentzelii vita Friderici admorsi (Menken II. 986). 

^) Friedrich mit der gebissenen Wange starb 1314 den 16. Nov. 

*) Fabncius ad 1299, Calles 218. Genannt sind: Heinrich von Wergenwik, 

Tizo von Wilten, Hermann und Gunzelin von Bauzen, Arnold von Hugis- 

wald. (Vgl. Albini geneal. com. Leisnic. (Menken III. 892.) 
*) Grossem IL 12. 

*) Calles 219. Albini geneal. com. Leisn. 898. 
Chron. Dresdens. (Menken III. 348.) Seine Familie hatte 1192 das Cister- 

cienserstift Buch bei Leisnik (Ilgenthal — vallis S. Aegidii) gestiftet. 

(Thammii chron. Coldic. bei Menken II. 678 u. f.) 



387 

2. Es folgte Witigo ü. Graf von Kolditz. 0^ Aus welch' 
einer frommen Familie er stammte, dafür spricht der Umstand, dass 
seine beiden Eltern übereinstimmend in das Ordensleben eintraten, 
der Vater als Gisterziensermönch in Altenzelle, die Mutter als 
Nonne in einem nicht näher bezeichneten Frauenkloster. *) Witigo 
war ein besonderer Beförderer der Verehrung der h. Mutter Anna, 
die eben damals in ganz Norddeutschland in Aufschwung kam. Zu 
diesem Zwecke erliess er zugleich mit dem Erzbischofe von Magde- 
bu]^ und den Bischöfen von Havelberg und Brandenburg einen 
Ablass von 40 Tagen für alle jene, welche andächtig den Altar 
der Heiligen besuchen würden. ^) Er suchte auch sein durch lange 
Kriege hart mijligenommenes Bisthum nach Kräften wieder emporzu- 
bringen und wurde hierin von seinen kirchenfreundlichen Verwandten 
bestens unterstützt. *) Darum kaufte er die Stadt Nossen an der 
Mulde und Liebenthal an der Elbe an und löste für einige Zeit 
auch Pirna wieder ein. ') Dagegen überliess er im J. 1319 das 
Lehen von Dresden erblich an den Markgrafen, ^) nachdem er sich 
noch zuvor (1316) den vollen geistlichen Einfluss daselbst durch 
Erwerbung des Kirchenpatronats gesichert hat. Letzteres hatte 
bisher dem Kloster der Clarissinnen in Seuselitz zugestanden. ') 
Seitdem wurde Dresden die Haupt- und Residenzstadt der Mark- 
grafen. Unter ihm trat die Meissner Diöcese vorerst in eine noch 
vielseitigere Beziehung zur Mark Brandenburg, als solche bisher 
schon stattgefunden hatte. Im J. 1312 musste nämlich Friedrich 
von Meissen auch auf die ganze Lausitz (die nachherige Nieder- 
lausitz) zu Gunsten Brandenburgs verzichten. ^) Anderseits kam 



^ Thammii chron. Coldic. bei Menken II. 671. 

3) Fabricittfi ad 1347 bei Galles 235. 

•) Ebend. 221. 

«) Ebend. 229. 

«) Fabric. ad 1347 bei Calles 235. 

') Urk. bei CaUes 266 u. ff. 

'} Calles 221, 229. Dieses Patronatsrecht war dem Kloster von den Mark- 
grafen Heinrich und Friedrich (als Erbauern der Pfarrkirche) verliehen 
worden. (Calles 221 ex MS. cod.) 

*) Schon Friedrich Tata hatte nach und nach die Lausitz versetzt und ver- 
kauft, — zuletzt auch das Fürstenrecht an das Erzstift Magdeburg, das 
aber seine Bechte gegen die Ansprüche Brandenburgs nicht behaupten 
konnte. (Vgl. Böttiger 220 u. ff.) 

2B* 



388 

der Bischof auch neuerdings in nähere Berührung mit der Krone 
Böhmen, indem zunächst im J. 1329 das Gebiet von Görlitz und 
später nach dem Erlöschen der bisherigen brandenburger Linien 
auch noch die Bezirke von Budi^in, Löbau und Eamenz durch 
freiwillige Unterwerfung an König Johann übergiengen. Die ge- 
nannten Orte nebst der nahen böhmischen Stadt Zittau bildeten 
nun seit 1337 mit Erlaubniss des böhmischen Königs zur Sicherung 
des Landfriedens den bekannten Sechsstädtebund. Als 
endlich Karl IV. auch noch die bisherige Lausitz (Niederlansitz) 
hinzukaufte, ') erhielten jene älteren Besitzungen den Namen Ober- 
lausitz. — Bischof Witigo starb am 26. Juli 1343 und fand im 
Kreuzkloster zu Meissen sein Grab. ^) Er hatte noch die Freude 
gehabt, zwei neue Klöster in seiner Diöcese emporblühen zu sehen, 
das Kloster S. Magdalena in Lauban, ') welches Herzog 
Heinrich HI. von Jauer im J. 1320 als Colonie der Magdalenerin- 
nen von Naumburg an der Queiss angelegt hatte^ und das Fran- 
ciscanerkloster zum h. Kreuz in Löbau, das im J. 
1336 von den Ordensbrüdern auf einem von der Bürgerschaft ge- 
schenkten Bauplatze aus milden Gaben errichtet worden war.*) 

3. Der neue Oberhirt Johann L von Isenberg erlebte 
vorerst im J. 1349 die furchtbare That eines allgemeinen Juden- 
mords in seiner Diöcese. Wie schon anderwärts erwähnt wurde, 
hatte damals das Umsichgreifen der Pest das Gerücht verbreitet, 
dass die Juden alle Brunnen vergiftet hätten; da suchte sich die 
entfesselte Volkswuth ihre unglücklichen Opfer. ') Im J. 1350 
wurde die Pfarre G ö d a u der Custodie des meissner Capitels in- 
corporirt, jedoch so, dass dem Budisiner Propste (es wird ein 
gewisser Albert genannt) der kirchliche Gehorsam gewahrt bleibeo 
sollte. In ähnlicher Weise wurde etwas später (1366) die Pfarre 
(Propstei) zu L ü b b e n dem jeweiligen Archidiakon der Lausitz 
eingeräumt. «) Im J. 1353 wurde in Meissen das Capitelstatut ein- 



*) ürk. in Hofmann script. germ. IV. 203. 

') Calles 23B. 

') Stiftungaurkunde in Hoftnanni script. rer. germ. IV. 187. Es bestand hier 

auch ein Minoritenkloster. (Monach. Firn. b. Menken II.) 
*) Grossern II. 12. Monach. Firn, bei Menken II. 
^) Wetzer Lex. 24. In der Nachbarschaft war die Jaden Verfolgung schon 

1343 ausgebrochen. (Chron. Erfurt, bei Menken III. 338.) 
**) Calles 238, 245, 246 ex cod. MS. 



389 

geführt, dass uur die mit den grossem Präbenden betheilten Dom- 
herren Sitz und Stimme im Gapitel und Stallum im Chore haben 
sollten. ') Dm diese Zeit wurde auch das Benedictinerinnenkloster 
zu Staucha mit Einwilligung des Bischofs in die Stadt Döbeln 
transferirt. ^) Anderseits hatte damals Bischof Johann einen Pro- 
eess mit dem Benedictinerabte von Chemnitz, welcher nach 
längerem Herkonmien zugleich das Amt des Archidiakons im Chem- 
nitzer Kreise verwaltete, und nun dem Bischöfe von Meissen das 
Recht der Visitation im Kloster und im Archidiakonate nicht zu- 
gestehen wollte. Der Bischof klagte desshalb in Rom. In Folge 
dessen mussten zwei berühmte Rechtsgelehrte (Johann Haberti und 
Simon von Sudbiria) in der strittigen Angelegenheit ihr Votum 
abgeben, und als diess zu Gunsten des Bischofs lautete, wurden 
im J. 1363 die Äbte von Altenzell und Buchau und der Capitel- 
dechant von S. Agricola in Avignon mit der Executiou, beziehungs- 
weise mit der Einsetzung des Bischofs in seine Rechte betraut. ^) 
Bischof Johann starb am 5. Jänner 1370. ^) 

4. Nach Johannas Tode wurde zunächst der Domdechant von 
Meissen und Propst zu Budisin Dietrich vonGoech zum 
Bischöfe gewählt. Wir wissen nicht, ob diese Wahl nicht ange- 
nommen oder höhern Orts nicht confirmirt wurde: thatsächlich 
lebte er noch im J. 1372 als „erwählter Bischof," obwohl bereits 
ein Anderer den Stuhl von Meissen wirklich bestiegen hatte. Diet- 
rich hatte schon vordem (1368) für sich ein doppeltes Jahres- 
gedächtniss gestiftet, das eine im Benedictinerinnenklo- 
ster Sitzenrode bei Dahlen und das andere im Cister- 
eienserinnenstifte Mfthlberg. *) Wirklicher Bischof 
von Meissen ward aber schon im J. 1271 Konrad von Kirch- 
berg. Dieser sicherte sich in wenigen Jahren ein mehrfach ge- 
segnetes Andenken. Wie er einerseits die Rechte seines Gapitels 
zu beschützen wusste, ebenso war er auch bemüht. Sittenstrenge 



^) Ebend. 239 ex cod. MS. 
') Ebend. ex cod. MS. 
^) Ebend. ex docum. 
*) Fabric. 
^) CaUes 248 ex docum. 



390 

und kirchliche Disciplin in demselben und in seiner ganzen Diö- 
cese durch fleissige Inspectionen zu befördern. ') Als ein weiteres 
Verdienst wird ihm die Anlage vieler Weinberge im Meissnerlande 
nach dem Muster des damals durch Karl IV. in Böhmen eingeführt 
ten Weinbaues nachgerühmt. ') Er starb am 26. Mai 1376 als 
der letzte Bischof dieser Periode; denn der nächste Nachfolger 
Konrads — Johann von Jenstein — gehört mit seiner ganzen Le- 
bensgeschichte füglich schon in das neubeginnende Zeitalter. 

§. 192. Die Bisciiofe vod Regensbnr; als geistliciie Oberliirten des Egerlandes 

bis 1380. 

1. Im J. 1204 bestieg der frühere Dompropst zu Freisiog 
und "kaiserliche Kanzler Konrad IV. Graf von Teisbach und 
Frontenhausen den bischöflichen Stuhl von Regensburg. Dieser 
beendigte vor Allem den Krieg seines Vorgängers mit dem Her- 
zog von Baiern, und diess unter so günstigen Bedingungen, dass 
ihm sogar für den Fall des Aussterbeus des herzoglichen Hauses 
die Nachfolge im Herzogthume zugesichert wurde. *) Er zeigte 
sich auch als einen der freigebigsten Beförderer geistlicher In- 
stitute. Die Klöster Prüll, *) Weltenburg, ») Rott am Inn, «) Ober- 
und Niedermünster ') erfuhren seine grosse Freigebigkeit. Auch 
sein Domcapitel und das Gollegiatstift der alten GapeUe wurden 
von ihm reichlich bedacht. ") Er beförderte ebenso die Ansiedlung 
neuer Ordensfamilien in seiner Bischofsstadt. So kamen im J. 1210 
die Deutschherren dahin — zunächst durch eine Schenkung 
von Seiten des Herzogs Ludwig. ') Bischof Konrad selbst berief 



>) Fabric. 

') Calles ex docum. 253. 

"") Urk. dd. 1205 in Ried cod. Batisb. 289. 

*) Urk. ebend. I. 307 ad ann. 1215. Prall war 997 von Rapoto von Hohen- 

wart als Benedictinerabtei gestiftet worden. 
*) Urk. ebend. I. 326 ad ann. 1220. Weltenburg, Benedictinerabtei, schon 

von Herzog Thassilo erbaut. 
<>) Urk. dd. 1224 (I. 343). Rott wird hierbei eine Stiftung seiner Vorfahren 

genannt. 
^ Urk. dd. 1226 (I. 344). Dieser beiden Dtoenstifter in Regensburg von 

1010 und 1152 wurde bereits gedacht. 
») Urk. dd. 1224 und 1226 (I. 342 und 348). 
"^ Urk. Ried 1. 299. 



391 

im 1223 die mindern Brüder an die alte Salvatorcapellef nach- 
dem sie anvor seit 1216 in Donaustauf gewohnt hatten. ') Im J. 1227 
nahm anch das Carmeliteukloster bei S. Oswald seinen ersten 
Anfang. *) Das Allermeiste that aber Bischof Konrad für die Grün- 
dung und Dotirung eines Armenspitals in Regensburg. ') — Auch 
im eigentlichen geistlichen Amte gab es für ihn viel zu wirken, 
Namentlich forderte ihn Papst Innocenz IIL im J. 1209 auf, das 
grosse Gebrechen abzustellen, dass einzelne Landpfarrer in offenem 
Concubinate leben und ihre mitschuldigen Decane hieven keine 
Anzeige machen. Auch möge er Sorge tragen, dass hinfort das 
Sacrament der Firmung auf dem Lande öfters gespendet werde. ^) 
Die fromme Gesinnung Eonra4s Iftsst schliessen, dass er diesen 
Aufträgen redlich nachkam. Überdiess bereitete ihm auch das da- 
mals nicht seltene Verbrechen der Brandlegung nicht wenig Sorge; 
wiederholt (1220 und 1227) sah er sich genöthigt, die päpstliche 
Dispens für solche Leute zu erbitten, da eben die damaligen 
Eriegsläufe auch so manche Zerstörung fremden Eigenthums mit 
sich brachten. ') Zweimal, im Jahre 1213 und im J. 1221, sah 
er neue Züge von Kreuzfahrern aus seiner Diöcese ausziehen, — 
das erstemal den unglücklichen Kreuzzug der Kinder, das andere- 
mal den Herzog Ludwig selbst. ®) •— Für die äussern Verhältnisse 
seines Bisthum that Konrad ein Übriges, indem er die Hälfte seiner 
Stammgüter, die Schlösser Teispach, Wörth und Königswart, 
mit dem Bisthume vereinigte; die andere Hälfte widmete er zum 
Theil seinem Armenspitale und zum Theile den Klöstern Ober- und 
Niedermünster. ') Letzteres sollte wohl eine Genugthuung dafür 
sein, dass er im J. 1215 in einen Tauschantrag des Kaisers Frie- 
drich n. gewilligt hatte, durch welchen die zu den beiden Klöstern 
gehörigen Beichsgüter gegen einige bischöfliche Besitzungen an das 
Hochstift gelangen sollten. Doch war dieser Tausch auf den Pro- 
test der beiden Äbtissinnen bereits durch den Reichstag zu Würz- 



^) Matrikel des Bisth. Regenfiborg, S. 602. 

>) Urk. Ried I. 346. 

') Ebend. dd. 1211, 1218, 1214, ^226. 

*) ürk. Ried 297. 

^ Urk. ebend. 326, 349. 

*) Gemeiner 308 und 310. 

') Ebend. 298. Vgl. ürk. bei Ried I. 344. 



392 

barg (1216) cassirt worden. >) Bischof Eonrad Btarb am 9. April 
1227. In seine Zeit (1215) fällt die durch Papst Innocenz IIL 
verf&gte Vereinigung der zwölf Schottenklöster Deutschlands zu 
einer besonderen Gongregation unter der Leitung des Abts von & 
Jakob in Regensburg. 

2. Nach Konrads Tode rissen die weltlichen Stände des Hoch- 
stifts im Einverständniss mit dem Herzoge und dem Stadtrathe 
die Bischofswahl an sich und wählten den Dompropst Gottfried, 
yon dessen Gesinnung sich alle der besten Vortheile yersahen. Der 
in Deutschland weilende Kaisersohn Heinrich bestätigte sofort den 
Erwählten, welcher nun nichts Besseres zu thun hatte, als die 
schönsten Besitzungen des Bisthums und des Gapitels an seme 
Gönner und Günstlinge zu verschleudern. Indess hatte das betrogene 
Domcapitel eine Gesandtschaft aus seiner Mitte nach Bom gesendet, 
Diese erhielt nun dort den Auftrag, einen neuen Bischof zu wäh- 
len und so bestieg der mainzer Domcantor Siegfried den bi- 
schöflichen Stuhl von Kegensburg. Kaiser Friedrich bestätigte ohne 
Anstand die Wahl seines Günstlings und annullirte alle bisherigen 
Verfügungen Gottfrieds; der Papst selbst spendete dem neuen 
Oberhirteu die bischöfliche Weihe. ^) Gottfried unterwarf sich ohne 
Widerstand und machte sogar noch durch freiwillige Kesignation auf 
einen Theil seiner Propstei-Einkünfte den dem Capitel zugefügten 
Schaden nach Möglichkeit wieder gut. Er starb bereits im J. 1239.') 
Bischof Siegfried zeigte sich des Vertrauens würdig, das man in 
ihn gesetzt hatte. Zunächst pflegte er redlich seines bischöflichen 
Amtes. Insbesondere ging er mit allem Ernste gegen die des Ck>n- 
cubinats überwiesenen Diöcesanpriester vor, über die er insgesammt 
die Excommucation ipso facto verhängte und kraft päpstlicher Er- 
mächtigung nur jene lossprach, deren Besserung erwiesen war. *) 
Überdiess zeigte er sich gleich seinem Vorfahrer als eifrigen Be- 
förderer der Klöster. Im J. 1219 berief er die Dominicaner nach 
Regensburg und räumte ihnen mit Zustimmung des Gapitels die 



') Ried 810, 314. 

') Gemeiner regensb. Chron. 315, Lang bair. Jahrbücher 71 u. f., Schrödl in 

Wetzer's Lex. IX. 106. ürk. bei Ried I. 349, 354. 
») ürk. Ried I. 354, 362. 
*; ürk. Ried I. 364. 



393 

dem letztern gehörige S. BlasiuBkirche ein. ') Zur Erbauung des 
Klosters trugen die Edlw von Truchsess auf Eckmühl Erhebliches 
bei. *) Auf Siegfrieds Verwendung räumte die regensburger Bür- 
gerschaft im J. 1233 den „armen Schwestern'* nach der Regel 
des h. Augustin einen Bauplatz an der West.seite der Stadt ein^ 
„damit letztere gegen Aufgang (dort die Franciscanerinnen) und Nie- 
dergang geistliche Wächterinnen habe;" dessgleichen unterstützte er 
auch selbst die neue geistliche Ansiedlung. ^) Seinem Domcapitel 
wendete er ebenfalls wiederholt ansehnliche Wohltbaten zu. *) Mit 
Freuden sah er Andere seinem Beispiele nachfolgen. So stiftete 
im J. 1232 die böhmische Königstochter und Wittwe des bairischen 
Herzogs Ludwig I, Ludnula^ aus eigenem Vermögen zum Seelen- 
heile ihres Gatten und ihrer Kinder das Cistercienserinnen- 
kloster Seligenthai bei Landshut. ') Graf Heinrich von Orten- 
burg unterstützte wieder das neue Kloster der „armen Schwestern^' 
zum h. Kreuze. ") Um diese Zeit entstand auch das Kloster der 
Clarissinnen zu Pielenhofen. ^) Auch für seine Domkirche 
erwarb Siegfried neue Schenkungen. ") — Dagegen brachte ihm 
seine treue Ergebenheit gegen Kaiser Friedrich grosse Verlegenhei- 
ten. Er war bereits im J. 1228 kaiserlicher Vicecanzler und spä- 
ter erster Hofcanzler geworden. Als solcher weigerte^ er sich im 
J. ^1240, die gegen seinen kaiserlichen Herrn verhängte Excom- 
munication in seiner Diöcese zu verkünden und wurde desshalb 
selbst von dem uns bereits bekannten päpstlichen Delegaten Albert 
Beham gebannt. Als aber nachher das Concil von Lyon die Ab- 
setzung Friedrichs aussprach, fügte auch er sich der Nothwendig- 
keit und trat offen auf die Seite des Papstes. Darum hatte er in 
den letzten Tagen seines Lebens noch manche Bitterkeit von Seite 

# 

der kaiserlichen Partei zu ertragen, bis er endlich im März 1246 



') Urk. Ried I. 866. 361. 

') Matrikel des Regeusb. Bisth. 609. 

^) Urk. Ried I. 372, 398. Diese „armen Schwestern" erhielten erst 1244 vom 
Bischof Siegfried die Regel des h. Augustin; erst 1484 nahmen sie die 
Regel des h. Dominicas an. (Matrikel des Bisth. Regensb. 513.) 

*) Urk. Ried L 355, 404. 

*) Urk. Ried 870. 

*) Ried 881. 

*) Matrik. des Bisth. Regensb. 507. 

») Urk. Ried 378, 402. 



394 

das Zeitliche segnete. Die Stadt Regensburg war zu seiner Zeit 
(1230) in den Rang der unmittelbaren Städte des Reichs eingetreten; 
dafür stand sie in Siegfrieds letzten Tagen um so fester auf des 
Kaisers Seite, so dass der Bischof sich noch genöthigt sah, das In- 
terdict Ober selbe auszusprechen. ^) 

§. 193. Fortselznng. 

1. Siegfrieds Nachfolger Albert I. Graf von Pütengau, 
bisher Canonicus von Halberstadt, kam durch Provision des Papstes 
auf den Stuhl von Regensburg. Man hatte sich eben eines treuen 
Anhängers der kirchlichen Sache versichern wollen. Das war er 
denn auch in der That. Er nahm das von seinem Vorgänger ver- 
hängte Interdict nicht bloss nicht zurück, sondern exequirte es in 
unnachsichtlicher Weise — durch Einstellung «des Gottesdienstes, 
der Administration der heiligen Sacramcnte und jedes kirchlichen 
Begräbnisses. Darüber brach ein Aufistand des Volkes in Re- 
gensburg aus. Der Bischof und seine Anhänger wurden vertrieben 
und ihm zum Hohne der Gottesdienst von gedungenen kaiserlich 
gesinnten Priestern von Neuem gehalten. Alle von Rom kommen- 
den Strafbefehle blieben unbeachtet, ■— diess um so mehr, als auch 
der bairische Herzog Otto fest zur Sache des Kaisers hielt. ') Da 
erfolgte im Jahre 1247 die Excommunication und das Interdict 
von Seiten des Papstes selbst über Otto und das ganze Baierland. 
Allgemeiner Krieg und unsägliche Verwirrung war die Folge. Der 
Dom und andere Kirchen in Regensburg und auf dem Lande 
waren profanirt und in Stallungen und Heumagazine verwan- 
delt. Die Wuth kam auf beiden Seiten zum Äussersten; be- 
reits scheute man auch Mord und Todtschlag nicht mehr. Un- 
ter diesen Umständen zieh man den Bischof Albert ganz offen 
eines Versuches, den Kaisersohn und König Konrad bei seiner 
Reise durch Baiern durch einen Lehensmann ermorden zu lassen. 
Der Friede kehrte erst wieder, als der neue Herzog Ludwig der 
Strenge zu Ende des Jahres 1253 die Zügel der Regierung er- 



') Schrödl 1. c. Gemeiuer 338 n. ff. Lang bair. Jahrbücib. 105 a. fL 
S Gemeiner 821, 362. 
') Gemeiner 854. 



395 

griff. ') Bischof. Albert zeigte sich aber auch noch weiterhin als 
einen sehr leidenschaftlichen Mann, der nicht leicht Ruhe und Ein- 
tracht zu wahren verstand. Daher musste er endlich — mannigfacher 
Veigehen in Hom angeklagt — im December 1260 auf sein Bis- 
thum resigniren. Er endete seine Tage im Kloster Sitteuberg. ') 
Übrigens hatte auch er sich als Wohlthäter seines Bisthums er- 
wiesen. Die Magdalenitinnen in Regensburg, das Benedictinerklo- 
ster Pröfening ') und das Prämonstratenserstift Windberg ^) 
konnten sich seiner Freigebigkeit rühmen. Auch seinem Capitel 
wandte er Wohlthaten zu. ^) Auch war unter seiner so bewegten 
Regierung im J. 1255 durch den regensburger Dompropst Heinrich 
Seemann das Augustiner-Eremitenkloster Seemannshau- 
sen und um dieselbe Zeit von Seiten der „armen Schwestern^^ in 
Regensburg das FiUalkloster Schwarzhofen errichtet worden.®) 
Von besonderem Interesse für uns ist es aber, dass im April 1258 
der kaiserliche Enkel Konradin „das ihm eigenthlimlich zu- 
stehende Patronat über die Kirche inEger^^ dem deutschen 
Orden übergab, ') welcher hinfort bis zur Reformation im Besitze 
dieses Patronats (zugleich auch über alle Kirchen des Egerlands 
mit Einschluss von Arzberg) geblieben ist. Eger selbst wurde 
eine Ordenscommende, die zur Ordensprovinz von Thüringen ge- 
rechnet wurde. •) 

2. An Alberts I. Stelle kam noch im J. 1260 durch päpstliche 
Provision der berühmteste aller regensburger Bischöfe in dieser 
Zeit — Albert 11. der Grosse. Aus dem edlen Stamme der 
Herren von ^oUstaedt entsprossen wurde er ums J. 1200 zu Lauin- 
gen an der Donau geboren. Er machte seine Studien in Padua 



^) Ebend. 358, 859. Urk. Ried I. 416, 430, 435, 437. 

») Schrödl in Wetzer's Lex. IX. 107. 

•) 1107 vom bamberger Bischöfe Otto gestiftet. 

*) Dieses auch für Böhmen wichtige Stift (es besass hier nach dem Zeugnisse 
der Confirmationsbücher die Gr&nzpfarreien Eisenstein, Albrechtsreut und 
Grafenried) war im J. 1140 vom Grafen Albert I. von Bogen und seiner 
Gemahlin Hedwig gestiftet worden. (Matr. des Regensb. Bisth. 506.) 

') ürk. Eied I. 488, 418, 442, 419. 

*) Matr. des Bisth. Regensb. 509, 514. 

^) Mon. Boic. Urk. dd. Dachovii. Siehe §. 158 S. 252. 

") Über die älteren Verhältnisse des Egerlandes s. meine histor. Analecten 
. über Eger und das f^erland, im Egerei Gymnasialprogramm 1864« 



396 

uad trat im J. 1223 in den eben entstandenen Dominicanerordea 
ein. Später lehrte er Philosophie und Theologie in den Kloster- 
schulen zu Hildesheim, Kegensburg, ') Köln und endlich in Paris, 
wo er den h. Thoman von Aquin erst zum Schüler und dann 
zum Nachfolger hatte. Er war es zuerst, der die Philosophie des 
Aristoteles im Mittelalter zur Geltung brachte und auch den na- 
turwissenschaftlichen Studien seine Aufmerksamkeit zuwandte. Er 
schrieb neben theologischen und philosophischen Büchern aller 
Art auch mehrere naturhistorische Werke, welche letztere wegen 
ihrer künstlichen Experimente lange Zeit sogar als Zauberbücher 
galten. ^) In den Jahren 1254 bis 1259 war er Provinzial des 
Ordens in Deutschland. ^) — Das Bisthum von Regensburg über- 
nahm er nur aus Gehorsam und behielt es auch nux* ein einziges 
Jahr. Dennoch war seine Regierung des Segens voll. Da er bei 
seiner armen Lebensweise sehr wenig bedurfte, so erholte sich das 
arg herabgekommene Einkommen des Bisthums in merkwürdiger 
Weise. Die Mendicantenorden gediehen zu hoher Blüthe; unter 
andern aber erlangte europäischen Ruhm der uns bereits bekannte 
regensburger Frandscaner B e r t h o 1 d Lech, der bei seinen Pre- 
digten in Regensburg und auf seinen Wanderzügen durch Baiern, 
Sachse, Böhmen, Mähren und Österreich ungeheure Menschenmen- 
gen versammelte. ^) Bischof Albert versuchte es wohl auch, die in 
den letzten wirren Zeiten arg herabgekommenen Sitten der Welt- 
geistlichkeit wieder emporzubringen;') aber gerade in diesem Puncte 
mag ihm sein bischöfliches Amt eine Gewissenslast geworden sein. 
Er zog sich im J. 1262 wieder ins Kloster nach Köln zurück, wo 
er im J. 1280 in sehr hohem Alter im Rufe der Heiligkeit 
verschied. Die Kirche feiert sein Andenken am 14. November. 

3. Albert der Grosse hatte einem würdigen Nachfolger Platz 
gemacht. Es war diess Leo Tundorfer, ein regensburger Pa- 
tricierssohn, bisher Dechant des Domstifts. Sein Name wurde un- 
vergesslich durch die Erbauung der neuen Domkirche. 



') In Begen^burg zeigt man noch heute eeine Lehrkanze}. 

') Werke wie „de alchymia, de secretis mulierum" u.dgl. worden ihm später 

unterschoben. 
°) Hefele in Wetzer's Lex. I. 143. 
*) Gemeiner 896. 
^) Bulle Alexanders IV. v. Id, Febr. 1260. 



397 

Am 20. April 1273 war die alte Cathedrale ein Opfer der Flammen 
geworden; da fasste er den Entschluss, die Stadt Begensburg mit 
einer neuen in erhabenem Style gebauten Cathedrale zu schmücken. 
Zu diesem Behufe wollte er selbst alles Mögliche opfern. Auch die 
Diöcese sollte das Ihrige für diesen Zweck in den Opferstock legen. 
Da aber diess Alles nicht genügen konnte, so stellte er im J. 1274 
bei seiner Anwesenheit auf dem Concile von Lyon an die dort ver- 
sammelten Bischöfe das Ansuchen, auch in ihren Diöcesen die 
Sammlungen durch Ertheilung von Ablässen zu unterstützen. Diess 
geschah denn auch in der That durch ein gemeinsames Breve 
vom 9. Mai 1274, und ansehnliche Beiträge flössen in Folge dessen 
namentlich aus den Diöcesen Deutschlands und Spaniens ein. Der 
Grundstein des neuen Domes wurde vom Bischöfe Leo selbst am 
23. April 1275 gelegt. ') — Aber auch anderweitig zeigte sich des 
Bischofs kirchlicher Eifer. Insbesondere war er ein grosser Wohl- 
thäter des Dominicanerklosters, dem er wiederholt erhebliche 
Schenkungen und Ablässe zuwendete. ^) Auch das S. Emmeran- 
Stift erfreute sich seines thätigen Wohlwollens. ') Das Domcapitel 
und die beiden Gollegiatstifte zu S. Johann und zur alten Capelle 
erfuhren ebenfalls wiederholt seine werkthätige Milde. *) — Schon 
im J. 1267 erlebte er auch die Freude, dass der Eath und die Ge- 
meinde von Regensburg den Augustinereremiten, die bereits 
etliche Jahre in grosser Dürftigkeit unter der Bürgerschaft domici- 
lirt hatten, ein Kirchlein (die Salvatorscapelle) nebst den nöthigen 
Baugründen zu einem Kloster zuwies. ^) Als der Klosterbau so 
weit gediehen war, nahm der Bischof den neugebildeten Convent 
urkundlich in seine Stadt und Diöcese auf. ^) Im J. 1268 erhielt 
auch die Stadt Eger zwei Klöster auf einmal und zwar beide durch 
die Munificenz der Patricierfamilien Hecht von Pograth und Honi- 
gar von Seeberg. Es war das Kloster der Minoriten zu Mariae- 
Verkündigung ') und das Clarissinnenstift S. Clara. Letzteres 



») Wetzer IX. 108. Gemeiner 404. 
') ürk. Ried I. 627, 550, 534. 
*) Ebend. 486, 496. 
*) Ebend. 468, 469, 472, 476, 491. 
^ Gemeiner 393. 
•) ürk. Ried I. 514. 

^) Observanten (Franciscaner im engern Sinne) bezogen erst 1463 dieses 
IQoBter. 



398 

sollte zunächst nur ein Haus fflr Tertiarerinnen sein, wurde aber 
sehr bald durch Vermittlung des Cardinais Matthaeus ein förmli- 
ches Kloster. ') Leider wurden beide Stiftungen schon im J. 1270 
ein Raub der Flammen, die damals die ganze Stadt Eger in Asche 
begruben. Fünf Minoritenbrüder und vier Nonnen fanden dabei 
einen schrecklichen Tod. Noch lebten aber die edlen Stifter und 
erbauten zunächst das Minoritenkloster sammt dem schönen gothi- 
sehen Gotteshause von Neuem. Sie vollendeten den Bau im J. 
1285. Darauf legten sie auch Hand an die Wiedererbauung des 
S. Clarastifts, welches im J. 1288 wieder aus den Trttmmern er- 
stand.') — Um 1270 tauchten die Flagellanten in der Diöcese 
von Neuem auf und machten dem guten Bischöfe grossen Kummer; 
er sah sich genöthigt, mit aller Strenge gegen ihr unverschämtes 
Treiben einzuschreiten. ') Auch die Juden mögen ihm einigen Kum- 
mer verursacht haben, denn er betheiligte sich im J. 1267 an den 
uns bereits bekannten Wiener Synodalbeschlüssen und führte diesel- 
ben auch in seiner Diöcese mit allem Ernste durch. ^) Schmerzlich 
mussten ihn auch die blutigen Kriege berühren, die um iliese Zeit 
zwischen Baiem und Böhmen zum Ausbruche kamen ; mit Freu- 
den übernahm er daher im J. 1271 das' Mittleramt bei PfemysI 
Ottokar II. in Prag. *) Er star)) im Juli 1277, nachdem er noch 
zuvor am 30. Juni 1276 die Freude gehabt hatte, den vollendeten 
Theil des Chores im neuen Dome consecriren zu können. *) 

§. 194. ForUetiing. 

1. Bischof Heinrich IL Graf von Rotteneck be- 
trachtete es als eine heilige Pflicht, das schöne Vermächtniss seines 
Vorgängers — den Dombau — in jeder Weise zu fördern und er wurde 
hierin ein Vorbild aller seiner Nachfolger bis gegen die Mitte des 



1) Ottokar IL schenkte ihm 1270 das Dorf Treanitz. Im J. 1373 besass es 
schon „TreunitZi UllrichsgrüD uud andere Güter,** dazu Ziusangen um Hof, 
freies Holz im Reichsforste und Steuerfreiheit. Im J. 1464 zählte es im 
Egerlande 98 eigene Höfe. (Pröckl II. 133.) 

*) Pröckl 1. c. Schlecht eger. Chronik MS. 

") Gemeiner 384. 

*) Ebend. 395. 

') Ebend. 400. 

') Matrikel des reg. Bisthams. S. 1. 



399 

15. Jahrhunderts, wo endlich das herrliche Gotteshaus in der Haupt- 
sache vollendet dastand. Bischof Heinrich widmete diesem Zwecke 
und der Aufbesserung seines Hochstifts seine ganze Erbgrafschaft 
Rotteneck. *) Überdiess suchte er auch die äusseren Verhältnisse 
des Domcapitels durch die Incorporation mehrerer Pfarrkirchen in 
die Höhe zu bringen. ^) Ein Ähnliches that er fär die Klöster 
Rohr , Ensdorf , Oberaltaich und Wellenburg. ^) Dem Frauenstifte 
in Nürnberg, den Augustinern und Magdalenerinnen in Regensburg 
und dem Kloster Rott wandte er reiche Geschenke und geijstliche 
Gnaden zu. ^) Zur Hebung des Gottesdienstes und des Chor^lge- 
sanges im Dome liess er Mönche von Heilbronn kommen und machte 
dafür auch eine besondere Stiftung. ^) Er hatte die Freude^ sein 
schönes Beispiel auch von Andern nachgeahmt zu sehen. Herzog 
Heinrich von Baiern verewigte sich bei seinem Tode im Jahre 
1290 durch bedeutende Schenkungen an Kirchen und Klöster. ^) 
Wallersdorf, Niederaltaich und viele andere Stifter erfuhren die 
Huld der Herzoge Otto, Ludwig und Stephan. ') Kaiser Rudolph 
gab im Jahre 1285 dem bei ihm in Eger weilenden Bischöfe die 
hohe und niedere Gerichtsbarkeit in Donaustauf. ^) Auch Kaiser 
Adolph beglückte das Hochstift und . die Klöster der Diöcese mit 
Gnadenbriefen. ^) Überdiess sah der fromme Bischof auch vier 
neue Ordenshäuser entstehen. Zwei davon stifteten die edlen Gra- 
fen von Leonberg, nämlich im J. 1279 die Deutschordenscommende 
in Ganghofen '^) und im J. 1296 das Kloster der Augustinerin- 
nen in N i e d e r V i e h b a c h. * lox^- 1285 gründete Heinrich von 



') Gemeiner 407, 408. Wetzer Lex. IX. 108. 
^) Urk. Ried I. 553. 684, 685. 

^) Ebend. 562, 598, 6S1, 642. Rohr war ein Augustiner-ChorherreuBtift, 
1133 von Adalbert von Rohr erbaut. Ensdorf, Benedict! nerkloster, 
1121 von Otto von Wittclsbach und Bischof Otto von Bamberg gestiftet. 
Weltenburg, Benedictinerkloster, angeblich schon 565 erbaut. 
*) Ried I. 550, 555, 617. 

') Schaegraf Gesch. des reg. Doms, 91. Ried I. 603. 
®) Gemeiner 427. 
'') Ebend. 441. Wallersdorf 1109 von Ernst Grafen von Kirchberg für Bene- 

dictiner gestiftet. 
') Gemeiner 422. 
*) Ebend. 441. 

'•) ürk. Ried I. 557. Vgl. Matr. d. reg. Bisth. 510. 
ii) Matr. des Bisth. Reg. 514. Urk. Ried I. 704. 



400 

Pfolling mit seiner Gemahlin Mathilde das Cistercienserstift 6ot- 
teszell >) Ein besonderes Interesse aber hat für uns der An&ng 
des Dominicanerkloisters in Eger. In dieser Stadt hatte 
Bischof Heinrich bei Gelegenheit der Vermählung des böhmischen 
Königs Wenzel n. mit der Kaisertochter Gutta im J. 1285 die eben 
fertig gewordene Franciscanerkirche zu Mariae Verkündigung am 2. 
Sonntage nach Pfingsten in Gegenwart von vier gekrönten Häuptern,') 
fünf andern Bischofen ') und vielen Fürsten und Herren feierlich 
consecrirt. *) Seitdem wären auch die Brüder des h. Dominicus 
in die vom Brande des J. 1270 noch nicht völlig hergestellte Stadt 
gekommen und hatten von der Bürgersehaft eine Anzahl noch wü- 
ster Baustellen zur Erbauung eines eigenen Klosters erhalten. Der 
Erbauer dieses letztern wurde nun ihr eigener Ordensbruder, Die- 
ther Graf von Nassau, der Bruder des im J. 1292 erwählten deut- 
schen Königs Adolph, welch' letzterer ebenfalls ein Erhebliches zum 
Klosterbaue beitrug. *) Dieser Diether gelangte später (im J. 1300) 
durch Provision des Papstes mit Zurücksetzung des vom Capitel 
erwählten Heinrich von Vanenburg auf den erzbischöflichen Stuhl 
von Trier •) und starb daselbst am 23. November 1307. ') — Bi- 
schof Heinrich IL war bereits am 25. Juli 1296 in ein besseres 
Leben hinübergegangen, nachdem er noch zuvor von den Capitdn 
zu Passau und Freisingen und von den Klöstern Heidenheim und 
Sehen urkundliche Zusagen seines Jahresg^dächtnisses , — ohne 
Zweifel gegen neue Wohlthaten — erlangt hatte. «) Überdiess hatte 
er sich auch von den Generalcapiteln der Prämonstratenser and 
Augustiner in die Confraternität aufnehmen lassen. ^) 



Ebeud. 507. 

') Nebst Kaiser Rudolph und König Wenzel noch der König von Polen und 

die Wittwe des Königs Ottokar. 
•) Von Prag, Passau, Merseburg, Naumburg, Olmütz. 
•) Pröckl, Eger und Egerland I. 29, cit. das Archiv der Franciscaner. 
^) Schlecht, Chronik v. £ger u. A. Ans dem letzt angeführten Umstände 

erklärt es sich, dass das Kloster von Anfang her über seinem Kirchthore 

den Reichsadler trug. 
*) Kopp, Gesch. der eidgenoss. Bünde III. 69. 
') Damberger XII. 529. 
8) ürk. Ried I. 884, 399, 616, 622. 
•) Ebend. 686, 652. 



401 

2. Ihm folgte Konrad V. von Luppur g. Nach dem 
Beispiele seines Vorgängers widmete auch er seine Herrschaft Lup- 
purg dem Dombaue von Regensburg. Überdiess suchte er jenem 
auch in der Wohlthätigkeit gegen kirchliche Anstalten nachzueifern 
So that er Erhebliches für die Klöster Windberg und Welten - 
berg, *) fär sein eigenes Domcapitel und für das von einem seiner 
Vorgänger gestiftete S. Katharinaspital in Regensburg. ^) Durch einen 
Gütertausch mit dem Kloster S. Emmeran ermöglichte er auch im 
J. 1299 die Anlage des Filialklosters Böhmischbrück.') Im 
tf. 1298 wurde seine Diöcese von jenem furchtbaren Aufstande 
gegen die Juden heimgesucht, der damals fast ganz Deutsch- 
land durchtobte. Es hiess, sie hätten das Sacrament des h. Leibes 
Christi in einem Mörser zerstossen und christliche Kinder gemartert 
und getodtet. Ein Schwärmer, Namens Rindfleisch, trat in der 
regensburger Diöcese auf und predigte allüberall die Ausrottung des 
unglücklichen Volksstamms. Da sich dabei auch Gelegenheit darbot, 
Beute zu machen, so fand er allerwärts Anhang in Massen. Man 
sah die unmenschlichsten Scenen in Nürnberg, Amberg, Neumarkt 
und anderen Orten. Jüdische Eltern gaben dabei selbst ihren Kin- 
dern den Tod, um ihnen grössere Qualen zu ersparen. Damals gab 
die Stadt Regensburg ein ehrenhaftes Beispiel der Gerechtigkeit. Als 
auch hier ein Blutbad der Söhne Israels angerichtet werden sollte, 
ergieng ein strenger Befehl des Rathes, den nicht zu richten und 
zu verdammen, den Gott nicht richte, noch auch dem rächenden 
Arme des Allerhöchsten vorzugreifen. *) Wir dürfen annehmen, dass 
da der Bischof Konrad der erste Ratbgeber zur Milde war. Ander- 
seits aber hielt dieser Oberhirt auch wieder mit aller Strenge auf 
die Beobachtung der Kirchengesetze und der Diöcesenstatuten und 
liess sich die Beobachtung derselben sogar von seinem Domcapitel 
urkundlich angeloben. ') Er starb am 26. Jänner 1313. 

3. Nach ihm bestieg der bisherige Notar des Kaisers Hein- 
rich und Schatzmeister des eichstädter Domstifts Nikolaus den 
bischöflichen Stuhl. Man nennt ihn einen gebornen Böhmen aus 



») Urk. ebend. 709, 717. 

») Urk. ebend. 731, 736, 740. 

«) Ebend. 719. 

*) Gemeiner 448 u. f. 

*) ürk. Ried II. 733. 

26 



402 

der Familiie der Edlen von Stachowitz. Seine Erhebung ver- 
dankte er ohne Zweifel seinem kaiserlichen Herrn, der aber schon 
im selben Jahre (am 24. August 1313) fern von der deutschen 
Heimat aus dem Leben schied. Es folgten nun die unglückseligen 
Thronkämpfe Ludwigs des Baiern und Friedrichs von Österreich bis 
zum J. 1322, und dann die noch schlimmem Streitigkeiten Ludwigs 
mit dem päpstlichen Stuhle, — in der That eine böse Zeit für unsem 
neuen Bischof Nikolaus. In ersterem Streite hatte er zumeist nur 
die Drangsale des Krieges zu beklagen, die seine Diöcese heimsuch- 
ten. Im Kampfe selbst blieb er neutral, und das war es wohl 
auch, was im J. 1315 den König Ludwig zu der nicht eben freund- 
lichen Verfügung bewog, der regensburger ßath habe den Abt von 
S. Emmeran in seiner bestrittenen Exemtion gegen die Ansprüche 
des Bischofs zu schützen. ^) Knapp am Ausgange des Thronstreits 
gerieth Bischof Nicolaus sogar noch durch Verdict des salzburger 
Erzbischofs in die kirchlichen Censuren, weil er die Verkündigung 
des Interdicts und der Excommunication gegen die niederbairischen 
Herzoge verzögerte, die eben damals die Steuerfreiheit der Geist- 
lichkeit zum Zwecke ihrer Kriegsrüstungen verletzt hatten. ') In- 
dess that er durch friedliche Verträge sein Möglichstes, um die 
Rechte des Klerus zu wahren ^) und erlangte desshalb um so leich- 
ter die kirchliche Absolution. ') Im spateren Kirchenstreite hielt 
er sich wieder einerseits von dem durch König Ludwig veranlass- 
ten Schisma fern, ^) entzog sich aber auch andererseits der Execu- 
tion des vonci Papste Johann XKII. gegen Ludwig ausgesprochenen 
Excommunicationsdecretes. Dass ihm daraus keine weiteren Ver- 
legenheiten erwuchsen, verdankte er angeblich seinem Keichthume 
und der grossen Geldnoth in Avignon. ") — Doch ausser diesen 
öffentlichen Drangsalen fehlte es unserem Bischof auch nicht an 
heimischem Kummer. So war im J. 1321 in einem Volksauflaufe 
zu Regensburg das Asylrecht des Bischofshofes verletzt und dem 



*) Matr. des Reg. Bisth. XLVIl., Schrödl in Wetzer's Lex, u. A. 

*) Gemeiner 493. Schlusslich gewannen die Emmeraner den diessfalls zu 

Avignon eingeleiteten Process. (Aventini Chron.) 
») Urk. Ried 797. 
*) Urk. Ried 800, HOl, 802. 
») 819. 

•) Vgl. Damberger XIII. 766, 817. 
') Aventini chron. 790. 



403 

Bischöfe jede Satiafkction verweigert worden. In Folge . dessen 
verUess Bischof Nikolaus die Stadt and verhängte über selbe deq 
Kirchenbann. Doch wurde bereits in wenigen Monaten der beider- 
seitige Friede durch Leistung der gefordeilen Genugthuung wieder 
hergestellt. ^) Im J. 1327 gerieth wieder der Bischof selbst in kirch- 
liche Gensuren, weil er sich geweigert hatte, die dem salzburger 
£rzbi8chofe vom Papste bewilligten Unterstützungsgelder zu entrich- 
ten; erst seine endliche Nachgiebigkeit veorschafite ihm die Absolu- 
tion. ^) Im selben Jahre gerieth er aber auch wieder mit der Stadt 
Regensburg ia Zwiespalt, der diessmal sogar zu einer förmlichen 
Fehde wurde. Er hatte sich nämlich etlicher von ihren Gegnern 
vertriebener Bathsglieder thätig angenommen. Ein förmlicher Frie- 
d^isschluss im J. 1328 endete auch diesen Streit. *) Im J. 1330 
hatte er die Kränkung, dass Kaiser Ludwig abermals den regens- 
burger Rath mit der Beschützung einer strittigen Exemtion gegen 
den Bischof betraute, diessmal betraf es das Schottenkloster S. 
Jakob.') Im J. 1337 hatte er wieder den Schmerz, eine neue 
Judenverfolgung in Deutschland und auch in seiner Diöcese 
ausbrechen zu sehen. Wieder hiess es, die Juden hätten Brunnen 
vergiftet und das h. Sacrament verunehrt, — und neuerdings wü- 
thete man mit Mordwaffen aller Art gegen die Unglücklichen. 
Besonders arg trieben es die Städte Deggendorf und Straubing. 
Die Stadt Begensburg nahm auch diessmal wieder die Verfolgten 
in Schutz. ^) — Wenn auch Bischof Nikolaus , wie schon aus dem 
bisher Erzählten erhellt, nicht eben ein Freund klösterlicher Exem- 
tionen war, so erwies er sich doch auch als eifrigen Beförderer 
des Klosterwesens. Namentlich empfahl er seiner Diöcesangeist- 



') Der betreffende Fall ist auch in rechtsgeschicbtlicber Beziehung interessant. 
Ein Bäcker, der zu kleines Brod geliefert hatte, wurde nach Bechtsbrauch 
auf ein Schnellbrett gesetzt und mittelst dessen in eine Schmutzlacke ge- 
prellt. Der so Gestrafte ermordete gleich darauf einen Bürger, der ihn 
nochmals in die Lacke zurückgeworfen hatte, — und floh in den Bischofs- 
hof. (Aventini chron. 783.) 

*) Gemeiner 519—522. 

=») Urk. Ried 816. 

*) Gemeiner 5S7, 539. 

YEbend. 543. 

®) Aventini chron. 799. Neben Regensburg wird nur noch Wien in Oester- 
reich genannt. 

26* 



404 

lichkeit in den Synodalstatuten des Jahres 1330 die Dominicaner, 
Minoriten, Augustiner, Carmeliten und die geistlichen Schwestern 
dieser Orden. ') Er sah es auch gern, dass zu seiner Zeit die Klöster 
Aldersbach, Niederviehbach und Prttfening neue Schenkungen ehiel- 
ten '^) und wurde auch selbst ein Wohlthäter für Oberaltaich und 
Niederviehbach. ') Bedeutendes that er f&r das S. Katharinaspital 
und vor Allem für sein eigenes Domcapitel. ^) Auch Hess er sich 
die Fortsetzung des Dombaus ernstlich angelegen sein und schenkte 
insbesondere dem neuen Dome die grosse Glocke. ^ Er fundirte 
auch im Dome zwei Vicarios perpetuos zur täglichen Frühmesse *) 
und überdiess für sich selbst ein Jahrel&gedächtniss im Kloster 
. Niederviehbach. ^) Er starb im October 1340 im Kloster Oberalt- 
aich. In seine Zeit (1321) fallt die Entstehung des neuen Bene- 
dictinerklosters Frauenzeil im Stauferwalde. Raimar von Brenn- 
berg gründete hier zunächst nur eine Einsiedelei mit einer Marien- 
kirche (daher der Name), welche letztere der Weihbischof Walt her 
von Regensburg imJ. 1325 consecrirte. Erst im J. 1351 
ward aus der Einsiedelei zuerst ein Priorat und im J. 1426 eine 
Abtei. ») 

§. 195. Schlass. 

1. Nach dem Tode des Bischofs Nikolaus spaltete sich das 
zur Wahl berufene Domcapitel in drei Parteien. Die eine wählte 
den eichstädter Domdechanteu Heinrich von Stein, die zweite 
den regensburger Propst Hyppolitus von Hohenberg und 
die dritte den Sohn des Nürnberger Burggrafen Friedrich von 
Hohenzollern. Heinrich von Stein erlangte ohne Wei- 
ters die Bestätigung des Kaisers Ludwig und begann sofort aufs 
eifrigste für den Dombau zu wirken. Allein als allzueifriger An- 



ürk. Ried 829. 

») Ebend. 770, 776. 

») Ried 848. Wetzer IX. 109. 

*) ürk. Ried 773, 827, 846. 

*) Ihre Umschrift: Sanctos collaudo, tonitrua fugo, funera claudo. 

■) Ried 783. 

') Kied 848. 

') Matrikel des Bisth. Reg. 499. Ried 785. . "* 



405 

■ 

bänger des Kaisers wurde er vom päpstlichen Stahle reprobirt 
und dafür der auch von der regensburger Burgerschaft gewünschte 
Burggrafensohn Friedrich als Bischof bestätigt. ^) So war 
also auch Regensburg von einem Schisma heimgesucht, das aber 
zum Glflck nur kurze Zeit andauerte. Heinrich — seit 1343 nur 
mehr in den Landgemeinden anerkannt und im Besitze einiger fe* 
sten Plätze ausserhalb Regensburgs — starb bereits im J. 1346. ') 
Kaiser Ludwig hatte nun keinen Grund mehr dem jungen \Sohne 
seines treuesten Anhängers und Freundes seine Bestätigung zu ver- 
sagen. Er ertheilte sie dem neuen Bischöfe Friedrich am 3. März 
1547. ^) Dagegen war nun der Streit Ludwigs mit dem Papste nach 
vielen fruchtlosen Sühnversuchen bis zum Äussersten gekommen. 
Am 13. April 1346 war in Avignon der grosse Kirchenbann über 
Ludwig verkündet worden ; letzterer aber hatte kaum Kunde davon 
erhalten, als er durch offene Briefe jede Verkündigung einer päpst- 
lichen Bulle bei den strengsten Strafen verbot. *) So schützte er 
wenigstens seine Freunde in Baiem und darunter auch den neuen 
Bischof Friedrich vor Verlegenheiten. Indess blieben hier andere 
Nöthen nicht aus. Schon am IL Juli 1346 war auch die Absetzung 
Ludwigs von der Kaiserwürde ausgesprochen und Karl IV. von 
Mähren zum Nachfolger erwählt worden. Da kamen die Plagen 
eines neuen Thronkriegs über das arme Baierland und namentlich 
über die zunächst an Böhmen gränzende Diöcese Regensburg. Selbst 
der Tod Ludwigs — am 11. October 1347 — endete diese Drangsal 
nicht ; denn nun erhob die bairische Partei den Grafen Günther 
von Schwarzburg zum Gegenkaiser, der erst zu Ende des 
Jahres 1347 unterlag und seine kurze Glorie mit einem frühen 
Tode bezahlte. Neue und fast ärgere Leiden sollten noch folgen. 
Im J. 1348 zeigte sich wieder allgemein im Lande die Pest (der 
schwarze Tod), — und in deren Gefolge im J. 1349 aufe Neue die 
Geisslerzüge und der J u d e n m o r d. Arg ward da wieder 



^) Er hatte am 5. Juni 1342 dem Kaiser und dessen Sohne das Gelöbniss 
geleistet, treu im Bündniss mit beiden — also namentlich gegen den Papst 
auszuharren. Vgl. Damberger XIY. €86. 

*) Ebend. 6d8. 

») Gemeiner II. 47. 

*) Damberger XIY. 871. Gemeiner U. 35. 

*) Damberger XIV. 835, 870. 



406 

das arme Baiern heimgesucht. Auch in Regensburg hatte sich bereits 
der Pöbel zu einem Vertilgungskampfe gegen die Söhne Israels 
gerüstet; doch zum Drittenmale verhütete die Energie des Rathes 
ein weiteres Blutvergiessen. ') Dagegen sah die Stadt Eger im 
nächsten Jahre (1350) die gänzliche Vertilgung der dort wohnhaf- 
ten Juden. ^) — Bischof Friedrich erfreute sich seit 1348 keiner 
besondern Liebe mehr. Nicht genug, dass er den Dombau ver- 
nachlässigte, so bedrückte er auch im J. 1349 seine ganze Diöcesan- 
geistlichkeit mit einer ungewöhnlichen Steuer, so dass desshalb 
von vielen Seiten ein förmlicher Recurs an den päpstlichen Stuhl 
geleitet wurde. ^) Überdiess verpfändete und verkaufte er fast 
alle Besitzungen des Bisthums, um nur Geld für seine masslose 
Verschwendung zu gewinnen, und um allen Vorwürfen seines Dom- 
stifts zu entgehen, übersiedelte er sogar gänzlich nach Böhmen und 
überliess die Verwaltung seiner Diöcese seinem Bruder Berthold, 
Bischof von Eichstädt. *) Erst im J. 1357 kehrte er — wie es 
scheint, auf Andrängen Roms — in sein Bisthum zurück, ohne 
aber den bereits angerichteten Schaden wieder gut machen zu 
können. ^) Bei diesem Anlasse verfällte er die Stadt Regensburg 
in das Interdict, weil damals bei dem üblichen Umzüge des Kin- 
derbischofs Ruprecht ^) ein Domherr von einem Bürger erstochen 
worden war.^) Um diese Zeit fungirte zu R^ensburg der Augusti- 
nerbruder Nikolaus Teschel als Weihbischof. ") Bischof Friedrich 
starb endlich im J. 1368. In seine Zeit (1347) fäUt die Stiftung 
des oberaltaicher FiUalklostei-s Elisabethzeil durch den Rit- 
ter Dietrich von Haybach. *) 

2. Friedrichs Nachfolger wurde Konrad V. von Haim- 
b e r g, der bisherige Dompropst , welcher in letzter Zeit das Bis- 



>) Ebend. IL 57. 

») Vgl. §. 187. 

') Gemeiner II. 55. 

*) BeBohwerdeschrift des Kapitels an den Papst hei Gemeiner II. 90 q. ff. 

*) Ebend. 100. 

^ Ein vielbekanntes Kinderfest, wobei ein Knabe den Bischof Ruprecht dar- 

steUte. 
') Gemeiner 102 u. f. 
■) Vgl. S. 309. 
') Urk. Ried II. 869. 



407 

thum bereits administrirt hatte. ^) Er Übernahm das Hochstift in 
trostlosem Zustande. Alle unmittelbaren Besitzungen desselben 
waren vergeudet und selbst die anderweitigen Einkünfte grossen* 
theils verpfändet und entfremdet. Da wurde nun der neue Bischof 
ein sparsamer und kluger Hausvater, und seiner Sorgfalt gelang 
es auch, das Bisthum in zeitlicher Beziehung wieder emporzubrin- 
gen. ^) Ja es wurde ihm selbst möglich , den Dombau ernstlich 
wieder aufzunehmen. Er erweiterte sogar noch den ursprünglichen 
Plan und liess zu diesem Ende die im Weg stehende Collegiat- 
k|rche S. Johann weiter gegen Westen versetzen. ^) Im Interesse 
der sittlichen Verbesserung seiner Diöcese unterwarf er dich mit 
Freuden dem zum beständigen apostolischen Legaten ernannten 
Metropoliten von Frag. *) und wohnte eifrig den dortigen Provin- 
zialsynoden bei. ^) Eine Folge hievon war es, dass er selbst im J. 
1377 auf einer Diöcesansynode zu Regensburg die strengsten Ge- 
setze über Zucht und Ordnung im Leben und Wirken der Qeist^ 
lichkeit verkündete. Auch führte er bei dieser Gelegenheit das 
Fest der h. Barbara in der Diöcese ein. ^) Dieselbe Synode hatte 
aber auch die Wahrnehmung herausgestellt, dass zahlreiche Be- 
ghuinen, die sich in der regensburger Diöcese als „S e e 1 w e i b e r'^ 
in der Krankenpflege verwenden liessen, häretischen Meinungen — 
denen in Böhmen gleich — anhingen ; desshalb wurde im J. 1378 
der Domdechant Heinrich als Eetzermeister aufgestellt, der mehrere 
Schuldige zur strengen Strafe des Feuertodes zog. ^ Im J. 1380 
wohnte Bischof Konrad auch noch einer Provinzialsynode zu Salz- 
burg bei, worauf er am 31. Juli 1381 im Herrn verschied. Unter 
ihm übersiedelten die Carmeliter von Regeusburg nach Straubing, 
wo ihnen im J. 1371 vom Herzoge Albrecht L ein neues Kloster er* 
baut worden war. ^) Von Regensburg hatten sie aus dem Grunde 



*) Gemeiner IL 149. 

») Ebend. 196. 

>) Ebend. 196. Schnegraf 119-181. 

*) Gemeiner 159. 

*) Höfler conc. Prag. 

*) Die Statuten dieser Synode erschienen 1785 und 1787 zu Straubing in 

Druck. Sie finden sich auch in Mon. Boje. XV. 
') Gemeiner 187. 
*) Matrikel des Bisth. Beg. 501. 



408 

scheiden müssen, weil sie sich erlaubt hatten, die Baulust des Bischöfe 
Konrad öffentlich von der Kanzel zu tadeln. — Zu Konrad's Zeit 
wurde auch in Begensburg das sogenannte Narrenfest durch 
ein Capitelstatut abgeschafft. Es bestand wie überall darin, dass am 
Feste der unschuldigen Kinder der niedere IQerus und die Studio- 
sen der Domschule aus ihrer Mitte einen Narrenbischof (stets einen 
jungen Geistlichen) wählten, der nun ein mit etlichen Possen aus- 
gestattetes *) Pontüicalamt hielt. Die Kleriker und Studiosen occu- 
oirten dabei die Domherrenstühle und sangen: „Deposuit potentes 
de sede et exaltavit humiles.^^ Alsdann folgte noch ein lärmen- 
der Umzug mit dem Narrenbischofe durch die Stadt. ') — 

3. Die Stadt Eger war mittlerweile für immer mit der 
Krone Böhmen vereinigt worden, ohne desshalb von der r^ens- 
burger Diöcese losgerissen zu werden. Seit 1149 in Privatbesitze 
der Hohenstaufen , war sie noch vor Konradins traurigem Ende 
im J. 1264 als Frucht des siegreichen Kampfes gegen Baiern an 
Pfemysl Ottokar von Böhmen gekommen. ^) Doch wurde dieser 
nach seinem ersten unglücklichen Kriege gegen Rudolph von Habs- 
burg wieder genöthigt, die „Mark Eger^^ im Vertrage zu Kamberg 
am 21. November 1276 an das deutsche Reich zurückzustellen. 
So ward damals Eger zum erstenmale eine unnüttdbare Stadt des 
Reiches (civitas imperii) ^), obwohl sie factisch in den Händen 
Ottokars blieb — als Pfandschaft für das der Kaisertochter Guta 
versprochene Heirathsgut. Die Schlacht auf dem Marsfelde am 
26. August 1278 zerriss aber wieder den Kamberger Vertrag, und 
wenn auch bald darauf das Verlöbniss des böhmischen Prinzen 
Wenzel mit Guta von Habsburg wieder erneuert wurde, so ward 
doch dabei der Stadt Eger nicht mehr gedacht. Kaiser Rudolph 
behandelte sie wieder als Stadt des Reiches bis zum J. 1289. ') 
Erst dann gelangte sie wieder als Reichspfand für die verheissene 
Mitgift Guta's neuerdings an Böhmen. ") Diese Pfandschaft wurde 



') So wurde z. B. statt des Weihraachs altes Leder gebraucht 
») Ried ürk. 11. 920, Schrödl bei Wetzer IV. 755, Hortig lürchengeBch. — 
310—313. ^ 



•') Vgl. S. 46. 
*) ürk. Perz H. 415. 
'') Urk. im Egerer Stadtarchiv. 
! 11 

*) Palack^-^ 359. 



409 

weiterhin auch vom Kaiser Adolph im J. 1292 und von Albrecht I. 
im J. 1298 erneut. Letzterer aber widerrief im J. 1304 die Ver- 
pfandung und in Folge dessen blieb nun Eger seit Wenzels IL 
Tode im J. 1305 bis 1315 wieder unmittelbar beim Reiche. Durch 
Vertrag vom 24. August 1316 gab aber Ludwig der Baier unsere 
Stadt von Neuem als Reichspfand an Böhmen, ') ohne aber dess- 
halb aufzuhören, Eger noch wiederholt mit seinem Besuche und 
mit Privilegien zu beehren. *) Im J. 1350 geschah endlich die voll- 
ständige und immerwährende Vereinigung der Stadt und ihres Ge- 
bietes mit der Krone Böhmens und zwar durch Kaiser Karl IV., 
der eben Pfandgeber und Pfandnehmer in einer Person war: je- 
doch wurden hiebei ihre hergebrachten Rechte und Privilegien 
feierlich bestätigt. *) — Schon unter den hohenstaufischen Herren 
hatte die Loslösung ansehnlicher Theile des alten „Egergaues'^ 
begonnen. Namentlich war im J. 1232 das Gebiet von Asch, 
Selb, Schönberg und B r a m b a c h an die Vögte von Plauen 
vergeben werden, und von 1228 bis 1414 brachten die nürnberger 
Burggrafen die sogenannten Sechsämter (Hochberg, Wunsiedel, Ru^ 
dolphstein, Eppr echtstein, Thierstein und Arzberg) an sich. Andere 
Orte hatten auch noch andere Herren erhalten. ^) Alle diese Strecken 
blieben aber desswegen ungestört bei dem Bisthume Regensburg. 
Doch auch diese Gebiete sollten wenigstens theilweise in eine nä- 
here Beziehung zu Böhmen kommen. Im J. 1331 begaben sich 

m 

nämlich die Besitzer von Asch unter die Lehenschaft der böhmi- 
schen Krone, — jedoch vorläufig mit Vorbehalt der den Vögten 
von Plauen zustehenden Reichspfandschaft. Letztere löste erst 
König Wenzel IV. im J. 1387 ab, indem er sie auf die Güter 
Neudorf und Heiligenkreuz übertrug. Doch dankte Asch den Vög- 
ten von Plauen noch die Einführung der deutschen Ordensbrüder 
in die dortigen Pfarrkirche; Heinrich der Ältere und seine Söhne 
hatten diess bereits eingeleitet und Kaiser Albrecht I. hatte die 



^) Mon. boica ad h. a. 

') Urkunden im Stadtarchiv v. 1818, 1821, 1880. 

') Urk. im Stadtarchiy. Vgl. meine Monographie: histor. Analekten über 

Eger nnddas JSgerland, im Kgerer (}ymnaaialprogramm für 1864. 
^) Scherber, baireuther YaterlandBgesch. 1. 86—189, Lang bair. Jahrbücher a. A. 



410 

Übergabe am 28. Jänner 1307 bestätigt. ^ — Anderseits kaufte 
wieder Karl IV im J. 1353 die Schlösser Störnstein, Neustadt, 
Hirschau und Lichtenstein in der heutigen Oberpfalz und vereinigte 
damit in Kurzem auch noch die festen Städte und Märkte Sulz* 
bach, Rosenbacb, Hertenstein, Neidstein, Turndorf, Hilboldstein, 
Hohenstein, Lichteneck, Frankenberg, Laufen, Eschenbach, Hers- 
brück, Auerbach, Weiden, Pegnitz und Plech, so dass nun die Be- 
sitzungen Böhmens fast bis an die Tliore von Nürnberg reichten. ^) 
Doch blieben sie nicht unmittelbares Krongebiet, sondern wurden 
als getheilte Lehen vergeben. Immerhin aber war hier die Krone 
Böhmens in ein näheres Verhältniss zum Bisthume Kegensburg 
getreten. 



') Pitter's, Unparteiische gutäciitliche Bedenken über die zwischen der Krone 
Böhmen und den Herren yon Zedtwitz wegen Unmittelbarkeit der Herr- 
schaft Asch etc. S. 11—15. 

• Palack^-TT^ 215 u. f. 
* 2 



Anhang. 



l¥lchtigere Ilrkuiiden. 

Goldeoe Balle Friedrichs II. 

dd. Eger 4. Idns Julii 1213. 

In nomin« sanctae et individuae Trinitatis. Fridericns , divina favente 
dementia Romanorum rex, et semper Augustus, et rex Siciliae. 

Regnum nostnun tunc stabiliri confidimus , cum altissimum , de cuias 
manu ea, quae possidemus, bona recepimus, iionoramus. Tanto enim Domino, 
qoi bona tribuit nobis, ad ofierendas hostias operis et devotionis adstringimnr, 
quanto ipsam misericordem in nobis et mirabilem experinmr. Cognoscentes 
igitar gratiam, quae data est nobis ab ipso , habentes qiioque prae oculis im- 
mensa et innumera beneficia vestra, domine reverendissime pater, protector et 
benefactor noster, domine Innocenti, Dei gratia summe pontifex venerande, per 
cuitts beueficium, operam et tutelt^m aliti sumus, protecti pariter et promoti, 
postquam in soUicitudinem nostram mater nostra felicis memoriae Oonstantia 
imperatrix et Siciliae regiua ex ipso quasi utero jactavit nos, 

I. vobis, beatissime pater, et omnibus successoribus vestris catholicis, 
sanctaeque ecclesiae Romanae speciali matri nostriie omnem obedientiam, hono- 
rificentiam, atque reverentiam semper humili corde ac devoto spiritu impen- 
dimuB, quam praedecessores nostri reges et imperatores catholici vestris ante- 
cessoribuB impendisse noscuntor» nihil exinde voloites diminui, sed magis augeri, 
ut mi^or devotio eoitescat. 

n. Illum igitur valentes abolere abusum, quem quidam praedecessorom 
nostrorum exercuisse dignoscuntur, decretum in electionibus praelatorum, e<yn- 
cMmim» et saneimttay ut tUctitmea praekUarwm Ubere et ccmondee fiant, qua- 
temtg ilU pr4M€^€iatur tceUHae viduaUie, quem totum eapitulum vel major vel 
sam&r paits ipHue äuaerit eliffendmnj dummodo nMl deeit et de canoni^ 
inetkttiiß. 



412 

III. Appellationes autem in negotiis et caasis ecdesiasticifl ad sedem apo- 
Btolicam libere fiant, earum persecutionem sive proceasom nullos impedire 
praesumat. 

IV. lUmn quoque dimittimus et refutamus abusum quem in occapaodis 
bonis decedentium praelatorum aut etiam ecclesiarum vacantiam nostri con- 
sueverunt antecessores committere pro motu propriae volontatis ; omnia nos 
spiritualia vobis et aliis ecclesiaruin praelatis relinquimus libere disponenda, 
ut, quae sunt Caesaris, Gaesari et quae Dei, Deo recta distribatione reddantnr. 

y. Super eradicando autem faaereticae pravitaüs errores auxilium dabi- 
mus et operam efficacem. ' 

VI. Possessi ones etiam y quas ecclesia Romana recuperavit ab antecesso- 
ribus nostris seu quibuslibet aliis deteutas liberas et quietas sibi dimittimus 
et ipsam ad eas obtinendas bona fide promittimus a^juvare, quas vero nondum 
recuperavit, ad recuperandum erimus pro viribus ac^utores et quaecunque ad 
manus nostras devenient, sine difficultate ac mora eas restituere satagemus. 
Ad has pertinet tota terra, quae est a Radicofano usque ad Ceperanum, Marchia 
Anconitana , ducatus Spoletanus , terra comitissae Mathildis , comitatus Berti- 
noris et exarchatus Ravennae , Pentapolis, Massa Trebaria cum adjacentibns 
terris Omnibus aliis ad Romanam ecclesiam pertinentibus cum omni jurisdictione, 
districtu et honore suo. 

VII. Verum tarnen cum ad recipiendum coronam imperii vel pro necessi- 
tatibus ecclesiae ab apostolica sede vocati venerimus, de mandato summi pon- 
tificis praecipiemus procurationes sive fodrum ab ipsis. Omnia igitur aupra 
dicta et quaecunque alia pertinent ad Romanam ecclesiam, de voluntate et con- 
scientia, consilio et consensu principum imperii libere illi dimittimus , renun- 
tiamus et restituimus, necnon ad omnem scrupulum removendum, prent melius 
valet et efficacius intelligi, concedimus, conferimus, donamus, nt sublata omnis 
contentionis et dissensionis materia firma pax et plena concordia in perpetnum 
inter ecclesiam et imperium perseverent. 

Vin. A<yutores etiam erimus ad retinendum et ad defendendum ecclesiae 
Romanae regnum [Siciliae cum omnibus ad ipsum spectautibus tarn citra pharum, 
quam ultra, necnon Corsicam et Sardiniam ac cetera jura, quae ad eam peiünere 
noscuntur, tamquam devotus filins et catholicus princeps. Ut autem haec 
omnia memorato sanctissimo patri nostro domino Innocentio sacrosanctae Ro- 
manae ecclesiae summo pontifici eiusque successoribns per nos et nostros succes- 
sores Romanorum reges et imperatores observentur firma et inconvulsa semper 
permaneant, praesens Privilegium conscriptum mi^estatis nostrae anrea bulla 
jussimus communiri. Testes autem hi sunt: Sigefridus Moguntinus archiepiacopus, 
sedis apostolicae legatus; Eberhardus Salisburgensis archiepiscopus; Conrados 
Ratisponensis episcopus ; Otto Wirzburgensis episcopus ; Manegoldus Pataviensis 
episcopus; Engerardus Citizensis episcopus; Ottocarus Bohemorum rex; Lado- 
vicus dux Bavariae; Leopoldus dux Austriae et Stiriae; Hermaonos landgrafius 
Thuringiae; comes Albertus de Eberstein; comes Adolfus de Sonnenberg; coraes 
Burchardus de Manneswelte; Bemardus Bers; comes Ludovicas de Wittern- 
berg; Gebhardus Busclavius Magdeburgensis ; Henricus de Stahenwerch; Wal- 



413 

teniB deLangenberg; Henricns de Galandina marestalcns imperii; Walteras de 
Sepf pincerna imperii et alii quam plures. 

Signum domini Friderici II. Romani regis invictissimi et regis Siciliae. 

Ego Gonradus, dei gratia et apostolicae sedis Metensis et Spirensis epi- 
scopuSy imperialiB aulae cancellarius, vice domini Sigefridi Mognntini archiepi- 
Bcopi et apostolicae sedis legati ac totius Germaniae archicancellarii, recognovi. 

Acta sunt haec. anno dom. nostri Jesu Christi 1218. indict. L , regnante 
domino Fridrico secnndo Rom. rege glorioso et rege Siciliae , anno regni eins 
Romani primo, regni vero eins Siciliae decimo sexto. 

Datum apud Egram per manus Bertholdi de Nife regalis aulae proto- 
notarii. IV. Id. Julii. 

(Schannat conc. Germ. III. 495 u. ff.) 



Privilegium der iDiDiuDitllt des Prager Erzbisdiofs in 

temporaübus. 

Urkunde Ottokars I. dd. 9. Juli 1221, confirmirt durch Karl lY. dd. Idus Maji 1852. 

Carolus Dei gratia Romanorum rex semper augustus et Bohemiae rex 
ad perpetuam rei memoriam. Quamquam Deo juyante regiae benignitatis de- 
mentia, et ex assumpta cura regiminis universorum saluti ex quodam debito 
teneamur intendere, per amplius tamen ad procnrandam quietem sanctae Pra- 
gensis ecclesiae nos obligatos fore conspidmus, quae per sacrum regenerationis 
lavacrum nos a contracta originalis inquinamenti peste mundificans habilitavit, 
ad gloriam et in spem beatae reposuit laetitiae sempitemam. Sane venerabilis 
Amesti Pragensis archiepiscopi, prindpis et deyoti nostri dilecti, nuper sere- 
nitati nostrae oblata supplicatio continebat litteras quasdam clarae memoriae 
illustris Ottocari, quondam Bohemiae regis, proavi nostri dilecti, quas super 
certis juribns, gratiis et honoribus dictae Pragensis ecclesiae venerabilium 
antistitum ibidem obtinuit operosa sedulitas, approbare, ratificare et confirmare 
de benignitate regia dignaremur: quarum tenor per omnia sequitur in haec verba. 

„In nomine Patris et Filii et Spiritus sancti^ amen. Nos Ottocarus Dei 
»gratia Bohemorum rex uniyersis Christi fidelibus praesentis privilegii iiteras 
ninspecturis. Humanae naturae conditio semper trahit ad se hominis miseriam 
„et defectum, et quanto plus homo in hoc mundo foris transitoriis rebus invol- 
»vitur, tanto magis virtus interior enervatur. Unde veram credimus salubris con- 
„silü medicinam, ut sicut quis cadit per yitium, sie assuescat resurgere per vir- 
„tutem, müdme jus restituens alienum, quod nuUum posse absque peccato et 
„mortis interitu detineri credere jure possumus et debemus. Hinc est igitur, 
»quod universos volumus non latere, quod cum inter nos et venerabilem patrem 
„dominum Andream Pragtnsem episcopum super libertate Pragensis ecclesiae 
»et aliis articulis apud examen sedis apostolicae quaestio verteretur^ per sanctis- 
»simi patris domini Honorii tertii pontificis providentiam de voluntate partium 
»est statutum, ut deperdita privilegia nostra et antecessorum nostrornm, quorum 



414 

^enorem idem epwcop^ suo jwamemto probarcU, oos reBtaamre FragenBi epis- 
qCopatui et ecclesiae deberemus, pro quo siquidem et aliis adimplendis com yene- 
„rabilis pater dominus Gregorius de Grescentio 8. Theodor! diaconus-cardinalis 
„in Regno Bohemiae legationie officio fongeretur, et idem episcopus in ipsios 
„venerabilis patris domini legati praesentia, multia astantibus epiBcopis, abbati- 
„busy aliis ecclesiarum praelatis et mn^oribus baronibus regni nostri, secondom 
„teuerem infra posi